<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom">
  <title type="text">MunichArtToGo</title>
  <updated>2026-06-27T02:26:31+02:00</updated>
  <generator uri="http://framework.zend.com" version="1.12.20">Zend_Feed_Writer</generator>
  <link rel="alternate" type="text/html" href="https://municharttogo.zikg.eu/"/>
  <link rel="self" type="application/atom+xml" href="https://municharttogo.zikg.eu/items/browse?output=rss2"/>
  <id>https://municharttogo.zikg.eu/</id>
  <author>
    <name>MunichArtToGo</name>
    <uri>https://municharttogo.zikg.eu</uri>
  </author>
  <link rel="hub" href="http://pubsubhubbub.appspot.com/"/>
  <entry>
    <title type="html"><![CDATA[Das Wohnhaus Konradstraße 16: Thomas Mann zu Besuch bei Wilhelm Spiegelberg]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Nachdem sich Thomas Mann und der Münchner Ägyptologe Wilhelm Spiegelberg im Nachgang einer Lesung Manns ausgetauscht hatten, kam es Ende 1927 zu einem ersten persönlichen Zusammentreffen. Thomas Mann erhoffte sich von Spiegelberg Unterstützung und Rat bei seiner Recherche für den Josephs-Roman.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/e0d25658dac864264253f6431ec35a55.jpg" alt="Das Wohnhaus Konradstraße 16" /><br/><p>Spiegelbergs Sohn Herbert (1904–1990) erinnert sich an dieses Zusammentreffen: „Nicht lange nach der Antwort meines Vaters besuchte Thomas Mann ihn um die Teestunde in seinem Studierzimmer in der Konradstraße 16/II für etwa zwei Stunden. Aus dem Bericht meines Vaters nach der Begegnung erinnere ich mich, daß sich dabei herausstellte, daß Thomas Manns ägyptologische Quellen veraltet waren, z.B. das phantasiehafte Werk eines längst verstorbenen Münchner Ägyptologen Franz Josef Lauth. Mein Vater schlug ihm besonders Erman-Ranke, Ägypten, und Adolf Ermans Anthologie <i>Die Literatur der alten Ägypter</i> als beste Einführung vor, vielleicht auch Breasted. Außerdem fragte Thomas Mann meinen Vater, ob es gerechtfertigt sei, den Besuch Josephs so anzusetzen, daß der Sonnenmonotheismus des Echnaton mit dem hebräischen Monotheismus in Beziehung gesetzt werden könne. Mein Vater erklärte ihm nach meiner Erinnerung, daß zwar keine konkreten Grundlagen für eine solche historische Hypothese vorlägen, daß er darin aber keinen genügenden Gegengrund sähe, eine solche Verbindung dichterisch zu entwickeln, da sie nicht unmöglich sei.“ (zit. nach Grimm 1992) Es ist davon auszugehen, dass es in den drei Jahren gemeinsamer Zusammenarbeit bis zu Spiegelbergs überraschendem Tod Ende 1930 zu Gegenbesuchen und weiteren Treffen kam. Das vermutlich letzte Treffen in Spiegelbergs Privatwohnung diente der Reisevorbereitung Thomas Manns. Er schrieb am 25. Dezember 1929: „Sehr verehrter Herr Professor,</p><p>[..]</p><p>Darf ich Sie wohl wieder einmal besuchen? Meine Frau und ich planen nämlich noch für diesen Winter eine Reise nach Ägypten und ich würde mir gern allerlei Rat von Ihnen holen.</p><p>Ihr ergebener</p><p>Thomas Mann“ (zit. nach Grimm 1992) In seinen Erinnerungen schildert Herbert Spiegelberg das Treffen: „Thomas Mann kam kurz danach wieder für einen Teebesuch. Praktische Fragen zur Reiseroute standen diesmal im Vordergrund. Baedekers Ägypten mit den ägyptologischen Informationen von Georg Steindorff war wohl der Haupttext, auf den ihn mein Vater verwies. Auch an den Namen Ludwig Borchardt glaube ich mich zu erinnern. Ferner schlug mein Vater vor, Mitglied der Deutschen Orientgesellschaft zu werden. Auch gab er ihm einen Sonderdruck seiner Studie über „Die Glaubwürdigkeit Herodots im Lichte ägyptischer Denkmäler“. Das Exemplar im Thomas-Mann-Archiv Zürich zeigt viele Anstreichungen und das Wort „Hathor“. Natürlich hatte mein Vater Thomas Mann auch Herodots Ägyptenbericht vorgeschlagen.“ (zit. nach Grimm 1992)</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/267">Für mehr (einschließlich 3 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-08-04T14:08:21+02:00</published>
    <updated>2026-06-25T12:02:24+02:00</updated>
    <link rel="alternate" type="text/html" href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/267"/>
    <id>https://municharttogo.zikg.eu/items/show/267</id>
    <author>
      <name>Roxane Bicker</name>
    </author>
  </entry>
  <entry>
    <title type="html"><![CDATA[Thomas Mann in der Glyptothek:  ]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Bis 1944 war die Sammlung ägyptischer Objekte König Ludwigs I. im Ägyptischen Saal der Glyptothek ausgestellt. Thomas Mann ließ sich bei der Arbeit an seinem Josephs-Roman auch von den dort gezeigten Stücken inspirieren.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/5587020448645302e7590481085c1b62.jpg" alt="Glyptothek, Ägyptischer Saal, um 1900" /><br/><p>Die erste Idee für eine Bearbeitung des biblischen Joseph-Stoffes bekam Thomas Mann bereits im Winter 1923/24, und schon in seinem Ende 1924 abgeschlossenen Werk „Der Zauberberg“ beschäftigte er sich mit dem Alten Ägypten. Eine dreiwöchige Mittelmeerreise führte ihn im März auch nach Kairo, von wo aus er einen Tagesausflug nach Theben unternahm, bei dem er die Gräber im Tal der Könige besuchte. Passagen dieses Besuchs fanden später ihren Weg in die Romane. Bei der Recherche für seinen Josephs-Roman legte Thomas Mann großen Wert auf Authentizität; so nahm er in München Kontakt mit dem Ägyptologen Wilhelm Spiegelberg auf. Von ihm ließ er sich Literatur empfehlen und seine Idee absegnen, die Josephsgeschichte in der Zeit von Amenophis IV. / Echnaton spielen zu lassen. Gemeinsam besuchten die beiden auch die Glyptothek und deren Ägyptischen Saal. Einige der dort betrachteten Objekte finden sich in den Romanen wieder. Aus der Würfelstatue des Bakenchons wurde die Figur des „staatsklugen Ober-Blankschädels Beknechons“. Den Namen und Rang übernahm Mann vom Münchner Stück, für die Beschreibung des Gesichts griff er allerdings auf den berühmten Grünen Kopf aus dem Berliner Ägyptischen Museum zurück. Eine Szene von Trauernden auf dem Grabrelief des Imen-em-Inet inspirierte ihn zur Beschreibung eines Trauerzuges: „ […] so daß die Hofherren die Schultern hochzogen und den Mund mit der hohlen Hand bedeckten […]“ (zit. nach Grimm 1992). Für die Vorbereitung einer weiteren Ägyptenreise traf sich Thomas Mann Ende des Jahres 1929 wieder mit Wilhelm Spiegelberg, der ihn nicht nur mit Literatur zur Reisevorbereitung versorgte, sondern auch gemeinsam mit Thomas Mann und seiner Frau am 14. Februar 1930 nach Ägypten aufbrach und die beiden begleitete. Am 19. Februar trennten sich ihre Wege: Die Manns brachen zu einer rund vierwöchigen Ägyptenrundreise auf, die sie durch das ganze Niltal führte. Mitte März trafen sich Mann und Spiegelberg erneut in Kairo. Sie unternahmen Ausflüge und Besichtigungen in die Umgebung und natürlich besuchten sie auch das Ägyptische Museum in Kairo unter der Führung von Spiegelberg und des Ägyptologen Percy Newberry. Mit der Sonderausstellung „Joseph und Echnaton – Thomas Mann und Ägypten“ kehrten der Schriftsteller und sein Werk posthum nach München zurück. Der begleitende Katalog zeigt erstmals die vielfältigen Verbindungen zwischen Ägyptologie und dem Josephs-Roman auf.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/266">Für mehr (einschließlich 5 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-07-31T16:21:00+02:00</published>
    <updated>2026-06-25T12:03:26+02:00</updated>
    <link rel="alternate" type="text/html" href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/266"/>
    <id>https://municharttogo.zikg.eu/items/show/266</id>
    <author>
      <name>Roxane Bicker</name>
    </author>
  </entry>
  <entry>
    <title type="html"><![CDATA[Das Seminar für Ägyptologie und vorderasiatische Alterthumskunde 1923–1930: Wilhelm Spiegelberg und Thomas Mann]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/f56f0b1db53e0ffdae5f6953e5c7a207.jpg" alt=" Ludwig-Maximilians-Universität, Innenansicht nach Kriegszerstörung, 1945" /><br/><p>Nachdem am 2. April 1923 an der Ludwig-Maximilians-Universität ein „Seminar für Ägyptologie und vorderasiatische Altertumskunde“ eingerichtet wurde, übernahm Wilhelm Spiegelberg (1870–1930) zum 1. Oktober 1923 die ordentliche Professur für Ägyptologie. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der deutschsprachigen Ägyptologie und hat allein 181 Beiträge für die „Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Altertumskunde“ veröffentlicht und grundlegende Arbeiten für die Koptologie und Demotistik geleistet. Wilhelm Spiegelberg war zuvor Ordinarius an der Universität in Straßburg gewesen, musste die Stadt aber mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs verlassen. Seine umfangreiche Privatbibliothek rettete er nach Heidelberg, wo er dann als ordentlicher Honorarprofessor tätig war, bevor er dem Ruf nach München folgte. Dort sah Spiegelberg sich zunächst einer von seinem Amtsvorgänger Friedrich Wilhelm Freiherr von Bissing (1873–1956) und dem Studentenvertreter und NSDAP-Mitglied Heinrich Kersken (1894–1960) initiierten antisemitischen Hetzkampagne ausgesetzt, derer er sich jedoch erwehren konnte. Das ägyptologische Seminar war seit Oktober 1923 zunächst provisorisch im Raum 144 im Erdgeschoss des Hauptgebäudes untergebracht. An der Universität herrschte damals große Raumnot, doch Spiegelberg gelang es schließlich „zwei eigens hergerichtete Zimmer im ersten Stock des Südflügels der Universität (Nr. 224a)“ (so Spiegelberg in einem Bericht zum Seminar von 1926) zugewiesen zu bekommen. Hierfür war eine Toilette umgebaut worden! Im Zweiten Weltkrieg wurde dieser Teil der Universität schwer beschädigt. Die Räume existieren heute nicht mehr. Spiegelberg knüpfte schnell Kontakte in die Münchner Gesellschaft und konnte sich der Unterstützung von Kollegen und Sponsoren versichern. Seine eigene Bibliothek bildete den Grundstock für die neue Institutsbibliothek. In der heutigen Bibliothek des Instituts für Ägyptologie und Koptologie der LMU in der Katharina-von-Bora-Straße 10 ist er noch durch zahlreiche Bücher aus seinem Privatbesitz präsent, die an seinem Exlibris zu erkennen sind, die seine Witwe dem Seminar 1932 zunächst als Leihgabe zur Verfügung stellte und die sein Nachfolger größtenteils sukzessive aufkaufen konnte. Spiegelberg stellte auch eine Photo- und Diasammlung zusammen. Letztere ging im Zweiten Weltkrieg verloren. Ab 1927 stand Wilhelm Spiegelberg in Kontakt mit Thomas Mann, der sich um ägyptologische Hilfestellung bei der Abfassung der „Josephsromane“ bemühte. Thomas Mann hatte in diesem Jahr den ersten Abschnitt „Am Brunnen“ geschrieben, den er am 8. November 1927 in einer öffentlichen Lesung im Audimax der Universität vortrug. Zum Publikum gehörte auch Wilhelm Spiegelberg. Dies erfuhr Thomas Mann wiederum über Freunde, setzte sich daraufhin mit dem Ägyptologen in Verbindung, der ihm antwortete: „Sehr verehrter Herr Dr.</p><p>Als ich vor 8 Tagen Ihrer Vorlesung mit größtem Genuss beiwohnte, ahnte ich nicht, daß mich der noch größere erwarten könnte, einmal mit Ihnen über den historischen und kulturellen Hintergrund Ihrer Dichtung sprechen zu dürfen. Sie sehen daraus, welche Freude Sie mir mit Ihrem Besuch machen werden. Ich hoffe nur, Sie erwarten von mir nicht zu viel. Vielleicht kann ich Ihnen nur den negativen Dienst leisten, daß ich Sie vor schlechter irreführender Literatur bewahre, die es leider sehr reichlich giebt. Bestenfalls kann ich Ihnen die Steigbügel für einen nicht allzu wesentlichen Teil Ihres Dichterflugs halten, und das werde ich gerne thun.</p><p>Mit frdl. Begrüßung</p><p>Ihr sehr ergebener</p><p>W. Spiegelberg“</p><p>(zitiert nach Grimm 1992, S. 27) In der Folge arbeitete und recherchierte Thomas Mann auch selbst im damaligen Seminar für Ägyptologie. Kurz vor Weihnachten 1930 verstarb Wilhelm Spiegelberg überraschend an einer Embolie in Folge einer Krebs-Operation.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/265">Für mehr (einschließlich 4 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-07-31T13:50:36+02:00</published>
    <updated>2026-06-25T12:00:57+02:00</updated>
    <link rel="alternate" type="text/html" href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/265"/>
    <id>https://municharttogo.zikg.eu/items/show/265</id>
    <author>
      <name>Roxane Bicker</name>
    </author>
  </entry>
  <entry>
    <title type="html"><![CDATA[Das Thomas-Mann-Haus: Eine Villa der Weltliteratur]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Das Haus an der Poschingerstraße 1 im Münchner Herzogpark war ab 1914 Wohnsitz des Schriftstellers Thomas Mann und seiner Familie. In seinen Romanen und Erzählungen jener Zeit spiegelt sich die Lebenswelt des Dichters im Kleinen wie im Großen, doch mit dem Exil ab 1933 ging sie für immer verloren. Nach dem Krieg war das einst so geliebte Haus eine Ruine. Heute steht an seiner Stelle ein moderner Nachbau und eine Gedenktafel hält die Erinnerung wach.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/76bf36db7c217ecf57b40121eda92a98.jpg" alt="Nachbau des Thomas-Mann-Hauses, 2025" /><br/><p>Das Grundstück an der Isar erwarben Katia und Thomas Mann am 25. Februar 1913 und ließen sich darauf von den Architektenbrüdern Alois und Gustav Ludwig eine Villa errichten. Am 5. Januar 1914, Katia weilte gerade zur Erholung in Arosa in der Schweiz, zogen Thomas und die Kinder Erika, Klaus, Golo und Monika von der Doppelwohnung in der nahen Mauerkircherstraße 13 in das neue Haus. Ein paar Jahre später kamen hier die beiden Jüngsten, Elisabeth und Michael, zur Welt. Sie waren es auch, die an einem Herbstnachmittag des Jahres 1929 ins Schlafzimmer ihres Vaters im ersten Stock schleichen durften, um ihn zu wecken und ihm die Nachricht von der Verleihung des Literaturnobelpreises zu überbringen. Das Haus, das die Kinder die „Poschi“ nannten, beschreibt der Biograf Peter de Mendelssohn wie folgt: „Die Haustür befand sich auf der Rückseite des Hauses. Man betrat einen Vorraum mit einer Garderobe, der in eine holzgetäfelte Diele mit hohen Bücherschränken an allen Wänden, einem Kamin und einer Treppe nach oben führte. [...] Von der Diele ging es auf der einen Seite in den Salon, einen dreifenstrigen Raum, in dem der Flügel und Katias Bibliothek standen und in dem sich in einer Ecke der „Besuchsteetisch“ befand, auf der anderen Seite in das große Eßzimmer, das sich auf eine gedeckte Veranda oder Terrasse öffnete. […] Den Mittelteil zwischen Salon und Eßzimmer nahm Thomas Manns geräumiges Arbeitszimmer mit der Flügeltür und der Steintreppe zum Garten ein. Der Schreibtisch stand in der „Rondell“-Wölbung, so daß er von drei Seiten Licht erhielt. [...] „Wenn abends“, so erinnerte sich Erika, „die grünen Samtportieren vor den hohen Fenstern und der Terrassentür geschlossen waren und dafür die Flügeltüren offen standen zwischen Arbeitszimmer und Diele, zeigte der Hausherr sich immer aufs neue entzückt. Denn es gewährte dies Arrangement, wie er häufig verkündete, einen äußerst herrschaftlichen Durchblick.“ (zitiert nach Mendelssohn, 1975/1996, S. 1550–1552). In der Erzählung „Herr und Hund“ von 1919 verewigte Thomas Mann die Spaziergänge mit seinem Hund Bauschan durch die noch ungezähmte Natur entlang der Isar. Ausgangspunkt ist dabei der Blick des Schriftstellers aus dem Arbeitszimmer auf den unruhig im Garten auf ihn wartenden Hund. „Und dann treten wir durch die Gartenpforte ins Freie. Rauschen wie das des Meeres umgibt uns; denn mein Haus liegt fast unmittelbar an dem schnell strömenden und über flache Terrassen schäumenden Fluss, getrennt von ihm nur durch die Pappelallee, einen eingegitterten, mit jungem Ahorn bepflanzten Grasstreifen und einen erhöhten Weg, den gewaltige Espen einsäumen, weidenartig bizarr sich gebärdende Riesen, deren weiße, samentragende Wolle zu Anfang Juni die ganze Gegend verschneit.“ (zitiert nach Große kommentierte Frankfurter Ausgabe 6.1, S. 17–18). Auch im Roman „Der Zauberberg“ von 1924, der in Davos spielt, tauchen immer wieder Gegenstände aus dem Münchner Haus in tragenden Rollen auf. Dem Grammophon, das in der unteren Diele stand und auf dem Thomas Mann seine Lieblingsplatten spielte, ist ein ganzes Kapitel gewidmet. Bedient wird es vom Protagonisten Hans Castorp, der sich in einem Salon des Sanatoriums Berghof bis tief in die Nacht dem Zauber der Musik hingibt. Das bewegte und tätige Leben in der „Poschi“ währte zwar länger als Hans Castorps Aufenthalt auf dem Zauberberg, aber nach 19 Jahren war es abrupt zu Ende. Elf Tage nach Hitlers Machtergreifung 1933 verließen Thomas und Katia Mann die Villa für eine Vortragsreise und kehrten nie wieder zurück. Fortan lebten sie und ihre Kinder im Exil, in Südfrankreich, in der Schweiz und schließlich in den USA. Thomas Mann war als Gegner der Nationalsozialisten geächtet. Der gegen ihn im Juli 1933 verhängte Schutzhaftbefehl hätte ihn, wäre er damals zurückgekehrt, ins Konzentrationslager Dachau gebracht. Das Haus im Herzogpark wurde von der Bayerischen Politischen Polizei beschlagnahmt, das Inventar zwangsversteigert, das auf Bankkonten verbliebene Vermögen eingezogen. Sogar die deutsche Staatsbürgerschaft wurde den Manns aberkannt. Sie sollten, außer zu Stippvisiten, nie wieder nach München zurückkehren. Am Ende des Zweiten Weltkriegs war ihr Haus an der Isar nichts mehr als eine verwahrloste Ruine. Nach der Rückerstattung 1948 ließ Thomas Mann das Gebäude 1952 abreißen und verkaufte das Grundstück an einen Apotheker, der auf den alten Grundmauern einen Bungalow errichten ließ. Seit 2006 steht an selber Stelle eine moderne Villa, deren Äußeres das Haus von 1914 in abgeklärten Formen zitiert. Eine vom Thomas-Mann-Forum München an der Gartenmauer angebrachte Gedenktafel erinnert an die Familie Mann und das Schicksal ihres Hauses. Die Villa existiert übrigens noch ein zweites Mal. Ein originalgetreuer Nachbau war für die Dreharbeiten des Dreiteilers „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ von 2001 in der Bavaria Filmstadt entstanden. Heute ist auch dieses Haus verändert, umfunktioniert zum Hotel Fürstenhof der Daily Soap „Sturm der Liebe“. So bleiben nur die Filmtrilogie und einige mit historischen Fotos bebilderte Publikationen, um sich in das Haus Thomas Manns und seiner Familie zurückzuversetzen.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/264">Für mehr (einschließlich 9 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-07-31T12:17:55+02:00</published>
    <updated>2026-06-25T11:59:37+02:00</updated>
    <link rel="alternate" type="text/html" href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/264"/>
    <id>https://municharttogo.zikg.eu/items/show/264</id>
    <author>
      <name>Dr. Dagmar Walden</name>
    </author>
  </entry>
  <entry>
    <title type="html"><![CDATA[Die Sphingen am Nordfriedhof: Der Münchner „Alektryonsphinx“]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Seit 2020 stehen am Eingang der Aussegnungshalle des Münchner Nordfriedhofes wieder zwei hahnenköpfige Sphingen. Sphingen als Wächter kennt man aus dem alten Ägypten, die Form mit Hahnenkopf ist jedoch ungewöhnlich und hat den beiden Statuen ein Weiterleben in der Literatur ermöglicht.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/dab27bbca229dec730847de1dda84986.jpg" alt="Aussegnungshalle mit Sphingen, 1889/1932" /><br/><p>Bei den Statuen handelt es sich um originalgetreue Neuanfertigungen der beiden Sphingen, die von den 1890er bis in die 1960er Jahre am Eingang des Nordfriedhofes standen und dann auf ungeklärte Weise verschwanden. Diese Sphingen fanden als „apokalyptische Tiere“ Eingang in die Novelle „Tod in Venedig“ von Thomas Mann, der zwischen 1913 und 1933 in München lebte. </p><p>Gleich im ersten Kapitel der Novelle steht der Protagonist Gustav von Aschenbach den Sphingen am Nordfriedhof gegenüber, betrachtet die Aussegnungshalle und verliert sich in Träumereien:</p><p>„Ihre Stirnseite, mit griechischen Kreuzen und hieratischen Schildereien in lichten Farben geschmückt, weist überdies symmetrisch angeordnete Inschriften in Goldlettern auf, ausgewählte, das jenseitige Leben betreffende Schriftworte wie etwa ‚Sie gehen ein in die Wohnung Gottes‘ oder ‚Das ewige Licht leuchte ihnen‘; und der Wartende hatte während einiger Minuten eine ernste Zerstreuung darin gefunden, die Formeln abzulesen und sein geistiges Auge in ihrer durchscheinenden Mystik sich verlieren zu lassen, als er, aus seinen Träumereien zurückkehrend, im Portikus, oberhalb der beiden apokalyptischen Tiere, welche die Freitreppe bewachen, einen Mann bemerkte, dessen nicht ganz gewöhnliche Erscheinung seinen Gedanken eine völlig andere Richtung gab.“ (zit. nach Mann 1922, S. 11.)</p><p>Im Anschluss an diese Begegnung plant Gustav von Aschenbach in einer ersten Todesahnung seine Reise von München nach Venedig. </p><p>Die echten Sphingen des Nordfriedhofs gerieten auch nach ihrem mysteriösen Verschwinden wegen ihrer Erwähnung in Thomas Manns Novelle nicht in Vergessenheit, sondern wurden durch das Thomas-Mann-Forum wieder in den Blickpunkt gerückt. Dank der Recherchen des Literaturwissenschaftlers und Vorsitzenden des Thomas-Mann-Forums Dirk Heißerer konnten die beiden Sphingen rekonstruiert werden. Darüber hinaus stieß er auf Dokumente, die das Rätsel um die beiden Sphingen lüften. </p><p>Das Projekt der Neuanfertigung der beiden Sphingen fand unter Anleitung des Steinmetzteams um Barbara Oppenrieder und Wolfgang Gottschalk sowie Schülern der Steinmetzschulen statt. Aus einem wuchtigen 2,3 Tonnen schweren Block aus Kehlheimer Kalkstein erschufen sie den gewaltigen 1,92 Meter langen, 62 Zentimeter breiten und 1,7 Meter hohen Sphinx. Dank alter Fotografien in Archiven ließ sich das Aussehen – über Thomas Manns Benennung als „apokalyptische Tiere“ hinaus – rekonstruieren. Der Sphinx zeigt sich – heute wie damals – mit Löwenkörper und Hahnenkopf, in den Pranken eine Stele haltend und auf dem Kamm eine runde Scheibe tragend. Die Darstellung dieser modernen Sphingen gibt Anlass zu einem kleinen Exkurs ins Alte Ägypten.</p><p>In der Scheibe der Münchner Sphingen lässt sich eine Anspielung auf die altägyptische Sonnenscheibe erkennen, die bei zahlreichen Göttern den Kopf schmückt. Ein Hahnenkopf ist für altägyptische Sphingen jedoch nicht belegt. Sie haben entweder einen menschlichen Kopf (Sphinx), einen Widderkopf (Kriosphinx) oder – seltener – einen Falkenkopf (Hierakosphinx). Entsprechend verkörpern sie den König, den Gott Amun und den Falkengott Horus oder Month. </p><p>Der ägyptische Sphinx zeigt ein Mischwesen aus liegendem Löwenkörper und männlichem Kopf. In ihm wird das Doppelwesen des Königs, der Mensch und Gott zugleich ist, sichtbar. Als König erkennbar ist der Sphinx an der Darstellung des königlichen Nemes (Königskopftuch).</p><p>In ihren Formaten decken die altägyptischen Sphingen ein breites Spektrum ab. Der riesige Sphinx von Gizeh am Fuße des Aufwegs zur Pyramide des Chephren ist nicht nur der größte, sondern auch der früheste Beleg für einen Sphinx. Am anderen Ende des Größenspektrums stehen kleine Statuetten von Sphingen, wie sie auch im Münchner Ägyptischen Museum zu sehen sind.</p><p>Die außergewöhnliche Darstellung der Sphingen am Nordfriedhof in ihrer strengen Zweiteilung in liegenden Löwenkörper mit ausgestreckten Vorderläufen nach ägyptischem Muster und gänzlich unägyptischen Hahnenkopf lässt sich am ehesten mit den falkenköpfigen Sphingen, den „Hierakosphingen“ in Verbindung bringen. Dieser Sphinxtypus ist jedoch nur sehr selten belegt. Als großformatige Skulpturen stehen Falkensphingen paarweise vor dem Tempel Ramses‘ II. in Wadi es Sebua in Nubien, und zwei Falkensphingen fand Belzoni im Großen Tempel von Abu Simbel (heute im British Museum). Ob es diese mehrfach abgebildeten ramessidischen Statuen gewesen sind, die den Bildhauer inspirierten, der die Münchener Hahnensphingen schuf? Da sie die einzigen ihrer Art sind, wäre es übertrieben, für sie der ägyptologischen Terminologie den „Alektryonsphinx“ hinzuzufügen. </p><p>Aber sie sollen doch ehrfurchtsvoll in den Kreis der Sphingen aufgenommen werden, und wir wollen ihre Rückkehr nach München freudig begrüßen.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/112">Für mehr (einschließlich 4 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2023-09-22T16:06:50+02:00</published>
    <updated>2026-06-25T12:03:57+02:00</updated>
    <link rel="alternate" type="text/html" href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/112"/>
    <id>https://municharttogo.zikg.eu/items/show/112</id>
    <author>
      <name>Jan Dahms</name>
    </author>
  </entry>
</feed>
