"Franziskus als Friedensbote"
Franz von Assisi vor der Franziskaner-Klosterkirche St. Anna

Eine der wenigen Gewandfiguren des Bildhauers Martin Mayer.
Martin Mayer gestaltet 1978/79 eine mehr als zweieinhalb Meter hohe Bronzestatue des Franz von Assisi, die vor dem Postscheckamt (heute: "Isarpost" und "Isarklinikum") in der Sonnenstraße enthüllt wird. Als die Post die Immobilie verkauft, schenkt der neue Eigentümer das Kunstwerk 2008 den Franziskanern. Und so steht die Figur nun vor der Klosterkirche St. Anna im Lehel.
Franz von Assisi gilt als Vorbild für die Einfachheit der Lebensführung im Einklang mit der Natur. Leonardo Boff bezeichnet ihn als "westlichen Archetyp des ökologischen Menschen" (Boff, S. 57). Martin Mayer stellt den Begründer des Franziskaner-Ordens als mit Gottvertrauen ausschreitenden Friedensboten dar. Tauben umflattern ihn als Symbole des Friedens und der Natur.
Spiegelt der Bildhauer seine eigene Entwicklung vom jungen zum reifen Künstler mit den drei männlichen Bronzefiguren Orpheus (1962), Franziskus (1978/79) und Luther (1983)? Der Kunsthistoriker Werner Haftmann hält es für denkbar.
Martin Mayer (1931–2022) wurde als Sohn pfälzischer Eltern in Berlin geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er im Alter von 15 Jahren nach München und studierte bis 1954 beim Bildhauer Theodor Georgii, zunächst als Privatschüler, dann an der Akademie der Bildenden Künste. Als Theodor Georgii 1952 den von seinem Lehrer und Schwiegervater Adolf von Hildebrand gestalteten, im Krieg beschädigten Wittelsbacher Brunnen restauriert, vertraut er Martin Mayer einige der Bildhauer-Arbeiten an. Der nimmt 1953 als jüngster Bildhauer an der Großen Kunstausstellung im Haus der Kunst teil. 1957 richtet er sein erstes Atelier in München ein.
Theodor Georgii stirbt 1963 und hinterlässt Martin Mayer nicht nur sein vom Schwiegervater übernommenes Atelier im Hildebrandhaus in Bogenhausen, sondern auch Adolf von Hildebrands Bildhauer-Werkzeuge. Im Jahr darauf zieht der Künstler in eine Wohnung in der Borstei, und als das Hildebrandhaus abgerissen werden soll, verlegt Martin Mayer 1968 auch sein Atelier dorthin.
Der Kunsthistoriker Heinz Spielmann beschreibt, wie sich die von Martin Mayer mit kräftigen Strichen begonnenen Skizzen im Arbeitsprozess vom Detail lösen. Abstrahierung hält der Bildhauer für essenziell. Dabei denkt er nicht an abstrakte Kunst, sondern an die Subtraktion des Unwesentlichen. "Kunst […] ist erklärte Natur, Abstraktion, in der Zufälligkeiten zugunsten des Wesentlichen abgezogen sind, Zusammenhänge sichtbar werden", schreibt Martin Mayer 1991 in einem Brief an Dietrich Heyde (Heyde, S. 7f.), und dieser zitiert Theodor Georgiis Leitsatz: "Man sollte bemüht sein, der Natur so nahe wie möglich zu kommen, indem man sich vom Naturalismus mehr und mehr entfernt." (Heyde, S. 14). "Per naturam ad artem, per artem ad naturam" steht auf der Kugel der "Olympia Triumphans". Damit beschreibt Martin Mayer sein künstlerisches Selbstverständnis. Jede seiner etwa dreißig großen Bronzefiguren im öffentlichen Raum wirkt "geradezu gewaltig einfach" (Heyde, S. 29).
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