
Der Landesverband Bayern des Katholischen Frauenbunds Deutschland (KDFB) erwarb im April 1927 dieses Haus bis dahin war es eine Pension mit 18 möblierten Zimmern. Nun diente es als Bundesheim, das KDFB-Mitglieder für Übernachtungen und als Treffpunkt nutzen konnten. Auch der Frauenbund hatte hier Büroräume. Während des Nationalsozialismus waren nur kulturelle und religiöse Arbeiten erlaubt, soziale und politische Aktionen wurden verboten und leitende Mitglieder waren Repressalien ausgesetzt. Ein Bombenangriff in der Nacht vom 17. auf den 18. Dezember 1944 zerstörte das Haus weitgehend – mit ihm auch den größten Teil des Archivs. 1949 war ein Wiederaufbau abgeschlossen. Nach Um- und Ausbauten konnte 1951 das Ellen-Ammann-Haus als Heim und Verwaltungsgebäude eingeweiht werden. Eine Tafel im Treppenhaus erinnert daran, dass ein Scheck der US-Zivilverwaltung über 100.000 DM dabei sehr hilfreich war. Für die Frauenschule des KDFB wurde ein Rückgebäude gebaut und 1953 bezogen. Sie hatte hier bis 1964 ihren Sitz. Heute zählt der KDFB Bayern etwa 125.000 Mitglieder. Im Haus befinden sich die Büroräume, das Bildungswerk, die Landfrauenvereinigung sowie das Familienpflegewerk im KDFB. „Mutter Maria, die Patrona Bavariae, möge die besondere Patronin des Hauses werden und helfen, dass katholische Gedanken dort sichtbar und verwirklicht werden können, das ist unser Wunsch für die neue Heimat des Frauenbundes.“ (Ellen Ammann, zitiert in der Broschüre des KDFB „Mein Name ist Ellen Ammann ...“)
Das unscheinbare Haus repräsentiert die katholische Frauenbewegung in Bayern – Ellen Ammann (1870–1932) ist ihre Leitfigur.
Sie kam am 30. Juli 1870 als Ellen Sundström in Stockholm zur Welt. Sie besuchte dort eine katholische Klosterschule, machte Abitur und verbrachte anschließend ein Jahr als sogenannte Haustochter bei der Familie von Heremann in Nordrhein-Westfalen. In Stockholm begann sie danach, schwedische Heilgymnastik zu studieren.
Um diese neue Therapieform kennenzulernen, war der Münchner Orthopäde Dr. Ottmar Ammann (1861–1939) in Schweden. Er verliebte sich sofort in die junge Frau. Im Oktober 1890 heirateten die beiden, Ammann nahm Ellen mit nach München, wo er in der Landwehrstraße 4 eine Praxis und Tagesklinik betrieb. Ellen Ammann sorgte für die Hauswirtschaft der Klinik und wurde Mutter von sechs Kindern.
Das genügte ihr nicht, sie widmete sich, nachdem sie sich an das fremde Leben in Bayern mit seiner patriarchalen Struktur gewöhnt hatte, der sozial-politischen Arbeit. 1894 war sie aktiv im Marianischen Mädchenschutzbund (heute IN VIA) und begründete drei Jahre später die katholische Bahnhofsmission am Hauptbahnhof. Dafür wurde sie kritisiert, als junge Mutter und Ausländerin sollte sie das Haus hüten, fanden die etablierten Damen.
Lebens- und Arbeitsmittelpunkt war seit 1894 ein großes Haus in der Theresienstraße 25. Hier gründete Ellen Ammann den KDFB München und Bayern und sorgte 1905 für die Anfänge einer „social-caritativen Frauenschule“ (heute Katholische Stiftungshochschule in Haidhausen). Es war ihr ein wichtiges Anliegen, jungen katholischen Frauen religiösen Halt zu bieten und für die soziale Arbeit eine professionelle Ausbildung zu ermöglichen.
„Caritas Christi urget nos – die Liebe Christi drängt uns.“
Leitsatz von Ellen Ammann und Motto der Frauenschule
1919 wurde Ellen Ammann als eine der ersten weiblichen Abgeordneten für die Bayerische Volkspartei in den Landtag gewählt und gehörte ihm bis zu ihrem Tod am 23. November 1932 an. 1920 initiierte sie die katholische Polizeiseelsorge in München. Ihre politische Haltung war patriotisch und konservativ, dennoch gegenüber den Nationalsozialisten kritisch genug, um 1923 mit mehreren Frauen die Ausweisung Hitlers als kriminellem Ausländer zu fordern. Im November erfuhr sie zufällig vom Putschversuch im Bürgerbräukeller und holte alle unbeteiligten Politiker in ihre Frauenschule. Hier konnte die Niederschlagung organisiert werden, da niemand an diesem Ort Regierungsvertreter vermutete. Der stellvertretende Ministerpräsident Franz Matt konstatierte später: „Ellen Ammann hat damals mehr Mut bewiesen als manche Herren in Männerhosen.“ (zitiert nach Neboisa 1992, S. 478)
Nach einer großen Rede über die Situation der Familien im Landtag verstarb sie am 23. November 1932.
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