<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom">
  <title type="text">MunichArtToGo</title>
  <updated>2026-08-02T00:16:55+02:00</updated>
  <generator uri="http://framework.zend.com" version="1.12.20">Zend_Feed_Writer</generator>
  <link rel="alternate" type="text/html" href="https://municharttogo.zikg.eu/"/>
  <link rel="self" type="application/atom+xml" href="https://municharttogo.zikg.eu/items/browse?output=rss2"/>
  <id>https://municharttogo.zikg.eu/</id>
  <author>
    <name>MunichArtToGo</name>
    <uri>https://municharttogo.zikg.eu</uri>
  </author>
  <link rel="hub" href="http://pubsubhubbub.appspot.com/"/>
  <entry>
    <title type="html"><![CDATA[Der ehemalige Firmensitz der Leonhard Moll AG: Vom Industriegelände zum Kulturzentrum]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Der Bauunternehmer Leonhard Moll, geboren am 31.07.1870 in Külsheim (Mittelfranken), errichtete 1922 einen Bauhof an der Hansastraße mit Eisenbiegerei, Sägewerk, Zimmerei und Schreinerei und 1929 ein Betonwerk. In den darauffolgenden Jahrzehnten produzierte der Bauhof unter anderem Betonfertigteile für die Sportanlagen der Olympischen Sommerspiele 1972, Stahlbeton-Tübbings für den Bau der U-Bahn, Einmannbunker, Gehwegplatten, Bahnschwellen sowie Betonmasten.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/1dfa88e3c2d29f26b0a7ec94841a522c.jpg" alt="Feierwerk, Gebäude Hansastraße 41, 2012 " /><br/><p>Die heute denkmalgeschützten Gebäude in der Hansastraße 39–41 wurden 1924 als symmetrische Anlage aus höheren Pavillonbauten und niedrigeren Flügelbauten erbaut. In der Hausnummer 39 befand sich das ehemalige Bürogebäude mit Magazin und Montagehalle. In Hausnummer 41 befand sich das Pförtnergebäude und die Kantine, sowie eine Abbindehalle und eine Transformatorenstation. Nachdem Moll mit gerade einmal 24 Jahren am 01.10.1894 sein Baugeschäft gründete, führte er zunächst kleinere Um- und Ausbauten durch. Bereits kurze Zeit später errichtete er jedoch auch Neubauten von Wohnhäusern und öffentlichen Gebäuden. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg realisierte das Unternehmen zahlreiche bedeutende Bauwerke in München. Insgesamt zählen mehrere dieser Bauten bis heute zu den prägenden Elementen des Münchner Stadtbildes. Dazu gehören unter anderem das Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität, die Ludwigsbrücke, das Deutsche Museum, die <a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/332" target="_blank" rel="noopener">Großmarkthallen</a>, das Hauptzollamt, das Schwabinger Krankenhaus sowie das Sanatorium in Harlaching. Im Mai 1933 trat Leonhard Moll der NSDAP bei. Daraufhin übernahm das Unternehmen Aufträge für staatliche Bauprojekte, darunter das Haus der Deutschen Kunst. Am 8. Juni 1938 wurde den Vertretern der Israelitischen Kultusgemeinde in der Obersten Baubehörde des Bayerischen Staatsministeriums per sogenanntem „Führerbefehl“ mitgeteilt, dass die <a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/114" target="_blank" rel="noopener">Hauptsynagoge in der Herzog-Max-Straße</a> abzubrechen sei. Der Abriss wurde im Juni 1938 durch das Bauunternehmen Leonhard Moll durchgeführt. Trotz der sehr kurzen Frist für den Abbruch einschließlich der Sprengarbeiten gelang es dem Unternehmen, die neue Orgel, die die Israelitische Kultusgemeinde zuvor an das Erzbischöfliche Ordinariat veräußert hatte, auszubauen. Auf Bitten der jüdischen Gemeinde sicherte Leonhard Moll zudem die Kupferbüchse mit den Gründungsurkunden aus dem Grundstein. Sie befindet sich heute wieder im Besitz der Israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern. Die Rolle des Unternehmens ist auch deshalb besonders ambivalent, weil Leonhard Moll noch 1930/31 den Einbau des Dachstuhls beim Neubau der Synagoge in der Reichenbachstraße ausgeführt hatte. Wie andere deutsche Bauunternehmen erhielt auch Leonhard Moll kriegswichtige Bauaufträge, unter anderem beim Bau von Autobahnen. Leonhard Moll gilt als Profiteur des NS-Regimes, da das Unternehmen zahlreiche prestigeträchtige Großaufträge ausführte. So war die Firma am Ausbau des <a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/60" target="_blank" rel="noopener">NSDAP-Parteiviertels am Münchner Königsplatz</a> beteiligt. Auf Münchner Baustellen setzte das Unternehmen während der NS-Zeit in großem Umfang ausländische Arbeitskräfte und Kriegsgefangene ein. Allein 1942 waren in firmeneigenen Lagern in der Hansastraße über 1.100 Zwangsarbeiter sowie rund 70 französische Kriegsgefangene untergebracht. Die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit erfolgte erst spät. Ab 2000 beteiligte sich das Unternehmen an der „Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ und leistete Entschädigungszahlungen an ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Die Rolle des Bauunternehmens Leonhard Moll während der NS-Zeit wird derzeit von der <i>Gesellschaft für Unternehmensgeschichte e. V.</i> wissenschaftlich untersucht. Die Ergebnisse der Studie sollen Anfang 2027 veröffentlicht werden. Aufgrund der NS-Belastung beschloss der Münchner Stadtrat 2014, Leonhard Moll die Ehrung durch einen Straßennamen zu entziehen. Der 1990 nach ihm benannte Leonhard-Moll-Bogen heißt seit 2014 Landaubogen, nach der niederbayerischen Stadt Landau (an der Isar). 1945 wurde das Unternehmen unter die Kontrolle der US-amerikanischen Militärregierung gestellt. Der Firmengründer Leonhard Moll starb im Oktober 1945. Ab 1948/49 ging die Leitung des Unternehmens auf seine Söhne über. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Firma Wiederaufbau- und Instandsetzungsarbeiten, unter anderem am <a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/245" target="_blank" rel="noopener">Flughafen München-Riem</a>, im BMW-Werk Karlsfeld sowie an Wohnhäusern, Brücken und Verkehrswegen. In den folgenden Jahren errichtete die Leonhard Moll AG zahlreiche Bauwerke, die das Stadtbild Münchens nachhaltig prägen, darunter die alte Eingangshalle des Hauptbahnhofs, das Gebäude des <a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/252" target="_blank" rel="noopener">US-Generalkonsulats</a> und das Haus des Bayerischen Rundfunks, sowie die Sportstätten für die Olympischen Spiele 1972. 1976 verkaufte das Unternehmen seine ehemaligen Betriebsflächen an der Hansastraße an die Landeshauptstadt München; auf Teilen des Geländes entstand zunächst die Internationale Gartenbauausstellung 1983, später der <a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/342" target="_blank" rel="noopener">Westpark</a>. Im Zentrum des ehemaligen Moll-Geländes befindet sich heute das Kultur- und Veranstaltungszentrum Feierwerk mit mehreren Konzert- und Ausstellungshallen. Außerdem befindet sich dort das Radio Feierwerk, die Fachinformationsstelle Rechtsextremismus München und die Fachstelle Pop.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/344">Für mehr (einschließlich 3 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2026-05-27T16:19:20+02:00</published>
    <updated>2026-06-18T12:03:39+02:00</updated>
    <link rel="alternate" type="text/html" href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/344"/>
    <id>https://municharttogo.zikg.eu/items/show/344</id>
    <author>
      <name>Nikita Wilhelm</name>
    </author>
  </entry>
  <entry>
    <title type="html"><![CDATA[Die Kunst- und Antiquitätenhandlung A. S. Drey: Aufstieg, internationale Strahlkraft und abruptes Ende einer Kunsthändlerdynastie]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Ausdruck des internationalen Ruhms der Kunst- und Antiquitätenhandlung A.S. Drey war das prächtige Geschäfts- und Wohngebäude, für das die Familie den renommierten Architekten Gabriel von Seidl gewinnen konnte. Mit dem 1911 fertiggestellten Prachtbau schuf er einen der bedeutendsten Kunsthandelsorte im damaligen München. Doch die jüdische Kunsthandelsfamilie geriet ab 1933 unter massiven Druck durch das NS-Regime, musste 1935 das Haus verkaufen und 1936 den Kunstbesitz zwangsversteigern lassen. Die Kunsthandlung wurde „arisiert“ und als „Galerie für Alte Kunst – vormals A. S. Drey“ fortgeführt. Die Familie floh ins Ausland.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/43ebde1d1f2b1558f0d714d603baa328.jpg" alt="Haus Drey, um 1915" /><br/><p>Das heutige Stammhaus der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern war einst eng verbunden mit einer der bedeutendsten Adressen des europäischen Kunsthandels: der Kunst- und Antiquitätenhandlung A. S. Drey. Diese zählte zu den renommiertesten und umsatzstärksten Unternehmen des Münchner Kunstmarkts. 1839 im fränkischen Heidingsfeld durch Aron Schmay Drey (1813–1891) gegründet, übersiedelte die Firma nach einem kurzen Intermezzo in Würzburg 1852 nach München. 1881 nahm Aron seinen Sohn Siegfried (1859–1936) und seinen Schwiegersohn Adolf Stern (1845–1913) als Teilhaber ins Geschäft. 1914 folgten deren Söhne Paul (1884–1953) und Franz Drey (1886–1952) sowie Ludwig (1882–1939) und Friedrich Stern (1888-1936). 1911 ließ sich die Familie von dem renommierten Architekten Gabriel von Seidl (1848-1913) ein repräsentatives Wohn- und Geschäftshaus errichten – direkt angrenzend an das um 1900 von Friedrich von Thiersch (1852–1921) gebaute „Haus für Handel und Gewerbe“. Das am Maximiliansplatz 7 (heute Max-Joseph-Straße 2) gelegene Gebäude bot im Erdgeschoss auf 1.100 qm Platz für das Geschäft, während im Obergeschoss die Familien Drey und Stern wohnten. Zu ihrer Handelsware zählten insbesondere Altmeister-Gemälde, Skulpturen und wertvolle Gobelins, ein Bestand, den der Kollege Hugo Helbing (1863-1938) in den frühen 1930er Jahren auf etwa 2 Millionen Reichsmark schätzte. International gefragt expandierte die Kunsthandlung und etablierte ein finanzstarkes Firmengeflecht mit Filialen in New York, London, später Brüssel, Den Haag und Paris, was hervorragende Auslandsgeschäfte garantierte. Noch 1927 wurde Siegfried Drey, der auch als Kommerzienrat und Handelsrichter wirkte, zum ersten Vorsitzenden des Verbandes des Deutschen Kunst- und Antiquitätenhandels gewählt. Doch mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 endete diese Münchner Erfolgsgeschichte schnell und gnadenlos. Die jüdischen Familien Drey und Stern wurden verfolgt, entrechtet und wirtschaftlich durch immense, fingierte Steuerforderungen unter Druck gesetzt. Siegfried Drey sah sich gezwungen, das Haus zu verkaufen, das die benachbarte Handelskammer 1935 für 1,3 Millionen Reichsmark erwarb. Nach einem Besuch im Münchner Finanzamt und dem Zwang, eine sogenannte Unterwerfungserklärung zu unterzeichnen, starb Siegfried Drey auf dem Rückweg am 8.2.1936 an einem Herzinfarkt. Nur wenig später, am 17./18.6.1936, erfolgte die Liquidationsversteigerung des wertvollen Kunstbestands der Firma bei Paul Graupe (1881-1953) in Berlin. Der Erlös floss direkt an die Finanzbehörde. Unter desaströsen Verkaufsbedingungen „arisierte“ ein weitgehend unbedeutender Kölner Kunsthändler namens Walter Bornheim (1888-1971) die Kunsthandlung, der sie unter dem Namen „Galerie für alte Kunst – vormals A. S. Drey“ zunächst am Ort weiterführte. Die Familien Drey und Stern flohen nach Amerika und England, nur Siegfried Dreys Tochter Luise blieb in München, wurde im November 1941 nach Kaunas in Litauen deportiert und dort ermordet. Auch nach 1945 blieb die Geschichte der Familie Drey schmerzhaft. Im Juni 1947 schrieb Dr. Paul Drey aus New York an die Handelskammer und teilte mit, dass die Familie keine Restitution des Gebäudes verlangen werde. Die Handelskammer sei aus ihrer Sicht ein fairer Verhandlungspartner gewesen. Stattdessen versuchte die Familie, den verlorengegangenen Kunstbesitz aus den Zwangsverkäufen zurückzuerlangen – ein fast aussichtsloses Unterfangen. Das Gebäude nahm während des Zweiten Weltkriegs durch Luftangriffe schweren Schaden, blieb aber Stammsitz der IHK für München und Oberbayern, die es in den 1960er Jahren, 1992 und zuletzt 2012 umfassend renovierte.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/343">Für mehr (einschließlich 11 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2026-05-21T11:34:45+02:00</published>
    <updated>2026-07-30T12:06:53+02:00</updated>
    <link rel="alternate" type="text/html" href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/343"/>
    <id>https://municharttogo.zikg.eu/items/show/343</id>
    <author>
      <name>Birgit Jooss</name>
    </author>
  </entry>
  <entry>
    <title type="html"><![CDATA[Die Buchdruckerei B. Heller: Ein Familienunternehmen]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Seit 1879 ist die Buchdruckerei B. Heller Teil der Münchner Druck- und Verlagsgeschichte. In jenem Jahr übernahm Benno Heller (gestorben nach 1934) die J. Schaumberg’sche Druckerei und legte damit den Grundstein für ein Unternehmen, das über Jahrzehnte hinweg eng mit dem jüdischen Kulturleben der Stadt verbunden war.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/52e8a234d8c733705eb104a70835f741.jpg" alt="Die Plinganserstraße 64, 2023." /><br/><p>Die Heller’sche Buchdruckerei hatte ihre Geschäftsräume ab 1883 zunächst in der Innenstadt, in der Herzog-Max-Straße 4. Das Produktionsprogramm der Druckerei umfasste medizinische sowie Kunstpublikationen. Heller, selbst jüdischer Herkunft, druckte auch jüdische Gemeindeschriften wie ab 1913 die Wochenzeitung <i>Das Jüdische Echo</i>, später auch die <i>Bayerische Israelitische Gemeindezeitung</i>, redaktionell betreut von Eugen Schmidt und Ludwig Feuchtwanger, dem Bruder Lion Feuchtwangers. Benno Hellers Sohn Alfred (1885–1955) absolvierte nach der mittleren Reife eine Lehre im väterlichen Betrieb und studierte dann am Buchdruckereitechnikum in Leipzig sowie Staatswissenschaften in München und Tübingen. Bereits 1909 wurde er Teilhaber der Buchdruckerei B. Heller. Nachdem er im Ersten Weltkrieg als Leutnant gedient hatte, übernahm er 1920 die Firma vollständig. Alfred Heller engagierte sich stark für die Ausbildung des Druckernachwuchses: Er war Gründungsmitglied der Münchner Meisterschule für Buchdrucker und unterrichtete dort von 1928 bis 1933.</p><p>1929 verlegte Alfred Heller das expandierende Unternehmen in die Plinganserstraße in Sendling. Das Neurenaissance-Fabrikantenhaus nach Entwürfen von Andreas Ostler wurde 1890 fertiggestellt. Hinter der heute unter Denkmalschutz stehenden Villa befand sich das Betriebsgelände. Dort waren in der Vergangenheit unter anderem eine Samenklenganstalt zur Saatgutherstellung aus Zapfen oder Fruchtkapseln und die Teigwarenfabrik Gebr. Hüther untergebracht. Die Heller’sche Buchdruckerei teilte sich das Firmengelände mit einem Mechaniker und einer Autolackiererei. 1933 wurde die Setzerei der Druckerei Heller von Nationalsozialisten verwüstet, Alfred Heller kurzzeitig inhaftiert. Sein Vater Benno hatte 1934 versucht, nach Palästina zu emigrieren; vermutlich kam er auf der Überfahrt im Mittelmeer ums Leben. Alfred Heller wurde nach den Novemberpogromen 1938 erneut verhaftet. Unter massivem Druck musste er den Betrieb verkaufen; lediglich der Verlag blieb ihm vorübergehend erhalten. Nach fünf Wohnortwechseln infolge antisemitischer Verfolgungsmaßnahmen zwischen 1935 und 1939 versuchten Alfred Heller und seine Frau Friedl 1939 illegal nach Palästina zu fliehen. Sie wurden von den britischen Behörden aufgegriffen und zusammen mit rund 1.500 weiteren jüdischen Flüchtlingen bis 1945 auf Mauritius in einem ehemaligen Polizeigefängnis inhaftiert. Unter dem Pseudonym Dr. Seligman, dem Mädchennamen seiner Frau, verfasste Alfred Heller einen Bericht über diese Flucht, der 1990 posthum erschien. Erst vier Jahre und acht Monate später erreichte das Ehepaar Palästina – Friedl Heller starb dort wenige Tage nach der Ankunft. Alfred Heller arbeitete von Dezember 1945 bis März 1951 als Leiter einer Druckerei in Haifa, zog anschließend nach Jerusalem zu seiner Tochter und eröffnete dort eine kleine Werkstatt, in der er Büttenpapier herstellte.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/325">Für mehr (einschließlich 3 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2026-03-18T11:31:26+01:00</published>
    <updated>2026-04-23T14:18:58+02:00</updated>
    <link rel="alternate" type="text/html" href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/325"/>
    <id>https://municharttogo.zikg.eu/items/show/325</id>
    <author>
      <name>Eva Blüml&amp;#32;&amp;amp;&amp;#32;Betina Pflaum</name>
    </author>
  </entry>
  <entry>
    <title type="html"><![CDATA[Das Bayerische Landesamt für Steuern: Ein Bauwerk zwischen Raub, Macht und Nachnutzung]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>In der Münchner Maxvorstadt finden sich bis heute Bauwerke, die aus der Zeit des Nationalsozialismus stammen. Der Verwaltungsbau in der Sophienstraße 6 gehört zu diesen historischen Gebäuden. Seine Geschichte zeigt den Wandel der Nutzung eines staatlichen Gebäudes des NS-Regimes bis in die Gegenwart.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/3d061e4166d541d49cbefebc2fd16054.jpg" alt="Das Gebäude im Jahr 2017" /><br/><p>Das Gebäude in der Sophienstraße 6, welches sich unmittelbar gegenüber des Alten Botanischen Gartens in der Münchner Maxvorstadt befindet, gehört zu den Verwaltungsbauten aus der Zeit des Nationalsozialismus. Errichtet wurde das Gebäude zwischen 1938 und 1941 nach Plänen des Architekten Franz Stadler als Sitz des Oberfinanzpräsidiums München. Architektonisch folgt das Gebäude dem klassizierenden Monumentalstil, welchen das NS-Regime bevorzugte. Besonders prägnant ist der überdimensionierte steinerne Adler, welcher einen Lorbeerkranz mit Hakenkreuz hielt. Dieses wurde nach 1945 entfernt, der Adler ist jedoch bis heute sichtbar. Das Oberfinanzpräsidium war hauptsächlich an der Enteignung jüdischen Eigentums beteiligt. Eine eigene Hauptabteilung befasste sich mit der „Verwertung des einzuziehenden Vermögens“ jener jüdischen Bürger, die zur Emigration gezwungen oder deportiert wurden. Allein in München wurden die Vermögen von tausenden jüdischen Familien auf diese Weise enteignet – verwaltet und organisiert von Beamten am Oberfinanzpräsidium. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nutzte zunächst die amerikanische Besatzung das Gebäude, da es kaum beschädigt worden war. Zwischen 1947 und 1949 tagte im sogenannten Sophiensaal sogar der Bayerische Landtag. Später wurde aus diesem Saal ein Konzertsaal, den man bis heute mieten kann. Und seit 2002 ist das Gebäude Sitz der Oberfinanzdirektion München sowie weiterer Finanzbehörden des Freistaats Bayern und des Hauptzollamts.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/324">Für mehr (einschließlich 4 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2026-03-18T10:56:21+01:00</published>
    <updated>2026-05-21T11:19:31+02:00</updated>
    <link rel="alternate" type="text/html" href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/324"/>
    <id>https://municharttogo.zikg.eu/items/show/324</id>
    <author>
      <name>Tommy Sabsch</name>
    </author>
  </entry>
  <entry>
    <title type="html"><![CDATA[Die Schraudolphstraße 1: Ein Haus für Katholikinnen]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Der Landesverband Bayern des Katholischen Frauenbunds Deutschland (KDFB) erwarb im April 1927 dieses Haus; bis dahin war es eine Pension mit 18 möblierten Zimmern. Nun diente es als Bundesheim, das KDFB-Mitglieder für Übernachtungen und als Treffpunkt nutzen konnten. Auch der Frauenbund hatte hier Büroräume.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/e8a42685fad1cb108345c37ac1a2855e.jpg" alt="Das Haus, 1927 " /><br/><p>Während des Nationalsozialismus waren nur kulturelle und religiöse Arbeiten erlaubt, soziale und politische Aktionen wurden verboten und leitende Mitglieder waren Repressalien ausgesetzt. Ein Bombenangriff in der Nacht vom 17. auf den 18. Dezember 1944 zerstörte das Haus weitgehend – mit ihm auch den größten Teil des Archivs. 1949 war ein Wiederaufbau abgeschlossen. Nach Um- und Ausbauten konnte 1951 das Ellen-Ammann-Haus als Heim und Verwaltungsgebäude eingeweiht werden. Eine Tafel im Treppenhaus erinnert daran, dass ein Scheck der US-Zivilverwaltung über 100.000 DM dabei sehr hilfreich war. Für die Frauenschule des KDFB wurde ein Rückgebäude gebaut und 1953 bezogen. Sie hatte hier bis 1964 ihren Sitz. Heute zählt der KDFB Bayern etwa 125.000 Mitglieder. Im Haus befinden sich die Büroräume, das Bildungswerk, die Landfrauenvereinigung sowie das Familienpflegewerk im KDFB. „Mutter Maria, die Patrona Bavariae, möge die besondere Patronin des Hauses werden und helfen, dass katholische Gedanken dort sichtbar und verwirklicht werden können, das ist unser Wunsch für die neue Heimat des Frauenbundes.“ (Ellen Ammann, zitiert in der Broschüre des KDFB „Mein Name ist Ellen Ammann ...“) Das unscheinbare Haus repräsentiert die katholische Frauenbewegung in Bayern – Ellen Ammann (1870–1932) ist ihre Leitfigur. Sie kam am 30. Juli 1870 als Ellen Sundström in Stockholm zur Welt. Sie besuchte dort eine katholische Klosterschule, machte Abitur und verbrachte anschließend ein Jahr als sogenannte Haustochter bei der Familie von Heremann in Nordrhein-Westfalen. In Stockholm begann sie danach, schwedische Heilgymnastik zu studieren. Um diese neue Therapieform kennenzulernen, war der Münchner Orthopäde Dr. Ottmar Ammann (1861–1939) in Schweden. Er verliebte sich sofort in die junge Frau. Im Oktober 1890 heirateten die beiden, Ammann nahm Ellen mit nach München, wo er in der Landwehrstraße 4 eine Praxis und Tagesklinik betrieb. Ellen Ammann sorgte für die Hauswirtschaft der Klinik und wurde Mutter von sechs Kindern. Doch das genügte ihr nicht, sie widmete sich, nachdem sie sich an das fremde Leben in Bayern mit seiner patriarchalen Struktur gewöhnt hatte, der sozial-politischen Arbeit. 1894 war sie aktiv im Marianischen Mädchenschutzbund (heute IN VIA) und begründete drei Jahre später die katholische Bahnhofsmission am Hauptbahnhof. Dafür wurde sie kritisiert, als junge Mutter und Ausländerin sollte sie das Haus hüten, fanden die etablierten Damen. Lebens- und Arbeitsmittelpunkt war seit 1894 ein großes Haus in der Theresienstraße 25. Hier gründete Ellen Ammann den KDFB München und Bayern und sorgte 1905 für die Anfänge einer „social-caritativen Frauenschule“ (heute Katholische Stiftungshochschule in Haidhausen). Es war ihr ein wichtiges Anliegen, jungen katholischen Frauen religiösen Halt zu bieten und für die soziale Arbeit eine professionelle Ausbildung zu ermöglichen. <i>„Caritas Christi urget nos – die Liebe Christi drängt uns.“ </i> <i>Leitsatz von Ellen Ammann und Motto der Frauenschule</i> 1919 wurde Ellen Ammann als eine der ersten weiblichen Abgeordneten für die Bayerische Volkspartei in den Landtag gewählt und gehörte ihm bis zu ihrem Tod am 23. November 1932 an. 1920 initiierte sie die katholische Polizeiseelsorge in München. Ihre politische Haltung war patriotisch und konservativ, dennoch gegenüber den Nationalsozialisten kritisch genug, um 1923 mit mehreren Frauen die Ausweisung Hitlers als kriminellem Ausländer zu fordern. Im November erfuhr sie zufällig vom Putschversuch im Bürgerbräukeller und holte alle unbeteiligten Politiker in ihre Frauenschule. Hier konnte die Niederschlagung organisiert werden, da niemand an diesem Ort Regierungsvertreter vermutete. Der stellvertretende Ministerpräsident Franz Matt konstatierte später: „Ellen Ammann hat damals mehr Mut bewiesen als manche Herren in Männerhosen.“ (zitiert nach Neboisa 1992, S. 478) Nach einer großen Rede über die Situation der Familien im Landtag verstarb sie am 23. November 1932.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/306">Für mehr (einschließlich 6 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2026-02-18T12:19:23+01:00</published>
    <updated>2026-07-01T12:25:55+02:00</updated>
    <link rel="alternate" type="text/html" href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/306"/>
    <id>https://municharttogo.zikg.eu/items/show/306</id>
    <author>
      <name>Adelheid Schmidt-Thomé</name>
    </author>
  </entry>
  <entry>
    <title type="html"><![CDATA[Die Bonbonniere:  Spielort des Kabaretts &#039;Die Pfeffermühle&#039;]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Das Kabarett „Pfeffermühle“ demonstrierte durch scharfzüngige Kritik im Revuetheater „Bonbonniere“ intellektuellen Widerstand gegen die Nazis, die sich gleich um die Ecke im Hofbräuhaus versammelten.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/c944abdcbe47aa06ef7a76a04d13fc91.jpg" alt="Das Gebäude an der Neuturmstraße 5, ca. 1935" /><br/><p>In der Neuturmstraße 5 lag das Revuetheater „Bonbonniere“. Dort spielte seit dem 1. Januar 1933 bis zur Machtergreifung durch die Nationalsozialisten das politisch engagierte Kabarett „Die Pfeffermühle“. Dessen Programm übte scharfzüngige, unerschrockene Kritik an Nazis und Nazi-Ideologie, während gleich nebenan auch heute noch das Hofbräuhaus liegt, wo sich damals häufig die Nationalsozialisten trafen. Die prominentesten Mitglieder der „Pfeffermühle“ waren der homosexuelle Klaus (1906–1949) und die bisexuelle Erika Mann (1905–1969) sowie die lesbische Schauspielerin Therese Giehse (1898–1975). Erika Mann und Therese Giehse hatten zu dieser Zeit eine Liebesbeziehung. Der Spielbetrieb der Gruppe „Die Pfeffermühle“ vor stets ausverkauftem Haus dauerte aufgrund ihrer NS-kritischen Positionen nur knapp zwei Monate und wurde Ende Februar 1933 eingestellt. Gleich darauf, im Anschluss an den Reichstagsbrand in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar, gewannen die Nationalsozialisten am 5. März 1933 die Wahlen. Das Ensemble emigrierte in die Schweiz und tourte später bis 1936 durch das noch freie Europa, dann zog man weiter in die USA. Dort konnte sich „Die Pfeffermühle“ jedoch nicht etablieren und löste sich auf. Die Beziehung zwischen Therese Giehse und Erika Mann zerbrach. Die beiden blieben sich aber lebenslang verbunden. Erika Mann blieb in den USA, wo sie Vorträge hielt und schrieb. Klaus Mann verübte 1949 Selbstmord. Therese Giehse kehrte nach dem Krieg nach Deutschland zurück und war später viele Jahre eine gefeierte Schauspielerin an den Kammerspielen in München, in deren Vorraum eine Büste an sie erinnert.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/305">Für mehr (einschließlich 6 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2026-02-16T16:02:52+01:00</published>
    <updated>2026-07-09T11:35:34+02:00</updated>
    <link rel="alternate" type="text/html" href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/305"/>
    <id>https://municharttogo.zikg.eu/items/show/305</id>
    <author>
      <name>Ariane Rüdiger</name>
    </author>
  </entry>
  <entry>
    <title type="html"><![CDATA[Die Kunst- und Antiquitätenhandlung Siegfried Lämmle:  ]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>1933 würdigten die Münchner Neueste Nachrichten den jüdischen Kunsthändler Siegfried Lämmle zu seinem 70. Geburtstag als „Mitglied zahlreicher kultureller Vereine und Ehrenmitglied des Münchner Altertums-Vereins, in dem sein Urteil an den Fachabenden sehr geschätzt ist. Mit seinem Geschmack verband er stets eine glückliche Hand und konnte auch einer Anzahl von Museen wertvolle Erwerbungen vermitteln.“ Im selben Jahr markierte die nationalsozialistische Machtübernahme den Beginn der systematischen Entrechtung der jüdischen Bevölkerung – ein Prozess, der auch die Familie Lämmle traf und 1938 in ihrer Emigration in die USA mündete.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/f6f84d8f231b19ecb01889b5882f1f18.jpg" alt="Ansicht des Almeida-Palais mit der Kunsthandlung Siegfried Lämmle" /><br/><p>Der in Laupheim geborene Siegfried Lämmle (1863–1953) eröffnete 1894 in München seine erste Kunsthandlung in der Barerstraße 8. Im Laufe der Jahre etablierte er sich in der bayerischen Hauptstadt als angesehener Kunsthändler und Sammler, der sich auf Antiquitäten, Grafik und mittelalterliche Skulptur spezialisierte. Die Kunsthandlung wechselte mehrfach den Standort. Sie wurde 1897 zunächst in die Karlstraße 8 verlegt und dort ein Jahr später offiziell beim Landgericht München angemeldet. 1903 folgte der Umzug an den Maximiliansplatz, ab 1906 war sie in direkter Nachbarschaft zur renommierten Galerie Heinemann am Lenbachplatz 6 ansässig. Die Etablierung Lämmles als eine der angesehensten Adressen des Münchner Kunsthandels zeigte sich aber vor allem in der Verlegung der Firma in die Räumlichkeiten des repräsentativen Almeida-Palais in der Brienner Straße 51 (heute 14). Das Almeida-Palais war um 1825 nach Plänen des deutsch-französischen Architekten Jean-Baptiste Métivier (1781–1857) als elegantes Wohnhaus errichtet worden. Métivier soll dieses Bauvorhaben selbst finanziert haben, in der Hoffnung, das Palais nach dessen Fertigstellung gewinnbringend verkaufen zu können. Es wurde schließlich von Prinz Karl V erworben, als Geschenk für seine Frau Baronin Sophie Bayrstorff. Das Ehepaar überließ seinen Besitz der gemeinsamen Tochter und ihrem Schwiegersohn, Gräfin und Graf d’Almeida. Im Jahr 1921 wurde das Palais nach den Plänen des Architekten Otto Prollius (Lebensdaten unbekannt) umgestaltet: Vorder- und Rückgebäude wurden durch Seitenflügel verbunden, und das Gebäude sollte fortan Büro- und Geschäftszwecken dienen. Ursprünglich war geplant, die Fensterfronten zu Schaufenstern umzubauen, um der kurz darauf dort ansässigen Kunsthandlung Siegfried Lämmle mehr Sichtbarkeit zu verleihen. Auf Intervention des Architekten Theodor Fischer (1862–1938) im Namen der Münchner Kunstkommission blieb das äußere Erscheinungsbild des klassizistischen Gebäudes jedoch unverändert. Während des Nationalsozialismus wurde die Familie Lämmle als jüdisch verfolgt und Siegfried und dessen Sohn Walter, der 1928 in das väterliche Unternehmen eingestiegen war, im August 1935 aus der Reichskammer der bildenden Künste ausgeschlossen. Dies kam einem Berufsverbot gleich, sodass sie gezwungen waren, ihre Kunsthandlung zu liquidieren. Sowohl der Warenbestand als auch Objekte aus der Privatsammlung wurden in der Folge teils unter Zwang verkauft, teils beschlagnahmt. Im Juni 1937 wurde der Restbestand der Kunsthandlung in die Ottostraße 5 verlagert, Ende 1938 emigrierte die Familie Lämmle in die Vereinigten Staaten. Im Mai 1939 wurde Siegfried, Betty und Walter Lämmle die deutsche Staatsbürgerschaft abgesprochen. Gleichzeitig fiel ihr in Deutschland verbliebenes Vermögen dem „Deutschen Reich“ zu. Im Rahmen der sogenannten „Sicherstellung von Kulturgut aus jüdischem Besitz“ beschlagnahmte die Gestapo das bei der Münchner Spedition A. Frank & Söhne eingelagerte Umzugsgut der Familie. Es wurde an das Bayerische Nationalmuseum überstellt und von dort aus teils an Museen, teils über den Kunsthandel weiterveräußert. Zu den Hauptprofiteuren dieser Enteignung gehörte der Kunsthändler Adolf Weinmüller, der im Auftrag der Gestapo auch Objekte aus dem Besitz der Familie Lämmle versteigerte. Der Erlös dieser Auktionen wurde auf ein Sperrkonto eingezahlt, auf das die Familie keinen Zugriff hatte. Nach ihrer Emigration gründeten Siegfried und Walter Lämmle 1940 in Los Angeles eine neue Kunsthandlung unter dem Namen <i>Siegfried Laemmle, Inc. Antiques</i>. An die Erfolge der Münchner Jahre konnte das Unternehmen jedoch nicht mehr anknüpfen. 1993 wurde die Firma endgültig geschlossen.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/279">Für mehr (einschließlich 8 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-10-22T10:00:10+02:00</published>
    <updated>2026-07-30T12:07:01+02:00</updated>
    <link rel="alternate" type="text/html" href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/279"/>
    <id>https://municharttogo.zikg.eu/items/show/279</id>
    <author>
      <name>Lena Schneider</name>
    </author>
  </entry>
  <entry>
    <title type="html"><![CDATA[Die Villa an der Thomas-Mann-Allee 10: Vom Künstlerhaus zum Erinnerungsort]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Der Schriftsteller Thomas Mann und seine Familie wohnten ab 1910 in Bogenhausen. Zwei Gedenktafeln erinnern daran: am Gebäude Mauerkircherstraße 13 und an der Gartenmauer der Villa an der Thomas-Mann-Allee 10.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/bda2e45f6ae652b0d0227432c6811890.jpg" alt="Die Thomas-Mann-Villa, um 1910" /><br/><p>Am Mietshaus Mauerkircherstraße 13 ist seit 2010 eine Tafel mit folgender Aufschrift angebracht:</p><p>„Der Schriftsteller und spätere Nobelpreisträger (1929) / Thomas Mann / lebte mit seiner Familie im Haus Mauerkircherstraße 13/II / von Oktober 1910 bis Januar 1914. / Hier entstand die Novelle ‘Der Tod in Venedig‘ (1912).“ 1914 bezogen Thomas und Katia Mann mit ihren vier Kindern Erika, Klaus, Golo und Monika das Haus mit der damaligen Adresse Poschingerstraße 1, heute Thomas-Mann-Allee 10. Die Villa, gelegen im Herzogpark und in der Nähe der Isar, planten die Architekten Alois und Gustav Ludwig. In den folgenden Jahren entstanden hier einige der bedeutendsten Werke Manns, darunter „Betrachtungen eines Unpolitischen“ (1918), „Der Zauberberg“ (1924), „Mario und der Zauberer“ (1930) und die ersten beiden „Joseph“-Romane (1933/34). Am 10. Februar 1933 hielt der Schriftsteller in München einen Vortrag über „Leiden und Größe Richard Wagners“. Von der anschließenden Vortragsreise im Ausland kehrte er auf Warnung seiner Familie nicht mehr zurück, denn im April 1933 kam es zum öffentlichen Protest der Richard-Wagner-Stadt München gegen ihn. Im Mai 1933 wurden die Werke von Heinrich, Thomas und dessen Kindern Klaus und Erika Mann an der Universität München verbrannt. Thomas Mann verlor die deutsche Staatsbürgerschaft und 1937 folgte die endgültige Beschlagnahme seines Besitzes. Die Villa diente von 1938 bis 1940 dem NS-Verein "Lebensborn" als Zentrale. Ein Fliegerschaden vom 25. April 1944 machte das zu diesem Zeitpunkt weitgehend leerstehende Gebäude unbewohnbar. Ab 1945 nutzten russische und ukrainische Familien, bis zu 50 Personen, davon die Hälfte Kinder, das Haus als Unterkunft. 1948 erhielten Thomas und Katja Mann ihren Besitz zurück und ließen das Haus 1952 abreißen. Der Apotheker Otto Roeder erwarb das Grundstück laut Katastereintrag 1953 für 26.000 DM und errichtete auf den alten Fundamenten einen Bungalow. Nach mehreren Besitzerwechseln wurde das Anwesen 2002 neu bebaut. Der Neubau orientiert sich in seiner äußeren Gestalt an der ursprünglichen Villa. Auf der 2006 angebrachten Gedenktafel ist zu lesen:</p><p>„AUF EIGENE ART EINEM BEISPIEL FOLGEN. DAS IST TRADITION. / Der Schriftsteller und Nobelpreisträger Thomas Mann (1875–1955) ließ hier 1913 ein Wohnhaus errichten und bewohnte es mit seiner Familie von Januar 1914 bis zum Beginn des Exils im Februar 1933. Der Beschlagnahme des Hauses 1933 durch die Bayerische Politische Polizei folgte 1937 die Enteignung durch das Deutsche Reich und das Land Bayern. Nach der Zerstörung im Krieg 1944 wurde das Haus Thomas und Katia Mann 1948 zurückerstattet. Thomas Mann ließ es 1952 abreißen und verkaufte das Ruinengrundstück. Ein Nachfolgebau (1953–2002) wurde im Jahr 2006 durch die mit der Stadt München vereinbarte äußerliche Rekonstruktion des einstigen Thomas-Mann-Hauses ‚auf eigene Art’ ersetzt.“ Um das Leben und Wirken der Familie Mann zu würdigen, beschloss der Stadtrat der Landeshauptstadt München die Schaffung eines Denkmals; 2019 prämierte eine Fachjury den Entwurf „Straßen Namen Leuchten“ des Künstlers Albert Coers. Dieser greift die biografischen Stationen der Familienmitglieder in München und die Orte ihres Exils auf sowie die literarische Rezeption und Gedenkkultur, die sich weltweit mit dieser außergewöhnlichen Familie auseinandersetzt. Das Denkmal wird ab 9. Dezember am Salvatorplatz beim Literaturhaus München zu sehen sein.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/277">Für mehr (einschließlich 5 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-10-14T17:49:12+02:00</published>
    <updated>2026-07-09T11:36:09+02:00</updated>
    <link rel="alternate" type="text/html" href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/277"/>
    <id>https://municharttogo.zikg.eu/items/show/277</id>
    <author>
      <name>Karin Bernst</name>
    </author>
  </entry>
  <entry>
    <title type="html"><![CDATA[Die Regina-Lichtspiele: Der Film „Nathan der Weise“ (1922) als frühes Opfer des Nationalsozialismus]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Am 9. Februar 1923 kündigten die Regina-Lichtspiele in der Kaufingerstraße die Münchner Uraufführung des Monumental-Stummfilms „Nathan der Weise“ an. Die in München gedrehte Filmadaption von Gotthold Ephraim Lessings flammendem Appell an religiöse Toleranz und Menschlichkeit war nach seiner Berliner Uraufführung wenige Wochen zuvor zu einem regelrechten Kassenschlager geworden. Dieser Beitrag skizziert die Münchner Rezeptionsgeschichte des Films vor dem Hintergrund der erstarkenden nationalsozialistischen Partei in der „Hauptstadt der Bewegung“ der frühen 1920er Jahre.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/a4c53b6995ef31361938f9e908ae4391.jpg" alt="Außenansicht der Regina-Lichtspiele " /><br/><p>Antisemitismus war in der bayerischen Hauptstadt als öffentliche Haltung gesellschaftsfähig, lange bevor er zum zentralen Topos einer marktschreierischen NS-Propaganda wurde. In bestimmten Kreisen war der Judenhass ein identitätsstiftendes Element, ein verbindendes Merkmal. Wie der Münchner Historiker Andreas Heusler zusammenfasst, „bot das ‚Milieu München‘ geradezu ideale Entstehungs- und Wachstumsbedingungen für die menschenverachtende Ideologie des Nationalsozialismus“ (Heusler 2025). Es war dieses Milieu, welches die Münchner Rezeptionsgeschichte des Monumental-Stummfilms „Nathan der Weise“ maßgeblich bestimmte. Wir setzen den Beginn dieser Geschichte ins Jahr 1918 mit der Eröffnung der Regina-Lichtspiele in der Kaufingerstraße in München. Zu diesem Anlass ließ Wilhelm Sensburg, der Kinopionier und Betreiber des neuen Lichtspielhauses verkünden, dass „nur Erstklassiges geboten“ würde, weshalb es „noch nicht an der Zeit sein [wird], Münchner Produkte des Filmmarktes zu bringen, weil dieser […] noch in den Kinderschuhen stecke“ (Lerch-Stumpf 2008, S. 91). Bis spätestens Anfang 1923 scheint er sein Urteil geändert zu haben: Am 9. Februar setzte er „Nathan der Weise“, eine Monumentalproduktion des Bavaria-Filmhauses – einer Tochterfirma des noch jungen Filmkonzerns Münchner Lichtspielkunst, genannt EMELKA –, auf den Spielplan der Regina-Lichtspiele. Die filmische Adaption von Gottfried Lessings flammendem Appell an religiöse Toleranz und Menschlichkeit war wenige Wochen zuvor in Berlin uraufgeführt worden. Im Deutschen Reich und im Ausland erreichte sie bald solch überwältigende Besucherzahlen, dass die Aktien der EMELKA „an die Spitze aller deutschen Film-Aktien stieg[en]“ (Brenner 2019, S. 258). Doch sollte weder Kinobetreiber Sensburg eine Scheibe dieses Erfolgs für sich abschneiden können noch sollte das Münchner Publikum die Gelegenheit bekommen, das äußerst gelungene Beispiel der heimischen Lichtspielkunst zu feiern. Am Nachmittag des 9. Februar trafen erste Drohbriefe ein, am Abend ein Anruf, in dem Sensburg gedroht wurde, sein Kino werde „am nächsten Abend kurz und klein“ (Drössler 2020, o.S.) geschlagen, falls er den Film nicht aus dem Programm nähme. Der um seinen teuer ausgestatteten Kino-Palast fürchtende Besitzer gab nach, denn er wusste, aus welcher Ecke die Drohungen kamen. Schließlich war der Film schon im September des Vorjahres während des Begutachtungsverfahrens an der Filmprüfstelle München einer antisemitischen Hetze ausgesetzt worden. Begründet wurde diese mit der positiven Darstellung der Hauptfigur Nathan als „den weitaus besten Menschen“ (Drössler 2020, o.S.) gegenüber den christlichen und muslimischen Protagonisten. „Besonders zur Jetztzeit, wo die Meinungen darüber besonders in der breiten Masse ganz entgegengesetzter Art sind, [müsste dies] sowohl den katholischen als auch den protestantischen Volksteil in seinem religiösen Gefühl verletzen“, hieß es weiter im Protokoll der Filmprüfstellensitzung. Daher erscheine „der Bildstreifen außerordentlich geeignet, die öffentliche Ordnung und Sicherheit zu gefährden“ (Drössler 2020, o.S.). Diese Kampagne richtete sich aber nicht nur gegen den Inhalt des Films, sondern auch gegen die vielen jüdischen Mitwirkenden, darunter den Produzenten Erich Wagowski, den Regisseur Manfred Noa, sowie zwei meiner Vorfahren: den Mitbegründer und Aufsichtsratsvorsitzenden des EMELKA-Konzerns Wilhelm Rosenthal und dessen Sohn Emil Emanuel Kurt Rosenthal (Künstlername Kurt Rosen), den Aufnahmeleiter des Films. Trotz der Bedenken waren die Filmprüfstelle München sowie Ende 1922 die Berliner Filmoberprüfstelle zu dem Ergebnis gekommen, dass der Film zuzulassen sei. Denn sollten antisemitische Aktionen gegen ihn unternommen werden, dann aus Gründen „die von außen willkürlich in den Inhalt des Films hineingetragen werden. […] Die Abstellung dieser Gefährdung [kann] nicht durch die Versagungsgründe des Lichtspielgesetzes, sondern lediglich durch das Einschreiten der Polizeiverwaltungen erfolgen“ (Drössler 2020, o.S.). Als Sensburg den Film aus seinem Programm strich, hatte er nicht einmal versucht, ein solches Einschreiten zu bewirken. „Es war bezeichnend für die Zeit, dass er [Sensburg] sich gar nicht erst an die Münchner Polizei um Hilfe wandte, von der man wusste, dass sie nationalsozialistisch durchsetzt war“, stellt Historiker Michael Brenner fest (Brenner 2019, S. 259). Wilhelm Sensburg sollte allerdings 1931 seine positive Einstellung gegenüber dem Nationalsozialismus unter Beweis stellen, als er das Münchner Luitpold-Filmtheater übernahm und es „ausdrücklich in den Dienst der Wahlkampf-Propaganda [stellte]. Während des Dritten Reiches blieb es eine zentrale Abspielstätte für NS-Vorzugsfilme, zuletzt noch für ‚Jud Süß‘ […]“ (Stankiewitz 2019, o.S.). Nach dem Krieg war Sensburg weiter im Filmgeschäft tätig und beteiligte sich zum Beispiel an der Produktion „In München steht ein Hofbräuhaus“ des Jahres 1951.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/271">Für mehr (einschließlich 5 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-08-19T10:28:36+02:00</published>
    <updated>2026-07-01T12:19:31+02:00</updated>
    <link rel="alternate" type="text/html" href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/271"/>
    <id>https://municharttogo.zikg.eu/items/show/271</id>
    <author>
      <name>Judy Rosenthal</name>
    </author>
  </entry>
  <entry>
    <title type="html"><![CDATA[Das NS-Dokumentationszentrum München: History is not the Past.]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>München ist als Gründungsorts der NSDAP wie keine andere Stadt mit der Entstehung und dem Aufstieg des Nationalsozialismus verbunden. Das NS-Dokumentationszentrum München befindet sich am Standort des ehemaligen „Braunen Hauses“, der Parteizentrale der NSDAP. Im Umfeld des Königsplatzes befand sich zwischen 1933 und 1945 ein weitläufiges Parteiviertel mit Sitz zahlreicher Verwaltungsstellen. Heute vermittelt das nsdoku hier am historischen Ort die Geschichte des Nationalsozialismus mit Blick auf die Gegenwart und Zukunft.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/7f12649491dc8f214961fe3df064066d.jpg" alt="Das NS-Dokumentationszentrum München (nsdoku)" /><br/><p>2015 am Standort des ehemaligen „Braunen Hauses“ neu errichtet, setzt sich das nsdoku München kritisch mit der Geschichte dieses Ortes und der historischen Bedeutung Münchens als ehemaliger „Hauptstadt der Bewegung“ auseinander. Ausgehend von den historischen Ereignissen vor und während der NS-Diktatur werden insbesondere auch deren Auswirkungen bis heute dokumentiert und die Erfahrungen der nationalsozialistischen Diktatur in einem aktuellen und globalen Zusammenhang verortet. Ein zentrales Anliegen ist es, mit Blick auf die Geschichte auch die Gegenwart kritisch zu prüfen und Fragen zu stellen: Was macht eine starke Demokratie aus? Wie wird sie geschwächt? Wo erleben wir heute Ausgrenzung und Verfolgung, Hass und Gewalt gegen Minderheiten? Welche Werte und welches Handeln tragen eine solidarische und offene Gesellschaft? Wie wollen wir erinnern?
Zum Angebot des nsdoku zählen die historische Ausstellung „München und der Nationalsozialismus“, wechselnde Ausstellungen und Kunstinterventionen, Veranstaltungen und partizipative Projekte, Onlineangebote, eine Bibliothek sowie Vermittlungsprogramme für unterschiedliche Zielgruppen. Seit Kurzem gibt es auch ein Café mit Shop.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/269">Für mehr (einschließlich 10 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-08-11T11:16:11+02:00</published>
    <updated>2025-08-14T09:45:11+02:00</updated>
    <link rel="alternate" type="text/html" href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/269"/>
    <id>https://municharttogo.zikg.eu/items/show/269</id>
    <author>
      <name>Julia Kessler</name>
    </author>
  </entry>
  <entry>
    <title type="html"><![CDATA[Das Palais Pringsheim: Musik, Majolika und die Familie Mann]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Alfred Pringsheim war nicht nur Mathematikprofessor, Kunstsammler, Musikliebhaber und Schwiegervater Thomas Manns, sondern auch eine der schillerndsten Persönlichkeiten des Münchner Bildungsbürgertums um 1900. Gemeinsam mit seiner Familie bewohnte er das prächtige Palais Pringsheim in der Arcisstraße 12. Das Haus war ein Ort des kulturellen Austauschs und Treffpunkt prominenter Zeitgenossen. Wegen des <a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/60" target="_blank" rel="noopener">Parteiforums am Königsplatz</a> wurde das Palais bald nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten abgerissen, und die Familie Pringsheim floh ins Exil.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/a5cd82ac5337913bcbe067431db6529d.jpg" alt="Das Palais Pringsheim, 1894" /><br/><p>Der Bewohner und Namensgeber des Palais Pringsheim, Alfred Pringsheim, wurde am 2. September 1850 in Ohlau, Oberschlesien, in eine jüdische Familie geboren. Sein Vater hatte als Besitzer von Kohlegruben und als Eisenbahnunternehmer ein beträchtliches Vermögen erworben. Der junge Alfred studierte in Berlin und Heidelberg Mathematik und habilitierte sich 1877 an der Universität München. Ab 1886 lehrte er dort als außerordentlicher, ab 1901 dann als ordentlicher Professor in den Fachbereichen „Analysis, Functionen-Theorie, Algebra und Zahlentheorie“ (Süddeutsche Zeitung, 16./17. November 2024, R 6). 1894 wurde er zudem als außerordentliches, 1898 als ordentliches Mitglied in die Königlich-Bayerische Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Das von seinem Vater geerbte Millionenvermögen machte ihn zu einem der reichsten Männer Bayerns. In den 1870er Jahren lernte Alfred Pringsheim die Schauspielerin Hedwig Dohm kennen, die er 1878 heiratete. In den darauffolgenden Jahren bekam das Paar fünf Kinder, zuletzt das Zwillingspaar Klaus und Katharina (genannt Katia). Ihre Kinder ließen die Pringsheims evangelisch taufen. Die junge Familie Pringsheim bezog bald nach seiner Fertigstellung in den Jahren 1889/90 das Palais an der Arcisstraße 12. Das nach einem Entwurf der Berliner Architekten Kayser & von Großheim errichtete Gebäude gehörte zu den modernsten in München. Es war mit einer Zentralheizung, elektrischem Licht und einem Telefon ausgestattet. Die 24 Meter breite Ziegelfassade im Stil der deutschen Neorenaissance war mit Türmchen und Erkern geschmückt, die Innenräume waren im Stil der Renaissance gehalten. Neben seiner Tätigkeit als Universitätsprofessor war Alfred Pringsheim Musiker und Kunstsammler. Im Palais befand sich ein 63 Quadratmeter großes Musikzimmer mit einem 21 Meter langen Wandfries des Malers Hans Thoma, in dem Konzerte mit bis zu 150 Gästen stattfanden. Daneben lag eine Bibliothek, in der ein Porträt Hedwig Pringsheims, gemalt von Franz von Lenbach, die Wand zierte. Neben Gemälden seiner Zeitgenossen, darunter Franz von Lenbach und Friedrich August von Kaulbach, welche die Frauen der Familie porträtiert hatten, sammelte Alfred Pringsheim auch Kunstgegenstände der Renaissance. Dazu zählten Silberobjekte aus Deutschland und den Niederlanden, italienische Bronzeskulpturen sowie Majoliken. Zu den Gästen, die das Palais Pringsheim besuchten, um die Sammlung zu besichtigen, gehörten Prinz Rupprecht von Bayern und Henry Ford. Pringsheim verlieh Werke aus seiner Sammlung für Ausstellungen und war Mitglied der Ankaufkommission des Bayerischen Nationalmuseums. Im Palais waren zahlreiche bekannte Persönlichkeiten der Prinzregentenzeit zu Gast: Richard Strauss, Fritz August Kaulbach, Franz von Lenbach, Franz von Stuck, Paul Heyse, Hugo von Hofmannsthal, Gustav Mahler und auch Thomas Mann. Der Schriftsteller kannte Katia Pringsheim bereits aus den Konzerten im <a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/8" target="_blank" rel="noopener">Kaimsaal</a>, die sie gemeinsam mit ihren Brüdern besuchte. Eine erste persönliche Begegnung der beiden fand 1904 im Salon von Max und Elsa Bernstein statt. Das Paar heiratete am 11. Februar 1905, obwohl Alfred Pringsheim den Schriftstellerberuf als wenig seriös und Thomas Mann so für den gesellschaftlichen Stand der Tochter nicht angemessen hielt. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten ging Thomas Mann, ein entschiedener Gegner und öffentlicher Kritiker des NS-Regimes, im März 1933 gemeinsam mit Katia in die Schweiz ins Exil, während die Pringsheims zunächst in München blieben. Da Alfred Pringsheims Eltern jüdisch gewesen waren und auch Hedwigs Familie vom jüdischen zum evangelischen Glauben konvertiert war, wurde auf Alfred Pringsheim seit Januar 1933 Druck durch die NSDAP ausgeübt. Man forderte ihn auf, sein Haus zu verkaufen, andernfalls würde er enteignet. Hintergrund war neben der systematischen Verfolgung der jüdischen Bevölkerung auch das Vorhaben der Partei, auf dem Grundstück des Palais Pringsheim den Verwaltungsbau der NSDAP zu errichten. Der 83-jährige Alfred Pringsheim verkaufte das Palais unter diesem Druck noch 1933 weit unter Wert und zog gemeinsam mit Hedwig in eine acht Zimmer umfassende Wohnung am Maximiliansplatz. Nachdem auch dieses Haus von der NSDAP gekauft wurde, mussten sie erneut umziehen, diesmal in eine kleinere Wohnung in der Widenmayerstraße. Das Palais wurde noch im November 1933 abgerissen. In der Pogromnacht vom 9. November 1938 wurden die Kunstschätze aus der Sammlung Alfred Pringsheims beschlagnahmt. Viele dieser Werke befinden sich heute in Museen und Sammlungen auf der ganzen Welt. 1939 kaufte die NSDAP auch das Haus in der Widenmayerstraße. Ende Oktober desselben Jahres emigrierten die Pringsheims schließlich in die Schweiz. Alfred Pringsheim starb dort am 25. Juni 1941, ein Jahr später folgte ihm seine Frau.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/268">Für mehr (einschließlich 10 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-08-08T10:41:33+02:00</published>
    <updated>2026-06-25T12:00:02+02:00</updated>
    <link rel="alternate" type="text/html" href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/268"/>
    <id>https://municharttogo.zikg.eu/items/show/268</id>
    <author>
      <name>MunichArtToGo</name>
    </author>
  </entry>
  <entry>
    <title type="html"><![CDATA[Hochschule für Musik und Theater: Arcisstraße 12.: Ein Ort für Kunst und Zukunft, Erinnerung und Demokratie ]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Seit 1957 haben wir, die Hochschule für Musik und Theater München, unseren Hauptstandort im Gebäude der Arcisstraße 12 auf dem Campus Arcisstraße. Obwohl die Nationalsozialisten nur rund acht Jahre von 1937 bis 1945 die „Hausherren“ auf diesem Gelände waren, gelingt es uns nicht immer, den braunen „Geist“ zu überschreiben.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/1d4e2b6c7a677c77aa256986b8640874.jpg" alt="Das Hauptgebäude der Hochschule für Musik und Theater München in der Arcisstraße 12" /><br/><p>Wir, die wir auf dem Gelände unseres Campus Arcisstraße arbeiten, musizieren, studieren, lehren oder forschen, werden jeden Tag auf fast profane Weise an die toxische Wirkung und Schuld dieses Ortes erinnert. Die kleinen Momente sind es, die einen unerwartet überkommen: der Klang der eigenen Schritte am Morgen auf der Marmortreppe im Lichthof, die kantige Glattheit der Türklinken, die Wuchtigkeit der sich auflösenden Fensterrahmen. Wie kann es uns gelingen, den menschenverachtenden Geist, den man beim Betreten des Gebäudes spüren kann, zu überwinden? Welche Verantwortung ergibt sich aus der Last der Vergangenheit für die Gestaltung von Gegenwart und der Zukunft? Welche Möglichkeiten ergeben sich aus der Überlagerung der toxischen historischen Linien an diesem Ort? Eine Musikhochschule wie wir – eine Universität der Künste – ist ein Ort der Freiheit, der Debatte und der Vielfalt. Wie verteidigen wir diese Werte gegen demokratiefeindliche Stimmen bei gleichzeitiger Offenheit? In diesem Spannungsfeld bewegen wir uns. Dies zu reflektieren, zu nutzen und sich selbst/bewusst in diesem Kontext zu bewegen, ist Chance, Bürde und Verantwortung zugleich.  </p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/257">Für mehr (einschließlich 2 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-06-24T12:52:44+02:00</published>
    <updated>2026-04-30T11:47:55+02:00</updated>
    <link rel="alternate" type="text/html" href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/257"/>
    <id>https://municharttogo.zikg.eu/items/show/257</id>
    <author>
      <name>Prof. Lydia Grün, Präsidentin der HMTM</name>
    </author>
  </entry>
</feed>
