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    <title type="html"><![CDATA[Projekt Archäologie München: Über das Projekt]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/e795e58773d10da20e42f9b2077010e5.jpg" alt="Aufnahme der Ausgrabungen am Marienhof, 2011" /><br/><p>Im Rahmen des Projekts "Archäologie München" wurde seit 2013 die Münchner Altstadt erforscht, also der Bereich innerhalb bzw. nahe der zwei Stadtumfassungen. Schwerpunkt waren hierbei die Grabungen am Marienhof. Seit der Verlängerung 2023 sieht die Projektplanung vor, dass verstärkt auch Grabungen in den übrigen Stadtbezirken bearbeitet und für die Öffentlichkeit erschlossen werden. Gerade die intensive Bautätigkeit wie beispielsweise im neuen Wohnquartier in Freiham bedingt umfangreiche archäologische Voruntersuchungen. Einige der Funde sind auch in unserer Tour "<a href="https://municharttogo.zikg.eu/tours/show/10" target="_blank" rel="noopener">Archäologie in München</a>" zu finden.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/273">Für mehr sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-09-08T14:19:40+02:00</published>
    <updated>2026-06-25T16:23:57+02:00</updated>
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      <name>Archäologische Staatssammlung München</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Ein römischer Münzschatz aus Lochhausen: Die Kaiser als Hoffnungsträger in unsicheren Zeiten]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Schätze dem Boden anzuvertrauen, in einer Zeit, in der es noch keine Banken gab, war eine gängige Methode, sein Geld sicher aufzubewahren. Aber nicht in allen Fällen handelte es sich um ein mühsam angespartes Vermögen. Frisch geprägte Münzen deuten vielmehr darauf hin, dass man sie für einen ganz bestimmten Zweck hergestellt hat. Und trotzdem ist es heute schwer, die Ursache für den Verbleib im Boden zu ergründen.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/88ab9cf92286dc5dc4356db12fed5f04.jpg" alt="Doppeldenare (Antoniniane) des späten 3. Jahrhunderts n. Chr. aus dem Münzschatz von Lochhausen, 1908" /><br/><p>Der 26. November 1908 war zweifellos ein bedeutsamer Tag im Leben des Knechts Leonhard Heigl. Heigl stand als Stallknecht sowie Melker, der besondere Kenntnisse über Viehzucht und Molkerei „nach Schweizerart“ hatte, im Dienst des Ökonomierates Martin Heitmeier von Lochhausen. Er entdeckte beim Pflügen des sogenannten „äußeren Feldes rechts der Bezirksstraße Lochhausen – Obermenzing“ einen der größten römischen Münzschätze in Bayern. Der Heimatforscher Karl Sattler berichtet hierzu im Jahr 1931 in seinem Büchlein „Lochhausen – Langwied in der Vergangenheit und der Jetztzeit“: „Die Münzen wurden beim Pflügen ca. 10 cm tief – ohne irgend ein Gefäß eingeschlossen gewesen zu sein – auf dem Kiese gefunden.“ Ob der Münzfund in einem Keramikgefäß lag, wissen wir trotzdem nicht. Zur Zeit der Bergung hatte man es vielleicht übersehen oder die Münzen lagen in einem Beutel, der längst vergangen war. Der Münzschatz war für die damalige Zeit allerdings so außergewöhnlich, dass Max Bernhart (1883–1952), später Direktor am Münzkabinett in München, im Jahr 1910 darüber seine Dissertation verfasste. Ihm lagen mehrere hundert römische Doppeldenare (Antoniniane) zur Bestimmung vor, die alle aus der Zeit der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts n. Chr. stammten. Von den insgesamt 1675 Münzen konnte Bernhart noch 1572 nach Kaisern, Motivrückseiten und Münzstätten bestimmen, also über 93 Prozent des gesamten Fundes. Obwohl die Münzgewichte durch Bernhart nur vereinzelt erfasst wurden, wird man bei einem durchschnittlichen Stückgewicht pro Münze von etwa 3,5 Gramm von knapp sechs Kilogramm gemünztem Metall ausgehen dürfen. Die interessantesten und besterhaltenen Exemplare des Fundes hat Bernhart in seiner Veröffentlichung 1911 auf zwei Lichtbildtafeln vorgestellt. Nach der Auswertung durch Bernhart erfolgte ein Ankauf durch die Staatliche Münzsammlung München, eine kleinere Zahl verblieb in Privatbesitz. Nach einer Überlieferung durch Karl Sattler hatte man am 6. Oktober 1930 der Schule in Lochhausen einige gut erhaltene Stücke als Anschauungsmaterial übergeben, die dort heute noch aufbewahrt werden. Ein Bombenangriff auf die Stadt München am 24./25. April 1944, der auch das Münzkabinett in der Residenz traf, hatte allerdings einen fast vollständigen Verlust des Schatzes zur Folge. In der Archäologischen Staatssammlung befinden sich heute neun, im Besitz der Schule von Lochhausen noch fünf Exemplare. Der Rest darf für die Forschung als verloren gelten. Von den wenigen Exemplaren, die schon vorab nicht in die Staatliche Münzsammlung und die Archäologische Staatssammlung gelangt waren, u. a. von den in Privatbesitz verbliebenen Exemplaren, ist nichts bekannt. Angaben zu Herkunft von archäologischen Funden werden in einer Erbengeneration leider nur selten weitergegeben, so dass sich die Verknüpfung einer Münze mit einem Fundort irgendwann verliert. Die Erstveröffentlichung des Schatzes durch Max Bernhart stellt auch heute noch eine wertvolle Schriftquelle dar, wenngleich die Münzen von ihm nicht in allen Fällen eindeutig bestimmt werden konnten. Hans-Jörg Kellner, 1960 bis 1984 Leiter der Prähistorischen Staatssammlung in München, hat dies, wo sich Unstimmigkeiten ergaben, in der Veröffentlichung „Die Fundmünzen der Römischen Zeit in Deutschland (= FMRD), Abt. 1 Band 1“ bereits 1960 angemerkt. Von Kellner stammt auch ein einzelnes, mit seiner Handschrift versehenes Datenblatt aus den späten 1950er Jahren, das in der Staatlichen Münzsammlung erhalten geblieben ist und Münzen der Kaiser Aurelianus und seiner Gemahlin Severina sowie Maximianus Herculius zitiert. Die ältesten Silbermünzen stammen von Kaiser Gallienus (259–268 n. Chr.), die jüngsten von Maximianus Herculius (285–288 n. Chr.). Die von Kellner erarbeitete Liste in FMRD zeigt, dass solche der Kaiser Aurelian (270–275), Probus (276–282) , Diocletian (285) und Maximianus Herculius über 90 % des Münzfundes ausmachen, wobei viele von ihnen als kaum zirkuliert oder sogar als prägefrisch bezeichnet wurden. Aufgrund der großen Zahl an Münzen aus der Münzstätte Ticinum, dem heutigen Pavia in Norditalien, scheint es sich um frisch geprägtes Geld aus der Münzstätte zu handeln, das vielleicht in Zusammenhang mit regulären Sold- oder Sonderzahlungen an einen höher gestellten Militär oder generell mit einer Auszahlung von in einem spätantiken Kastell stationierten Truppen zu sehen ist. Die rückseitigen Bilder auf den Münzen beschwören die wichtigsten Gestalten des Götterhimmels, Iupiter, Hercules, Mars und Victoria. Sie genossen ein besonders hohes Ansehen beim Militär. Sowohl die Kaiserporträts, die die individuellen physischen Merkmale des Herrschers widerspiegeln, als auch die Motivrückseiten mit ihren programmatischen Umschriften sind präzise gestaltet und fehlerfrei wiedergegeben. Sie beschwören die Unverbrüchlichkeit zwischen den Kaisern und dem Heer in Wort und Bild. Dazu zählen etwa die Umschriften „Concordia Militum“ (Eintracht des Heeres), „Securitas Perpetua“ (Fortwährende Sicherheit [gegenüber Feinden des Römischen Reiches]) oder „Fides Militum“ (Treue des Heeres [gegenüber dem Kaiser]). Alle Stücke verdeutlichen eine hohe Fertigungsqualität der Prägungen in den kaiserlichen Münzstätten. Und doch besaßen die Münzen vor allem seit der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts n. Chr. nur noch einen feinen Silberüberzug von wenigen Prozent und waren somit keine hochwertigen Silbermünzen mehr. Denare und Doppeldenare verloren bereits in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts n. Chr. laufend an Gewicht, wurden mit Bronzekernen gefüttert und manchmal auch nur aus einer zinnhaltigen Metalllegierung ausgegeben, die den Stücken lediglich einen silbrigen Schein verliehen. Somit spiegelt sich auch im Münzwesen der allmähliche Niedergang des Römischen Reiches wider, denn durch fortwährende Kriege an den Grenzen gegen Germanen und andere Völkerschaften im Osten war eine permanente Sicherung und Verteidigung durch den Einsatz von Militär erforderlich, das besoldet werden wollte. Mit dem Gebrauch der versilberten Münzen ging der dünne Überzug auf den Flächen jedoch rasch verloren und was blieb, waren nur noch Reste einer glänzenden Silberhaut. Johann Wolfgang von Goethe formulierte es in Faust I treffend: „Was glänzt, ist für den Augenblick geboren“. Was nun den Entdecker des Schatzes Leonhard Heigl betrifft, so hatte dieser keine Nachfahren, war der Familie des Ökonomierates Heitmeier aber so verbunden und von ihr so hochgeschätzt, dass er, als er 1953 starb, im Familiengrab der Heitmeiers auf dem Lochhausener Friedhof seine letzte Ruhe finden durfte. </p><p>Ein besonderer Dank geht an Barbara Kuhn M.A. und Detlef Kohler des Vereins „Langwied-Lochhausen Historisch e.V.“ für vielfältige Auskünfte und Zugang zu Druckerzeugnissen des örtlichen Archivs. Ferner gehen ein besonderer Dank an Prof. Dr. Kay Ehling von der Staatlichen Münzsammlung München sowie Karin und Elisabeth Kellner, München.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/251">Für mehr (einschließlich 9 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-06-02T12:02:29+02:00</published>
    <updated>2026-07-09T12:39:14+02:00</updated>
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      <name>Bernward Ziegaus</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Der Neue Südfriedhof in Perlach: Eine keltische Viereckschanze]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Die keltischen Viereckschanzen – vom Heiligtum mit blutigen Opfern zum Gutshof reicher Grundbesitzer.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/5bdb646e3d3e70fcbed4752236e9878f.jpg" alt="München-Perlach, Neuer Südfriedhof" /><br/><p>Östlich der Isar, ein ganzes Stück außerhalb der Münchner Innenstadt, liegt im Stadtteil Perlach der Neue Südfriedhof direkt neben der A8. Hier erstreckt sich eine grüne Oase, an deren südlichem Rand die Überreste einer keltischen Viereckschanze zu finden sind. Ihr quadratischer, circa 100 x 100 Meter großer Grundriss ist durch Laubbäume gut erkennbar, die in Reihen das Denkmal kennzeichnen. Solche Befestigungen – der moderne Name ‚Schanze‘ trifft es gut – mit 80 bis 150 Metern Seitenlänge, bestanden aus einem mehrere Meter hohen Erdwall mit einer darauf errichteten Holzpalisade und einem vorgelagerten Graben von 2 bis 3 Metern Tiefe sowie 4 bis 8 Metern Breite. Die Spuren dieser massiven Wehranlagen finden sich wie in Perlach mitunter noch obertägig erhalten und gaben Anlass zu vielerlei Spekulationen über ihre Funktion und Zeitstellung. Ausgrabungen zeigten schließlich, dass sie in der Jüngeren Eisenzeit oder sogenannten Latènezeit (ca. 250–50 v. Chr.) errichtet wurden, die man heute generell mit den Kelten gleichsetzt. Die Form und Struktur dieser sogenannten ‚Viereckschanzen‘, die sich im gesamten süddeutschen Raum finden, folgt einem gleichartigen Schema. Der Aushub des Grabens wurde für die Aufschüttung des Erdwalls genutzt; da durch das Aufeinandertreffen der Gräben an den Ecken mehr Erde anfiel, waren diese überhöht. Der einzige Eingang in das Innere der Schanze führte im Westen, Süden oder Osten – niemals jedoch auf der Nordseite! – durch den Wall hindurch. Das Tabu der Nordseite geht wohl auf kosmologische Vorstellungen zurück, die die Struktur einer Siedlung bestimmten; in Perlach wird der Zugang im Osten vermutet. Um in das Innere der Wallanlage zu gelangen, musste man den breiten Graben auf einer Holzbrücke überqueren. Sie führte direkt zu einem massiv gebauten Torhaus enormer Größe. Im Inneren fiel der Blick auf ein oft 20 x 10 Meter großes Gebäude auf der gegenüberliegenden Seite eines offenen, meist unbebauten Platzes. Entlang der Seiten reihten sich etwas kleinere, 8 bis 9 Meter lange Gebäude. In ihnen lagerten Vorräte wie Getreide, Hülsenfrüchte oder geräuchertes Fleisch, wurden Tiere in Ställen gehalten oder Ackergerät und Werkzeuge in Scheunen aufbewahrt. Zwischen den Gebäuden, oft in einer der Wallecken, reichten Schächte bis zu 35 Meter tief in die Erde. Diese Schächte gaben den Archäologen lange Rätsel auf, da man in der in den 1950er Jahren ausgegrabenen Viereckschanze von Holzhausen Holzpfähle und eine Erdverfüllung mit hohem Phosphatgehalt entdeckte. Waren die Pfähle etwa Opferpfähle? Rührte der Phosphatgehalt vom Blut kultischer Opferpraktiken her? Diesen Indizien folgte die Interpretation des großen Zentralgebäudes oder randlicher Bauten als Tempel. Mit ihnen traten die Viereckschanzen vermeintlich als heilige Orte der Kelten hervor, an denen sie ihren Göttern blutige Opfer darbrachten. Erst durch neuere Ausgrabungen konnte diese bislang als allgemeingültig angenommene Interpretation revidiert werden. Die ‚Opferpfähle‘ stellten sich als Teile einer zerstörten Hebevorrichtung eines Stangenbrunnens heraus. Das Phosphat stammte von Tiermist, den man nach Aufgabe des Brunnens dort entsorgt hatte – ob in böswilliger Absicht oder als reiner ‚Abfallschacht‘ ist jedoch nach wie vor unklar. Obwohl die Anlagen keine reinen Kultzentren waren, bildeten sie dennoch den Mittelpunkt einer Siedlungsgemeinschaft. Es ist naheliegend, dass an solchen Zentren oder Residenzen reicher Großgrundbesitzer auch Kultplätze existierten. Als Versammlungsort und Marktplatz der ländlichen Bevölkerung dienten sie sicher auch gemeinsamen kultischen Feiern und religiösen Zeremonien. Mit den stark befestigten ‚Herrensitzen‘ wollte die lokale Elite ihren Herrschaftsanspruch und ihre Macht demonstrieren. Dass es dabei bisweilen zu Konflikten kam, illustrieren die Spuren von Feuerkatastrophen, die die Viereckschanzen in Mitleidenschaft zogen. Wie das Ende der Viereckschanze von Perlach aussah, ist nicht bekannt. Ihre Wälle wurden im Laufe der Zeit durch Pflügen und die Flurbereinigung von 1956 immer weiter eingeebnet, so dass sie heute kaum mehr zu erkennen sind. Der Graben ist nur noch an der Westseite zu erahnen. Obwohl man wenig über dieses Denkmal weiß, zeugt es auch nach über 2000 Jahren von einer Gemeinschaft, die durch den gemeinsamen Bau einer gewaltigen Anlage den Gefahren ihrer Zeit zu trotzen wusste.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/193">Für mehr (einschließlich 5 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2024-11-11T13:20:29+01:00</published>
    <updated>2026-04-22T13:12:49+02:00</updated>
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      <name>Anna Enzensberger&amp;#32;&amp;amp;&amp;#32;Holger Wendling</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Am Bahnhof Allach-Untermenzing: Ein keltisches Schwert aus einem baiuvarischen Friedhof]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Ein Bestattungsort mit jahrhundertealter Tradition, ein keltisches Grab unter Baiuvaren und ein Schwert, das bis heute Fragen aufwirft und seine Geheimnisse hütet.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/d158f0e784848a017aa8157cc30960d4.jpg" alt="Das Schwert aus Allach-Untermenzing" /><br/><p>Nahe des heutigen Bahnhofs Allach-Untermenzing begab sich vor etwa 2400 Jahren ein Mensch auf seine letzte Reise. Als 850 Jahre später, im frühen Mittelalter, an genau dieser Stelle wieder eine lokale Bevölkerung ihre Toten zur letzten Ruhe bettete, war sein Grab freilich schon längst vergessen. 1891 stieß man beim Kiesabbau auf jene Gräber des Frühmittelalters und barg sie in den folgenden Jahren. Als die letzten Bestattungen aufgedeckt waren, hatte man insgesamt 357 Gräber gefunden, von denen die meisten ins 6. bis 8. Jahrhundert n. Chr. datieren. In dieser Zeit war es üblich, die Gräber sehr geordnet in parallelen Reihen anzulegen, so dass sogenannte Reihengräberfelder entstanden. Die Baiuvaren jener Zeit bestatteten ihre Verstorbenen auf dem Rücken liegend, mit dem Kopf im Westen, nach Osten in Richtung Sonnenaufgang blickend. Neben diesen baiuvarischen Gräbern des Frühmittelalters fand man auch die Grablege des Toten aus der Frühlatènezeit, der im Zeitraum zwischen 450 und 250 v. Chr., dem letzten Abschnitt der vorrömischen Eisenzeit, bestattet worden war. Aus diesem Grab 193 barg man neben einigen Knochen und einem Pferdezahn ein eisernes Schwert samt Blechscheide. Mit einer Länge von 51,5 Zentimetern gehört das zweischneidige Schwert zu den sogenannten ‚Kurzschwertern‘. Die hölzernen Griffschalen, die einst die stabförmige Griffangel umschlossen, sind in den Jahrhunderten der Bodenlagerung vergangen. Bei genauer Betrachtung fiel den Archäologen eine Besonderheit an der Schwertklinge direkt unterhalb des glockenförmig geschweiften Heftes auf, das den Griff zur scharfen Klinge hin abschloss. Hier zeigten sich Verzierungen in Form von Intarsien, die mit Gold eingelegt waren. Nach gründlicher Restaurierung sind die glänzenden Zeichen, die sich ehemals klar von der einstmals silbern glänzenden Stahlklinge abhoben, recht deutlich erkennbar: Auf der Vorderseite befindet sich eine Scheibe, unter der fünf winzige Punkte räumlich verteilt angeordnet sind. Ein senkrechter Strich trennt die Scheibe von einem nach rechts offenen Sichelsymbol. Die Rückseite zeigt einen Kreis, in dessen Mitte sich eine sogenannte Triskele befindet, ein Symbol aus drei C-förmigen Linien, die in der Mitte ihren gemeinsamen Ausgangspunkt haben. Daneben ist eine Bogenform mit kugelförmigen Enden eingelassen. Zu Lebzeiten des Verstorbenen war die Bedeutung der Zeichen sicherlich allgemein bekannt, dieses Wissen ist allerdings im Laufe der Zeit verloren gegangen. So gaben die Symbole seit ihrer Entdeckung den Forschern zunächst Rätsel auf, lassen sich aber durch kulturhistorische Vergleiche mittlerweile recht gut entschlüsseln. Vermutlich zeigt die Vorderseite jene Himmelskörper, die mit bloßem Auge sichtbar über den Tag- und Nachthimmel wandern. Neben den prägnanten Darstellungen der Sonnenscheibe und der Mondsichel dürften die winzig kleinen Pünktchen – ganz der astronomischen Beobachtungsrealität entsprechend – Merkur, Mars, Venus, Jupiter und Saturn darstellen. Eine andere Deutung sieht in ihnen das Abbild der Plejaden, die als Sternhaufen im astronomischen Zyklus die regelhafte Wiederkehr landwirtschaftlicher Termine anzeigten. Die Bilder der Rückseite sind weniger klar zu interpretieren. Dreiwirbel und Bögen mit Kugelenden zieren häufig keltische Goldmünzen und fanden so eine weite Verbreitung im Symbolgut der keltischen Welt. Möglicherweise sollte die von zwei Kugeln abgeschlossene Bogenform den Horizont oder aber den Neumond darstellen. Nicht auszuschließen ist ferner, dass es einen stilisierten keltischen Halsreif wiedergibt, einen sogenannten torques, der als Macht- und Herrschaftssymbol keltischer Männer oder Gottheiten galt. Der Kreis mit Triskele oder Dreiwirbel mag für Geburt und Tod oder auch die Unendlichkeit stehen. All diese Interpretationen setzen das Schwert in Bezug zum Kosmos und wiederkehrenden astronomischen Phänomenen. Bedeutung und Aussagekraft der Symbole auf dem Allacher Schwert stellen nach 2400 Jahren eine Herausforderung für die moderne Archäologie dar. Zumindest lassen sie erkennen, wie tief die Menschen der keltischen Eisenzeit mit astronomischen Phänomenen vertraut waren. Sie verraten uns damit Grundlegendes über das Verständnis der Welt und des Universums, über die Kosmologie einer oft rätselhaften Zeit, die auch an den Ufern der Isar ihre faszinierenden Spuren hinterlassen hat.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/192">Für mehr (einschließlich 5 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2024-11-11T12:24:33+01:00</published>
    <updated>2026-04-22T13:15:39+02:00</updated>
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      <name>Anna Enzensberger&amp;#32;&amp;amp;&amp;#32;Holger Wendling</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Gräber aus der Glockenbecherzeit in Sendling: Eine Zeitreise auf den Spuren der ältesten Sendlinger]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Ein Bestattungsort mit Aussicht und Grabbeigaben, die Licht auf das Leben und die Menschen einer längst vergangenen Zeit werfen.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/824416f84161118d3f3559b6a8cd51bb.jpg" alt="Keramikgefäße in Glockenbecherform, Pfeilspitzen und Knochenknöpfe (ca. 2600–2200 v. Chr.)" /><br/><p>Begeben wir uns auf eine Zeitreise in das Jahr 2474 v. Chr., in den Raum des heutigen Münchens. Dort angekommen, haben wir eine Landschaft vor uns, die von einer in der Eiszeit entstandenen Ebene geprägt und von kleinen Flüssen wie der Würm, der Isar und dem Hachinger Bach durchzogen ist. Hier wächst ein Tannen- und Buchenwald, der sich an einigen Stellen zu einer Steppe mit Heidebewuchs öffnet. Es ist möglich, dass wir in der offenen Heidelandschaft auf Siedlungen stoßen, deren Bewohner die Aufzucht von Rindern, Pferden und anderen Tieren betreiben. Sie sind Teil einer Epoche, die später als Glockenbecherkultur bekannt sein und etwa 400 Jahre andauern wird.
Irgendwann im Laufe dieser Zeit wählten die damaligen Bewohner des heutigen Sendling die natürliche Terrassenkante der Isar als letzte Ruhestätte für ihre Angehörigen. Diese zieht sich gut sichtbar durch Thalkirchen, Sendling und den Harras hindurch. Sie trennt die Bavaria von der Theresienwiese und läuft langsam an der Hackerbrücke aus. Wahrscheinlich eröffnete sich von hier aus ein erhabener Blick über die damals noch wilde Isar mit ihren zahlreichen Flusswindungen.
Dass wir heute von der Existenz dieser Siedler aus der Glockenbecherkultur wissen, ist nur den Überresten ihrer Bestattungen zu verdanken. Denn dort, wo heute die Wolfratshauser- in die Plinganserstraße mündet, wurden 1906 bei Kanalisations- und Straßenarbeiten nicht nur ein frühmittelalterlicher Friedhof, sondern auch die Gräber von mindestens sechs Personen aufgedeckt. Sie waren in Hockerlage, also mit angezogenen Beinen auf der Seite, begraben und mit Beigaben ausgestattet worden. Damals war es üblich, Männer und Frauen mit dem Blick nach Osten zur aufgehenden Sonne niederzulegen, wobei die Frauen mit dem Kopf im Süden und auf die rechte Körperseite gebettet wurden, während man die Männer mit dem Kopf im Norden und auf der linken Körperhälfte liegend bestattete. Vor allem die Grabbeigaben ermöglichen die Zuordnung zu einer Zeit früher Bewohner Sendlings. Unter anderem hatte man den Verstorbenen Dolche aus Kupfer, Eberzähne, kleine Muscheln und mehrere Keramikgefäße mit ins Grab gegeben. Gerade letztere sind wichtige Indizien dafür, dass diese Menschen zur Glockenbecherkultur gehörten, die Jahrtausende später von Archäologen nach den charakteristischen glockenförmigen Keramikgefäßen benannt wurde. Neben den Gefäßen lassen auch die Kupfergegenstände zeitliche Rückschlüsse zu, da Kupfer als Material für Waffen und Werkzeuge erst weit in der Jungsteinzeit im 4. Jahrtausend auftrat, der Epoche der ersten Ackerbauern und Viehzüchter, die in Mitteleuropa um 5500 v. Chr. begann. Bereits ab der darauffolgenden Bronzezeit ab etwa 2200 v. Chr., wurde dann jene namengebende Legierung aus Kupfer und Zinn zum dominierenden Werkstoff für Werkzeuge, Waffen und Schmuck.
Zwar nicht häufig, aber doch regelmäßig auftretend und in ihrer Form typisch für diese Zeit sind Armschutzplatten. Von ihnen wurden in den Sendlinger Gräbern mindestens zwei Stück gefunden. Sie waren aus Schiefergestein gefertigt, konnten aber auch aus Knochen bestehen und dienten beim Bogenschießen dem Schutz des Unterarms vor der zurückschnellenden Sehne. Einige Knöpfe unterschiedlicher Größe, die aus Knochen gefertigt wurden, schmückten Textilien.
Obwohl die Informationen zu den 1906 entdeckten Gräbern leider sehr dürftig sind, können wir uns doch ein Bild von den damaligen Bewohnern des Sendlinger Raums machen. Die Menschen, die am Ende der Steinzeit an der Isar lebten, züchteten Vieh und beherrschten bereits die Verarbeitung von Metall. Außerdem waren sie nicht allein, wie der Blick über das Sendlinger Gebiet hinaus zeigt. Denn auch im benachbarten Pasing, in Moosach und Freiham sowie auf der anderen Seite der Isar in Zamdorf, Trudering und Berg am Laim wurden Bestattungen aus der Glockenbecherzeit entdeckt, die auf weitere Siedlungen schließen lassen.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/173">Für mehr sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2024-08-30T11:57:02+02:00</published>
    <updated>2024-08-30T13:19:01+02:00</updated>
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      <name>Anna Enzensberger&amp;#32;&amp;amp;&amp;#32;Heiner Schwarzberg</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Ein keltischer Arzt in der Hofbauernstraße von Obermenzing: Das Grab eines Chirurgen und Kriegers]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Die überraschende Entdeckung eines Arztgrabes bietet nach Jahrtausenden die Möglichkeit, einen Mann kennenzulernen, der kämpfte, aber auch heilte. Das Grab gestattet einen seltenen Einblick in die rätselhafte und bisher weitgehend im Dunkeln liegende Medizin der Kelten.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/8042aa540ed89fb8049d6dff0a30e127.jpg" alt="Grabbeigaben des keltischen Arztes: Skalpell, Wundhaken, Knochensäge, Eisen" /><br/><p>Wer würde schon vermuten, dass sich in seinem Garten ein Friedhof aus der Frühgeschichte befindet? Vermutlich wäre auch der Postinspektor Schild nicht einmal im Traum auf diese Idee gekommen, bis er im Sommer des Jahres 1910 auf seinem Grundstück in der Hofbauernstraße nahe bei der Blutenburg in Obermenzing auf eine Begräbnisstätte aus der jüngeren Eisenzeit, der „Latènezeit“ stieß. Dabei handelt es sich um die letzte prähistorische Epoche im mitteleuropäischen Raum. Sie dauerte von ca. 450 v. Chr. bis zum Jahr 15 v. Chr. und wird mit den Kelten in Verbindung gebracht. Nachdem Herr Schild auf acht Gräber gestoßen war, fand drei Jahre später eine archäologische Ausgrabung auf seinem Grundstück statt, die neun weitere Gräber zu Tage förderte. Die Toten hatte man, wie für die Mittellatènezeit (250–150 v. Chr.) üblich, in Flachgräbern, auf dem Rücken liegend bestattet und mit Beigaben ausgestattet. Zu dieser Zeit setzte außerdem allmählich die Sitte der Brandbestattung ein. Dabei wurden die Verstorbenen auf einem Scheiterhaufen verbrannt und der sogenannte „Leichenbrand“ (Asche und Knochenreste) anschließend mit oder ohne Urne in einem Grab beigesetzt. Unter den Bestattungen aus Obermenzing fanden sich mindestens drei solcher Brandgräber, bei denen man die Asche ohne Urne auf den Boden der Grabgrube gestreut hatte. Hierzu zählt auch Grab 7, das durch seine Beigabenausstattung herausstach: Es erwies sich als letzte Ruhestätte eines Chirurgen der Zeit um 200 v. Chr. und damit als eines der ältesten bekannten Arztgräber Mitteleuropas. Da man dem Verstorbenen sein Handwerkszeug mit ins Grab gelegt hatte, war es möglich, ihn als Arzt zu identifizieren. Zu den medizinischen Instrumenten gehörten zwei Skalpelle, ein Wundhaken und eine Knochensäge, die alle aus Eisen gefertigt waren. Um das Rosten zu verhindern, hatte man die Klinge der Säge mit Bronze überzogen. Dass es sich bei dem Toten um einen Mann handelte, legen die weiteren Grabbeigaben nahe. Ein Schwert mit Scheide, eine Lanze, ein Schild, ein Rasiermesser sowie die Überreste eines Pferdegeschirrs gehören zur charakteristischen Ausstattung eines Mannes. Die Vorderseite der Schwertscheide ziert unterhalb des Griffs eine Triskele mit Vogelkopfenden. Dem magischen Symbol der Unendlichkeit erwachsen aus einem gemeinsamen Zentrum drei geschwungene Achsen oder Flügel. Das medizinische „Knowhow“ im keltischen Europa ist nicht zu unterschätzen. Obwohl mangelnde Hygiene und Fachwissen insbesondere bei schweren Erkrankungen die Überlebenschancen minderten, wurden schon weit früher, seit der Steinzeit, Operationen durchgeführt, die nicht unbedingt zum Tod führten. Aus der Eisenzeit des letzten Jahrtausends v. Chr. stammen die Überreste mehrerer Menschen, bei denen Schädeloperationen erfolgreich durchgeführt wurden und verheilt waren. Das medizinische Wissen jener Zeit beruhte auf einem generationenübergreifenden Erfahrungsschatz und wurde durch mündliche Überlieferung weitergegeben. Außerdem spielte mit Sicherheit auch der Wissensaustausch zwischen den Kulturen des Mittelmeerraums und Mitteleuropas eine große Rolle; so zeigen die Werkzeuge aus Obermenzing Ähnlichkeit mit medizinischen Instrumenten aus dem griechischen Raum, die man dort allerdings nicht aus Eisen fertigte. Welche Wunden der Arzt aus Obermenzing im Laufe seines Lebens behandelte, für welche Operationen er sein Chirurgenbesteck einsetzte und wie erfolgreich er dabei war, ist heute nicht mehr feststellbar. Die für die Kelten unübliche Beigabe von Werkzeug, zusammen mit mehreren Waffen, stellt allerdings eine besonders reiche Grabausstattung dar und lässt vermuten, dass es sich hier um eine bedeutende Person gehandelt hat, die als Krieger und Arzt gewissermaßen Tod und Heilung vereinte. Obwohl bisher selten, gibt es einige Gräber der jüngeren Eisenzeit, die der Bestattung aus Obermenzing ähneln. In Gräbern aus Zukowice (Polen), Batina-Kisköszeg (Serbien), Galatii Bistritei (Rumänien) und Zvonimirovo (Kroatien) fand man neben Waffen ebenfalls chirurgische Instrumente als Beigaben. Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese „Kriegerärzte“ in ihrer jeweiligen Gemeinschaft einen hohen Status innehatten und Teil einer lokalen Elite waren.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/165">Für mehr (einschließlich 4 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2024-06-28T15:22:03+02:00</published>
    <updated>2026-07-09T12:43:40+02:00</updated>
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      <name>Anna Enzensberger&amp;#32;&amp;amp;&amp;#32;Holger Wendling</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Ein Schatz im Luitpoldpark: Eine vergessene Kiesgrube und ihr prähistorischer Schatz]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Ein überraschender Fund, dessen Interpretation die Forschung bis heute beschäftigt und der entweder einen faszinierenden Einblick in den Handel und Transport von Waren oder die religiöse Vorstellung der bronzezeitlichen Menschen im heutigen Südbayern bietet.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/f4f06a0efb87c20f65457a288ac49a37.jpg" alt="Der Obelisk im Luitpoldpark, 2021" /><br/><p>Ist es vorstellbar, dass sich im Luitpoldpark in Schwabing vor gar nicht allzu langer Zeit eine große städtische Kiesgrube befand? Heute ist von der Abraumhalde nichts mehr zu erahnen und doch war hier der Fundort eines bedeutenden Schatzes aus der Bronzezeit. Das grüne Naherholungsgebiet wurde 1911 anlässlich des 90. Geburtstages von Prinzregent Luitpold von Bayern angelegt. Damals gab es den aus Schutt des Zweiten Weltkrieges bestehenden Luitpoldhügel natürlich noch nicht und der Park wurde im Norden von der heute nicht mehr existierenden Stiftprobst-Türk-Straße begrenzt. Diese befand sich dort, wo sich heute die Burgunderstraße erstreckt und verband die Borschtallee mit der Schleißheimer Straße. Sie verlief an der Stelle, wo sich heute der Luitpoldhügel erhebt. Südlich der Stiftprobst-Türk-Straße, in der Nordwestecke des Luitpoldparks, befand sich die bereits genannte städtische Kiesgrube, in der man 1928 beim Kiesabbau in 1,10 Metern Tiefe auf ein Depot von insgesamt 500 C-förmig gebogenen Kupferstäben in drei Bündeln stieß. Sie werden als Spangenbarren bezeichnet und sind 18 bis 24 Zentimeter lang, in der Mitte verdickt und verjüngen sich zu den Enden. Sie haben ein Gesamtgewicht von circa 85 Kilogramm und datieren in eine Zeit zwischen 1.800 und 1.600 v. Chr. Demnach stammen die Barren aus dem jüngeren Abschnitt der frühen Bronzezeit (2.200 – 1.600 v. Chr.), in der sie auch in Beil- oder Ringform angefertigt wurden. Ab der Frühbronzezeit ist mit Barrenhorten ein neues Phänomen zu beobachten, das sich vor allem in Südostbayern und Niederösterreich konzentrierte, aber auch bis nach Tschechien und in die Slowakei reichte. Als Depot- oder Hortfunde werden Ansammlungen von mindestens zwei Artefakten bezeichnet, die gleichzeitig in die Erde gelangten und nicht in Verbindung mit einer Bestattung stehen. Man vermutet, dass die Barren wertvolles Rohmaterial darstellten, die noch an den Abbauplätzen, wie dem Unteren Inntal oder dem berühmten Mitterberg bei St. Johann im Pongau, in ihre jeweilige Form gegossen wurden. Da die fertigen Barren nun gut in Bündel zusammengebunden werden konnten, waren sie auch leichter transportierbar. Erreichten sie schließlich den Bronzeschmied, erfolgte ihre Weiterverarbeitung zum jeweiligen Endprodukt. Als man die Spangenbarren in der Kiesgrube an der Stiftprobst-Türk-Straße fand, hatte man den größten derartigen Fund in Bayern vor sich. Erst die Aufdeckung des Depots in Obererding im Jahr 2014 mit 796 Stücken übertraf den Fund aus dem Luitpoldpark. Die Bedeutung des Fundes aus Schwabing zeigt sich neben seiner Größe dahingehend, dass durch ihn ein Spangenbarrentyp definiert wurde, der unter Fachleuten als „Typ München-Luitpoldpark“ bekannt ist. Die Erklärung für die Deponierung der Spangenbarren im heutigen Luitpoldpark ist noch immer umstritten. Die sorgfältige Niederlegung der Kupferbarren in drei Haufen könnte für eine rituelle Handlung sprechen. Vielleicht steckte dahinter die Vorstellung, einen Teil des aus dem Berg geraubten Materials an die Erde zurückzugeben, um so dem Zorn der Götter zu entgehen. Es werden aber auch andere Erklärungen diskutiert, wie zum Beispiel das Vergraben des wertvollen Rohmaterials aufgrund drohender Überfälle oder als geheimes Rohstofflager eines Bronzeschmieds. Die Deponierungen könnten ebenso ein Zeichen für Störungen im damaligen Tauschhandel sein und Waren darstellen, die zur Zeit ihrer Vergrabung nicht weiter gehandelt werden konnten. Ob die Niederlegung der 500 Spangenbarren im Luitpoldpark nun wirtschaftliche oder religiöse Gründe gehabt haben mag, für uns sind sie auf eine andere Weise ein wertvoller Schatz, denn sie bringen uns das lange vergangene Leben der Menschen aus der Bronzezeit und damit unserer Vorfahren ein bisschen näher.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/154">Für mehr (einschließlich 4 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2024-05-27T16:57:25+02:00</published>
    <updated>2026-06-18T11:34:57+02:00</updated>
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      <name>Anna Enzensberger&amp;#32;&amp;amp;&amp;#32;Heiner Schwarzberg</name>
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