Die Musterbauten an der Prinzregentenstraße
Als Bunker geplant, als Ausstellungsraum genutzt

Die „Versuchsbauten“ an der Prinzregentenstraße zwischen Wilhelm-Tell- und Brucknerstraße wurden als Musterbauten für die „Neue Südstadt“ errichtet. Die Planung der „Neuen Südstadt“, einer Trabantenstadt mit rund 14.500 Wohneinheiten, gehörte zum städtebaulichen Konzept der Neugestaltung Münchens im Dritten Reich.
Die Planungen gehen auf das Jahr 1939 zurück, bebaut werden sollte das Gelände zwischen Ramersdorf und Giesing, östlich des Friedhofs am Perlacher Forst und westlich der Ottobrunner Straße. Unter der Leitung von Wilhelm Sommerer von der Dienststelle des Generalbaurates war man zwar schon weit vorangekommen – es existieren Entwürfe, Pläne und Fotos von Modellen bis zum Jahre 1943 –, doch verwirklicht wurde die „Neue Südstadt“ nicht mehr. Im Sommer 1943 stellte man die Planungen für die Neugestaltung Münchens im Großen und Ganzen ein. Der „Wiederaufbau“ trat in den Vordergrund, statt Wohnhäusern errichtete man nur noch Behelfsheime.
Die Musterbauten an der Prinzregentenstraße vermitteln uns eine ungefähre Vorstellung von den Bauten der „Neuen Südstadt“. Der Entwurf stammt von Fritz Norkauer, Herbert Landauer und Walter Kratz, geplant und ausgeführt in der Zeit zwischen 1941 und 1943. Die circa 165 Meter lange Straßenfront zeigt mit dem erhöhten Erdgeschoss, den drei durch Sohlbänder ausgezeichneten Obergeschossen und dem schmucklosen vierten Obergeschoss die Fassadenstruktur der Südstadt-Häuser. Die Musterbauten wurden auf Kosten des „Zweckverbandes Südstadt“ gebaut. Die Gesamtkosten, veranschlagt mit circa 1,7 Millionen Reichsmark, finanzierte man vorerst aus dem Sonderhaushalt „Ersatzwohnungsbau“.
Bei den Häusern an der Prinzregentenstraße erprobte man erstmals die Verbindung von Luftschutzhochbunker mit Wohnbauten. Das Ideal war ein Luftschutzraum für jede Wohnung, der in Friedenszeiten als Speisekammer genutzt werden konnte. An drei Enden der Wohnblöcke ist heute noch ein quadratischer Eckhausbunker mit einem Fassungsvermögen von 200 bis 250 Personen zu sehen. An der Ecke Bruckner-/Zaubzerstraße befindet sich der dritte Hochbunker. Der Schutzraum konnte jeweils von einer Wohnung aus über einen abgewinkelten Splitterschutz und eine Gasschleuse betreten werden. Im Untergeschoss befanden sich Aborte, ein Waschraum und ein Gemeinschaftsraum. Eine Wendeltreppe verbindet die einzelnen Geschosse miteinander.
Im Bunker Ecke Prinzregenten-/Wilhelm-Tell-Straße befand sich seit 1993 die Galerie „Kunstbunker Tumulka“, in der aber – aus Gründen des Brandschutzes – keine Ausstellungen mehr gezeigt werden dürfen.
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