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Paul Hoeckers Wohnung in der Gabelsbergerstraße

Letzter Wohnort des Malers in München

Im Gartenhaus des Anwesens Gabelsbergerstraße 45 befand sich der letzte Wohnort des Malers Paul Hoecker. Er war Hochschullehrer an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste und Gründungsmitglied der Münchner Secession bevor er 1898 infolge von Gerüchten über eines seiner Modelle, das als Sexarbeiter tätig war, München verlassen musste. Seit mehreren Jahren wird am Forum Queeres Archiv München an der Erforschung und Sichtbarmachung von Hoeckers Leben und Werk gearbeitet. Dies gibt Anlass, um über die Geschichte struktureller Repression sowie die Resilienzfähigkeit im Spannungsfeld zwischen Geheimhaltung und Stolz nachzudenken, in dem sich Menschen bewegten, die heute als queer gelesen werden.

Paul Hoecker (1854–1910) war eine prägende Figur der Münchner Kunstszene um 1900. Dennoch wurde sein Wirken von der Forschung lange Zeit marginal behandelt. Als Maler, Professor und Mitbegründer der Münchner Secession war er aktiv an der Neuausrichtung des Ausstellungsbetriebs beteiligt, die darauf zielte moderne Strömungen nach München zu holen, um den konservativen Historismus und akademische Normen zu überwinden. Seine Malklasse erlangte rasch einen hervorragenden Ruf: Mit seinem liberalen Lehrstil – er verlagerte den Unterricht von den Ateliers in die freie Natur zur Pleinairmalerei – prägte er eine neue, kreative Künstlergeneration. Fast alle Gründungsmitglieder der Künstlervereinigung Die Scholle sowie einige frühe Illustratoren der Zeitschriften Die Jugend und Simplicissimus gingen aus seiner Klasse hervor. Hoeckers eigenes Œuvre umfasst eine Vielzahl an Themen: von Marinedarstellungen über holländische Genrebilder und Nonnenporträts bis hin zu humorvollen Pierrots.

In einem Brief an den Arzt und Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld gestand Hoecker, dessen Einsatz für die Abschaffung des §175 (Kriminalisierung von Homosexualität zwischen Männern) zu unterstützen. Er traute sich jedoch nicht, dies öffentlich zu bekunden, aus Angst, sich selbst zu enttarnen. 1898 kursierten Gerüchte über sein Gemälde Ave Maria: Angeblich sollte ihm ein männlicher Sexarbeiter für die Madonnenfigur Modell gestanden haben. Bevor daraus ein öffentlicher Skandal werden konnte, trat Hoecker von seiner Professur zurück. In den folgenden Jahren lebte er in Italien, auf Capri und in Rom, bevor er sich ab 1901 in das Haus seiner Eltern im schlesischen Oberlangenau (heute Długopole Górne) zurückzog. Seine Kunst und sein Wirken gerieten weitestgehend in Vergessenheit; viele seiner Gemälde gelten heute als verschollen. Durch die Arbeit einer Forschungsgruppe am Forum Queeres Archiv München kehrt Hoecker jedoch langsam ins Kunst- und Geschichtsbewusstsein zurück. So konnte 2025 das Gemälde “Sage und Volkslied” (vor 1907) an das Lenbachhaus München vermittelt werden.

Bilder

Paul Hoecker bei der Arbeit im Atelier, um 1900
Paul Hoecker bei der Arbeit im Atelier, um 1900 Die Fotografie zeigt Paul Hoecker bei der Arbeit im Atelier (vermutlich Italien oder Oberlangenau). Das Bild stammt aus dem Nachlass seiner Nichte Vally Walter, den das Forum Queeres Archiv München aufbewahrt. Quelle: Nachlass Vally Walter / Forum Queeres Archiv München
Eingang zu Paul Hoeckers letztem Wohnhaus in München, Fotografie von 1918
Eingang zu Paul Hoeckers letztem Wohnhaus in München, Fotografie von 1918 Paul Hoeckers letzter bekannter Wohnort in München befand sich in der Gabelsbergerstraße 18 (heute Hausnummer 45). Durch das schmiedeeiserne Tor gelangte Hoecker zu seiner Wohnung im Gartenhaus. Quelle: Stadtarchiv München, FS-NL-PETT1-1014
Grabstein von Paul Hoecker in Długopole Górne, 2025 restauriert
Grabstein von Paul Hoecker in Długopole Górne, 2025 restauriert An seinem Geburtsort erinnern ein Grabstein und eine Gedenktafel an Paul Hoecker Hoecker. Der Stein und das Grab wurden 2025 auf Initiative der Forschungsgruppe Paul Hoecker am Forum Queeres Archiv München mit Spendengeldern restauriert. Quelle: Arkadiusz Raczyński / Forum Queeres Archiv München Erstellt von: Arkadiusz Raczyński
Paul Hoecker, Sage und Volkslied, vor 1907, Leinwand
Paul Hoecker, Sage und Volkslied, vor 1907, Leinwand Das Gemälde Sage und Volkslied, von Paul Hoecker vor 1907 gemalt, ist seit 2025 im Lenbachhaus München zu sehen (erworben durch die Eva Margarete Lückenhaus-Stiftung 2024; mit Dank an das Forum Queeres Archiv München). Quelle: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München

Ort

Gabelsbergerstraße 45, 80333 München | Nur von außen zugänglich

Metadaten

Forschungsgruppe Paul Hoecker, “Paul Hoeckers Wohnung in der Gabelsbergerstraße,” MunichArtToGo, zuletzt zugegriffen am 25. Februar 2026, https://municharttogo.zikg.eu/items/show/303.