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    <title type="html"><![CDATA[Die Schraudolphstraße 1: Ein Haus für Katholikinnen]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Der Landesverband Bayern des Katholischen Frauenbunds Deutschland (KDFB) erwarb im April 1927 dieses Haus; bis dahin war es eine Pension mit 18 möblierten Zimmern. Nun diente es als Bundesheim, das KDFB-Mitglieder für Übernachtungen und als Treffpunkt nutzen konnten. Auch der Frauenbund hatte hier Büroräume.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/e8a42685fad1cb108345c37ac1a2855e.jpg" alt="Das Haus, 1927 " /><br/><p>Während des Nationalsozialismus waren nur kulturelle und religiöse Arbeiten erlaubt, soziale und politische Aktionen wurden verboten und leitende Mitglieder waren Repressalien ausgesetzt. Ein Bombenangriff in der Nacht vom 17. auf den 18. Dezember 1944 zerstörte das Haus weitgehend – mit ihm auch den größten Teil des Archivs. 1949 war ein Wiederaufbau abgeschlossen. Nach Um- und Ausbauten konnte 1951 das Ellen-Ammann-Haus als Heim und Verwaltungsgebäude eingeweiht werden. Eine Tafel im Treppenhaus erinnert daran, dass ein Scheck der US-Zivilverwaltung über 100.000 DM dabei sehr hilfreich war. Für die Frauenschule des KDFB wurde ein Rückgebäude gebaut und 1953 bezogen. Sie hatte hier bis 1964 ihren Sitz. Heute zählt der KDFB Bayern etwa 125.000 Mitglieder. Im Haus befinden sich die Büroräume, das Bildungswerk, die Landfrauenvereinigung sowie das Familienpflegewerk im KDFB. „Mutter Maria, die Patrona Bavariae, möge die besondere Patronin des Hauses werden und helfen, dass katholische Gedanken dort sichtbar und verwirklicht werden können, das ist unser Wunsch für die neue Heimat des Frauenbundes.“ (Ellen Ammann, zitiert in der Broschüre des KDFB „Mein Name ist Ellen Ammann ...“) Das unscheinbare Haus repräsentiert die katholische Frauenbewegung in Bayern – Ellen Ammann (1870–1932) ist ihre Leitfigur. Sie kam am 30. Juli 1870 als Ellen Sundström in Stockholm zur Welt. Sie besuchte dort eine katholische Klosterschule, machte Abitur und verbrachte anschließend ein Jahr als sogenannte Haustochter bei der Familie von Heremann in Nordrhein-Westfalen. In Stockholm begann sie danach, schwedische Heilgymnastik zu studieren. Um diese neue Therapieform kennenzulernen, war der Münchner Orthopäde Dr. Ottmar Ammann (1861–1939) in Schweden. Er verliebte sich sofort in die junge Frau. Im Oktober 1890 heirateten die beiden, Ammann nahm Ellen mit nach München, wo er in der Landwehrstraße 4 eine Praxis und Tagesklinik betrieb. Ellen Ammann sorgte für die Hauswirtschaft der Klinik und wurde Mutter von sechs Kindern. Doch das genügte ihr nicht, sie widmete sich, nachdem sie sich an das fremde Leben in Bayern mit seiner patriarchalen Struktur gewöhnt hatte, der sozial-politischen Arbeit. 1894 war sie aktiv im Marianischen Mädchenschutzbund (heute IN VIA) und begründete drei Jahre später die katholische Bahnhofsmission am Hauptbahnhof. Dafür wurde sie kritisiert, als junge Mutter und Ausländerin sollte sie das Haus hüten, fanden die etablierten Damen. Lebens- und Arbeitsmittelpunkt war seit 1894 ein großes Haus in der Theresienstraße 25. Hier gründete Ellen Ammann den KDFB München und Bayern und sorgte 1905 für die Anfänge einer „social-caritativen Frauenschule“ (heute Katholische Stiftungshochschule in Haidhausen). Es war ihr ein wichtiges Anliegen, jungen katholischen Frauen religiösen Halt zu bieten und für die soziale Arbeit eine professionelle Ausbildung zu ermöglichen. <i>„Caritas Christi urget nos – die Liebe Christi drängt uns.“ </i> <i>Leitsatz von Ellen Ammann und Motto der Frauenschule</i> 1919 wurde Ellen Ammann als eine der ersten weiblichen Abgeordneten für die Bayerische Volkspartei in den Landtag gewählt und gehörte ihm bis zu ihrem Tod am 23. November 1932 an. 1920 initiierte sie die katholische Polizeiseelsorge in München. Ihre politische Haltung war patriotisch und konservativ, dennoch gegenüber den Nationalsozialisten kritisch genug, um 1923 mit mehreren Frauen die Ausweisung Hitlers als kriminellem Ausländer zu fordern. Im November erfuhr sie zufällig vom Putschversuch im Bürgerbräukeller und holte alle unbeteiligten Politiker in ihre Frauenschule. Hier konnte die Niederschlagung organisiert werden, da niemand an diesem Ort Regierungsvertreter vermutete. Der stellvertretende Ministerpräsident Franz Matt konstatierte später: „Ellen Ammann hat damals mehr Mut bewiesen als manche Herren in Männerhosen.“ (zitiert nach Neboisa 1992, S. 478) Nach einer großen Rede über die Situation der Familien im Landtag verstarb sie am 23. November 1932.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/306">Für mehr (einschließlich 6 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2026-02-18T12:19:23+01:00</published>
    <updated>2026-07-01T12:25:55+02:00</updated>
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      <name>Adelheid Schmidt-Thomé</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Das Grab von Karl Josef Zwerschina: Historist und Histotainer, Restaurateur und Restaurator]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Ein unscheinbares, seltsames Grabmal steht nahe der Stephanskirche an der West­mauer des Südlichen Friedhofs. Von einem Giebeldach wird eine leere Nische bedeckt, das Tympanon (Giebelfeld) ziert ein Tondo mit Agnus dei und Kreuzfahne im Halbrelief. In der Basis ist eine Platte aus rotem Marmor mit fünfzehn Zeilen Frakturschrift angebracht:</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/e32494664b9473f0f9179e60f4d3e1cb.jpg" alt="Grabmal Zwerschina, 2025" /><br/><p>Hier ruhen im [e]wigen Frieden</p><p>mein guter Vater H[e]rr Jos.</p><p>Zwerschina alias Zwier‘zina</p><p>Rentner allhier geb. 1802 ✠ 1865,</p><p>meine edle Mutter Frau Ther[es]e Zwerschina</p><p>geborne Bubenhoven die Letzt[e I]hres uralten</p><p>Stammes und Namens geb. 1815 ✠ 1890.</p><p>meine heißgeliebte unvergeßliche Gattin</p><p>Frau Ursula Zwerschina geb. 1851 ✠ 1901.</p><p>Solche Liebe kann nur schwinden</p><p>Wenn dereinst mein Auge bricht</p><p>Was hienieden ich mag finden</p><p>Solche Treue find ich nicht!</p><p>Herr Karl Jos. Zwerschina geb. 1[85]0</p><p>✠ 1[928]</p><p>Wer war „Karl Josef Zwerschina in Bubenhofen“? Am 30. November 1850 wird er als Karl Joseph Bubenhofer in München unehelich geboren. Der Vater Joseph Zwerschina sollte seinen Sohn erst sechs Jahre später legitimieren und die Mutter ehelichen. Er hinterließ seinem Sohn ein nicht unbeträchtliches Vermögen. Karl Joseph studiert einige Semester Chemie und führt ein sorgloses Leben als Privatier. Der Beitritt zum Historischen Verein von Oberbayern sollte sein Leben in andere Bahnen lenken. Der Verein setzte sich das „Erforschen und Bewahren des historischen Stoffes“ (Webseite Historischer Verein Oberbayern) zum Ziel. In diesem Sinne erwirbt der 24-jährige Zwerschina 1874 die Burg Abenberg im Landkreis Roth um 4.000 Gulden. Für sein erklärtes Ziel, die Sandsteinruine zu bewohnen, leitet er umfängliche Sanierungsmaßnahmen ein und nimmt historisierende Umbauten vor. Der Gesamtaufwand der Baumaßnahmen beträgt 80.000 Gulden. Schließlich muss er auf Drängen seiner frisch angetrauten Frau, der Münchner Gastwirtin Ursula Zwerschina, 1877 die Burg wieder verkaufen. Die väterliche Erbschaft war ausgelaufen, so änderte sich sein Status von Privatier zu Restaurateur, Zwerschina muss in den weiteren Jahren als Pächter beziehungsweise Geschäftsführer mehrerer Münchner Gastronomie-Betriebe (unter anderem dem Rathskeller) sein Geld verdienen. Doch Zwerschinas Hang zur Alltagsflucht sollte ihn nicht mehr loslassen. 1887 schließt er mit dem Münchner Geschichtsprofessor Dr. Nepomuk Sepp (1816-1909) einen Vertrag: „Herr Karl Jos. Zwerschina verpflichtet sich zu dem am 26. Juli [müsste Juni heißen] in Tölz stattfindenden Feste fünfzig Landsknechtscostüme nebst passender Adjustierung ... leiweise zu beschaffen, auch die Aufstellung der Gruppe dort zu leiten ... Herr Professor Dr. Sepp sich gleichfalls verpflichtet die Summa von fünfhundert Mark baar an Herrn Zwerschina zu bezahlen“ (zitiert nach Hanko). Mit diesem stattlichen Honorar stellt Zwerschina eine fünfzigköpfige Histotainment-Truppe auf, deren Ausrüstung er aus dem Bayerischen Nationalmuseum, dem Fundus des Kostümateliers Hermann und seiner ehemals für Abenberg aufgebauten Sammlung zusammenwürfelt. Das Kriegerfest und die Einweihungsfeier des Kaspar-Winzerer-Denkmals wird zu einem weitgeachteten Erfolg. Viele der Teilnehmer schließen sich nach dem gelungenen Tölzer Auftritt zum “Wintzerer Fähndlein“ zusammen, einer „echt germanischen“ Kostümgesellschaft, mit dem Zweck auch weiterhin bei „patriotischen Umzügen“ (Münchner Tagblatt 3.10.1898) mitzuwirken. So spielt das „Wintzerer Fähndlein“ beim VII. Deutschen Turnfest in München 1889 den Zug Herzog Wilhelms IV. zum Turnier im Jahr 1518 nach. Zwerschina, mit dem blumigen Alias „Pfennigmaister Carol Josephus der Abenberger ain Junkher aws behaimbischem Landt“ (zitiert nach Hanko) ist die treibende Kraft dieses Event-Marketings. Der Junker aus böhmischen Land bezieht sich auf seinen vor 1800 aus Znaim in Mähren zugewanderten Großvater Alois Zwerschina. Ebenfalls waren die ersten Oktoberfestzüge des „Wintzerer Fähndlein“ private Produktionen von Zwerschina: 1895 arrangierte er einen Jagdzug aus dem 16. Jahrhundert mit 200 Teilnehmern und 26 Pferden. Das Spektakel „Brautzug Herzog Wilhelms IV.“ im Jahr darauf konnte er beim Magistrat der Stadt München für 3.000 Mark vermarkten. In der Landwehrstraße wurde von ihm dazu ein Art Department zur Lagerung, Pflege und Erweiterung des Fundus eingerichtet. Zwerschina verfügte neben seinen naturwissenschaftlichen Kenntnissen auch über handwerkliches Geschick. Schon in seiner Schulzeit am Theresien-Gymnasium fiel er als guter Zeichner und Kalligraph auf. Er verwandelt sich 1887 vom Restaurateur zum Restaurator und rühmt sich, in seinem Atelier „Restaurirungs-Arbeiten aller in das Gebiet des älteren Kunstgewerbes einschlägigen Gegenstände und Kunstwerke, gleichviel welcher Art“ durchzuführen (Text von Geschäftskarte (Visitenkarte) Stadtarchiv München). Den Münchner Historienmalern war er ein geschätzter Ausstatter. Als Chemiker war er ein Meister der Patina. Eine Pressenotiz zu seinem 75. Geburtstag erwähnt, dass er als Restaurator für die Erhaltung altägyptischer Textilien und Gräberfunde betraut wurde und für zahlreiche kunsthistorische Sammlungen, unter anderem dem Bayerischen Armee- und Nationalmuseum, tätig war. Nach dem Ersten Weltkrieg firmiert Zwerschina als „Werkstätte für Wiederherstellung von Kunstwerken und Altertümern“ in der Schwanthaler Str. 72/II GG. Als Kenner des Metiers sagte er einmal unverhohlen: „Wenn die Leute wüssten, was in den Museen noch original ist ...“ (Heimatliche Streifzüge 40). 1928 brach das Auge des vielseitigen Unternehmers und Selbstdarstellers. In seiner Sterbeurkunde steht als Beruf lapidar „Gastwirt“.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/296">Für mehr (einschließlich 9 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2026-01-27T09:55:48+01:00</published>
    <updated>2026-08-13T15:21:32+02:00</updated>
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      <name>Arno Scherling</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Die Villa an der Thomas-Mann-Allee 10: Vom Künstlerhaus zum Erinnerungsort]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Der Schriftsteller Thomas Mann und seine Familie wohnten ab 1910 in Bogenhausen. Zwei Gedenktafeln erinnern daran: am Gebäude Mauerkircherstraße 13 und an der Gartenmauer der Villa an der Thomas-Mann-Allee 10.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/bda2e45f6ae652b0d0227432c6811890.jpg" alt="Die Thomas-Mann-Villa, um 1910" /><br/><p>Am Mietshaus Mauerkircherstraße 13 ist seit 2010 eine Tafel mit folgender Aufschrift angebracht:</p><p>„Der Schriftsteller und spätere Nobelpreisträger (1929) / Thomas Mann / lebte mit seiner Familie im Haus Mauerkircherstraße 13/II / von Oktober 1910 bis Januar 1914. / Hier entstand die Novelle ‘Der Tod in Venedig‘ (1912).“ 1914 bezogen Thomas und Katia Mann mit ihren vier Kindern Erika, Klaus, Golo und Monika das Haus mit der damaligen Adresse Poschingerstraße 1, heute Thomas-Mann-Allee 10. Die Villa, gelegen im Herzogpark und in der Nähe der Isar, planten die Architekten Alois und Gustav Ludwig. In den folgenden Jahren entstanden hier einige der bedeutendsten Werke Manns, darunter „Betrachtungen eines Unpolitischen“ (1918), „Der Zauberberg“ (1924), „Mario und der Zauberer“ (1930) und die ersten beiden „Joseph“-Romane (1933/34). Am 10. Februar 1933 hielt der Schriftsteller in München einen Vortrag über „Leiden und Größe Richard Wagners“. Von der anschließenden Vortragsreise im Ausland kehrte er auf Warnung seiner Familie nicht mehr zurück, denn im April 1933 kam es zum öffentlichen Protest der Richard-Wagner-Stadt München gegen ihn. Im Mai 1933 wurden die Werke von Heinrich, Thomas und dessen Kindern Klaus und Erika Mann an der Universität München verbrannt. Thomas Mann verlor die deutsche Staatsbürgerschaft und 1937 folgte die endgültige Beschlagnahme seines Besitzes. Die Villa diente von 1938 bis 1940 dem NS-Verein "Lebensborn" als Zentrale. Ein Fliegerschaden vom 25. April 1944 machte das zu diesem Zeitpunkt weitgehend leerstehende Gebäude unbewohnbar. Ab 1945 nutzten russische und ukrainische Familien, bis zu 50 Personen, davon die Hälfte Kinder, das Haus als Unterkunft. 1948 erhielten Thomas und Katja Mann ihren Besitz zurück und ließen das Haus 1952 abreißen. Der Apotheker Otto Roeder erwarb das Grundstück laut Katastereintrag 1953 für 26.000 DM und errichtete auf den alten Fundamenten einen Bungalow. Nach mehreren Besitzerwechseln wurde das Anwesen 2002 neu bebaut. Der Neubau orientiert sich in seiner äußeren Gestalt an der ursprünglichen Villa. Auf der 2006 angebrachten Gedenktafel ist zu lesen:</p><p>„AUF EIGENE ART EINEM BEISPIEL FOLGEN. DAS IST TRADITION. / Der Schriftsteller und Nobelpreisträger Thomas Mann (1875–1955) ließ hier 1913 ein Wohnhaus errichten und bewohnte es mit seiner Familie von Januar 1914 bis zum Beginn des Exils im Februar 1933. Der Beschlagnahme des Hauses 1933 durch die Bayerische Politische Polizei folgte 1937 die Enteignung durch das Deutsche Reich und das Land Bayern. Nach der Zerstörung im Krieg 1944 wurde das Haus Thomas und Katia Mann 1948 zurückerstattet. Thomas Mann ließ es 1952 abreißen und verkaufte das Ruinengrundstück. Ein Nachfolgebau (1953–2002) wurde im Jahr 2006 durch die mit der Stadt München vereinbarte äußerliche Rekonstruktion des einstigen Thomas-Mann-Hauses ‚auf eigene Art’ ersetzt.“ Um das Leben und Wirken der Familie Mann zu würdigen, beschloss der Stadtrat der Landeshauptstadt München die Schaffung eines Denkmals; 2019 prämierte eine Fachjury den Entwurf „Straßen Namen Leuchten“ des Künstlers Albert Coers. Dieser greift die biografischen Stationen der Familienmitglieder in München und die Orte ihres Exils auf sowie die literarische Rezeption und Gedenkkultur, die sich weltweit mit dieser außergewöhnlichen Familie auseinandersetzt. Das Denkmal wird ab 9. Dezember am Salvatorplatz beim Literaturhaus München zu sehen sein.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/277">Für mehr (einschließlich 5 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-10-14T17:49:12+02:00</published>
    <updated>2026-08-13T14:43:11+02:00</updated>
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      <name>Karin Bernst</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Das Wohnhaus Konradstraße 16: Thomas Mann zu Besuch bei Wilhelm Spiegelberg]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Nachdem sich Thomas Mann und der Münchner Ägyptologe Wilhelm Spiegelberg im Nachgang einer Lesung Manns ausgetauscht hatten, kam es Ende 1927 zu einem ersten persönlichen Zusammentreffen. Thomas Mann erhoffte sich von Spiegelberg Unterstützung und Rat bei seiner Recherche für den Josephs-Roman.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/e0d25658dac864264253f6431ec35a55.jpg" alt="Das Wohnhaus Konradstraße 16" /><br/><p>Spiegelbergs Sohn Herbert (1904–1990) erinnert sich an dieses Zusammentreffen: „Nicht lange nach der Antwort meines Vaters besuchte Thomas Mann ihn um die Teestunde in seinem Studierzimmer in der Konradstraße 16/II für etwa zwei Stunden. Aus dem Bericht meines Vaters nach der Begegnung erinnere ich mich, daß sich dabei herausstellte, daß Thomas Manns ägyptologische Quellen veraltet waren, z.B. das phantasiehafte Werk eines längst verstorbenen Münchner Ägyptologen Franz Josef Lauth. Mein Vater schlug ihm besonders Erman-Ranke, Ägypten, und Adolf Ermans Anthologie <i>Die Literatur der alten Ägypter</i> als beste Einführung vor, vielleicht auch Breasted. Außerdem fragte Thomas Mann meinen Vater, ob es gerechtfertigt sei, den Besuch Josephs so anzusetzen, daß der Sonnenmonotheismus des Echnaton mit dem hebräischen Monotheismus in Beziehung gesetzt werden könne. Mein Vater erklärte ihm nach meiner Erinnerung, daß zwar keine konkreten Grundlagen für eine solche historische Hypothese vorlägen, daß er darin aber keinen genügenden Gegengrund sähe, eine solche Verbindung dichterisch zu entwickeln, da sie nicht unmöglich sei.“ (zit. nach Grimm 1992) Es ist davon auszugehen, dass es in den drei Jahren gemeinsamer Zusammenarbeit bis zu Spiegelbergs überraschendem Tod Ende 1930 zu Gegenbesuchen und weiteren Treffen kam. Das vermutlich letzte Treffen in Spiegelbergs Privatwohnung diente der Reisevorbereitung Thomas Manns. Er schrieb am 25. Dezember 1929: „Sehr verehrter Herr Professor,</p><p>[..]</p><p>Darf ich Sie wohl wieder einmal besuchen? Meine Frau und ich planen nämlich noch für diesen Winter eine Reise nach Ägypten und ich würde mir gern allerlei Rat von Ihnen holen.</p><p>Ihr ergebener</p><p>Thomas Mann“ (zit. nach Grimm 1992) In seinen Erinnerungen schildert Herbert Spiegelberg das Treffen: „Thomas Mann kam kurz danach wieder für einen Teebesuch. Praktische Fragen zur Reiseroute standen diesmal im Vordergrund. Baedekers Ägypten mit den ägyptologischen Informationen von Georg Steindorff war wohl der Haupttext, auf den ihn mein Vater verwies. Auch an den Namen Ludwig Borchardt glaube ich mich zu erinnern. Ferner schlug mein Vater vor, Mitglied der Deutschen Orientgesellschaft zu werden. Auch gab er ihm einen Sonderdruck seiner Studie über „Die Glaubwürdigkeit Herodots im Lichte ägyptischer Denkmäler“. Das Exemplar im Thomas-Mann-Archiv Zürich zeigt viele Anstreichungen und das Wort „Hathor“. Natürlich hatte mein Vater Thomas Mann auch Herodots Ägyptenbericht vorgeschlagen.“ (zit. nach Grimm 1992)</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/267">Für mehr (einschließlich 3 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-08-04T14:08:21+02:00</published>
    <updated>2026-08-13T14:38:24+02:00</updated>
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      <name>Roxane Bicker</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Thomas Mann in der Glyptothek:  ]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Bis 1944 war die Sammlung ägyptischer Objekte König Ludwigs I. im Ägyptischen Saal der Glyptothek ausgestellt. Thomas Mann ließ sich bei der Arbeit an seinem Josephs-Roman auch von den dort gezeigten Stücken inspirieren.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/5587020448645302e7590481085c1b62.jpg" alt="Glyptothek, Ägyptischer Saal, um 1900" /><br/><p>Die erste Idee für eine Bearbeitung des biblischen Joseph-Stoffes bekam Thomas Mann bereits im Winter 1923/24, und schon in seinem Ende 1924 abgeschlossenen Werk „Der Zauberberg“ beschäftigte er sich mit dem Alten Ägypten. Eine dreiwöchige Mittelmeerreise führte ihn im März auch nach Kairo, von wo aus er einen Tagesausflug nach Theben unternahm, bei dem er die Gräber im Tal der Könige besuchte. Passagen dieses Besuchs fanden später ihren Weg in die Romane. Bei der Recherche für seinen Josephs-Roman legte Thomas Mann großen Wert auf Authentizität; so nahm er in München Kontakt mit dem Ägyptologen Wilhelm Spiegelberg auf. Von ihm ließ er sich Literatur empfehlen und seine Idee absegnen, die Josephsgeschichte in der Zeit von Amenophis IV. / Echnaton spielen zu lassen. Gemeinsam besuchten die beiden auch die Glyptothek und deren Ägyptischen Saal. Einige der dort betrachteten Objekte finden sich in den Romanen wieder. Aus der Würfelstatue des Bakenchons wurde die Figur des „staatsklugen Ober-Blankschädels Beknechons“. Den Namen und Rang übernahm Mann vom Münchner Stück, für die Beschreibung des Gesichts griff er allerdings auf den berühmten Grünen Kopf aus dem Berliner Ägyptischen Museum zurück. Eine Szene von Trauernden auf dem Grabrelief des Imen-em-Inet inspirierte ihn zur Beschreibung eines Trauerzuges: „ […] so daß die Hofherren die Schultern hochzogen und den Mund mit der hohlen Hand bedeckten […]“ (zit. nach Grimm 1992). Für die Vorbereitung einer weiteren Ägyptenreise traf sich Thomas Mann Ende des Jahres 1929 wieder mit Wilhelm Spiegelberg, der ihn nicht nur mit Literatur zur Reisevorbereitung versorgte, sondern auch gemeinsam mit Thomas Mann und seiner Frau am 14. Februar 1930 nach Ägypten aufbrach und die beiden begleitete. Am 19. Februar trennten sich ihre Wege: Die Manns brachen zu einer rund vierwöchigen Ägyptenrundreise auf, die sie durch das ganze Niltal führte. Mitte März trafen sich Mann und Spiegelberg erneut in Kairo. Sie unternahmen Ausflüge und Besichtigungen in die Umgebung und natürlich besuchten sie auch das Ägyptische Museum in Kairo unter der Führung von Spiegelberg und des Ägyptologen Percy Newberry. Mit der Sonderausstellung „Joseph und Echnaton – Thomas Mann und Ägypten“ kehrten der Schriftsteller und sein Werk posthum nach München zurück. Der begleitende Katalog zeigt erstmals die vielfältigen Verbindungen zwischen Ägyptologie und dem Josephs-Roman auf.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/266">Für mehr (einschließlich 5 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-07-31T16:21:00+02:00</published>
    <updated>2026-08-13T14:38:01+02:00</updated>
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      <name>Roxane Bicker</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Das Seminar für Ägyptologie und vorderasiatische Alterthumskunde 1923–1930: Wilhelm Spiegelberg und Thomas Mann]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/f56f0b1db53e0ffdae5f6953e5c7a207.jpg" alt=" Ludwig-Maximilians-Universität, Innenansicht nach Kriegszerstörung, 1945" /><br/><p>Nachdem am 2. April 1923 an der Ludwig-Maximilians-Universität ein „Seminar für Ägyptologie und vorderasiatische Altertumskunde“ eingerichtet wurde, übernahm Wilhelm Spiegelberg (1870–1930) zum 1. Oktober 1923 die ordentliche Professur für Ägyptologie. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der deutschsprachigen Ägyptologie und hat allein 181 Beiträge für die „Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Altertumskunde“ veröffentlicht und grundlegende Arbeiten für die Koptologie und Demotistik geleistet. Wilhelm Spiegelberg war zuvor Ordinarius an der Universität in Straßburg gewesen, musste die Stadt aber mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs verlassen. Seine umfangreiche Privatbibliothek rettete er nach Heidelberg, wo er dann als ordentlicher Honorarprofessor tätig war, bevor er dem Ruf nach München folgte. Dort sah Spiegelberg sich zunächst einer von seinem Amtsvorgänger Friedrich Wilhelm Freiherr von Bissing (1873–1956) und dem Studentenvertreter und NSDAP-Mitglied Heinrich Kersken (1894–1960) initiierten antisemitischen Hetzkampagne ausgesetzt, derer er sich jedoch erwehren konnte. Das ägyptologische Seminar war seit Oktober 1923 zunächst provisorisch im Raum 144 im Erdgeschoss des Hauptgebäudes untergebracht. An der Universität herrschte damals große Raumnot, doch Spiegelberg gelang es schließlich „zwei eigens hergerichtete Zimmer im ersten Stock des Südflügels der Universität (Nr. 224a)“ (so Spiegelberg in einem Bericht zum Seminar von 1926) zugewiesen zu bekommen. Hierfür war eine Toilette umgebaut worden! Im Zweiten Weltkrieg wurde dieser Teil der Universität schwer beschädigt. Die Räume existieren heute nicht mehr. Spiegelberg knüpfte schnell Kontakte in die Münchner Gesellschaft und konnte sich der Unterstützung von Kollegen und Sponsoren versichern. Seine eigene Bibliothek bildete den Grundstock für die neue Institutsbibliothek. In der heutigen Bibliothek des Instituts für Ägyptologie und Koptologie der LMU in der Katharina-von-Bora-Straße 10 ist er noch durch zahlreiche Bücher aus seinem Privatbesitz präsent, die an seinem Exlibris zu erkennen sind, die seine Witwe dem Seminar 1932 zunächst als Leihgabe zur Verfügung stellte und die sein Nachfolger größtenteils sukzessive aufkaufen konnte. Spiegelberg stellte auch eine Photo- und Diasammlung zusammen. Letztere ging im Zweiten Weltkrieg verloren. Ab 1927 stand Wilhelm Spiegelberg in Kontakt mit Thomas Mann, der sich um ägyptologische Hilfestellung bei der Abfassung der „Josephsromane“ bemühte. Thomas Mann hatte in diesem Jahr den ersten Abschnitt „Am Brunnen“ geschrieben, den er am 8. November 1927 in einer öffentlichen Lesung im Audimax der Universität vortrug. Zum Publikum gehörte auch Wilhelm Spiegelberg. Dies erfuhr Thomas Mann wiederum über Freunde, setzte sich daraufhin mit dem Ägyptologen in Verbindung, der ihm antwortete: „Sehr verehrter Herr Dr.</p><p>Als ich vor 8 Tagen Ihrer Vorlesung mit größtem Genuss beiwohnte, ahnte ich nicht, daß mich der noch größere erwarten könnte, einmal mit Ihnen über den historischen und kulturellen Hintergrund Ihrer Dichtung sprechen zu dürfen. Sie sehen daraus, welche Freude Sie mir mit Ihrem Besuch machen werden. Ich hoffe nur, Sie erwarten von mir nicht zu viel. Vielleicht kann ich Ihnen nur den negativen Dienst leisten, daß ich Sie vor schlechter irreführender Literatur bewahre, die es leider sehr reichlich giebt. Bestenfalls kann ich Ihnen die Steigbügel für einen nicht allzu wesentlichen Teil Ihres Dichterflugs halten, und das werde ich gerne thun.</p><p>Mit frdl. Begrüßung</p><p>Ihr sehr ergebener</p><p>W. Spiegelberg“</p><p>(zitiert nach Grimm 1992, S. 27) In der Folge arbeitete und recherchierte Thomas Mann auch selbst im damaligen Seminar für Ägyptologie. Kurz vor Weihnachten 1930 verstarb Wilhelm Spiegelberg überraschend an einer Embolie in Folge einer Krebs-Operation.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/265">Für mehr (einschließlich 4 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-07-31T13:50:36+02:00</published>
    <updated>2026-08-13T14:38:44+02:00</updated>
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    <author>
      <name>Roxane Bicker</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Das Thomas-Mann-Haus: Eine Villa der Weltliteratur]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Das Haus an der Poschingerstraße 1 im Münchner Herzogpark war ab 1914 Wohnsitz des Schriftstellers Thomas Mann und seiner Familie. In seinen Romanen und Erzählungen jener Zeit spiegelt sich die Lebenswelt des Dichters im Kleinen wie im Großen, doch mit dem Exil ab 1933 ging sie für immer verloren. Nach dem Krieg war das einst so geliebte Haus eine Ruine. Heute steht an seiner Stelle ein moderner Nachbau und eine Gedenktafel hält die Erinnerung wach.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/76bf36db7c217ecf57b40121eda92a98.jpg" alt="Nachbau des Thomas-Mann-Hauses, 2025" /><br/><p>Das Grundstück an der Isar erwarben Katia und Thomas Mann am 25. Februar 1913 und ließen sich darauf von den Architektenbrüdern Alois und Gustav Ludwig eine Villa errichten. Am 5. Januar 1914, Katia weilte gerade zur Erholung in Arosa in der Schweiz, zogen Thomas und die Kinder Erika, Klaus, Golo und Monika von der Doppelwohnung in der nahen Mauerkircherstraße 13 in das neue Haus. Ein paar Jahre später kamen hier die beiden Jüngsten, Elisabeth und Michael, zur Welt. Sie waren es auch, die an einem Herbstnachmittag des Jahres 1929 ins Schlafzimmer ihres Vaters im ersten Stock schleichen durften, um ihn zu wecken und ihm die Nachricht von der Verleihung des Literaturnobelpreises zu überbringen. Das Haus, das die Kinder die „Poschi“ nannten, beschreibt der Biograf Peter de Mendelssohn wie folgt: „Die Haustür befand sich auf der Rückseite des Hauses. Man betrat einen Vorraum mit einer Garderobe, der in eine holzgetäfelte Diele mit hohen Bücherschränken an allen Wänden, einem Kamin und einer Treppe nach oben führte. [...] Von der Diele ging es auf der einen Seite in den Salon, einen dreifenstrigen Raum, in dem der Flügel und Katias Bibliothek standen und in dem sich in einer Ecke der „Besuchsteetisch“ befand, auf der anderen Seite in das große Eßzimmer, das sich auf eine gedeckte Veranda oder Terrasse öffnete. […] Den Mittelteil zwischen Salon und Eßzimmer nahm Thomas Manns geräumiges Arbeitszimmer mit der Flügeltür und der Steintreppe zum Garten ein. Der Schreibtisch stand in der „Rondell“-Wölbung, so daß er von drei Seiten Licht erhielt. [...] „Wenn abends“, so erinnerte sich Erika, „die grünen Samtportieren vor den hohen Fenstern und der Terrassentür geschlossen waren und dafür die Flügeltüren offen standen zwischen Arbeitszimmer und Diele, zeigte der Hausherr sich immer aufs neue entzückt. Denn es gewährte dies Arrangement, wie er häufig verkündete, einen äußerst herrschaftlichen Durchblick.“ (zitiert nach Mendelssohn, 1975/1996, S. 1550–1552). In der Erzählung „Herr und Hund“ von 1919 verewigte Thomas Mann die Spaziergänge mit seinem Hund Bauschan durch die noch ungezähmte Natur entlang der Isar. Ausgangspunkt ist dabei der Blick des Schriftstellers aus dem Arbeitszimmer auf den unruhig im Garten auf ihn wartenden Hund. „Und dann treten wir durch die Gartenpforte ins Freie. Rauschen wie das des Meeres umgibt uns; denn mein Haus liegt fast unmittelbar an dem schnell strömenden und über flache Terrassen schäumenden Fluss, getrennt von ihm nur durch die Pappelallee, einen eingegitterten, mit jungem Ahorn bepflanzten Grasstreifen und einen erhöhten Weg, den gewaltige Espen einsäumen, weidenartig bizarr sich gebärdende Riesen, deren weiße, samentragende Wolle zu Anfang Juni die ganze Gegend verschneit.“ (zitiert nach Große kommentierte Frankfurter Ausgabe 6.1, S. 17–18). Auch im Roman „Der Zauberberg“ von 1924, der in Davos spielt, tauchen immer wieder Gegenstände aus dem Münchner Haus in tragenden Rollen auf. Dem Grammophon, das in der unteren Diele stand und auf dem Thomas Mann seine Lieblingsplatten spielte, ist ein ganzes Kapitel gewidmet. Bedient wird es vom Protagonisten Hans Castorp, der sich in einem Salon des Sanatoriums Berghof bis tief in die Nacht dem Zauber der Musik hingibt. Das bewegte und tätige Leben in der „Poschi“ währte zwar länger als Hans Castorps Aufenthalt auf dem Zauberberg, aber nach 19 Jahren war es abrupt zu Ende. Elf Tage nach Hitlers Machtergreifung 1933 verließen Thomas und Katia Mann die Villa für eine Vortragsreise und kehrten nie wieder zurück. Fortan lebten sie und ihre Kinder im Exil, in Südfrankreich, in der Schweiz und schließlich in den USA. Thomas Mann war als Gegner der Nationalsozialisten geächtet. Der gegen ihn im Juli 1933 verhängte Schutzhaftbefehl hätte ihn, wäre er damals zurückgekehrt, ins Konzentrationslager Dachau gebracht. Das Haus im Herzogpark wurde von der Bayerischen Politischen Polizei beschlagnahmt, das Inventar zwangsversteigert, das auf Bankkonten verbliebene Vermögen eingezogen. Sogar die deutsche Staatsbürgerschaft wurde den Manns aberkannt. Sie sollten, außer zu Stippvisiten, nie wieder nach München zurückkehren. Am Ende des Zweiten Weltkriegs war ihr Haus an der Isar nichts mehr als eine verwahrloste Ruine. Nach der Rückerstattung 1948 ließ Thomas Mann das Gebäude 1952 abreißen und verkaufte das Grundstück an einen Apotheker, der auf den alten Grundmauern einen Bungalow errichten ließ. Seit 2006 steht an selber Stelle eine moderne Villa, deren Äußeres das Haus von 1914 in abgeklärten Formen zitiert. Eine vom Thomas-Mann-Forum München an der Gartenmauer angebrachte Gedenktafel erinnert an die Familie Mann und das Schicksal ihres Hauses. Die Villa existiert übrigens noch ein zweites Mal. Ein originalgetreuer Nachbau war für die Dreharbeiten des Dreiteilers „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ von 2001 in der Bavaria Filmstadt entstanden. Heute ist auch dieses Haus verändert, umfunktioniert zum Hotel Fürstenhof der Daily Soap „Sturm der Liebe“. So bleiben nur die Filmtrilogie und einige mit historischen Fotos bebilderte Publikationen, um sich in das Haus Thomas Manns und seiner Familie zurückzuversetzen.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/264">Für mehr (einschließlich 9 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-07-31T12:17:55+02:00</published>
    <updated>2026-08-13T14:39:05+02:00</updated>
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      <name>Dr. Dagmar Walden</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Die Neue Sammlung – The Design Museum: Das Museum der schönsten Designikonen]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Vom Sitzen und Schweben – der Freischwingerstuhl als Revolution der Moderne. Ein Möbel, das eine völlig neue Art des Sitzens ermöglicht und zugleich ein Symbol für die Zeit darstellt. Der Freischwingerstuhl steht für die Luftdurchlässigkeit, die Öffnung und die Freiheit, die man in den 1920er Jahren anstrebte – gerade auch im Gegensatz zu den schweren Polstermöbeln der Zeit davor.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/a6291655696e0513bcdc613d3dfa38c4.jpg" alt="Marcel Breuer (1902–1981), Stuhl B 33, 1927/28" /><br/><p>Neue Bauten, neue Räume, neue Materialien: so hießen einige der Maximen, die die Voraussetzungen zu einer der revolutionärsten Neuerungen in der Geschichte des Möbeldesigns bildeten. Nicht nur die Bauwerke sollten schweben und durch überkragende „Wolkenbügel“ frei in den Raum vorstoßen – auch die neuen Stühle und Sessel sollten ein frei schwebendes und schwingendes Sitzen ermöglichen. Dazu benötigte man neue Materialien und Technologien. Ausgangspunkt war das tiefgezogene Stahlrohr, das die Gestalter der Moderne ihre Ideen verwirklichen ließ. Nach dem ersten Stahlrohrmöbel von 1925, dem berühmten Sessel B 3 (Wassily) von Marcel Breuer, entstand wenig später der hinterbeinlose Freischwinger. Der holländische Architekt Mart Stam gilt als der Erfinder dieses neuen Sitzmöbels. Nach einem ersten Prototyp aus Gasleitungsrohren verwendete er dünnes Stahlrohr, das er aus Stabilitätsgründen an den Biegungen verstärken musste, sodass der federnde Effekt ausblieb. Seinen Ende 1926 entworfenen Stuhl stellte er 1927 auf der Ausstellung „Die Wohnung“ in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung vor. Gleichzeitig entwickelte Mies van der Rohe für ebendiese Ausstellung eine besonders elegante und zudem federnde Version dieses neuen Möbeltyps. Damit begann die Akzeptanz des modernen Stahlrohrmöbels zu wachsen. Die Entwürfe von Mart Stam, Mies van der Rohe und Marcel Breuer lösten eine Welle von neuen Entwürfen, Varianten und Nachahmungen aus und verhalfen damit dem hinterbeinlosen Sitzmöbel zum weltweiten Durchbruch.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/254">Für mehr (einschließlich 3 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-06-18T14:16:45+02:00</published>
    <updated>2026-08-13T14:27:34+02:00</updated>
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      <name>Dr. Josef Straßer</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Das Bekleidungsgeschäft Isidor Bach : Vom Münchner „Joppenkönig“ zum exklusiven Bekleidungshaus]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Mit einer 28 Meter langen Schaufensterfront und auffällig bunten Sammelmarken warb Isidor Bach schon vor über hundert Jahren für seine wetterfeste „Outdoorkleidung“. Früh war modische Konfektionsware von der Stange sein Erfolgsrezept.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/868795f15cce23a730b38f1c3807b088.jpg" alt="Werbeplakat des Grafikers Ludwig Hohlwein für das Bekleidungsgeschäft Isidor Bach für Sport- und Reisebekleidung, 1912." /><br/><p>Isidor Bach, das „Spezialhaus für Herren-, Jünglings-, Knabengarderobe. Jagd, Sport, Livreen“ in der Sendlinger Straße, geht auf die gleichnamige Herrenkleiderfabrik zurück, die der aus Fischach bei Zusmarshausen stammende jüdische Unternehmer Isidor Bach (1849–1946) 1871 in Augsburg gründete. Wenig später trat sein jüngerer Bruder Hermann (1851–1930) in die Firma ein. Sie spezialisierten sich auf die Herstellung von Konfektionsware, also maschinell gefertigte Kleidung, ein Novum im Königreich Bayern. 1878 eröffneten sie eine Filiale am Münchner Marienplatz. Bereits zwei Jahre später zogen sie in größere Räume im früheren Gasthaus Unterpollinger in der Sendlinger Straße 5. 1887 konnte Isidor Bach das Gebäude kaufen und gemäß den neuen Bedürfnissen umbauen. Bereits 1881 hatte Bach die Produktion – inzwischen konzentrierte er sich weitgehend auf die Herstellung von Lodenkonfektion – nach München verlagert. Wenige Jahre später wurde sie in einem eigens dafür errichteten Gebäude in der Lindwurmstraße 76 untergebracht. Bald waren dort auf drei Etagen 400 Mitarbeiter beschäftigt. Um 1900 erwarb Bach die Anwesen in der Sendlingerstraße 6 und Dultstraße 4. Auf dem so entstandenen Block ließ er vom Bauunternehmen Hönig & Söldner ein mehrstöckiges Geschäftsgebäude mit vier Verkaufsetagen um einen großzügigen, 20 Meter hohen Lichthof errichten. Das luxuriös gestaltete „Etablissement“ wurde am 23. November 1903 pünktlich zum 25jährigen Geschäftsjubiläum feierlich eröffnet. In München brachte der legere Stil der Lodenkleidung Isidor Bach schließlich den liebevollen Beinamen „Joppenkönig“ ein. Als Anerkennung für sein unternehmerisches wie auch gesellschaftlich-soziales Engagement wurde er 1908 zum „königlichen Kommerzienrat“ ernannt. Nach dem unerwarteten Tod seines ältesten Sohnes Hugo (1875–1910) zog er sich aus dem aktiven Geschäftsleben zurück. Die Nachfolge trat sein zweiter Sohn Alfred („Fredl“, 1879–1968) zusammen mit seinem Vetter Carl, Sohn seines Bruders Hermann, an. Bereits in den frühen 1920er Jahren begannen die antisemitischen Anfeindungen gegen Isidor Bach. Im November 1923 gehörte er zu den 17 jüdischen Unternehmern, die das Freikorps Oberland während des Hitler-Putsches für eine Nacht festsetzte. Ebenso trafen die deutschlandweiten Boykottmaßnahmen des NS-Regimes am 1. April 1933 das Bekleidungshaus in der Sendlinger Straße hart. In der Folge verzeichnete das Geschäft einen massiven Umsatzeinbruch. Da abzusehen war, dass sich die Situation jüdischer Unternehmer unter der nationalsozialistischen Herrschaft stetig verschlechtern würde, begann Carl Bach, Alternativen für die Fortführung des Hauses zu suchen. Die fand er in seinem Prokuristen Johann Konen (1903–1989). Seit 1919 war er zunächst als kaufmännischer Lehrling, dann in leitender Position im Unternehmen tätig. Am 6. März 1936 gründete Konen mit finanzieller Unterstützung durch das Mannheimer Bekleidungshaus Engelhorn & Sturm, dem Hauptbuchhalter Eduard Ketzer sowie der Firma Bispinck & Bauer und Prokurist Ludwig Marx die Kommanditgesellschaft Johann Konen, die Isidor Bach übernahm. Das so in „arischen“ Besitz überführte Unternehmen wurde in der Pogromnacht 9./10. November 1938 nicht behelligt, Carl Bach jedoch wie viele andere jüdische Bürger ins KZ Dachau verbracht und erst nach der schriftlichen Zusicherung, aus Deutschland wegzugehen, entlassen. 1939 gelang ihm mit seiner Familie die Ausreise in die Schweiz und von dort die Emigration in die USA. Dorthin war Alfred Bach bereits 1933 übersiedelt. Carls Sohn Peter kehrte 1945 als Offizier der US Army nach München zurück und nahm Kontakt mit Johann Konen auf, um die während der NS-Herrschaft erfolgte Übernahme dauerhaft zu regeln. Die Bachs blieben in den USA, behielten jedoch ihre Beteiligung an der Johann Konen KG bei, bis diese 2021 von der Modehandelsgruppe Breuninger GmbH & Co. übernommen wurde. Mittlerweile will sich Breuninger wieder von dem Haus trennen. Im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude an der Sendlinger Straße mehrfach umgebaut. Um die Jahrtausendwende wurden dabei Reste des ursprünglichen Fassadenschmucks freigelegt, ein in Gold gefasstes Stück am Gebäude Sendlinger Straße wieder sichtbar gemacht.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/229">Für mehr (einschließlich 3 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-04-16T15:53:20+02:00</published>
    <updated>2026-08-13T14:14:28+02:00</updated>
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      <name>Heidi Rehn</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Die Lauervilla in Bogenhausen: Die erste Synagoge Münchens nach dem Zweiten Weltkrieg]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/b0cba461a279369861cb3c0125d9215d.jpg" alt="Die Lauervilla, 2005" /><br/><p>Der Kunstmaler, Unternehmersohn und spätere Farbenfabrikant Friedrich Lauer (1874–1935) kaufte 1911 für 200.000 Mark die Gastwirtschaft Neuberghausen, die östlich der Bogenhausener Kirche St. Georg lag. Seit 1913 steht hier die „Lauervilla“, entworfen vom Architekten Wilhelm Scherer und in Anlehnung an den deutschen Renaissancestil erbaut. Lauer war 1895 als Student der Philosophie und Kunstgeschichte an der Münchner Universität eingeschrieben. Im Jahr 1922 zog er nach Urfahrn am Chiemsee, wo er sich eine weitere Villa errichten ließ. Im Gebäude in Bogenhausen fanden ab Januar 1923 dann die Musterschauen der „Münchner Edel-Messe GmbH“ statt. Gezeigt wurde eine ständig wechselnde Kunstschau sowie hochwertige deutsche Waren aus dem Bereich Haus, Küche, Auto, Bekleidung und Kunsthandwerk. Um die Besucher bewirten zu können, richtete man im Kellergeschoss einen Erfrischungsraum ein. Die Bewirtungsräumlichkeiten baute man mit den Jahren weiter aus, so gab es später auch eine Kegelbahn. Die Erlaubnis zum Vollbetrieb einer Schankwirtschaft wurde schließlich erteilt. Musik- und Tanzveranstaltungen erhielten, wegen der Nähe zur Kirche, nur in Ausnahmefällen eine Genehmigung. 1925 ging die von Friedrich Lauer gegründete Edel-Messe bankrott. Noch im selben Jahr wurde die Villa von der Studentenverbindung Corps Suevia (1803 gegründet, eine der ältesten Münchner Studentenverbindungen) gekauft. 1939 löste sich, mit der „Gleichschaltung“ der Studentenverbindungen, das Corps Suevia auf. Die Stadt München erwarb die Lauervilla für 330.000 Reichsmark zur Unterbringung der „Meisterschule für Mode“. Während des Zweiten Weltkriegs war hier eine Luftschutzschule untergebracht. 1946 überließ man das Anwesen dem Zentralkomitee der befreiten Juden. Hier entstand die erste Synagoge Münchens nach dem Zweiten Weltkrieg. Der zwanzig Meter lange, acht Meter breite und nach Osten ausgerichtete Festsaal wurde zum Betsaal umfunktioniert. Im Keller baute das Zentralkomitee ein rituelles Bad und einen Raum für rituelle Schlachtungen ein. Außerdem konnten bis zu 170 Personen – „displaced persons“ – in der weitläufigen Villa wohnen. Im östlichen Trakt befand sich zudem ein hebräisches Gymnasium und eine jüdische Volksschule und ein Kindergarten. Der Umzug der Synagoge erfolgte um 1975 in die Possartstraße 15. In die leer stehende die Villa zog dann die Städtische Fachschule für Sozialberufe und später die Fachhochschule für Sozialpädagogik ein. Im Gebäude verblieb bis heute im Erdgeschoss eine Städtische Kindertagesstätte. Die übrigen Räume nutzt seit 1993 die Städtische Sing- und Musikschule. Mit Hilfe eines Förderkreises konnte das gesamte Gebäude renoviert und am 27. Februar 2003 der große Konzertsaal feierlich eröffnet werden.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/219">Für mehr (einschließlich 10 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-03-28T15:32:04+01:00</published>
    <updated>2026-08-06T13:43:46+02:00</updated>
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      <name>Karin Bernst</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Die Holbeinstraße Nr. 4 in Bogenhausen: Die Geschichte des Malers Alfred Schwarzschild (1874–1948)]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>„Yes I remember that building very well. My parents lived on the top floor with the big windows. One of my earliest memories was that balcony, I used to be allowed out there sitting on my little tin potty and getting into trouble for throwing it over the top onto some people walking past!“– Erinnerung von Alfred Schwarzschilds Tochter Theodora, die 1932 in München geboren wurde und mit ihrer Familie in der Holbeinstraße 4 aufwuchs.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/e238b7a9481b49294b19ded9cb1fdff9.jpg" alt="Die Holbeinstraße 4 auf einer Postkarte aus dem Jahr 1910" /><br/><p>Das viergeschossige Wohnhaus wurde 1907/1908 von den Architekten Max Kirschner und Sigmund Weidenschlager errichtet. Es ist Teil des Wohnhaus-Ensembles der beiden Architekten, links schließen die Hausnummern Holbeinstraße 6 und 8 an. Die Nummer 4 ist durch eine einprägsame Asymmetrie gekennzeichnet, die sich in den beiden formalternierenden Erkern widerspiegelt. Die Fassade wird von einem halbrunden Erker dominiert, der oben mit einem Balkon mit Säulengeländer abschließt. Der schlichtere Erker über dem Eingang ist mit einem goldenen Blumenmosaik verziert. Über dem vierten Stock wurde ein Atelierbau mit großen Fenstern eingebaut, welche beidseitig von Reliefs der Allegorien der Malerei eingerahmt werden. In diesem Atelier wohnte und arbeitete ab Mitte der 1920er Jahre der jüdische Maler Alfred Schwarzschild (1874–1948). Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verließ er Deutschland und floh 1936 nach England. Der Maler heiratete 1924 seine Frau Theodora Luttner und zog nach München in die Holbeinstraße 4. In dieser Zeit wurden seine drei Töchter geboren, die im Atelier spielten und für seine Arbeiten Modell standen. Seine Werke zeichnen sich durch einen traditionellen Malstil aus und seine Tochter Theodora betont, dass er sich nicht dem neuesten Trend des Art Deco anpassen wollte. Neben Auftragswerken und Familienbildern illustrierte er Bücher und wurde vor dem Zweiten Weltkrieg beauftragt, ein „typisches arisches Mädchen“ zu malen. Es entstanden mehrere Postkarten zum Oktoberfest und eine Postkarte mit dem Titel <i>Grüße aus München!</i>, die in ganz Deutschland verbreitet wurde. Dass es sich bei dem Vorbild des Münchner Kindls mit Breze, Bierkrug und Münchner Skyline um seine jüngste Tochter handelte, wurde erst nach seiner Flucht aus Deutschland bekannt. Ich danke Alfred Schwarzschilds jüngster Tochter Theodora und ihrem Sohn Phillip für die Bereitstellung der Fotografien und ihre freundliche Kommunikation.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/186">Für mehr (einschließlich 8 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2024-10-23T14:16:22+02:00</published>
    <updated>2026-06-18T11:51:41+02:00</updated>
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      <name>Jara Lahme</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Die Galerie Norbert Fischmann: Einblicke in eine weitestgehend „unsichtbar“ gewordene Unternehmensgeschichte]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Knapp ein halbes Jahrhundert wurde die mehrmals umbenannte Galerie Norbert Fischmann in München, Luzern und London von Norbert und Olga Fischmann sowie ihren Kindern betrieben. Im Verlauf der Geschäftsjahre konnte sich diese durch ein hohes Engagement einen internationalen Kundenstamm erarbeiten.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/be3a092ac211b10402ae95849c051f85.jpg" alt="Außenansicht der Galerie Fischmann, 1920" /><br/><p>1879 in Galizien (das mit dem Ende des Ersten Weltkrieges Teil von Polen wurde) geboren, ging Norbert Fischmann (gestorben 1956) im Alter von 17 Jahren nach Wien, um dort eine Ausbildung zum Antiquitätenhändler zu beginnen. Doch die Hauptstadt der damaligen Österreichischen Monarchie blieb nicht die letzte Station. Fischmann verlegte um die Jahrhundertwende seinen Wohnsitz nach München, wo er 1909 zusammen mit seiner Frau Olga Fischmann (1883–1971), nach anderen kurzlebigen Unternehmensgründungen, die Kunst- und Antiquitätenhandlung Fischmann & Co. in der Karlstraße 35 mitbegründete. Bereits einige Jahre später war er der alleinige Inhaber. Während zum ersten Jahrzehnt der Firmengeschichte nur wenig Quellen bekannt sind, ändert sich dies um 1920. Die Kunsthandlung wuchs nun stetig und wurde in nationalen sowie internationalen Sammler- bzw. Sammlerinnen- und Händler- bzw. Händlerinnenkreisen bekannt. Korrespondenzen beschreiben, dass Norbert Fischmann eine Vielzahl an Geschäftsreisen tätigte, um Kundschaften auf Kaufangebote aufmerksam zu machen, Kunstobjekte direkt vorlegen zu können und Kontakte zu pflegen. Zum Kundenstamm zählten beispielsweise die Kunsthandlung Julius Böhler in München, die Colnaghi Art Gallery in London und die John Levy Galleries in New York. Außerdem wurde eine rege Anzeigenschaltung unter anderem in der Zeitschrift „Der Kunstwanderer“ oder im britischen „The Burlington Magazine“ betrieben. 1924/1925 erfolgte die Verlegung der Geschäftsräume in das etablierte Münchner Kunsthandelsviertel – in die Brienner Straße 50b. Das Angebot der Kunsthandlung wurde stetig auf Gemälde Alter Meister und Skulpturen spezialisiert. Im Laufe der 1930er Jahre wurden Norbert Fischmann und seine Familie Opfer der Verfolgungs- und Verdrängungsmaßnahmen des NS-Regimes. Die rassische Weltanschauung des NS-Regimes stufte Norbert und Olga Fischmann als „jüdisch“ ein, obwohl diese bereits 1923 ihre Religionszugehörigkeit abgelegt hatten und folglich konfessionslos waren. Ein Rundschreiben des Präsidenten der Reichskammer der bildenden Künste aus dem August 1935 verwehrte Fischmann, wie allen anderen „jüdischen“ Kunsthändlern und -händlerinnen in München, die weitere Ausübung des Berufes. Ab demselben Jahr wurde Norbert Fischmann dauerhaft in London sesshaft. Seine Familie emigrierte in den darauffolgenden Jahren. Bereits während der Zeit des Zweiten Weltkrieges wurden Anstrengungen unternommen, die Kunsthandlung in Großbritannien weiterzuführen. Ein Schritt, der viel Arbeit benötigte, da für die Geschäftswaren keine Ausfuhrgenehmigung bewilligt wurde. Der schwierige Wiederaufbau wurde jedoch in mancherlei Hinsicht dadurch erleichtert, dass Fischmann bereits in den vorhergehenden Jahrzehnten Anstrengungen unternommen hat, Geschäftsbeziehungen und -kontakte durch Korrespondenzen sowie Geschäftsreisen in der britischen Hauptstadt zu pflegen. Die nun in Norbert Fischman Gallery umbenannte Kunsthandlung wurde nach dem Tod Norbert Fischmanns im Jahr 1956 von Olga Fischmann und einer der gemeinsamen Töchter bis Ende der 1960er Jahre weitergeführt. Nach dem Tod der Inhaber Norbert und Olga Fischmann sowie der Schließung des Betriebs ist die Geschichte der Galerie Norbert Fischmann weitestgehend „unsichtbar“ geworden. Insbesondere in den letzten Jahren wurde der Versuch unternommen, die Lebens- und Unternehmensgeschichte der Fischmanns und ihrer Kunsthandlung zu rekonstruieren.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/126">Für mehr (einschließlich 4 Bilder&#32;&amp;&#32;1 Audiodatei) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2023-11-13T14:23:47+01:00</published>
    <updated>2026-07-30T12:07:08+02:00</updated>
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      <name>Jasmin Kienberger</name>
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