Eingeordnet unter Queeres Leben in München

Das Café Luitpold

Treffpunkt für kaffeeliebende Suffragetten

Das Café Luitpold in der Briennerstraße 11 spielte in der von lesbischen Frauen maßgeblich mitgestalteten ersten Münchner Frauenbewegung eine wichtige Rolle. Es diente als Treffpunkt und Tagungsort. Ganz vorn mit dabei: Anita Augspurg (1857–1943) und ihre damalige Lebensgefährtin Sophie Goudsticker (1865–1924).

In der Entwicklung der Münchner Frauen- und im späteren 20. Jahrhundert explizit auch Lesbenbewegung spielte anfangs das Café Luitpold, ein mondänes, klassisches Kaffeehaus im Wiener Stil in Bestlage an der innerstädtischen Brienner Straße unweit von Odeons- und Wittelsbacherplatz eine wichtige Rolle. So traf sich dort die 1894 von dem damaligen lesbischen Paar Anita Augspurg und Sophie Goudsticker gegründete „Gesellschaft zur Förderung der geistigen Interessen der Frau“.

1899 wurde die Gesellschaft in „Verein für Fraueninteressen“ umbenannt. Das geschah wegen einer Änderung im bayerischen Recht, die es Frauen erlaubte, endlich an Veranstaltungen teilzunehmen und Vereine zu gründen, die Bildungs- und Pflegeaufgaben wahrnehmen. Davor war ihnen praktisch jedwede politik-ähnliche Betätigung oder Interessenvertretung verboten. Fortan traf man sich, um mehr Öffentlichkeitswirkung zu erzielen, bevorzugt im Café Luitpold und anderen mondänen Örtlichkeiten.

Noch im Jahr 1899 organisierte der „Verein für Fraueninteressen“, unterstützt von sieben Frauenvereinen, den 1. Bayerischen Frauentag. Die Eröffnung spielte sich im Café Luitpold ab. Viele weitere Programmpunkte fanden im Alten Rathaus statt. Die Veranstaltung sollte die bis dahin wenig vernetzten lokalen Fraueninitiativen Bayerns miteinander ins Gespräch bringen und so letztlich eine breitere Basis für die eigenen Anliegen schaffen.

Der Kongress fand vom 18. bis 21. Oktober 1899 statt. Als Vorsitzende fungierte die lesbische Ika Freudenberg (1858–1912). Es kamen 50 Vertreterinnen von Frauengruppen aus ganz Bayern nach München. Sie beschäftigten sich mit vielfältigen Themen rund um die Rolle der Frau und ihre Emanzipation in Bayern.

Bilder

Wichtige Feministinnen des späten 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, 1894
Wichtige Feministinnen des späten 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, 1894 Das Gruppenbild – aufgenommen im Fotoatelier Elvira – zeigt wichtige Feministinnen des späten 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Von links nach rechts zu sehen sind Anita Augspurg, Marie Stritt, Lily von Gizycki, Minna Cauer und Sophia Goudstikker. Goudstikker und Augspurg waren ein Paar. Quelle: Digitales Deutsches Frauenarchiv Erstellt von: Atelier Elvira
Porträt von Ika Freudenberg, ca. 1900
Porträt von Ika Freudenberg, ca. 1900 Ika Freudenberg (1858–1912) eröffnete 1899 den 1. Bayerischen Frauentag. Quelle: Hofatelier Elvira, München (Fotoatelier) / AddF – Archiv der deutschen Frauenbewegung Erstellt von: Hofatelier Elvira, München
Café Luitpold in München, um 1900
Café Luitpold in München, um 1900 Das Café Luitpold um 1900: Ein Ort, an dem sich die Suffragetten gern trafen. Quelle: Wikimedia Commons Erstellt von: unbekannt
Stempel des „Vereins für Fraueninteressen“, Ortsgruppe Landau/Pfalz, um 1900
Stempel des „Vereins für Fraueninteressen“, Ortsgruppe Landau/Pfalz, um 1900 Quelle: Historisches Museum Frankfurt
Ansicht des Café Luitpolds in der Brienner Straße, 2026
Ansicht des Café Luitpolds in der Brienner Straße, 2026 Das Café Luitpold wurde nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut. Bis heute findet sich hier ein Kaffeehaus. Quelle: Ulrich Ball / Forum Queeres Archiv München Erstellt von: Ulrich Ball
Prinzregent-Luitpold-Brunnen, errichtet 1983
Prinzregent-Luitpold-Brunnen, errichtet 1983 Gleich neben dem Eingang befindet sich dieser Brunnen mit Büste. Sie zeigt den Prinzregenten Luitpold von Bayern (1821–1912), den Namensgeber des Café Luitpold, und wurde 1983 errichtet. Quelle: Ariane Rüdiger / Forum Queeres Archiv München Erstellt von: Ariane Rüdiger
Eingang des Café Luitpolds in der Brienner Straße, 2026
Eingang des Café Luitpolds in der Brienner Straße, 2026 Noch immer sehr einladend: Eingang zum Café Luitpold, einem Ort, der auch heute ein anspruchsvolles Kulturprogramm anbietet. Quelle: Ariane Rüdiger / Forum Queeres Archiv München Erstellt von: Ariane Rüdiger

Ort

Brienner Straße 11, 80333 München | Café öffentlich zugänglich

Metadaten

Ariane Rüdiger, “Das Café Luitpold,” MunichArtToGo, zuletzt zugegriffen am 27. Februar 2026, https://municharttogo.zikg.eu/items/show/304.