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    <title type="html"><![CDATA[Das Bekleidungsgeschäft Isidor Bach : Vom Münchner „Joppenkönig“ zum exklusiven Bekleidungshaus]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Mit einer 28 Meter langen Schaufensterfront und auffällig bunten Sammelmarken warb Isidor Bach schon vor über hundert Jahren für seine wetterfeste „Outdoorkleidung“. Früh war modische Konfektionsware von der Stange sein Erfolgsrezept.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/868795f15cce23a730b38f1c3807b088.jpg" alt="Werbeplakat des Grafikers Ludwig Hohlwein für das Bekleidungsgeschäft Isidor Bach für Sport- und Reisebekleidung, 1912." /><br/><p>Isidor Bach, das „Spezialhaus für Herren-, Jünglings-, Knabengarderobe. Jagd, Sport, Livreen“ in der Sendlinger Straße, geht auf die gleichnamige Herrenkleiderfabrik zurück, die der aus Fischach bei Zusmarshausen stammende jüdische Unternehmer Isidor Bach (1849–1946) 1871 in Augsburg gründete. Wenig später trat sein jüngerer Bruder Hermann (1851–1930) in die Firma ein. Sie spezialisierten sich auf die Herstellung von Konfektionsware, also maschinell gefertigte Kleidung, ein Novum im Königreich Bayern. 1878 eröffneten sie eine Filiale am Münchner Marienplatz. Bereits zwei Jahre später zogen sie in größere Räume im früheren Gasthaus Unterpollinger in der Sendlinger Straße 5. 1887 konnte Isidor Bach das Gebäude kaufen und gemäß den neuen Bedürfnissen umbauen. Bereits 1881 hatte Bach die Produktion – inzwischen konzentrierte er sich weitgehend auf die Herstellung von Lodenkonfektion – nach München verlagert. Wenige Jahre später wurde sie in einem eigens dafür errichteten Gebäude in der Lindwurmstraße 76 untergebracht. Bald waren dort auf drei Etagen 400 Mitarbeiter beschäftigt. Um 1900 erwarb Bach die Anwesen in der Sendlingerstraße 6 und Dultstraße 4. Auf dem so entstandenen Block ließ er vom Bauunternehmen Hönig & Söldner ein mehrstöckiges Geschäftsgebäude mit vier Verkaufsetagen um einen großzügigen, 20 Meter hohen Lichthof errichten. Das luxuriös gestaltete „Etablissement“ wurde am 23. November 1903 pünktlich zum 25jährigen Geschäftsjubiläum feierlich eröffnet. In München brachte der legere Stil der Lodenkleidung Isidor Bach schließlich den liebevollen Beinamen „Joppenkönig“ ein. Als Anerkennung für sein unternehmerisches wie auch gesellschaftlich-soziales Engagement wurde er 1908 zum „königlichen Kommerzienrat“ ernannt. Nach dem unerwarteten Tod seines ältesten Sohnes Hugo (1875–1910) zog er sich aus dem aktiven Geschäftsleben zurück. Die Nachfolge trat sein zweiter Sohn Alfred („Fredl“, 1879–1968) zusammen mit seinem Vetter Carl, Sohn seines Bruders Hermann, an. Bereits in den frühen 1920er Jahren begannen die antisemitischen Anfeindungen gegen Isidor Bach. Im November 1923 gehörte er zu den 17 jüdischen Unternehmern, die das Freikorps Oberland während des Hitler-Putsches für eine Nacht festsetzte. Ebenso trafen die deutschlandweiten Boykottmaßnahmen des NS-Regimes am 1. April 1933 das Bekleidungshaus in der Sendlinger Straße hart. In der Folge verzeichnete das Geschäft einen massiven Umsatzeinbruch. Da abzusehen war, dass sich die Situation jüdischer Unternehmer unter der nationalsozialistischen Herrschaft stetig verschlechtern würde, begann Carl Bach, Alternativen für die Fortführung des Hauses zu suchen. Die fand er in seinem Prokuristen Johann Konen (1903–1989). Seit 1919 war er zunächst als kaufmännischer Lehrling, dann in leitender Position im Unternehmen tätig. Am 6. März 1936 gründete Konen mit finanzieller Unterstützung durch das Mannheimer Bekleidungshaus Engelhorn & Sturm, dem Hauptbuchhalter Eduard Ketzer sowie der Firma Bispinck & Bauer und Prokurist Ludwig Marx die Kommanditgesellschaft Johann Konen, die Isidor Bach übernahm. Das so in „arischen“ Besitz überführte Unternehmen wurde in der Pogromnacht 9./10. November 1938 nicht behelligt, Carl Bach jedoch wie viele andere jüdische Bürger ins KZ Dachau verbracht und erst nach der schriftlichen Zusicherung, aus Deutschland wegzugehen, entlassen. 1939 gelang ihm mit seiner Familie die Ausreise in die Schweiz und von dort die Emigration in die USA. Dorthin war Alfred Bach bereits 1933 übersiedelt. Carls Sohn Peter kehrte 1945 als Offizier der US Army nach München zurück und nahm Kontakt mit Johann Konen auf, um die während der NS-Herrschaft erfolgte Übernahme dauerhaft zu regeln. Die Bachs blieben in den USA, behielten jedoch ihre Beteiligung an der Johann Konen KG bei, bis diese 2021 von der Modehandelsgruppe Breuninger GmbH & Co. übernommen wurde. Mittlerweile will sich Breuninger wieder von dem Haus trennen. Im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude an der Sendlinger Straße mehrfach umgebaut. Um die Jahrtausendwende wurden dabei Reste des ursprünglichen Fassadenschmucks freigelegt, ein in Gold gefasstes Stück am Gebäude Sendlinger Straße wieder sichtbar gemacht.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/229">Für mehr (einschließlich 3 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-04-16T15:53:20+02:00</published>
    <updated>2026-06-18T11:50:16+02:00</updated>
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      <name>Heidi Rehn</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Die Lauervilla in Bogenhausen: Die erste Synagoge Münchens nach dem Zweiten Weltkrieg]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/b0cba461a279369861cb3c0125d9215d.jpg" alt="Die Lauervilla, 2005" /><br/><p>Der Kunstmaler, Unternehmersohn und spätere Farbenfabrikant Friedrich Lauer (1874–1935) kaufte 1911 für 200.000 Mark die Gastwirtschaft Neuberghausen, die östlich der Bogenhausener Kirche St. Georg lag. Seit 1913 steht hier die „Lauervilla“, entworfen vom Architekten Wilhelm Scherer und in Anlehnung an den deutschen Renaissancestil erbaut. Lauer war 1895 als Student der Philosophie und Kunstgeschichte an der Münchner Universität eingeschrieben. Im Jahr 1922 zog er nach Urfahrn am Chiemsee, wo er sich eine weitere Villa errichten ließ. Im Gebäude in Bogenhausen fanden ab Januar 1923 dann die Musterschauen der „Münchner Edel-Messe GmbH“ statt. Gezeigt wurde eine ständig wechselnde Kunstschau sowie hochwertige deutsche Waren aus dem Bereich Haus, Küche, Auto, Bekleidung und Kunsthandwerk. Um die Besucher bewirten zu können, richtete man im Kellergeschoss einen Erfrischungsraum ein. Die Bewirtungsräumlichkeiten baute man mit den Jahren weiter aus, so gab es später auch eine Kegelbahn. Die Erlaubnis zum Vollbetrieb einer Schankwirtschaft wurde schließlich erteilt. Musik- und Tanzveranstaltungen erhielten, wegen der Nähe zur Kirche, nur in Ausnahmefällen eine Genehmigung. 1925 ging die von Friedrich Lauer gegründete Edel-Messe bankrott. Noch im selben Jahr wurde die Villa von der Studentenverbindung Corps Suevia (1803 gegründet, eine der ältesten Münchner Studentenverbindungen) gekauft. 1939 löste sich, mit der „Gleichschaltung“ der Studentenverbindungen, das Corps Suevia auf. Die Stadt München erwarb die Lauervilla für 330.000 Reichsmark zur Unterbringung der „Meisterschule für Mode“. Während des Zweiten Weltkriegs war hier eine Luftschutzschule untergebracht. 1946 überließ man das Anwesen dem Zentralkomitee der befreiten Juden. Hier entstand die erste Synagoge Münchens nach dem Zweiten Weltkrieg. Der zwanzig Meter lange, acht Meter breite und nach Osten ausgerichtete Festsaal wurde zum Betsaal umfunktioniert. Im Keller baute das Zentralkomitee ein rituelles Bad und einen Raum für rituelle Schlachtungen ein. Außerdem konnten bis zu 170 Personen – „displaced persons“ – in der weitläufigen Villa wohnen. Im östlichen Trakt befand sich zudem ein hebräisches Gymnasium und eine jüdische Volksschule und ein Kindergarten. Der Umzug der Synagoge erfolgte um 1975 in die Possartstraße 15. In die leer stehende die Villa zog dann die Städtische Fachschule für Sozialberufe und später die Fachhochschule für Sozialpädagogik ein. Im Gebäude verblieb bis heute im Erdgeschoss eine Städtische Kindertagesstätte. Die übrigen Räume nutzt seit 1993 die Städtische Sing- und Musikschule. Mit Hilfe eines Förderkreises konnte das gesamte Gebäude renoviert und am 27. Februar 2003 der große Konzertsaal feierlich eröffnet werden.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/219">Für mehr (einschließlich 10 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-03-28T15:32:04+01:00</published>
    <updated>2026-06-18T11:51:24+02:00</updated>
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      <name>Karin Bernst</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Die Holbeinstraße Nr. 4 in Bogenhausen: Die Geschichte des Malers Alfred Schwarzschild (1874–1948)]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>„Yes I remember that building very well. My parents lived on the top floor with the big windows. One of my earliest memories was that balcony, I used to be allowed out there sitting on my little tin potty and getting into trouble for throwing it over the top onto some people walking past!“– Erinnerung von Alfred Schwarzschilds Tochter Theodora, die 1932 in München geboren wurde und mit ihrer Familie in der Holbeinstraße 4 aufwuchs.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/e238b7a9481b49294b19ded9cb1fdff9.jpg" alt="Die Holbeinstraße 4 auf einer Postkarte aus dem Jahr 1910" /><br/><p>Das viergeschossige Wohnhaus wurde 1907/1908 von den Architekten Max Kirschner und Sigmund Weidenschlager errichtet. Es ist Teil des Wohnhaus-Ensembles der beiden Architekten, links schließen die Hausnummern Holbeinstraße 6 und 8 an. Die Nummer 4 ist durch eine einprägsame Asymmetrie gekennzeichnet, die sich in den beiden formalternierenden Erkern widerspiegelt. Die Fassade wird von einem halbrunden Erker dominiert, der oben mit einem Balkon mit Säulengeländer abschließt. Der schlichtere Erker über dem Eingang ist mit einem goldenen Blumenmosaik verziert. Über dem vierten Stock wurde ein Atelierbau mit großen Fenstern eingebaut, welche beidseitig von Reliefs der Allegorien der Malerei eingerahmt werden. In diesem Atelier wohnte und arbeitete ab Mitte der 1920er Jahre der jüdische Maler Alfred Schwarzschild (1874–1948). Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verließ er Deutschland und floh 1936 nach England. Der Maler heiratete 1924 seine Frau Theodora Luttner und zog nach München in die Holbeinstraße 4. In dieser Zeit wurden seine drei Töchter geboren, die im Atelier spielten und für seine Arbeiten Modell standen. Seine Werke zeichnen sich durch einen traditionellen Malstil aus und seine Tochter Theodora betont, dass er sich nicht dem neuesten Trend des Art Deco anpassen wollte. Neben Auftragswerken und Familienbildern illustrierte er Bücher und wurde vor dem Zweiten Weltkrieg beauftragt, ein „typisches arisches Mädchen“ zu malen. Es entstanden mehrere Postkarten zum Oktoberfest und eine Postkarte mit dem Titel <i>Grüße aus München!</i>, die in ganz Deutschland verbreitet wurde. Dass es sich bei dem Vorbild des Münchner Kindls mit Breze, Bierkrug und Münchner Skyline um seine jüngste Tochter handelte, wurde erst nach seiner Flucht aus Deutschland bekannt. Ich danke Alfred Schwarzschilds jüngster Tochter Theodora und ihrem Sohn Phillip für die Bereitstellung der Fotografien und ihre freundliche Kommunikation.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/186">Für mehr (einschließlich 8 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2024-10-23T14:16:22+02:00</published>
    <updated>2026-06-18T11:51:41+02:00</updated>
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      <name>Jara Lahme</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Die Galerie Norbert Fischmann: Einblicke in eine weitestgehend „unsichtbar“ gewordene Unternehmensgeschichte]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Knapp ein halbes Jahrhundert wurde die mehrmals umbenannte Galerie Norbert Fischmann in München, Luzern und London von Norbert und Olga Fischmann sowie ihren Kindern betrieben. Im Verlauf der Geschäftsjahre konnte sich diese durch ein hohes Engagement einen internationalen Kundenstamm erarbeiten.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/be3a092ac211b10402ae95849c051f85.jpg" alt="Außenansicht der Galerie Fischmann, 1920" /><br/><p>1879 in Galizien (das mit dem Ende des Ersten Weltkrieges Teil von Polen wurde) geboren, ging Norbert Fischmann (gestorben 1956) im Alter von 17 Jahren nach Wien, um dort eine Ausbildung zum Antiquitätenhändler zu beginnen. Doch die Hauptstadt der damaligen Österreichischen Monarchie blieb nicht die letzte Station. Fischmann verlegte um die Jahrhundertwende seinen Wohnsitz nach München, wo er 1909 zusammen mit seiner Frau Olga Fischmann (1883–1971), nach anderen kurzlebigen Unternehmensgründungen, die Kunst- und Antiquitätenhandlung Fischmann & Co. in der Karlstraße 35 mitbegründete. Bereits einige Jahre später war er der alleinige Inhaber. Während zum ersten Jahrzehnt der Firmengeschichte nur wenig Quellen bekannt sind, ändert sich dies um 1920. Die Kunsthandlung wuchs nun stetig und wurde in nationalen sowie internationalen Sammler- bzw. Sammlerinnen- und Händler- bzw. Händlerinnenkreisen bekannt. Korrespondenzen beschreiben, dass Norbert Fischmann eine Vielzahl an Geschäftsreisen tätigte, um Kundschaften auf Kaufangebote aufmerksam zu machen, Kunstobjekte direkt vorlegen zu können und Kontakte zu pflegen. Zum Kundenstamm zählten beispielsweise die Kunsthandlung Julius Böhler in München, die Colnaghi Art Gallery in London und die John Levy Galleries in New York. Außerdem wurde eine rege Anzeigenschaltung unter anderem in der Zeitschrift „Der Kunstwanderer“ oder im britischen „The Burlington Magazine“ betrieben. 1924/1925 erfolgte die Verlegung der Geschäftsräume in das etablierte Münchner Kunsthandelsviertel – in die Brienner Straße 50b. Das Angebot der Kunsthandlung wurde stetig auf Gemälde Alter Meister und Skulpturen spezialisiert. Im Laufe der 1930er Jahre wurden Norbert Fischmann und seine Familie Opfer der Verfolgungs- und Verdrängungsmaßnahmen des NS-Regimes. Die rassische Weltanschauung des NS-Regimes stufte Norbert und Olga Fischmann als „jüdisch“ ein, obwohl diese bereits 1923 ihre Religionszugehörigkeit abgelegt hatten und folglich konfessionslos waren. Ein Rundschreiben des Präsidenten der Reichskammer der bildenden Künste aus dem August 1935 verwehrte Fischmann, wie allen anderen „jüdischen“ Kunsthändlern und -händlerinnen in München, die weitere Ausübung des Berufes. Ab demselben Jahr wurde Norbert Fischmann dauerhaft in London sesshaft. Seine Familie emigrierte in den darauffolgenden Jahren. Bereits während der Zeit des Zweiten Weltkrieges wurden Anstrengungen unternommen, die Kunsthandlung in Großbritannien weiterzuführen. Ein Schritt, der viel Arbeit benötigte, da für die Geschäftswaren keine Ausfuhrgenehmigung bewilligt wurde. Der schwierige Wiederaufbau wurde jedoch in mancherlei Hinsicht dadurch erleichtert, dass Fischmann bereits in den vorhergehenden Jahrzehnten Anstrengungen unternommen hat, Geschäftsbeziehungen und -kontakte durch Korrespondenzen sowie Geschäftsreisen in der britischen Hauptstadt zu pflegen. Die nun in Norbert Fischman Gallery umbenannte Kunsthandlung wurde nach dem Tod Norbert Fischmanns im Jahr 1956 von Olga Fischmann und einer der gemeinsamen Töchter bis Ende der 1960er Jahre weitergeführt. Nach dem Tod der Inhaber Norbert und Olga Fischmann sowie der Schließung des Betriebs ist die Geschichte der Galerie Norbert Fischmann weitestgehend „unsichtbar“ geworden. Insbesondere in den letzten Jahren wurde der Versuch unternommen, die Lebens- und Unternehmensgeschichte der Fischmanns und ihrer Kunsthandlung zu rekonstruieren.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/126">Für mehr (einschließlich 4 images&#32;&amp;&#32;1 audio file) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2023-11-13T14:23:47+01:00</published>
    <updated>2026-06-18T11:52:07+02:00</updated>
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      <name>Jasmin Kienberger</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Die Post am Harras: Oberpostdirektion gegen Verkehrschaos <br />
]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Der Postgebäudekomplex am Harras, der nach der nationalsozialistischen Machtergreifung eröffnet wurde, ist eines der späteren Projekte der Postbauschule. Da beim Bau der Anlage die Verkehrsregelung des ganzen Platzes bedacht und neu strukturiert wurde, gilt es als eines der bedeutendsten Projekte von Robert Vorhoelzer, dem damaligen Leiter der Oberpostdirektion.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/8a82d9ab557a47ac9d344820da26cfbf.jpg" alt="Postamt und Wohnbau am Harras, 1933" /><br/><p>Die Post am Harras, errichtet im Stil des Neuen Bauens, (auch bekannt aus dem Kontext von Neuer Sachlichkeit und Bauhaus) verbindet gleichzeitig ein Postamt samt Büroräumen mit einem Wohnkomplex für die Angestellten. Es handelt sich um eines der späteren Projekte der Postbauschule, welche die Verbesserung sozialer Zustände und postalischer Arbeitsabläufe durch Verwendung neuer Materialien und technischer Möglichkeiten sowie die Etablierung einer modernen Architektursprache vorsah.</p><p>1931 trat die Oberpostdirektion mit dem Projekt für den Ausbau des Post- und Telegrafenwesens am Harras an die Öffentlichkeit. Die Lokalpresse forderte daraufhin, dass in diesem Zuge auch eine Umgestaltung des Platzes an der Gabelung der heutigen Plinganserstraße und Albert-Roßhaupter-Straße erfolgen sollte.</p><p>Der Platz lag zu Beginn des 20. Jahrhunderts am Stadtrand Münchens und war Siedlungsraum hauptsächlich für Arbeiter:innenfamilien, die in den umliegenden Fabriken angestellt waren. Durch sein organisches Wachstum entwickelte sich der Harras zu einem stark genutzten und sehr chaotischen Verkehrsknotenpunkt.</p><p>Bei der Konzeption und beim Bau des Gebäudekomplexes am Harras konnten der Leiter der Oberpostdirektion Robert Vorhoelzer und Hans Schnetzer  das in der Vergangenheit beispielsweise an der Postversuchssiedlung in Neuhausen oder der Post an der Tegernseer Landstraße erprobte Wissen anwenden und erweitern.</p><p>Das von Vorhoelzer und Schnetzer projektierte Postgebäude wird von zwei höheren Wohngebäuden umrahmt. Das Ensemble umschließt einen Innenhof auf der einen Seite und begrenzt auf der anderen Seite den davorliegenden Platz nach Süden hin. Durch den Umbau wurde der Platz auf das Doppelte seiner ursprünglichen Fläche ausgedehnt. Das nach Westen hin als Abschluss geplante siebengeschossige Hochhaus wurde nicht mehr verwirklicht – möglicherweise aufgrund einer dem Projekt gegenüber eher zurückhaltenden Einstellung der Stadtverwaltung.</p><p>Für die Konstruktion der Gebäude setzte man die zu dieser Zeit häufig verwendete Eisenbetonskelettbauweise ein, die mit Mauerwerk ausgefacht und glatt verputzt wurde.</p><p>Der Gebäudekomplex wurde nach kurzer Bauzeit vollendet – bereits zum 1. November 1932 waren die 65 Eineinhalbzimmereinheiten und 30 Vierzimmerwohnungen bezugsfertig. Das Postdienstgebäude wurde am 1. April 1933 eröffnet – also bereits nach der Machtergreifung Hitlers, am selben Tag, an dem der Boykott jüdischer Geschäfte begann.</p><p>Eine konkrete Zusammenarbeit mit der NSDAP liegt allerdings nicht vor. Bei dem Gebäudekomplex handelt es sich um eines der spätmöglichsten modernen Bauwerke, welche in der Zeit direkt vor der Diktatur umgesetzt werden konnten. Robert Vorhoelzer wurde aufgrund seines modernistischen Baustils eine „bolschewistische Bauhaltung“ (zit. nach Aicher u.a. 1990, S. 81) vorgeworfen und letztlich  seines Amtes als Leiter der Oberpostdirektion enthoben.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/124">Für mehr (einschließlich 10 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2023-11-07T15:25:50+01:00</published>
    <updated>2026-06-18T11:52:16+02:00</updated>
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      <name>Alexandra Avrutina </name>
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    <title type="html"><![CDATA[Die Griechisch-Orthodoxe Allerheiligenkirche in München: Ein Juwel unter den Münchner Kirchen]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Die zwischen 1993 und 1995 errichtete Griechisch-Orthodoxe Allerheiligenkirche in München hat für ihre Gemeinde, die Stadt und die Ökumene eine große kulturelle und architekturgeschichtliche Bedeutung. Ihre Vorgeschichte beginnt bereits Anfang der 1980er Jahre, als der griechisch-orthodoxen Gemeinde die an gleicher Stelle befindliche, 1929 erbaute römisch-katholische Allerseelenkirche von der Erzdiözese München und Freising unter Kardinal Friedrich Wetter zur Mitnutzung zur Verfügung gestellt wurde. In die heutige Kirche wurden Teile der Bestandsmauern integriert. Zugleich wurden die traditionellen Bauelemente orthodoxer Kirchen mit zeitgenössischem Aussehen verbunden. </em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/4eb6d41fc5d15c5b14c394fd33daed04.jpg" alt="Allerheiligenkirche, 2023" /><br/><p><b>Allerseelenkirche 1929</b> An der Ungererstraße 131 in München entsteht nach Plänen des Architekten Richard Steidle die römisch-katholische Allerseelenkirche. Der Entwurf sieht einen zweistufigen Bauplan vor: Zunächst soll nur die Unterkirche gebaut werden, worauf ein paar Jahre später mit zusätzlicher Finanzierung die Oberkirche entstehen soll. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten kommt es nicht zum Weiterbau der Oberkirche. Die Allerseelenkirche übersteht den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet und verliert ab 1958 an Bedeutung, da deren Gemeinde in die neugebaute katholische Allerheiligenkirche an der Ungererstraße 187 weiter nördlich zieht. Der Stadtrat Dr. Hans Högg hatte sich bereits seit Anfang der 1950er Jahre für einen größeren, repräsentativeren Neubau auf einem anderen Grundstück näher am Stadtrand ausgesprochen. <b>Raumnot 1978</b> Wegen eines Rechtsstreits mit einer religiösen Splittergruppe ist die Salvatorkirche, in der seit 1827 griechisch-orthodoxe Gottesdienste im Herzen Münchens gefeiert werden, für die Griechisch-Orthodoxe Metropolie bis auf weiteres nicht mehr betretbar. Die griechisch-orthodoxe Gemeinde, die seit dem Abwerbeabkommen zwischen Deutschland und Griechenland 1960 in München stetig gewachsen ist, gerät in Raumnot. <b>Ankunft 1980</b> Die katholische Kirche schlägt der griechisch-orthodoxen Gemeinde die Allerseelenkirche ab Weihnachten 1980 zur Mitbenutzung vor. Ab 1982 wird die griechisch-orthodoxe Gemeinde dann alleinige Nutzerin der Allerseelenkirche. <b>Erster Entwurf 1986</b> Der Bauunternehmer und Architekt Robert Brannekämper sen. wird vom katholischen Ordinariat unter der Leitung des damaligen Erzbischofs von München und Freising Kardinal Friedrich Wetter beauftragt, eine griechisch-orthodoxe Kirche mit Gemeindezentrum an der Ungererstraße zu entwerfen. Er sieht zunächst drei separate Volumen mit Rundungen vor, wobei die Kirche nach orthodoxen Vorgaben geostet wird. <b>Vorentwurf 1991</b> Der Vorentwurf wird vom Entscheid Kardinal Wetters geprägt, die Allerseelenkirche nicht vollständig abzureißen, sondern in den Entwurf zu integrieren. Das Grundstück ist im Vorentwurf L-förmig belegt und weist einen höheren Turm auf. Nach einer gemeinsamen Griechenlandreise von Brannekämper und Erzpriester Apostolos Malamoussis, um orthodoxe Kirchenbauten in Thessaloniki und Umgebung zu besuchen, werden Ende 1991 die Pläne zur Genehmigung bei der Lokalbaukommission eingereicht. Kurz darauf erhebt ein Vertreter der Denkmalpflege Einspruch, um die Allerseelenkirche auf ihren denkmalpflegerischen Wert prüfen zu lassen. Die Genehmigung verzögert sich um mehrere Monate. <b>Beginn des Umbaus 1993</b> Im Oktober 1993 findet die Grundsteinlegung in Anwesenheit des Patriarchen Bartholomaios I. von Konstantinopel und Kardinal Friedrich Wetter statt. Kurz darauf wird die Allerseelenkirche bis auf die Außenmauern teilabgerissen. Die neue Dachkonstruktion mit einer Haupttonne und seitlichen Stichkappen besteht aus einer Mischung von Fertigteilen und Ortbeton. Der Innenraum ist von schlanken Säulen geprägt. Die Nebengebäude werden bis auf die Außenmauern entkernt. Zum Großteil finanziert das katholische Ordinariat die Kosten für den Umbau, mit einer finanziellen Mitbeteiligung der Griechisch-Orthodoxen Metropolie. <b>Weihung 1995</b> Nach zwei Jahren Bauzeit weiht Metropolit Augoustinos die Griechisch-Orthodoxe Allerheiligenkirche in Anwesenheit von Kardinal Friedrich Wetter und weiteren ranghohen Vertretenden aus Kirche und Politik. Zu diesem Zeitpunkt wurden bereits die ersten Ausmalungen fertiggestellt, u.a. die Kuppel. <b>Auflassung 2009</b> Der Auflassungsvertrag wird zwischen der Griechisch-Orthodoxen Metropolie und der Erzdiözese München und Freising unterzeichnet. Damit ist die Griechisch-Orthodoxe Metropolie offiziell Eigentümerin der Ungererstraße 131. <b>Ausmalung seit 1995</b> Seit 1995 wird die Griechisch-Orthodoxe Allerheiligenkirche, allein durch Spenden finanziert, von der Werkstatt Voutsina aus Thessaloniki ausgemalt. Dabei werden die Motive auf Leinwänden in Griechenland vorgemalt, vor Ort an die Wände mit einem speziellen Leim geklebt und mit Farben und Blattgold ergänzt. Einzig die Auferstehung an der Ostwand über dem Altar ist vor Ort direkt auf die Wand gemalt worden, da das Motiv aufgrund seiner Größe nicht in der räumlich zu kleinen Werkstatt in Griechenland vorgefertigt werden konnte.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/120">Für mehr (einschließlich 7 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2023-10-19T18:42:13+02:00</published>
    <updated>2026-06-18T11:52:33+02:00</updated>
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      <name>Korinna Zinovia Weber</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Das Stadtarchiv der Landeshauptstadt München: Vom städtischen Wehramt zum Gedächtnis der Stadt]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Mit dem städtischen Wehramt München in der Winzererstraße, in welchem seit 1926 das Stadtarchiv seine Heimat hat, schuf Hans Grässel (1860–1939) ein Dienstgebäude, das wie alle seine Bauwerke in seiner liebevollen Ausgestaltung nicht nur den praktischen Anforderungen der städtischen Verwaltung Rechnung trug, sondern bereits damals vornehmlich psychologische Aspekte berücksichtigte, die im Behördenbau heutiger Tage selbstverständlich erscheinen.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/868c3cb307db57921d87017164291a89.jpg" alt="Stadtarchiv München, Vorderansicht von der Winzererstraße aus, um 1920" /><br/><p>Zur Unterbringung des 1888 für die städtischen Militäraufgaben geschaffenen Wehramtes entwarf Stadtbaurat Hans Grässel (1860–1939) ein repräsentatives Dienstgebäude. Es trägt mit seiner illustren Eingangshalle, dem breiten Treppenhaus, den großen hellen Räumen und lichtdurchfluteten Gängen dazu bei, dass sich die dort Beschäftigten in „ihrem“ Haus wohlfühlen. Dies ist im Übrigen ein Merkmal aller Grässelschen Bauten, gleich ob es sich um Dienst- oder um Wohngebäude handelt.</p><p>Das Wehramt wurde auf dem Gelände einer ehemaligen Kiesgrube am Rand des Münchner Kasernenviertels zwischen 1912 und 1914 in zurückhaltenden Formen des späten 18. Jahrhunderts errichtet. Das viergeschossige Hauptgebäude war für den Amtsvorstand und die Friedensersatzkommissionen bestimmt, die den Innenhof umschließenden eingeschossigen Nebengebäude wurden von den Kriegsersatzkommissionen und als Lagerräume genutzt. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde das Gebäude mit dem Übergang der Wehrhoheit auf das Deutsche Reich funktionslos und diente anderen städtischen Dienststellen als Unterkunft. 1926 bezog das Stadtarchiv die beiden Obergeschosse des Hauptgebäudes mit einem Teil seiner Bestände. Schließlich konnte es das gesamte Hauptgebäude in Besitz nehmen.</p><p>Der im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigte Gebäudekomplex wurde nach Kriegsende wieder von verschiedenen heimatlos gewordenen städtischen Dienststellen bezogen. 1947 konnte das Stadtarchiv die alleinige Nutzung für Archivzwecke sicherstellen. Die Wiederaufbauarbeiten begannen 1950 mit dem Nordpavillon. Anstelle der beiden zerstörten östlichen Pavillons entstanden zwischen 1958 und 1961 Magazintürme in zeitgemäßer Gestalt. 1964 bis 1965 wurde das kriegszerstörte Dach des Hauptgebäudes in alter Form mit einem als Magazin ausgebauten Dachgeschoss wieder errichtet. Im Rahmen einer dringend notwendigen Erweiterung der räumlichen Kapazitäten des Stadtarchivs wurden zwischen 1977 und 1982 zunächst die beiden Seitentrakte im Norden und Süden äußerlich in alter Form aber innen für Aufbewahrungszwecke und zur Aufnahme der Restaurierungswerkstatt erneuert. Von 1986 bis 1989 wurden auch der Ostflügel und die beiden Magazintürme durch einen großen Trakt mit Seitentürmen nach Planungen des Architektenbüros Hans-Busso von Busse (1930–2009) ersetzt. Neben Magazinräumen für insgesamt 34 km Aktengut, von denen derzeit bereits rund 26 km belegt sind, erhielt der in Schicht-Ziegelbauweise errichtete Neubau als Publikumsbereich eine Rotunde für Ausstellungen und Veranstaltungen. Abgeschlossen wurden die Baumaßnahmen 1990 durch die Aufstellung eines vierteiligen Kunstwerkes zwischen dem Gebäude und dem gegenüber liegenden Nordbad nach Entwürfen des französischen Künstlerehepaares Anne und Patrick Poirier. Es symbolisiert den Menschen und seinen Blick auf die Geschichte.</p><p>Das Stadtarchiv als „Gedächtnis der Stadt“ ist mehr als nur ein Lagerort für altes Schriftgut und Akten; es ist vielmehr ein Ort des Quellenmaterials für Forschende, sei es an wissenschaftlichen Institutionen oder privat zur eigenen Familiengeschichte. Damit will das Stadtarchiv die Menschen der Gegenwart mit der Überlieferung einer vermeintlich beendeten Zeit in Berührung bringen; es möchte ihnen helfen, sich für die Vergangenheit der eigenen Stadt zu interessieren – und diese auch zu verstehen. </p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/119">Für mehr (einschließlich 3 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2023-10-19T15:32:51+02:00</published>
    <updated>2026-06-18T11:37:23+02:00</updated>
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      <name>Manfred Heimers&amp;#32;&amp;amp;&amp;#32;Christian Freundorfer</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Die Sphingen am Nordfriedhof: Der Münchner „Alektryonsphinx“]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Seit 2020 stehen am Eingang der Aussegnungshalle des Münchner Nordfriedhofes wieder zwei hahnenköpfige Sphingen. Sphingen als Wächter kennt man aus dem alten Ägypten, die Form mit Hahnenkopf ist jedoch ungewöhnlich und hat den beiden Statuen ein Weiterleben in der Literatur ermöglicht.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/dab27bbca229dec730847de1dda84986.jpg" alt="Aussegnungshalle mit Sphingen, 1889/1932" /><br/><p>Bei den Statuen handelt es sich um originalgetreue Neuanfertigungen der beiden Sphingen, die von den 1890er bis in die 1960er Jahre am Eingang des Nordfriedhofes standen und dann auf ungeklärte Weise verschwanden. Diese Sphingen fanden als „apokalyptische Tiere“ Eingang in die Novelle „Tod in Venedig“ von Thomas Mann, der zwischen 1913 und 1933 in München lebte. </p><p>Gleich im ersten Kapitel der Novelle steht der Protagonist Gustav von Aschenbach den Sphingen am Nordfriedhof gegenüber, betrachtet die Aussegnungshalle und verliert sich in Träumereien:</p><p>„Ihre Stirnseite, mit griechischen Kreuzen und hieratischen Schildereien in lichten Farben geschmückt, weist überdies symmetrisch angeordnete Inschriften in Goldlettern auf, ausgewählte, das jenseitige Leben betreffende Schriftworte wie etwa ‚Sie gehen ein in die Wohnung Gottes‘ oder ‚Das ewige Licht leuchte ihnen‘; und der Wartende hatte während einiger Minuten eine ernste Zerstreuung darin gefunden, die Formeln abzulesen und sein geistiges Auge in ihrer durchscheinenden Mystik sich verlieren zu lassen, als er, aus seinen Träumereien zurückkehrend, im Portikus, oberhalb der beiden apokalyptischen Tiere, welche die Freitreppe bewachen, einen Mann bemerkte, dessen nicht ganz gewöhnliche Erscheinung seinen Gedanken eine völlig andere Richtung gab.“ (zit. nach Mann 1922, S. 11.)</p><p>Im Anschluss an diese Begegnung plant Gustav von Aschenbach in einer ersten Todesahnung seine Reise von München nach Venedig. </p><p>Die echten Sphingen des Nordfriedhofs gerieten auch nach ihrem mysteriösen Verschwinden wegen ihrer Erwähnung in Thomas Manns Novelle nicht in Vergessenheit, sondern wurden durch das Thomas-Mann-Forum wieder in den Blickpunkt gerückt. Dank der Recherchen des Literaturwissenschaftlers und Vorsitzenden des Thomas-Mann-Forums Dirk Heißerer konnten die beiden Sphingen rekonstruiert werden. Darüber hinaus stieß er auf Dokumente, die das Rätsel um die beiden Sphingen lüften. </p><p>Das Projekt der Neuanfertigung der beiden Sphingen fand unter Anleitung des Steinmetzteams um Barbara Oppenrieder und Wolfgang Gottschalk sowie Schülern der Steinmetzschulen statt. Aus einem wuchtigen 2,3 Tonnen schweren Block aus Kehlheimer Kalkstein erschufen sie den gewaltigen 1,92 Meter langen, 62 Zentimeter breiten und 1,7 Meter hohen Sphinx. Dank alter Fotografien in Archiven ließ sich das Aussehen – über Thomas Manns Benennung als „apokalyptische Tiere“ hinaus – rekonstruieren. Der Sphinx zeigt sich – heute wie damals – mit Löwenkörper und Hahnenkopf, in den Pranken eine Stele haltend und auf dem Kamm eine runde Scheibe tragend. Die Darstellung dieser modernen Sphingen gibt Anlass zu einem kleinen Exkurs ins Alte Ägypten.</p><p>In der Scheibe der Münchner Sphingen lässt sich eine Anspielung auf die altägyptische Sonnenscheibe erkennen, die bei zahlreichen Göttern den Kopf schmückt. Ein Hahnenkopf ist für altägyptische Sphingen jedoch nicht belegt. Sie haben entweder einen menschlichen Kopf (Sphinx), einen Widderkopf (Kriosphinx) oder – seltener – einen Falkenkopf (Hierakosphinx). Entsprechend verkörpern sie den König, den Gott Amun und den Falkengott Horus oder Month. </p><p>Der ägyptische Sphinx zeigt ein Mischwesen aus liegendem Löwenkörper und männlichem Kopf. In ihm wird das Doppelwesen des Königs, der Mensch und Gott zugleich ist, sichtbar. Als König erkennbar ist der Sphinx an der Darstellung des königlichen Nemes (Königskopftuch).</p><p>In ihren Formaten decken die altägyptischen Sphingen ein breites Spektrum ab. Der riesige Sphinx von Gizeh am Fuße des Aufwegs zur Pyramide des Chephren ist nicht nur der größte, sondern auch der früheste Beleg für einen Sphinx. Am anderen Ende des Größenspektrums stehen kleine Statuetten von Sphingen, wie sie auch im Münchner Ägyptischen Museum zu sehen sind.</p><p>Die außergewöhnliche Darstellung der Sphingen am Nordfriedhof in ihrer strengen Zweiteilung in liegenden Löwenkörper mit ausgestreckten Vorderläufen nach ägyptischem Muster und gänzlich unägyptischen Hahnenkopf lässt sich am ehesten mit den falkenköpfigen Sphingen, den „Hierakosphingen“ in Verbindung bringen. Dieser Sphinxtypus ist jedoch nur sehr selten belegt. Als großformatige Skulpturen stehen Falkensphingen paarweise vor dem Tempel Ramses‘ II. in Wadi es Sebua in Nubien, und zwei Falkensphingen fand Belzoni im Großen Tempel von Abu Simbel (heute im British Museum). Ob es diese mehrfach abgebildeten ramessidischen Statuen gewesen sind, die den Bildhauer inspirierten, der die Münchener Hahnensphingen schuf? Da sie die einzigen ihrer Art sind, wäre es übertrieben, für sie der ägyptologischen Terminologie den „Alektryonsphinx“ hinzuzufügen. </p><p>Aber sie sollen doch ehrfurchtsvoll in den Kreis der Sphingen aufgenommen werden, und wir wollen ihre Rückkehr nach München freudig begrüßen.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/112">Für mehr (einschließlich 4 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2023-09-22T16:06:50+02:00</published>
    <updated>2026-06-18T11:52:51+02:00</updated>
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      <name>Jan Dahms</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Das Café Deistler: Ein verschwundenes Café und seine Ausstattung]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Die Erinnerungen an ein altes Stadtviertel erwachen mit Hilfe der Archäologie zu neuem Leben. Das Kaffeegeschirr des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Café Deistler berührt die Menschen bis heute.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/7819123d7e42f21fa5cc770eea5a1c42.jpg" alt="Der Marienhof, 2011" /><br/><p>Die meisten Münchner:innen kennen den Marienhof als große Grünfläche hinter dem Rathaus. Diese Freifläche war jedoch erst nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg entstanden. Zuvor und damit über einen langen Zeitraum hinweg hatte sich hier ein lebendiges Stadtviertel mit zahlreichen Gaststätten, Wohnhäusern und Geschäften befunden. Nach dem Abräumen der Trümmer in der Nachkriegszeit wurde der Marienhof zunächst als Parkplatz genutzt. Mit der Einrichtung der Fußgängerzone anlässlich der Olympischen Sommerspiele 1972 entstand auf dem Platz eine Grünfläche als urbaner Freiraum, der auch in Zukunft nicht wieder überbaut werden sollte. In den Jahren 2011 und 2012 fanden im Rahmen des Neubaus der S-Bahn-Stammstrecke am Marienhof umfangreiche archäologische Ausgrabungen statt, die einen unbekannten Einblick in die Münchner Stadtgeschichte ermöglichen. Da das Grabungsareal teilweise auf dem Gebiet der um 1158 von Heinrich dem Löwen gegründeten Altstadt lag, fanden sich Relikte aus allen Epochen Münchens. Zu den ältesten Bauresten gehören mittelalterliche Brunnen- und Latrinenschächte. Die Ausgrabungen am Marienhof brachten jedoch nicht nur Funde aus dem Mittelalter (500–1500 n. Chr.) zutage, sondern auch Erinnerungen an ein in den 1930er und 1940er Jahren dort betriebenes Café. Es befand sich in einem Eckhaus hin zur Schrammerstraße, genauer in der ehemaligen Dienerstraße 11. Seit 1850 war darin ein Hotel untergebracht, das ab 1872 unter dem Namen „Englischer Hof“ das Luxussegment bediente, während des Ersten Weltkrieges aber mangels Einnahmen schließen musste. In den 1930er Jahren wurde das Gebäude für Verwaltungszwecke genutzt. Untergebracht waren dort das Statistische Landesamt sowie das Versicherungsamt. Außerdem wurde dort das Café Deistler, später Café Bentenrieder genannt, betrieben. Wie leider auch das gesamte Stadtviertel Marienhof wurde das Café am 7. Januar 1945 zwischen 21.55 und 23.03 Uhr durch Bombenangriffe der alliierten Verbände vollständig zerstört. Bei den Ausgrabungen im Keller des Eckgebäudes kamen unter anderem Reste des alten Lastenaufzugs des Cafés sowie einige Wein- und Bierflaschen, Milchkannen und Kaffeetassen zutage. Ebenfalls unter den Funden: Die Buntmetalltabletts des Cafés, die vermutlich vor den Bombenangriffen in Sicherheit gebracht worden waren und so die Zeit überlebt hatten. Eine Gravur auf der Unterseite belegt die Zugehörigkeit zum Café. Ein spontanes Gespräch mit einer interessierten Passantin zeigte den Archäolog:innen während der laufenden Ausgrabung, dass dieses Café selbst nach mehr als 60 Jahren noch nicht in Vergessenheit geraten war. Ein Blick auf die Serviertabletts weckte bei der Spaziergängerin lebhafte Erinnerungen an ihre Mutter, die einst als „Serviermadl“ im Café Deistler gearbeitet hatte.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/85">Für mehr (einschließlich 9 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2023-05-31T11:51:11+02:00</published>
    <updated>2026-06-18T11:53:02+02:00</updated>
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      <name>Anna Enzensberger&amp;#32;&amp;amp;&amp;#32;Brigitte Haas-Gebhard</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Das Paketzustellamt: Betriebsabläufe als Ästhetik]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Das Paketzustellamt an der Arnulfstraße ist ein repräsentatives Beispiel für den Kerngedanken des Neuen Bauens, die Ästhetik eines Gebäudes aus seiner Funktion entstehen zu lassen. Herausragendes Merkmal des Gebäudeensembles, welches sich nach außen traditionell gab, war die Verteilerhalle mit hoher Glaskuppel im Inneren.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/0c0901b6d145adfb7132b94818200679.jpg" alt="Die Verteilerhalle kurz vor Fertigstellung, 1926" /><br/><p>Erbaut zwischen 1924 und 1927 von Walther Schmidt (1899–1993), Robert Vorhoelzer (1884–1954) und Franz Holzhammer (1893–1958) wurde der Gebäudekomplex für das maschinelle Sortieren und Verteilen der Post realisiert. Die Anlage wurde in Deutschland nach einem gemeinsamen Patent der Berliner Firma Mix & Genest und des Reichspostministeriums entwickelt und war eine Reaktion auf die Notwendigkeit, die Räumlichkeiten der bayerischen Post auszubauen. Das stark gewachsene Aufkommen von Paketsendungen und das Wachstum Münchens (in der Stadt lebten inzwischen über 700.000 Menschen) erforderten zusätzliche Gebäude und Standorte. Das neue Paketzustellamt war für alle Stadtteile links der Isar zuständig und nahm ein Gelände von 23.000 Quadratmetern ein. Die Lage garantierte die logistisch wichtige unmittelbare Nähe zur Bahn sowie zur Oberpostdirektion. Die neobarocke zweistöckige Fassade an der Arnulfstraße beherbergte Werkstätten, Büroräume und Hallen. Erst hinter dem Einfahrtstor, im Osten der Anlage, befindet sich das modernistische Gebäude. Der Rundbau mit 52 Metern Durchmesser besitzt eine von acht pilzförmigen Säulen getragene Eisenbetondecke mit aufgesetztem Glastambour zur Beleuchtung der Halle. Die Verteilerturbine, an der bis zu zwölf Personen gleichzeitig arbeiten konnten, bestand aus verschiedenen Maschinen, einem Labyrinth aus Förderbändern und Rutschen. „Betrieb, Maschine und Haus sind zur Einheit verschmolzen“, kommentierte der ausführende Architekt Walther Schmidt (zit. nach Blohm / Nerdinger 1994, S. 114). Die starke Diskrepanz zwischen den von außen sichtbaren und den im Inneren verborgenen Gebäudeteilen zeigt, dass die öffentliche Präsentation moderner Architektur mit ihrem Fokus auf Rationalisierung, das Maschinelle und einer Ästhetisierung der Betriebsabläufe im Sinne eines „form follows function“ im konservativen München noch nicht selbstverständlich war. Aber auch im Kontext der anderen Bauten der sogenannten Postbauschule in München ist der Rundbau des Paketzustellamts besonders hervorzuheben – denn die Betriebsabläufe waren weniger auf Menschen angewiesen als auf Verteilermaschinen. Damit verbunden war allerdings eine komplette Negierung von Flexibilität und Individualität. Dieser Umstand war es auch, welcher der weiteren Nutzung des Gebäudes zum Verhängnis wurde. Das neue Paketzustellamt – der sogenannte „Paketdom“ – der zwischen 1965 und 1969 an der Arnulfstraße 195 errichtet wurde, löste das alte Gebäude zunehmend ab. Bis 1972 blieb die Paketverteilung noch in Betrieb, danach diente das Gebäude vorwiegend als Lagerraum. 1985 wurde das Paketzustellamt durch Fridolin Christen und Franz Stauda saniert – unter seinem Dach befanden sich dann eine Mensa und eine Bibliothek. Später fand die Halle Verwendung für Veranstaltungen unterschiedlicher Art. 2006 rief die Stadt München dazu auf, neue und nachhaltigere Nutzungsmöglichkeiten vorzuschlagen. Voraussetzungen waren der Erhalt des Charakters der Gesamtanlage und eine Mischung aus gewerblicher Nutzung (wie Büros und Ateliers) und Wohnungen. Nach mehreren Verhandlungen ging das Gelände an die Firma Google, die dort ihre Münchner Filiale weiter ausbaut, welche bereits über 1.200 Arbeitsplätze in München verfügt. Die von Walther Schmidt beabsichtigte „Versöhnung des Technischen mit dem Menschlichen“ (zit. nach Aicher / Drepper 1990, S. 193) hätte damit eine neue Wendung nehmen können – neben 1.500 zusätzlichen Arbeitsplätzen lässt sich in den Plänen der Firma allerdings keine Spur mehr von neuem Wohnraum finden. Dafür soll die hochmoderne Halle im Innenhof des Amtes zu einer Eventlocation umgebaut werden – und damit auch für Außenstehende zugänglich sein. Die Fertigstellung des Umbaus ist zum Ende des Jahres 2023 geplant.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/51">Für mehr (einschließlich 14 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2022-10-21T09:56:39+02:00</published>
    <updated>2026-06-18T11:53:12+02:00</updated>
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      <name>Alexandra Avrutina</name>
    </author>
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    <title type="html"><![CDATA[Die Borstei: Ein Dorf in der Stadt]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Die denkmalgeschützte Wohnsiedlung „Borstei“ im Nordwesten Münchens zwischen Dachauer Straße und Landshuter Allee gelegen, bildet, nach außen hin durch die Randbebauung abgeschottet, eine Welt für sich, in der es sich sogar autark leben ließe. </em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/09a0429be22bd892dc1c021c25c7e048.jpg" alt="Luftbild der Borstei, 2018" /><br/><p>Allen Behauptungen zum Trotz handelt es sich bei der „Borstei“ weder um eine Genossenschaft noch um eine Arbeitersiedlung, sondern um Privateigentum. Die Bewohner:innen entstammten bereits zur Erbauungszeit vor allem der bürgerlichen Mittelschicht. </p><p>1922 wurde dem Bauunternehmer Bernhard Borst (1883–1963) der Lagerplatz in der Thalkirchner Straße gekündigt. Er kaufte daraufhin 1923 das Areal neben dem damaligen Gaswerk an der Dachauer Straße und plante neben dreigeschossigen Wohnhäusern, Büros und Werkstätten, ein Sägewerk und eine Kiesgrube, modifizierte jedoch den Bebauungsplan immer wieder, vor allem nachdem die Kündigung für seinen Lagerplatz zurückgenommen wurde. Auf einer Fläche von knapp 70.000 m² entstanden in den nächsten fünf Jahren 77 Häuser mit 772 Wohnungen. Borst, der nach einer Maurerlehre an der Baugewerkschule studiert hatte und ab 1911 als selbstständiger Architekt auftrat, musste allerdings 1927 aufgrund eines neuen Gesetzes einen Diplomarchitekten hinzuziehen. Oswald Bieber (1876–1955) sind die unterschiedlichen Gestaltungen der Fassaden und anderer Details wie verschieden gestaltete Treppenhäuser, Eingangs- und Wohnungstüren zu verdanken. </p><p>Die nach außen hin wirkende Geschlossenheit der Borstei wird durch die Randbebauung erzeugt, die nicht die Unregelmäßigkeit der Straßenzüge im Inneren erwarten lässt. Hinzu kommen die zahlreichen großzügigen Gärten und Höfe, die nicht nur unregelmäßig angelegt sind, sondern auch durch den Kelleraushub Niveauunterschiede aufweisen. Die Gestaltung der Gärten, 1929/30 von Alwin Seifert (1890–1972) begonnen, zog sich bis in die 1950er Jahre hin. Sie nehmen zusammen mit den Straßen einen Großteil der Gesamtfläche ein, denn die Bebauung umfasst lediglich knapp 20.000 m². </p><p>Die für damalige Verhältnisse luxuriös ausgestatteten Wohnungen mit Badezimmer und fließendem Wasser sowie Eichenparkett sind verhältnismäßig groß und werden über ein zentrales Heizkraftwerk mit Wärme versorgt, ein Novum im damaligen Deutschland. In der Nähe der Heizungsanlage befindet sich die Wäscherei, die früher obligatorisch benutzt werden musste. Von den Geschäften in der sogenannten Ladenstraße, eigentlich Franz-Marc-Straße, garantieren etliche eine Grundversorgung, außerdem gibt es ein kleines Lokal und ein Café sowie einen Kindergarten und mehrere Arztpraxen. </p><p>Nach Vollendung der Siedlung, bei der Borst bestrebt war, die Vorteile von Mietwohnungen mit ihren Dienstleistungen mit dem Luxus gestalteter Gartenanlagen zu verbinden, beschäftigte er sich mit der Verschönerung dieser Gartenanlagen, indem er Künstler beauftragte Skulpturen zu schaffen. Andere wie eine Kopie des <i>David</i> von Donatello oder des <i>Zentauren</i> aus der Villa Hadriana (heute in den Kapitolinischen Museen in Rom) kaufte er im Antiquitätenhandel oder er ließ Münchner Bildhauer nach seinen Entwürfen arbeiten wie beim <i>Neptunbrunnen</i> oder dem <i>Parisurteil</i>.</p><p>Die inzwischen hohen Bäume, das Grün der Hecken und Büsche, die Blumenpracht und die plätschernden Brunnen lassen die Borstei nicht nur an heißen Sommertagen zu einem Refugium werden, das mit den vielen Grünflächen heutigen Wunschvorstellungen von modernem Städtebau entspricht.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/45">Für mehr (einschließlich 16 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2022-09-26T09:21:29+02:00</published>
    <updated>2026-06-18T11:53:22+02:00</updated>
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    <author>
      <name>Susanna Partsch</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Die Postversuchssiedlung : Wie die Bayerische Post modernes Bauen in München förderte]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Die Postversuchssiedlung im Stadtteil Neuhausen gilt als ein frühes Beispiel der bayerischen Postbauschule. Ende der 1920er Jahre sollte sie die akute Wohnungsnot der Postangestellten lindern. Gleichzeitig wurden hier unterschiedliche Aspekte zum Wohnbau empirisch erprobt.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/9611a7ef575722788386bc781022fbc1.jpg" alt="Versuchssiedlung des Bayerischen Post- und Telegraphenverbandes, Detail Gartenhof, 2022 " /><br/><p>Die Postversuchssiedlung, auch Versuchssiedlung des Bayerischen Post- und Telegraphenverbandes genannt, wurde zwischen 1928 und 1929 an der Arnulfstraße in München erbaut. Federführend war die „Reichsforschungsgesellschaft für Wirtschaftlichkeit im Bau- und Wohnungswesen“ zusammen mit den Architekten der Oberpostdirektion München Robert Vorhoelzer (1844–1954) und Walther Schmidt (1899–1993).</p><p>Die Postversuchssiedlung ist Teil der Baumaßnahmen, welche zu Beginn des 20. Jahrhunderts und vermehrt nach dem Ersten Weltkrieg gegen die wachsende (vor allem die Arbeiter:innenklasse betreffende) Wohnungsnot ergriffen wurde. Die Siedlung umfasst etwas mehr als 300 Wohnungen. Dabei wurden lediglich zwei Größen eines einzelnen Wohnungstyps ausgeführt (ein Teil der Wohnungen hat die Größe von je 57 m² und der andere eine Größe von je 70 m²), was eine einheitliche Vergleichsbasis gewährleisten sollte.</p><p>Die Anlage besteht aus einem großen Innenhof mit Grünflächen und Kinderspielplätzen, um den sich offene Zeilen gruppieren. Die Hofecken sind offengelassen und die Zeilen im Erdgeschoss durch Ladenbauten und eine Gaststätte verbunden. Je zwei Zeilen umschließen an der Ost- und Westseite den Innenhof, an der Nord- und Südseite liegt jeweils nur eine Zeile. Obwohl diese Anordnung bessere Lichtverhältnisse schaffen sollte, ergab sich bei einem Drittel der Wohnungen genau das Gegenteil: da, wie bereits erwähnt, nur ein Wohnungstyp ausgeführt und dieser sowohl für die Gebäude mit Ost-West- als auch mit Nord-Süd-Ausrichtung übernommen wurde, liegen teilweise die Schlafräume ungünstig. Dies war einer Entscheidung der Stadt München geschuldet, welche beim öffentlich subventionierten Wohnungsbau im Gegensatz zu den anderen Postbauten die Regularien der kommunalen Bauverwaltung geltend machen konnte. Die ursprünglich vorgesehene Zeilenbauweise wurde aufgrund der Randbebauungslinien des Grundstücks verweigert. </p><p>Sowohl der Fokus auf gute Lichtverhältnisse als auch die Verwendung unterschiedlicher Dachformen, Bauweisen und Materialien sowie unterschiedlicher Heizsysteme (Zentralheizung, Etagenheizung, Einzelöfen) machen den experimentellen Charakter der Siedlung deutlich. </p><p>Die Oberpostdirektion bot jungen Münchner Architekt:innen eine Möglichkeit, ihre neuartigen Ideen, welche ansonsten oft keinen Anklang (bei den traditionellen Architekten) fanden, auszuprobieren und weiterzuentwickeln. Während der Großteil solcher Bauten wie Schulen, Friedhöfe, Kirchen, Bäder, Museen oder Verwaltungsgebäude in der Art der „Altmünchner“ Architektur errichtet wurde, entwickeln die Bauten der Reichspost, welche nicht den Münchner Baubehörden unterstand, eine moderne Architektursprache – die Formen sind einfach, klar und repetitiv.</p><p>Robert Vorhoelzer und die weiteren beteiligten Architekt:innen waren der Ansicht, dass eine derartige Architektursprache, gepaart mit gepflegten Grünanlagen (auch auf einem Teil der Dächer wurden Gärten angelegt), die Bewohner:innen zu einer gesitteten Lebensweise animieren würde. Beim Planen der Siedlung wurden von den Architekt:innen Aspekte wie Inneneinrichtung oder Farben der Innenräume bestimmt (lichte Kalkfarben im Schlafzimmer, Wohnküche, Gang und Nebenräume weiß). Vorhoelzer und Hanna Löv (1901–1995), welche die Einrichtung der für die Siedlung typischen „Münchner Küche“ entwarf, besuchten regelmäßig die Bewohner:innen, um eine ordnungsgemäße Benutzung der Wohnungen zu überprüfen oder diese interessierten Besucher:innengruppen zu präsentieren.</p><p>Beim Bau dieser und ähnlicher Versuchssiedlungen richteten sich die Architekt:innen nach interdisziplinär durchgeführten wissenschaftlichen Untersuchungen, welche Vorgaben für eine adäquate Bauweise der Wohnanlagen lieferten. Darunter fällt die bereits erwähnte „Münchner Küche“ – eine abgeänderte Version der „Frankfurter Küche“. Entworfen wurde diese Wohnküche unter anderem von Hanna Löv und Erna Meyer (1890–1975). Eine teilverglaste Wand trennt dabei den Wohnbereich vom Küchenbereich und erlaubt dadurch eine Sicht- und Hörverbindung zwischen diesen beiden Bereichen. So konnte die Frau in der Küche immer noch am Familienleben teilnehmen, die integrierte Sitzecke sollte überdies Komfort für Gäste bieten.</p><p>Die Postversuchssiedlung ist Teil der Baumaßnahmen, welche die Bayerische Post aufgrund einer akuten Not an Dienstgebäuden nach dem Ersten Weltkrieg anstieß. Der für die Siedlung zuständige Robert Vorhoelzer war darüber hinaus für etwa 350 Postbauten verantwortlich, in München etwa am Goetheplatz, in Giesing und am Harras. </p><p>Noch immer steht die Siedlung, welche im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört und später wiederaufgebaut wurde, unter der Trägerschaft der Baugenossenschaft des Post- und Telegrafenpersonals in München und Oberbayern.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/35">Für mehr (einschließlich 18 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2022-08-18T12:34:26+02:00</published>
    <updated>2026-06-18T11:53:32+02:00</updated>
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      <name>Alexandra Avrutina</name>
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