Eingeordnet unter Sakralbauten

Die neue Pfarrkirche Sankt Johann Baptist

Höchste Kirche östlich der Isar

Der Grundstein des sogenannten „Haidhauser Doms“ wurde 1852 gelegt, da die alte, spätgotische Pfarrkirche nicht mehr genügend Platz für die Gläubigen bot. Für den Bau der Kirche mussten allerdings einige finanzielle Hindernisse überwunden werden.

Pfarrer Johann Georg Walser (1848–1871) unternahm 29 Bettelreisen, um Geld für den Bau der Kirche zu beschaffen. Unter anderem mit den dadurch gewonnenen Spenden erwarb die Gemeinde Haidhausen gemeinsam mit der Kirchenverwaltung 1849 den heutigen Johannisplatz, um eine neue Kirche zu bauen. 1852 wurde schließlich der Grundstein für die neue Pfarrkirche gelegt.

1854 wurde Haidhausen nach München eingemeindet. Da die Gemeinde Haidhausen 1849 15.400 Gulden für den Bauplatz gezahlt hatte, herrschte im Magistrat der Stadt München die Meinung, dass das Grundstück samt Kirchenbaustelle Eigentum der Stadt sei. Zudem stiegen die Baukosten, die nunmehr die Stadt München zu tragen hatte, immer weiter. Die Bauarbeiten wurden gestoppt, um die Eigentumsverhältnisse zu prüfen. Die Gutachten ergaben, dass die Gemeinde Haidhausen den Grund erworben hatte und damit die Stadt München Eigentümerin sei. Das Grundstück sollte der Kirchenverwaltung aber zur Benutzung überlassen werden, vorausgesetzt, die Kosten würden von der Kirchenverwaltung übernommen. Diese drohte daraufhin, das Gebäude nicht zu weihen, sollte die neue Pfarrkirche städtisches Eigentum werden.

Um die Frage nach dem Eigentum und der Finanzierung 20 Jahre nach dem Baubeginn abschließend zu klären, wurde ein Gerichtsverfahren eingeleitet. Nach drei Instanzen einigten sich Stadt und Kirche in einem Vergleich: Der Bau wurde Eigentum der Kirche, diese musste der Stadt jedoch für die bisher geleisteten Zahlungen eine Entschädigung in Höhe von 200.000 Mark zahlen, auf welche die Währung in der Zwischenzeit umgestellt worden war. Der erste Gottesdienst in der neuen Pfarrkirche fand am 24. August 1879 statt.

Die neugotische Kirche wurde nach Plänen von Matthias Berger (1825–1897), einem Schüler Friedrich von Gärtners (1791–1847), im Maximiliansstil errichtet. Eine kleine Büste über dem linken Kirchenportal zeigt den Architekten.

Die Fassade war ursprünglich mit gelben Terrakotta-Steinen verkleidet. Ihr 91 Meter hoher Westturm macht sie zur sechsthöchsten Kirche Münchens und zur höchsten Kirche Münchens östlich der Isar.

Die Kirche ist mit 21 Glasfenstern nach Entwürfen von Augustin Pacher (1863-1926), Jakob Bradl (1864-1919) und Wilhelm Megerle (geb. 1863) ausgestattet, die zwischen 1903 und 1918 gestiftet wurden.

1949 wurde ein Kirchenpfleger von einer herunterfallenden Kreuzrippe erschlagen, die sich vermutlich durch von Fliegerbomben im Zweiten Weltkrieg verursachte Druckwellen gelockert hatte. Im Zuge des Wiederaufbaus 1956 wurde die Kirche versachlicht. 1978 wurde das Netzrippengewölbe durch aufgemaltes farbiges Bandgeflecht von Peter Burkart ersetzt. 1980 wurde der Bau einer Tiefgarage unter dem Johannisplatz von einer Bürgerversammlung verhindert.

1995 wurde der Altarraum umgestaltet und erhielt 1998 einen neuen Altar und Ambo sowie sechs Altarleuchter aus Laaser Marmor, entworfen von der Bildhauerin Carola Heine. Von der neugotischen Einrichtung sind der Hochaltar aus Laaser Marmor, umgesetzt 1860 von Joseph Knabl, sowie die Kommunionbank, die Seitenaltäre sowie die Figuren aus Carrara-Marmor erhalten geblieben.

Bilder

Die Fassade, 2026
Die Fassade, 2026 Bis der erste Gottesdienst 1879 in der Kirche Sankt Johann Baptist stattfinden konnte, mussten einige finanzielle Hindernisse überwunden werden. Erstellt von: Eva Blüml
Die Kirche im Jahr 2009
Die Kirche im Jahr 2009 Die 91 Meter hoher Westtürme machen St. Johannes Baptist zur sechsthöchsten Kirche Münchens und zur höchsten Kirche Münchens östlich der Isar. Quelle: Wikimedia Commons Erstellt von: Regani
Der Kircheninnenraum, 2019
Der Kircheninnenraum, 2019 1978 wird das Netzrippengewölbe durch aufgemaltes farbiges Bandgeflecht von Peter Burkart ersetzt. Quelle: Wikimedia Commons Erstellt von: Ricardalovesmonuments
Die Kirche in den 1950er-Jahren
Die Kirche in den 1950er-Jahren Die neugotische Kirche wurde nach Plänen von Matthias Berger (1825–1897), einem Schüler Friedrich von Gärtners (1791–1847), im Maximiliansstil errichtet. Quelle: Aus: Hermann Wilhelm: Haidhausen. Münchner Vorstadt im Lauf der Zeit, München 2009, S. 45.
Die Alte Haidhauser Kirche, Aquarell von Joseph Puschkin
Die Alte Haidhauser Kirche, Aquarell von Joseph Puschkin Der Grundstein des sogenannten „Haidhauser Doms“ wurde 1852 gelegt, da die alte, spätgotische Pfarrkirche nicht mehr genügend Platz für die Gläubigen bot. Quelle: Aus: Hermann Wilhelm: Haidhausen : Münchner Vorstadt im Lauf der Zeit. Müchen, 1991, S. 15.
Die Johanniskirche auf einem Gemälde von Ferdinand Jodl, 1966
Die Johanniskirche auf einem Gemälde von Ferdinand Jodl, 1966 Der Bau der neuen Pfarrkirche wurde durch einen Finanzierungs- und Eigentumsstreit zwischen der Kirchenverwaltung und der Stadt München nach der Eingemeindung Haidhausens verzögert. Quelle: Aus: Hermann Wilhelm: Haidhausen. Münchner Vorstadt im Lauf der Zeit, München 2009, S. 41.
Postkarte der Neuen Pfarrkirche St. Johann Baptist, 1903
Postkarte der Neuen Pfarrkirche St. Johann Baptist, 1903 Die neue Pfarrkirche wurde 1879 geweiht. Quelle: Aus: Hermann Wilhelm: Haidhausen : Münchner Vorstadt im Lauf der Zeit. Müchen, 1991, S. 50.
Die Johanniskirche auf einer Postkarte, um 1915
Die Johanniskirche auf einer Postkarte, um 1915 Die Fassade war ursprünglich mit gelben Terrakotta-Steinen verkleidet. Quelle: Aus: Hermann Wilhelm: Haidhausen. Münchner Vorstadt im Lauf der Zeit, München 2009, S. 44.
Die Glasfenster nach Süden, 2026
Die Glasfenster nach Süden, 2026 Die Kirche ist mit 21 Glasfenstern nach Entwürfen von Augustin Pacher (1863-1926), Jakob Bradl (1864-1919) und Wilhelm Megerle (geb. 1863) ausgestattet, die zwischen 1903 und 1918 gestiftet wurden. Erstellt von: Eva Blüml
Der Altarraum, 2026
Der Altarraum, 2026 1995 wird der Altarraum umgestaltet und erhält 1998 einen neuen Altar und Ambo und sechs Altarleuchter aus Laaser Marmor, entworfen von der Bildhauerin Carola Heine. Erstellt von: Eva Blüml
Der Altarraum, 2026
Der Altarraum, 2026 Von der neugotischen Einrichtung sind der Hochaltar aus Laaser Marmor, umgesetzt 1860 von Joseph Knabl sowie die Kommunionbank und Seitenaltäre sowie Figuren aus Carrara-Marmor erhalten geblieben. Erstellt von: Eva Blüml

Ort

Johannisplatz, 81667 München | öffentlich zugänglich

Metadaten

Eva Blüml, “Die neue Pfarrkirche Sankt Johann Baptist: Höchste Kirche östlich der Isar,” MunichArtToGo, accessed 9. Oktober 2026, https://municharttogo.zikg.eu/items/show/362.