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Die Prinzregentenstraße

Die letzte Prachtstraße Münchens

Die 1891 angelegte Prinzregentenstraße ist die letzte nach einem Herrscher benannte Prachtstraße Münchens. Im Gegensatz zur Ludwigs- und Maximilianstraße, die ebenfalls dem Herrscher huldigen, handelt es sich hier jedoch in deutlich geringerem Maße um die künstlerische bzw. architektonische (Selbst-)Repräsentation des Regenten.

Tatsächlich war die Planung und Entstehung der nach dem Prinzregenten Luitpold von Bayern (1821–1912) benannten Prachtstraße weitgehend Sache der Stadt. Die Neuregelung des Bodeneigentums im Zuge der Bauernbefreiung in Bayern im 19. Jahrhundert hatte den absolutistischen Urbanismus unterbunden und die monarchische Verfügungshoheit im Bereich der Stadtplanung sehr stark eingeschränkt. Die dringenden Aufgaben wie Planung der wachsenden öffentlichen Infrastruktur, die Anlage neuer Straßen für die Stadterweiterung, sowie das Anlegen von Wasserleitungen und der Kanalisation wurde zunehmend von der Stadt selbst übernommen.

Natürlich spielten die monarchischen Wünsche der Repräsentation eine Rolle, jedoch waren diese bei der Prinzregentenstraße nicht mehr allein bestimmend. Der neue Straßenzug entstand daher im Rahmen der Stadterweiterung Münchens und der Eingemeindung Bogenhausens auch als bewusste Schaffung einer neuen großen Zufahrtstraße.

Wenngleich die Lage der Prinzregentenstraße – in der Nähe der Residenz, der Regierungsgebäude und des Hofgartens, sowie ihr Ausgangspunkt am Prinz-Carl-Palais – auf ideale Voraussetzungen für eine klassische Prachtstraße im monumentalen Stil ihrer Vorgänger hinweist, entwickelte sich hier zur Prinzregentenzeit ein moderner Stadtbau. Der Name Prinzregentenstraße wurde von den Stadtplanern nicht ohne Hintergedanken gewählt. Diese Huldigung des Prinzregenten Luitpold machte es einfacher, seine Zustimmung für das Bauen in unmittelbarer Nähe der höfischen Bauten zu erhalten. Während die anderen Prachtstraßen rein aus höfischen Geldern finanziert wurden, beschränkte sich der finanzielle Beitrag des Prinzregenten Luitpold auf den Bau der Luitpoldbrücke.

Die Brücke wurde am 12. März 1891, anlässlich des 70. Geburtstags des Monarchen, gestiftet, die Stahlbrücke wurde jedoch bereits 1899 durch ein Hochwasser zerstört. Der heutige steinerne Neubau der Luitpoldbrücke wurde ebenfalls vom Prinzregenten finanziert und 1903 fertiggestellt. Die Statuen auf der Brücke stehen allegorisch für die vier Stämme Bayerns: Bayern, Schwaben, Franken und die Pfalz. Unterhalb der beiden Figuren auf der linken Uferseite wurde die Inschrift: „Luitpold Prinzregent von Bayern liess diese Brücke erbauen. Seiner Lieben Haupt und Residenzstadt Muenchen 1900 – 1901.“ eingemeißelt.

Der monumentale Straßenzug der Prinzregentenstraße dokumentiert den Übergang der Selbstrepräsentation des Wittelsbacher Königshauses zur kommunalen Stadtplanung. Seit der Anlage des Straßenzuges wurden dort viele Monumente, Museen, Theater, Sammlungen und Künstlervillen errichtet. Dazu gehören beispielsweise das Friedensdenkmal (auch „Friedensengel“ genannt), das Bayerische Nationalmuseum, das Prinzregententheater, die Sammlung Schack, die Villa Stuck und – mehrere Jahrzehnte später – das Haus der Deutschen Kunst.

Bilder

Das Bayerische Nationalmuseum an der Prinzregentenstraße, 1972
Das Bayerische Nationalmuseum an der Prinzregentenstraße, 1972 Der Neubau des Bayerischen Nationalmuseums an der Prinzregentenstraße wurde von der Bayerischen Staatsregierung im Jahr 1892 beschlossen und vom Architekten Gabriel von Seidl im Jahr 1894 begonnen. Das neue Museum sollte vor allem die kunsthandwerkliche Sammlung von Maximilian II. beherbergen. Finanziert wurde der Bau ausschließlich aus staatlichen Haushaltsmitteln ohne finanzielle Zuschüsse der königlichen Zivilliste. Quelle: Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek / Archiv, Th238254 Erstellt von: Margrit Behrens
Blick von der Luitpoldbrücke auf den „Friedensengel“, um 1920
Blick von der Luitpoldbrücke auf den „Friedensengel“, um 1920 Ansicht von Westen. Quelle: Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek / Archiv, 406742
Luftaufnahme, um 1900
Luftaufnahme, um 1900 Die Aufnahme zeigt rechts das südliche Ende des Englischen Gartens, links Bogenhausen. In der Mitte ist die Umfahrung der Prinzregent-Luitpold-Terrasse zu erkennen. Quelle: Richard Bauer und Eva Graf (Hg.): Stadt im Überblick, München im Luftbild 1890–1935, München 1986, S. 178
Luftaufnahme, um 1905
Luftaufnahme, um 1905 Blick von Bogenhausen über die Prinzregentenstraße nach Westen. Quelle: Richard Bauer und Eva Graf (Hg.): Stadt im Überblick, München im Luftbild 1890–1935, München 1986, S. 52
Franz von Stuck, Huldigung der Münchner Künstler an Prinzregent Luitpold, um 1901
Franz von Stuck, Huldigung der Münchner Künstler an Prinzregent Luitpold, um 1901 Im Jahr 1887 wurde Prinzregent Luitpold durch die Künstlerschaft der Titel „Artium protector“ (zu deutsch „Beschützer der Künste“) verliehen. Franz von Stuck schuf ihm zu Ehren das Gemälde „Huldigung der Münchner Künstler an Prinzregent Luitpold anlässlich der Einsetzung der Monumental-Kommission“. Öl auf Holz im Originalrahmen, 62 cm x 49 cm. Quelle: Museum Villa Stuck, Schenkung des Vereins zur Förderung der Stiftung Villa Stuck e.V. zum 50-jährigen Jubiläum des Museums Villa Stuck 2018
Die Prinzregentenstraße, um 1900/1910
Die Prinzregentenstraße, um 1900/1910 Blick von der Prinzregent-Luitpold-Terrasse nach Westen Quelle: Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek / Archiv, Th154627
Die Prinzregentenstraße, um 1911
Die Prinzregentenstraße, um 1911 Die Postkarte zeigt den Blick nach Osten, im Hintergrund ist der Friedensengel zu erkennen. Quelle: http://www.zeno.org/nid/20000643440
Statue „Franken“ auf der Luitpoldbrücke, 1972
Statue „Franken“ auf der Luitpoldbrücke, 1972 Die Statue wurde um 1900/1901 von dem Bildhauer Balthasar Schmitt geschaffen und befindet sich auf der Südseite des östlichen Brückenkopfs. Quelle: Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek / Archiv, Th239260 Erstellt von: Margrit Behrens
Statue „Schwaben“ auf der Luitpoldbrücke, 1972
Statue „Schwaben“ auf der Luitpoldbrücke, 1972 Die Personifikation Schwabens aus dem Zyklus der vier Stämme Bayerns befindet sich auf der Nordseite des östlichen Brückenkopfs und wurde um 1900/1901 von Erwin Kurz geschaffen. Quelle: Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek / Archiv, Th239198 Erstellt von: Margrit Behrens
Statue „Pfalz“ auf der Luitpoldbrücke, um 1910
Statue „Pfalz“ auf der Luitpoldbrücke, um 1910 Die Personifikation der Pfalz befindet sich auf der Südseite des westlichen Brückenkopfs und wurde um 1900 vom Bildhauer August Drumm geschaffen. Quelle: Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek / Archiv, Th057483
Statue „Bayern“ auf der Luitpoldbrücke, um 1910
Statue „Bayern“ auf der Luitpoldbrücke, um 1910 Die Personifikation Bayerns wurde um 1900/1901 von Hermann Hahn geschaffen und befindet sich auf der Nordseite des westlichen Brückenkopfs. Heute befindet sich hier die 1954 von Joseph Wackerle erneuerte Jägerfigur. Quelle: Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek / Archiv, Th057482

Ort

Prinzregentenstraße | öffentlich zugänglich

Metadaten

Valérie Meßner, “Die Prinzregentenstraße,” MunichArtToGo, accessed 25. Juni 2024, https://municharttogo.zikg.eu/items/show/61.