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    <title type="html"><![CDATA[Unter der Ichoschule in Giesing: Die Entdeckung der ersten Siedler des heutigen Giesing]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Die Anfänge eines Dorfes, das zum Herzen der bayerischen Landeshauptstadt werden sollte, und ein bajuwarischer Friedhof, der von 1400 Jahren Siedlungsgeschichte erzählt.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/efca700a502d35fb56fd677775f579ac.jpg" alt="Bau der Ichoschule, ca. 1915" /><br/><p>Giesing wurde, wie viele andere Stadtteile Münchens, als eigenständiges Dorf gegründet. Wie einige dieser ehemaligen Dörfer reichen seine Wurzeln einige hundert Jahre weiter zurück als die der Landeshauptstadt.
Auf dem Gebiet des heutigen Giesing lagen vermutlich im 6. und 7. Jahrhundert n. Chr. vier kleinere bajuwarische Siedlungen entlang der Tegernseer Landstraße und der Regerstraße. Darauf deuten verschiedene Friedhöfe hin, die in der Nähe der jeweiligen Siedlungen gelegen haben müssen. Der größte Friedhof befand sich im Bereich der heutigen Ichoschule und damit in der Nähe der alten Dorfkirche, die zu Beginn des 14. Jahrhunderts durch die nach Norden verlegte Heilig-Kreuz-Kirche ersetzt wurde. Die Nähe des Friedhofs zur alten Dorfkirche deutet auf eine lange Siedlungskontinuität im Bereich von Giesing hin, deren Beginn mit den ältesten Gräbern aus dem späten 6. Jahrhundert gefasst werden kann. Der Bestattungsplatz im Bereich der Ichoschule ist ein typisches Reihengräberfeld. So werden Friedhöfe des 5. bis 7. Jahrhunderts n. Chr. bezeichnet, auf denen die Toten mit dem Kopf nach Westen in parallelen Reihen bestattet wurden, ähnlich wie auf unseren heutigen Friedhöfen. Im 6./7. Jahrhundert n. Chr. wurden die Toten jedoch reich mit Grabbeigaben ausgestattet.
Auf dem Friedhofsgelände im Dreieck zwischen Tegernseer Landstraße, Silberhornstraße und Ichostraße wurden 1898 an der Ostseite drei Häuser errichtet. Schon damals wurden ca. 50 Gräber entdeckt, die jedoch nicht in die Fundberichte aufgenommen und unwiederbringlich zerstört wurden. Lediglich einige Waffen und Schmuckstücke konnten aus dem Erdreich im Bereich der verschwundenen Gräber geborgen werden. Nachdem die Fundstelle bekannt war, wurden 1914 im Vorgriff auf den Bau der Ichoschule auf dem Gelände Forschungsgrabungen durchgeführt, die weitere 253 Bestattungen zu Tage brachten. Man schätzt, dass sich ursprünglich insgesamt etwa 320 Gräber auf dem Gelände befanden. Obwohl nicht bei allen Verstorbenen das Geschlecht durch anthropologische Untersuchungen oder geschlechtsspezifische Beigaben festgestellt werden konnte, ist davon auszugehen, dass etwa gleich viele Männer wie Frauen bestattet wurden. Der Anteil der Kinder ist mit 59 Bestattungen – entsprechend den damaligen Lebensumständen – sehr hoch. Nur in Ausnahmefällen fanden sich Reste von Holzsärgen, doch ist davon auszugehen, dass die Verstorbenen in der Regel in einem solchen bestattet wurden. Den meisten Toten wurden von ihren Angehörigen mehr oder weniger reiche Grabbeigaben mitgegeben.
Charakteristisch für Männergräber sind Waffenbeigaben wie Sax (einschneidiges Schwert), Spatha (zweischneidiges Schwert), Lanze, Schild, Pfeil und Bogen, aber auch kunstvoll verzierte Gürtel. Frauengräber sind dagegen durch Schmuck wie Ohrringe, Perlenketten, Ziernadeln für die Haartracht und Fibeln, die das Gewand zusammenhielten, gekennzeichnet. Auch Frauen besaßen Gürtel, die jedoch nicht so reich verziert waren wie die der Männer. An einigen waren Messer oder Schmuckstücke befestigt. Messer und Kämme wurden sowohl in Männer- als auch in Frauengräbern gefunden. Etwa ein Viertel der Gräber wurde kurz nach der Bestattung wieder geöffnet und ein Teil der Beigaben wieder entwendet. Die Hintergründe sind vielfältig, in vielen Fällen stehen die Angehörigen tatsächlich unter dringendem Tatverdacht.
Etwa ein Drittel der Gräber enthielt keinerlei Beigaben. Interessanterweise handelt es sich dabei um die jüngsten Gräber aus der Zeit um 700 n. Chr., die einen Zeitpunkt zu markieren scheinen, an dem die Beigabentradition aus bisher ungeklärten Gründen aufgegeben wurde. Obwohl dieser Ort bereits viel über seine Anfänge und die ersten Bewohner Giesings verraten hat, warten noch viele Geschichten im Boden Münchens darauf, entdeckt und erzählt zu werden.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/172">Für mehr (einschließlich 9 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2024-08-29T13:51:25+02:00</published>
    <updated>2025-06-26T16:44:09+02:00</updated>
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      <name>Anna Enzensberger&amp;#32;&amp;amp;&amp;#32;Brigitte Haas-Gebhard</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Das baiuvarische Reihengräberfeld von Aubing: Die ersten Baiuvaren und die früheste Kirche im Münchner Stadtgebiet?]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Bereits 1938 konnten in Aubing (Stadtkreis München) zahlreiche Gräber aus dem frühen Mittelalter archäologisch untersucht werden. In den 1960er Jahren gelang der Brückenschlag zu den zuvor nicht erschlossenen Teilen dieses großen Friedhofs des 5. bis 7. Jahrhunderts n. Chr. So wurde im Münchner Westen ein baiuvarischer Bestattungsplatz annähernd vollständig untersucht, was in dieser Größenordnung bisher einzigartig für Bayern ist. Die Grabfunde und weitere Beobachtungen beleuchten schlaglichtartig den Übergang von Römern zu den frühen Baiuvaren und erlauben Rückschlüsse auf die wachsende Bedeutung des Christentums in dieser Zeit.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/46dfdb707e0e92dad5321ca1022e4c46.jpg" alt="Ausgrabung des Reihengräberfelds in Aubing, 1938" /><br/><p>Eine archäologische Sensation! 1938 wurde in Aubing beim Abbau von Schotter für den Gleisbau eines neu geplanten Verschiebebahnhofs ein baiuvarischer Friedhof entdeckt. Aufmerksame Arbeiter bemerkten menschliche Überreste und Grabbeigaben und informierten das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, das unverzüglich tätig wurde. Innerhalb von nur zwei Monaten wurden damals 358 Bestattungen untersucht. Die meisten waren im 6. Jahrhundert angelegt worden. Einige reichen aber auch in die 2. Hälfte des 5. Jahrhunderts zurück, die Zeit kurz nach dem Ende der römischen Herrschaft. Der Zweite Weltkrieg beendete dann alle weiteren Grabungsvorhaben.
Erst ab 1961 kam es unter der Leitung der Archäologischen Staatssammlung zu erneuten Ausgrabungen mit dem Ziel, die gesamte Fläche des Friedhofs zu erfassen. Bis 1963 wurden weitere 477 Gräber entdeckt. Besonders wichtig war hierbei die Suche nach dem Anschluss an die Grabungsgrenze von 1938. Die Ausmachung der ehemaligen Randbereiche des Friedhofs zeigte den Archäolog:innen, dass sie das anvisierte Ziel der vollständigen Untersuchung eines baiuvarischen Friedhofs erreicht hatten.
Die Fundstelle der frühmittelalterlichen Begräbnisstätte von Aubing liegt im westlichsten Teil der Münchner Schotterebene, ungefähr 12 Kilometer vom heutigen Stadtzentrum entfernt. Vorrangig dürfte der wichtige Verkehrsweg des Würmtals für die frühmittelalterliche Bevölkerung eine entscheidende Bedeutung bei der Platzwahl zur Errichtung ihrer Dörfer und Höfe gehabt haben. Diese Dörfer wurden im frühen Mittelalter aus Holz gebaut, sind deshalb nicht erhalten und für Archäolog:innen oft nur schwer zu finden. Sie werden deshalb meistens nur indirekt durch die dazugehörigen charakteristischen Friedhöfe angezeigt. Im frühen Mittelalter war es üblich, die Gräber gleichmäßig ausgerichtet in langen Reihen anzulegen. Deshalb werden diese Friedhöfe, die unseren heutigen ähneln, auch als „Reihengräberfelder“ bezeichnet. Einer dieser Begräbnisplätze war also in Aubing gefunden worden.
Aber was konnten die Wissenschaftler:innen dort konkret feststellen? Zum einen, dass die Belegung des Reihengräberfeldes offenbar von Norden, wo die älteren Bestattungen angetroffen wurden, in Richtung Süden erfolgt war. Innerhalb von mehr als 200 Jahren erreichte der Bestattungsplatz somit Ausmaße von circa 120 × 55 Metern. Besonders auffällig war, dass die Menschen, die den Friedhof anlegten, sich bei der Ausrichtung an einem römerzeitlichen Graben orientierten. Dieser war im Frühmittelalter offenbar noch sichtbar und bildete immer die westliche Begrenzung.
Die Verstorbenen in den 862 Gräbern wurden zumeist in Rückenlage und mit dem Kopf im Osten beigesetzt. Abweichungen kommen vor, sind aber selten. Die bis ins 8. Jahrhundert noch üblichen Grabbeigaben bestehen bei den Männern besonders aus ihren Waffen und verzierten Gürteln. Frauen wurden vor allem ihr Schmuck und ihre oft kunstvoll gefertigten Gewandverschlüsse (Fibeln) mit ins Grab gelegt. Dinge, die den Verstorbenen im Leben sicher wichtig waren. Diese oft sehr wertvollen Gegenstände lockten Grabräuber an, was in Aubing durch eine „Zerwühlung“ der Skelette und sogar das verlorene Werkzeug eines Plünderers angezeigt wurde.
Als Besonderheit dürfen die festgestellten Spuren von Grabeinfassungen oder Überbauten gelten. Der an der östlichen Grenze des Gräberfeldes nachgewiesene Grundriss eines kleinen Holzgebäudes nimmt Bezug auf die Ausrichtung der Gräber und kann eventuell als sehr frühe christliche Kapelle oder Kirche angesehen werden. Sollte diese Theorie sich bestätigen, wäre das Friedhofsgebäude mit einer mutmaßlichen Erbauung um 700 die früheste Kirche im Münchner Stadtgebiet.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/156">Für mehr (einschließlich 11 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2024-05-28T17:49:44+02:00</published>
    <updated>2024-06-20T14:22:01+02:00</updated>
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      <name>Brigitte Haas-Gebhard &amp;#32;&amp;amp;&amp;#32;Tobias Heuwinkel</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Das baiuvarische Grab im Stadion an der Grünwalder Straße:  ]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Fans der „Löwen“, wie der TSV 1860 München auch genannt wird, fiebern auf unvergleichliche Weise mit Leidenschaft und Leidensfähigkeit bei den Fußballspielen ihrer Mannschaft mit. Ein trockenes Aktenstudium zeigt: Ihr Heimstadion an der Grünwalder Straße steht auf einem geschichtsträchtigen Boden.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/187cb6ed4437153007176c6a815024bb.jpg" alt="Innenansicht des Stadions, 2019" /><br/><p>Der Vermerk in den Inventarblättern der Archäologischen Staatssammlung wirkt auf den ersten Blick recht unspektakulär. Die Rede ist lediglich von einer „grauen Gefäßwandscherbe aus glimmerhaltigem Ton“. Auch die Fundumstände scheinen nicht wirklich sensationell: Die Scherbe wurde anlässlich der „Nachschau an der Fundstelle eines beigabenlosen Grabes Ecke Harlachinger- und Volckmerstraße“ im Jahre 1955 aufgelesen, wie es in trockener Fachsprache heißt. Vertieft man sich in die alten Akten, zeigt sich, dass 1955 bei Erdarbeiten dort zufällig ein ganzes Grab entdeckt worden war. Das Skelett lag in Rückenlage in einer Erdgrube, die gestreckten Arme seitlich anliegend mit dem Kopf im Westen, alles typisch für die Zeit des 5. – 8. Jahrhunderts n. Chr. Auch die Scherbe kann diesem Zeitraum zugeordnet werden, so dass schnell klar wird: Bei dem Grab muss es sich um das eines Baiuvaren oder einer Baiuvarin handeln. Der Fundort wird in einer alten Notiz genauer beschrieben, nämlich als „Südwestecke des Sportplatzes an der Grünwalder Straße“. </p><p>Wer aufmerksam liest, ahnt es schon: Bei diesem „Sportplatz“ handelt es sich um das legendäre Fußballstadion an der Grünwalder Straße. In München wird es das Grünwalder Stadion oder einfach das Sechzger-Stadion genannt, auch wenn es gar nicht in Grünwald liegt, und dort durchaus auch andere Fußballvereine ihre Spiele bestreiten. Der Fundort, die Südwestecke, gehört heute allerdings zur legendären Löwen-Westkurve, in der sich die eingefleischten Fans des TSV 1860 sammeln. 1955 gab es dort tatsächlich Baumaßnahmen zur Errichtung einer Beleuchtungsanlage für sogenannte „Nachtspiele“, die Vorläufer der heute genutzten Flutlichtanlagen. In Zusammenhang mit diesen Arbeiten war offenbar ein Grab entdeckt und gemeldet worden. Nachuntersuchungen hatten dann immerhin eine Scherbe gerettet, weitere Beigaben wurden nicht gefunden. </p><p>Das ist recht ungewöhnlich, denn eigentlich waren die Gräber von Baiuvar:innen mit zahlreichen Beigaben ausgestattet. Genau genommen mit all dem, was man für ein Leben nach dem Tod für notwendig hielt. Die Frauen bekamen ihren Schmuck mit ins Grab, die Männer ihre Waffen. Beiden stellte man auch ab und zu ein Gefäß aus Holz oder Ton mit ins Grab, in dem sich eine „Brotzeit“ für den Weg ins Jenseits befunden haben könnte. Von eben solch einem Behältnis stammt die unscheinbare graue Tonscherbe! Einzelgräber gab es bei den Baiuvar:innen aber eigentlich nicht, man bestattete auf Friedhöfen, die unseren heutigen schon relativ ähnlich waren. Diese Friedhöfe waren recht groß und konnten über 1000 Gräber umfassen. Aus dem Münchner Stadtgebiet kennen wir zahlreiche solche Friedhöfe, zum Beispiel in Aubing, Feldmoching, Sendling, Untermenzing oder auch in Obergiesing, im Bereich der heutigen Icho-Schule. Weitere Skelettfunde direkt im Umfeld des Sechzger-Stadions sind aber nicht entdeckt worden. Vermutlich wurden sie vor langer Zeit bei Bauarbeiten (unbemerkt) zerstört. Leider wurde auch das 1955 geborgene Skelett nicht verwahrt. So bleibt von der baiuvarischen Vergangenheit des Sechzger-Stadions am Ende nur eine kleine Scherbe. </p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/86">Für mehr (einschließlich 6 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2023-06-01T15:31:20+02:00</published>
    <updated>2024-04-18T12:42:38+02:00</updated>
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      <name>Brigitte Haas-Gebhard</name>
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