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„Rumfords Monument“ im Englischen Garten

Das früheste bayerische Denkmal für den amerikanischen Philanthropen und Reformer Bayerns

Schon zu seinen Lebzeiten, im Jahr 1796, stifteten dankbare Mitmenschen dem Naturwissenschaftler, Erfinder und Menschenfreund Benjamin Thompson (1753–1814, ab 1792 Graf Rumford) dieses Monument, das der Bildhauer Franz Jakob Schwanthaler (1760–1820) entwarf und ausführte. Es ist knapp fünf Meter hoch und besteht aus einem Sockel aus Kalkstein, über dem sich eine Giebelarchitektur aus Sandstein erhebt. Das Denkmal steht noch immer an seinem ursprünglichen Standort im Englischen Garten.

Der gebürtige Amerikaner Thompson stand seit 1784 im Dienst des bayerischen Kurfürsten Carl Theodor (1724–1799, reg. Kurfürst von Bayern 1778–1799). Als Minister war er der strategische Kopf einer philanthropischen Staats- und Gesellschaftsreform zum Wohle der Menschheit im allgemeinen und Bayerns im Besonderen. Thompson beabsichtigte, durch die Verringerung sozialer Not „die Glückseligkeit der Gesellschaft zu befördern“. Der zunächst als „Theodors-Park“ bezeichnete neue Münchner Volksgarten ging auf seine Initiative zurück. Denn besonders das Militär wurde durch den Grafen Rumford zu sinnvoller Arbeit in Friedenszeiten und am Feierabend verpflichtet. Im eigenen Gärtchen sollten die Soldaten Gemüse und Obst anbauen und bei der Gelegenheit auch die Kartoffel als Grundnahrungsmittel verbreiten. In München entstanden solche Militärgärten ab Juni 1789 in der Isaraue unweit der neuen Gartenvorstadt im Schönfeld nördlich des Schwabinger Tors. Wenige Wochen später berief Kurfürst Carl Theodor, einer der großen fürstlichen Gartenliebhaber seiner Zeit, seinen Hofgärtner Friedrich Ludwig Sckell (1750–1823, 1808 geadelt) aus dem kurpfälzischen Schwetzingen nach München. Unweit der Militärgärten legte Sckell den „Anfang und ersten Entwurf des Englischen Gartens“.

Bilder

Johann Carl Schleich nach Max von Rickauer, Der Englische Garten bey München, Kupferstich, 1806, Detail
Johann Carl Schleich nach Max von Rickauer, Der Englische Garten bey München, Kupferstich, 1806, Detail „Rumfords Monument“ wurde 1796 an einem der beiden Hauptwege errichtet, die vom Haupteingang des Englischen Gartens beim Hofgarten her in die Anlage hineinführten. Dieser am äußeren Rand des Gartens verlaufende Belt Walk (Gürtelweg) überquerte den Köglmühlbach, passierte den „Eleven-Garten“, der für Reitübungen des militärischen Nachwuchses genutzt wurde, und eine Wiese. Dieses für Sckell so typische Wiesental gibt es nicht mehr, seit hier 1933–1937 das „Haus der Deutschen Kunst“ errichtet wurde. Die ursprüngliche Inszenierung des Rumford-Denkmals an einem der beiden wichtigsten Wege in den Englischen Garten hinein funktioniert daher heute nicht mehr. Das Monument für den frühen sozialutopischen Reformer, einen der „Väter“ des berühmten Volksgartens, führt heute – zu Unrecht! – ein Schattendasein. Quelle: Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek/Sammlungen, ZI-BAB-28-Arch-180a
„Lustwandler steh!“ – Georg Pettendorfer, Das Rumford-Denkmal vom Weg her, Fotografie, um 1915
„Lustwandler steh!“ – Georg Pettendorfer, Das Rumford-Denkmal vom Weg her, Fotografie, um 1915 Mit dem für die frühen Landschaftsgärten so typischen pädagogischen Imperativ appelliert die Inschrift auf der Wegseite an die Promenierenden: „Lustwandler steh! / Dank staerket den Genuss. / Ein schoepferischer Wink Carl Theodors, / vom Menschenfreunde Rumford / mit Geist, Gefühl und Lieb‘ gefasst, / hat diese ehemals oede Gegend / in das, was Du nun um Dich sihest, / veredelt.“ Das Konzept der „Veredelung“ der Landschaft, des „improvement“, ist zentral für die wegweisenden zeitgenössischen Gartenkonzepte des berühmten englischen Gärtners Lancelot „Capability“ Brown (1716–1783) und seines Landsmannes Humphry Repton (1752–1818). In München war die Anlage des neuen Volksgartens auch eine Maßnahme der ökonomischen Landesverschönerung und physiokratischen Verbesserung. Das Sandsteinrelief mit der Personifikation der von einer Abundantia (mit Füllhorn) geleiteten Bavaria (mit Rautenschild) ist eine nationalökonomische Vision im Sinne Rumfords. Quelle: Stadtarchiv München, FS-NL-PETT2-1107
„Lustwandler geh!“ – Carl August Lebschée, „Rumfort’s Monument im englischen Garten“, Aquatinta, 1831
„Lustwandler geh!“ – Carl August Lebschée, „Rumfort’s Monument im englischen Garten“, Aquatinta, 1831 Beide Schauseiten des Monuments tragen Inschriften, die Rumford als Wohltäter der Menschheit und Förderer der öffentlichen Armenfürsorge rühmen. Auch die zum Garten hin ausgerichtete Hauptseite ruft zur Dankbarkeit und philanthropischen Nachahmung auf: „Ihm / der das schmaehelichste oeffentliche Übel / den Müssiggang und Bettel tilgte, / der Armuth Hilf, Erwerb und Sitten, / der vaterlaendischen Jugend / so manche Bildungsanstalt gab, / Lustwandler, geh! / Und sinne nach, ihm gleich zu seyn / an Geist und That, / und uns / an Dank.“ Quelle: Stadtarchiv München, HV-BS-B-02-14
Simon Warnberger, „Denkmal des Grafen von Rumford im englischen Garten“, Radierung, 1797
Simon Warnberger, „Denkmal des Grafen von Rumford im englischen Garten“, Radierung, 1797 Warnbergers Radierung zeigt eine nicht realisierte Version des Porträts von Rumford. Quelle: Thomas Weidner: Rumford. Rezepte für ein besseres Bayern, Ausst.-Kat. München 2014/15, München 2014, S. 340.
Das Rumforddenkmal heute, Fotografie, 2014
Das Rumforddenkmal heute, Fotografie, 2014 Das ausgeführte Porträtmedaillon aus Alabaster zeigt den Geehrten im antikischen Habitus. Quelle: Thomas Weidner: Rumford. Rezepte für ein besseres Bayern, Ausst.-Kat. München 2014/15, München 2014, S. 344.

Ort

am Südostrand des Englischen Gartens, nahe Lerchenfeldstraße, 80538 München | frei zugänglich

Metadaten

Iris Lauterbach, “„Rumfords Monument“ im Englischen Garten,” MunichArtToGo, zuletzt zugegriffen am 23. Februar 2026, https://municharttogo.zikg.eu/items/show/314.