Das Siegestor

Denkmal oder Mahnmal?

Das Siegestor ist ein gutes Beispiel für die Erinnerungskultur in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg.

Nach großen militärischen Siegen Triumphbögen zu bauen, hatten bereits römische Kaiser vorgemacht. Über 1.500 Jahre später bestellte König Ludwig I. von Bayern (1786–1868) eine Kopie eines solchen römischen Bogens (des Konstantinbogens) für das Ende der Ludwigstraße. Nach Entwürfen von Friedrich von Gärtner wurde das Siegestor zwischen 1843 und 1850 errichtet.
Das Siegestor ehrte – als Gegenstück zur Feldherrnhalle am anderen Ende der Straße – das bayerische Heer, wie die Inschrift auf der Nordseite zeigt. Da es aber keinen aktuellen Sieg zu feiern gab, sollte es vor allem auch den imposanten Auftakt für die triumphale Achse der Ludwigsstraße bilden. Neil MacGregor, damals Direktor des British Museum, gab 2014 dem Siegestor einen prominenten Platz in seinem Buch "Deutschland. Erinnerungen einer Nation". Ihn faszinierte, was mit dem Tor nach der Zerstörung durch Bomben im Zweiten Weltkrieg geschah: Die Ruine wurde, entgegen des Vorschlags der Amerikaner, nicht abgerissen, aber der vorherige Zustand wurde auch nicht einfach rekonstruiert. Vielmehr wurden 1958 die Spuren der Zerstörung in einer „kritischen Rekonstruktion“ sichtbar gemacht: Das Volumen wurde erhalten, die Lücken wurden ohne den zuvor existierenden Schmuck aufgefüllt. Diese Ergänzungen stehen in deutlichem Kontrast zum erhaltenen Bestand. Dazu die klare Botschaft: „Dem Sieg geweiht – vom Krieg zerstört – zum Frieden mahnend“. Dieses Sichtbarmachen der Wunden musste damals gegen konservative Stimmen durchgesetzt werden. So ist das Tor nicht trotz seiner Narben, sondern wegen seiner Narben heute wichtiger denn je.

Bilder

Das Siegestor um 1900
Das Siegestor um 1900 Quelle: Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek: ZI-0996-14-00-406743
Das Siegestor 1971
Das Siegestor 1971 Quelle: Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek: ZI-0965-01-05-Th220929 Erstellt von: Margrit Behrens
"Das zerstörte Siegestor", Gemälde von Albert Fessler, 1945
"Das zerstörte Siegestor", Gemälde von Albert Fessler, 1945 Quelle: Ulrike Haerendel, Bernadette Ott: München – Hauptstadt der Bewegung. Ausst.-Kat. Münchner Stadtmuseum, 22.10.1993-27.03.1994, München 1993, S. 468.

Ort

Leopoldstraße 2, 80539 München | öffentlich zugänglich

Metadaten

Ernst Wagner, “Das Siegestor: Denkmal oder Mahnmal?,” MunichArtToGo, zuletzt zugegriffen am 15. April 2026, https://municharttogo.zikg.eu/items/show/330.