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Das Symposium Kunst und/von Frauen, 1982

Eine Akademie ohne Professorinnen

Die Akademie der Bildenden Künste ist ein prestigeträchtiger Ort. Veranstalter des Symposiums Kunst und/von Frauen ist jedoch nicht der in dieser Zeit ausnahmslos männlich besetzte Lehrkörper. Stattdessen ist die Textilkünstlerin und Bibliothekarin Heidrun Schimmel Initiatorin und Organisatorin. Unterstützt wird sie von Komplizinnen der Malgruppe WeibsBilder (Lisa Endriß, Lilith Lichtenberg, Alrun Prünster Soares, Sara Rogenhofer und Ursula Strauch-Sachs). Eine Geschichte, die es wiederzuentdecken gilt.

Eine wichtige, jedoch lange in Vergessenheit geratene Station der zweiten Welle der Frauenbewegung im deutschsprachigen Raum war das Symposium Kunst und/von Frauen, das 1982 an der Akademie der Bildenden Künste München stattfand. Vom 17. bis zum 28. Mai war die Historische Aula tagsüber und abends Schauplatz eines vielfältigen Programms aus Workshops, Vorträgen, Filmvorführungen, Konzerten und Podiumsdiskussionen zum Thema Künstlerinnenschaft. Neben bereits damals profilierten Persönlichkeiten wie der Künstlerin VALIE EXPORT, der Kuratorin Margarethe Jochimsen und der Kunstkritikerin Gislind Nabakowski nahmen auch Personen teil, die damals erst am Anfang ihrer Karriere standen, jedoch in kurzer Zeit wegweisende Spuren in ihren jeweiligen Feldern hinterlassen sollten. Zu ihnen gehörten Renate Berger, Miriam Cahn, Jula Dech, Erica Pedretti, Heide Göttner-Abendroth und Gertraud Schottenloher. Anfang der 1980er Jahre trat die Frauenbewegung in eine neue Phase der Utopie und Solidarität ein. Bereits 1977 gründeten die Münchner Künstlerinnen Lisa Endriß, Lilith Lichtenberg, Alrun Prünster Soares, Sara Rogenhofer und Ursula Strauch-Sachs die Malgruppe WeibsBilder. In dieser erkundeten und erprobten sie eben jene Utopie und Solidarität – sowohl im Hinblick auf den Malprozess als auch auf die Infragestellung stilistischer Konventionen. Im Herbst 1981 wandte sich Heidrun Schimmel, Textilkünstlerin und Bibliothekarin der Akademie, an die WeibsBilder mit der Idee, ein großes Symposium zu diesem Thema zu konzipieren und eine Liste der einzuladenden Personen zu erstellen. Dank ihrer Beharrlichkeit und Vernetzung rief Schimmel die Veranstaltungsreihe innerhalb weniger Monate ins Leben.

Bilder

Miriam Cahn im Gespräch
Miriam Cahn im Gespräch Zwischen April und Mai 1981 entstand das wegweisende Gruppenprojekt Frau/Körper/Pornografie der Künstlerinnen Miriam Cahn, Monika Dillier, Heidi Fischer, Marianne Kirchhofer und Anna Barbara Wiesendanger, das sich einem Tabuthema der Frauenbewegung widmete: der Pornografie. Die künstlerische Auseinandersetzung mit der gesellschaftlich sanktionierten, männlich codierten Form des sexuellen Begehrens ermöglichte es den Beteiligten, etwas Fremdes und zugleich Vertrautes zu erkunden – und dabei die traditionelle Kategorie des Figurativen im Hinblick auf das damals propagierte und normalisierte Körperbild in Frage zu stellen. Im Anschluss an das Projekt wurden ausgewählte Werke im Frauenzimmer in Basel ausgestellt. Cahn und Dillier brachten einige davon zum Symposium nach München. Das Foto zeigt Cahn (Mitte) während des gemeinsamen Workshops mit Dillier am 19. Mai 1982 in der Historischen Aula der Akademie im Gespräch mit Studentinnen und Kolleginnen. Im Hintergrund sind eigene, heute kanonische Arbeiten der Künstlerin auf Papier zu sehen.  Quelle: Lilith Lichtenberg, Privatarchiv.
Das Plakat des Symposiums Kunst und/von Frauen
Das Plakat des Symposiums Kunst und/von Frauen Das Plakat des Symposiums Kunst und/von Frauen an der Akademie der Bildenden Künste München vom Mai 1982 gibt Zeugnis von der Breite und Qualität seiner Konzeption und Durchführung. Vom 17. bis 28. Mai wechselten sich intensive Tages- und Abendprogramme ab, gestaltet von Hauptprotagonistinnen der damaligen engagierten Kunstszene aus Westdeutschland, der Schweiz und Österreich – Frauen, die bis heute eine wegweisende Spur in der jüngsten Kunstgeschichte hinterlassen haben. München war mit zahlreichen Beiträgerinnen gut vertreten: den Künstlerinnen Ulrike Bauereis, Verena von Gagern und Regina Schmeken sowie der Malgruppe WeibsBilder, der Philosophin Heide Göttner-Abendroth, der Schriftstellerin Mona Winter, der Kunsttherapeutin Gertraud Schottenloher und der Kunsthistorikerin Renate Berger, damals Stipendiatin am Zentralinstitut für Kunstgeschichte. Quelle: Beniamino Foschini, Privatarchiv.
Die Malgruppe WeibsBilder (1977–1988)
Die Malgruppe WeibsBilder (1977–1988) Für die Malgruppe WeibsBilder (Lisa Endriß, Lilith Lichtenberg, Alrun Prünster Soares, Sara Rogenhofer und Ursula Strauch-Sachs) hatte Kollektivmalerei viele Bedeutungsebenen: der Wechselprozess als Form, die Idee der Gruppenarbeit als gesellschaftliche und politische Praxis, feministische Kritik am Geniekult sowie die empirische Suche nach einer möglichen „weiblichen Ästhetik“. Bei der Entstehung eines Bildes wechselten Phasen der gemeinsamen Malaktion – alle Künstlerinnen arbeiteten zusammen auf der am Boden liegenden Leinwand – und Phasen des Meinungs- und Wahrnehmungsaustauschs vor dem Bild an der Wand ab. Das Foto zeigt die WeibsBilder in einer solchen Austauschphase am 17. Mai 1982 in der Historischen Aula der Akademie; auf dem Boden liegt ein weiteres, gerade begonnenes Bild. Die Werke fungierten damit gleichzeitig als Dispositiv von Arbeit, Pause, Diskussion, Konfrontation, Auseinandersetzung und gemeinsamem Erleben. Quelle: Lilith Lichtenberg, Privatarchiv.

Ort

Akademie der Bildenden Künste München, Akademiestrasse 2, 80799 München

Metadaten

Beniamino Foschini, “Das Symposium Kunst und/von Frauen, 1982: Eine Akademie ohne Professorinnen,” MunichArtToGo, zuletzt zugegriffen am 21. April 2026, https://municharttogo.zikg.eu/items/show/329.