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  <title type="text">MunichArtToGo</title>
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    <title type="html"><![CDATA[Die Städtische Galerie im Lenbachhaus: Die Sammlung im Zweiten Weltkrieg]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Im zweiten Weltkrieg und den Nachkriegsjahren musste die Sammlung der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, wie auch die anderer Münchner Museen, mehrmals umziehen. Von Depots außerhalb der Stadt zum Schutz vor dem Krieg, kam sie über eine Sammelstelle auf der gegenüberliegenden Seite des Königsplatzes langsam wieder zurück ins Lenbachhaus.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/1308689c905e285975a7e571e0dd48a2.jpg" alt="Das alte Lenbachhaus, 1932" /><br/><p>In der Zeit des Nationalsozialismus wurde in der Städtischen Galerie sowie in anderen Häusern der Ankauf neuer Werke durch Verordnungen des Kulturamtes und durch ein grundsätzliches Ankaufsverbot „nicht-arischer“ Kunst eingeschränkt. Zudem wurde als „entartet“ diffamierte Kunst, etwa Werke jüdischer Künstler*innen, des Expressionismus und des Kubismus sowie Motive, die nicht der nationalsozialistischen Kunstauffassung entsprachen, aus dem Bestand genommen.
Um die Sammlung vor alliierten Luftangriffen zu schützen, wurden die Werke zunächst im Keller des Lenbachhauses gelagert. Darüber hinaus wurden besonders wertvolle Kunstwerke ab April 1941 auf Schloss Hohenaschau untergebracht. Einige der zurückgebliebenen Werke wurden 1943 bei einem Bombenangriff beschädigt, sodass die gesamte Sammlung aus der Stadt gebracht werden sollte. Stückweise wurde die Kunst in Ausweichlager in Schlössern und Burgen gebracht. Annähernd die komplette Münchner Städtische Galerie befand sich schließlich an verschiedenen Standorten im ländlichen Bayern, an Orten, die weniger gefährdet waren als der zentral gelegene Königsplatz im Zentrum des <a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/60" target="_blank" rel="noopener">NS-Parteiviertels</a>. Solche Notdepots wurden nicht nur für die Museumssammlungen, sondern auch für die Lagerung geraubter Kulturgüter genutzt. All diese Kunstschätze wurden nach Kriegsende von den Alliierten an zentrale Sammelstellen wie den <a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/27" target="_blank" rel="noopener">Central Art Collecting Point (kurz CCP)</a> am Münchner Königsplatz gebracht. Dort wurden Werke aus den Sammlungen der Münchner Museen ebenso wie Raubkunst aus europäischen Nachbarstaaten und jüdischem Privatbesitz eingeliefert. Die Sammlung der Städtischen Galerie kam aus den Notdepots ebenfalls in den CCP München, in dem für einige Zeit die Sammlungen der Museen dicht gedrängt aufbewahrt wurden. Dazu äußerte sich Hans Konrad Röthel, einer der Zuständigen am CCP, folgendermaßen:
„Trotz mancher Beengung und trotz mancher Provisorien stellt diese Hausgemeinschaft angesichts der beklagenswerten Raumnot der Münchner Kulturinstitute […] eine ideale Lösung dar.“ (zit. nach: Röthel 1948, S. 10).
Weil das beschädigte Lenbachhaus erst wieder instandgesetzt werden musste, blieben die Werke der Städtischen Galerie bis 1948 noch im Münchner CCP.
Die Rückführung der Sammlungen war eine Hauptaufgabe des CCP. Nach und nach wurde die Sammlung der Städtischen Galerie über den Königsplatz zurück ins Lenbachhaus geholt. Mehrere Werke wurden in diesem Zusammenhang in den Jahrzehnten nach Kriegsende als NS-verfolgungsbedingt entzogen identifiziert und anfangs über den CCP und später über die Münchner Behörden an die rechtmäßigen Eigentümer restituiert. Zudem wurden auch als „entartet“ aussortierte Werke zurück in die Sammlung aufgenommen und wieder ausgestellt.
Der CCP wurde als Ausgangspunkt für viele Restitutionen von während des NS entzogenen Kulturgütern aus den Notlagern genutzt. Doch bei einem gewissen Restbestand gelang dies nie. Diese übriggebliebenen Zweifelsfälle durchliefen nach dem Krieg aufgrund der Unklarheit der Besitzverhältnisse mehrere Stationen. Zunächst unterlagen sie bis etwa 1949 der Verantwortung der Alliierten, wurden dann in die Hände des Bayerischen Staates übergeben, später vom Bund verwaltet und – als unbedenklich eingestuft – ab 1963 Eigentum des Bundes. Als Leihgaben wurden diese Zweifelsfälle zur Ausstellung verschiedenen deutschen Museen überlassen, so auch der Städtischen Galerie für Ausstellungen wie „Restitutionspolitik“ der Konzeptkünstlerin Maria Eichhorn im Jahr 2004.
Die Untersuchung der Sammlung auf NS-verfolgungsbedingt entzogene Kunstwerke ist bis heute nicht abgeschlossen; das Lenbachhaus restituiert weiterhin einzelne Werke.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/150">Für mehr (einschließlich 7 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2024-04-24T12:24:14+02:00</published>
    <updated>2025-05-30T16:09:02+02:00</updated>
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      <name>Antonia Bartl</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Das Parteiviertel der NSDAP: Bürokratie und Kult]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Das Parteizentrum der NSDAP am Königsplatz war das erste große Bauprojekt der Nationalsozialisten in Deutschland. Durch die Errichtung von vier neoklassizistischen Bauten an der heutigen Katharina-von-Bora- und Arcisstraße sowie die Umgestaltung des Königsplatzes nach Plänen des Architekten Paul Ludwig Troost entstand bis 1937 ein monumentales Forum der Bürokratie und des Kults.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/b126c0a3e89c78a705079ebe4bad3787.jpg" alt="Der Königsplatz, von den Propyläen nach Osten, 1938" /><br/><p>1930 kaufte die NSDAP das Palais Barlow in der Brienner Straße (ehemals Brienner Straße 34, im Krieg zerstört, dort heute das NS-Dokumentationszentrum München, Max-Mannheimer-Platz 1) und baute es zur Geschäftsstelle der Partei um. Als „Wiege der Partei“ und ideologischer Memorialort der NS-Bewegung wurde dieses sogenannte „Braune Haus“ zum Kern des Parteiviertels, das seit 1933 in der Maxvorstadt entstand. Mehr als 50 Gebäude entlang der Arcisstraße und ihrem südlichen Abschnitt (heute: Katharina-von-Bora-Str. 10), Karlstraße, Brienner Straße, Barer Straße und Gabelsbergerstraße sowie angrenzender Straßen gingen im Laufe der 1930er Jahre in den Besitz der NSDAP über. Sie wurden entweder abgerissen, um Platz für Neubauten zu machen, so wie das Palais Pringsheim (Arcisstraße 12, 1933 vom Vorbesitzer Alfred Pringsheim unter Zwang verkauft, 1934 abgerissen), oder für die zahlreichen Dienststellen der Parteiorganisationen neu genutzt.
Nach Entwurf des Architekten Paul Ludwig Troost (1878–1934) und unter der Leitung des nach seinem Tod gegründeten Atelier Troost (Gerdy Troost, Leonhard Gall) entstand an der Ostseite des Königsplatzes eine symmetrische Baugruppe: der „Führerbau“, zwei „Ehrentempel“ und der „Verwaltungsbau“. Südlich schloss der NSDAP-Postbau mit einem Heizkraftwerk an. Die „Ehrentempel“ dienten dem pseudo-religiösen NS-Kult zur Stilisierung von Hitlers (erfolglosem) Putschversuch vom 9. November 1923. Der „Führerbau“ wurde nur bei einem einzigen Anlass als politischer Repräsentationsort des NS-Regimes international wahrgenommen – bei der Unterzeichnung des Münchner Abkommens 1938. Der „Verwaltungsbau“ hingegen erfüllte bis April 1945 seine ursprüngliche Funktion. Bis Kriegsende blieb das Münchner Parteizentrum Sitz der „Reichsleitung der NSDAP“. Mit der administrativen Schaltstelle der Partei bildete die „Hauptstadt der Bewegung“ das Gegengewicht zur Reichshauptstadt Berlin. In München saßen neben dem „Reichsorganisationsleiter“ zwei große Abteilungen der „Reichsleitung der NSDAP“, die als administrative Macht- und Herrschaftsinstrumente Hitlers Regime bis zum Ende stützten und sicherten: die Dienststellen „Reichsschatzmeister“ und „Stellvertreter des Führers“. Die im „Verwaltungsbau“ geführte zentrale Mitgliederkartei der NSDAP, die 1939 ihren Höchststand mit knapp 8 Millionen Mitgliedern erreichte, enthielt bei Kriegsende etwa 11 Millionen Karten. Sie befinden sich heute im Bundesarchiv in Berlin.
Die NSDAP-Parteigebäude wurden nach Kriegsende von der US-Armee beschlagnahmt und geräumt. Seit Juni 1945 wurden sie zunächst als Kunstsammelstelle (<a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/27" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Central Art Collecting Point</a>) genutzt und sind seither kontinuierlich Sitz von Kulturinstitutionen: das Haus der Kulturinstitute im ehemaligen „Verwaltungsbau der NSDAP“, die Hochschule für Musik und Theater München im ehemaligen „Führerbau“.
Die Sprengung der Pfeiler der „Ehrentempel“ im Januar 1947 setzte die Direktive Nr. 30 des Alliierten Kontrollrats um. Diese forderte, alle NS-Embleme aus dem Stadtbild zu entfernen. 1957/58 ließ die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen in Vorbereitung der 800-Jahr-Feier Münchens die verbliebenen Sockel mit Erde auffüllen und bepflanzen. Der erhaltene Sockel südlich der Brienner Straße ist seit den 1980er Jahren zusammen mit dem Gartengelände des Gebäudes Katharina-von-Bora-Straße 10 als Biotop Muc-Bio-Nr. 151b kartiert. Seine Vegetation wird zur Wahrung der Verkehrssicherheit geschnitten. Der Bewuchs des nördlichen Sockels ist nicht (mehr) als Biotop klassifiziert. Die Rudimente des Sockels dienen als historisches architektonisches Exponat in Sichtbeziehung zum NS-Dokumentationszentrum für München, das 2015 am Standort des ehemaligen „Braunen Hauses“ eröffnet wurde. Beide Sockel sind historisch einzigartige Dokumente des nationalsozialistischen Kultes um die „Märtyrer der Bewegung“ wie auch der jahrzehntelangen Verdrängung der Rolle Münchens als „Hauptstadt der Bewegung“. Die Sockel sowie die erhaltenen Monumentalgebäude stehen unter Denkmalschutz.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/60">Für mehr (einschließlich 13 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2023-01-30T13:40:07+01:00</published>
    <updated>2023-10-16T23:11:34+02:00</updated>
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      <name>Iris Lauterbach</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Das Zentralinstitut für Kunstgeschichte: Vom Elfenbeinturm zum Maschinenraum]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Trotz seiner vergleichsweise erst jungen Geschichte verfügt das Zentralinstitut für Kunstgeschichte heute über eine der größten und am besten erschlossenen Fachbibliotheken zur Kunstgeschichte weltweit, außerdem über zahlreiche teils seltene Fotografien sowie Archivalien und digitale Ressourcen, die allen Interessierten zur Verfügung stehen. Das ZI ist zugleich ein Forum des wissenschaftlichen Austausches, an dem kunsthistorische Forschung intensiv diskutiert und debattiert wird, auch in Form eines dichten Programms öffentlicher Veranstaltungen.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/52b0869b4130218dd69ebc3e85cafe5a.jpg" alt="Das Haus der Kulturinstitute, 2014" /><br/><p>Das Zentralinstitut für Kunstgeschichte ist das einzige selbstständige – nicht an eine Universität angegliederte – Forschungsinstitut zur Kunstgeschichte in Deutschland. Es wurde 1946 aus dem <a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/27" target="_blank" rel="noopener">Central Collecting Point</a> (CCP) heraus gegründet und nahm am 1. März 1947 im ehemaligen "Verwaltungsbau der NSDAP" am Königsplatz seine Arbeit auf.
Im CCP, der Sammelstelle für die von den Nationalsozialisten in ganz Europa geraubten Kunstgüter, wurde zur Rückgabe der Werke an die beraubten Länder und Personen eine kunsthistorische Fachbibliothek und Fotosammlung aufgebaut; zu großen Teilen gespeist aus dem beschlagnahmten Besitz von NS-Größen und nationalsozialistischen Institutionen. Dieses Material bildete nach dem Ende des CCP die Grundausstattung des ZI. Nach und nach wurden diese Ressourcen weiter ausgebaut und vor allem in einem legendären Zettelkatalog für das wissenschaftliche Fachpublikum aufbereitet. Dieser "Sachkatalog" war ein wohlgehüteter Schatz, denn bis in die 1990er Jahre war das ZI ein ungemein exklusiver Ort: Der Mensch, der hier Einlass finden wollte, musste mindestens an einer kunsthistorischen Doktorarbeit schreiben, wenn nicht gar an einer Habilitationsschrift. Immerhin, mit dem Beginn der digitalen Revolution, die im "Elfenbeinturm" der Kunstgeschichte später begann als anderenorts, und mit der Umstellung der Katalogisierung auf den digitalen Verbundkatalog Kubikat gemeinsam mit den anderen deutschen Forschungsinstituten in Florenz, Rom und Paris, wurden nun solche Zugangsbeschränkungen völlig obsolet.
Heute stehen das Institut und seine hier gebildeten Forschungsinfrastrukturen – genauso wie die wissenschaftlichen Veranstaltungen – allen kostenfrei offen. Ein elektronischer Scan- und Lieferdienst ermöglicht die dezentrale Nutzung der gesammelten Medien. Die Zeitschriften und Publikationen des Hauses werden soweit möglich im open access veröffentlicht; auch die digitalen Ressourcen, wie Datenbanken und E-Books, stehen allen Usern weltweit über das Internet zur Verfügung. Die App <em>MunichArtToGo</em> ist vor diesem Hintergrund ein nächster Schritt in einer organischen Entwicklung. Wenn Sie mehr über das ZI erfahren wollen, müssen Sie jetzt nur noch die zugebenermaßen massive Eingangstür aufstemmen. Sie finden das ZI – vorbei an den Figuren des Abgussmuseums – im ersten Stock des Gebäudes.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/42">Für mehr (einschließlich 8 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2022-09-20T10:48:58+02:00</published>
    <updated>2026-02-19T11:35:15+01:00</updated>
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    <title type="html"><![CDATA[Der Central Collecting Point: Restitution und Wissenschaft nach 1945]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Im Juni 1945 richtete die US-Militärregierung in den ehemaligen NS-Gebäuden am Königsplatz die Kunstsammelstelle für NS-Raubkunst und ausgelagerte deutsche Museumsbestände (Central Art Collecting Point) ein. Seither werden die ehemaligen Repräsentationsbauten der „Reichsleitung der NSDAP“ kontinuierlich durch Kulturinstitutionen genutzt.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/caaeffe8b112707b54abfb4e349c0cfe.jpg" alt="Anlieferung von Kunstwerken an der Südpforte des Central Collecting Point, 1945/46" /><br/><p>Ende April 1945 rückten die amerikanischen Streitkräfte in München ein und beschlagnahmten die Gebäude der vormaligen „Reichsleitung der NSDAP“ in der Maxvorstadt. Die im Kellergeschoss des „Führerbaus“ deponierte Gemäldesammlung Adolphe Schloss war kurz vor Eintreffen der Amerikaner geplündert worden. Weder der „Führerbau“ noch der „Verwaltungsbau“ hatten nennenswerte Bombenschäden davongetragen. Hier etablierte die US-Militärregierung im Juni 1945 den Central Art Collecting Point (CCP). Aufgabe dieser Kunstsammelstelle war es, NS-Raubkunst und ausgelagerte deutsche Museumsbestände zu sichern und zu restituieren. NS-Raubkunst wurde durch den Münchner Collecting Point an die rechtmäßigen Eigentümer in ganz Europa restituiert. Im ehemaligen „Verwaltungsbau der NSDAP“, zeitweilig auch im ehemaligen „Führerbau“ arbeiteten neben amerikanischen „Monuments Men“ und Vertreter:innen europäischer Kunstschutzkommissionen auch deutsches Personal.</p><p>Im Juni 1945 begann der Abtransport der Kunstwerke aus ihren provisorischen Lagerstätten nach München, wo sie zunächst mit der sogenannten „Münchner Nummer“ registriert wurden. Sichergestellt wurden zahlreiche geraubte Kunstwerke, die Adolf Hitler für ein in Linz geplantes Kunstmuseum und für andere Orte vorgesehen hatte. Auch die weitgehend aus Raubgut zusammengesetzte Kunstsammlung Hermann Görings wurde über den Münchner CCP restitutiert. 1946 erschien Göring karikiert als „Der letzte Renaissance-Fürst“, thronend über einem Lager von Raubkunst. Die Vorstellung von der immensen kunsthistorischen Bedeutung und dem materiellen Wert der im Collecting Point versammelten kostbaren Objekte beflügelt jede Beschäftigung mit dem Thema.</p><p>Neben der sogenannten „inneren Restitution“, der Rückführung innerhalb Deutschlands, betraf der umfangreichste Arbeitskomplex des Münchner CCP die Rückgabe ins Ausland, die „äußere Restitution“. Die meisten Kunstwerke gingen nach Frankreich und in osteuropäische Staaten zurück, nach Belgien und in die Niederlande. Besonderen politischen Spannungen unterlagen die Rückgaben an die mit dem nationalsozialistischen Deutschland zeitweise verbündeten Staaten Österreich und Italien. Die politisch heikle und bürokratisch penible Arbeit des Collecting Point verlief weder reibungslos noch fehlerfrei. Manche nach damaligem Wissensstand getroffenen Entscheidungen stellten sich später als voreilig heraus. </p><p>1949 übergab die US-Regierung die Verantwortung für noch nicht restituierte Objekte an deutsche Behörden. 1952 wurde als Nachfolgeinstitution die „Treuhandverwaltung von Kulturgut“ gegründet, die bis 1962 bestand. Ein Restbestand an nicht restituierten Kunstwerken aus dem Bestand des CCP, deren Provenienzen bisher keinen verfolgungsbedingten Hintergrund haben erkennen lassen, befindet sich in der Obhut des Bundesverwaltungsamts.</p><p>Restitutionen aus der amerikanischen Besatzungszone an die Staaten im Einflussbereich der Sowjetunion unterlagen Spannungen, die sich aus dem einsetzenden Kalten Krieg ergaben. Im Osten wie im Westen kam den Fragen nach der Restitution von Kunst und Kulturgütern politische Relevanz von hoher Symbolkraft zu.</p><p>Mit Ausstellungen zeitgenössischer deutscher Kunst spielten der Collecting Point und das 1948 im ehemaligen „Führerbau“ eingerichtete „US Information Center“ für den Wiederaufbau der Münchner Kunst- und Kulturszene eine wichtige Rolle. Heute wird der ehemalige „Verwaltungsbau der NSDAP“ durch verschiedene Kulturinstitute genutzt. Zu ihnen gehört das 1947 hier gegründete Zentralinstitut für Kunstgeschichte als außeruniversitäres kunsthistorisches Forschungsinstitut. Einer der Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit ist die Provenienzforschung, zu der sich die öffentlichen Institutionen in der Bundesrepublik Deutschland mit der Unterzeichnung der „Washington Principles“ 1998 verpflichtet haben. Noch immer ist man weit davon entfernt, den Kunstraub und die Kunstverluste während des Nationalsozialismus und während des Zweiten Weltkriegs im ganzen Ausmaß abschätzen zu können.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/27">Für mehr (einschließlich 14 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2022-06-07T14:25:35+02:00</published>
    <updated>2025-06-26T17:09:37+02:00</updated>
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      <name>Iris Lauterbach</name>
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