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Der Karl-Valentin-Brunnen

Seit 1953 befindet sich am südlichen Ende des Viktualienmarkts der Brunnen als Andenken an Karl Valentin (1882–1948). Der für seine dürre Gestalt bekannte Münchner Komiker und Schauspieler ist hier auf einem kopfstehenden Fragezeichen balancierend dargestellt, an dem auf der Vorderseite Masken seiner bekanntesten Rollen und auf der Rückseite ein Teufelsköpfchen angebracht sind.

Lebendiges Münchner Wahrzeichen, seine Einmaligkeit, Karl Valentin. Selbst in Berlin stand die Kritiker-Elite von Alfred Kerr (1867–1947) bis Kurt Tucholsky (1890–1935) Kopf vor Begeisterung über die Realsatire und das intuitive Erfassen von dem, was hinter dem Sinn steckt. Karl Valentins vertrackte Logik gewann großen Einfluss auf Bertolt Brecht (1896–1956), der wusste, wie das Publikum fühlt und spricht. Brecht bewunderte den Verfremdungsprozess, den Valentin intuitiv beherrschte, und der seine Zuhörer – unmerklich und doch zwingend – dazu brachte, das Gewöhnliche in einem ganz neuen Lichte zu sehen.

Der in der in der Entenbachstraße 63 (heute Zeppelinstraße 41) in der Münchner Au gebürtige Valentin Fey, so der bürgerliche Name des Karl Valentin, war in der Zeit der Lebensmittelmarken noch magerer geworden und schrieb an den Stadtanzeiger: „Ich war kürzlich bei einem Bekannten, der hat mich in seinem Garten photographiert, und wie ich das fertige Bild anschau, bin ich überhaupt nicht mehr drauf zu sehen gewesen.“

Valentin starb am Rosenmontag, den 9. Februar 1948, wohl mit den Worten: „I hab net g'moant, dass's Sterbn so schee is“. Am Aschermittwoch wurde er in Planegg beigesetzt. Sein Nachlass ging für 7.000 Reichsmark an das Theaterwissenschaftliche Institut der Universität zu Köln. Die Stadt München hatte diesen Betrag „aus Geldmangel“ nicht aufbringen können. Eine Fotosammlung zu Karl Valentin befindet sich heute im Stadtarchiv München.

Aufgedreht wurde der Trinkwasserbrunnen auf dem Münchner Viktualienmarkt am 18. Oktober 1953 von seiner ehemaligen Bühnenpartnerin Liesl Karlstadt.

Entworfen hatte den Brunnen der Münchner Bildhauer Ernst Andreas Rauch (1901–1990). Rauch studierte von 1920 bis 1927 an der Akademie der Bildenden Künste München bei Bernhard Bleeker. Von 1932 bis 1960 für die Nymphenburger Porzellan-Manufaktur tätig, beteiligte sich Rauch im Nationalsozialismus mehrfach an der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ und erhielt 1941 eine Professur an der Nürnberger Akademie. Der auf der sogenannten Gottbegnadeten-Liste verzeichnete Künstler schuf im öffentlichen Raum in München nach 1945 vor allem Tierdarstellungen und Brunnenfiguren, darunter eine Serie von acht Tierskulpturen in der Borstei. Der humorvolle Valentin-Brunnen ist ein typisches Nachkriegswerk des Bildhauers.

Bilder

Der Brunnen für Karl Valentin mit Blumenschmuck, 2004
Der Brunnen für Karl Valentin mit Blumenschmuck, 2004 Der Bildhauer Ernst Andreas Rauch stellte hier den Münchner Komiker und Schauspieler Karl Valentin balancierend zwischen Masken seiner Paraderollen und einem Teufelsköpfchen dar. Der Trinkwasserbrunnen befindet sich seit 1953 auf dem Münchner Viktualienmarkt. Erstellt von: Ernst Theodor Mayer
Postkarte mit Brustbild von Karl Valentin, 1930
Postkarte mit Brustbild von Karl Valentin, 1930 Das Portrait zeigt den Schauspieler und Komiker mit Krawatte und Melone. Die Postkarte stammt aus der Fotosammlung Karl Valentins, die im Stadtarchiv München aufbewahrt wird. Quelle: Stadtarchiv München, FS-NL-KV-2211

Ort

Viktualienmarkt, 80331 München | öffentlich zugänglich

Metadaten

Ernst Theodor Mayer, “Der Karl-Valentin-Brunnen,” MunichArtToGo, zugegriffen am 25. Februar 2024, https://municharttogo.zikg.eu/items/show/82.