<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom">
  <title type="text">MunichArtToGo</title>
  <updated>2026-05-02T02:04:32+02:00</updated>
  <generator uri="http://framework.zend.com" version="1.12.20">Zend_Feed_Writer</generator>
  <link rel="alternate" type="text/html" href="https://municharttogo.zikg.eu/"/>
  <link rel="self" type="application/atom+xml" href="https://municharttogo.zikg.eu/items/browse?output=rss2"/>
  <id>https://municharttogo.zikg.eu/</id>
  <author>
    <name>MunichArtToGo</name>
    <uri>https://municharttogo.zikg.eu</uri>
  </author>
  <link rel="hub" href="http://pubsubhubbub.appspot.com/"/>
  <entry>
    <title type="html"><![CDATA[Die Zweibrückenstraße 10: Wohnhaus zweier Kämpfer für schwule Gleichberechtigung]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>In diesem Haus in der Zweibrückenstraße 10 wohnte um 1902 der Homosexuellenaktivist August Fleischmann. Seit 1981 wohnte in demselben Haus auch Gustl Angstmann, eine prominente Figur der Münchner Schwulenbewegung der 1970er- bis 1990er-Jahre. Dank dem Mut Einzelner wie Fleischmann und Angstmann erzielte die LGBTIQ+-Bewegung entscheidende Fortschritte, um in einer nicht immer freundlich gesinnten Gesellschaft akzeptiert zu werden. Die Isarvorstadt ist seit über 100 Jahren bevorzugtes Wohngebiet von Mitgliedern der LGBTIQ+-Gemeinschaft.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/d0de8fa0564aae588a30ebfef94d02d2.jpg" alt="Straßenansicht des Gebäudes in der Zweibrückenstraße 10, 2007" /><br/><p>Hinter der neobarocken Putzfassade dieses typischen Miets- und Geschäftshauses aus dem Jahr 1893 lebten zu unterschiedlichen Zeiten gleich zwei prägende Persönlichkeiten der Münchner Schwulenbewegung: August Fleischmann und Gustl Angstmann.
August Fleischmann (1859–1931) war ein früher Vorkämpfer für die Rechte der Homosexuellen, die er als „das dritte Geschlecht“ bezeichnete. Er stammte aus Baden und ließ sich 1888 in München nieder. Fleischmann wurde 1899 wegen des sexuellen Kontakts zu einem anderen Mann inhaftiert. Er verhielt sich nach seiner Entlassung – im Gegensatz zu vielen anderen Verurteilten – nicht still, sondern klärte in zahlreichen Schriften über die Gefahren der Erpressung auf Grundlage des § 175 (Kriminalisierung von Homosexualität zwischen Männern) auf. Im Juli 1902 erschien das erste Exemplar seiner Zeitschrift <em>Der Seelenforscher</em>, die er in seiner Wohnung in der Zweibrückenstraße 10 herstellte. Als dem Einzelkämpfer in den folgenden Jahren kein Erfolg vergönnt war, gab er sein bürgerrechtliches Engagement auf, verließ München und starb in der Nähe von Mannheim.
Gustl Angstmann (1947–1998) engagierte sich seit 1971 maßgeblich in der zweiten Münchner Schwulenbewegung. Der Therapeut und politisch aktive Schriftsteller kämpfte in der <em>Homosexuellen Alternative München</em> für die Entkriminalisierung schwuler Beziehungen, für eine tolerante Gesellschaft und für Respekt innerhalb der schwulen Szene. Mit dem autobiografischen Roman <em>Ein ganz normaler Mann</em> stieß er 1982 in die bayerische Literaturszene vor. Angstmann wohnte in den 1980er und 90er Jahren in demselben Haus wie 80 Jahre zuvor sein Vornamens-Vetter Fleischmann. Er starb an den Folgen von AIDS.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/313">Für mehr (einschließlich 6 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2026-02-19T15:51:47+01:00</published>
    <updated>2026-03-03T10:36:54+01:00</updated>
    <link rel="alternate" type="text/html" href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/313"/>
    <id>https://municharttogo.zikg.eu/items/show/313</id>
    <author>
      <name>Albert Knoll</name>
    </author>
  </entry>
  <entry>
    <title type="html"><![CDATA[Die Stimmrechtsdemo am 24. September 1912: Eine Kutschfahrt für das Frauenwahlrecht]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Seit 1902 existierte der „Deutsche Verein für Frauenstimmrecht“, in Hamburg gegründet von den Frauenrechtlerinnen Anita Augspurg (1857–1943) und Lida Gustava Heymann (1869–1943). Zehn Jahre später organisierten sie für den „Bayerischen Stimmrechtsverein“ einen Kongress in München. Die Veranstaltung begann mit einer Kutschfahrt durch die Straßen der Stadt. Vorbild waren die Kampagnen der englischen Suffragetten ab etwa 1900. Tausende Frauen setzten sich in England regelmäßig mit großen Demonstrationen und Streiks für ein Frauenwahlrecht ein. Augspurg und Heymann hatten 1908 in London selbst an einer Kundgebung teilgenommen. Solch eine Demonstration wollten sie ein Jahr später im Deutschen Reich organisieren, in Berlin erhielten sie dafür aber keine Genehmigung.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/3a58d319e37aa26eead217b7f658ddbe.jpg" alt="Die Teilnehmerinnen versammeln sich vor Antritt der Wagenfahrt beim Großwirt. " /><br/><p>Aber in München war es möglich. Am Morgen des 24. September 1912 trafen sich die Kongressteilnehmerinnen vor dem Großwirt in Schwabing.
„...  zwölf von Rappen oder Schimmeln gezogene, mit Laubgirlanden, Fahnen und Plakaten geschmückte Wagen fuhren durch die Hauptstraßen, den einen zur Freude, den anderen zum Ärger und Spott. Viele Frauen, die keine Versammlungen besuchten, und Münchner Männer, die ihre Politik am Biertische trieben, erfuhren an dem Tage zum ersten Mal, daß Frauen aus ganz Deutschland das Stimmrecht forderten.“ So erzählt Lida Gustava Heymann in ihren Erinnerungen.
Die Wagen waren in den Farben der Suffragetten (weiß, grün und violett) geschmückt. Die Route führte vom Feilitzschplatz zum Siegestor und durch den Englischen Garten zum Chinesischen Turm.
Das „Berliner Tageblatt“ berichtete zwei Tage später über die „... wirkungsvolle Demonstration für das Frauenstimmrecht. ... Die Münchener Bevölkerung, die in ihrer angenehm zurückhaltenden Art jeden tun und treiben läßt, was er will, erhob keinen Protest. Man begegnete vielen neugierigen Blicken, so manch alter ‚Bierphilister‘ erstarrte wie Lots Frau fast zur Salzsäule. Die meisten Männer lächelten teils spöttisch, teils belustigt, einige auch freundlich. Einige alte Herren, unter ihnen ein bayerischer Reichsrat, und eine Gruppe Studenten begrüßten den Zug mit höflicher Anerkennung. ... Dazwischen gab es auch einige spöttische Zurufe wie: ‚Das sind solche, die keinen Mann gekriegt haben!‘ In manchem Frauenantlitz sah man ein stilles Leuchten aufgehen, und als an einer Wegkreuzung gehalten werden mußte, trat eine Frau des Arbeiterstandes an unseren Wagen heran und sagte: ‚Wie schön ist es, daß die reichsten Damen jetzt auch für uns arbeiten wollen!‘, worauf ihr erwidert wurde, daß die Frauenstimmrechtlerinnen alles arbeitende Frauen seien, die eben für ihre weniger gut gestellten Schwestern eintreten wollten.“
Zum Abschluss gab es ein Frühstück im Chinesischen Turm mit bayerischen Genüssen, wie Radi, Weißwürste und Kraut. Der eigentliche Kongress fand anschließend in den Prinzensälen des <a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/304" target="_blank" rel="noopener">Café Luitpold</a> statt.
Es dauerte noch bis zur Revolution 1918/1919, bis ihre Forderungen umgesetzt wurden: In der Nacht des 8. November 1918 verkündete Kurt Eisner für Bayern das allgemeine aktive und passive Stimmrecht – erstmals galt es für alle Frauen und Männer.
Anita Augspurg, geboren in Verden/Aller, kam 1886 nach München und betrieb mit ihrer Freundin Sophia Goudstikker das äußerst erfolgreiche <a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/26" target="_blank" rel="noopener">Fotoatelier Elvira</a>. Nach der Gründung des „Vereins für Fraueninteressen“ 1899 studierte sie Jura in Zürich und wurde die erste promovierte Juristin Deutschlands. Sie setzte sich von da an mit ihrer Lebensgefährtin Lida Gustava Heymann für Frauenrechte ein. Ab 1915, nach dem 1. Internationalen Frauenfriedenskongress in Den Haag, galt ihr Engagement der Friedensbewegung. Beide Frauen mussten 1933 Deutschland verlassen und starben im Exil in Zürich. Dort liegt auch ihr Grab.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/307">Für mehr (einschließlich 4 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2026-02-18T15:53:43+01:00</published>
    <updated>2026-02-25T16:05:46+01:00</updated>
    <link rel="alternate" type="text/html" href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/307"/>
    <id>https://municharttogo.zikg.eu/items/show/307</id>
    <author>
      <name>Adelheid Schmidt-Thomé</name>
    </author>
  </entry>
  <entry>
    <title type="html"><![CDATA[Die Schraudolphstraße 1: Ein Haus für Katholikinnen]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Der Landesverband Bayern des Katholischen Frauenbunds Deutschland (KDFB) erwarb im April 1927 dieses Haus; bis dahin war es eine Pension mit 18 möblierten Zimmern. Nun diente es als Bundesheim, das KDFB-Mitglieder für Übernachtungen und als Treffpunkt nutzen konnten. Auch der Frauenbund hatte hier Büroräume.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/e8a42685fad1cb108345c37ac1a2855e.jpg" alt="Das Haus, 1927 " /><br/><p>Während des Nationalsozialismus waren nur kulturelle und religiöse Arbeiten erlaubt, soziale und politische Aktionen wurden verboten und leitende Mitglieder waren Repressalien ausgesetzt. Ein Bombenangriff in der Nacht vom 17. auf den 18. Dezember 1944 zerstörte das Haus weitgehend – mit ihm auch den größten Teil des Archivs. 1949 war ein Wiederaufbau abgeschlossen. Nach Um- und Ausbauten konnte 1951 das Ellen-Ammann-Haus als Heim und Verwaltungsgebäude eingeweiht werden. Eine Tafel im Treppenhaus erinnert daran, dass ein Scheck der US-Zivilverwaltung über 100.000 DM dabei sehr hilfreich war. Für die Frauenschule des KDFB wurde ein Rückgebäude gebaut und 1953 bezogen. Sie hatte hier bis 1964 ihren Sitz. Heute zählt der KDFB Bayern etwa 125.000 Mitglieder. Im Haus befinden sich die Büroräume, das Bildungswerk, die Landfrauenvereinigung sowie das Familienpflegewerk im KDFB. „Mutter Maria, die Patrona Bavariae, möge die besondere Patronin des Hauses werden und helfen, dass katholische Gedanken dort sichtbar und verwirklicht werden können, das ist unser Wunsch für die neue Heimat des Frauenbundes.“ (Ellen Ammann, zitiert in der Broschüre des KDFB „Mein Name ist Ellen Ammann ...“) Das unscheinbare Haus repräsentiert die katholische Frauenbewegung in Bayern – Ellen Ammann (1870–1932) ist ihre Leitfigur. Sie kam am 30. Juli 1870 als Ellen Sundström in Stockholm zur Welt. Sie besuchte dort eine katholische Klosterschule, machte Abitur und verbrachte anschließend ein Jahr als sogenannte Haustochter bei der Familie von Heremann in Nordrhein-Westfalen. In Stockholm begann sie danach, schwedische Heilgymnastik zu studieren. Um diese neue Therapieform kennenzulernen, war der Münchner Orthopäde Dr. Ottmar Ammann (1861–1939) in Schweden. Er verliebte sich sofort in die junge Frau. Im Oktober 1890 heirateten die beiden, Ammann nahm Ellen mit nach München, wo er in der Landwehrstraße 4 eine Praxis und Tagesklinik betrieb. Ellen Ammann sorgte für die Hauswirtschaft der Klinik und wurde Mutter von sechs Kindern. Doch das genügte ihr nicht, sie widmete sich, nachdem sie sich an das fremde Leben in Bayern mit seiner patriarchalen Struktur gewöhnt hatte, der sozial-politischen Arbeit. 1894 war sie aktiv im Marianischen Mädchenschutzbund (heute IN VIA) und begründete drei Jahre später die katholische Bahnhofsmission am Hauptbahnhof. Dafür wurde sie kritisiert, als junge Mutter und Ausländerin sollte sie das Haus hüten, fanden die etablierten Damen. Lebens- und Arbeitsmittelpunkt war seit 1894 ein großes Haus in der Theresienstraße 25. Hier gründete Ellen Ammann den KDFB München und Bayern und sorgte 1905 für die Anfänge einer „social-caritativen Frauenschule“ (heute Katholische Stiftungshochschule in Haidhausen). Es war ihr ein wichtiges Anliegen, jungen katholischen Frauen religiösen Halt zu bieten und für die soziale Arbeit eine professionelle Ausbildung zu ermöglichen. <i>„Caritas Christi urget nos – die Liebe Christi drängt uns.“ </i> <i>Leitsatz von Ellen Ammann und Motto der Frauenschule</i> 1919 wurde Ellen Ammann als eine der ersten weiblichen Abgeordneten für die Bayerische Volkspartei in den Landtag gewählt und gehörte ihm bis zu ihrem Tod am 23. November 1932 an. 1920 initiierte sie die katholische Polizeiseelsorge in München. Ihre politische Haltung war patriotisch und konservativ, dennoch gegenüber den Nationalsozialisten kritisch genug, um 1923 mit mehreren Frauen die Ausweisung Hitlers als kriminellem Ausländer zu fordern. Im November erfuhr sie zufällig vom Putschversuch im Bürgerbräukeller und holte alle unbeteiligten Politiker in ihre Frauenschule. Hier konnte die Niederschlagung organisiert werden, da niemand an diesem Ort Regierungsvertreter vermutete. Der stellvertretende Ministerpräsident Franz Matt konstatierte später: „Ellen Ammann hat damals mehr Mut bewiesen als manche Herren in Männerhosen.“ (zitiert nach Neboisa 1992, S. 478) Nach einer großen Rede über die Situation der Familien im Landtag verstarb sie am 23. November 1932.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/306">Für mehr (einschließlich 6 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2026-02-18T12:19:23+01:00</published>
    <updated>2026-04-24T15:05:56+02:00</updated>
    <link rel="alternate" type="text/html" href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/306"/>
    <id>https://municharttogo.zikg.eu/items/show/306</id>
    <author>
      <name>Adelheid Schmidt-Thomé</name>
    </author>
  </entry>
  <entry>
    <title type="html"><![CDATA[Das Café Luitpold: Treffpunkt für kaffeeliebende Suffragetten]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Das Café Luitpold in der Briennerstraße 11 spielte in der von lesbischen Frauen maßgeblich mitgestalteten ersten Münchner Frauenbewegung eine wichtige Rolle. Es diente als Treffpunkt und Tagungsort. Ganz vorn mit dabei: Anita Augspurg (1857–1943) und ihre damalige Lebensgefährtin Sophie Goudsticker (1865–1924).</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/44ee3edef7fdb9cc5ff673f6adc99e75.jpg" alt="Wichtige Feministinnen des späten 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, 1894" /><br/><p>In der Entwicklung der Münchner Frauen- und im späteren 20. Jahrhundert explizit auch Lesbenbewegung spielte anfangs das Café Luitpold, ein mondänes, klassisches Kaffeehaus im Wiener Stil in Bestlage an der innerstädtischen Brienner Straße unweit von Odeons- und Wittelsbacherplatz eine wichtige Rolle. So traf sich dort die 1894 von dem damaligen lesbischen Paar Anita Augspurg und Sophie Goudsticker gegründete „Gesellschaft zur Förderung der geistigen Interessen der Frau“. 1899 wurde die Gesellschaft in „Verein für Fraueninteressen“ umbenannt. Das geschah wegen einer Änderung im bayerischen Recht, die es Frauen erlaubte, endlich an Veranstaltungen teilzunehmen und Vereine zu gründen, die Bildungs- und Pflegeaufgaben wahrnehmen. Davor war ihnen praktisch jedwede politik-ähnliche Betätigung oder Interessenvertretung verboten. Fortan traf man sich, um mehr Öffentlichkeitswirkung zu erzielen, bevorzugt im Café Luitpold und anderen mondänen Örtlichkeiten. Noch im Jahr 1899 organisierte der „Verein für Fraueninteressen“, unterstützt von sieben Frauenvereinen, den 1. Bayerischen Frauentag. Die Eröffnung spielte sich im Café Luitpold ab. Viele weitere Programmpunkte fanden im Alten Rathaus statt. Die Veranstaltung sollte die bis dahin wenig vernetzten lokalen Fraueninitiativen Bayerns miteinander ins Gespräch bringen und so letztlich eine breitere Basis für die eigenen Anliegen schaffen. Der Kongress fand vom 18. bis 21. Oktober 1899 statt. Als Vorsitzende fungierte die lesbische Ika Freudenberg (1858–1912). Es kamen 50 Vertreterinnen von Frauengruppen aus ganz Bayern nach München. Sie beschäftigten sich mit vielfältigen Themen rund um die Rolle der Frau und ihre Emanzipation in Bayern.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/304">Für mehr (einschließlich 7 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2026-02-12T20:34:58+01:00</published>
    <updated>2026-04-22T09:47:51+02:00</updated>
    <link rel="alternate" type="text/html" href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/304"/>
    <id>https://municharttogo.zikg.eu/items/show/304</id>
    <author>
      <name>Ariane Rüdiger</name>
    </author>
  </entry>
  <entry>
    <title type="html"><![CDATA[Paul Hoeckers Wohnung in der Gabelsbergerstraße: Letzter Wohnort des Malers in München ]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em><span>Im Gartenhaus des Anwesens Gabelsbergerstraße 45 befand sich der letzte Wohnort des Malers Paul Hoecker. Er war Hochschullehrer an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste und Gründungsmitglied der Münchner Secession bevor er 1898 infolge von Gerüchten über eines seiner Modelle, das als Sexarbeiter tätig war, München verlassen musste. Seit mehreren Jahren wird am Forum Queeres Archiv München an der Erforschung und Sichtbarmachung von Hoeckers Leben und Werk gearbeitet. Dies gibt Anlass, um über die Geschichte struktureller Repression sowie die Resilienzfähigkeit im Spannungsfeld zwischen Geheimhaltung und Stolz nachzudenken, in dem sich Menschen bewegten, die heute als queer gelesen werden.</span></em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/ece138991bbaefb607a6747f4c468610.jpg" alt="Paul Hoecker bei der Arbeit im Atelier, um 1900" /><br/><p><span>Paul Hoecker (1854–1910) war eine prägende Figur der Münchner Kunstszene um 1900. Dennoch wurde sein Wirken von der Forschung lange Zeit marginal behandelt. Als Maler, Professor und Mitbegründer der Münchner Secession war er aktiv an der Neuausrichtung des Ausstellungsbetriebs beteiligt, die darauf zielte moderne Strömungen nach München zu holen, um den konservativen Historismus und akademische Normen zu überwinden. Seine Malklasse erlangte rasch einen hervorragenden Ruf: Mit seinem liberalen Lehrstil – er verlagerte den Unterricht von den Ateliers in die freie Natur zur Pleinairmalerei – prägte er eine neue, kreative Künstlergeneration. Fast alle Gründungsmitglieder der Künstlervereinigung <em>Die Scholle</em> sowie einige frühe Illustratoren der Zeitschriften <em>Die Jugend</em> und <em>Simplicissimus</em> gingen aus seiner Klasse hervor. Hoeckers eigenes Œuvre umfasst eine Vielzahl an Themen: von Marinedarstellungen über holländische Genrebilder und Nonnenporträts bis hin zu humorvollen Pierrots.</span>
<span>In einem Brief an den Arzt und Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld gestand Hoecker, dessen Einsatz für die Abschaffung des §175 (Kriminalisierung von Homosexualität zwischen Männern) zu unterstützen. Er traute sich jedoch nicht, dies öffentlich zu bekunden, aus Angst, sich selbst zu enttarnen. 1898 kursierten Gerüchte über sein Gemälde <em>Ave Maria</em>: Angeblich sollte ihm ein männlicher Sexarbeiter für die Madonnenfigur Modell gestanden haben. Bevor daraus ein öffentlicher Skandal werden konnte, trat Hoecker von seiner Professur zurück. In den folgenden Jahren lebte er in Italien, auf Capri und in Rom, bevor er sich ab 1901 in das Haus seiner Eltern im schlesischen Oberlangenau (heute Długopole Górne) zurückzog. Seine Kunst und sein Wirken gerieten weitestgehend in Vergessenheit; viele seiner Gemälde gelten heute als verschollen. Durch die Arbeit einer Forschungsgruppe am Forum Queeres Archiv München kehrt Hoecker jedoch langsam ins Kunst- und Geschichtsbewusstsein zurück. So konnte 2025 das Gemälde “Sage und Volkslied” (vor 1907) an das Lenbachhaus München vermittelt werden. </span></p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/303">Für mehr (einschließlich 4 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2026-02-12T15:33:57+01:00</published>
    <updated>2026-02-24T10:53:10+01:00</updated>
    <link rel="alternate" type="text/html" href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/303"/>
    <id>https://municharttogo.zikg.eu/items/show/303</id>
    <author>
      <name>Forschungsgruppe Paul Hoecker</name>
    </author>
  </entry>
  <entry>
    <title type="html"><![CDATA[Das Institut für Kunstgeschichte der Ludwig-Maximilians-Universität München. : Kunsthistorische Lehre gestern und heute]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Das Institut für Kunstgeschichte, das seinen Sitz seit nun bald zwanzig Jahren in der Zentnerstraße 31 hat, zählt, betrachtet man Studierenzahlen sowie Lehr- und Forschungskapazitäten, zweifelsfrei zu den ‚größten‘ Instituten im deutschsprachigen Raum. Mehreren hundert Studierenden und Dutzenden von Promovierenden stehen zwei Lehrstühle, fünf Professuren, zahlreiche Mittelbaustellen sowie mehrere internationale Forschungsprojekte gegenüber.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/b0e9c5f18f023adb944e77a4bfb9447c.jpg" alt="Das Institut für Kunstgeschichte an seinem heutigen Standort in der Zentnerstraße 31, 2026" /><br/><p>Das Institut blickt auf eine lange Geschichte zurück, deren institutionellen Anfang man gemeinhin mit der Begründung eines Lehrstuhles für Kunstgeschichte im Jahr 1909 durch Berthold Riehl beginnen lässt. Das damals neu entstandene „Kunsthistorische Seminar und Kupferstichsammlung“ wurde im Bestelmeyer-Anbau des Universitätshauptgebäudes untergebracht und umfasste einen Hörsaal, einen Seminarraum und ein Vorstandszimmer. Die institutseigene Graphiksammlung ging dabei auf bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts für den kunsthistorischen Unterricht erworbene Bestände zurück. Auf Riehl folgten die Lehrstuhlinhaber Heinrich Wölfflin, Max Hauttmann, Wilhelm Pinder, Hans Jantzen, Hans Sedlmayr, Norbert Lieb, Wolfgang Braunfels, Hermann Bauer, Hans Belting, Frank Büttner und Hubertus Kohle. Unter Wölfflin wurde die Dia-Doppelprojektion eingeführt, Pinder holte man 1935 „als ersten Kunsthistoriker im Reich“ mittels eines so genannten „Ringtausches“ nach Berlin, während Jantzen nach München beordert wurde. Sedlmayrs Berufung 1951 löste aufgrund seiner NS-Vergangenheit Proteste aus. In den 1960er Jahren bezog das Institut Räume im Amalientrakt, bevor es in eine Villa in der Georgenstraße 11 umzog, die jedoch zugunsten der aktuellen, größeren Räumlichkeiten wieder verlassen wurde.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/299">Für mehr (einschließlich 4 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2026-02-10T09:58:09+01:00</published>
    <updated>2026-04-30T11:46:03+02:00</updated>
    <link rel="alternate" type="text/html" href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/299"/>
    <id>https://municharttogo.zikg.eu/items/show/299</id>
    <author>
      <name>Daniela Stöppel</name>
    </author>
  </entry>
  <entry>
    <title type="html"><![CDATA[Das Grab von Karl Josef Zwerschina: Historist und Histotainer, Restaurateur und Restaurator]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em><p style="text-align: left;">Ein unscheinbares, seltsames Grabmal steht nahe der Stephanskirche an der West­mauer des Südlichen Friedhofs. Von einem Giebeldach wird eine leere Nische bedeckt, das Tympanon (Giebelfeld) ziert ein Tondo mit Agnus dei und Kreuzfahne im Halbrelief. In der Basis ist eine Platte aus rotem Marmor mit fünfzehn Zeilen Frakturschrift angebracht:</p></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/e32494664b9473f0f9179e60f4d3e1cb.jpg" alt="Grabmal Zwerschina, 2025" /><br/><p>Hier ruhen im [e]wigen Frieden</p><p>mein guter Vater H[e]rr Jos.</p><p>Zwerschina alias Zwier‘zina</p><p>Rentner allhier geb. 1802 ✠ 1865,</p><p>meine edle Mutter Frau Ther[es]e Zwerschina</p><p>geborne Bubenhoven die Letzt[e I]hres uralten</p><p>Stammes und Namens geb. 1815 ✠ 1890.</p><p>meine heißgeliebte unvergeßliche Gattin</p><p>Frau Ursula Zwerschina geb. 1851 ✠ 1901.</p><p>Solche Liebe kann nur schwinden</p><p>Wenn dereinst mein Auge bricht</p><p>Was hienieden ich mag finden</p><p>Solche Treue find ich nicht!</p><p>Herr Karl Jos. Zwerschina geb. 1[85]0</p><p>✠ 1[928]</p><p>Wer war „Karl Josef Zwerschina in Bubenhofen“?
Am 30. November 1850 wird er als Karl Joseph Bubenhofer in München unehelich geboren. Der Vater Joseph Zwerschina sollte seinen Sohn erst sechs Jahre später legitimieren und die Mutter ehelichen. Er hinterließ seinem Sohn ein nicht unbeträchtliches Vermögen.
Karl Joseph studiert einige Semester Chemie und führt ein sorgloses Leben als Privatier. Der Beitritt zum Historischen Verein von Oberbayern sollte sein Leben in andere Bahnen lenken. Der Verein setzte sich das „Erforschen und Bewahren des historischen Stoffes“ (Webseite Historischer Verein Oberbayern) zum Ziel. In diesem Sinne erwirbt der 24-jährige Zwerschina 1874 die Burg Abenberg im Landkreis Roth um 4.000 Gulden. Für sein erklärtes Ziel, die Sandsteinruine zu bewohnen, leitet er umfängliche Sanierungsmaßnahmen ein und nimmt historisierende Umbauten vor. Der Gesamtaufwand der Baumaßnahmen beträgt 80.000 Gulden. Schließlich muss er auf Drängen seiner frisch angetrauten Frau, der Münchner Gastwirtin Ursula Zwerschina, 1877 die Burg wieder verkaufen. Die väterliche Erbschaft war ausgelaufen, so änderte sich sein Status von Privatier zu Restaurateur, Zwerschina muss in den weiteren Jahren als Pächter beziehungsweise Geschäftsführer mehrerer Münchner Gastronomie-Betriebe (unter anderem dem Rathskeller) sein Geld verdienen.
Doch Zwerschinas Hang zur Alltagsflucht sollte ihn nicht mehr loslassen. 1887 schließt er mit dem Münchner Geschichtsprofessor Dr. Nepomuk Sepp (1816-1909) einen Vertrag: „Herr Karl Jos. Zwerschina verpflichtet sich zu dem am 26. Juli [müsste Juni heißen] in Tölz stattfindenden Feste fünfzig Landsknechtscostüme nebst passender Adjustierung ... leiweise zu beschaffen, auch die Aufstellung der Gruppe dort zu leiten ... Herr Professor Dr. Sepp sich gleichfalls verpflichtet die Summa von fünfhundert Mark baar an Herrn Zwerschina zu bezahlen“ (zitiert nach Hanko). Mit diesem stattlichen Honorar stellt Zwerschina eine fünfzigköpfige Histotainment-Truppe auf, deren Ausrüstung er aus dem Bayerischen Nationalmuseum, dem Fundus des Kostümateliers Hermann und seiner ehemals für Abenberg aufgebauten Sammlung zusammenwürfelt. Das Kriegerfest und die Einweihungsfeier des Kaspar-Winzerer-Denkmals wird zu einem weitgeachteten Erfolg. Viele der Teilnehmer schließen sich nach dem gelungenen Tölzer Auftritt zum “Wintzerer Fähndlein“ zusammen, einer „echt germanischen“ Kostümgesellschaft, mit dem Zweck auch weiterhin bei „patriotischen Umzügen“ (Münchner Tagblatt 3.10.1898) mitzuwirken. So spielt das „Wintzerer Fähndlein“ beim VII. Deutschen Turnfest in München 1889 den Zug Herzog Wilhelms IV. zum Turnier im Jahr 1518 nach. Zwerschina, mit dem blumigen Alias „Pfennigmaister Carol Josephus der Abenberger ain Junkher aws behaimbischem Landt“ (zitiert nach Hanko) ist die treibende Kraft dieses Event-Marketings. Der Junker aus böhmischen Land bezieht sich auf seinen vor 1800 aus Znaim in Mähren zugewanderten Großvater Alois Zwerschina.
Ebenfalls waren die ersten Oktoberfestzüge des „Wintzerer Fähndlein“ private Produktionen von Zwerschina: 1895 arrangierte er einen Jagdzug aus dem 16. Jahrhundert mit 200 Teilnehmern und 26 Pferden. Das Spektakel „Brautzug Herzog Wilhelms IV.“ im Jahr darauf konnte er beim Magistrat der Stadt München für 3.000 Mark vermarkten. In der Landwehrstraße wurde von ihm dazu ein Art Department zur Lagerung, Pflege und Erweiterung des Fundus eingerichtet.
Zwerschina verfügte neben seinen naturwissenschaftlichen Kenntnissen auch über handwerkliches Geschick. Schon in seiner Schulzeit am Theresien-Gymnasium fiel er als guter Zeichner und Kalligraph auf. Er verwandelt sich 1887 vom Restaurateur zum Restaurator und rühmt sich, in seinem Atelier „Restaurirungs-Arbeiten aller in das Gebiet des älteren Kunstgewerbes einschlägigen Gegenstände und Kunstwerke, gleichviel welcher Art“ durchzuführen (Text von Geschäftskarte (Visitenkarte) Stadtarchiv München).
Den Münchner Historienmalern war er ein geschätzter Ausstatter. Als Chemiker war er ein Meister der Patina. Eine Pressenotiz zu seinem 75. Geburtstag erwähnt, dass er als Restaurator für die Erhaltung altägyptischer Textilien und Gräberfunde betraut wurde und für zahlreiche kunsthistorische Sammlungen, unter anderem dem Bayerischen Armee- und Nationalmuseum, tätig war. Nach dem Ersten Weltkrieg firmiert Zwerschina als „Werkstätte für Wiederherstellung von Kunstwerken und Altertümern“ in der Schwanthaler Str. 72/II GG. Als Kenner des Metiers sagte er einmal unverhohlen: „Wenn die Leute wüssten, was in den Museen noch original ist ...“ (Heimatliche Streifzüge 40).
1928 brach das Auge des vielseitigen Unternehmers und Selbstdarstellers. In seiner Sterbeurkunde steht als Beruf lapidar „Gastwirt“.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/296">Für mehr (einschließlich 9 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2026-01-27T09:55:48+01:00</published>
    <updated>2026-02-18T15:41:21+01:00</updated>
    <link rel="alternate" type="text/html" href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/296"/>
    <id>https://municharttogo.zikg.eu/items/show/296</id>
    <author>
      <name>Arno Scherling</name>
    </author>
  </entry>
  <entry>
    <title type="html"><![CDATA[Das Tröpferlbad: Sozialgeschichte und Subkultur]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Als städtisches Brausen- und Wannenbad, wie es über dem ehemaligen Eingang noch heute steht, bot das sogenannte „Tröpferlbad“ der Münchner Bevölkerung, die kein eigenes Badezimmer besaß, die Möglichkeit, sich zu duschen oder zu baden.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/35bde810bf1e6285fd6459efb839aa01.jpg" alt="Das Tröpferlbad an der Thalkirchner Straße, 2025" /><br/><p>Der neoklassizistische Klinkerbau an der Thalkirchner Straße wurde zwischen 1912 und 1913 von den Architekten Adolf Schwiening und Richard Schachner in der zweiten Bauphase des Vieh- und Schlachthofgeländes errichtet. Im Tiefparterre und im Zwischengeschoß befanden sich die Badeeinrichtungen. Die Brausebäder waren zur Thalkirchner Straße ausgerichtet, ihnen gegenüber befanden sich die Wannenbäder. Besonders Menschen aus der Arbeiterschicht lebten im 19. Jahrhundert häufig in Wohnungen ohne eigene Bade- oder Duschmöglichkeiten. Um die körperliche Hygiene zu verbessern und der Ausbreitung von Krankheiten entgegenzuwirken, wurden öffentliche Duschanlagen eingerichtet. Das erste „Probe-Douchebad“ wurde 1887 in der Mondscheingasse in Wien eröffnet. Die Nutzung der Brausebäder war einfach organisiert: Gegen ein geringes Entgelt erhielt man für einen begrenzten Zeitraum Zugang zu nach Geschlecht getrennten Bade- und Duschbereichen, oft inklusive Handtuch und Umkleidefach. Die Ausstattung war funktional, das Wasser in der Regel lauwarm, und der Wasserdruck reichte nicht immer aus, um einen kräftigen Wasserstrahl zu erzeugen – so tröpfelte es oft nur aus der Brause. Mit dem steigenden Wohnkomfort – insbesondere dem zunehmenden Einbau von Badezimmern in Privatwohnungen – nahm der Bedarf an öffentlichen Brausebädern ab. Ab den 1950er Jahren begann der langsame Rückgang dieser Einrichtungen; viele, wie das Tröpferlbad in der Thalkirchner Straße, wurden geschlossen, umgebaut oder ganz aufgegeben. Heute existieren nur noch wenige traditionelle Brausebäder. So ist das Brausen- und Wannenbad im <a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/167" target="_blank" rel="noopener">Müller’schen Volksbad</a> heute noch in Betrieb. Die ursprüngliche Bedeutung der „Tröpferlbäder“ als wichtige Einrichtungen der städtischen Gesundheitsinfrastruktur ist jedoch weitgehend Geschichte. Das Gebäude an der Thalkirchner Straße beherbergt seit 1983 den „Jugendtreff Tröpferlbad“ und das „Kafe Marat“ und fungiert damit als Treffpunkt für Jugendliche und junge Erwachsene sowie als Zentrum linker Subkultur in München. Wegen erheblicher Baumängel besteht Sanierungsbedarf am Gebäude; die beiden Einrichtungen suchen nach neuen Standorten. Im Sanierungskonzept ist vorgesehen, mindestens einen der originalen Waschräume im Sinne des Denkmalschutzes zu erhalten, um die frühere Nutzung des Hauses zu dokumentieren.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/295">Für mehr (einschließlich 8 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2026-01-20T10:53:51+01:00</published>
    <updated>2026-04-22T09:53:33+02:00</updated>
    <link rel="alternate" type="text/html" href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/295"/>
    <id>https://municharttogo.zikg.eu/items/show/295</id>
    <author>
      <name>Eva Blüml</name>
    </author>
  </entry>
  <entry>
    <title type="html"><![CDATA[Die psychiatrische Klinik in Haar: Warum Geheimrat Dr. Friedrich Vocke mit seiner Familie nach Eglfing-Haar zog]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Im Zuge der Industrialisierung erlebte München einen enormen Bevölkerungszuwachs. Da es an Wohnraum mangelte, mussten viele Arbeiter an ihren Arbeitsplätzen in den Fabriken schlafen oder sich in sogenannten Herbergshäuschen stundenweise einen Schlafplatz mieten. Durch die beschwerlichen Lebensverhältnisse nahmen psychische Erkrankungen zu und die Kreisirrenanstalt war mit ihren 420 Plätzen bald dauerhaft überfüllt. Man beschloss daher den Neubau einer Anstalt mit 1.000 Dauerpflegeplätzen und fand ein Grundstück im Bereich des Eisenbahnvorortverkehrs – in Eglfing-Haar.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/b901659da28bba88c3d5e71b6a5ba3c5.jpg" alt="Michael Zeno Diemer (1867–1939), „Blick auf das Verwaltungsgebäude der Heil- und Pflegeanstalt Eglfing und St. Raphael von Westen“, Aquarell, 1905." /><br/><p>Geheimrat Dr. med. Friedrich Vocke (1865–1927) war Direktor an zwei wichtigen psychiatrischen Kliniken für den Großraum München: Ab 1901 in der bereits 1859 eröffneten Kreisirrenanstalt, Auerfeldstraße 19 in Au-Haidhausen und danach in der neuen Heil- und Pflegeanstalt Eglfing bei München, die er aufgrund seiner Erfahrungen und nach Erkenntnissen der neuen medizinischen Fachrichtung „Psychiatrie“ geplant hatte und die 1905 eröffnet wurde. Dr. Vocke war überzeugt, dass der Kontakt zur Natur und viel Ruhe den Kranken helfen würden und verteilte zusammen mit dem Architekten Adolf Stauffer (Rosenheim) die benötigten Gebäude in Pavillonbauweise wie in einem Dorf. Jedes Haus wurde anders gestaltet. So entstanden 60 Gebäude mit 46 Krankenstationen, allgemeinen Abteilungen und zahlreichen Dienstwohnungen. Ein Besucher schrieb nach seinem Besuch auf der Baustelle: „Ein Uneingeweihter käme beim Anblick der ganzen Anlage nicht auf den Gedanken, dass hier eine Anstalt für unglückliche Geisteskranke entsteht, sondern er würde glauben, dass hier eine neue Villensiedlung gebaut wird.“ (Richarz 1987, S. 32) Wichtig war Dr. Vocke, dass die PatientInnen feste Aufgaben hatten und nach ihren Möglichkeiten mitarbeiteten. Neben der Klinik war bereits 1903 das Bezirksgut Haar entstanden, auf dem sie im Gemüsegarten, auf den Feldern oder in den Viehställen mitarbeiten konnten. Weitere Arbeitsstätten waren die Schneiderei, Korbflechterei, Schusterei, Buchbinderei, Schlosserei, Gärtnerei, Metzgerei, Bäckerei und die Koch- und Waschküche. Jährlich wurden ca. 600.000 Flaschen Limonade für den Eigenbedarf hergestellt und Patienten drehten etwa 100.000 Zigarren. Auch für die Freizeit wurde gesorgt: Im „Gesellschaftshaus“ entstand ein zentraler Treffpunkt mit großer Bühne für Feste und Aufführungen. Allerdings durfte man das Anstaltsgelände ohne Erlaubnis weder verlassen noch betreten. Bei der Eröffnung der Anstalt am 12. Juli 1905 lobte Prinzregent Luitpold, Dr. Vocke sei ein sehr tüchtiger Irrenarzt und habe sich besondere Verdienste um den mustergültigen Ausbau der Anstalt nach neuesten wissenschaftlichen Gesichtspunkten erworben. Auch in der Presse wurde die neue Anstalt gelobt: „Unstreitig ist Eglfing gegenwärtig die mustergültigste Landesirrenanstalt der Welt.“ (zit. Nach Psychiatrisch-Neurologische Wochenschrift Nr. 8 von 1906, Seite 114) Bereits 1909 war die „Heil- und Pflegeanstalt Eglfing“ mit 1.350 Betten voll belegt und nicht mehr erweiterungsfähig, sodass 1912 auf dem unmittelbar angrenzenden Gelände die „Heil- und Pflegeanstalt Haar“ mit etwa 900 Betten, darunter auch ein Kinderkrankenhaus, eröffnet wurde. Auch hier brachte sich Dr. Vocke ein und plante die neue Anstalt gemeinsam mit dem Architekten Richard Neithard (Hof). Da die Baupreise gestiegen waren, entstanden in Haar größere zusammenhängende Gebäude als zuvor in Eglfing. Neithard entwarf für die „Anstalt aus einem Guß“ viele Details – vom Türgriff über die Beleuchtungskörper bis hin zu den Heizungsgittern. Beide Anstalten waren zunächst selbständig und wurden erst 1931 zur „Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar“ mit 3.000 Plätzen zusammengelegt. Insgesamt entstanden so 96 – heute denkmalgeschützte – Gebäude im späten Jugendstil. Als Würdigung der Verdienste von Friedrich Vocke wurde eine Straße nach ihm benannt. So haben einige Haarer Bürger „Vocke“ in ihrer Wohnadresse stehen, denn die Hauptverkehrsstraße von Nord nach Süd, eine Bundesstraße, trennt als „Vockestraße“ die ehemaligen Anstalten Eglfing ("Haar I") und Haar ("Haar II") in Ost-West Richtung. Auf dem Gelände können neben der evangelischen Kirche zwei Mahnmale besucht werden, die der Opfer der NS-Zeit gedenken. Im Rahmen der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Aktionen wurden zwischen 1939 und 1945 etwa 300.000 Menschen mit psychischen Erkrankungen und Behinderungen ermordet. Ein zentraler Ort der Selektion und teilweise auch der Tötung war die Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar. Annähernd 4.000 Menschen wurden hier ermordet oder in eine Tötungsanstalt deportiert.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/280">Für mehr (einschließlich 10 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-10-22T16:06:28+02:00</published>
    <updated>2026-04-30T11:46:55+02:00</updated>
    <link rel="alternate" type="text/html" href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/280"/>
    <id>https://municharttogo.zikg.eu/items/show/280</id>
    <author>
      <name>Ulrike Kirchner</name>
    </author>
  </entry>
  <entry>
    <title type="html"><![CDATA[Das „Schachterleis“: Eislaufspaß im Lehel]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Als der Architekt und Maschinenbauer Felix Unsöld 1891 nach München kam, brachte er die Idee vom ganzjährig kühlen Bier – und bald auch vom Eislaufen im Winter – mit. In seiner Kunsteisfabrik an der Galeriestraße entstand 1892 Deutschlands erste künstliche Eisbahn. Wo einst Musik vom Grammophon erklang und Kufen über das „Schachterleis“ glitten, steht heute ein Hotel, das die Geschichte des Ortes lebendig hält.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/e2443dc690361d0960d040c75e312d86.jpg" alt="Unsölds künstliche Eisbahn in der Galeriestraße 24 in München, 1911 " /><br/><p>Johann Felix Unsöld (1852–1931) stammte aus einer Kemptener Brauereifamilie. 1891 zog er mit der Geschäftsidee, Stangeneis und Eisblöcke zur Kühlung von Bier herzustellen und so auch im Sommer kühles Bier trinken zu können, nach München. Ein passendes Grundstück für sein Vorhaben fand er bald darauf in der damaligen Galeriestraße 24, das auch die Wasserrechte für den angrenzenden Stadtmühlbach umfasste.
Um die Produktion seiner Fabrik auch im Winter auszulasten, richtete Unsöld 1892 im Hinterhof seiner Kunsteisfabrik die erste künstliche Eisbahn in Deutschland ein. Der verschachtelte Glasbau zwischen den Häusern – überdacht und ungefähr 40 Meter lang und 15 Meter breit – verdankt seinen Namen „Schachterleis“ der Bauweise der nachträglich angelegten Eisbahn.
Dort wurden Schlittschuhe verliehen und auch Eislaufkurse angeboten. Für musikalische Begleitung gab es ein Grammophon, an Donnerstagen, Sonntagen und Feiertagen nachmittags sogar ein Orchester, das live spielte.
Vom 25. Bis 27. Januar 1913 fand auf Unsöld’s Eisbahn die vierte Europameisterschaft im Eishockey statt, an der vier Teams aus Österreich, Böhmen, Deutschland und Belgien teilnahmen. Der Vizepräsident des Österreichischen Eishockey-Verbands schrieb dazu im Illustrierten (Österreichischen) Sportblatt vom 1. Februar 1913: „Münchens Kunsteisbahn kann wohl einer geringen Menge von [Schlachten]bummlern genügen, aber zur Austragung sportlicher Wettkämpfe oder Konkurrenzen ist sie nicht geeignet.“
Das Dach der Eisbahn wurde im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört. Dennoch blieb sie als Freiluftanlage bis 1949 bestehen. Aber die Eisbahn bekam Konkurrenz: Nachdem 1933 das Prinzregentenstadion aufgemacht hatte, gingen die Münchner lieber dorthin. 1960 wurde Unsöld’s Eisbahn geschlossen.
Die technische Entwicklung in dieser Zeit machte auch den Handel mit Stangeneis überflüssig – elektrische Kühlschränke übernahmen die Kühlung im Alltag. Gleichzeitig verschwanden immer mehr Münchner Wasserläufe unter Beton und Asphalt, um dem in den Nachkriegsjahren stetig wachsenden Verkehr Raum zu geben. So sah sich Unsöld gezwungen, seine Wasserrechte an die Stadt abzutreten und den Betrieb seiner Eisfabrik 1961 endgültig einzustellen. 
Seit 1970 steht an dieser Stelle ein Hotel, Unsölds Nachfahren hatten so im Vorfeld der Olympischen Spiele von 1972 ein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell geschaffen, das sich über die folgenden 50 Jahre bewähren sollte.
Unsölds Urenkelinnen, Sonja Unsöld und Susanna Lechner, haben das „Unsöld’s Factory Hotel“ zwischen 2019 und 2020 saniert und umgestaltet. Inspiriert von der Geschichte des Ortes orientiert sich die Innenarchitektur des Hotels mit Farben und Formen an der Vergangenheit.
So ist nun in der Bar ein historisches Foto eines der Unsöld’schen Eislieferwagen zu sehen und im Frühstücksraum erinnert ein wandfüllendes Foto an die Eislaufbahn. Auch der Straßenname erinnert seit 1970 and den Kunsteisfabrikanten Felix Unsöld.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/278">Für mehr (einschließlich 4 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-10-15T11:02:48+02:00</published>
    <updated>2026-01-20T11:25:20+01:00</updated>
    <link rel="alternate" type="text/html" href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/278"/>
    <id>https://municharttogo.zikg.eu/items/show/278</id>
    <author>
      <name>Betina Pflaum&amp;#32;&amp;amp;&amp;#32;Eva Blüml</name>
    </author>
  </entry>
  <entry>
    <title type="html"><![CDATA[Die Villa an der Thomas-Mann-Allee 10: Vom Künstlerhaus zum Erinnerungsort]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Der Schriftsteller Thomas Mann und seine Familie wohnten ab 1910 in Bogenhausen. Zwei Gedenktafeln erinnern daran: am Gebäude Mauerkircherstraße 13 und an der Gartenmauer der Villa an der Thomas-Mann-Allee 10.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/bda2e45f6ae652b0d0227432c6811890.jpg" alt="Die Thomas-Mann-Villa, um 1910" /><br/><p>Am Mietshaus Mauerkircherstraße 13 ist seit 2010 eine Tafel mit folgender Aufschrift angebracht:</p><p>„Der Schriftsteller und spätere Nobelpreisträger (1929) / Thomas Mann / lebte mit seiner Familie im Haus Mauerkircherstraße 13/II / von Oktober 1910 bis Januar 1914. / Hier entstand die Novelle ‘Der Tod in Venedig‘ (1912).“
1914 bezogen Thomas und Katia Mann mit ihren vier Kindern Erika, Klaus, Golo und Monika das Haus mit der damaligen Adresse Poschingerstraße 1, heute Thomas-Mann-Allee 10. Die Villa, gelegen im Herzogpark und in der Nähe der Isar, planten die Architekten Alois und Gustav Ludwig. In den folgenden Jahren entstanden hier einige der bedeutendsten Werke Manns, darunter „Betrachtungen eines Unpolitischen“ (1918), „Der Zauberberg“ (1924), „Mario und der Zauberer“ (1930) und die ersten beiden „Joseph“-Romane (1933/34).
Am 10. Februar 1933 hielt der Schriftsteller in München einen Vortrag über „Leiden und Größe Richard Wagners“. Von der anschließenden Vortragsreise im Ausland kehrte er auf Warnung seiner Familie nicht mehr zurück, denn im April 1933 kam es zum öffentlichen Protest der Richard-Wagner-Stadt München gegen ihn. Im Mai 1933 wurden die Werke von Heinrich, Thomas und dessen Kindern Klaus und Erika Mann an der Universität München verbrannt. Thomas Mann verlor die deutsche Staatsbürgerschaft und 1937 folgte die endgültige Beschlagnahme seines Besitzes.
Die Villa diente von 1938 bis 1940 dem NS-Verein "Lebensborn" als Zentrale. Ein Fliegerschaden vom 25. April 1944 machte das zu diesem Zeitpunkt weitgehend leerstehende Gebäude unbewohnbar. Ab 1945 nutzten russische und ukrainische Familien, bis zu 50 Personen, davon die Hälfte Kinder, das Haus als Unterkunft. 1948 erhielten Thomas und Katja Mann ihren Besitz zurück und ließen das Haus 1952 abreißen. Der Apotheker Otto Roeder erwarb das Grundstück laut Katastereintrag 1953 für 26.000 DM und errichtete auf den alten Fundamenten einen Bungalow.
Nach mehreren Besitzerwechseln wurde das Anwesen 2002 neu bebaut. Der Neubau orientiert sich in seiner äußeren Gestalt an der ursprünglichen Villa. Auf der 2006 angebrachten Gedenktafel ist zu lesen:</p><p>„AUF EIGENE ART EINEM BEISPIEL FOLGEN. DAS IST TRADITION. / Der Schriftsteller und Nobelpreisträger Thomas Mann (1875–1955) ließ hier 1913 ein Wohnhaus errichten und bewohnte es mit seiner Familie von Januar 1914 bis zum Beginn des Exils im Februar 1933. Der Beschlagnahme des Hauses 1933 durch die Bayerische Politische Polizei folgte 1937 die Enteignung durch das Deutsche Reich und das Land Bayern. Nach der Zerstörung im Krieg 1944 wurde das Haus Thomas und Katia Mann 1948 zurückerstattet. Thomas Mann ließ es 1952 abreißen und verkaufte das Ruinengrundstück. Ein Nachfolgebau (1953–2002) wurde im Jahr 2006 durch die mit der Stadt München vereinbarte äußerliche Rekonstruktion des einstigen Thomas-Mann-Hauses ‚auf eigene Art’ ersetzt.“
Um das Leben und Wirken der Familie Mann zu würdigen, beschloss der Stadtrat der Landeshauptstadt München die Schaffung eines Denkmals; 2019 prämierte eine Fachjury den Entwurf „Straßen Namen Leuchten“ des Künstlers Albert Coers. Dieser greift die biografischen Stationen der Familienmitglieder in München und die Orte ihres Exils auf sowie die literarische Rezeption und Gedenkkultur, die sich weltweit mit dieser außergewöhnlichen Familie auseinandersetzt. Das Denkmal wird ab 9. Dezember am Salvatorplatz beim Literaturhaus München zu sehen sein.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/277">Für mehr (einschließlich 5 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-10-14T17:49:12+02:00</published>
    <updated>2025-12-18T12:39:56+01:00</updated>
    <link rel="alternate" type="text/html" href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/277"/>
    <id>https://municharttogo.zikg.eu/items/show/277</id>
    <author>
      <name>Karin Bernst</name>
    </author>
  </entry>
  <entry>
    <title type="html"><![CDATA[Die Villa des Hofschauspielers Richard Stury:  Possartstraße 18]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/88f243e12f7939feb2cabfa4563783a9.jpg" alt="Die Stury-Villa, um 1910" /><br/><p>Die in Ecklage am Shakespeareplatz befindliche Villa, ein reich gegliederter Mansardwalmdachbau in neuklassizistischen Formen mit Erkern, Zwerchhausloggia und Stuckdekor, stammt aus der Zeit um 1910. Das Gebäude und die zwei Gartenpavillons stehen unter Denkmalschutz. Der Hofschauspieler Richard Stury (1859–1928) und seine Ehefrau Gisela (1878–1941) zogen 1912 mit ihren vier Kindern ein.
In den „Alt-Münchner Theater-Erinnerungen“ von Alfred von Mensi-Klarbach erfährt man über Richard Stury Folgendes:</p><p>„Den Söhnen des Münchner Postbeamten Stury scheint das Theaterblut mit auf ihren Lebensweg gegeben worden zu sein, denn noch zwei Brüder Richards: Franz Xaver und Max, waren als Schauspieler, Opernsänger und Intendant beim Theater. Das Deklamationstalent Richards gab sich schon auf dem Gymnasium kund. Mit 16 Jahren stellte er sich Possart vor (Anm. d. Verf.: Ernst von Possart, 1841–1921, Buchhändler, Schauspieler, Regisseur, Dramaturg; ab 1873 Oberregisseur an der Königlichen Hofbühne zu München, ab 1878 Schauspieldirektor), der sich von da an für ihn interessierte. Vorerst aber absolvierte er das Gymnasium, studierte auch vier Semester Jus an der Universität seiner Vaterstadt, zugleich aber auch an der Akademie der Tonkunst, um von Regisseur Heinrich Richter vorbereitet, im Dezember 1880 am Coburger Hoftheater als Don Carlos zum erstenmal aufzutreten und von nun an dem Theater treu zu bleiben. Das nächste Jahr ging es nach Darmstadt, dann nach Mannheim.“ [zit. nach Mensi-Klarbach 1924, S. 215]
Seit 1887 war Richard Stury festes Ensemblemitglied des Münchner Hof- und Nationaltheaters. Ein Unfall im Jahr 1899 bei einer Aufführung von Faust II beeinträchtigte seine weitere Berufstätigkeit. 1905 beendete er aus gesundheitlichen Gründen sein Engagement am Nationaltheater; anschließend wirkte er vor allem als privater Schauspiellehrer. Von 1913 bis 1927 leitete Richard Stury im Rahmen der Kulturinstitution Freies Deutsches Hochstift in Frankfurt die Münchner Zweiggenossenschaft. Zudem war er Präsident der Münchner Versuchsbühne sowie langjähriges Mitglied und zeitweise Obmann der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger.
Richard Stury verstarb 1928 im Alter von 68 Jahren. Ein Teil seines Nachlasses befindet sich seit 1999 in der Monacensia, Maria-Theresia-Straße 23. Die Villa erbte seine Ehefrau Gisela. 1955 waren die Kinder Ludowika Klenke, geborene Stury, Dr. Richard Stury und Gisela Stury als Besitzer im Kataster eingetragen.
Der Sohn Richard F. Stury (1911–1999) plante zu Ehren seines Vaters die „Hofrat Richard Stury Stiftung“ zur Förderung der Literatur in München. Erst durch seine Ehefrau Gertrud Stury konnte die Stiftung im Oktober 2002 realisiert werden. Stiftungsobjekt ist das Anwesen Possartstraße 18. Die Stadt München darf es weder verkaufen, vertauschen, versteigern noch mit dinglichen Rechten belasten; zudem verpflichtet sie sich zur Pflege des Grabes von Richard Stury. 2004 wurde die ursprünglich rechtlich unselbständige „Hofrat Richard Stury Stiftung“ in die rechtlich selbständige „Richard Stury Stiftung“ umgewandelt. Die Stiftung vergibt Stipendien an Studierende der Otto-Falckenberg-Schule und der Bayerischen Theaterakademie August Everding; außerdem fördert sie wissenschaftliche und künstlerische Projekte an Museen und Akademien.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/276">Für mehr (einschließlich 4 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-10-09T18:22:34+02:00</published>
    <updated>2025-10-10T10:39:59+02:00</updated>
    <link rel="alternate" type="text/html" href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/276"/>
    <id>https://municharttogo.zikg.eu/items/show/276</id>
    <author>
      <name>Karin Bernst</name>
    </author>
  </entry>
</feed>
