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Die Allianz Arena

Zwischen Architektur und Fußballstadion

Die architektonischen Besonderheiten des neuen Stadions in München, entworfen von den Schweizer Architekten Herzog & de Meuron, gelten weltweit als einzigartig.

Die Allianz Arena ist ein starkes Zeichen für München und für den Fußball: Das Stadion, ein weithin sichtbarer Leuchtkörper, dient als bedeutender Orientierungspunkt und Identitätsmerkmal, vergleichbar mit anderen architektonischen Wahrzeichen wie den Türmen der Frauenkirche, den Dächern des Olympiageländes, dem BMW- oder dem Hypo-Hochhaus.

Wie ein großer leuchtender Körper steht das Stadion an der Autobahn und markiert einen neuen Übergang zwischen urbanem und ländlichem Raum. Gemeinsam mit der umgebenden Landschaft, den beiden Windrädern und dem Fröttmaninger Berg, bildet es ein neues Tor zur Stadt. Die weit über die unmittelbare Umgebung ausstrahlende architektonische Homogenität und Größe der Arena erstrecken sich auch auf den Innenraum.

Der Zug der Fans zum Stadion erfolgt über die Esplanade, die in Anlehnung an die Vegetation der nah gelegenen Fröttmaninger Heide gestaltet ist. Darunter befinden sich die Parkhäuser, die dadurch in die Landschaft integriert werden und den Blick von Süden auf die faszinierende, fast schwebende Architektur freigeben. Die Zuschauer nähern sich dem Stadion über die gesamte Breite des Geländes. Am Übergang zwischen Esplanade und Stadion können sie von allen Seiten unter dem Architekturkörper hindurch in das Innere der Arena gelangen.

Die Zuschauerränge sind möglichst eng um das Spielfeld angeordnet, ähnlich den Vorbildern der traditionellen, nach innen gekehrten englischen Stadien, wie allen voran in Manchester und Liverpool. Wie im alten Shakespeare-Theater rücken sie die Zuschauer in unglaubliche Nähe an das Spielgeschehen heran. Diese räumliche Verdichtung schafft, wie in Fußballhochburgen wie Mailand und Madrid, eine intensive Spielatmosphäre: Die größtmögliche Nähe zwischen Spielern und Fans ist der entscheidende Faktor für die Stimmung in einem Stadion. In der Allianz Arena wird die Nähe zum Spielfeld zusätzlich optimiert: Denn jeder der drei Ränge ist für sich so weit wie möglich an das Geschehen herangerückt. Die von unten ansteigende Höhe der drei Ränge schafft eine zusätzliche räumliche Verdichtung. Die Versätze zwischen den Rängen werden genutzt, um die Logen zu integrieren, ohne dabei die Tribünen zu unterteilen. Der große Umgang auf der Zugangsebene erhält zwischen dem ersten und dem zweiten Rang auf 360 Grad eine direkte räumliche Verbindung zum Spielfeld.

Der derart verdichtete Innenraum lässt die Atmosphäre nach keiner Seite entweichen, die Stimmung wogt zwischen dem Spielfeld und den Tribünen hin und her. Hoffnung, Verzweiflung, Begeisterung: die ganze Dramatik und Emotion eines Spiels wird in diesem Kessel eingefangen. Der Rasen, die Bühne des Spiels, das magische Rechteck, die Oberfläche, auf der sich das Spiel und die Spannung entfalten: Das Spielfeld ist der Ausgangspunkt des Entwurfes.

„Fußball bedeutet immer die direkte Konfrontation einer Mannschaft gegen die andere. Das sind beinahe feindselige Kämpfe und das Stadion gleicht schon fast einer Burg, das Spielfeld einem Schlachtfeld - überspitzt ausgedrückt… Ich nenne das Innere des Stadions nicht Hexenkessel, sondern Wahrnehmungsmaschine. Die Interaktivität, das totale Verstärken der Emotionen ist das Wichtigste bei allen unseren Projekten. Wir können nicht wegen radikaler unkontrollierbarer Emotionen langweilige Architektur machen - weder für eine Oper oder ein Museum noch für ein Fußballstadion“ (Zitat von Jacques Herzog zur Allianz Arena).

Die äußere Hülle des Stadions besteht aus großen, weiß-schimmernden rautenförmigen ETFE-Folienkissen, die einzeln beleuchtet werden können. Durch LED-Technologie kann das gesamte Stadion in über 16 Millionen Farben erstrahlen, was eine Vielzahl von Lichtszenarien ermöglicht und die Atmosphäre aus dem Inneren widerspiegelt.

Die Allianz Arena und allen voran der FC Bayern München üben eine große Anziehungskraft auf Gäste aus der ganzen Welt aus. Ein Besuch des Stadions ist daher für alle empfehlenswert, die Begeisterung für Architektur und Sport haben.

Bilder

Die Allianz Arena, 2019
Die Allianz Arena, 2019 Die Zuschauer nähern sich dem Stadion über die Esplanade, deren Vegetation der nah gelegenen Fröttmaninger Heide nachempfunden wurde. Erstellt von: Allianz Arena / B. Ducke
Blick in die Arena aus der Vogelperspektive
Blick in die Arena aus der Vogelperspektive Wie in den traditionellen englischen Stadien sind die Zuschauerränge möglichst eng um das Spielfeld angeordnet. Erstellt von: Allianz Arena / B. Ducke
Umgang im Inneren der Allianz Arena
Umgang im Inneren der Allianz Arena Über den Umgang in der Zugangsebene gelangt man zu den Plätzen in Unter- und Mittelrang. Erstellt von: Allianz Arena / B. Ducke
Allianz Arena, Blick auf einen Logenbalkon
Allianz Arena, Blick auf einen Logenbalkon Der Versatz zwischen Mittel- und Oberrang wird genutzt, um die Logen zu integrieren. Erstellt von: Allianz Arena / B. Ducke
Die Außenhaut der Allianz Arena
Die Außenhaut der Allianz Arena Die äußere Hülle des Stadions besteht aus rautenförmigen Kunststoffkissen mit integriertem Lichtsystem. Erstellt von: Allianz Arena / B. Ducke
Blick auf die Allianz Arena von Norden
Blick auf die Allianz Arena von Norden Wie ein großer leuchtender Körper markiert das Stadion den Übergang zwischen urbanem und ländlichem Raum. Erstellt von: Allianz Arena / B. Ducke

Ort

Werner-Heisenberg-Allee 25, 80939 München

Metadaten

FC Bayern Museum, “Die Allianz Arena,” MunichArtToGo, accessed 25. Juni 2024, https://municharttogo.zikg.eu/items/show/152.