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    <name>MunichArtToGo</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Am Glockenbach 10: Das erste Schwulenzentrum Münchens]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Die Teestube <i>Am Glockenbach</i> wurde von Aktivisten der <i>Homosexuellen Aktion München</i> (HAM) 1975 eröffnet, in einer Zeit, in der das selbstbewusste Eintreten für die Rechte homosexueller Menschen keineswegs selbstverständlich war. Sie bereiteten durch ihr Engagement den Weg für ein queeres Leben in München, wie wir es heute kennen.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/4a869869a20de16b8672643082c958e0.jpg" alt="Innenaufnahme der Teestube Am Glockenbach, 1976" /><br/><p>Alljährlich wird auf dem Platz <i>Am Glockenbach</i> das Maibaumfest gefeiert, ein sichtbares Zeichen der Integration queeren Lebens im Münchner Alltag. Bis hierhin war es jedoch ein langer Weg. Als der § 175 im Jahr 1969 entschärft wurde, war es für homosexuelle Männer erstmals möglich geworden, sexuelle Kontakte in Freiheit zu knüpfen und sich ohne Gefahr zu organisieren. Ein Klima der Ausgrenzung und staatlichen Willkür herrschte aber weiterhin. Überall in Deutschland, so auch in München, nahmen deshalb politisch aktive Schwule und Lesben den Kampf für Respekt, Akzeptanz und Gleichberechtigung auf. 1971 gründeten sie die <i>Homosexuelle Aktionsgruppe München</i> mit dem Ziel, heterosexuelle Mitmenschen über homosexuelle Lebensformen aufzuklären, gegen den § 175 zu protestieren, der in abgeschwächter Form noch weiterlebte, auf der Straße Sichtbarkeit zu signalisieren und Selbstbewusstsein zu schöpfen. Ein wichtiger Schritt war die Eröffnung eines schwulen Zentrums. Im queeren Hotspot Münchens, dem Glockenbachviertel, wurde eine Lokalität gefunden: die Teestube. Sie war über vier Jahre das Zentrum, ein <i>safe space</i>, in dem sich schwule Männer kennenlernten und Pläne schmiedeten. In den folgenden Jahren entstanden mit dem <i>Verein für sexuelle Gleichberechtigung</i> (VSG) neue Homosexuellen-Vereine, die die HAM ablösten. Als im Jahr 1978 die Räume der Teestube Am Glockenbach von der Brauerei gekündigt wurden, setzten die Aktivisten ihre Arbeit in den Kellerräumen des VSG in der Weißenburger Straße 26 fort.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/315">Für mehr (einschließlich 7 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2026-02-19T16:17:50+01:00</published>
    <updated>2026-04-22T09:34:18+02:00</updated>
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      <name>Albert Knoll</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Die Zweibrückenstraße 10: Wohnhaus zweier Kämpfer für schwule Gleichberechtigung]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>In diesem Haus in der Zweibrückenstraße 10 wohnte um 1902 der Homosexuellenaktivist August Fleischmann. Seit 1981 wohnte in demselben Haus auch Gustl Angstmann, eine prominente Figur der Münchner Schwulenbewegung der 1970er- bis 1990er-Jahre. Dank dem Mut Einzelner wie Fleischmann und Angstmann erzielte die LGBTIQ+-Bewegung entscheidende Fortschritte, um in einer nicht immer freundlich gesinnten Gesellschaft akzeptiert zu werden. Die Isarvorstadt ist seit über 100 Jahren bevorzugtes Wohngebiet von Mitgliedern der LGBTIQ+-Gemeinschaft.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/d0de8fa0564aae588a30ebfef94d02d2.jpg" alt="Straßenansicht des Gebäudes in der Zweibrückenstraße 10, 2007" /><br/><p>Hinter der neobarocken Putzfassade dieses typischen Miets- und Geschäftshauses aus dem Jahr 1893 lebten zu unterschiedlichen Zeiten gleich zwei prägende Persönlichkeiten der Münchner Schwulenbewegung: August Fleischmann und Gustl Angstmann.
August Fleischmann (1859–1931) war ein früher Vorkämpfer für die Rechte der Homosexuellen, die er als „das dritte Geschlecht“ bezeichnete. Er stammte aus Baden und ließ sich 1888 in München nieder. Fleischmann wurde 1899 wegen des sexuellen Kontakts zu einem anderen Mann inhaftiert. Er verhielt sich nach seiner Entlassung – im Gegensatz zu vielen anderen Verurteilten – nicht still, sondern klärte in zahlreichen Schriften über die Gefahren der Erpressung auf Grundlage des § 175 (Kriminalisierung von Homosexualität zwischen Männern) auf. Im Juli 1902 erschien das erste Exemplar seiner Zeitschrift <em>Der Seelenforscher</em>, die er in seiner Wohnung in der Zweibrückenstraße 10 herstellte. Als dem Einzelkämpfer in den folgenden Jahren kein Erfolg vergönnt war, gab er sein bürgerrechtliches Engagement auf, verließ München und starb in der Nähe von Mannheim.
Gustl Angstmann (1947–1998) engagierte sich seit 1971 maßgeblich in der zweiten Münchner Schwulenbewegung. Der Therapeut und politisch aktive Schriftsteller kämpfte in der <em>Homosexuellen Alternative München</em> für die Entkriminalisierung schwuler Beziehungen, für eine tolerante Gesellschaft und für Respekt innerhalb der schwulen Szene. Mit dem autobiografischen Roman <em>Ein ganz normaler Mann</em> stieß er 1982 in die bayerische Literaturszene vor. Angstmann wohnte in den 1980er und 90er Jahren in demselben Haus wie 80 Jahre zuvor sein Vornamens-Vetter Fleischmann. Er starb an den Folgen von AIDS.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/313">Für mehr (einschließlich 6 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2026-02-19T15:51:47+01:00</published>
    <updated>2026-03-03T10:36:54+01:00</updated>
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      <name>Albert Knoll</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Bei Cosy: „Ein Gemisch von allen möglichen Existenzen“]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Das Lokal „Bei Cosy“ – betrieben von der Künstlerin Cosy Pièro – prägte von 1961 bis in die 1980er Jahre das Münchner Nachtleben. Die Bars hatten schnell den legendären Ruf als Orte, in denen „sich alle Existenzen mischten, sich miteinander wohlfühlten, sich kennenlernten und gegenseitig tolerierten“ (Zitat Cosy Pièro).</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/d3e75cfabd415231c1491b8fc955bb4d.jpg" alt="Cosy Pièro bei einem Auftritt, Jahr unbekannt" /><br/><p>Cosy Pièro wurde 1937 in Köln geboren. Bereits als 14-jährige ging Cosy Pièro von zu Hause weg und entschied sich, Kunst zu studieren – eine besondere Entscheidung als junge Frau in den 1950er Jahren, an der sich bereits ihre außergewöhnliche Unabhängigkeit, ihr Freiheitsdrang und ihre Selbstständigkeit erkennen lässt. Sie hatte Erfolg und studierte von 1952 bis 1957 Malerei und Keramik an der Kunstgewerbeschule in Köln, in Brüssel und in Vallauris in Südfrankreich. Schließlich zog sie nach München und bestritt als alleinerziehende Mutter den Lebensunterhalt mit ihrer Künstler:innen-Bar „Bei Cosy“. Das Lokal zog mehrfach um und machte Station in der Baaderstraße, Klenzestraße, am Elisabethplatz, in der Ledererstraße, am Oskar-von-Miller-Ring und in der Clemensstraße. Während und nach ihrer Bartätigkeit arbeitete Cosy Pièro als Künstlerin: „Gastronomin und Künstlerin war ich gleichzeitig. Für mich gehörte das immer zusammen.“ Ihr Werk erstreckt sich über verschiedene Ausdrucksformen wie Malerei, Performance und Aktionskunst, Künstlerinnenbücher, Poesie, Skulpturen, Installationen und Videokunst. Ihr favorisiertes Medium blieb dabei aber immer die Arbeit auf Papier. Mit ihrem Tod im Jahr 2023 verlor München auch eine große Unterstützerin anderer Künstler:innen und Kollektive, wie ihre enge Freundschaft mit der Künstlerin Rabe perplexum verdeutlicht.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/302">Für mehr (einschließlich 3 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2026-02-12T15:17:59+01:00</published>
    <updated>2026-04-22T09:49:19+02:00</updated>
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      <name>Stefan Gruhne</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Das „Treibhaus“: Ein ganzes Haus voll autonomer FrauenLesbenprojekte]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Das „Treibhaus“ war ein wichtiger Kristallisationspunkt der autonomen Frauen- und Lesbenbewegung im München der 1970er und 1980er Jahre, dessen Ausstrahlungskraft in die ganze Stadt wirkte.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/c2ca6fd17efe6bda57a52db95c01aeb4.jpg" alt="Eingangsbereich des Hauses Güllstraße 3 mit Gedenktafel, 2018" /><br/><p>Den Vorgarten des Gründerstilbaus in der Güllstraße 3 ziert ein reich dekoriertes Holzschild mit der Aufschrift „Treibhaus“. Der Rand ist mit geschnitzten, teils an Jugendstildekor erinnernden floralen Motiven und farblich abgehobenen Früchten gestaltet. In der Mitte des Schildes befindet sich farblich abgesetzt vom dunklen Untergrund in einer Schreibschrift der golden gefärbte Name „treibhaus“ mit der Unterzeile „haus für frauenprojekte“ in schwarz. Es liegt keine offizielle Erklärung der Namensgebung vor, eine naheliegende Interpretation ist aber, dass hier die feministischen Ideen und Projekte genau so üppig wuchern sollten wie in einem Treibhaus. Hier fanden 1985 acht autonome FrauenLesbenprojekte eine neue gemeinsame Bleibe, nachdem sie zuvor an diversen Orten aktiv und über weite Teile der Stadt verstreut waren. Zu ihnen gehörten die feministischen Gesundheitsprojekte FrauenGesundheitsZentrum und FrauenTherapieZentrum, die Frauenbibliothek, das Lesbentelefon, das Frauenzentrum als Treffpunkt für Gruppen, das Mädchenprojekt, Maffiosa (Modellverband autonom-feministischer Fraueninitiativen oder sonstiger Arbeitskreise), das Frauencafé sowie TuSCH Trennung und Scheidung. Heute wird das gesamte Gebäude vom FrauenTherapieZentrum genutzt. Die übrigen Projekte sind teils verzogen, etwa IMMA oder das FrauenGesundheitsZentrum, teils wurden sie eingestellt, etwa das Frauencafé oder die Frauenbibliothek. Im Jahr 2018 wurde auf Initiative der Autorin dieses Beitrags vom Forum Queeres Archiv München e. V. das Holzschild am Eingang erneuert und eine Gedenktafel hinzugefügt, deren QR-Code auf weiterführende Informationen zur Geschichte des Hauses und zu den dortigen Projekten verweist.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/301">Für mehr (einschließlich 3 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2026-02-12T12:12:42+01:00</published>
    <updated>2026-04-22T09:50:11+02:00</updated>
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      <name>Ariane Rüdiger</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Der Odeonsplatz als Protestort: Demonstrationen gegen die AIDS-Politik der bayerischen Staatsregierung im Jahr 1987]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Der Odeonsplatz ist ein Erinnerungsort für den umstrittenen Umgang der bayerischen Staatsregierung mit HIV/AIDS in den 1980er Jahren. Um gegen den sogenannten <em>Maßnahmenkatalog zur Verhütung und Bekämpfung der Immunschwäche AIDS</em> zu protestieren, fanden 1987 mehrere Demonstrationen auch in der Landeshauptstadt München statt. Die Proteste auf dem Odeonsplatz vom 4. April und vom 24. Oktober 1987 sind fotografisch gut dokumentiert.
 </em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/7e3a3f616653945e2df2b0551b2c641b.jpg" alt="Demonstration gegen den Maßnahmenkatalog zur Verhütung und Bekämpfung der Immunschwäche AIDS am 4. April 1987 auf dem Odeonsplatz" /><br/><p>Das <a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/297" target="_blank" rel="noopener">AIDS-Memorial von Wolfgang Tillmans</a> weist den Sendlinger-Tor-Platz als einen Ort queeren Gedenkens aus, an dem auch heute weiterhin regelmäßig Protestaktionen stattfinden. Doch auch der Odeonsplatz darf als Erinnerungsort der politischen und gesellschaftlichen Kontroverse um den Umgang mit HIV/AIDS in Bayern gelten. Zwei frühe Protestaktionen aus dem Jahr 1987 markieren den damaligen Konflikt besonders deutlich: Am 4. April 1987 zog ein von zahlreichen Initiativen organisierter Demonstrationszug medienwirksam durch München und über den Odeonsplatz, um Gesicht zu zeigen und um mit Bannern und Parolen gegen den bayerischen Politkurs zu protestieren. Am 24. Oktober 1987 folgte eine weitere Kundgebung auf dem Odeonsplatz. In beiden Fällen wurde der Platz zum öffentlichen Forum für die Frage, welche Mittel ein Staat in einer Gesundheitskrise legitim einsetzen darf.
Hintergrund war der sogenannte <em>Maßnahmenkatalog zur Verhütung und Bekämpfung der Immunschwäche AIDS</em>, den die bayerische Staatsregierung am 25. Februar 1987 beschloss und im Frühjahr durch ministerielle Vorgaben präzisierte. Die Bekanntmachung vom 19. Mai 1987 band den Umgang mit AIDS ausdrücklich an seuchen-, ausländer- und polizeirechtliche Instrumente. So konnten die Gesundheitsämter unter bestimmten Voraussetzungen Vorladungen und Blutentnahmen anordnen und diese notfalls zwangsweise durchsetzen. Dieser Ansatz stand quer zu Präventionsstrategien, die stärker auf Aufklärung, freiwillige Beratung und den Schutz vor Ausgrenzung setzten.
Wie die Fotos des Aufzugs am Odeonsplatz zeigen, richtete sich die protestierende Menschenmenge mittels Transparenten weniger gegen „AIDS-Maßnahmen“ an sich als vielmehr gegen die ordnungspolitische Logik der bayerischen Regierung, für die etwa der damals amtierende Staatsekretär Peter Gauweiler exemplarisch einstand. Die Demonstrierenden nutzen diesen zentralen und in Bezug auf Paraden und politische Aufmärsche unterschiedlichster Couleur sehr geschichtsträchtigen Ort in der Altstadt Münchens als politische Bühne, um der Öffentlichkeit aufzuzeigen, dass effektive Seuchenpolitik nicht nur eine Frage administrativer Durchsetzungskraft ist, sondern auch von Vertrauen und gesellschaftlicher Solidarität abhängt. Krisenpolitik, die auf Sicherheitsversprechen zielt, führt aber, wenn sie auf Zwang und Verdacht anstatt auf Kommunikation und Kooperation setzt, immer zu Stigmatisierung und bedroht so den gesellschaftlichen Zusammenhalt.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/298">Für mehr (einschließlich 3 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2026-02-05T11:32:25+01:00</published>
    <updated>2026-02-18T15:42:42+01:00</updated>
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      <name>Henry Kaap</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Die Daphne in der Grünanlage Wahnfriedallee: Eine Nymphe und ihre Künstlerin]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Die circa sechs Hektar große Grünanlage an der Wahnfriedallee erstreckt sich in west-östlicher Richtung und wird durch die Effnerstraße in zwei Teile geteilt. Zur Daphne gelangt man von der Oberföhringer Straße aus.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/5ba5ea06632289f8e1f87a65c4987fe2.jpg" alt="Die Daphne in der Grünanlage an der Wahnfriedallee, 2022" /><br/><p>Die Bronzeplastik, eine Nymphe aus den griechischen Göttersagen, stammt vom ehemaligen Brunnen am Ostbahnhof. Nach der Demontage im Jahr 1982 schlug die Stadt vor, die Skulptur auf dem Johannisplatz in Haidhausen aufzustellen. Aufgrund der Nähe zur Kirche stieß dieser Standort jedoch auf Kritik – nicht zuletzt, weil es sich bei der Figur um eine unbekleidete Nymphe handelt. Auch die Künstlerin selbst sprach sich gegen die Platzierung an diesem Ort aus. Ein Artikel der Süddeutschen Zeitung aus dem Juni 1997 berichtet von einer probeweisen Aufstellung der Skulptur, die zu Szenen „wie bei Don Camillo und Peppone“ geführt habe – da die Skulptur offenbar keinen Anklang in der Bevölkerung fand, wurde sie schließlich auf dem städtischen Bauhof in Johanneskirchen eingelagert. Seit August 2007 steht die Daphne an ihrem heutigen Standort. Folgender Text befindet sich auf der dazugehörigen Bodenplatte:</p><p>„DAPHNE · NYMPHE AUS DEN GRIECHISCHEN GÖTTERSAGEN VOM GOTT APOLL VERFOLGT UND ZUM SCHUTZ DAVOR DURCH DEN GÖTTERVATER ZEUS IN EINEN LORBEERBAUM VERWANDELT · DIE BRONZEPLASTIK DER BILDHAUERIN MARLENE NEUBAUER-WOERNER MÜNCHEN ZEIGT DEN BEGINN DER VERWANDLUNG UND WURDE AM 8.10.1976 ALS DAPHNEBRUNNEN AM ORLEANSPLATZ ERRICHTET SPÄTER BEI DER NEUGESTALTUNG DES PLATZES ENTFERNT“ Von der Bildhauerin Marlene Neubauer-Woerner gibt es einige trockengelegte Brunnen in München. Ein Beispiel hierfür sind das „Mädchen auf dem Delfin“ im Westbad, das Krokodil im Michaelibad, der Brunnen mit den drei Löwen an der Perlacher Straße und der Brunnen „Wasserkrone“ von 1965 im Hasenbergl (Blodigstraße). Die Brunnenskulpturen existieren zwar noch, aber es fließt kein Wasser mehr durch die Leitungen. Durch mutwillige Zerstörung wurden Wasserleitungen verstopft oder auch Teile abgehauen – und ist die Technik nicht mehr zu reparieren, werden Brunnen irgendwann abgeschaltet. Marlene Neubauer-Woerner (1918–2010) begann 1936, nach ihrem Abschluss an der Staatlichen Fachschule für Keramik in Landshut, ihr Studium als Architekturbildhauerin an der Akademie für angewandte Kunst. Als erste Frau bewarb sie sich unter dem Namen M. Woerner, also ohne Angabe des vollständigen Vornamens, bei Professor Josef Henselmann – denn dieser legte keinen großen Wert darauf, Frauen zu unterrichten. Frauen standen damals meist nur kostenpflichtige, private Kunstschulen offen. Erst ab 1918/19 waren sie an den Akademien zugelassen. Ab 1941 studierte Neubauer-Woerner bei Professor Richard Knecht an der Akademie der Bildenden Künste in München. Seit 1945 arbeitete sie als selbstständige Architekturbildhauerin.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/260">Für mehr (einschließlich 4 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-06-26T18:35:13+02:00</published>
    <updated>2026-04-22T12:23:36+02:00</updated>
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      <name>Karin Bernst</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Der Bürgerpark Oberföhring : Kulturoase im ehemaligen Lazarett]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Das Gelände des Bürgerparks Oberföhring liegt im Stadtteil Bogenhausen und beherbergt heute unterschiedliche Vereine und Gruppierungen aus den Bereichen bildende Kunst, Musik, Theater und Stadtteilkultur. Erbaut wurden die Baracken 1939 als Luftwaffenlazarett. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Bauten noch bis 1984 als ziviles Krankenhaus genutzt. Seitdem ist der Bürgerpark ein Teil des nichtkommerziellen Kulturraums München.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/f8850772517ac9473dc4627bb759c373.jpg" alt="Das „Kleine Theater im Pförtnerhaus“ am Eingang des Bürgerparks, 2023" /><br/><p>Der Bürgerpark Oberföhring umfasst eine große Zahl unterschiedlicher Einrichtungen. Dazu zählen Galerien, Clubs, Theater, Vereine, Probenräume und weitere kulturelle und soziale Institutionen. Sie nutzen die alten Barackenbauten von 1939 oder befinden sich in neu errichteten Gebäuden auf dem Gelände.</p><p>Die historischen Baracken gehen noch auf die Ursprünge des von einer Mauer umgebenen Geländes zurück. Auf dem Areal einer ehemaligen Ziegelei wurde 1939 ein Luftwaffenlazarett erbaut. Während des Krieges wurden hier Soldaten behandelt und Luftwaffensanitätspersonal ausgebildet. </p><p>Das Lazarett setzte sich aus 21 Gebäuden zusammen, die über ein Netz von Straßen und Wegen verbunden waren – hauptsächlich handelte es sich um einstöckige Baracken (z.B. für Verletzte, Sanitätspersonal, Verwaltung und Bewirtschaftung), aber auch um einige feste Gebäude. </p><p>Nach dem Einmarsch amerikanischer Truppen in München im Frühjahr 1945 wurde das Lazarett bis 1946 von der amerikanischen Militärregierung übernommen. Da es in München nach dem Krieg akut an Krankenhausbetten mangelte, wurde das Gelände des ehemaligen Militärlazaretts dann unter städtische Verwaltung gestellt – obwohl es ursprünglich als Provisorium gebaut worden war und Architektur der NS-Zeit nach dem Krieg häufig abgerissen wurde.</p><p>1984 zog der Krankenhausbetrieb in den Neubau des städtischen Krankenhauses Bogenhausen um. Die Stadt plante daraufhin, das ehemalige Lazarett-Gelände zu verkaufen. Mehrere Vereine Oberföhrings hatten jedoch Raumbedarf. Um die Nutzung durch Vereine durchzusetzen, wurden einige Baracken im Juni 1984 durch die „Vereinsgemeinschaft 29 e.V.“ besetzt. Es kam zu langwierigen Verhandlungen mit der Stadt, an deren Ende ein Mietvertrag für das parkartige Gelände und zwölf Baracken unterzeichnet wurde, der seither immer wieder erneuert wird. </p><p>In der darauffolgenden Zeit haben sich unterschiedliche Nutzergruppen auf dem Gelände formiert, beispielsweise der „Freie Kunstverein O.K. neun“ oder die „Interessengemeinschaft Bürgerpark Oberföhring“/IBO, welche die Interessen aller Gruppierungen auf dem Gelände vertreten und sich um den Fortbestand des Bürgerparks kümmert. </p><p>Die auf das Lazarett zurückgehende bauliche Infrastruktur ermöglicht eine vernetzte, aber dezentralisierte Nutzung des Geländes durch die unterschiedlichen Interessengruppen. Eine Besonderheit ist die Einbettung der Gebäude in die Natur, die der Anlage eine einzigartige Atmosphäre verleiht.</p><p>Die Beschaffenheit des Bürgerparks ermöglicht eine Vielzahl von unterschiedlichen Veranstaltungen – sei es ein Faschingsumzug der Feringa-Gesellschaft, Konzerte im Punk-Club „Kafe Kult“, Ausstellungen der Künstler:innen beider Atelierhäuser (OK9 und FOE) oder Puppenspiel im „Kleinen Theater im Pförtnerhaus“. In der Vergangenheit war der Bürgerpark auch ein wichtiger Ort für die Streetart-Szene.</p><p>Kunst- und Kulturorte Münchens, die Geschichte haben, aber nicht zur institutionalisierten Kunst gehören, werden im Verlaufe der letzten Jahrzehnte immer mehr aus dem städtischen Raum verdrängt. Als Gründe dafür werden oft die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen und neuem Wohnraum herangezogen. Damit verschwindet häufig eine gewachsene alternative Kultur und die Chance kultureller Teilhabe an diesen historischen Orten.</p><p>Obwohl es sich um einen wichtigen Ort für das Münchner Kulturleben handelt, ist das Fortbestehen des Bürgerparks Oberföhrig immer wieder bedroht. Für die Zeit nach dem Auslaufen des aktuellen Mietvertrags 2025 plante die Stadt eine Generalsanierung samt Neubau, welche stark in die existierenden Strukturen eingegriffen hätte. Die Nutzer:innen des Geländes waren sich darin einig, dass ein Umbau den Charakter des Bürgerparks nachhaltig beeinträchtigen würde. Um also das geschichtsträchtige Gelände mitsamt seinen unterschiedlichen Nutzungen erhalten zu können, wurde im August 2023 eine Online-Petition gestartet. Bereits einen Monat später konnte sie erfolgreich geschlossen werden – dank der regen Beteiligung beschloss die Stadt, den Bürgerpark in seiner existierenden Form beizubehalten.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/139">Für mehr (einschließlich 10 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2023-12-21T13:53:48+01:00</published>
    <updated>2025-10-30T10:25:51+01:00</updated>
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    <author>
      <name>Alexandra Avrutina</name>
    </author>
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    <title type="html"><![CDATA[Die Griechisch-Orthodoxe Allerheiligenkirche in München: Ein Juwel unter den Münchner Kirchen]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Die zwischen 1993 und 1995 errichtete Griechisch-Orthodoxe Allerheiligenkirche in München hat für ihre Gemeinde, die Stadt und die Ökumene eine große kulturelle und architekturgeschichtliche Bedeutung. Ihre Vorgeschichte beginnt bereits Anfang der 1980er Jahre, als der griechisch-orthodoxen Gemeinde die an gleicher Stelle befindliche, 1929 erbaute römisch-katholische Allerseelenkirche von der Erzdiözese München und Freising unter Kardinal Friedrich Wetter zur Mitnutzung zur Verfügung gestellt wurde. In die heutige Kirche wurden Teile der Bestandsmauern integriert. Zugleich wurden die traditionellen Bauelemente orthodoxer Kirchen mit zeitgenössischem Aussehen verbunden. </em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/4eb6d41fc5d15c5b14c394fd33daed04.jpg" alt="Allerheiligenkirche, 2023" /><br/><p><b>Allerseelenkirche 1929</b> An der Ungererstraße 131 in München entsteht nach Plänen des Architekten Richard Steidle die römisch-katholische Allerseelenkirche. Der Entwurf sieht einen zweistufigen Bauplan vor: Zunächst soll nur die Unterkirche gebaut werden, worauf ein paar Jahre später mit zusätzlicher Finanzierung die Oberkirche entstehen soll. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten kommt es nicht zum Weiterbau der Oberkirche. Die Allerseelenkirche übersteht den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet und verliert ab 1958 an Bedeutung, da deren Gemeinde in die neugebaute katholische Allerheiligenkirche an der Ungererstraße 187 weiter nördlich zieht. Der Stadtrat Dr. Hans Högg hatte sich bereits seit Anfang der 1950er Jahre für einen größeren, repräsentativeren Neubau auf einem anderen Grundstück näher am Stadtrand ausgesprochen. <b>Raumnot 1978</b> Wegen eines Rechtsstreits mit einer religiösen Splittergruppe ist die Salvatorkirche, in der seit 1827 griechisch-orthodoxe Gottesdienste im Herzen Münchens gefeiert werden, für die Griechisch-Orthodoxe Metropolie bis auf weiteres nicht mehr betretbar. Die griechisch-orthodoxe Gemeinde, die seit dem Abwerbeabkommen zwischen Deutschland und Griechenland 1960 in München stetig gewachsen ist, gerät in Raumnot. <b>Ankunft 1980</b> Die katholische Kirche schlägt der griechisch-orthodoxen Gemeinde die Allerseelenkirche ab Weihnachten 1980 zur Mitbenutzung vor. Ab 1982 wird die griechisch-orthodoxe Gemeinde dann alleinige Nutzerin der Allerseelenkirche. <b>Erster Entwurf 1986</b> Der Bauunternehmer und Architekt Robert Brannekämper sen. wird vom katholischen Ordinariat unter der Leitung des damaligen Erzbischofs von München und Freising Kardinal Friedrich Wetter beauftragt, eine griechisch-orthodoxe Kirche mit Gemeindezentrum an der Ungererstraße zu entwerfen. Er sieht zunächst drei separate Volumen mit Rundungen vor, wobei die Kirche nach orthodoxen Vorgaben geostet wird. <b>Vorentwurf 1991</b> Der Vorentwurf wird vom Entscheid Kardinal Wetters geprägt, die Allerseelenkirche nicht vollständig abzureißen, sondern in den Entwurf zu integrieren. Das Grundstück ist im Vorentwurf L-förmig belegt und weist einen höheren Turm auf. Nach einer gemeinsamen Griechenlandreise von Brannekämper und Erzpriester Apostolos Malamoussis, um orthodoxe Kirchenbauten in Thessaloniki und Umgebung zu besuchen, werden Ende 1991 die Pläne zur Genehmigung bei der Lokalbaukommission eingereicht. Kurz darauf erhebt ein Vertreter der Denkmalpflege Einspruch, um die Allerseelenkirche auf ihren denkmalpflegerischen Wert prüfen zu lassen. Die Genehmigung verzögert sich um mehrere Monate. <b>Beginn des Umbaus 1993</b> Im Oktober 1993 findet die Grundsteinlegung in Anwesenheit des Patriarchen Bartholomaios I. von Konstantinopel und Kardinal Friedrich Wetter statt. Kurz darauf wird die Allerseelenkirche bis auf die Außenmauern teilabgerissen. Die neue Dachkonstruktion mit einer Haupttonne und seitlichen Stichkappen besteht aus einer Mischung von Fertigteilen und Ortbeton. Der Innenraum ist von schlanken Säulen geprägt. Die Nebengebäude werden bis auf die Außenmauern entkernt. Zum Großteil finanziert das katholische Ordinariat die Kosten für den Umbau, mit einer finanziellen Mitbeteiligung der Griechisch-Orthodoxen Metropolie. <b>Weihung 1995</b> Nach zwei Jahren Bauzeit weiht Metropolit Augoustinos die Griechisch-Orthodoxe Allerheiligenkirche in Anwesenheit von Kardinal Friedrich Wetter und weiteren ranghohen Vertretenden aus Kirche und Politik. Zu diesem Zeitpunkt wurden bereits die ersten Ausmalungen fertiggestellt, u.a. die Kuppel. <b>Auflassung 2009</b> Der Auflassungsvertrag wird zwischen der Griechisch-Orthodoxen Metropolie und der Erzdiözese München und Freising unterzeichnet. Damit ist die Griechisch-Orthodoxe Metropolie offiziell Eigentümerin der Ungererstraße 131. <b>Ausmalung seit 1995</b> Seit 1995 wird die Griechisch-Orthodoxe Allerheiligenkirche, allein durch Spenden finanziert, von der Werkstatt Voutsina aus Thessaloniki ausgemalt. Dabei werden die Motive auf Leinwänden in Griechenland vorgemalt, vor Ort an die Wände mit einem speziellen Leim geklebt und mit Farben und Blattgold ergänzt. Einzig die Auferstehung an der Ostwand über dem Altar ist vor Ort direkt auf die Wand gemalt worden, da das Motiv aufgrund seiner Größe nicht in der räumlich zu kleinen Werkstatt in Griechenland vorgefertigt werden konnte.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/120">Für mehr (einschließlich 7 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2023-10-19T18:42:13+02:00</published>
    <updated>2026-04-23T12:37:32+02:00</updated>
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      <name>Korinna Zinovia Weber</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Das Stadtarchiv der Landeshauptstadt München: Vom städtischen Wehramt zum Gedächtnis der Stadt]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Mit dem städtischen Wehramt München in der Winzererstraße, in welchem seit 1926 das Stadtarchiv seine Heimat hat, schuf Hans Grässel (1860–1939) ein Dienstgebäude, das wie alle seine Bauwerke in seiner liebevollen Ausgestaltung nicht nur den praktischen Anforderungen der städtischen Verwaltung Rechnung trug, sondern bereits damals vornehmlich psychologische Aspekte berücksichtigte, die im Behördenbau heutiger Tage selbstverständlich erscheinen.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/868c3cb307db57921d87017164291a89.jpg" alt="Stadtarchiv München, Vorderansicht von der Winzererstraße aus, um 1920" /><br/><p>Zur Unterbringung des 1888 für die städtischen Militäraufgaben geschaffenen Wehramtes entwarf Stadtbaurat Hans Grässel (1860–1939) ein repräsentatives Dienstgebäude. Es trägt mit seiner illustren Eingangshalle, dem breiten Treppenhaus, den großen hellen Räumen und lichtdurchfluteten Gängen dazu bei, dass sich die dort Beschäftigten in „ihrem“ Haus wohlfühlen. Dies ist im Übrigen ein Merkmal aller Grässelschen Bauten, gleich ob es sich um Dienst- oder um Wohngebäude handelt.</p><p>Das Wehramt wurde auf dem Gelände einer ehemaligen Kiesgrube am Rand des Münchner Kasernenviertels zwischen 1912 und 1914 in zurückhaltenden Formen des späten 18. Jahrhunderts errichtet. Das viergeschossige Hauptgebäude war für den Amtsvorstand und die Friedensersatzkommissionen bestimmt, die den Innenhof umschließenden eingeschossigen Nebengebäude wurden von den Kriegsersatzkommissionen und als Lagerräume genutzt. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde das Gebäude mit dem Übergang der Wehrhoheit auf das Deutsche Reich funktionslos und diente anderen städtischen Dienststellen als Unterkunft. 1926 bezog das Stadtarchiv die beiden Obergeschosse des Hauptgebäudes mit einem Teil seiner Bestände. Schließlich konnte es das gesamte Hauptgebäude in Besitz nehmen.</p><p>Der im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigte Gebäudekomplex wurde nach Kriegsende wieder von verschiedenen heimatlos gewordenen städtischen Dienststellen bezogen. 1947 konnte das Stadtarchiv die alleinige Nutzung für Archivzwecke sicherstellen. Die Wiederaufbauarbeiten begannen 1950 mit dem Nordpavillon. Anstelle der beiden zerstörten östlichen Pavillons entstanden zwischen 1958 und 1961 Magazintürme in zeitgemäßer Gestalt. 1964 bis 1965 wurde das kriegszerstörte Dach des Hauptgebäudes in alter Form mit einem als Magazin ausgebauten Dachgeschoss wieder errichtet. Im Rahmen einer dringend notwendigen Erweiterung der räumlichen Kapazitäten des Stadtarchivs wurden zwischen 1977 und 1982 zunächst die beiden Seitentrakte im Norden und Süden äußerlich in alter Form aber innen für Aufbewahrungszwecke und zur Aufnahme der Restaurierungswerkstatt erneuert. Von 1986 bis 1989 wurden auch der Ostflügel und die beiden Magazintürme durch einen großen Trakt mit Seitentürmen nach Planungen des Architektenbüros Hans-Busso von Busse (1930–2009) ersetzt. Neben Magazinräumen für insgesamt 34 km Aktengut, von denen derzeit bereits rund 26 km belegt sind, erhielt der in Schicht-Ziegelbauweise errichtete Neubau als Publikumsbereich eine Rotunde für Ausstellungen und Veranstaltungen. Abgeschlossen wurden die Baumaßnahmen 1990 durch die Aufstellung eines vierteiligen Kunstwerkes zwischen dem Gebäude und dem gegenüber liegenden Nordbad nach Entwürfen des französischen Künstlerehepaares Anne und Patrick Poirier. Es symbolisiert den Menschen und seinen Blick auf die Geschichte.</p><p>Das Stadtarchiv als „Gedächtnis der Stadt“ ist mehr als nur ein Lagerort für altes Schriftgut und Akten; es ist vielmehr ein Ort des Quellenmaterials für Forschende, sei es an wissenschaftlichen Institutionen oder privat zur eigenen Familiengeschichte. Damit will das Stadtarchiv die Menschen der Gegenwart mit der Überlieferung einer vermeintlich beendeten Zeit in Berührung bringen; es möchte ihnen helfen, sich für die Vergangenheit der eigenen Stadt zu interessieren – und diese auch zu verstehen. </p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/119">Für mehr (einschließlich 3 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2023-10-19T15:32:51+02:00</published>
    <updated>2024-09-11T17:35:58+02:00</updated>
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      <name>Manfred Heimers&amp;#32;&amp;amp;&amp;#32;Christian Freundorfer</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Die Nonnen vom Max-Joseph-Platz: Klöster, Kirchen und Grüfte der Franziskanerbrüder, der Püttrich- und Ridlerschwestern]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Längst vergessen – keine Spur im Münchner Stadtbild erinnert noch an das einst berühmte Franziskanerviertel an der Stelle des heutigen Max-Joseph-Platzes in unmittelbarer Nähe des Hofes: das Kloster der Brüder mit den beiden zugehörigen Frauenklöstern der Püttrich- und Ridlerschwestern. Die Klöster bestanden seit dem 13. und 14. Jahrhundert und wurden 1802 im Rahmen der Säkularisation abgerissen.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/6f86791e3f6aded4df9d237037357a70.jpg" alt="Die Ausgrabung am Max-Joseph-Platz, 1982" /><br/><p>Schon unter Kaiser Ludwig dem Bayer (1281/1282–1347, reg. 1314/1328–1347) erlangte das Männerkloster große wissenschaftliche und politische Bedeutung innerhalb Europas. Der sicherlich berühmteste Bruder war William von Ockham (um 1288–1347), der hier 1330 mit seinen beiden Mitstreitern Bonagratia von Bergamo (um 1265–1340) und Michael von Cesena (um 1270–1342) Schutz vor der kirchlichen Verfolgung fand. Er wurde vor dem Altar im Chor der Kirche bestattet, der ungefähr unter der südwestlichen Ecke des Nationaltheaters – der Bayerischen Staatsoper – lag.
Das Franziskanerkloster mit Kirche und umgebendem Friedhof nahm den ganzen Max-Joseph-Platz ein und erstreckte sich weit in den Bereich des heutigen Nationaltheaters sowie die Maximilianstraße hinein. Das Ridlerkloster befand sich unter dem westlichen Teil des Königsbaus der Residenz, der erst ab 1826 errichtet wurde. Auf der gegenüberliegenden Seite befand sich an der nördlichen Ecke der heutigen Residenz- und Perusastraße das Püttrichkloster.
Die Frauen lebten zunächst als Seelschwestern und widmeten sich der täglichen Krankenpflege, Sterbebegleitung und den Toteng<span>ebeten. Sie konnten in freier Gemeinschaft ein weitgehend eigenständiges Leben </span>ohne Gelübde und Habit führen, waren jedoch <span>der geistlichen Obhut der Franziskaner </span>unterstellt. <span>Mit verschiedenen Reformen erhielten die Schwestern im Lauf der Zeit strengere Ordnungen. So wurden 1483/84 die drei Gelübde der Armut, Keuschheit und des Gehorsams eingeführt, 1621 die ewige Klausur. Ab diesem Zeitpunkt lebten die Schwestern ausschließlich innerhalb ihrer Klostermauern und verschwanden gänzlich aus dem Münchner Stadtbild.</span>
Trotz dieser Einschränkungen konnten die Schwestern innerhalb des ihnen vorgegebenen, engen Rahmens ein selbständiges Leben führen. Sie verwalteten ihre Angelegenheiten eigenverantwortlich, übten leitende Ämter, wie das einer Oberin, aus, konnten sich künstlerisch entfalten und waren in der Bibliothek, im Archiv und in der Schreibstube tätig. Ihr Bildungsniveau war vergleichsweise hoch. In aller Regel stammten die Schwestern aus adeligen und vermögenden Familien und waren bei ihrem Eintritt ins Kloster zwischen 17 und 21 Jahre alt. Die wohl berühmteste Bewohnerin im Püttrichkloster war Herzogin Kunigunde (1465–1520), die Tochter Kaiser Friedrichs III. (1415–1493, reg. 1440/1452–1493) und Schwester Kaiser Maximilians I. (1459–1519, reg. 1486/1508–1519). Sie war dem Kloster schon seit langem eng verbunden und begab sich 1508 nach dem Tod ihres Gemahls, Herzog Albrecht IV. von Bayern (1447–1508, reg. 1465–1508), dorthin. Mit den Schwestern führte sie ein einfaches und vorbildliches geistliches Leben. Bestattet wurde sie in der Fürstengruft Unserer Lieben Frau, jedoch im Ordenshabit, worum sie bereits zu Lebzeiten ihres Gemahls gebeten hatte.
Bei einer Ausgrabung anlässlich von Erdarbeiten zur Erweiterung der Tiefgarage unter dem Max-Joseph-Platz wurde 1982 die Gruft der Frauenklöster gefunden, die 1714 unter der Franziskanerkirche errichtet worden war. <span>Die Gräber waren mit Beigaben wie Papierblumen, Michaelsmedaillen, Christusfiguren, Rosenkränzen und Figürchen ausgestattet.</span></p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/116">Für mehr (einschließlich 7 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2023-10-10T18:15:53+02:00</published>
    <updated>2024-04-18T12:44:18+02:00</updated>
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      <name>Elke Bujok</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Das Pfanni-Gelände am Ostbahnhof: Vom Knödel zur Kultur]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Das Gelände hinter dem Ostbahnhof, auf dem momentan das Werksviertel entsteht, hat in seiner Geschichte mehrere Umnutzungen erfahren. Einst unter anderem von der ehemaligen Knödelfabrik Pfanni verwendet, erfuhr es in den 1990er und 2000er Jahren eine Verwandlung zum Kunstpark Ost und danach zur Kultfabrik, einer der europaweit größten Partymeilen. Mittlerweile beheimatet es neue Kulturangebote, Hotels und Unternehmen.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/4dc7854711ba93c438cbacdc49d639c5.jpg" alt="Pfanni-Werke hinter dem Ostbahnhof, 1957/58" /><br/><p>Das Gelände hinter dem Ostbahnhof hat oft sein Gesicht verändert. Wo seit einigen Jahren das Werksviertel entsteht, befanden sich früher Firmengelände, wie etwa die Optimol Ölwerke, das Bekleidungshaus Konen oder die auf Motorräder spezialisierte Zünder-Apparatebau-Gesellschaft (Zündapp). Am bekanntesten sind aber wohl die Knödel-Produktionshallen, Teil der 1949 von Werner Eckart (1909–1997) gegründeten Pfanni-Werke, die zum größten europäischen Spezialisten für Kartoffelprodukte avancierten. Da industrielle Produktion innerhalb von München weniger erwünscht war, sich die Marktverhältnisse verändert hatten und Energie- und Lohnkosten gestiegen waren, mussten sie in den 1990er Jahren schließen.
1993 wurde das Gelände vom Münchner Kulturunternehmer Wolfgang Nöth (1943–2021) aufgekauft. Dieser war seit den 1980er Jahren in München für seine unkonventionellen Ideen zum Feierleben und seiner Hartnäckigkeit bezüglich bürokratischer Auflagen bekannt. 1996 entstand auf dem Gebiet der ehemaligen Pfanni-Werke der „Kunstpark Ost“, der zeitweise als größtes Clubgelände in Deutschland galt und rund 250.000 Besuchende pro Monat zählte. Neben den etwa 30 Diskotheken und Clubs, die in unterschiedlichen Hallen angesiedelt waren, gab es Restaurants, Spielhallen, Antikmärkte und Ateliers zu günstigen Mieten.
Ab 2003 wurde der ehemalige „Kunstpark Ost“ vom Team der Eventfabrik GmbH als „Kultfabrik“ betrieben, mit reduzierter Größe und Vielfalt, während Nöth in die benachbarten Optimolwerke umzog, auf deren Gelände wiederum mehrere Clubs eröffnet wurden.</p><p>Da die Planung des sogenannten Werksviertels immer mehr Form angenommen hatte, mussten Kultfabrik, Optimolwerke und andere kulturelle Einrichtungen 2015 weichen. Zu diesem Zeitpunkt waren auf dem Areal 1.500 Wohnungen, Büroräume für 7.000 Arbeitsplätze, fünf Hotels, Einzelhandelsfläche von 30.000 Quadratmetern, mehrere Musikbühnen und eine neue Philharmonie geplant. Das Gesamtkonzept sollte vom Büro Steidle Architekten erarbeitet werden.
Für Bauherren, Stadt und Architekten war es wichtig, den Kern des alten Pfanniwerks mit Kartoffelsilo, Verpackungshalle oder Kartoffelwaschanlage zu erhalten: „Spannende Architektur, die Verbindung von Vergangenheit und Zukunft sowie eine spektakuläre Mischnutzung von Gebäuden und öffentlichem Raum machen das Werksviertel zu dem Zukunftsviertel für München“, heißt es auf der offiziellen Website des Werksviertels (zit. nach <a href="https://werksviertel.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">werksviertel münchen</a>). Dort werden neben Büros, Wohnungen und Hotels auch vielzählige Startups, Veranstaltungshallen, Theater, das Container Collective mit Gastronomie, Einzelhandel, Kunst und Kultur sowie viele weitere Einrichtungen beherbergt. Auch wenn das Projekt im Mai 2023 den deutschen Städtepreis gewonnen hat, weisen Gegner:innen der Bauvorhaben darauf hin, dass alteingesessene Kultur vertrieben wurde, um Hotels zu errichten und Raum für Arbeitsplätze privater Medienunternehmen zu schaffen. Viele der Künstler:innen, die Ateliers auf dem Gelände nutzten, werden kaum die Miete aufbringen können, die bereits heute in einigen Bürogebäuden angesetzt wird.
Die kreative Lücke, die entsteht, um das neue Konzept zu verwirklichen, lässt sich nur schwer füllen, da es in München – einer Stadt, die lange Zeit für ihre künstlerische Bohème bekannt war – an bezahlbarem Raum für alternative Nutzungen, wie etwa den damaligen Kunstpark Ost, mangelt.</p><p>Seit Ende 2023 stehen Verwaltungsgebäude und Kesselhaus unter Denkmalschutz.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/111">Für mehr (einschließlich 11 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2023-08-30T18:52:51+02:00</published>
    <updated>2024-10-02T11:55:25+02:00</updated>
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      <name>Betina Pflaum&amp;#32;&amp;amp;&amp;#32;Alexandra Avrutina</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Eine kreative Nachbarschaft : Franz-Joseph-Straße 2 und Leopoldstraße 21]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Im dritten Stock der Franz-Joseph-Straße 2 und Leopoldstraße 21 lebten und arbeiteten zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Familie des Schriftstellers Thomas Mann und das Künstlerehepaar Suzanne Carvallo-Schülein und Julius Wolfgang Schülein Seite an Seite.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/80afdf1d7c65c5e288e9c39d65963453.jpg" alt="Die Häuser Franz-Joseph-Straße 2 (vorne) und Leopoldstraße 21 (Mitte), 1906" /><br/><p>„[…] es ist eine schöne große Wohnung mit – 2 Wasserclosets! – ist das nicht ideal? Tommys Arbeitszimmer – sehr groß, daran K. Zimmer, dann Speisezimmer, dann 2 Schlafzimmer, weißlackierte Meubles […] In allen Zimmern kreisförmige elektr. Lustres, reizend sind die kleineren im Schlafzimmer, grünes Laub mit roten Beeren, daran hängen die elektr. Birnen“ (zit. nach Mann 1991, S. 144).
Was die Mutter Julia Mann ihrem Sohn Heinrich von dessen Bruders erster Wohnung nach der Eheschließung mit Katia Mann, geborene Pringsheim, im Jahr 1905 berichtete, war pure Begeisterung. Großzügige Räumlichkeiten! Elektrizität! Moderne Möbel in Weiß! Und gleich zwei Toiletten! Das war aber auch notwendig, denn alsbald, zwischen 1905 und 1910, kamen vier Kinder zur Welt: Erika (1905), Klaus (1906), Golo (1909) und Monika (1910).
Der mit „Buddenbrooks“ berühmt gewordene Schriftsteller Thomas Mann arbeitete hier unter anderem am Roman „Königliche Hoheit“ (1910) und an den Novellen „Schwere Stunde“, „Wälsungenblut“ und „Das Eisenbahnunglück“. Mit der Geburt Monikas war die Wohnung dann aber doch zu klein: Man zog um in den Münchner Herzogpark, zunächst in das Haus Mauerkircherstraße 13/II, ab Januar 1914 in das eigene Haus Poschingerstraße 1. Dort kamen noch die Kinder Elisabeth (1918) und Michael (1919) zur Welt.
Gleich neben der Franz-Joseph-Straße 2, wo die Manns im dritten Stock lebten, bezog 1908 im Eckturm der Leopoldstraße 21 der jüdische Maler Julius Wolfgang Schülein sein Atelier. 1912 heiratete er die jüdische Malerin Suzanne Carvallo und teilte fortan mit ihr das Atelier. Wohnhaft waren beide in der Trautenwolfstraße 6 unweit davon. Man pflegte eine gute Nachbarschaft: „Wir waren in persönlichen Beziehungen zu Heinrich und Thomas Mann, zu Jakob Wassermann und seiner zweiten Frau Martha Karlweiss, zu Arthur Schnitzler, zu Arnold Zweig, Wolfenstein, Efraim Frisch, Wedekind, Kasimir Edschmid etc. […] Edwin Scharf […] und Paul Klee standen uns nahe“, berichtete Julius Wolfgang Schülein. Suzanne Carvallo-Schülein malte 1926 und 1930 Bildnisse von Elisabeth und Katia Mann. Anlässlich der Verleihung des Nobelpreises für Literatur zeichnete sie ein Porträt von Thomas Mann.
Doch neben Nachbarschaft und Bekanntschaft hatte man noch eine Gemeinsamkeit: Beide Familien, die Manns und die Schüleins, gingen schon 1933 ins Exil. Das jüdische Maler-Ehepaar floh im April vor Antisemitismus und Verfolgung als „entartete“ Künstler, der Schriftsteller kehrte von einer Auslandsreise nicht zurück, als in München zu Ostern gegen ihn eine lebensbedrohliche Kampagne in Folge seiner Rede „Leiden und Größe Richard Wagners“ inszeniert wurde, die in einen „Schutzhaft“-Befehl der Bayerischen Politischen Polizei unter Reinhard Heydrich mündete. Die oben erwähnten Porträts der drei Manns haben die Wege ins Exil, nach Princeton und New York, mitgemacht. Das Haus Franz-Joseph-Straße 2 wurde am 13. Juli 1944 bei einem Luftangriff zerstört.
Nach dem Krieg kaufte die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank die Ruine. 1954 erfolgte der Neubau zum Gästehaus der Bank. Das direkt anschließende Haus Leopoldstraße 21 überstand die Fliegerangriffe im Zweiten Weltkrieg. Nach dem Neubau des Nachbarhauses 1954 wurde es unter dem Architekten Alois Grill an dieses formal angepasst, der Eckturm entfernt. 2016, nach Verkauf durch die HypoVereinsbank, entstand unter Blaumoser Architekten, Starnberg, in einem Umbau die heutige Form beider Häuser.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/102">Für mehr (einschließlich 5 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2023-07-27T16:42:53+02:00</published>
    <updated>2025-04-14T14:45:27+02:00</updated>
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      <name>Joachim Jung</name>
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