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    <title type="html"><![CDATA[Das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Lesben und Schwulen: Ein Mosaik als Ort der Erinnerung]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Bunte Betonkacheln liegen wie ein Flickenteppich an der Ecke Oberanger und Dultstraße am Rande der Fußgängerzone zwischen Sendlinger Tor und Marienplatz. Durch die Umgestaltung des Raumes setzt Ulla von Brandenburg seit 2017 mit dem <i>Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Lesben und Schwulen</i> eine Geschichte in Szene, die ansonsten unsichtbar bleibt. Der Stadtraum wird so zur Bühne einer gewaltvollen Vergangenheit und zum Markierungspunkt einer gelebten Erinnerung.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/80587725e7198358be8fcd65f7ae5e56.jpg" alt="Denkmal für die in der NS-Zeit verfolgten Lesben und Schwulen, 2017" /><br/><p>Das <i>Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Lesben und Schwulen</i> ist heute der einzige Hinweis auf die Großrazzia der Nazis, die am 20. Oktober 1934 im Gasthaus „Schwarzfischer“ den Auftakt für die systematische Homosexuellenverfolgung im gesamten Deutschen Reich bildete. Das im Jahr 1928 eröffnete Lokal war ein Treffpunkt für queere Menschen, stand aber von Anfang an unter Überwachung durch die Behörden. Zwischen 1933 und 1945 wurden im NS-Staat etwa 7.500 Personen wegen Homosexualität in Konzentrationslagern inhaftiert. Noch bis weit in die Nachkriegszeit kam es in der Bundesrepublik Deutschland mit Berufung auf den im Kaiserreich geschaffenen und von den Nazis verschärften §175 zu Verhaftungen und Verurteilungen. Im Jahr 1969 wurde das Gesetz das erste Mal entschärft und schließlich im Jahr 1994 gestrichen. Ulla von Brandenburg setzt in ihrem Bodenmosaik, dessen bunt gefärbte Betonkacheln in Form eines rechten Winkels um die Häuserecke herum angeordnet sind, drei Symbole der queeren Geschichte in Bezug zueinander: den rosa Winkel, den schwarzen Winkel und die Regenbogenfahne. Der rosa Winkel steht im Mosaik für die einstige Kennzeichnung der Schwulen in den Konzentrationslagern des NS-Staats. In den 1970er Jahren begann ein Aufarbeitungs- und Aneignungsprozess durch die queere Community, wobei das Dreieck vom Zeichen der Diffamierung und Ausgrenzung zum aktivistischen Motiv der Selbstbestimmung und Identifikation umgedeutet wurde und schließlich in der AIDS-Bewegung Gebrauch fand. Einer ähnlichen Entwicklung folgte der schwarze Winkel in der Unterdrückungs- und Emanzipationsgeschichte von Lesben, blieb dabei jedoch stärker als der rosa Winkel in der Gedenkkultur verhaftet. Nachdem der NS-Staat unter anderem Lesben mit dem schwarzen Winkel im KZ kennzeichnete, wurde das Symbol in der lesbisch-feministischen Frauenbewegung der 1980er Jahre aufgegriffen, um auf die Situation lesbischer Frauen im NS aufmerksam zu machen. Der Regenbogen stellt, seit der Kreation der Regenbogenfahne in San Francisco im Jahr 1978, heute das bekannteste Zeichen der queeren Bewegung dar und repräsentiert Stolz, Offenheit und Vielfalt. Von Brandenburg lässt sich von den Farben der Flagge inspirieren, verwendet jedoch eine eigene Farbgestaltung, deren Bedeutung im Kontext des Denkmals ersichtlich wird. Die Verbindung der drei Symbole im Denkmal lädt zu einem gedanklichen Gang durch die queere Stadtgeschichte ein: von der Gewalt der Nazi-Zeit hin zu einer Bewegung für Freiheit und Selbstbestimmung. Im Zusammenspiel der Zeichen auf derselben Ebene wird dabei deutlich, wie eng die historischen Ereignisse miteinander verknüpft sind und dass der Weg zur offenen Gesellschaft nicht geradlinig verläuft und weiterhin geschützt werden muss. Ulla von Brandenburg verändert die Raumwahrnehmung der Besucher*innen, indem sie mit dem Denkmal den Übergang zwischen Fußgängerzone und Fahrbahn markiert und als historischen Raum inszeniert. Ergänzt durch eine Gedenktafel macht das Mahnmal als Erinnerungsort Gewalt und Verfolgung, aber auch Gemeinschaft und Widerstand sichtbar. Einmal im Jahr wird hier der queeren Opfer des Nationalsozialismus gedacht. An jedem anderen Tag des Jahres wirkt das Denkmal selbstständig als Markierungspunkt der Geschichte und hoffnungsvolles Zeichen für eine tolerante Gesellschaft.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/319">Für mehr (einschließlich 2 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2026-02-24T10:38:08+01:00</published>
    <updated>2026-04-22T09:31:24+02:00</updated>
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      <name>Laura König</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Der „Schreitende“ an der Friedenheimer Brücke: Ein Einheitsdenkmal von Michael Morgner]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Die Figur aus dem Jahr 2016 zeigt einen Menschen, der mit hoch erhobenen, verschränkten Händen einen großen, entschlossenen Schritt macht. Die Skulptur „Schreitender“ stammt von dem Chemnitzer Künstler Michael Morgner (geboren 1942) und gehört zu seinem zentralen Formenvokabular, mit dem er verschiedene Daseins- und Erlebnisstufen des Menschen thematisiert.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/581bc41251e670975e982484ff1897f6.jpg" alt="Der „Schreitende“ von Michael Morgner, 2017" /><br/><p>Die Stahlfigur steht am Ende einer Stahlplatte, die im Negativ die freien Flächen der stehenden Figur zeigt. So existiert die Figur zweimal – einmal liegend und einmal stehend. Die Idee des „Schreitenden“ entstand bereits 1978 aus einer Zeichnung, in einer Zeit, in der Morgner nach einem Skiunfall und sieben Operationen selbst nicht aufrecht gehen konnte. Die erste Umsetzung als Stahlskulptur erfolgte im Jahr 2000 für den Theaterplatz in Chemnitz. Weitere Ausführungen befinden sich in Oberstdorf im Allgäu, im Ostseebad Ahrenshoop und in Reinsdorf bei Zwickau. Diese sind im Sinne des Künstlers als Einheitsdenkmal gedacht, das sich aus allen Himmelsrichtungen aufeinander zubewegt.
Das Motiv des „Schreitenden“ taucht auch in zahlreichen Malereien und Grafiken Morgners auf. Die Figur symbolisiert Themen wie (Wieder-)Aufstehen, Widerstand und Freiheit prägen die Figur. Diese Motive spiegeln auch Morgners Erfahrungen in der DDR wider.
Kunst wurde dort als politisches Instrument genutzt, um marxistisch-leninistische Werte und damit die staatliche Ideologie zu vermitteln. Der Sozialistische Realismus galt als verbindliche künstlerische Leitlinie: Kunstwerke sollten verständlich, lebensnah und optimistisch gestaltet sein und die Ziele des Staates unterstützen. Zwar war eine individuelle künstlerische Handschrift grundsätzlich erlaubt, doch musste das sozialistische Menschenbild stets positiv dargestellt werden.
Davon abweichende, insbesondere experimentelle oder abstrakte Kunst galt als „formalistisch“ – also weltfremd, dekadent oder elitär –, da sie nicht der propagierten Aufgabe der Kunst entsprach. Auch der staatlich regulierte Kunstbetrieb folgte diesen Prinzipien. So entschied der Verband Bildender Künstler der DDR darüber, wer im In- oder Ausland ausstellen durfte. Wer sich den offiziellen Vorgaben widersetzte, konnte seine Werke nur schwer zeigen und wurde häufig gesellschaftlich isoliert, vom Ministerium für Staatssicherheit überwacht und teilweise sogar strafrechtlich verfolgt.
Diese Erfahrung machte auch Morgner, als er 1977 gemeinsam mit Carlfriedrich Claus, Thomas Ranft, Dagmar Ranft-Schinke und Gregor-Torsten Schade (später Kozik) in Chemnitz die Produzentengalerie CLARA MOSCH gründete. Die Gruppe wurde 1982 durch sogenannte „Zersetzungsmaßnahmen“ des Ministeriums für Staatssicherheit zerschlagen. Dabei handelte es sich nicht um offene Verhaftungen, sondern um gezielte psychologische Zermürbung. Typische Maßnahmen waren das Verbreiten von Gerüchten, das Manipulieren von Beziehungen, anonyme Drohungen, Eingriffe in die berufliche Laufbahn oder das heimliche Verfälschen von Post und Dokumenten. Ziel war es, das Vertrauen der Betroffenen in sich selbst und in ihr Umfeld zu zerstören und sie gesellschaftlich zu isolieren.
Trotz dieser Erfahrungen blieb Morgner künstlerisch aktiv. 1986 organisierte das Ministerium für Bundesangelegenheiten Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit dem staatlichen Kunsthandel der DDR die Ausstellung <em>„</em>Menschenbilder – Kunst aus der DDR<em>“</em>. Man wünschte sich seine Beteiligung. Die Ausstellung war erfolgreich und zeigte erstmals offiziell Kunst aus der DDR in der Bundesrepublik, doch Morgner erhielt keine Reisegenehmigung.
In der Figur des „Schreitenden“ verdichtet sich diese biografische und künstlerische Erfahrung: das Aufstehen, Weitergehen und Behaupten des eigenen Weges trotz Widerständen. In München erinnert die Figur zugleich an das Ende der DDR.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/281">Für mehr (einschließlich 6 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-11-06T09:24:13+01:00</published>
    <updated>2026-01-20T11:25:08+01:00</updated>
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      <name>Eva Blüml</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Das Pfanni-Gelände am Ostbahnhof: Vom Knödel zur Kultur]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Das Gelände hinter dem Ostbahnhof, auf dem momentan das Werksviertel entsteht, hat in seiner Geschichte mehrere Umnutzungen erfahren. Einst unter anderem von der ehemaligen Knödelfabrik Pfanni verwendet, erfuhr es in den 1990er und 2000er Jahren eine Verwandlung zum Kunstpark Ost und danach zur Kultfabrik, einer der europaweit größten Partymeilen. Mittlerweile beheimatet es neue Kulturangebote, Hotels und Unternehmen.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/4dc7854711ba93c438cbacdc49d639c5.jpg" alt="Pfanni-Werke hinter dem Ostbahnhof, 1957/58" /><br/><p>Das Gelände hinter dem Ostbahnhof hat oft sein Gesicht verändert. Wo seit einigen Jahren das Werksviertel entsteht, befanden sich früher Firmengelände, wie etwa die Optimol Ölwerke, das Bekleidungshaus Konen oder die auf Motorräder spezialisierte Zünder-Apparatebau-Gesellschaft (Zündapp). Am bekanntesten sind aber wohl die Knödel-Produktionshallen, Teil der 1949 von Werner Eckart (1909–1997) gegründeten Pfanni-Werke, die zum größten europäischen Spezialisten für Kartoffelprodukte avancierten. Da industrielle Produktion innerhalb von München weniger erwünscht war, sich die Marktverhältnisse verändert hatten und Energie- und Lohnkosten gestiegen waren, mussten sie in den 1990er Jahren schließen.
1993 wurde das Gelände vom Münchner Kulturunternehmer Wolfgang Nöth (1943–2021) aufgekauft. Dieser war seit den 1980er Jahren in München für seine unkonventionellen Ideen zum Feierleben und seiner Hartnäckigkeit bezüglich bürokratischer Auflagen bekannt. 1996 entstand auf dem Gebiet der ehemaligen Pfanni-Werke der „Kunstpark Ost“, der zeitweise als größtes Clubgelände in Deutschland galt und rund 250.000 Besuchende pro Monat zählte. Neben den etwa 30 Diskotheken und Clubs, die in unterschiedlichen Hallen angesiedelt waren, gab es Restaurants, Spielhallen, Antikmärkte und Ateliers zu günstigen Mieten.
Ab 2003 wurde der ehemalige „Kunstpark Ost“ vom Team der Eventfabrik GmbH als „Kultfabrik“ betrieben, mit reduzierter Größe und Vielfalt, während Nöth in die benachbarten Optimolwerke umzog, auf deren Gelände wiederum mehrere Clubs eröffnet wurden.</p><p>Da die Planung des sogenannten Werksviertels immer mehr Form angenommen hatte, mussten Kultfabrik, Optimolwerke und andere kulturelle Einrichtungen 2015 weichen. Zu diesem Zeitpunkt waren auf dem Areal 1.500 Wohnungen, Büroräume für 7.000 Arbeitsplätze, fünf Hotels, Einzelhandelsfläche von 30.000 Quadratmetern, mehrere Musikbühnen und eine neue Philharmonie geplant. Das Gesamtkonzept sollte vom Büro Steidle Architekten erarbeitet werden.
Für Bauherren, Stadt und Architekten war es wichtig, den Kern des alten Pfanniwerks mit Kartoffelsilo, Verpackungshalle oder Kartoffelwaschanlage zu erhalten: „Spannende Architektur, die Verbindung von Vergangenheit und Zukunft sowie eine spektakuläre Mischnutzung von Gebäuden und öffentlichem Raum machen das Werksviertel zu dem Zukunftsviertel für München“, heißt es auf der offiziellen Website des Werksviertels (zit. nach <a href="https://werksviertel.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">werksviertel münchen</a>). Dort werden neben Büros, Wohnungen und Hotels auch vielzählige Startups, Veranstaltungshallen, Theater, das Container Collective mit Gastronomie, Einzelhandel, Kunst und Kultur sowie viele weitere Einrichtungen beherbergt. Auch wenn das Projekt im Mai 2023 den deutschen Städtepreis gewonnen hat, weisen Gegner:innen der Bauvorhaben darauf hin, dass alteingesessene Kultur vertrieben wurde, um Hotels zu errichten und Raum für Arbeitsplätze privater Medienunternehmen zu schaffen. Viele der Künstler:innen, die Ateliers auf dem Gelände nutzten, werden kaum die Miete aufbringen können, die bereits heute in einigen Bürogebäuden angesetzt wird.
Die kreative Lücke, die entsteht, um das neue Konzept zu verwirklichen, lässt sich nur schwer füllen, da es in München – einer Stadt, die lange Zeit für ihre künstlerische Bohème bekannt war – an bezahlbarem Raum für alternative Nutzungen, wie etwa den damaligen Kunstpark Ost, mangelt.</p><p>Seit Ende 2023 stehen Verwaltungsgebäude und Kesselhaus unter Denkmalschutz.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/111">Für mehr (einschließlich 11 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2023-08-30T18:52:51+02:00</published>
    <updated>2024-10-02T11:55:25+02:00</updated>
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      <name>Betina Pflaum&amp;#32;&amp;amp;&amp;#32;Alexandra Avrutina</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Eine kreative Nachbarschaft : Franz-Joseph-Straße 2 und Leopoldstraße 21]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Im dritten Stock der Franz-Joseph-Straße 2 und Leopoldstraße 21 lebten und arbeiteten zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Familie des Schriftstellers Thomas Mann und das Künstlerehepaar Suzanne Carvallo-Schülein und Julius Wolfgang Schülein Seite an Seite.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/80afdf1d7c65c5e288e9c39d65963453.jpg" alt="Die Häuser Franz-Joseph-Straße 2 (vorne) und Leopoldstraße 21 (Mitte), 1906" /><br/><p>„[…] es ist eine schöne große Wohnung mit – 2 Wasserclosets! – ist das nicht ideal? Tommys Arbeitszimmer – sehr groß, daran K. Zimmer, dann Speisezimmer, dann 2 Schlafzimmer, weißlackierte Meubles […] In allen Zimmern kreisförmige elektr. Lustres, reizend sind die kleineren im Schlafzimmer, grünes Laub mit roten Beeren, daran hängen die elektr. Birnen“ (zit. nach Mann 1991, S. 144).
Was die Mutter Julia Mann ihrem Sohn Heinrich von dessen Bruders erster Wohnung nach der Eheschließung mit Katia Mann, geborene Pringsheim, im Jahr 1905 berichtete, war pure Begeisterung. Großzügige Räumlichkeiten! Elektrizität! Moderne Möbel in Weiß! Und gleich zwei Toiletten! Das war aber auch notwendig, denn alsbald, zwischen 1905 und 1910, kamen vier Kinder zur Welt: Erika (1905), Klaus (1906), Golo (1909) und Monika (1910).
Der mit „Buddenbrooks“ berühmt gewordene Schriftsteller Thomas Mann arbeitete hier unter anderem am Roman „Königliche Hoheit“ (1910) und an den Novellen „Schwere Stunde“, „Wälsungenblut“ und „Das Eisenbahnunglück“. Mit der Geburt Monikas war die Wohnung dann aber doch zu klein: Man zog um in den Münchner Herzogpark, zunächst in das Haus Mauerkircherstraße 13/II, ab Januar 1914 in das eigene Haus Poschingerstraße 1. Dort kamen noch die Kinder Elisabeth (1918) und Michael (1919) zur Welt.
Gleich neben der Franz-Joseph-Straße 2, wo die Manns im dritten Stock lebten, bezog 1908 im Eckturm der Leopoldstraße 21 der jüdische Maler Julius Wolfgang Schülein sein Atelier. 1912 heiratete er die jüdische Malerin Suzanne Carvallo und teilte fortan mit ihr das Atelier. Wohnhaft waren beide in der Trautenwolfstraße 6 unweit davon. Man pflegte eine gute Nachbarschaft: „Wir waren in persönlichen Beziehungen zu Heinrich und Thomas Mann, zu Jakob Wassermann und seiner zweiten Frau Martha Karlweiss, zu Arthur Schnitzler, zu Arnold Zweig, Wolfenstein, Efraim Frisch, Wedekind, Kasimir Edschmid etc. […] Edwin Scharf […] und Paul Klee standen uns nahe“, berichtete Julius Wolfgang Schülein. Suzanne Carvallo-Schülein malte 1926 und 1930 Bildnisse von Elisabeth und Katia Mann. Anlässlich der Verleihung des Nobelpreises für Literatur zeichnete sie ein Porträt von Thomas Mann.
Doch neben Nachbarschaft und Bekanntschaft hatte man noch eine Gemeinsamkeit: Beide Familien, die Manns und die Schüleins, gingen schon 1933 ins Exil. Das jüdische Maler-Ehepaar floh im April vor Antisemitismus und Verfolgung als „entartete“ Künstler, der Schriftsteller kehrte von einer Auslandsreise nicht zurück, als in München zu Ostern gegen ihn eine lebensbedrohliche Kampagne in Folge seiner Rede „Leiden und Größe Richard Wagners“ inszeniert wurde, die in einen „Schutzhaft“-Befehl der Bayerischen Politischen Polizei unter Reinhard Heydrich mündete. Die oben erwähnten Porträts der drei Manns haben die Wege ins Exil, nach Princeton und New York, mitgemacht. Das Haus Franz-Joseph-Straße 2 wurde am 13. Juli 1944 bei einem Luftangriff zerstört.
Nach dem Krieg kaufte die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank die Ruine. 1954 erfolgte der Neubau zum Gästehaus der Bank. Das direkt anschließende Haus Leopoldstraße 21 überstand die Fliegerangriffe im Zweiten Weltkrieg. Nach dem Neubau des Nachbarhauses 1954 wurde es unter dem Architekten Alois Grill an dieses formal angepasst, der Eckturm entfernt. 2016, nach Verkauf durch die HypoVereinsbank, entstand unter Blaumoser Architekten, Starnberg, in einem Umbau die heutige Form beider Häuser.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/102">Für mehr (einschließlich 5 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2023-07-27T16:42:53+02:00</published>
    <updated>2025-04-14T14:45:27+02:00</updated>
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      <name>Joachim Jung</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Das Brandgrab im Apothekenhof der Residenz: Die „älteste Münchnerin“]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Völlig überraschend wurde im Frühjahr 2014 ein Brandgrab aus der späten Bronzezeit (1300–800 v. Chr.) im Apothekenhof der Münchner Residenz entdeckt, das zeigt, dass sich hier in der Vorzeit ein großer Friedhof befunden hat.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/d0292ce9cd6466e2f298692c0e1dcc67.jpg" alt="Heutiger Zustand des Apothekenhofs der Münchner Residenz, 2023" /><br/><p>1255 verlegte Herzog Ludwig II. von Bayern aus der Familie der Wittelsbacher seinen Regierungssitz von Landshut nach München, wo er zunächst den Alten Hof erbauen ließ. 1385 wurde die Neuveste als Wasserburg nördlich des Alten Hofes errichtet und sollte den Wittelsbachern als Fluchtburg dienen. Ab dem 15. Jahrhundert baute man die Neuveste immer weiter aus, im 16. Jahrhundert wurde sie zur Residenz und damit zum Hauptsitz der Wittelsbacher.
Bauarbeiten an und in der Residenz werden heute immer von Archäolog:innen begleitet. So wurde im Frühjahr 2014 überraschend ein Brandstreuungsgrab im Apothekenhof entdeckt. Dabei handelt es sich um eine Bestattungsart, bei der die verstorbene Person verbrannt, die Asche aufgesammelt und anschließend in ein ausgehobenes Grab gestreut wurde.
Auf einer Seite der Grabgrube fand man verzierte Keramikscherben, von denen einige Brandspuren aufweisen. Diese verkohlten Stellen deuten darauf hin, dass einige Gefäße offenbar zusammen mit der Toten auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden waren. Außerdem konnte man Holzkohle, einen Pfriem, eine Tülle, ein Messer und zwei Vasenkopfnadeln, alle aus Bronze, bergen.
Bei einem Pfriem handelt es sich um ein Werkzeug, das zum Bohren von Löchern und zu ihrer Erweiterung diente. Es fand vor allem bei der Verarbeitung von Leder Anwendung, aus dem man beispielsweise Kleidungsstücke und Schuhe fertigte. Vasenkopfnadeln sind Schmuckstücke, die genutzt wurden, um Kleidung zu verschließen, Kopftücher oder Hauben und Frisuren festzustecken. Sie waren kostbare Gegenstände, ihren Namen verdanken sie der Form ihres Endes, das wie eine kleine Blumenvase gestaltet ist. Eine der beiden Nadeln war, genau wie die Keramik, zusammen mit der Verstorbenen verbrannt worden und zerbrochen. Die andere hatte man unversehrt als Beigabe in das Grab gelegt. Auf der anderen Grubenseite waren ein paar große und kleine Keramikgefäße deponiert worden und in der Grubenmitte hatte man die Asche der Verstobenen verstreut.
Anthropologische Analysen erbrachten, dass es sich bei der Verstorbenen um eine zierliche Frau gehandelt haben muss, die im Alter zwischen 40 und 60 Jahren verstorben war. Sie hat irgendwann zwischen 1300 und 800 v. Chr. gelebt. Diese Epoche in der späten Bronzezeit wird auch Urnenfelderzeit genannt, da man in ihr die Toten verbrannte und ihre Asche in Urnen auf großen Friedhöfen beisetzte. Es scheint so, dass die Frau in einer Zeitphase lebte, als die vorhergehende, alte Tradition der Körperbestattung langsam aufgegeben wurde und die neue Bestattungsart der Urnenfelderkultur Einzug hielt, wahrscheinlich zwischen 1300 und 1200 v. Chr. Zum einen hatte man die Frau zwar verbrannt, aber noch nicht in einer Urne beigesetzt. Zum anderen war die Grabgrube, in der ihre Asche verstreut worden war, mit einer Länge von 2,70 m und einer Breite von 1,10 m so groß, dass eine Körperbestattung hineingepasst hätte.
Obwohl das Grab der „ältesten Münchnerin“ bisher das einzige ist, das in der Münchner Altstadt gefunden wurde, gibt es einige bekannte Grabstätten aus der Urnenfelderzeit, die sich in den heutigen Stadtteilen Harlaching, Englschalking, Moosach oder Unter- und Obermenzing befinden. Sicherlich war auch die „älteste Münchnerin“ nicht als einzige im Bereich der späteren Residenz bestattet worden. Vermutlich gingen zahlreiche weitere Gräber in Folge der starken Bautätigkeit im Zentrum der Stadt ab der Stadtgründung 1158 unbeobachtet verloren. Die Funde aus dem Grab der „ältesten Münchnerin“ aber können ab Frühjahr 2024 in der Archäologischen Staatssammlung besichtigt werden.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/91">Für mehr (einschließlich 7 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2023-06-19T17:28:53+02:00</published>
    <updated>2024-06-12T13:36:56+02:00</updated>
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      <name>Anna Enzensberger und Brigitte Haas-Gebhard</name>
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