Die Kirche St. Anton
Neuromanische Pfarrkirche in der Isarvorstadt

Die Pfarrkirche St. Anton prägt seit dem späten 19. Jahrhundert die Münchner Isarvorstadt. Als Antwort auf das starke Bevölkerungswachstum errichtet, verbindet sie neuromanische Architektur mit der spirituellen Tradition der Kapuziner. Bis heute bildet sie einen zentralen religiösen und kulturellen Bezugspunkt im Viertel.
St. Anton entstand zwischen 1893 und 1895 nach Plänen des Architekten Ludwig Marckert (1850-1904), der einen neuromanischen Stil wählte, der sich durch klare Formen, Rundbögen und eine markante Backsteinfassade auszeichnet. Die Kirche wurde für die Kapuziner errichtet, die seit der Gründung des Klosters St. Anton 1847 im Viertel krankenseelsorgerisch tätig waren und den steigenden Zustrom an Gläubigen nicht mehr in der Schmerzhaften Kapelle fassen konnten. Am 10. März 1895 wurde das Gotteshaus durch Erzbischof Antonius von Thoma geweiht.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Anlage schwer getroffen: mehrere Brandbomben beschädigten am 3. Oktober 1943 das Dach der Kirche und die große Hitze zerstörte sämtliche Fenster. Auch der Drittordenssaal brannte bis auf seine Umfassungsmauern nieder, und sowohl die Schmerzhafte Kapelle als auch Teile des Klosters wurden ebenfalls von Brandbomben getroffen.
In den 1960er Jahren erfolgte im Zuge einer durch das II. Vatikanische Konzil angeregten liturgischen „Purifizierung“ eine umfassende Vereinfachung des Kirchenraums. Dabei wurden Altäre und zahlreiche dekorative Ausstattungen entfernt, darunter das Apsisgemälde und die Malereien des Hochschiffs. Als neues gestalterisches Element erhielten die Apsisfenster Glasmalereien des Künstlers Alfred Schöpffe (1917-1992).
Ende der 1980er-Jahre wurden im Zuge einer umfassenden Renovierung farbige Bändermalereien an Wänden und Gewölbe angebracht, um an die frühere bunte Gestaltung der Kirche zu erinnern.
Ende der 1990er-Jahre konnten zwei der Farbentwürfe der ursprünglichen Hochschiffmalereien von dem Wiener Maler Josef Kastner (1844-1923) mithilfe von 28.000 Mark Spenden erworben werden. Diese sind nun in einer Seitenkapelle zu besichtigen und zeigen Szenen aus dem Leben der Kirchenpatrone Antonius von Padua und Laurentius von Brindisi.
Trotz dieser Eingriffe bewahrt St. Anton ihren historischen Charakter. Ihre Lage gegenüber dem Alten Südfriedhof und ihre enge Verbindung zum Kapuzinerkloster machen sie zu einem wichtigen spirituellen und stadtgeschichtlichen Ort.
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