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    <title type="html"><![CDATA[Das Wohnhaus Konradstraße 16: Thomas Mann zu Besuch bei Wilhelm Spiegelberg]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Nachdem sich Thomas Mann und der Münchner Ägyptologe Wilhelm Spiegelberg im Nachgang einer Lesung Manns ausgetauscht hatten, kam es Ende 1927 zu einem ersten persönlichen Zusammentreffen. Thomas Mann erhoffte sich von Spiegelberg Unterstützung und Rat bei seiner Recherche für den Josephs-Roman.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/e0d25658dac864264253f6431ec35a55.jpg" alt="Das Wohnhaus Konradstraße 16" /><br/><p>Spiegelbergs Sohn Herbert (1904–1990) erinnert sich an dieses Zusammentreffen: „Nicht lange nach der Antwort meines Vaters besuchte Thomas Mann ihn um die Teestunde in seinem Studierzimmer in der Konradstraße 16/II für etwa zwei Stunden. Aus dem Bericht meines Vaters nach der Begegnung erinnere ich mich, daß sich dabei herausstellte, daß Thomas Manns ägyptologische Quellen veraltet waren, z.B. das phantasiehafte Werk eines längst verstorbenen Münchner Ägyptologen Franz Josef Lauth. Mein Vater schlug ihm besonders Erman-Ranke, Ägypten, und Adolf Ermans Anthologie <i>Die Literatur der alten Ägypter</i> als beste Einführung vor, vielleicht auch Breasted. Außerdem fragte Thomas Mann meinen Vater, ob es gerechtfertigt sei, den Besuch Josephs so anzusetzen, daß der Sonnenmonotheismus des Echnaton mit dem hebräischen Monotheismus in Beziehung gesetzt werden könne. Mein Vater erklärte ihm nach meiner Erinnerung, daß zwar keine konkreten Grundlagen für eine solche historische Hypothese vorlägen, daß er darin aber keinen genügenden Gegengrund sähe, eine solche Verbindung dichterisch zu entwickeln, da sie nicht unmöglich sei.“ (zit. nach Grimm 1992) Es ist davon auszugehen, dass es in den drei Jahren gemeinsamer Zusammenarbeit bis zu Spiegelbergs überraschendem Tod Ende 1930 zu Gegenbesuchen und weiteren Treffen kam. Das vermutlich letzte Treffen in Spiegelbergs Privatwohnung diente der Reisevorbereitung Thomas Manns. Er schrieb am 25. Dezember 1929: „Sehr verehrter Herr Professor,</p><p>[..]</p><p>Darf ich Sie wohl wieder einmal besuchen? Meine Frau und ich planen nämlich noch für diesen Winter eine Reise nach Ägypten und ich würde mir gern allerlei Rat von Ihnen holen.</p><p>Ihr ergebener</p><p>Thomas Mann“ (zit. nach Grimm 1992) In seinen Erinnerungen schildert Herbert Spiegelberg das Treffen: „Thomas Mann kam kurz danach wieder für einen Teebesuch. Praktische Fragen zur Reiseroute standen diesmal im Vordergrund. Baedekers Ägypten mit den ägyptologischen Informationen von Georg Steindorff war wohl der Haupttext, auf den ihn mein Vater verwies. Auch an den Namen Ludwig Borchardt glaube ich mich zu erinnern. Ferner schlug mein Vater vor, Mitglied der Deutschen Orientgesellschaft zu werden. Auch gab er ihm einen Sonderdruck seiner Studie über „Die Glaubwürdigkeit Herodots im Lichte ägyptischer Denkmäler“. Das Exemplar im Thomas-Mann-Archiv Zürich zeigt viele Anstreichungen und das Wort „Hathor“. Natürlich hatte mein Vater Thomas Mann auch Herodots Ägyptenbericht vorgeschlagen.“ (zit. nach Grimm 1992)</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/267">Für mehr (einschließlich 3 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-08-04T14:08:21+02:00</published>
    <updated>2026-08-13T14:38:24+02:00</updated>
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      <name>Roxane Bicker</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Das Seminar für Ägyptologie und vorderasiatische Alterthumskunde 1923–1930: Wilhelm Spiegelberg und Thomas Mann]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/f56f0b1db53e0ffdae5f6953e5c7a207.jpg" alt=" Ludwig-Maximilians-Universität, Innenansicht nach Kriegszerstörung, 1945" /><br/><p>Nachdem am 2. April 1923 an der Ludwig-Maximilians-Universität ein „Seminar für Ägyptologie und vorderasiatische Altertumskunde“ eingerichtet wurde, übernahm Wilhelm Spiegelberg (1870–1930) zum 1. Oktober 1923 die ordentliche Professur für Ägyptologie. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der deutschsprachigen Ägyptologie und hat allein 181 Beiträge für die „Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Altertumskunde“ veröffentlicht und grundlegende Arbeiten für die Koptologie und Demotistik geleistet. Wilhelm Spiegelberg war zuvor Ordinarius an der Universität in Straßburg gewesen, musste die Stadt aber mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs verlassen. Seine umfangreiche Privatbibliothek rettete er nach Heidelberg, wo er dann als ordentlicher Honorarprofessor tätig war, bevor er dem Ruf nach München folgte. Dort sah Spiegelberg sich zunächst einer von seinem Amtsvorgänger Friedrich Wilhelm Freiherr von Bissing (1873–1956) und dem Studentenvertreter und NSDAP-Mitglied Heinrich Kersken (1894–1960) initiierten antisemitischen Hetzkampagne ausgesetzt, derer er sich jedoch erwehren konnte. Das ägyptologische Seminar war seit Oktober 1923 zunächst provisorisch im Raum 144 im Erdgeschoss des Hauptgebäudes untergebracht. An der Universität herrschte damals große Raumnot, doch Spiegelberg gelang es schließlich „zwei eigens hergerichtete Zimmer im ersten Stock des Südflügels der Universität (Nr. 224a)“ (so Spiegelberg in einem Bericht zum Seminar von 1926) zugewiesen zu bekommen. Hierfür war eine Toilette umgebaut worden! Im Zweiten Weltkrieg wurde dieser Teil der Universität schwer beschädigt. Die Räume existieren heute nicht mehr. Spiegelberg knüpfte schnell Kontakte in die Münchner Gesellschaft und konnte sich der Unterstützung von Kollegen und Sponsoren versichern. Seine eigene Bibliothek bildete den Grundstock für die neue Institutsbibliothek. In der heutigen Bibliothek des Instituts für Ägyptologie und Koptologie der LMU in der Katharina-von-Bora-Straße 10 ist er noch durch zahlreiche Bücher aus seinem Privatbesitz präsent, die an seinem Exlibris zu erkennen sind, die seine Witwe dem Seminar 1932 zunächst als Leihgabe zur Verfügung stellte und die sein Nachfolger größtenteils sukzessive aufkaufen konnte. Spiegelberg stellte auch eine Photo- und Diasammlung zusammen. Letztere ging im Zweiten Weltkrieg verloren. Ab 1927 stand Wilhelm Spiegelberg in Kontakt mit Thomas Mann, der sich um ägyptologische Hilfestellung bei der Abfassung der „Josephsromane“ bemühte. Thomas Mann hatte in diesem Jahr den ersten Abschnitt „Am Brunnen“ geschrieben, den er am 8. November 1927 in einer öffentlichen Lesung im Audimax der Universität vortrug. Zum Publikum gehörte auch Wilhelm Spiegelberg. Dies erfuhr Thomas Mann wiederum über Freunde, setzte sich daraufhin mit dem Ägyptologen in Verbindung, der ihm antwortete: „Sehr verehrter Herr Dr.</p><p>Als ich vor 8 Tagen Ihrer Vorlesung mit größtem Genuss beiwohnte, ahnte ich nicht, daß mich der noch größere erwarten könnte, einmal mit Ihnen über den historischen und kulturellen Hintergrund Ihrer Dichtung sprechen zu dürfen. Sie sehen daraus, welche Freude Sie mir mit Ihrem Besuch machen werden. Ich hoffe nur, Sie erwarten von mir nicht zu viel. Vielleicht kann ich Ihnen nur den negativen Dienst leisten, daß ich Sie vor schlechter irreführender Literatur bewahre, die es leider sehr reichlich giebt. Bestenfalls kann ich Ihnen die Steigbügel für einen nicht allzu wesentlichen Teil Ihres Dichterflugs halten, und das werde ich gerne thun.</p><p>Mit frdl. Begrüßung</p><p>Ihr sehr ergebener</p><p>W. Spiegelberg“</p><p>(zitiert nach Grimm 1992, S. 27) In der Folge arbeitete und recherchierte Thomas Mann auch selbst im damaligen Seminar für Ägyptologie. Kurz vor Weihnachten 1930 verstarb Wilhelm Spiegelberg überraschend an einer Embolie in Folge einer Krebs-Operation.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/265">Für mehr (einschließlich 4 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-07-31T13:50:36+02:00</published>
    <updated>2026-08-13T14:38:44+02:00</updated>
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      <name>Roxane Bicker</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Der Grabstein von Friedrich von Schlichtegroll auf dem Alten Südfriedhof: Ein fast vergessenes Grab eines Universalgelehrten]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Auf dem Alten Südfriedhof findet sich neben zahlreichen bekannten Persönlichkeiten des 18. und 19. Jahrhunderts auch das Grab von Friedrich von Schlichtegroll, dem ersten Generalsekretär der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, der Anteil an der Entzifferung der Hieroglyphen hatte.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/cd17df5537dd2949dd5e655c61fffb90.jpg" alt="Friedrich von Schlichtegroll (1765–1822)" /><br/><p>Friedrich von Schlichtegroll (1765–1822) war Philologe, Numismatiker, Altertumsforscher, Mozart-Biograph und von 1807–1822 erster Generalsekretär der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Dort förderte er die Beschäftigung mit der altägyptischen Kultur. Seine Absicht war es, den Wettstreit um die Entzifferung der Hieroglyphenschrift zugunsten der deutschen Forscher zu beeinflussen. Hierzu ließ er 1817 mittels der kurz zuvor in München von Alois Senefelder entwickelten Technik der Lithographie eine Reproduktion des Rosetta-Steins anfertigen. Schlichtegroll selbst berichtete hierüber in einer Rede, die er am 28. März 1818 zur Feier des Stiftungstages der Akademie der Wissenschaften gehalten hatte, die unter dem Titel „Ueber die bey Rosette in Aegypten gefundene dreyfache Inschrift“ auch in gedruckter Form vorgelegt wurde. Dort stellte er fest: „<i>Der heilige Käfer mit seinen großen Flügeln, der geweihte Sperber, Isis mit dem Horus an der Brust, Anubis mit dem Kopf des Hundes, das Auge, der Lotus, das Sistrum und ähnliche Embleme wiederholen sich in mannichfaltiger und doch auch wiederkehrender Verbindung so unzähligmal in diesen Bilderreihen, daß man meynt, es muß sich durch Scharfsinn und Glück ein Schlüssel dazu finden;</i>“ (Schlichtegroll 1818, S. 8). Die bisherigen Bemühungen im internationalen Wettstreit um die Entzifferung der Hieroglyphen waren bisher aber alle vergebens. „<i>Niedergeschlagen gab der ernste Forscher die Hoffnung fast auf; immer von neuem lud die unzählbare Menge solcher Bilderreihen, mit Absicht und Sinn auf die Tausend großen und kleinen Monumente hingesetzt, zur Lösung des Räthsels ein, und immer blieb es ungelöst … Nirgends ein Anhaltspunct, nirgends ein Landungsplatz, wo der muthige Forscher Anker werfen und, wenn auch Fuß für Fuß, das unbekannte Land erobern könnte.</i>“ (Schlichtegroll 1818, S. 11). Die Resignation, die aus diesen Worten spricht, benutzte Friedrich von Schlichtegroll, um dem nun doch aufkeimenden Hoffnungsschimmer besonderes Gewicht zu verleihen: „<i>Man denke sich daher die freudige Überraschung, als vor etwa 17 Jahren die Nachricht erscholl, es sey bey Rosette in Aegypten ein Basaltstein gefunden worden, der eine dreyfache Inschrift enthielte, erst eine Anzahl hieroglyphischer, weiter unten vier und dreyßig koptische, und noch tiefer vier und funfzig griechische Zeilen, … Eine neue Hoffnung ging auf! Die Gelehrten, die der französischen Armee nach Aegypten gefolgt waren, hatten sogleich, als der Stein bey Rosette gefunden worden, die Wichtigkeit desselben erkannt!</i>“ (Schlichtegroll 1818, S. 12). Allerdings musste Schlichtegroll daraufhin sofort wieder relativieren: „<i>Aber die Haupterwartung, einen sicheren Schlüssel zu der Hieroglyphenschrift zu finden, wurde bis jetzt nicht erfüllt.</i>“ (Schlichtegroll 1818, S. 14). Das sollte aber nicht so bleiben, weshalb Schlichtegroll nun selbst aktiv wurde und ankündigte, zur Entschlüsselung der Schrift beitragen zu wollen und rief seine gelehrten Kollegen dazu auf, sich anzuschließen. Wichtig war für Schlichtegroll vor allem, dass möglichst vielen Forschern die Gelegenheit gegeben wurde, sich mit den Inschriften auseinanderzusetzen. Zwar gab es seit längerem Abbildungen, vor allem Kupferstiche, der Inschrift, die unter anderem auch von den Briten herausgegeben wurden, aber diese waren für viele Forschende schwer erreichbar, nur in wenigen Bibliotheken vertreten und zudem auf Grund ihres hohen Preises unerschwinglich. Schlichtegroll forderte daher, dass Abbildungen des Steins den Forschern zugänglich gemacht werden sollten. Hier konnte er auf die Forschungsinfrastruktur und einen besonderen Standortvorteil in München zurückgreifen, denn er hatte veranlasst, dass die englischen Lithographien des Steins vervielfältigt wurden und in München für ganz Deutschland zur Verfügung standen. Bescheiden in einer erklärenden Fußnote fügte Schlichtegroll hinzu, was er veranlasst hatte: „<i>Ich habe die drey Englischen Kupferblätter auf sechs Steine übertragen lassen, so daß das zu München verfertigte treue Nachbild in sechs Blättern besteht.</i>" (Schlichtegroll 1818, 25, Anmerkung). Nichts desto trotz gelang die Entzifferung der Hieroglyphenschrift dann doch einem Franzosen, nämlich Jean-François Champollion (1790–1832), der diesen Erfolg am 25. Oktober 1822 in der berühmten Lettre à M. Dacier bekannt machte. In Schlichtegrolls Amtszeit als Generalsekretär der Akademie fallen auch die ersten Schenkungen und Erwerbungen von ägyptischen Altertümern als Grundstock einer Sammlung der Akademie. Schlichtegroll hatte bereits 1818 die Hoffnung geäußert, durch günstige Erwerbungen eine Sammlung von beschrifteten altägyptischen Originalen, vorwiegend Särgen und Stelen, aufbauen zu können. Dies bildete gewissermaßen das Gegenstück zu den Erwerbungen von Ludwig I., der überwiegend „<i>Objekte herausragender Schönheit</i>“ ankaufen ließ, also den Schwerpunkt Kunst förderte, wohingegen Schlichtegroll mit den beschrifteten Objekten den – aus damaliger Sicht – wissenschaftlichen Aspekt förderte. Friedrich von Schlichtegroll starb kurz nach Champollions Triumph am 4. Dezember 1822. Sein Grabstein auf dem Alten Südfriedhof (M-re-213) wurde 2009/2010 mit Mittel des Freundeskreises des Ägyptischen Museums München e.V. restauriert und erstrahlt seither in neuem Glanz.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/151">Für mehr (einschließlich 4 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2024-04-29T13:06:03+02:00</published>
    <updated>2026-08-06T12:25:17+02:00</updated>
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    <title type="html"><![CDATA[Die Alte Akademie: Den Hieroglyphen auf der Spur …]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>In der Alten Akademie findet sich ein Ursprung des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst – hier wurden vornehmlich altägyptische Objekte mit Inschriften gesammelt, um sich am Wettlauf zur Entzifferung der Hieroglyphen zu beteiligen.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/9fb652fd0ad70f56d86d5dd96e78d931.jpg" alt="Die Alte Akademie an der Neuhauser Straße, 1973" /><br/><p>Das Staatliche Museum Ägyptischer Kunst verdankt seine Entstehung der Sammelleidenschaft früherer Generationen. Die Motivation für den Erwerb war dabei durchaus unterschiedlich, so kaufte die Königlich Bayerische Akademie der Wissenschaften in der ersten Hälfte des 19. Jahrunderts Objekte, um vor allem eine Sammlung für die Forschung zu schaffen. Ihr Generalsekretär Adolf Friedrich Heinrich von Schlichtegroll förderte bereits 1817 mit der Veröffentlichung einer Reproduktion des Steins von Rosetta die Bemühungen um die Entzifferung der Hieroglyphenschrift. Im gleichen Jahr begann der Aufbau einer eigenen Sammlung ägyptischer Objekte an der Akademie der Wissenschaften. David Dumreicher, ältester Spross einer Kemptener Handwerkerfamilie, hatte in Alexandria eine Handelsniederlassung gegründet und brachte den Sarg des Werbiksea (ÄS 16) aus Ägypten nach München, um ihn dem bayerischen König Max I. Joseph zum Geschenk zu machen. Dieser gab ihn an die Akademie der Wissenschaften. Schlichtegroll formulierte anlässlich dieser ersten Schenkung im Jahresbericht der Akademie für 1818 seine Hoffnung, dass aus dem Sarg über die Jahre eine Sammlung ähnlicher Objekte aufgebaut werden könne. Nur zwei Jahre später konnte die Akademie die Sammlung von Franz Wilhelm Sieber ankaufen. Der Naturwissenschaftler, Botaniker und Forschungsreisende hatte auf einer Reise über Kreta, Ägypten und Palästina in den Jahren 1817 bis 1819 die Sammlung selbst zusammengetragen und nach Europa gebracht. Er versuchte, sie dort zur Finanzierung weiterer Reisen zu veräußern. Insgesamt brachte Sieber etwa 230 ägyptische Antiken mit, darunter Särge und Mumien, Amulette, Uschebti, Papyri, Stelen, Öllampen, Sandalen und vieles andere. Nicht alle Objekte sind dabei anhand seines „Beschreibenden Verzeichnisses“ identifizierbar. Als die bedeutendsten Objekte wurden die Sargensemble von Heritubechet (ÄS 12), Djedchonsuiuefanch (ÄS 63) und Imenemuia (ÄS 67) betrachtet. Die 1820 erworbenen Objekte der Sammlung Sieber kamen in das Akademiegebäude an der Neuhauser Straße und wurden im gleichen Jahr von Gustav Friedrich Waagen in seiner Veröffentlichung „Ueber die, in den Sammlungen der königl. Akademie der Wissenschaften zu München befindlichen Mumien und andere ägyptische Alterthümer“ beschrieben. Zu dieser Publikation schrieb wiederum Schlichtegroll das Vorwort und regte an, ein Corpus der Darstellungen altägyptischer Särge zu schaffen. Er nannte dabei die in Berlin, Kopenhagen, Dresden, Göttingen, London, München, Paris, Rom und Wien vorhandenen Särge und führte aus, dass nur der Vergleich möglichst vieler Darstellungen „der Betrachtung ältester Kunst und Hieroglyphe ein neues Feld öffnen“ kann. Außerdem betonte er auch an dieser Stelle noch einmal klar den Zweck der Sammlung, indem er darauf verwies, dass in München der Anfang einer ägyptischen Sammlung gemacht worden sei, deren weiterem Ausbau sich die Akademie verschreiben wolle und die dazu diene, aktuellen und künftigen Forschergenerationen als Untersuchungsgegenstand zur Verfügung zu stehen.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/149">Für mehr (einschließlich 5 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2024-04-18T16:03:58+02:00</published>
    <updated>2026-08-06T12:23:40+02:00</updated>
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      <name>Arnulf Schlüter</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Der „Harmlos“: Ein antiker Jüngling am Englischen Garten]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>In den Grünanlagen zwischen Hofgarten und Prinz-Carl-Palais steht die Kopie einer im Volksmund „Der Harmlos“ genannten Marmorstatue in gräzisierendem Stil. Seinen Spitznamen erhielt der steinerne Jüngling auf Grund der absichtlich missgedeuteten Inschrift der neben ihm stehenden Tafel.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/3b77bf8a9e17a1eb73e99bca1ef6508d.jpg" alt="Kupferradierung von F. Bollinger aus der Baumgartner’schen Übersicht von 1805" /><br/><p>HARMLOS.</p><p>WANDELT.HIER.</p><p>DANN.KEHRET.</p><p>NEU.GESTÆRKT.</p><p>ZU.IEDER.</p><p>PFLICHT.ZURÜK. <p style="text-align: left;">Die Inschrift nimmt also Bezug auf das Bestreben, den Münchner Bürgern im Englischen Garten einen Erholungsraum zu bieten. Genau hierfür wurde der Garten nach den Plänen von Friedrich Ludwig von Sckell unter Kurfürst Karl Theodor auf Anregung seines Generalleibadjutanten Benjamin Thomson zwischen 1789 und 1793 angelegt. Seinen Namen erhielt der Garten von den englischen Landschaftsgärten, die sich Sckell hierbei zum Vorbild nahm. Das Denkmal des „Harmlos“ wurde anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Englischen Gartens im Jahre 1803 vom damaligen bayerischen Kultusminister Heinrich Theodor Johann Graf Topor von Morawitzky (1735–1810) gestiftet. So verzeichnet es auch die Sockelinschrift: SEINEN MITBÜRGERN</p><p>GEWIDMET</p><p>VON</p><p>THEODOR GRAF MORAWITZKY</p><p>DURCH</p><p>FRANZ SCHWANTHALLER</p><p>MDCCCIII Graf Morawitzky ließ die Statue an der Stelle aufstellen, an der sich damals das Ende des von der Hofgartenkaserne kommenden Regimentswegs befand. Von hier aus gelangte man über das Hofgartentor durch die noch bestehenden Bastionsanlagen in den auch als „Theodors-Park“ oder „Volkspark“ bezeichneten Garten. Die Statue stand damit seit jeher an prominenter Stelle, am Eingang und Anfang des Englischen Gartens. Das aus Tegernseer Marmor gefertigte Original von Franz Jakob Schwanthaler (1760–1820) befindet sich seit 1983 als Reaktion auf die mehrfache mutwillige Beschädigung der Statue im Residenzmuseum. Wen aber stellt die Statue dar? Weder Stifter noch Künstler haben Hinweise auf die Identifikation des marmornen Jünglings hinterlassen. Anfangs bloß als „Statua“ beziehungsweise „Statue“ oder „Denkmal“ auf Plänen verzeichnet, spricht man recht schnell von der „Statue eines griechischen Jünglings“, dem „Genius der Gärten“, dem „Götterknaben“ und zahlreichen anderen Bezeichnungen und versucht der offensichtlichen klassizistischen Antikenrezeption einen passenden Namen zu geben. Spätestens um das Jahr 1810 taucht dann zum ersten Mal die Bezeichnung „Statue des Antinous“ auf, worin das Münchner Bürgertum offenbar endlich eine angemessene Vorlage für das Werk Schwanthalers sah. Fortan häufen sich die Erwähnungen des „Harmlos, der eigentlich ein Antinoos ist“ und scheinen sich im Laufe der Zeit verfestigt zu haben. So weisen heute Stadtführer bei ihren Besichtigungstouren, diverse Reiseliteratur zu München, Wikipedia und andere Internetquellen, aber auch Fachliteratur und Denkmälerlisten immer wieder auf den makellos schönen Jüngling Antinoos, den jugendlichen Freund, Liebhaber und Reisebegleiter des römischen Kaisers Hadrian als Vorlage für den „Harmlos“ hin – auch wenn er manches für Antinoos charakteristische Merkmal vermissen lässt. Dass dieser Antinoos bei einem Ägyptenbesuch des Kaisers Hadrian um 130 n. Chr. im Nil ertrank, ist eine der wenigen Informationen, die wir überhaupt über ihn haben. Darüber hinaus wird allgemein angenommen, dass Antinoos um 110 n. Chr. in Bithynien-Klaudiopolis, im Nordwesten Kleinasiens geboren wurde (heutiges Bolu in der Türkei). Bei einem Aufenthalt Hadrians in Bithynien traf Hadrian den Knaben, der den Kaiser von nun an auch auf allen seinen Reisen begleiten sollte. Gesichert ist, dass Hadrian die Verehrung und Vergöttlichung seines geliebten Antinoos betreibt. Am rechten Nilufer in Mittelägypten, an der Stelle des Unglücks, ließ Hadrian nach hellenistischem Vorbild die Stadt Antinoopolis (heute Sheikh Abade) errichten. Bemerkenswert ist auch die große Anzahl von Antinoos-Statuen und Abbildern, die daraufhin geschaffen wurden. Zu diesen über 100 uns heute zumindest in Fragmenten erhaltenen Statuen gehört als ein herausragendes Werk die Statue im Ägyptischen Museum (Gl. WAF 24), die aus der Villa Hadriana stammend den Jüngling in ägyptischer Tracht mit plissiertem Schurz, gestreiftem Königskopftuch und mit der Uräusschlange an der Stirn zeigt. Damit gehört er zu einer kleineren Gruppe von Statuen, die den Antinoos im ägyptischen Königsornat darstellen. Bis heute beruht die von Antinoos ausgehende Faszination vor allem auf seiner Beziehung zu Kaiser Hadrian und den daraus resultierenden zahlreichen Kunstwerken, die in Erinnerung an Antinoos geschaffen wurden. Zur Rezeption der Antinoos-Geschichte kommt es dann wieder vor allem von der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Hier sind beispielsweise Büsten und Statuetten oft aus Bronze weit verbreitet, aber auch großformatige Statuen. Viele dieser Nachschöpfungen orientieren sich am jeweiligen zeitgenössischen Geschmack. Hierzu könnte auch der „Harmlos“ gehören – zumindest hat es sich so wohl in den Köpfen festgesetzt.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/122">Für mehr (einschließlich 3 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2023-10-23T16:27:54+02:00</published>
    <updated>2026-08-06T12:03:14+02:00</updated>
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      <name>Arnulf Schlüter</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Die Sphingen am Nordfriedhof: Der Münchner „Alektryonsphinx“]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Seit 2020 stehen am Eingang der Aussegnungshalle des Münchner Nordfriedhofes wieder zwei hahnenköpfige Sphingen. Sphingen als Wächter kennt man aus dem alten Ägypten, die Form mit Hahnenkopf ist jedoch ungewöhnlich und hat den beiden Statuen ein Weiterleben in der Literatur ermöglicht.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/dab27bbca229dec730847de1dda84986.jpg" alt="Aussegnungshalle mit Sphingen, 1889/1932" /><br/><p>Bei den Statuen handelt es sich um originalgetreue Neuanfertigungen der beiden Sphingen, die von den 1890er bis in die 1960er Jahre am Eingang des Nordfriedhofes standen und dann auf ungeklärte Weise verschwanden. Diese Sphingen fanden als „apokalyptische Tiere“ Eingang in die Novelle „Tod in Venedig“ von Thomas Mann, der zwischen 1913 und 1933 in München lebte. </p><p>Gleich im ersten Kapitel der Novelle steht der Protagonist Gustav von Aschenbach den Sphingen am Nordfriedhof gegenüber, betrachtet die Aussegnungshalle und verliert sich in Träumereien:</p><p>„Ihre Stirnseite, mit griechischen Kreuzen und hieratischen Schildereien in lichten Farben geschmückt, weist überdies symmetrisch angeordnete Inschriften in Goldlettern auf, ausgewählte, das jenseitige Leben betreffende Schriftworte wie etwa ‚Sie gehen ein in die Wohnung Gottes‘ oder ‚Das ewige Licht leuchte ihnen‘; und der Wartende hatte während einiger Minuten eine ernste Zerstreuung darin gefunden, die Formeln abzulesen und sein geistiges Auge in ihrer durchscheinenden Mystik sich verlieren zu lassen, als er, aus seinen Träumereien zurückkehrend, im Portikus, oberhalb der beiden apokalyptischen Tiere, welche die Freitreppe bewachen, einen Mann bemerkte, dessen nicht ganz gewöhnliche Erscheinung seinen Gedanken eine völlig andere Richtung gab.“ (zit. nach Mann 1922, S. 11.)</p><p>Im Anschluss an diese Begegnung plant Gustav von Aschenbach in einer ersten Todesahnung seine Reise von München nach Venedig. </p><p>Die echten Sphingen des Nordfriedhofs gerieten auch nach ihrem mysteriösen Verschwinden wegen ihrer Erwähnung in Thomas Manns Novelle nicht in Vergessenheit, sondern wurden durch das Thomas-Mann-Forum wieder in den Blickpunkt gerückt. Dank der Recherchen des Literaturwissenschaftlers und Vorsitzenden des Thomas-Mann-Forums Dirk Heißerer konnten die beiden Sphingen rekonstruiert werden. Darüber hinaus stieß er auf Dokumente, die das Rätsel um die beiden Sphingen lüften. </p><p>Das Projekt der Neuanfertigung der beiden Sphingen fand unter Anleitung des Steinmetzteams um Barbara Oppenrieder und Wolfgang Gottschalk sowie Schülern der Steinmetzschulen statt. Aus einem wuchtigen 2,3 Tonnen schweren Block aus Kehlheimer Kalkstein erschufen sie den gewaltigen 1,92 Meter langen, 62 Zentimeter breiten und 1,7 Meter hohen Sphinx. Dank alter Fotografien in Archiven ließ sich das Aussehen – über Thomas Manns Benennung als „apokalyptische Tiere“ hinaus – rekonstruieren. Der Sphinx zeigt sich – heute wie damals – mit Löwenkörper und Hahnenkopf, in den Pranken eine Stele haltend und auf dem Kamm eine runde Scheibe tragend. Die Darstellung dieser modernen Sphingen gibt Anlass zu einem kleinen Exkurs ins Alte Ägypten.</p><p>In der Scheibe der Münchner Sphingen lässt sich eine Anspielung auf die altägyptische Sonnenscheibe erkennen, die bei zahlreichen Göttern den Kopf schmückt. Ein Hahnenkopf ist für altägyptische Sphingen jedoch nicht belegt. Sie haben entweder einen menschlichen Kopf (Sphinx), einen Widderkopf (Kriosphinx) oder – seltener – einen Falkenkopf (Hierakosphinx). Entsprechend verkörpern sie den König, den Gott Amun und den Falkengott Horus oder Month. </p><p>Der ägyptische Sphinx zeigt ein Mischwesen aus liegendem Löwenkörper und männlichem Kopf. In ihm wird das Doppelwesen des Königs, der Mensch und Gott zugleich ist, sichtbar. Als König erkennbar ist der Sphinx an der Darstellung des königlichen Nemes (Königskopftuch).</p><p>In ihren Formaten decken die altägyptischen Sphingen ein breites Spektrum ab. Der riesige Sphinx von Gizeh am Fuße des Aufwegs zur Pyramide des Chephren ist nicht nur der größte, sondern auch der früheste Beleg für einen Sphinx. Am anderen Ende des Größenspektrums stehen kleine Statuetten von Sphingen, wie sie auch im Münchner Ägyptischen Museum zu sehen sind.</p><p>Die außergewöhnliche Darstellung der Sphingen am Nordfriedhof in ihrer strengen Zweiteilung in liegenden Löwenkörper mit ausgestreckten Vorderläufen nach ägyptischem Muster und gänzlich unägyptischen Hahnenkopf lässt sich am ehesten mit den falkenköpfigen Sphingen, den „Hierakosphingen“ in Verbindung bringen. Dieser Sphinxtypus ist jedoch nur sehr selten belegt. Als großformatige Skulpturen stehen Falkensphingen paarweise vor dem Tempel Ramses‘ II. in Wadi es Sebua in Nubien, und zwei Falkensphingen fand Belzoni im Großen Tempel von Abu Simbel (heute im British Museum). Ob es diese mehrfach abgebildeten ramessidischen Statuen gewesen sind, die den Bildhauer inspirierten, der die Münchener Hahnensphingen schuf? Da sie die einzigen ihrer Art sind, wäre es übertrieben, für sie der ägyptologischen Terminologie den „Alektryonsphinx“ hinzuzufügen. </p><p>Aber sie sollen doch ehrfurchtsvoll in den Kreis der Sphingen aufgenommen werden, und wir wollen ihre Rückkehr nach München freudig begrüßen.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/112">Für mehr (einschließlich 4 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2023-09-22T16:06:50+02:00</published>
    <updated>2026-08-05T14:28:15+02:00</updated>
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      <name>Jan Dahms</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Das Wandbild des St. Onuphrius am Marienplatz: Ein ägyptischer Heiliger in München]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Vermutlich bereits seit dem Ende des 15. Jahrhunderts ziert die Fassade des Hauses Nr. 17 am Marienplatz ein Bild des Münchner Stadtheiligen Onuphrius. Ursprünglich ein ägyptischer Wüstenheiliger und Eremit, geht dessen Verehrung in München bis auf den Stadtgründer Heinrich den Löwen zurück.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/6a9e09e86a6c93b0a242b90a6232e017.jpg" alt="Wandbild des St. Onuphrius, Marienplatz, 2020" /><br/><p>Alteingesessene Münchner:innen mögen das Wandbild am Marienplatz vielleicht unter dem Namen „Stoffel vom Eiermarkt“ kennen oder wissen um die Legende, dass man an dem Tag, an dem man das Bild anschaut, keines plötzlichen Todes stirbt. Die Inschrift über der halbnackten, alten, bärtigen Männerdarstellung gibt Aufschluss über seine Identität. Dort steht „Sankt Onuphrius“. Bei ihm handelt es sich um einen koptischen Heiligen, der auch in der orthodoxen, äthiopischen und katholischen Kirche verehrt wird. Die Lebensgeschichte des Heiligen Onuphrius ist überliefert durch den Bischof Paphnutius von Ägypten (4. Jh.). Laut Paphnutius lebte Onuphrius als Mönch in einem Kloster in der Thebais, zog sich dann aber als Anachoret, also Einsiedler, in die Wüste zurück und verbrachte dort über 70 Jahre, bis ihn Paphnutius aufsuchte, die Nacht mit ihm im Gebet verbrachte und seine Lebensgeschichte erfuhr. Am nächsten Morgen starb Onuphrius und wurde von Paphnutius begraben. Onuphrius wird meist als alter, hagerer Mann mit langem Haar und Bart gezeigt, der nur einen Fellschurz oder eine Bedeckung aus Blättern trägt. Zu seinen Attributen gehören ein Stock und ein Kreuz. Zahlreiche Ikonen und auch Gemälde von Albrecht Dürer (1471–1528) zeigen den Heiligen, doch wie verschlug es ihn auf eine Münchner Hauswand? Von einem seiner Kreuzzüge soll der Gründervater Münchens, Heinrich der Löwe (wohl 1129/30–1195), die Hirnschale des Heiligen Onuphrius mitgebracht haben, nach anderer Überlieferung war es ein Geschenk, dass ihm der Papst schickte. Heinrich erwählte Onuphrius als Schutzpatron der Stadt München, die Hirnschale wurde in der St.-Laurenz-Kapelle des Alten Hofes aufbewahrt. Mit dem Abriss der Kapelle im Jahre 1816 ging auch die Hirnschale verloren, doch vielleicht hatte sie München schon viel früher verlassen, mit dem Fortgang Heinrichs des Löwen. Möglicherweise folgte sie ihm nach Braunschweig und liegt heute im dortigen Dom verborgen. Das Wandbild am Marienplatz geht auf einen gewissen Heinrich Primat zurück, der 1493 gelobt haben soll, ein Bild des Heiligen an seinem Hause anzubringen, wenn er wohlbehalten von einer Pilgerfahrt ins Heilige Land nach München zurückkehrt. Möglicherweise gehörte Primat zum Gefolge Herzog Christophs des Starken (1449–1493), der sich im selben Jahr nach Jerusalem aufmachte, im Gegensatz zu Primat die Reise allerdings nicht überlebte. Herzog Christoph starb in Rhodos an einem Fieber, Heinrich Primat löste sein Versprechen ein und seither wird auch das Wandbild am Haus am Marienplatz immer wieder erneuert. Dasjenige von Gabriel von Seidel wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, das heutige Fassadenmosaik stammt von Max Lacher (1905–1988). Im Volksglauben verschwamm der Heilige Onuphrius mit dem ganz ähnlich dargestellten St. Christophorus und so kam es zum Spitznamen „Stoffel vom Eiermarkt“. Auch geht die Legende, dass einst ein behaarter Riese aus dem Umland gekommen sei, um München vor einem Brand zu retten. Auch im Namen des Stadtheiligen findet sich ein Anklang an das alte Ägypten, denn der Name „Onuphrius“ geht zurück auf das altägyptische „Wen-nefer“, ein Name des Jenseitsherrschers Osiris. St. Onuphrius ist übrigens nicht nur ein Münchner Stadtpatron, er steht dem Glauben nach auch den Weber:innen, den Studierenden mit Lernproblemen und den heiratswilligen Frauen bei. Außerdem hilft er beim Wiederfinden verlorener Sachen. Auch an anderen Orten in München kann man Onuphrius wiederfinden – in der Peters- und der Frauenkirche stehen Statuen von ihm und in der Blutenburg findet sich ein weiteres Wandgemälde des Heiligen.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/103">Für mehr (einschließlich 5 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2023-07-28T17:31:57+02:00</published>
    <updated>2026-06-25T16:00:05+02:00</updated>
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      <name>Roxane Bicker</name>
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