Eingeordnet unter Englischer Garten

Der Monopteros im Englischen Garten

Point de vue, Belvedere, Gedenkmonument

Der Monopteros zieht die Blicke auf sich, wenn man den Englischen Garten vom Hofgarten her betritt. Der auf einem eigens konstruierten Hügel über drei monumentalen Stufen errichtete Rundtempel entstand in den 1830er-Jahren. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Englische Garten zu einem beliebten Ziel für die Promenade entwickelt. Der von ionischen Säulen getragene elegante Rundtempel bietet auch heute noch eine der schönsten Aussichten auf die Landeshauptstadt.

Als Monopteros bezeichnet man einen von Säulen getragenen offenen Rundtempel. Klassische Tempel, die einer Gartenszene als Staffagearchitekturen einen bestimmten Charakter verleihen, gehören zur Ausstattung vieler Landschaftsgärten des 18. Jahrhunderts. Schon Friedrich Ludwig von Sckell (1750–1823, 1808 geadelt), seit 1804 bayerischer Hofgarten-Intendant, hatte in einem Konzept von 1807 gefordert, ein „Pantheon“ der bayerischen Herrscher solle auf einem weithin sichtbaren Hügel im Englischen Garten errichtet werden. Realisiert wurde ein solches klassisches Bauwerk erst später, unter König Ludwig I. Die Planung und Ausführung des ab 1831 geplanten und 1835–1836 errichteten Monopteros lag bei dem Hofbau-Intendanten Leo von Klenze (1784–1864, 1822 geadelt).

Zunächst wurde ab 1832 der Hügel angelegt und modelliert: eine alles andere als triviale Aufgabe. Der Hügel musste nicht nur den Tempel tragen, sondern sich in möglichst natürlicher und harmonischer Wirkung in das bestehende, völlig flache Gartengelände einfügen. Für die Konstruktion war Carl August Sckell (1793–1840) verantwortlich, ein Neffe von Friedrich Ludwig von Sckell und ab 1823 dessen Nachfolger als Leiter der Hofgarten-Intendanz. Der etwa 15 Meter hohe Unterbau des Tempels besteht aus Ziegeln. Erdreich und Humus wurden aufgetragen und Wiesengräser gepflanzt.

Heute zeigt sich der Hügel erneut in seinem ursprünglichen klaren Umriss und Erscheinungsbild, nach einer grundlegenden Restaurierung durch die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen 2011–2016. 2014–2016 wurde auch der Monopteros restauriert und seine ansprechende Farbfassung wiederhergestellt.

Bilder

Hügel und Monopteros nach der Restaurierung, Fotografie, 2016
Hügel und Monopteros nach der Restaurierung, Fotografie, 2016 Seit der Restaurierung der ursprünglichen Situation 2011–2016 und der Rodung des Strauchbewuchses steht die Wiese auf dem Hügel, wie der Englische Garten insgesamt, unter einem enormen Nutzungsdruck. Trampelpfade tragen zur Erosion des Hanges bei. Wer sich durch den Ausblick vom Monopteros aus überraschen lassen will, sollte den Hügel lieber auf der Rückseite, auf dem Weg hinaufsteigen, statt den Grashang in der Direttissima hinaufzuklettern. Nur wenn die Millionen Besucherinnen und Besucher den hohen künstlerischen Rang der fragilen Anlage erkennen und respektieren, wird sie überleben können. Erstellt von: Iris Lauterbach
Carl August Lebschée, „Apollo Tempel im englischen Garten“, Aquatinta, 1831
Carl August Lebschée, „Apollo Tempel im englischen Garten“, Aquatinta, 1831 Es gab im Englischen Garten einen Vorläufer von Klenzes Monopteros: Bereits 1789 war im Hirschangerwald ein nach Apollo, dem Gott der Künste, benannter hölzerner Rundtempel errichtet worden. Er bestand bis in die 1830er Jahre und wurde 1838 durch die Marmorexedra (Steinerne Bank) ersetzt. Auch am Badenburger See im Nymphenburger Schlossgarten errichtete Klenze einen Monopteros, in korinthischer, nicht ionischer Säulenordnung. Quelle: Stadtarchiv München, HV-BS-B-02-15
Georg Pettendorfer, Wiese mit Kuhherde, Fotografie, 1920
Georg Pettendorfer, Wiese mit Kuhherde, Fotografie, 1920 Der Fotograf interessierte sich hier offensichtlich für den stilistischen Kontrast. Im Hintergrund ist der Monopteros-Hügel zu erkennen, noch im klaren Umriss des frühen 20. Jahrhunderts. Doch im Vordergrund, auf der Schönfeldwiese, wo heutzutage die Sonnenhungrigen lagern, grast friedlich eine Kuhherde: Die Heuwiesen des Englischen Gartens wurden bis weit ins 20. Jahrhundert hinein ökonomisch genutzt. Quelle: Stadtarchiv München, FS-NL-PETT2-1431 Erstellt von: Georg Pettendorfer
Der Monopteros von Süden, Fotografie, 1912
Der Monopteros von Süden, Fotografie, 1912 Die Fotografie zeigt den Monopteros als Point de vue durch ein Blickfenster in der Gehölzpartie am südlichen Abschluss des Gartens. Durch die geschickte Modellierung des mit Wiesengräsern bepflanzten Hügels ist der Monopteros auch aus der Ferne klar zu erkennen und scheint zu schweben. Quelle: Stadtarchiv München, C1912416
Der Hügel mit Strauchbewuchs, Fotografie, 1969
Der Hügel mit Strauchbewuchs, Fotografie, 1969 Um Erosionsschäden am Monopteroshügel zu verhindern, wurde der Hügel schon seit den 1920er-Jahren mit Sträuchern bepflanzt. Die auf Fotos der 1960er-Jahren dokumentierte dichte Strauchdecke machte das ursprüngliche Konzept des Monopteros und des „nazarenisch-reinen“* Hügelumrisses zunichte. Der Monopteros wucherte zu, im Schutze des Gesträuchs fühlten sich in den letzten Jahrzehnten des 20. Jhs. Dealer und Drogenhandel wohl. * Zit. nach Heinrich Wölfflin: Die Entartung des Englischen Gartens in München, in: Der Zwiebelfisch 16, 5/6, 1923/24, S. 116-118, hier S. 117. Quelle: Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek/Sammlungen, ZI-0953-03-00-460989 Erstellt von: A.F. Kersting
Der Blick auf die Münchner Stadtsilhouette, Fotografie, zweite Hälfte 20. Jh.
Der Blick auf die Münchner Stadtsilhouette, Fotografie, zweite Hälfte 20. Jh. Im Inneren des Monopteros ließ König Ludwig I. 1837 ein Gedenkmonument für die mit der Entstehung des Englischen Gartens verbundenen bayerischen Herrscher errichten. Die Inschrift würdigt Kurfürst Carl Theodor (reg. 1778–1799), den „Gruender dieses Gartens“, und den ersten bayerischen König Max I. Joseph (reg. 1799–1825), den „Erweiterer und Verschoenerer“ der Anlage. Quelle: Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek/Sammlungen, ZI-0953-03-00-375325
Blick vom Monopteros auf die Stadtsilhouette, Fotografie, 2017
Blick vom Monopteros auf die Stadtsilhouette, Fotografie, 2017 In den 1830er-Jahren wurde die Silhouette der Residenzstadt München im Blick vom Monopteros aus inszeniert. Das Gebäude ist also nicht nur ein Point de vue und ein Gedenkmonument, sondern auch ein Belvedere. Erstellt von: Iris Lauterbach

Ort

Englischer Garten, 80538 München | frei zugänglich

Metadaten

Iris Lauterbach, “Der Monopteros im Englischen Garten,” MunichArtToGo, zuletzt zugegriffen am 23. Februar 2026, https://municharttogo.zikg.eu/items/show/308.