Das Bayerische Landesamt für Steuern
Ein Bauwerk zwischen Raub, Macht und Nachnutzung

In der Münchner Maxvorstadt finden sich bis heute Bauwerke, die aus der Zeit des Nationalsozialismus stammen. Der Verwaltungsbau in der Sophienstraße 6 gehört zu diesen historischen Gebäuden. Seine Geschichte zeigt den Wandel der Nutzung eines staatlichen Gebäudes des NS-Regimes bis in die Gegenwart.
Das Gebäude in der Sophienstraße 6, welches sich unmittelbar gegenüber des Alten Botanischen Gartens in der Münchner Maxvorstadt befindet, gehört zu den Verwaltungsbauten aus der Zeit des Nationalsozialismus. Errichtet wurde das Gebäude zwischen 1938 und 1941 nach Plänen des Architekten Franz Stadler als Sitz des Oberfinanzpräsidiums München.
Architektonisch folgt das Gebäude dem klassizierenden Monumentalstil, welchen das NS-Regime bevorzugte. Besonders prägnant ist der überdimensionierte steinerne Adler, welcher einen Lorbeerkranz mit Hakenkreuz hielt. Dieses wurde nach 1945 entfernt, der Adler ist jedoch bis heute sichtbar.
Das Oberfinanzpräsidium war hauptsächlich an der Enteignung jüdischen Eigentums beteiligt. Eine eigene Hauptabteilung befasste sich mit der „Verwertung des einzuziehenden Vermögens“ jener jüdischen Bürger, die zur Emigration gezwungen oder deportiert wurden. Allein in München wurden die Vermögen von tausenden jüdischen Familien auf diese Weise enteignet – verwaltet und organisiert von Beamten am Oberfinanzpräsidium.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nutzte zunächst die amerikanische Besatzung das Gebäude, da es kaum beschädigt worden war. Zwischen 1947 und 1949 tagte im sogenannten Sophiensaal sogar der Bayerische Landtag. Später wurde aus diesem Saal ein Konzertsaal, den man bis heute mieten kann. Und seit 2002 ist das Gebäude Sitz der Oberfinanzdirektion München sowie weiterer Finanzbehörden des Freistaats Bayern und des Hauptzollamts.
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