Postkarte mit Innenansichten des Wiener Café Stefanie, 1915

Ganz so leer wie auf dieser Postkarte war das Café nur selten. Leonhard Frank beschrieb die Atmosphäre folgendermaßen (Frank 1963, S. 11):

„Das Boheme-Café Stefanie bestand aus einem Nebenraum, an dessen Fenstertischen Münchener Berühmtheiten jeden Nachmittag Schach spielten vor zuschauenden Straßenpassanten, und den größeren Hauptraum mit einem glühenden Kohlenofen, versessenen, stark nach Moder riechenden Polsterbänken, roter Plüsch, und dem Kellner Arthur, der in ein zerschlissenes Büchlein, notdürftig zusammengehalten von einem Gummiband, die Pfennigsummen notierte, die seine Gäste ihm schuldig blieben. Der überfüllte Hauptraum hatte seinen eigenen warmen Geruch, eine spezielle Mischung aus Kaffee- und dumpfem Moderduft und dickstem Zigarettenrauch. Wer hier eintrat, war daheim.“

| Quelle: Stadtarchiv München, FS-PK-STB-04314