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Der "Sitzende Keiler" vor dem Jagd- und Fischereimuseum

Kopie einer Bronzeplastik von Martin Mayer

Alle kennen diesen Keiler in der Fußgängerzone, doch die wenigsten wissen, dass es sich um eine Kopie handelt. Das Original des "Sitzenden Keilers" steht in der Borstei.

Als Horst Popp 1976 die Leitung des Jagdmuseums (heute: Deutsches Jagd- und Fischereimuseum) im Kreuzviertel der Altstadt) übernimmt, denkt er sofort an den "Sitzenden Keiler" aus Bronze, den er in der Borstei gesehen hat und erreicht, dass er einen zweiten Abguss des Kunstwerks von Martin Mayer als Blickfang vor dem Museum in der ehemaligen Augustinerkirche in der Altstadt aufstellen kann.

1959 lernen sich Martin Mayer und Bernhard Borst kennen. Weil sich der Gründer der Borstei für seine ungewöhnliche Siedlung in Moosach eine Bronze-Nachbildung der von Pietro Tacca um 1620 modellierten Figur "Porcellino" auf dem Mercato Nuovo in Florenz wünscht, schickt er den Bildhauer zweimal nach Italien. Tacca kopierte eine antike Marmorfigur in Bronze, aber Martin Mayer befreit sich 1960 von den Beschränkungen des Steinbildhauers: Um die Körperspannung deutlich zu erhöhen, dreht er den Kopf des "Sitzenden Keilers" und streckt einen bei Tacca angezogenen Hinterlauf. Das überzeugt auch den Auftraggeber Bernhard Borst.

Martin Mayer (1931–2022) wurde als Sohn pfälzischer Eltern in Berlin geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er im Alter von 15 Jahren nach München und studierte bis 1954 beim Bildhauer Theodor Georgii, zunächst als Privatschüler, dann an der Akademie der Bildenden Künste. Als Theodor Georgii 1952 den von seinem Lehrer und Schwiegervater Adolf von Hildebrand gestalteten, im Krieg beschädigten Wittelsbacher Brunnen restauriert, vertraut er Martin Mayer einige der Bildhauer-Arbeiten an. Der nimmt 1953 als jüngster Bildhauer an der Großen Kunstausstellung im Haus der Kunst teil. 1957 richtet er sein erstes Atelier in München ein.

Theodor Georgii stirbt 1963 und hinterlässt Martin Mayer nicht nur sein vom Schwiegervater übernommenes Atelier im Hildebrandhaus in Bogenhausen, sondern auch Adolf von Hildebrands Bildhauer-Werkzeuge. Im Jahr darauf zieht der Künstler in eine Wohnung in der Borstei, und als das Hildebrandhaus abgerissen werden soll, verlegt Martin Mayer 1968 auch sein Atelier dorthin.

Der Kunsthistoriker Heinz Spielmann beschreibt, wie sich die von Martin Mayer mit kräftigen Strichen begonnenen Skizzen im Arbeitsprozess vom Detail lösen. Abstrahierung hält der Bildhauer für essenziell. Dabei denkt er nicht an abstrakte Kunst, sondern an die Subtraktion des Unwesentlichen. "Kunst […] ist erklärte Natur, Abstraktion, in der Zufälligkeiten zugunsten des Wesentlichen abgezogen sind, Zusammenhänge sichtbar werden", schreibt Martin Mayer 1991 in einem Brief an Dietrich Heyde (Heyde, S. 7f.), und dieser zitiert Theodor Georgiis Leitsatz: "Man sollte bemüht sein, der Natur so nahe wie möglich zu kommen, indem man sich vom Naturalismus mehr und mehr entfernt." (Heyde, S. 14). "Per naturam ad artem, per artem ad naturam" steht auf der Kugel der "Olympia Triumphans". Damit beschreibt Martin Mayer sein künstlerisches Selbstverständnis. Jede seiner etwa dreißig großen Bronzefiguren im öffentlichen Raum wirkt "geradezu gewaltig einfach" (Heyde, S. 29).

Bilder

Martin Mayer: "Sitzender Keiler", 2023
Martin Mayer: "Sitzender Keiler", 2023 Zweiter Abguss (1976) vor dem Deutschen Fischerei- und Jagdmuseum Quelle: Bei uns in München - Martin Mayer  Erstellt von: Dieter Wunderlich
Martin Mayer: "Sitzender Keiler", 2023
Martin Mayer: "Sitzender Keiler", 2023 Original der Bronzefigur in der Borstei Quelle: Bei uns in München - Martin Mayer Erstellt von: Dieter Wunderlich

Ort

Vor der Neuhauser Str. 2, 80331 München-Altstadt | frei zugänglich

Metadaten

Dieter Wunderlich, “Der "Sitzende Keiler" vor dem Jagd- und Fischereimuseum: Kopie einer Bronzeplastik von Martin Mayer,” MunichArtToGo, accessed 12. August 2026, https://municharttogo.zikg.eu/items/show/359.