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Die Büste von Bernhard Borst

Martin Mayers Büste von Bernhard Borst

Mit der nach ihm benannten Borstei hat Bernhard Borst eine außergewöhnliche Siedlung gebaut.

Bernhard Borst (1883–1963) wurde in Offenburg geboren, kam aber im Alter von fünf Jahren nach München. Nach einer Maurerlehre besuchte er 1899 bis 1903 die Baugewerkschule München. 1908 machte sich Bernhard Borst als Architekt und Bauunternehmer selbstständig.

1923, ein Jahr nachdem ihm die Stadt München die Pacht für seinen Bauhof und Lagerplatz an der Thalkirchener Straße gekündigt hatte, erwarb er ein Grundstück neben dem damaligen Gaswerk an der Dachauer Straße in Moosach, um dort für sein Bauunternehmen Werkstätten, Büros und Wohnungen zu bauen. Die Jury für einen entsprechenden Architektenwettbewerb bestand aus den Architekten Theodor Fischer (1862–1938), Friedrich Beblo (1872–1947), Oswald Bieber (1874–1955) und Bernhard Borst selbst. Allerdings genügte keiner der im Glaspalast ausgestellten Entwürfe den Anforderungen. Deshalb erarbeitete Bernhard Borst selbst einen Entwurf.

Weil die Kündigung für das Grundstück an der Thalkirchener Straße zurückgezogen wurde und er es weiterhin für sein Bauunternehmen nutzen konnte, beschloss Bernhard Borst 1926 angesichts der Wohnungsnot, das gesamte Areal in Moosach für eine Wohnsiedlung zu verwenden. 1927 bekam er dafür die Baugenehmigung, musste jedoch aufgrund einer neuen Verordnung ein Mitglied des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) hinzuziehen. Bernhard Borst arbeitete daraufhin mit Oswald Bieber zusammen, der zuvor bereits der Jury angehört hatte.

Bernhard Borst wollte keine Mietskasernen errichten. "Ich erkannte viele, viele Nachteile der Einfamilienhäuser, wusste aber auch um die Trostlosigkeit der Mietskasernen in der Stadt, und so suchte ich die Wohnfrage mit meiner Borstei zu lösen, das Schöne der Einfamilienhäuser mit dem Praktischen einer Etagenwohnung zu verbinden. Dabei stimmte ich alles auf die Entlastung der Hausfrau und die Gesundheit der Menschen ab." (Huse, S. 212f.).

Für Parkettböden, Türen und Treppen verwendete Bernhard Borst slowenische Eiche. Der Komfort war außergewöhnlich: Zentralheizung, Warmwasser, Bäder mit Bidet. In einer Großküche bestellte Gerichte wurden mit Elektrokarren ausgeliefert. Eine Großwäscherei stand ebenfalls zur Verfügung, und es gab von Anfang an Einkaufsmöglichkeiten.

Statt die Wohnungen in der 1928 nach ihm benannten Siedlung mit Balkonen auszustatten, legte Bernhard Borst vom Gartenarchitekten Alwin Seifert (1890–1972) entworfene Gärten zwischen den Häusern an, und die schmückte er im Lauf der Zeit mit Dutzenden von Statuen und Brunnen ‒ ohne durch eine Kunst-am-Bau-Verordnung dazu gezwungen zu sein.

1962 schuf Martin Mayer eine Bronzebüste von Bernhard Borst, die im Rosengarten der Borstei zu finden ist. Der Bauunternehmer und der Bildhauer hatten sich 1959 über einen Musiker des Bayerischen Staatsorchesters kennengelernt. Drei Kunstwerke von Martin Mayer sind in der Borstei zu finden: die Büste von Bernhard Borst, der "Sitzende Keiler" und "Orpheus".

Martin Mayer (1931–2022) wurde als Sohn pfälzischer Eltern in Berlin geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er im Alter von 15 Jahren nach München und studierte bis 1954 beim Bildhauer Theodor Georgii, zunächst als Privatschüler, dann an der Akademie der Bildenden Künste. 1953 nahm Martin Mayer als jüngster Bildhauer an der Großen Kunstausstellung im Haus der Kunst teil, und 1957 richtete er sein erstes Atelier in München ein.

Theodor Georgii, der Schwiegersohn des Bildhauers Adolf von Hildebrand, starb 1963 und hinterließ Martin Mayer nicht nur sein Atelier im Hildebrandhaus in Bogenhausen, sondern auch die vom Schwiegervater übernommenen Bildhauer-Werkzeuge. Im Jahr darauf zog Martin Mayer in eine Wohnung in der Borstei, und als das Hildebrandhaus abgerissen werden sollte, verlegte der Bildhauer 1968 auch sein Atelier in die Borstei.

Bilder

Martin Mayer: Büste von Bernhard Borst in der Borstei, fotografiert im Jahr 2023
Martin Mayer: Büste von Bernhard Borst in der Borstei, fotografiert im Jahr 2023 Bernhard Borst (1883–1963) baute in den 20er-Jahren die Siedlung Borstei in Moosach Quelle: Bei uns in München - Martin Mayer Erstellt von: Dieter Wunderlich
Martin Mayer: "Bernhard Borst"
Martin Mayer: "Bernhard Borst" 1962 schuf Martin Mayer eine Bronzebüste von Bernhard Borst, die im Rosengarten der Borstei zu finden ist. Der Bauunternehmer und der Bildhauer hatten sich 1959 über einen Musiker des Bayerischen Staatsorchesters kennengelernt. Quelle: Martin Mayer Archiv

Ort

Borstei, Rosenhof, Dachauer Straße 140, 80637 München | frei zugänglich

Metadaten

Dieter Wunderlich, “Die Büste von Bernhard Borst: Martin Mayers Büste von Bernhard Borst,” MunichArtToGo, accessed 12. Oktober 2026, https://municharttogo.zikg.eu/items/show/349.