Eingeordnet unter Gesundheitswesen

Das Tröpferlbad

Sozialgeschichte und Subkultur

Als städtisches Brausen- und Wannenbad, wie es über dem ehemaligen Eingang noch heute steht, bot das sogenannte „Tröpferlbad“ der Münchner Bevölkerung, die kein eigenes Badezimmer besaß, die Möglichkeit, sich zu duschen oder zu baden.

Der neoklassizistische Klinkerbau an der Thalkirchner Straße wurde zwischen 1912 und 1913 von den Architekten Adolf Schwiening und Richard Schachner in der zweiten Bauphase des Vieh- und Schlachthofgeländes errichtet. Im Tiefparterre und im Zwischengeschoß befanden sich die Badeeinrichtungen. Die Brausebäder waren zur Thalkirchner Straße ausgerichtet, ihnen gegenüber befanden sich die Wannenbäder.

Besonders Menschen aus der Arbeiterschicht lebten im 19. Jahrhundert häufig in Wohnungen ohne eigene Bade- oder Duschmöglichkeiten. Um die körperliche Hygiene zu verbessern und der Ausbreitung von Krankheiten entgegenzuwirken, wurden öffentliche Duschanlagen eingerichtet. Das erste „Probe-Douchebad“ wurde 1887 in der Mondscheingasse in Wien eröffnet.

Die Nutzung der Brausebäder war einfach organisiert: Gegen ein geringes Entgelt erhielt man für einen begrenzten Zeitraum Zugang zu nach Geschlecht getrennten Bade- und Duschbereichen, oft inklusive Handtuch und Umkleidefach. Die Ausstattung war funktional, das Wasser in der Regel lauwarm, und der Wasserdruck reichte nicht immer aus, um einen kräftigen Wasserstrahl zu erzeugen – so tröpfelte es oft nur aus der Brause.

Mit dem steigenden Wohnkomfort – insbesondere dem zunehmenden Einbau von Badezimmern in Privatwohnungen – nahm der Bedarf an öffentlichen Brausebädern ab. Ab den 1950er Jahren begann der langsame Rückgang dieser Einrichtungen; viele, wie das Tröpferlbad in der Thalkirchner Straße, wurden geschlossen, umgebaut oder ganz aufgegeben. Heute existieren nur noch wenige traditionelle Brausebäder. So ist das Brausen- und Wannenbad im Müller’schen Volksbad heute noch in Betrieb.

Die ursprüngliche Bedeutung der „Tröpferlbäder“ als wichtige Einrichtungen der städtischen Gesundheitsinfrastruktur ist jedoch weitgehend Geschichte. Das Gebäude an der Thalkirchner Straße beherbergt seit 1983 den „Jugendtreff Tröpferlbad“ und das „Kafe Marat“ und fungiert damit als Treffpunkt für Jugendliche und junge Erwachsene sowie als Zentrum linker Subkultur in München.

Wegen erheblicher Baumängel besteht Sanierungsbedarf am Gebäude; die beiden Einrichtungen suchen nach neuen Standorten. Im Sanierungskonzept ist vorgesehen, mindestens einen der originalen Waschräume im Sinne des Denkmalschutzes zu erhalten, um die frühere Nutzung des Hauses zu dokumentieren.

Bilder

Das Tröpferlbad an der Thalkirchner Straße, 2025
Das Tröpferlbad an der Thalkirchner Straße, 2025 Hinter den schmalen Fenstern im Zwischengeschoß befanden sich die Duschbäder. Erstellt von: Eva Blüml
Das Städtische Brausen- und Wannenbad in den 1950er Jahren.
Das Städtische Brausen- und Wannenbad in den 1950er Jahren. Im linken Gebäudeteil befand sich im 2. Stock eine Hausmeisterwohnung. Quelle: Stadtarchiv München, STB-8499
Innenansicht, Vorraum der Badekabinen, um 1920.
Innenansicht, Vorraum der Badekabinen, um 1920. Hinweistafel "Wannen Bad 1/2 Stunde Badezeit. Wer diese Badezeit überschreitet, hat wiederholt Zahlung zu leisten.“ Die Nutzung der Brausebäder war einfach organisiert: Gegen ein geringes Entgelt erhielt man für einen begrenzten Zeitraum Zugang zu nach Geschlecht getrennten Duschbereichen, oft inklusive Handtuch und Umkleidefach. Quelle: Stadtarchiv München, FS-HB-VI-0447
Detail der erhaltenen Fliesen eines Badebereichs, 2025.
Detail der erhaltenen Fliesen eines Badebereichs, 2025. An wenigen Stellen sind in den Räumen des heutigen Jugendtreffs noch Teile der gefliesten Trennwände der Baderäume erhalten. Erstellt von: Eva Blüml
Treppenhaus zum Jugendtreff, 2025.
Treppenhaus zum Jugendtreff, 2025. Im Treppenhaus ist der ursprüngliche Fliesenspiegel unter der Übermalung noch zu erkennen. Erstellt von: Eva Blüml
Eingang rechts, Detail, 2025.
Eingang rechts, Detail, 2025. Der Zugang zum Brausen- und Wannenbad erfolgte nach Geschlechtern getrennt. Ein Männerkopf über der rechten Tür markiert den Eingang zur Badeanstalt, der für Männer vorgesehen war. Erstellt von: Eva Blüml
Eingang links, Detail, 2025.
Eingang links, Detail, 2025. Den Eingang für Frauen schmückt ein Frauenkopf. Erstellt von: Eva Blüml
Das „Tröpferlbad“, circa 1920.
Das „Tröpferlbad“, circa 1920. In München gab es noch einige andere Brausen- und Wannenbäder, wie das in der Kirchenstraße 9 in Haidhausen oder das Brausebad am Bavariaring. Quelle: Stadtarchiv München, FS-HB-VI-0445

Ort

Thalkirchner Straße 98–100, 80337 München | Der Jugendtreff ist für Jugendliche und junge Erwachsene bis 26 Jahre.

Metadaten

Eva Blüml, “Das Tröpferlbad,” MunichArtToGo, zuletzt zugegriffen am 22. Januar 2026, https://municharttogo.zikg.eu/items/show/295.