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Der Englische Garten

„Der Volksgarten ist […] die vernünftigste, wohltätigste, und lehrreichste Gymnastische Schule für Geist und Körper.“

Seit weit über 200 Jahren bewährt sich der weltberühmte Englische Garten in jenen wesentlichen Anliegen und Eigenschaften, die seiner Entstehung als „Volksgarten“ zugrunde lagen:

  • die gesellschaftspolitische Vision eines friedlichen und toleranten Umgangs der Menschen miteinander
  • der Genuss des künstlerisch gestalteten Naturraums jenseits der Enge und den Zwängen der Stadt
  • der herausragende künstlerische und ästhetische Rang des Landschaftsgartens mit seinen „Bildern der Natur“
  • die städtebauliche und ökologische Dimension der innerstädtischen Gartenanlage mit allen Qualitäten eines schützenswerten Naturraums.

„Der Volksgarten ist […] die vernünftigste, wohltätigste, und lehrreichste Gymnastische Schule für Geist und Körper.“ [Zit. nach Sckells Denkschrift von 1807, S. 97]. So charakterisierte der bayerische Hofgarten-Intendant Friedrich Ludwig von Sckell (1750–1823, 1808 geadelt), der bedeutendste deutsche Gartenkünstler seiner Generation, 1807 den „Volksgarten“. Gartentheoretisch folgte er damit Christian Cay Lorenz Hirschfeld (1742–1792), der dieses Konzept bereits 1785 formuliert hatte. Der im landschaftlichen („englischen“) Stil angelegte Münchener Park ist der erste große „Volksgarten“ überhaupt und mit einer Fläche von 384 Hektar die weltweit größte innerstädtische Gartenanlage.

Der zunächst auch als Theodors-Park bezeichnete Englische Garten entstand als Ergebnis einer Staats- und Gesellschaftsreform, die von Kurfürst Carl Theodor (1724–1799, reg. Kurfürst von Bayern 1778–1799) und seinem Minister Benjamin Thompson (1753–1814, ab 1792 Graf Rumford) konzipiert wurde. Hierzu zählte Rumford die Bestellung von Gärten, um das Militär in Friedenszeiten sinnvoll zu beschäftigen. In München entstanden ab Juni 1789 sogenannte Militärgärten im Hirschanger in der Isaraue unweit des Hofgartens. Am 13. August 1789 verfügte der Kurfürst, auf diesem Gelände einen Garten anzulegen, in dem die Stadtbevölkerung sich in ihren Erholungsstunden erquicken könne. Dies ist der Gründungsakt eines der ersten öffentlichen Gärten, der zwar im Auftrag eines Fürsten entstand, aber nicht einer Residenz oder einem Schloss zugeordnet war. Er wurde ausdrücklich mit dem Ziel der Erholung des städtischen Publikums gestiftet.

Sckell legte die Grundzüge der Anlage. 1804 fertigte er einen Bestandsplan an („Plan A“), 1807 folgte sein Entwurf für die Weiterentwicklung der Anlage („Plan B“). Diese gartenkünstlerische Vision kommentierte Sckell in einer Denkschrift zur „Charakteristik des Volksgartens“. Zentrales Thema dieses urbanistischen Manifestes ist das Bedürfnis der Stadtgesellschaft – in allen ihren sozialen und Altersschichten – nach Erholung und friedlicher Geselligkeit im Schoße der Natur.

Der Englische Garten befindet sich in der Obhut der Gärtendirektion der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen. Seit den 1990er-Jahren wird die differenzierte räumlich-visuelle Konzeption des Gartens in Anlehnung an Sckell wieder sichtbar gemacht, die pflanzliche Ausstattung kontinuierlich erneuert und wiederhergestellt. Das seit 2023 durchgeführte Projekt zur Wiederherstellung der artenreichen Wildblumenwiesen macht den Englischen Garten als Lebensraum seltener Tiere, Insekten und Vögel und als Ort der Artenvielfalt erkennbar.

Bilder

Licht und Schatten
Licht und Schatten Die Gartenszene aus dem Englischen Garten zeigt, wie differenziert Sckell seine „Bilder der Natur“ aus Gehölzen, Wiesen und Gewässern komponierte. In einem Blickfenster ganz hinten links sind die Türme der Frauenkirche zu erkennen. Quelle: Friedrich Ludwig von Sckell, Beiträge zur bildenden Gartenkunst, München 1818, Taf. 6
Das Gedenken an die Veredelung der Natur – Die Marmorexedra, Ende 20. Jh.
Das Gedenken an die Veredelung der Natur – Die Marmorexedra, Ende 20. Jh. Anstelle des baufälligen Apollotempels auf einer von einem Nebenarm des Oberstjägermeisterbachs umflossenen Halbinsel im Hirschangerwald ließ Ludwig I. 1838 nach Entwurf von Leo von Klenze eine steinerne Ruhebank errichten. Diese Marmorexedra ist mit einer monumentalen Inschrift versehen: „Hier wo Ihr wallet da war sonst Wald nur und Sumpf.“ Eine Voraussetzung für die Anlage des Gartens war es, hier – wie auch in dem jenseits der Isar gelegenen Montgelas-Garten – die sumpfigen Isarauen im Überschwemmungsgebiet von Kies und Gestrüpp zu befreien und unzählige Wagenladungen Humus aufzubringen. Erst der 1790 durch Adrian von Riedl am linken Ufer errichtete Damm bändigte die Fluten des Wildflusses Isar. Das Konzept einer grundsätzlichen Verschönerung, Verbesserung und „Veredelung“ „dieser ehemals öden Gegend“ wird im Garten mehrfach thematisiert. Quelle: Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek/Sammlungen, ZI-0953-03-00-Th219624
Der Schwabinger Bach, Postkarte, 1920
Der Schwabinger Bach, Postkarte, 1920 Quelle: Stadtarchiv München, FS-PK-STB-02078
Blick über die Schönfeldwiese und die Carl-Theodor-Wiese, 2019
Blick über die Schönfeldwiese und die Carl-Theodor-Wiese, 2019 Gärten sind empfindlich, die Vegetation wird durch den Klimawandel stark strapaziert. Wie alle historischen Gärten gerade in der Stadt und in Stadtnähe leidet auch der Englische Garten unter Übernutzung, Vandalismus und hohem Müllaufkommen. Die Schonung der natürlichen und historischen Ressourcen und ganz allgemein Respekt im Umgang mit den natürlichen Gartenkunstwerken sind unumgänglich, um sie intakt zu bewahren und für Alle attraktiv zu erhalten. Erstellt von: Iris Lauterbach
Der Hauptweg nach Norden in Richtung des Kleinhesseloher Sees, Postkarte, 1905
Der Hauptweg nach Norden in Richtung des Kleinhesseloher Sees, Postkarte, 1905 Der Garten, um 1800 für die damalige Bevölkerungszahl Münchens konzipiert, wirkte noch im frühen 20. Jahrhundert idyllisch. Heute wird der Englische Garten von Millionen Besucherinnen und Besuchern aufgesucht und steht unter einem enormen Nutzungsdruck. Quelle: Stadtarchiv München, FS-PK-STB-13277
Die wiederhergestellte Blickachse in die „Thompson-Wiese“ in der Hirschau, 2005
Die wiederhergestellte Blickachse in die „Thompson-Wiese“ in der Hirschau, 2005 1799 wurde die Hirschau im nördlichen Teil an den Englischen Garten angeschlossen. Sckell gestaltete auch diesen Bereich als eine durch Blickachsen verbundene Abfolge großer Gartenräume, die jede Begrenzung geschickt kaschieren. Die Hirschau im Norden ist ruhiger und weniger frequentiert als der überlaufene Südteil des Englischen Gartens. Seit 1966 trennt der Mittlere Ring den nördlichen Teil des Englischen Gartens mit der Hirschau nördlich des Kleinhesseloher Sees ab, auch akustisch eine starke Beeinträchtigung der Anlage. Eine Zerschneidung des Südteils des Englischen Gartens durch eine geplante Trambahnstrecke konnte 2024 verhindert werden. Nun steht zu hoffen, dass die Wiedervereinigung der nördlichen und der südlichen Parkhälfte durch eine Eintunnelung des Autobahnrings realisiert wird. Quelle: Michael Degle: Die Hirschau des Englischen Gartens: Raumbildung
mit Gehölzen bei Friedrich Ludwig von Sckell, in: Iris Lauterbach (Hg.): Der Gartenkünstler Friedrich Ludwig von Sckell (1750–1823) und seine Werke: Geschichte und Aktualität, Worms 2025, in: Die Gartenkunst 37, 2025, 1, S. 108.
Erstellt von: Michael Degle

Ort

öffentlich zugänglich

Metadaten

Iris Lauterbach, “Der Englische Garten,” MunichArtToGo, zuletzt zugegriffen am 25. Februar 2026, https://municharttogo.zikg.eu/items/show/310.