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    <title type="html"><![CDATA[Der Alte Israelitische Friedhof: Über 200 Jahre Geschichte]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Die Geschichte des Alten Israelitischen Friedhofs umfasst seit seiner Erbauung im Jahr 1816 mittlerweile über 200 Jahre. Dieser Friedhof hat beide Weltkriege überlebt.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/fabf8819ed8829385f4314d9c8f6699f.jpg" alt="Haupttor des Alten Israelitischen Friedhofs an der Thalkirchner Straße, 2026" /><br/><p>Auf der 2,5 Hektar großen Gesamtfläche des Friedhofs befinden sich etwa 6000 Gräber. Obwohl der Friedhof seit 1907 geschlossen ist, finden dort heute noch in seltenen Fällen und nur bei bereits bestehenden Familiengräbern Begräbnisse statt. Diese Regelung ermöglichte es auch, dass Opfer des Holocaust auf dem alten Israelitischen Friedhof begraben wurden. In der Zeit vor seiner Schließung wurde der Friedhof in den Jahren 1854, 1871 und 1881 erweitert. Nach jeder Erweiterung erhielt der Friedhof eine neue Backsteinmauer. Nachdem eine erneute Erweiterung aus Platzgründen nicht mehr möglich war, wurde der Alte Israelitische Friedhof mit der Eröffnung des Neuen Israelitischen Friedhofs in Alte Heide-Hirschau geschlossen. Das Haupttor des Friedhofs wurde seit seiner Schließung nicht mehr geöffnet. Der Friedhof ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, das Betreten für Angehörige ist jedoch über einen Seiteneingang möglich.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/336">Für mehr (einschließlich 3 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2026-04-21T16:13:05+02:00</published>
    <updated>2026-08-19T09:16:52+02:00</updated>
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      <name>Julia Karcher</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Das Grab von Karl Josef Zwerschina: Historist und Histotainer, Restaurateur und Restaurator]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Ein unscheinbares, seltsames Grabmal steht nahe der Stephanskirche an der West­mauer des Südlichen Friedhofs. Von einem Giebeldach wird eine leere Nische bedeckt, das Tympanon (Giebelfeld) ziert ein Tondo mit Agnus dei und Kreuzfahne im Halbrelief. In der Basis ist eine Platte aus rotem Marmor mit fünfzehn Zeilen Frakturschrift angebracht:</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/e32494664b9473f0f9179e60f4d3e1cb.jpg" alt="Grabmal Zwerschina, 2025" /><br/><p>Hier ruhen im [e]wigen Frieden</p><p>mein guter Vater H[e]rr Jos.</p><p>Zwerschina alias Zwier‘zina</p><p>Rentner allhier geb. 1802 ✠ 1865,</p><p>meine edle Mutter Frau Ther[es]e Zwerschina</p><p>geborne Bubenhoven die Letzt[e I]hres uralten</p><p>Stammes und Namens geb. 1815 ✠ 1890.</p><p>meine heißgeliebte unvergeßliche Gattin</p><p>Frau Ursula Zwerschina geb. 1851 ✠ 1901.</p><p>Solche Liebe kann nur schwinden</p><p>Wenn dereinst mein Auge bricht</p><p>Was hienieden ich mag finden</p><p>Solche Treue find ich nicht!</p><p>Herr Karl Jos. Zwerschina geb. 1[85]0</p><p>✠ 1[928]</p><p>Wer war „Karl Josef Zwerschina in Bubenhofen“? Am 30. November 1850 wird er als Karl Joseph Bubenhofer in München unehelich geboren. Der Vater Joseph Zwerschina sollte seinen Sohn erst sechs Jahre später legitimieren und die Mutter ehelichen. Er hinterließ seinem Sohn ein nicht unbeträchtliches Vermögen. Karl Joseph studiert einige Semester Chemie und führt ein sorgloses Leben als Privatier. Der Beitritt zum Historischen Verein von Oberbayern sollte sein Leben in andere Bahnen lenken. Der Verein setzte sich das „Erforschen und Bewahren des historischen Stoffes“ (Webseite Historischer Verein Oberbayern) zum Ziel. In diesem Sinne erwirbt der 24-jährige Zwerschina 1874 die Burg Abenberg im Landkreis Roth um 4.000 Gulden. Für sein erklärtes Ziel, die Sandsteinruine zu bewohnen, leitet er umfängliche Sanierungsmaßnahmen ein und nimmt historisierende Umbauten vor. Der Gesamtaufwand der Baumaßnahmen beträgt 80.000 Gulden. Schließlich muss er auf Drängen seiner frisch angetrauten Frau, der Münchner Gastwirtin Ursula Zwerschina, 1877 die Burg wieder verkaufen. Die väterliche Erbschaft war ausgelaufen, so änderte sich sein Status von Privatier zu Restaurateur, Zwerschina muss in den weiteren Jahren als Pächter beziehungsweise Geschäftsführer mehrerer Münchner Gastronomie-Betriebe (unter anderem dem Rathskeller) sein Geld verdienen. Doch Zwerschinas Hang zur Alltagsflucht sollte ihn nicht mehr loslassen. 1887 schließt er mit dem Münchner Geschichtsprofessor Dr. Nepomuk Sepp (1816-1909) einen Vertrag: „Herr Karl Jos. Zwerschina verpflichtet sich zu dem am 26. Juli [müsste Juni heißen] in Tölz stattfindenden Feste fünfzig Landsknechtscostüme nebst passender Adjustierung ... leiweise zu beschaffen, auch die Aufstellung der Gruppe dort zu leiten ... Herr Professor Dr. Sepp sich gleichfalls verpflichtet die Summa von fünfhundert Mark baar an Herrn Zwerschina zu bezahlen“ (zitiert nach Hanko). Mit diesem stattlichen Honorar stellt Zwerschina eine fünfzigköpfige Histotainment-Truppe auf, deren Ausrüstung er aus dem Bayerischen Nationalmuseum, dem Fundus des Kostümateliers Hermann und seiner ehemals für Abenberg aufgebauten Sammlung zusammenwürfelt. Das Kriegerfest und die Einweihungsfeier des Kaspar-Winzerer-Denkmals wird zu einem weitgeachteten Erfolg. Viele der Teilnehmer schließen sich nach dem gelungenen Tölzer Auftritt zum “Wintzerer Fähndlein“ zusammen, einer „echt germanischen“ Kostümgesellschaft, mit dem Zweck auch weiterhin bei „patriotischen Umzügen“ (Münchner Tagblatt 3.10.1898) mitzuwirken. So spielt das „Wintzerer Fähndlein“ beim VII. Deutschen Turnfest in München 1889 den Zug Herzog Wilhelms IV. zum Turnier im Jahr 1518 nach. Zwerschina, mit dem blumigen Alias „Pfennigmaister Carol Josephus der Abenberger ain Junkher aws behaimbischem Landt“ (zitiert nach Hanko) ist die treibende Kraft dieses Event-Marketings. Der Junker aus böhmischen Land bezieht sich auf seinen vor 1800 aus Znaim in Mähren zugewanderten Großvater Alois Zwerschina. Ebenfalls waren die ersten Oktoberfestzüge des „Wintzerer Fähndlein“ private Produktionen von Zwerschina: 1895 arrangierte er einen Jagdzug aus dem 16. Jahrhundert mit 200 Teilnehmern und 26 Pferden. Das Spektakel „Brautzug Herzog Wilhelms IV.“ im Jahr darauf konnte er beim Magistrat der Stadt München für 3.000 Mark vermarkten. In der Landwehrstraße wurde von ihm dazu ein Art Department zur Lagerung, Pflege und Erweiterung des Fundus eingerichtet. Zwerschina verfügte neben seinen naturwissenschaftlichen Kenntnissen auch über handwerkliches Geschick. Schon in seiner Schulzeit am Theresien-Gymnasium fiel er als guter Zeichner und Kalligraph auf. Er verwandelt sich 1887 vom Restaurateur zum Restaurator und rühmt sich, in seinem Atelier „Restaurirungs-Arbeiten aller in das Gebiet des älteren Kunstgewerbes einschlägigen Gegenstände und Kunstwerke, gleichviel welcher Art“ durchzuführen (Text von Geschäftskarte (Visitenkarte) Stadtarchiv München). Den Münchner Historienmalern war er ein geschätzter Ausstatter. Als Chemiker war er ein Meister der Patina. Eine Pressenotiz zu seinem 75. Geburtstag erwähnt, dass er als Restaurator für die Erhaltung altägyptischer Textilien und Gräberfunde betraut wurde und für zahlreiche kunsthistorische Sammlungen, unter anderem dem Bayerischen Armee- und Nationalmuseum, tätig war. Nach dem Ersten Weltkrieg firmiert Zwerschina als „Werkstätte für Wiederherstellung von Kunstwerken und Altertümern“ in der Schwanthaler Str. 72/II GG. Als Kenner des Metiers sagte er einmal unverhohlen: „Wenn die Leute wüssten, was in den Museen noch original ist ...“ (Heimatliche Streifzüge 40). 1928 brach das Auge des vielseitigen Unternehmers und Selbstdarstellers. In seiner Sterbeurkunde steht als Beruf lapidar „Gastwirt“.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/296">Für mehr (einschließlich 9 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2026-01-27T09:55:48+01:00</published>
    <updated>2026-08-13T15:21:32+02:00</updated>
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      <name>Arno Scherling</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Das Grabmal der Familie Dürck auf dem Alten Südlichen Friedhof: Maler, Juristen, Mediziner im Mahlstrom der Kunstgeschichte]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Am Nachmittag des 27. Oktobers 1884 zieht ein Trauerconduct des wenige Tage zuvor im Alter von 75 Jahren verstorbenen Malers Friedrich Dürck in den Südlichen Friedhof. Dessen Vetter, der Dichter Max Stieler deklamiert am offenen Grab:</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/d50dadf4dc405fb06ee70c9ba72b1052.jpg" alt="Grabmal der Familie Dürck" /><br/><p><p style="text-align: left;">„Nun schlummerst Du – nein, nein, gewiß, Du wachest,</p><p>Und blickst nun gottverklärt nach all den Deinen, </p><p>Die trauernd hier jetzt unter Leichensteinen </p><p>Gar sehnsuchtsvoll an Deinem Grabe weinen, </p><p>Die Zukunft – mag‘s der Himmel nicht verneinen – </p><p>die Zukunft – hoffen wir‘s – wird wieder uns vereinen!“</p><p>Auf dem Alten Südlichen Friedhof befindet sich in Sektion 14-1-0032 das Grabmal der Familie Dürck. Unter einem hohen Steinkreuz sind auf schwarzem Granit die Namen Friedrich Dürck, Laura Dürck, Josephine Dürck, Wilhelm Dürck, Friedrich Dürck und Hermann Dürck eingemeißelt. Friedrich Dürck (1809 Leipzig – 1884 München) war Porträt- und Genremaler. Schon früh zeigte sich sein Talent, so dass er zunächst von Veit Hanns Schnorr von Carolsfeld (dem Vater der Maler Julius, Ludwig Ferdinand und Eduard) an der Leipziger Kunstakademie und ab 1822 von seinem Onkel, dem Hofmaler Joseph Karl Stieler (1781–1858) in München unterrichtet wurde. Gemeinsam mit Franz-Xaver Winterhalter (1805–1873) und Joseph Bernhardt (1805–1885) arbeitet er dem Porträtisten der damaligen Adeligen, Reichen und Schönen zu. Obwohl sich Dürck als erfolgreicher Porträtist und Genremaler verselbständigen konnte, blieb er seinem Onkel bis zu dessen Ableben durch Kopieraufträge und Empfehlungen verbunden. Auch im Tode bleiben sie sich nahe: Stieler liegt Mauer Links Platz 248/249 bei Gräberfeld 11. Laura Dürck stammte aus der Dresdener Hoteliersdynastie Küstner („Hotel zur Stadt Berlin“) und war die Frau von Friedrich Dürcks älterem Bruder Joseph Caspar. Er war Jurist und Gerichtsdirektor in Potschappel (Sachsen), sein Taufpate war Joseph Karl Stieler. Als Gelegenheitskomponist veröffentlichte Joseph beim Leipziger Verlag Breitkopf & Härtel Lieder. 1839 ertrank er beim Baden in der Elbe. Friedrich heiratete im Jahr darauf seine verwitwete Schwägerin und nahm sie mit ihren beiden Töchtern nach München. Helene verstarb im Alter von 7 Jahren an der Cholera, die Schwester Josephine blieb unverheiratet, lebte mit ihrer Mutter Laura bis zu deren Tod 1900 und überlebte sie um 24 Jahre. Der zweitgeborene Sohn Wilhelm (*1843) war das Patenkind von Wilhelm von Kaulbach (1804–1874). Er besuchte die Königliche Kreis-Ackerbauschule im Staatsgut Schleißheim und meldete sich 1865 freiwillig zur Militärlaufbahn. Nach seiner Entlassung starb er verarmt an den Folgen des Frankreich-Feldzuges im Alter von 35 Jahren und war der Erste in der Familien-Grablege im Südlichen Friedhof. Der ältere Bruder Friedrich (1841–1913), ebenfalls Patensohn von Joseph Karl Stieler, wurde Bankkaufmann und schließlich Lagerhausdirektor der Bayerischen Handelsbank. Sohn Hermann (*1869) war ein namhafter Bakteriologe und Professor für Pathologie in Jena und München. Als er seinen Lehrer, den Pathologen und Rektor der Ludwig-Maximilians-Universität Otto Ritter von Bollinger (*1843) nach dessen Tod im Jahr 1909 sezierte, notierte er verwundert, "dass man mit so einem Herzen überhaupt leben konnte.“ Nach Hermann Dürck wurden die „Dürckschen Fasern“ benannt. Auch als Schmetterlingskundler machte sich der Geheime Medizinalrat einen Namen. Dem langjährigen Mitglied der Münchner Entomologischen Gesellschaft wurden die Arten Epiblema duercki und Ennomos duercki gewidmet. Seine Beisetzung im Jahr 1941 dürfte eine der letzten Bestattungen im Alten Südlichen Friedhof gewesen sein. Vollständigkeitshalber sei noch der dritte Bruder, Karl (1846–1916), erwähnt, dessen Urnenmal (Nr. 327) am Nordfriedhof errichtet wurde und mittlerweile abgegangen ist. Sein Taufpate war der Historienmaler und Akademieprofessor Karl Lambert Schorn (1800–1850). Als Jugendlicher erhielt er von Joseph Gabriel Rheinberger (1869–1901) Klavierunterricht. Karl Dürck war der Jugendfreund von Hermann Kaulbach (1846–1909) dessen Schwester Josefa er ehelichte. Die Familie des Justizrats Dr. Karl Dürck wohnte zunächst im Gartenhaus des Anwesens seines Schwiegervaters Wilhelm von Kaulbach. Nach dessen Tod ließen die Dürck-Kaulbachs die Villa und das Museum abreißen und das Grundstück Kaulbachstraße 11 bebauen.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/272">Für mehr (einschließlich 6 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-08-19T11:37:35+02:00</published>
    <updated>2026-08-13T14:41:38+02:00</updated>
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    <title type="html"><![CDATA[Der Münchner Westfriedhof: Ein Meisterwerk Hans Grässels]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Im Münchner Stadtteil Moosach gelegen, ist der Westfriedhof dort nicht nur Stätte der Stille und Besinnung auf das Leben und dessen Endlichkeit, sondern auch Ort der Natur und ihrer Vielfalt.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/86c248e4b262f1e793ab501626f09813.jpg" alt="Der Westfriedhof, 1908" /><br/><p>Zu den Planungen des späteren Münchner Stadtbaudirektors Hans Grässel (1860–1939) für die Neuordnung der Münchner Friedhofssituation gehörte auch ein Friedhof im Westen der Stadt. Das dafür benötigte Gelände im Süden der Gemeinde Moosach wurde eigens nach München eingemeindet. Die Friedhofsbauten entstanden zwischen 1897 und 1902 nach Entwürfen von Grässel. Nach dem Nord- und dem Ostfriedhof war es der dritte Friedhof der Landeshauptstadt, der von ihm erbaut wurde. Im Zentrum der baulichen Anordnung steht eine runde überkuppelte Aussegnungshalle, die nach dem frühchristlichen Vorbild von Santa Costanza in Rom gestaltet ist und als Grässels wohl vollendetstes Werk angesehen wird. In bewusster Asymmetrie sind westlich davon die Leichenhalle in basilikaler Bauweise mit einem Campanile und östlich Verwaltungsgebäude angefügt. Als Besonderheit wurde nach italienischem Vorbild eine Krypta mit 219 Begräbniszellen als einzige unterirdische Begräbnisstätte in München angelegt. Im Norden des Baukomplexes entstand eine Terrassenanlage, die in ihrer Nordostecke mit einer Ölberggruppe versehen wurde. Der von Grässel geplante Friedhofsteil besteht, ebenso wie spätere Friedhofserweiterungen nach Westen, weitgehend aus rechteckig angelegten Gräberfeldern. Die Erweiterungen im Südwesten und Norden der Anlage sind dagegen unregelmäßiger geformt. Im neuen Teil des Friedhofs stellte man 1927 eine in Tirol erworbene hölzerne Kalvarienberggruppe aus dem 17. und 18. Jahrhundert auf. Für die im Dienst zu Tode gekommenen Angehörigen der bayerischen Polizei wurde 1931 ebenfalls im neuen Friedhofsteil ein Denkmal in der Form einer überlebensgroßen Rolandsfigur nach einem Entwurf von Emil Epple (1877–1948) errichtet. Bei einem Luftangriff während des Zweiten Weltkriegs kam 1944 die Leichenhalle zu Schaden. Sie wurde 1951 äußerlich weitgehend in der früheren Form und im Innern mit einem erhöhten Platzangebot wieder aufgebaut. 1960 trug die Stadt München der vermehrten Nachfrage von Urnenbestattungen im Westfriedhof Rechnung, indem sie im Südwesten des Friedshofsgeländes eine neue Urnenhalle nach einem Entwurf von Eugen Jacoby (1920–1963), dem Leiter des Münchner Grabmalamtes, errichten ließ. Auf dem Urnenfeld im Westen gestaltete die in München wirkende Bildhauerin Karolin Bräg 2007 einen Steinkreis aus Granit, der das Abschiednehmen thematisiert. 2015 wurde die Urnenanlage „Mosaikgärten“ mit inzwischen über 2000 Bestattungsplätzen eröffnet. Sie besteht aus handwerklich gestalteten Natursteinen und Steinstelen mit den Namen der Bestatteten sowie zwei Urnenwänden mit Glasmosaiken, welche der Anlage ihren Namen geben. Der Westfriedhof umfasst nach mehreren Erweiterungen heute eine Fläche von 49,72 Hektar mit rund 41.700 Grabplätzen und ist somit nach dem Waldfriedhof der zweitgrößte Friedhof der Landeshauptstadt. Dieser Friedhof ist unter anderem der letzte Ruheort für 21 Gesellen des kath. Gesellenvereins St. Josef (heute Kolpingsfamilie), die am 6. Mai 1919 während ihrer wöchentlichen Versammlung in der Augustenstraße von Mitgliedern des Freikorps Epp verhaftet und zum Prinz-Georg-Palais am Karolinenplatz geführt worden waren, weil man sie fälschlicherweise für Spartakisten (also Revolutionsanhänger) hielt. In Wahrheit waren sie regierungstreue Anhänger der Bayerischen Volkspartei. Dort wurden die 26 Verhafteten schwer misshandelt und 21 von ihnen schließlich ermordet. Fünf Gesellen überlebten die Tat, weil man sie für tot hielt. Die Gedächtnisrede bei der Beerdigung hielt der später im Widerstand gegen die NS-Diktatur tätige Jesuitenpater Rupert Mayr (1876–1945), der 1986 von Papst Johannes Paul II. (1920–2005/1978–2005) im Münchner Olympiastadion seliggesprochen wurde. Auch zahlreiche Prominente aus Politik und Kultur sind hier bestattet, wie Kaiserin Soraya von Persien (1932–2001), die Maler Franz von Lenbach (1836–1904) und Paul Weber (1823–1916), der ehemalige bayerische Ministerpräsident Hanns Seidel (1901–1961), die Sängerin „Alexandra“ – Doris Nefedov - (1942–1969), der Widerstandskämpfer Walter Klingenbeck (1924–1943) oder der Erbauer der gegenüber dem Westfriedhof gelegenen und nach ihm benannten Wohnanlage Bernhard Borst (1883–1963).</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/202">Für mehr (einschließlich 4 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-01-16T13:25:22+01:00</published>
    <updated>2026-08-06T13:36:57+02:00</updated>
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      <name>Christian Freundorfer&amp;#32;&amp;amp;&amp;#32;Manfred Heimers</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Der Neue Südfriedhof in Perlach: Eine keltische Viereckschanze]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Die keltischen Viereckschanzen – vom Heiligtum mit blutigen Opfern zum Gutshof reicher Grundbesitzer.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/5bdb646e3d3e70fcbed4752236e9878f.jpg" alt="München-Perlach, Neuer Südfriedhof" /><br/><p>Östlich der Isar, ein ganzes Stück außerhalb der Münchner Innenstadt, liegt im Stadtteil Perlach der Neue Südfriedhof direkt neben der A8. Hier erstreckt sich eine grüne Oase, an deren südlichem Rand die Überreste einer keltischen Viereckschanze zu finden sind. Ihr quadratischer, circa 100 x 100 Meter großer Grundriss ist durch Laubbäume gut erkennbar, die in Reihen das Denkmal kennzeichnen. Solche Befestigungen – der moderne Name ‚Schanze‘ trifft es gut – mit 80 bis 150 Metern Seitenlänge, bestanden aus einem mehrere Meter hohen Erdwall mit einer darauf errichteten Holzpalisade und einem vorgelagerten Graben von 2 bis 3 Metern Tiefe sowie 4 bis 8 Metern Breite. Die Spuren dieser massiven Wehranlagen finden sich wie in Perlach mitunter noch obertägig erhalten und gaben Anlass zu vielerlei Spekulationen über ihre Funktion und Zeitstellung. Ausgrabungen zeigten schließlich, dass sie in der Jüngeren Eisenzeit oder sogenannten Latènezeit (ca. 250–50 v. Chr.) errichtet wurden, die man heute generell mit den Kelten gleichsetzt. Die Form und Struktur dieser sogenannten ‚Viereckschanzen‘, die sich im gesamten süddeutschen Raum finden, folgt einem gleichartigen Schema. Der Aushub des Grabens wurde für die Aufschüttung des Erdwalls genutzt; da durch das Aufeinandertreffen der Gräben an den Ecken mehr Erde anfiel, waren diese überhöht. Der einzige Eingang in das Innere der Schanze führte im Westen, Süden oder Osten – niemals jedoch auf der Nordseite! – durch den Wall hindurch. Das Tabu der Nordseite geht wohl auf kosmologische Vorstellungen zurück, die die Struktur einer Siedlung bestimmten; in Perlach wird der Zugang im Osten vermutet. Um in das Innere der Wallanlage zu gelangen, musste man den breiten Graben auf einer Holzbrücke überqueren. Sie führte direkt zu einem massiv gebauten Torhaus enormer Größe. Im Inneren fiel der Blick auf ein oft 20 x 10 Meter großes Gebäude auf der gegenüberliegenden Seite eines offenen, meist unbebauten Platzes. Entlang der Seiten reihten sich etwas kleinere, 8 bis 9 Meter lange Gebäude. In ihnen lagerten Vorräte wie Getreide, Hülsenfrüchte oder geräuchertes Fleisch, wurden Tiere in Ställen gehalten oder Ackergerät und Werkzeuge in Scheunen aufbewahrt. Zwischen den Gebäuden, oft in einer der Wallecken, reichten Schächte bis zu 35 Meter tief in die Erde. Diese Schächte gaben den Archäologen lange Rätsel auf, da man in der in den 1950er Jahren ausgegrabenen Viereckschanze von Holzhausen Holzpfähle und eine Erdverfüllung mit hohem Phosphatgehalt entdeckte. Waren die Pfähle etwa Opferpfähle? Rührte der Phosphatgehalt vom Blut kultischer Opferpraktiken her? Diesen Indizien folgte die Interpretation des großen Zentralgebäudes oder randlicher Bauten als Tempel. Mit ihnen traten die Viereckschanzen vermeintlich als heilige Orte der Kelten hervor, an denen sie ihren Göttern blutige Opfer darbrachten. Erst durch neuere Ausgrabungen konnte diese bislang als allgemeingültig angenommene Interpretation revidiert werden. Die ‚Opferpfähle‘ stellten sich als Teile einer zerstörten Hebevorrichtung eines Stangenbrunnens heraus. Das Phosphat stammte von Tiermist, den man nach Aufgabe des Brunnens dort entsorgt hatte – ob in böswilliger Absicht oder als reiner ‚Abfallschacht‘ ist jedoch nach wie vor unklar. Obwohl die Anlagen keine reinen Kultzentren waren, bildeten sie dennoch den Mittelpunkt einer Siedlungsgemeinschaft. Es ist naheliegend, dass an solchen Zentren oder Residenzen reicher Großgrundbesitzer auch Kultplätze existierten. Als Versammlungsort und Marktplatz der ländlichen Bevölkerung dienten sie sicher auch gemeinsamen kultischen Feiern und religiösen Zeremonien. Mit den stark befestigten ‚Herrensitzen‘ wollte die lokale Elite ihren Herrschaftsanspruch und ihre Macht demonstrieren. Dass es dabei bisweilen zu Konflikten kam, illustrieren die Spuren von Feuerkatastrophen, die die Viereckschanzen in Mitleidenschaft zogen. Wie das Ende der Viereckschanze von Perlach aussah, ist nicht bekannt. Ihre Wälle wurden im Laufe der Zeit durch Pflügen und die Flurbereinigung von 1956 immer weiter eingeebnet, so dass sie heute kaum mehr zu erkennen sind. Der Graben ist nur noch an der Westseite zu erahnen. Obwohl man wenig über dieses Denkmal weiß, zeugt es auch nach über 2000 Jahren von einer Gemeinschaft, die durch den gemeinsamen Bau einer gewaltigen Anlage den Gefahren ihrer Zeit zu trotzen wusste.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/193">Für mehr (einschließlich 5 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2024-11-11T13:20:29+01:00</published>
    <updated>2026-08-06T13:35:00+02:00</updated>
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      <name>Anna Enzensberger&amp;#32;&amp;amp;&amp;#32;Holger Wendling</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Das Grabmal für Carl von Faber: Ein Werk des Jugendstil-Künstlers Hermann Obrist auf dem Münchner Nordfriedhof]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>„Ein neues Grabmal von Hermann Obrist ist auf dem Schwabinger Friedhof aufgestellt worden. […] Das imposante Monument ist eine Arbeit von hohen künstlerischen Potenzen.“</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/0ea42fc5bb163e9bbf94a8103f0ac604.jpg" alt="Das Grabmal Carl von Faber, 1908" /><br/><p>Am 31. März 1908 berichtet die Münchner Allgemeine Zeitung in der Rubrik „Bildende Kunst“ über ein Grabmal, das sich Carl von Faber (1849–1915), der ehemalige Mitinhaber der Bleistiftfabrik Johann Faber in Nürnberg, schon zu Lebzeiten auf dem Schwabinger Friedhof errichten ließ. Entworfen wurde es von Hermann Obrist (1862–1927), dessen Werk im Münchner Stadtbild heute nur noch in wenigen Beispielen sichtbar ist. Das Grabmal für Carl von Faber befindet sich im nördlichen Teil des Nordfriedhofs, in der Sektion Mauer links 249–252, und fällt schon allein aufgrund seiner Größe auf. Auf einem rechteckigen, zweistufigen Fundament erhebt sich eine breite, aufgrund ihrer Symmetrie nahezu kristallin anmutende Felsarchitektur. Sie umschließt eine blattförmige, spitz zulaufende Nische, deren Umrandung mit ebenfalls symmetrisch angeordneten, stilisierten pflanzlichen Motiven verziert ist. In ihrem Inneren sind die Namen der beiden Bestatteten, Carl und Luise von Faber, das Familienwappen samt Leitspruch angebracht. Bekrönt wird das Monument von einer Gruppe aus drei Figuren, die aus dem Felsen herauszuwachsen scheinen. Es handelt sich um zwei Frauenfiguren, die mit auf den Rücken geführten Händen, geneigtem Haupt und geschlossenen Augen den vor dem Grab stehenden Betrachtenden zugewandt sind. Über ihnen erhebt sich eine männliche Figur mit vor der Brust gekreuzten Armen und gerade erhobenem Kopf aus dem Stein. Die Deutung dieser Gruppe ist leider nicht sicher überliefert. Nach dem Bericht in der Münchner Allgemeinen Zeitung sollen die weiblichen Figuren die Sehnsucht nach dem Irdischen verkörpern, während die männliche Figur den Glauben an die Sterne darstelle. Aber auch gefesselte und befreite Seelen wurden hier erkannt. Hermann Obrist, geboren 1862 in Kilchberg am Zürichsee, gilt als einer der Begründer der deutschen Jugendstilbewegung. 1885 begann er in Heidelberg ein Studium der Naturwissenschaften und Medizin, entschied sich jedoch kurze Zeit später für eine künstlerische Laufbahn. Nach einer Ausbildung an der Kunstgewerbeschule in Karlsruhe, dem Studium der Bildhauerei in Paris und mehreren Jahren in Florenz lebte er ab 1895 in München. Dort betrieb er ein Atelier für Kunststickerei, in dem eines seiner berühmtesten Werke entstand: der sogenannte „Peitschenhieb“, ein Wandbehang mit der stilisierten Darstellung zweier Alpenveilchen. Neben Textilentwürfen gestaltete er auch Keramiken und Möbel, Brunnen, Grab- und Denkmäler. Die abstrahierenden Formen, die seine Entwürfe und plastischen Arbeiten prägten und charakteristisch für den Jugendstil wurden, lassen sich auf seine Faszination für die Natur und seine naturwissenschaftlichen Kenntnisse zurückführen. Bewusst verzichtete er bei Grabmälern auf die zu dieser Zeit und in diesem Genre sonst üblichen traditionellen Allegorien und Symbole. Stattdessen zeichnen sich seine Werke durch die Verwendung von organischen Formen und natürlichen Motiven aus, die er zu neuen, abstrakten Kompositionen kombinierte, deren genaue Bedeutung offenbleibt und Raum für individuelle Interpretation lässt.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/191">Für mehr (einschließlich 4 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2024-11-08T11:05:17+01:00</published>
    <updated>2026-08-06T13:34:27+02:00</updated>
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      <name>Johannes Griebel</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Gräber aus der Glockenbecherzeit in Sendling: Eine Zeitreise auf den Spuren der ältesten Sendlinger]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Ein Bestattungsort mit Aussicht und Grabbeigaben, die Licht auf das Leben und die Menschen einer längst vergangenen Zeit werfen.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/824416f84161118d3f3559b6a8cd51bb.jpg" alt="Keramikgefäße in Glockenbecherform, Pfeilspitzen und Knochenknöpfe (ca. 2600–2200 v. Chr.)" /><br/><p>Begeben wir uns auf eine Zeitreise in das Jahr 2474 v. Chr., in den Raum des heutigen Münchens. Dort angekommen, haben wir eine Landschaft vor uns, die von einer in der Eiszeit entstandenen Ebene geprägt und von kleinen Flüssen wie der Würm, der Isar und dem Hachinger Bach durchzogen ist. Hier wächst ein Tannen- und Buchenwald, der sich an einigen Stellen zu einer Steppe mit Heidebewuchs öffnet. Es ist möglich, dass wir in der offenen Heidelandschaft auf Siedlungen stoßen, deren Bewohner die Aufzucht von Rindern, Pferden und anderen Tieren betreiben. Sie sind Teil einer Epoche, die später als Glockenbecherkultur bekannt sein und etwa 400 Jahre andauern wird. Irgendwann im Laufe dieser Zeit wählten die damaligen Bewohner des heutigen Sendling die natürliche Terrassenkante der Isar als letzte Ruhestätte für ihre Angehörigen. Diese zieht sich gut sichtbar durch Thalkirchen, Sendling und den Harras hindurch. Sie trennt die Bavaria von der Theresienwiese und läuft langsam an der Hackerbrücke aus. Wahrscheinlich eröffnete sich von hier aus ein erhabener Blick über die damals noch wilde Isar mit ihren zahlreichen Flusswindungen. Dass wir heute von der Existenz dieser Siedler aus der Glockenbecherkultur wissen, ist nur den Überresten ihrer Bestattungen zu verdanken. Denn dort, wo heute die Wolfratshauser- in die Plinganserstraße mündet, wurden 1906 bei Kanalisations- und Straßenarbeiten nicht nur ein frühmittelalterlicher Friedhof, sondern auch die Gräber von mindestens sechs Personen aufgedeckt. Sie waren in Hockerlage, also mit angezogenen Beinen auf der Seite, begraben und mit Beigaben ausgestattet worden. Damals war es üblich, Männer und Frauen mit dem Blick nach Osten zur aufgehenden Sonne niederzulegen, wobei die Frauen mit dem Kopf im Süden und auf die rechte Körperseite gebettet wurden, während man die Männer mit dem Kopf im Norden und auf der linken Körperhälfte liegend bestattete. Vor allem die Grabbeigaben ermöglichen die Zuordnung zu einer Zeit früher Bewohner Sendlings. Unter anderem hatte man den Verstorbenen Dolche aus Kupfer, Eberzähne, kleine Muscheln und mehrere Keramikgefäße mit ins Grab gegeben. Gerade letztere sind wichtige Indizien dafür, dass diese Menschen zur Glockenbecherkultur gehörten, die Jahrtausende später von Archäologen nach den charakteristischen glockenförmigen Keramikgefäßen benannt wurde. Neben den Gefäßen lassen auch die Kupfergegenstände zeitliche Rückschlüsse zu, da Kupfer als Material für Waffen und Werkzeuge erst weit in der Jungsteinzeit im 4. Jahrtausend auftrat, der Epoche der ersten Ackerbauern und Viehzüchter, die in Mitteleuropa um 5500 v. Chr. begann. Bereits ab der darauffolgenden Bronzezeit ab etwa 2200 v. Chr., wurde dann jene namengebende Legierung aus Kupfer und Zinn zum dominierenden Werkstoff für Werkzeuge, Waffen und Schmuck. Zwar nicht häufig, aber doch regelmäßig auftretend und in ihrer Form typisch für diese Zeit sind Armschutzplatten. Von ihnen wurden in den Sendlinger Gräbern mindestens zwei Stück gefunden. Sie waren aus Schiefergestein gefertigt, konnten aber auch aus Knochen bestehen und dienten beim Bogenschießen dem Schutz des Unterarms vor der zurückschnellenden Sehne. Einige Knöpfe unterschiedlicher Größe, die aus Knochen gefertigt wurden, schmückten Textilien. Obwohl die Informationen zu den 1906 entdeckten Gräbern leider sehr dürftig sind, können wir uns doch ein Bild von den damaligen Bewohnern des Sendlinger Raums machen. Die Menschen, die am Ende der Steinzeit an der Isar lebten, züchteten Vieh und beherrschten bereits die Verarbeitung von Metall. Außerdem waren sie nicht allein, wie der Blick über das Sendlinger Gebiet hinaus zeigt. Denn auch im benachbarten Pasing, in Moosach und Freiham sowie auf der anderen Seite der Isar in Zamdorf, Trudering und Berg am Laim wurden Bestattungen aus der Glockenbecherzeit entdeckt, die auf weitere Siedlungen schließen lassen.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/173">Für mehr sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2024-08-30T11:57:02+02:00</published>
    <updated>2026-08-06T13:26:48+02:00</updated>
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      <name>Anna Enzensberger&amp;#32;&amp;amp;&amp;#32;Heiner Schwarzberg</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Ein keltischer Arzt in der Hofbauernstraße von Obermenzing: Das Grab eines Chirurgen und Kriegers]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Die überraschende Entdeckung eines Arztgrabes bietet nach Jahrtausenden die Möglichkeit, einen Mann kennenzulernen, der kämpfte, aber auch heilte. Das Grab gestattet einen seltenen Einblick in die rätselhafte und bisher weitgehend im Dunkeln liegende Medizin der Kelten.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/8042aa540ed89fb8049d6dff0a30e127.jpg" alt="Grabbeigaben des keltischen Arztes: Skalpell, Wundhaken, Knochensäge, Eisen" /><br/><p>Wer würde schon vermuten, dass sich in seinem Garten ein Friedhof aus der Frühgeschichte befindet? Vermutlich wäre auch der Postinspektor Schild nicht einmal im Traum auf diese Idee gekommen, bis er im Sommer des Jahres 1910 auf seinem Grundstück in der Hofbauernstraße nahe bei der Blutenburg in Obermenzing auf eine Begräbnisstätte aus der jüngeren Eisenzeit, der „Latènezeit“ stieß. Dabei handelt es sich um die letzte prähistorische Epoche im mitteleuropäischen Raum. Sie dauerte von ca. 450 v. Chr. bis zum Jahr 15 v. Chr. und wird mit den Kelten in Verbindung gebracht. Nachdem Herr Schild auf acht Gräber gestoßen war, fand drei Jahre später eine archäologische Ausgrabung auf seinem Grundstück statt, die neun weitere Gräber zu Tage förderte. Die Toten hatte man, wie für die Mittellatènezeit (250–150 v. Chr.) üblich, in Flachgräbern, auf dem Rücken liegend bestattet und mit Beigaben ausgestattet. Zu dieser Zeit setzte außerdem allmählich die Sitte der Brandbestattung ein. Dabei wurden die Verstorbenen auf einem Scheiterhaufen verbrannt und der sogenannte „Leichenbrand“ (Asche und Knochenreste) anschließend mit oder ohne Urne in einem Grab beigesetzt. Unter den Bestattungen aus Obermenzing fanden sich mindestens drei solcher Brandgräber, bei denen man die Asche ohne Urne auf den Boden der Grabgrube gestreut hatte. Hierzu zählt auch Grab 7, das durch seine Beigabenausstattung herausstach: Es erwies sich als letzte Ruhestätte eines Chirurgen der Zeit um 200 v. Chr. und damit als eines der ältesten bekannten Arztgräber Mitteleuropas. Da man dem Verstorbenen sein Handwerkszeug mit ins Grab gelegt hatte, war es möglich, ihn als Arzt zu identifizieren. Zu den medizinischen Instrumenten gehörten zwei Skalpelle, ein Wundhaken und eine Knochensäge, die alle aus Eisen gefertigt waren. Um das Rosten zu verhindern, hatte man die Klinge der Säge mit Bronze überzogen. Dass es sich bei dem Toten um einen Mann handelte, legen die weiteren Grabbeigaben nahe. Ein Schwert mit Scheide, eine Lanze, ein Schild, ein Rasiermesser sowie die Überreste eines Pferdegeschirrs gehören zur charakteristischen Ausstattung eines Mannes. Die Vorderseite der Schwertscheide ziert unterhalb des Griffs eine Triskele mit Vogelkopfenden. Dem magischen Symbol der Unendlichkeit erwachsen aus einem gemeinsamen Zentrum drei geschwungene Achsen oder Flügel. Das medizinische „Knowhow“ im keltischen Europa ist nicht zu unterschätzen. Obwohl mangelnde Hygiene und Fachwissen insbesondere bei schweren Erkrankungen die Überlebenschancen minderten, wurden schon weit früher, seit der Steinzeit, Operationen durchgeführt, die nicht unbedingt zum Tod führten. Aus der Eisenzeit des letzten Jahrtausends v. Chr. stammen die Überreste mehrerer Menschen, bei denen Schädeloperationen erfolgreich durchgeführt wurden und verheilt waren. Das medizinische Wissen jener Zeit beruhte auf einem generationenübergreifenden Erfahrungsschatz und wurde durch mündliche Überlieferung weitergegeben. Außerdem spielte mit Sicherheit auch der Wissensaustausch zwischen den Kulturen des Mittelmeerraums und Mitteleuropas eine große Rolle; so zeigen die Werkzeuge aus Obermenzing Ähnlichkeit mit medizinischen Instrumenten aus dem griechischen Raum, die man dort allerdings nicht aus Eisen fertigte. Welche Wunden der Arzt aus Obermenzing im Laufe seines Lebens behandelte, für welche Operationen er sein Chirurgenbesteck einsetzte und wie erfolgreich er dabei war, ist heute nicht mehr feststellbar. Die für die Kelten unübliche Beigabe von Werkzeug, zusammen mit mehreren Waffen, stellt allerdings eine besonders reiche Grabausstattung dar und lässt vermuten, dass es sich hier um eine bedeutende Person gehandelt hat, die als Krieger und Arzt gewissermaßen Tod und Heilung vereinte. Obwohl bisher selten, gibt es einige Gräber der jüngeren Eisenzeit, die der Bestattung aus Obermenzing ähneln. In Gräbern aus Zukowice (Polen), Batina-Kisköszeg (Serbien), Galatii Bistritei (Rumänien) und Zvonimirovo (Kroatien) fand man neben Waffen ebenfalls chirurgische Instrumente als Beigaben. Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese „Kriegerärzte“ in ihrer jeweiligen Gemeinschaft einen hohen Status innehatten und Teil einer lokalen Elite waren.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/165">Für mehr (einschließlich 4 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2024-06-28T15:22:03+02:00</published>
    <updated>2026-08-06T13:24:26+02:00</updated>
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      <name>Anna Enzensberger&amp;#32;&amp;amp;&amp;#32;Holger Wendling</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Das baiuvarische Reihengräberfeld von Aubing: Die ersten Baiuvaren und die früheste Kirche im Münchner Stadtgebiet?]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Bereits 1938 konnten in Aubing (Stadtkreis München) zahlreiche Gräber aus dem frühen Mittelalter archäologisch untersucht werden. In den 1960er Jahren gelang der Brückenschlag zu den zuvor nicht erschlossenen Teilen dieses großen Friedhofs des 5. bis 7. Jahrhunderts n. Chr. So wurde im Münchner Westen ein baiuvarischer Bestattungsplatz annähernd vollständig untersucht, was in dieser Größenordnung bisher einzigartig für Bayern ist. Die Grabfunde und weitere Beobachtungen beleuchten schlaglichtartig den Übergang von Römern zu den frühen Baiuvaren und erlauben Rückschlüsse auf die wachsende Bedeutung des Christentums in dieser Zeit.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/46dfdb707e0e92dad5321ca1022e4c46.jpg" alt="Ausgrabung des Reihengräberfelds in Aubing, 1938" /><br/><p>Eine archäologische Sensation! 1938 wurde in Aubing beim Abbau von Schotter für den Gleisbau eines neu geplanten Verschiebebahnhofs ein baiuvarischer Friedhof entdeckt. Aufmerksame Arbeiter bemerkten menschliche Überreste und Grabbeigaben und informierten das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, das unverzüglich tätig wurde. Innerhalb von nur zwei Monaten wurden damals 358 Bestattungen untersucht. Die meisten waren im 6. Jahrhundert angelegt worden. Einige reichen aber auch in die 2. Hälfte des 5. Jahrhunderts zurück, die Zeit kurz nach dem Ende der römischen Herrschaft. Der Zweite Weltkrieg beendete dann alle weiteren Grabungsvorhaben. Erst ab 1961 kam es unter der Leitung der Archäologischen Staatssammlung zu erneuten Ausgrabungen mit dem Ziel, die gesamte Fläche des Friedhofs zu erfassen. Bis 1963 wurden weitere 477 Gräber entdeckt. Besonders wichtig war hierbei die Suche nach dem Anschluss an die Grabungsgrenze von 1938. Die Ausmachung der ehemaligen Randbereiche des Friedhofs zeigte den Archäolog:innen, dass sie das anvisierte Ziel der vollständigen Untersuchung eines baiuvarischen Friedhofs erreicht hatten. Die Fundstelle der frühmittelalterlichen Begräbnisstätte von Aubing liegt im westlichsten Teil der Münchner Schotterebene, ungefähr 12 Kilometer vom heutigen Stadtzentrum entfernt. Vorrangig dürfte der wichtige Verkehrsweg des Würmtals für die frühmittelalterliche Bevölkerung eine entscheidende Bedeutung bei der Platzwahl zur Errichtung ihrer Dörfer und Höfe gehabt haben. Diese Dörfer wurden im frühen Mittelalter aus Holz gebaut, sind deshalb nicht erhalten und für Archäolog:innen oft nur schwer zu finden. Sie werden deshalb meistens nur indirekt durch die dazugehörigen charakteristischen Friedhöfe angezeigt. Im frühen Mittelalter war es üblich, die Gräber gleichmäßig ausgerichtet in langen Reihen anzulegen. Deshalb werden diese Friedhöfe, die unseren heutigen ähneln, auch als „Reihengräberfelder“ bezeichnet. Einer dieser Begräbnisplätze war also in Aubing gefunden worden. Aber was konnten die Wissenschaftler:innen dort konkret feststellen? Zum einen, dass die Belegung des Reihengräberfeldes offenbar von Norden, wo die älteren Bestattungen angetroffen wurden, in Richtung Süden erfolgt war. Innerhalb von mehr als 200 Jahren erreichte der Bestattungsplatz somit Ausmaße von circa 120 × 55 Metern. Besonders auffällig war, dass die Menschen, die den Friedhof anlegten, sich bei der Ausrichtung an einem römerzeitlichen Graben orientierten. Dieser war im Frühmittelalter offenbar noch sichtbar und bildete immer die westliche Begrenzung. Die Verstorbenen in den 862 Gräbern wurden zumeist in Rückenlage und mit dem Kopf im Osten beigesetzt. Abweichungen kommen vor, sind aber selten. Die bis ins 8. Jahrhundert noch üblichen Grabbeigaben bestehen bei den Männern besonders aus ihren Waffen und verzierten Gürteln. Frauen wurden vor allem ihr Schmuck und ihre oft kunstvoll gefertigten Gewandverschlüsse (Fibeln) mit ins Grab gelegt. Dinge, die den Verstorbenen im Leben sicher wichtig waren. Diese oft sehr wertvollen Gegenstände lockten Grabräuber an, was in Aubing durch eine „Zerwühlung“ der Skelette und sogar das verlorene Werkzeug eines Plünderers angezeigt wurde. Als Besonderheit dürfen die festgestellten Spuren von Grabeinfassungen oder Überbauten gelten. Der an der östlichen Grenze des Gräberfeldes nachgewiesene Grundriss eines kleinen Holzgebäudes nimmt Bezug auf die Ausrichtung der Gräber und kann eventuell als sehr frühe christliche Kapelle oder Kirche angesehen werden. Sollte diese Theorie sich bestätigen, wäre das Friedhofsgebäude mit einer mutmaßlichen Erbauung um 700 die früheste Kirche im Münchner Stadtgebiet.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/156">Für mehr (einschließlich 11 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2024-05-28T17:49:44+02:00</published>
    <updated>2026-08-06T12:26:39+02:00</updated>
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    <author>
      <name>Brigitte Haas-Gebhard &amp;#32;&amp;amp;&amp;#32;Tobias Heuwinkel</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Der Grabstein von Friedrich von Schlichtegroll auf dem Alten Südfriedhof: Ein fast vergessenes Grab eines Universalgelehrten]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Auf dem Alten Südfriedhof findet sich neben zahlreichen bekannten Persönlichkeiten des 18. und 19. Jahrhunderts auch das Grab von Friedrich von Schlichtegroll, dem ersten Generalsekretär der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, der Anteil an der Entzifferung der Hieroglyphen hatte.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/cd17df5537dd2949dd5e655c61fffb90.jpg" alt="Friedrich von Schlichtegroll (1765–1822)" /><br/><p>Friedrich von Schlichtegroll (1765–1822) war Philologe, Numismatiker, Altertumsforscher, Mozart-Biograph und von 1807–1822 erster Generalsekretär der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Dort förderte er die Beschäftigung mit der altägyptischen Kultur. Seine Absicht war es, den Wettstreit um die Entzifferung der Hieroglyphenschrift zugunsten der deutschen Forscher zu beeinflussen. Hierzu ließ er 1817 mittels der kurz zuvor in München von Alois Senefelder entwickelten Technik der Lithographie eine Reproduktion des Rosetta-Steins anfertigen. Schlichtegroll selbst berichtete hierüber in einer Rede, die er am 28. März 1818 zur Feier des Stiftungstages der Akademie der Wissenschaften gehalten hatte, die unter dem Titel „Ueber die bey Rosette in Aegypten gefundene dreyfache Inschrift“ auch in gedruckter Form vorgelegt wurde. Dort stellte er fest: „<i>Der heilige Käfer mit seinen großen Flügeln, der geweihte Sperber, Isis mit dem Horus an der Brust, Anubis mit dem Kopf des Hundes, das Auge, der Lotus, das Sistrum und ähnliche Embleme wiederholen sich in mannichfaltiger und doch auch wiederkehrender Verbindung so unzähligmal in diesen Bilderreihen, daß man meynt, es muß sich durch Scharfsinn und Glück ein Schlüssel dazu finden;</i>“ (Schlichtegroll 1818, S. 8). Die bisherigen Bemühungen im internationalen Wettstreit um die Entzifferung der Hieroglyphen waren bisher aber alle vergebens. „<i>Niedergeschlagen gab der ernste Forscher die Hoffnung fast auf; immer von neuem lud die unzählbare Menge solcher Bilderreihen, mit Absicht und Sinn auf die Tausend großen und kleinen Monumente hingesetzt, zur Lösung des Räthsels ein, und immer blieb es ungelöst … Nirgends ein Anhaltspunct, nirgends ein Landungsplatz, wo der muthige Forscher Anker werfen und, wenn auch Fuß für Fuß, das unbekannte Land erobern könnte.</i>“ (Schlichtegroll 1818, S. 11). Die Resignation, die aus diesen Worten spricht, benutzte Friedrich von Schlichtegroll, um dem nun doch aufkeimenden Hoffnungsschimmer besonderes Gewicht zu verleihen: „<i>Man denke sich daher die freudige Überraschung, als vor etwa 17 Jahren die Nachricht erscholl, es sey bey Rosette in Aegypten ein Basaltstein gefunden worden, der eine dreyfache Inschrift enthielte, erst eine Anzahl hieroglyphischer, weiter unten vier und dreyßig koptische, und noch tiefer vier und funfzig griechische Zeilen, … Eine neue Hoffnung ging auf! Die Gelehrten, die der französischen Armee nach Aegypten gefolgt waren, hatten sogleich, als der Stein bey Rosette gefunden worden, die Wichtigkeit desselben erkannt!</i>“ (Schlichtegroll 1818, S. 12). Allerdings musste Schlichtegroll daraufhin sofort wieder relativieren: „<i>Aber die Haupterwartung, einen sicheren Schlüssel zu der Hieroglyphenschrift zu finden, wurde bis jetzt nicht erfüllt.</i>“ (Schlichtegroll 1818, S. 14). Das sollte aber nicht so bleiben, weshalb Schlichtegroll nun selbst aktiv wurde und ankündigte, zur Entschlüsselung der Schrift beitragen zu wollen und rief seine gelehrten Kollegen dazu auf, sich anzuschließen. Wichtig war für Schlichtegroll vor allem, dass möglichst vielen Forschern die Gelegenheit gegeben wurde, sich mit den Inschriften auseinanderzusetzen. Zwar gab es seit längerem Abbildungen, vor allem Kupferstiche, der Inschrift, die unter anderem auch von den Briten herausgegeben wurden, aber diese waren für viele Forschende schwer erreichbar, nur in wenigen Bibliotheken vertreten und zudem auf Grund ihres hohen Preises unerschwinglich. Schlichtegroll forderte daher, dass Abbildungen des Steins den Forschern zugänglich gemacht werden sollten. Hier konnte er auf die Forschungsinfrastruktur und einen besonderen Standortvorteil in München zurückgreifen, denn er hatte veranlasst, dass die englischen Lithographien des Steins vervielfältigt wurden und in München für ganz Deutschland zur Verfügung standen. Bescheiden in einer erklärenden Fußnote fügte Schlichtegroll hinzu, was er veranlasst hatte: „<i>Ich habe die drey Englischen Kupferblätter auf sechs Steine übertragen lassen, so daß das zu München verfertigte treue Nachbild in sechs Blättern besteht.</i>" (Schlichtegroll 1818, 25, Anmerkung). Nichts desto trotz gelang die Entzifferung der Hieroglyphenschrift dann doch einem Franzosen, nämlich Jean-François Champollion (1790–1832), der diesen Erfolg am 25. Oktober 1822 in der berühmten Lettre à M. Dacier bekannt machte. In Schlichtegrolls Amtszeit als Generalsekretär der Akademie fallen auch die ersten Schenkungen und Erwerbungen von ägyptischen Altertümern als Grundstock einer Sammlung der Akademie. Schlichtegroll hatte bereits 1818 die Hoffnung geäußert, durch günstige Erwerbungen eine Sammlung von beschrifteten altägyptischen Originalen, vorwiegend Särgen und Stelen, aufbauen zu können. Dies bildete gewissermaßen das Gegenstück zu den Erwerbungen von Ludwig I., der überwiegend „<i>Objekte herausragender Schönheit</i>“ ankaufen ließ, also den Schwerpunkt Kunst förderte, wohingegen Schlichtegroll mit den beschrifteten Objekten den – aus damaliger Sicht – wissenschaftlichen Aspekt förderte. Friedrich von Schlichtegroll starb kurz nach Champollions Triumph am 4. Dezember 1822. Sein Grabstein auf dem Alten Südfriedhof (M-re-213) wurde 2009/2010 mit Mittel des Freundeskreises des Ägyptischen Museums München e.V. restauriert und erstrahlt seither in neuem Glanz.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/151">Für mehr (einschließlich 4 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2024-04-29T13:06:03+02:00</published>
    <updated>2026-08-06T12:25:17+02:00</updated>
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      <name>Arnulf Schlüter</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Der Alte Südliche Friedhof: „[G]roßartiges Monument der Sterblichkeit der Münchner Einwohner“ (Denk, Ziesemer 2013, 22)]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Inmitten des heutigen Glockenbachviertels lädt der Alte Südliche Friedhof ein, in seiner dem Stadttrubel entrückten Grünlandschaft zu spazieren, zum schaurig-schönen Betrachten und Verweilen. Seine Popularität stieg durch die ab dem Anfang des 18. Jahrhunderts zunehmend auf den Markt gekommenen Reiseführer, die ihn für seinen gefälligen gartenähnlichen Charakter, die eindrucksvolle Architektur wie auch aufgrund der Bedeutsamkeit der dort bestatteten Persönlichkeiten als Sehenswürdigkeit hervorhoben. So formulierte beispielsweise Max J. Hufnagel, der Friedhof biete einen „Querschnitt durch das kulturelle und geistige und wirtschaftliche Leben“ der Großstadt, wodurch sich in ihm eine „wahrhaft große Zeit [spiegle]“ (Hufnagel 1970, S. 16). </em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/30f091ce8ace4d3bcd4178f0331f5420.jpg" alt="Der Alte Südliche Friedhof mit Blick in Richtung Süden, 2010" /><br/><p>Die Entstehung des Friedhofs im 16. Jahrhundert war eng mit Reformprozessen im Bestattungswesen und dem rapiden Bevölkerungswachstum der aufblühenden Haupt- und Residenzstadt verbunden. Hinzu kamen die vielen Toten, die der Dreißigjährige Krieg und die Pest gefordert hatten. Diese Entwicklungen führten dazu, dass die innerstädtischen Kirchhöfe nicht mehr ausreichten. So wurde der Südliche Friedhof 1563 als Behelfsfriedhof vor dem Sendlinger Tor gegründet. Allerdings wurde seine Entfernung zur Stadt von der Bevölkerung als zu groß empfunden. Deshalb sowie aufgrund der Gestaltung der Friedhofsanlage, die bis dahin nur nach zweckmäßigen und nicht nach ästhetischen Gesichtspunkten erfolgte, war dieser lange, auch in seuchenfreien Zeiten, nicht besonders beliebt. Daher wurden dort zunächst vornehmlich Personen bestattet, die in der Stadt kein Erbgrab erwerben konnten, so etwa Heimatlose oder Arme. Außerdem wurde erst Jahre nach der Weihe (1674–1677) eine Friedhofskirche, die heutige St. Stephanskirche nach Plänen von Georg Zwerger, am nördlichen Ende des Friedhofs erbaut. Nach der Kommunalisierung des Friedhofswesens, welche bedingte, dass 1788 ein innerstädtisches Bestattungsverbot verabschiedet wurde, wurde der Südliche Friedhof zum alleinigen Begräbnisplatz des gesamten Stadtgebiets erklärt. Dies sollte er dann bis zur Eröffnung des Nördlichen Friedhofs 1868 in der Maxvorstadt bleiben. Immer wieder kam es zu Erweiterungen der Anlage im Süden der Stadt. Alle Planungen, die über den alltäglichen Bestattungsbetrieb hinausgingen, sind auf königliche Initiativen zurückzuführen. Unter anderem entstand so nach Plänen Friedrich von Gärtners 1844–1850 unter Ludwig I. der Campo Santo, ein italienischer Friedhofstypus mit einer von Architektur vollständig gerahmten Anlage in Kombination mit Säulenhallen und einem nach innen geöffneten klassizistischen Bogengang. Dieser wurde nach Inspiration von Bolognas Friedhof La Certosa errichtet und sollte das für Friedhöfe in Deutschland des 19. Jahrhunderts weitgehend singuläre gestalterische Projekt werden, das dem Alten Südlichen Friedhof deutschlandweit besondere Aufmerksamkeit einbrachte. Es ging dabei weniger um eine allgemein mustergültige Lösung, sondern um eine gestalterische Aufwertung des Münchner Bestattungsortes als königliches Bauprojekt. Wie Glyptothek, Pinakothek oder Ludwigstraße sollte der Campo Santo durch seine Architektur Zeugnis von der herausragenden Stellung der „Kunststadt“ München ablegen und damit nicht zuletzt dem Nachruhm des Königs Ludwig I. dienen. Die Umbauarbeiten unter Berücksichtigung ästhetisch-gestalterischer Kriterien beschrieb damals Andreas Träger, mit skeptischem Unterton, als „[…] mit ironischer Schärfe angestellte Bemühungen der Zeit, Tod, Beisetzung und Friedhof von ihren ‚schauerlichen Assoziationen‘ zu befreien“. Er schließt mit der Feststellung, dass innerhalb der Neuerungen des Friedhofs ein „traurige[s], abscheuliche[s] Memento mori in einen niedlichen, allerliebsten französischen Lust- und Blumen-Garten mit Arkaden […] umgestaltet“ (Träger 1818, S. 7) worden sei. So wurde der früher missliebige „Fertere“ [äußere] (Hufnagel 1970, S. 20) Gottesacker im Zuge der ambitionierten Stadtverschönerungspolitik Ludwigs I. zu einem „Vorzeigeobjekt“, welches auch heute noch, als seit 1944 aufgelassener Friedhof, von Anwohnern wie Besuchern gewürdigt wird und als memoriale Oase in Münchens Südwesten fortwährend ein Ort der Toten und der Lebenden ist.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/145">Für mehr (einschließlich 9 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2024-02-15T11:10:06+01:00</published>
    <updated>2026-08-06T12:21:14+02:00</updated>
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      <name>Nathalie Haas</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Die Sphingen am Nordfriedhof: Der Münchner „Alektryonsphinx“]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Seit 2020 stehen am Eingang der Aussegnungshalle des Münchner Nordfriedhofes wieder zwei hahnenköpfige Sphingen. Sphingen als Wächter kennt man aus dem alten Ägypten, die Form mit Hahnenkopf ist jedoch ungewöhnlich und hat den beiden Statuen ein Weiterleben in der Literatur ermöglicht.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/dab27bbca229dec730847de1dda84986.jpg" alt="Aussegnungshalle mit Sphingen, 1889/1932" /><br/><p>Bei den Statuen handelt es sich um originalgetreue Neuanfertigungen der beiden Sphingen, die von den 1890er bis in die 1960er Jahre am Eingang des Nordfriedhofes standen und dann auf ungeklärte Weise verschwanden. Diese Sphingen fanden als „apokalyptische Tiere“ Eingang in die Novelle „Tod in Venedig“ von Thomas Mann, der zwischen 1913 und 1933 in München lebte. </p><p>Gleich im ersten Kapitel der Novelle steht der Protagonist Gustav von Aschenbach den Sphingen am Nordfriedhof gegenüber, betrachtet die Aussegnungshalle und verliert sich in Träumereien:</p><p>„Ihre Stirnseite, mit griechischen Kreuzen und hieratischen Schildereien in lichten Farben geschmückt, weist überdies symmetrisch angeordnete Inschriften in Goldlettern auf, ausgewählte, das jenseitige Leben betreffende Schriftworte wie etwa ‚Sie gehen ein in die Wohnung Gottes‘ oder ‚Das ewige Licht leuchte ihnen‘; und der Wartende hatte während einiger Minuten eine ernste Zerstreuung darin gefunden, die Formeln abzulesen und sein geistiges Auge in ihrer durchscheinenden Mystik sich verlieren zu lassen, als er, aus seinen Träumereien zurückkehrend, im Portikus, oberhalb der beiden apokalyptischen Tiere, welche die Freitreppe bewachen, einen Mann bemerkte, dessen nicht ganz gewöhnliche Erscheinung seinen Gedanken eine völlig andere Richtung gab.“ (zit. nach Mann 1922, S. 11.)</p><p>Im Anschluss an diese Begegnung plant Gustav von Aschenbach in einer ersten Todesahnung seine Reise von München nach Venedig. </p><p>Die echten Sphingen des Nordfriedhofs gerieten auch nach ihrem mysteriösen Verschwinden wegen ihrer Erwähnung in Thomas Manns Novelle nicht in Vergessenheit, sondern wurden durch das Thomas-Mann-Forum wieder in den Blickpunkt gerückt. Dank der Recherchen des Literaturwissenschaftlers und Vorsitzenden des Thomas-Mann-Forums Dirk Heißerer konnten die beiden Sphingen rekonstruiert werden. Darüber hinaus stieß er auf Dokumente, die das Rätsel um die beiden Sphingen lüften. </p><p>Das Projekt der Neuanfertigung der beiden Sphingen fand unter Anleitung des Steinmetzteams um Barbara Oppenrieder und Wolfgang Gottschalk sowie Schülern der Steinmetzschulen statt. Aus einem wuchtigen 2,3 Tonnen schweren Block aus Kehlheimer Kalkstein erschufen sie den gewaltigen 1,92 Meter langen, 62 Zentimeter breiten und 1,7 Meter hohen Sphinx. Dank alter Fotografien in Archiven ließ sich das Aussehen – über Thomas Manns Benennung als „apokalyptische Tiere“ hinaus – rekonstruieren. Der Sphinx zeigt sich – heute wie damals – mit Löwenkörper und Hahnenkopf, in den Pranken eine Stele haltend und auf dem Kamm eine runde Scheibe tragend. Die Darstellung dieser modernen Sphingen gibt Anlass zu einem kleinen Exkurs ins Alte Ägypten.</p><p>In der Scheibe der Münchner Sphingen lässt sich eine Anspielung auf die altägyptische Sonnenscheibe erkennen, die bei zahlreichen Göttern den Kopf schmückt. Ein Hahnenkopf ist für altägyptische Sphingen jedoch nicht belegt. Sie haben entweder einen menschlichen Kopf (Sphinx), einen Widderkopf (Kriosphinx) oder – seltener – einen Falkenkopf (Hierakosphinx). Entsprechend verkörpern sie den König, den Gott Amun und den Falkengott Horus oder Month. </p><p>Der ägyptische Sphinx zeigt ein Mischwesen aus liegendem Löwenkörper und männlichem Kopf. In ihm wird das Doppelwesen des Königs, der Mensch und Gott zugleich ist, sichtbar. Als König erkennbar ist der Sphinx an der Darstellung des königlichen Nemes (Königskopftuch).</p><p>In ihren Formaten decken die altägyptischen Sphingen ein breites Spektrum ab. Der riesige Sphinx von Gizeh am Fuße des Aufwegs zur Pyramide des Chephren ist nicht nur der größte, sondern auch der früheste Beleg für einen Sphinx. Am anderen Ende des Größenspektrums stehen kleine Statuetten von Sphingen, wie sie auch im Münchner Ägyptischen Museum zu sehen sind.</p><p>Die außergewöhnliche Darstellung der Sphingen am Nordfriedhof in ihrer strengen Zweiteilung in liegenden Löwenkörper mit ausgestreckten Vorderläufen nach ägyptischem Muster und gänzlich unägyptischen Hahnenkopf lässt sich am ehesten mit den falkenköpfigen Sphingen, den „Hierakosphingen“ in Verbindung bringen. Dieser Sphinxtypus ist jedoch nur sehr selten belegt. Als großformatige Skulpturen stehen Falkensphingen paarweise vor dem Tempel Ramses‘ II. in Wadi es Sebua in Nubien, und zwei Falkensphingen fand Belzoni im Großen Tempel von Abu Simbel (heute im British Museum). Ob es diese mehrfach abgebildeten ramessidischen Statuen gewesen sind, die den Bildhauer inspirierten, der die Münchener Hahnensphingen schuf? Da sie die einzigen ihrer Art sind, wäre es übertrieben, für sie der ägyptologischen Terminologie den „Alektryonsphinx“ hinzuzufügen. </p><p>Aber sie sollen doch ehrfurchtsvoll in den Kreis der Sphingen aufgenommen werden, und wir wollen ihre Rückkehr nach München freudig begrüßen.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/112">Für mehr (einschließlich 4 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2023-09-22T16:06:50+02:00</published>
    <updated>2026-08-05T14:28:15+02:00</updated>
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      <name>Jan Dahms</name>
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