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Friedrich Ludwig von Sckells „Natur-Garten“ für den Grafen Montgelas

„Niedliche Voralpe [...] in ihrem grünen Kleide“

In der östlichen Isaraue und auf dem Isarhochufer entstand im frühen 19. Jahrhundert der bedeutendste private Landschaftsgarten Münchens. Friedrich Ludwig von Sckell (1750–1823, 1808 geadelt) entwarf diese weitläufige Anlage.

1803 erwarb Staatsminister Maximilian Joseph von Montgelas (1759–1838) den Edelsitz Stepperg in Bogenhausen. Der Neubau eines Landhauses auf dem Hochufer war geplant, wurde jedoch nicht verwirklicht. Vielmehr konzentrierten Montgelas und seine Gemahlin Ernestine (1779–1820) geb. von Arco sich auf die Neuanlage des Gartens, die sie dem 1804 zum Hofgarten-Intendanten ernannten Hofgärtner Sckell übertrugen.

Das ab 1805 durch Sckell gestaltete erste Wiesental sagte Montgelas so zu, dass er ihn 1813 mit Erweiterungen in den Isarauen beauftragte. Kurz vor 1830 ließ er den Garten nach Norden hin um eine landwirtschaftlich genutzte Partie erweitern. Dieser gegenüber dem Englischen Garten gelegene, etwa 40 Hektar große erste Münchner Landschaftsgarten östlich der Isar begann etwa auf der Höhe der Schwaige im Hirschanger und erstreckte sich entlang dem Brunnbach weiter Richtung Oberföhring.

Der Haupteingang zum Garten befand sich am Fuß des Hochufers nahe der 1804 errichteten hölzernen Isarbrücke. Sie wurde 1812 durch eine Brücke mit gemauerten Pfeilern ersetzt (heute: Max-Joseph-Brücke). Zunächst mussten im Schwemmgebiet unter enormen Anstrengungen Unmengen an Kies und Gestrüpp entfernt und unzählige Wagenladungen Humus aufgebracht werden. So gelang es Sckell, am östlichen „Gestade der reißenden Isar“ eine „niedliche Voralpe [...] in ihrem grünen Kleide“ [zit. nach Sterler 1830, S. 12] zu modellieren und „die lieblichsten ländlichen Naturscenen“  [zit. nach Sterler 1830, S. 20] künstlerisch zu gestalten. Von den Wegen der Wiesentäler und von Aussichtspunkten auf dem Hochufer aus inszenierte Sckell eindrucksvolle Blicke auf die Residenzstadt und nach Ober- und Unterföhring, bei gutem Wetter nach Norden bis Freising und nach Süden auf die Alpenkette.

Sckells künstlerische Überformung der Isaraue und des Hochufers zu malerischen Szenerien des Landschaftsgartens hat in der Münchner Stadt- und Grünplanung des 19. Jahrhunderts eine nachhaltige Wirkungsgeschichte. Von dem berühmten „Naturgarten“ selbst, der 1838 an Herzog Max Joseph in Bayern verkauft wurde und später im Villenviertel des Herzogparks aufging, lässt sich lediglich am malerischen Brunnbach noch eine Ahnung gewinnen.

Bilder

Plan des Gartens nach Sckells Entwurf 1813, Holzstich, 1828
Plan des Gartens nach Sckells Entwurf 1813, Holzstich, 1828 1813 legte Sckell dem Grafen Montgelas einen kolorierten Plan für eine erste Erweiterung des Landschaftsgartens nach Norden hin vor, der ab Frühjahr 1814 ausgeführt wurde. Kurz zuvor war im Zuge der Isar-Begradigung auch am östlichen Ufer ein Damm angelegt worden, der die Anlage schützte: eine Voraussetzung für die Erweiterung. Der in Sckells Auftrag vom Zeichner der Hofgarten-Intendanz Dionysius Zischl gezeichnete, nicht erhaltene Plan lag dem britischen Gartenexperten John Claudius Loudon (1783–1843) vor, der 1828 München besuchte. Seine Kopie des Plans publizierte er 1833. Eine Ungenauigkeit ist zu vermerken: Ziffer d bezeichnet nicht „the river Iser“, sondern den Verlauf der heutigen Montgelasstraße. Der von Loudon publizierte Plan Sckells zeigt einen in geruhsamen Schwüngen an der Gartengrenze verlaufenden Belt Walk (Gürtelweg) und eine dichte Gestaltung der Isaraue mit Clumps (Gehölzgruppen). Die Anlage zeichnete sich durch eine in Münchner Gärten vor Sckell unbekannte Sortenvielfalt der Gehölze und blühenden Sträucher aus. Quelle: John Claudius Loudon: The Gardener’s Magazine 1833, S. 395, fig. 106.
Die erste Gestaltungsphase des Gartens, ab 1805
Die erste Gestaltungsphase des Gartens, ab 1805 Ab 1805 entwarf Sckell zunächst eines der für sein Werk so charakteristischen Wiesentäler in der Aue unterhalb des alten Stepperger Edelsitzes. Quelle: Franz Schiermeier: Stadtatlas München. Karten und Modelle von 1570 bis heute, hg. Münchner Stadtmuseum, Stadtarchiv München, München 2003, S. 83. Erstellt von: Statistisch-Topographisches Büro, Umgebungen von München, Kupferstich, 1812, Detail
Die ausführlichste Beschreibung des Gartens, 1830
Die ausführlichste Beschreibung des Gartens, 1830 Der „Montgelas’sche Naturgarten zu Bogenhausen bei München“ ist Gegenstand einer Publikation des Apothekers und Botanikers Alois Sterler (1787–1831). Sterler, der auch den Pflanzenbestand der Nymphenburger Glashäuser erfasst hatte, beschrieb die außergewöhnliche Schönheit der Anlage und die von Sckell und seinen Nachfolgern kenntnisreich zusammengestellten Gruppen von Gehölzen und Sträuchern. Quelle: Alois Sterler: Der gräflich von Montgelas’sche Naturgarten zu Bogenhausen bei München, 1830, Titel.
Plan der Königlichen Haupt- und Residenz-Stadt München. Neu bearbeitet von Joseph Heyberger, Lithografie, 1865, Detail
Plan der Königlichen Haupt- und Residenz-Stadt München. Neu bearbeitet von Joseph Heyberger, Lithografie, 1865, Detail Sckell hatte den aus großen rechteckigen Beeten bestehenden Küchengarten beim unteren Einfahrtstor angelegt und dort ein großes Glashaus für die Ananas- und Blumentreiberei errichtet. Dieser „Tempel der Flora“ brauchte den Vergleich mit dem Glashaus im (Alten) Botanischen Garten in der Maxvorstadt nicht zu scheuen. Die Pflege der ungewöhnlich reichhaltigen Kulturen seltener exotischer Gewächse, Obst- und Gemüsesorten oblag dem Gärtner Jakob Seimel und dem Blumengärtner Joseph Zinker. 1865 bestand diese Partie noch. Die 1838 an Herzog Max Joseph in Bayern verkaufte Anlage ist bezeichnet als „Herzoglicher bayerischer Hofgarten“. Quelle: Franz Schiermeier: Stadtatlas München. Karten und Modelle von 1570 bis heute, hg. Münchner Stadtmuseum, Stadtarchiv München, München 2003, S. 107.
Gedenktafel für Friedrich Ludwig von Sckell und Maximilian Joseph Graf von Montgelas, 2002
Gedenktafel für Friedrich Ludwig von Sckell und Maximilian Joseph Graf von Montgelas, 2002 An der östlichen Straßenecke Montgelas- und Möhlstraße wurde 2002 im Auftrag der Montgelas-Gesellschaft e.V. eine durch Peter Weidl geschaffene Gedenktafel für Sckell und Montgelas angebracht. Sie ehrt den Gartenkünstler und den Staatsmann als die „Gestalter des ‚neuen Bayern‘ und der Stadt München“. Erstellt von: Iris Lauterbach

Ort

Am östlichen Isarufer, von der heutigen Montgelasstraße bis etwa Oberföhring | nicht erhalten

Metadaten

Iris Lauterbach, “Friedrich Ludwig von Sckells „Natur-Garten“ für den Grafen Montgelas,” MunichArtToGo, zuletzt zugegriffen am 23. Februar 2026, https://municharttogo.zikg.eu/items/show/318.