Eingeordnet unter Architektur

Das Palais Preysing

Beginn des Rokoko vor den Toren der Residenz

In unmittelbarer Nachbarschaft zur Residenz München befindet sich das ehemalige Adelspalais des Grafen Johann Maximilian IV. Emanuel von Preysing (1687–1764). In nur fünfjähriger Bauzeit von 1723 bis 1728 errichtete Josef Effner (1687–1745) das Bauwerk für den damaligen Oberststallmeister des Kurprinzen Karl Albrecht (1697–1745). Die spätbarocke Fassade und die prunkvolle Innenausstattung läuteten eine neue Phase im Münchner Profanbau ein.

Der nördlich an die Feldherrnhalle angrenzende Baublock mit reich stuckierten Fassaden geht auf einen Entwurf des Hofarchitekten Joseph Effner zurück. Er war bereits in Paris für Kurfürst Max Emanuel von Bayern (1662–1726) tätig, während dieser im Exil lebte. Als Effner den Kurfürsten 1715 zurück nach München begleitete, bereicherte er das hiesige höfische Bauwesen mit neuen, aus Frankreich importierten Bauideen.

Die prachtvolle Ausstattung des Palais mit Stuck und Deckenmalerei wurde von Johann Baptist Zimmermann (1680–1758) beziehungsweise Jacopo Amigoni (1682–1752) realisiert. Zimmermann brach dabei mit den Konventionen der damaligen profanen Palastarchitektur: Er übertrug feingliedrige innenarchitektonische Elemente auf den Außenbau. Als Inspiration dienten ihm die Stadtpaläste in Wien, wie das Palais Schönborn-Batthyány oder das Palais Daun-Kinsky. Die polychrome Fresken Amigonis, die im Inneren die Decken einzelner Räume zierten, sind bereits im 19. Jahrhundert verschwunden, darüber hinaus erlitt das Gebäude im Zweiten Weltkrieg starke Schäden.

Ein besonderer Höhepunkt ist das heute frei zugängliche Prunktreppenhaus. Hier verbergen sich in der üppig stuckierten Pflanzornamentik fantasievolle Tier- und Fabelwesen. Schriftlichen Überlieferungen zufolge war an der Decke das Haus Preysing dargestellt, geführt von der Personifikation der Klugheit (Prudentia). Die Gottheiten Minerva und Mars überreichten ihr die Attribute der Gerechtigkeit und des Friedens (Palm- und Olivenzweigen).

Bilder

Fassade an der Residenzstraße, vor 1938.
Fassade an der Residenzstraße, vor 1938. Einer Anekdote zufolge soll der Kurprinz den Grafen von Preysing wegen seiner schlechten Münchner Behausung verspottet haben, woraufhin er sich ein Adelspalais in dem vornehmen Graggenauer Viertel direkt gegenüber der Residenz erbauen ließ. Quelle: Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek/Archiv, ZI-0963-06-00-325942 / © Bildarchiv Foto Marburg Erstellt von: Preußische Messbildanstalt Berlin
Fassade an der Theatinerstraße, 1915/1917.
Fassade an der Theatinerstraße, 1915/1917. Das Bauwerk musste sich architektonisch zwischen zwei monumentalen Baukörpern – der Residenz und dem Theatinerkloster – „behaupten“. Quelle: Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek/Archiv, ZI-0963-06-00-325024 / © Bildarchiv Foto Marburg
Hauptportal zur Residenzstraße, vor der Zerstörung.
Hauptportal zur Residenzstraße, vor der Zerstörung. Die Fassaden sind durch kräftige Profilierung und Plastizität geprägt – und stehen damit im Kontrast zum gegenüberliegenden Bau der Residenz. Quelle: Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek/Archiv, ZI-0963-06-00-Th179628 Erstellt von: Himpst.
Gesprengte Fassade an der Theatinerstraße nach Kriegszerstörung, 1946.
Gesprengte Fassade an der Theatinerstraße nach Kriegszerstörung, 1946. Nach der Bombardierung am 15. April 1944 musste die Fassade an der Theatinerstraße aus Gründen der Einsturzgefahr gesprengt werden. Quelle: Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek/Archiv, ZI-0963-06-00-325026 / © Bildarchiv Foto Marburg
Prunktreppenhaus, vor dem Krieg.
Prunktreppenhaus, vor dem Krieg. Die dreiläufige Treppenanlage erschließt auf vergleichsweise geringer Grundfläche zwei Obergeschosse. Quelle: Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek/Archiv, ZI-0963-06-00-Th238679 Erstellt von: Himpst.
Prunktreppenhaus, kriegszerstört.
Prunktreppenhaus, kriegszerstört. Auch das Treppenhaus wurde während der Bombardierung am 15. April 1944 stark beschädigt. Quelle: Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek/Archiv, ZI-0963-06-00-000852 / © Bildarchiv Foto Marburg
Reste des Stuckdekors im kriegszerstörten Treppenhaus.
Reste des Stuckdekors im kriegszerstörten Treppenhaus. Im kriegszerstörten Treppenhaus haben sich Reste der reichen Stuckmotive – Gitterfelder, Band- und Blattwerk sowie figürliche Motive – erhalten. Quelle: Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek/Archiv, ZI-0963-06-00-325027 / © Bildarchiv Foto Marburg
Supraporte an der Nordwand im 1. Obergeschoss, 1946.
Supraporte an der Nordwand im 1. Obergeschoss, 1946. Im ersten Obergeschoss, in der Supraporte einer Nordwandtür, flankieren Sphingen eine Vase. Quelle: Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek/Archiv, ZI-0963-06-00-325028 / © Bildarchiv Foto Marburg
Fassade an der Residenzstraße, 1962.
Fassade an der Residenzstraße, 1962. Aufgrund einer wechselhaften Nutzung hatten sich bereits vor dem Zweiten Weltkrieg nur wenige Reste der alten Ausstattung erhalten. Zwischen 1957 und 1960 leitete der Münchner Architekt und Denkmalpfleger Erwin Schleich (1925–1992) die Rekonstruktion der Fassaden sowie des Treppenhauses, wobei er die Wiederherstellung des historischen Bestands mit Anforderungen an ein modernes Büro- und Geschäftshaus verband. Quelle: Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek/Archiv, ZI-0963-06-00-467959 Erstellt von: Thudichum

Ort

Residenzstraße 27, 80333 München | öffentlich zugänglich

Metadaten

Lilia Gaivan, “Das Palais Preysing,” MunichArtToGo, zuletzt zugegriffen am 30. Januar 2026, https://municharttogo.zikg.eu/items/show/287.