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    <title type="html"><![CDATA[Die Kunst- und Antiquitätenhandlung Siegfried Lämmle:  ]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>1933 würdigten die Münchner Neueste Nachrichten den jüdischen Kunsthändler Siegfried Lämmle zu seinem 70. Geburtstag als „Mitglied zahlreicher kultureller Vereine und Ehrenmitglied des Münchner Altertums-Vereins, in dem sein Urteil an den Fachabenden sehr geschätzt ist. Mit seinem Geschmack verband er stets eine glückliche Hand und konnte auch einer Anzahl von Museen wertvolle Erwerbungen vermitteln.“ Im selben Jahr markierte die nationalsozialistische Machtübernahme den Beginn der systematischen Entrechtung der jüdischen Bevölkerung – ein Prozess, der auch die Familie Lämmle traf und 1938 in ihrer Emigration in die USA mündete.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/f6f84d8f231b19ecb01889b5882f1f18.jpg" alt="Ansicht des Almeida-Palais mit der Kunsthandlung Siegfried Lämmle" /><br/><p>Der in Laupheim geborene Siegfried Lämmle (1863–1953) eröffnete 1894 in München seine erste Kunsthandlung in der Barerstraße 8. Im Laufe der Jahre etablierte er sich in der bayerischen Hauptstadt als angesehener Kunsthändler und Sammler, der sich auf Antiquitäten, Grafik und mittelalterliche Skulptur spezialisierte. Die Kunsthandlung wechselte mehrfach den Standort. Sie wurde 1897 zunächst in die Karlstraße 8 verlegt und dort ein Jahr später offiziell beim Landgericht München angemeldet. 1903 folgte der Umzug an den Maximiliansplatz, ab 1906 war sie in direkter Nachbarschaft zur renommierten Galerie Heinemann am Lenbachplatz 6 ansässig. Die Etablierung Lämmles als eine der angesehensten Adressen des Münchner Kunsthandels zeigte sich aber vor allem in der Verlegung der Firma in die Räumlichkeiten des repräsentativen Almeida-Palais in der Brienner Straße 51 (heute 14). Das Almeida-Palais war um 1825 nach Plänen des deutsch-französischen Architekten Jean-Baptiste Métivier (1781–1857) als elegantes Wohnhaus errichtet worden. Métivier soll dieses Bauvorhaben selbst finanziert haben, in der Hoffnung, das Palais nach dessen Fertigstellung gewinnbringend verkaufen zu können. Es wurde schließlich von Prinz Karl V erworben, als Geschenk für seine Frau Baronin Sophie Bayrstorff. Das Ehepaar überließ seinen Besitz der gemeinsamen Tochter und ihrem Schwiegersohn, Gräfin und Graf d’Almeida. Im Jahr 1921 wurde das Palais nach den Plänen des Architekten Otto Prollius (Lebensdaten unbekannt) umgestaltet: Vorder- und Rückgebäude wurden durch Seitenflügel verbunden, und das Gebäude sollte fortan Büro- und Geschäftszwecken dienen. Ursprünglich war geplant, die Fensterfronten zu Schaufenstern umzubauen, um der kurz darauf dort ansässigen Kunsthandlung Siegfried Lämmle mehr Sichtbarkeit zu verleihen. Auf Intervention des Architekten Theodor Fischer (1862–1938) im Namen der Münchner Kunstkommission blieb das äußere Erscheinungsbild des klassizistischen Gebäudes jedoch unverändert. Während des Nationalsozialismus wurde die Familie Lämmle als jüdisch verfolgt und Siegfried und dessen Sohn Walter, der 1928 in das väterliche Unternehmen eingestiegen war, im August 1935 aus der Reichskammer der bildenden Künste ausgeschlossen. Dies kam einem Berufsverbot gleich, sodass sie gezwungen waren, ihre Kunsthandlung zu liquidieren. Sowohl der Warenbestand als auch Objekte aus der Privatsammlung wurden in der Folge teils unter Zwang verkauft, teils beschlagnahmt. Im Juni 1937 wurde der Restbestand der Kunsthandlung in die Ottostraße 5 verlagert, Ende 1938 emigrierte die Familie Lämmle in die Vereinigten Staaten. Im Mai 1939 wurde Siegfried, Betty und Walter Lämmle die deutsche Staatsbürgerschaft abgesprochen. Gleichzeitig fiel ihr in Deutschland verbliebenes Vermögen dem „Deutschen Reich“ zu. Im Rahmen der sogenannten „Sicherstellung von Kulturgut aus jüdischem Besitz“ beschlagnahmte die Gestapo das bei der Münchner Spedition A. Frank & Söhne eingelagerte Umzugsgut der Familie. Es wurde an das Bayerische Nationalmuseum überstellt und von dort aus teils an Museen, teils über den Kunsthandel weiterveräußert. Zu den Hauptprofiteuren dieser Enteignung gehörte der Kunsthändler Adolf Weinmüller, der im Auftrag der Gestapo auch Objekte aus dem Besitz der Familie Lämmle versteigerte. Der Erlös dieser Auktionen wurde auf ein Sperrkonto eingezahlt, auf das die Familie keinen Zugriff hatte. Nach ihrer Emigration gründeten Siegfried und Walter Lämmle 1940 in Los Angeles eine neue Kunsthandlung unter dem Namen <i>Siegfried Laemmle, Inc. Antiques</i>. An die Erfolge der Münchner Jahre konnte das Unternehmen jedoch nicht mehr anknüpfen. 1993 wurde die Firma endgültig geschlossen.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/279">Für mehr (einschließlich 8 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-10-22T10:00:10+02:00</published>
    <updated>2026-07-30T12:07:01+02:00</updated>
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      <name>Lena Schneider</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Die Seestraße 8: Das Wohnhaus des Kunsthändlers Max Michels]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Das denkmalgeschützte Jugendstilgebäude wurde nach Plänen von Paul Böhmer für Adelheid Furtwängler (1863–1944), die Witwe des bekannten Archäologen Adolf Furtwängler (1853–1907) errichtet. Nach dem Tod Ihres Mannes verkaufte sie das gemeinsame Haus in der Maria-Josepha-Straße 8 an den amerikanischen Bankier, Philanthropen und Kunstsammler James Loeb (1867–1933). Von dem Verkaufserlös ließ sie sich das Haus in der Seestraße 8 erbauen. 1925 bis 1942 bewohnten der Kunsthändler Max Michels und seine Frau Anna das Gebäude in der Seestraße 8.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/93dbed8b16f5b529b68019d51abb0309.jpg" alt="Gebäude in der Seestraße 8" /><br/><p>Max Michels, der 1880 in Maldewin in Pommern, nordöstlich von Stettin, geboren wurde, verließ als junger Erwachsener sein Heimatdorf und zog nach Berlin. Dort arbeitete er im Kaufhaus Hermann Tietz in der Leipziger Straße, welches das erste große Kaufhaus des Unternehmens in Berlin war. 1912 zog er nach München. Dort lernte er seine zukünftige Frau Anna kennen, die in der Münchner Kunstszene verkehrte. 1914, kurz bevor Max in den Ersten Weltkrieg einberufen wurde, heiratete das Paar. Im Ersten Weltkrieg diente Max Michels in Belgien und Frankreich dem Bayerischen Infanterie-Bataillon als Hauptmann. 1916 wurde er schwer verwundet und als Invalide nach Bayern zurückgesandt. Für seinen Dienst im Ersten Weltkrieg erhielt er mehrere Auszeichnungen. Nach dem Krieg gründeten Max und Anna Michels die Kunstgalerie Max Michels am Karolinenplatz 6. Später kauften sie die Galerie Georg Stuffler am Maximiliansplatz, die unter anderem mit Werken von Franz von Stuck und Franz Defregger handelte. Stuck portraitierte Anna Michels und Defregger wurde Patenonkel des Sohnes der Familie Michels, der 1919 auf die Welt kam. Teilbestände der erfolgreichen Kunsthandlung wurden 1931 bei Hugo Helbing versteigert. Aufgrund der antisemitischen NS-Weltanschauung überschrieb der als Jude verfolgte Max Michels die Galerie 1936 zwar an seine Frau, die nicht als Jüdin galt, doch 1938 musste diese „Mischehe“ aufgelöst werden. Max Michels zog aus dem Haus in der Seestraße zu seiner Schwester; 1942 wurden beide in das Ghetto Theresienstadt deportiert. 1944 wurde Max Michels nach Auschwitz verschleppt und dort am 18. Oktober ermordet. Anna Michels lebte, gemeinsam mit ihrem neuen Mann, bis 1954 im Haus in der Seestraße 8 und starb 1958. Am 18. November 2018 wurde für Max Michels auf dem Grundstück vor dem Haus Seestraße 8 ein Stolperstein verlegt.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/206">Für mehr (einschließlich 6 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-02-12T13:05:08+01:00</published>
    <updated>2026-08-06T13:38:47+02:00</updated>
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    <title type="html"><![CDATA[Der Kunstsalon J. Littauer / Theodor Heller vorm. J. Littauer: Eine Königlich Bayerische Buch- und Kunsthandlung als Wegbereiter der Moderne in München]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Obwohl im Kunstsalon Littauer am Odeonsplatz vornehmlich der konservative Kunstgeschmack des bayerischen Adels bedient wurde, nahm die Galerie mit Ausstellungen junger moderner Künstler teilweise auch eine progressive Rolle ein. Während des Nationalsozialismus wurde die Buch- und Kunsthandlung 1936 durch Theodor Heller „arisiert“.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/91de3ff3033b2ad871f374007eb34399.jpg" alt="Kunsthandlung Theodor Heller am Odeonsplatz (vormals Kunstsalon J. Littauer), um 1939" /><br/><p>Als einer der ersten Galeristen Münchens gründete Jakob Littauer im Jahr 1883 die Königlich Bayerische Buch- und Kunsthandlung, die mit acht Ausstellungsräumen am Odeonsplatz 2 mitten im Herzen Münchens residierte. Hier kaufte der bayerische Adel seine Jagd- und Genrebilder, die als Werke von Münchner Malern um Franz von Lenbach und Franz Defregger das Angebot bestimmten. Mit diesem Schwerpunkt gehörte der Kunstsalon nicht zu den progressiven Akteuren, trotzdem zeichnete ihn eine gewisse Vorreiterrolle aus, indem man sich schon sehr früh für künstlerische Positionen engagierte, die sich erst viel später durchsetzen sollten. So war, als sich der zu diesem Zeitpunkt noch relativ unbekannte Paul Gauguin Mitte der 1890er Jahre eine Ausstellung seiner Werke in München wünschte, einzig und allein Jakob Littauer bereit, sich einige Bilder senden zu lassen und sie in seiner Galerie auszustellen. Der Maler Hermann Schlittgen kritisierte in seinen Erinnerungen zwar, dass die Ausstellung eher wie ein gewöhnliches Ladengeschäft wirkte, ohne günstige Lichtverhältnisse und zu beengt für große Formate, dennoch war die Kunsthandlung eine Attraktion. So berichtete die Schriftstellerin Marie Mauthner über ihre sonntäglichen Besuche 1892 am Odeonsplatz, dass das Publikum während der Militärmusik-Konzerte vor der Feldherrnhalle die neudekorierten Schaufenster der nahegelegenen Littauer’schen Kunsthandlung begierig in Augenschein nahm. Thomas Mann beschreibt in seiner Novelle „Gladius Dei“ von 1902 genau eine solche Szene vor einer Kunsthandlung am Odeonsplatz; in seinem Text ist es das Geschäft des Kunsthändlers Blüthenzweig, mit dem Thomas Mann dem Kunstsalon Littauer ein unschwer zu erkennendes literarisches Denkmal gesetzt hat. Durchaus also für modernere Tendenzen zugänglich wurden bereits 1896 Jugendstil-Stickereien von Hermann Obrist präsentiert, weiter fand im selben Jahr eine der frühesten Ausstellungen von Anders Zorn in Deutschland statt. Werke von Felix Valloton und Otto Eckmann waren bereits vor der Jahrhundertwende Teil des Angebots, ebenso Zeichnungen von Gustav Klimt (ab 1910) und auch Arbeiten des frühen Protagonisten der Abstraktion und des Wegbereiters der Moderne, Adolf Hölzel, wurden im Jahr 1900 ausgestellt. Darüber hinaus war der Kunstsalon Littauer die erste Kunsthandlung in Deutschland, deren Portfolio über Gemälde, Bronzen und Original-Graphik hinausging und künstlerische Wiedergaben jeder Art ins Programm aufnahm: Frühzeitig wurden beispielsweise Kunstphotographien von Wilhelm Plüschow sowie moderne Plakate – etwa von Alfons Walde – angeboten. 1903 organisierte Jakob Littauer die Graphik-Ausstellung von Edvard Munch in der Münchner Secession. Der Kunsthändler und -sammler Albert Kollmann allerdings schrieb 1912 an seinen Freund Munch, Littauer verstünde rein gar nichts von großer Kunst und trüge wenig zum erfolgreichen Vertrieb von Munchs Gravuren bei, er könne aus seinem Kommissions-Depot nur gelegentlich ein Blatt verkaufen, wenn jemand kommt, der explizit danach verlangt. Nach dem Tod Jakob Littauers Ende des Jahres 1921 führte seine Frau Gertrud die Galerie fort. Zum Jahreswechsel 1936 „arisierte“ Theodor Heller den Kunstsalon, der fortan unter dem Namen „Theodor Heller vorm. J. Littauer“ firmierte und wenig später in „Kunsthandlung Theodor Heller am Odeonsplatz“ umbenannt wurde. Ausstellungen im Jahr 1937 zeigten Werke von Hans Gött, Willi Geiger, Georg Schrimpf, Franz Lenk sowie acht jüngere Münchner Maler. Während der Kriegsjahre 1939 bis 1942 wurden in umfangreichen Werbeanzeigen nicht nur Gemälde moderner Künstler, Holzschnitte, Lithographien und Radierungen, Reproduktionen alter und neuer Kunst, Kunstbücher und -zeitschriften sowie Kunstgewerbe angeboten, sondern darüber hinaus auch Bilderrahmen aus eigener Werkstätte. In der Nachkriegszeit bezog Theodor Heller Geschäftsräume am Salvatorplatz 3 und stellte Künstler wie Edgar Ehses, HAP Grieshaber, Josef Hegenbarth, Rudolf Kugler, Franz Lenk, Rolf Müller-Landau, Otto Pankok, Albert Schäfer-Ast und Conrad Westphal aus.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/99">Für mehr (einschließlich 2 Bilder&#32;&amp;&#32;1 Audiodatei) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2023-07-21T12:22:24+02:00</published>
    <updated>2026-08-05T14:21:46+02:00</updated>
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      <name>Edda Bruckner</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Die Galerie Heinemann: Münchener Kunsthandlung und Ausstellungshaus mit internationaler Strahlkraft]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Ein Höhepunkt in der Geschichte der Galerie Heinemann war die Fertigstellung ihres imposanten Galeriegebäudes im Jahre 1904. Für Entwurf und Ausführung hatte die Kunsthändlerfamilie den renommierten Architekten Emanuel von Seidl (1856–1919) gewonnen. Mit dem noch am Lenbachplatz bestehenden Gebäude – bei dem heute allerdings nichts mehr an seine ursprüngliche Funktion erinnert – schuf er sowohl in den Dimensionen als auch durch die zweckmäßige Ausstattung einen der bedeutendsten Kunststandorte im damaligen München. Neben dem Handel mit Gemälden machte sich Heinemann auch als Ausstellungshaus einen weitreichenden Namen.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/2f342dfa30ce9bfbb83f6dfe0433b9ba.jpg" alt="Wohn- und Geschäftshaus der Galerie Heinemann, um 1910" /><br/><p>1872 von David Heinemann (1819–1902) gegründet, zählte die Galerie Heinemann bis zu ihrer 1938 erfolgten „Arisierung“ zu den bedeutendsten Kunsthandlungen Deutschlands. Der Münchener Hauptsitz der Kunsthandlung befand sich ursprünglich am Promenadeplatz, später wurde er in die Prinzregentenstraße 2 verlegt – bis zum Umzug in das eigene repräsentative Palais ins renommierte Galerienviertel Münchens. Damit begann die Blütezeit der Kunsthandlung, die auch Dependancen in Frankfurt am Main, Nizza und New York unterhielt. Mit dem neuen Firmensitz konnte Heinemann seine internationale Klientel, die von Tokio bis Seattle reichte, noch besser bedienen. Denn ausländische Kundschaft war eine Hauptzielgruppe, vor allem aus Amerika. Gehandelt wurde vorrangig mit deutscher Kunst des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, insbesondere mit der sogenannten „Münchner Schule“. Im Zeitraum von 1890 bis 1939 registrierten die Karteien und Geschäftsbücher des Unternehmens, die heute im Deutschen Kunstarchiv in Nürnberg verwahrt werden, insgesamt rund 43.000 Gemälde. Doch nicht nur der reine Verkauf stand im Vordergrund: Das Gebäude war ebenso eine Kunstgalerie mit einem regen Ausstellungsbetrieb und einer intensiven Katalogproduktion. Zwischen 1880 und 1935 fanden etwa 300 Präsentationen statt, die in 12 Sälen und Kabinetten gezeigt wurden. Diese reichten von kleineren Räumen mit – wie es hieß – „gewöhnlichen“ Verhältnissen und farbiger Wandbespannung bis hin zu imposanten musealen Oberlichtsälen, die zu den größten ihrer Art in der Stadt zählten. Der Ausstellungsbetrieb war das Markenzeichen der Galerie, die auf ein stimmiges Gesamtprogramm, die Erstellung von kunsthistorischen Konzepten durch spezialisierte Fachleute, die richtige Werkauswahl und eine vorteilhafte Hängung achtete. Schon 1904 – also erstaunlich früh – liest man von regelrecht kuratierten Ausstellungen. Die Galerie fungierte also nicht nur als Ort des Kunsthandels, sondern erhob zugleich einen programmatischen Anspruch. Kein Wunder, dass die Presse die Galerie Heinemann in einem Atemzuge mit den Münchener Museen, dem Kunstverein, dem Glaspalast oder der Secession erwähnte. Die florierende Galerie war ein familiär geführtes Unternehmen: 1890 übernahmen die Söhne des Gründers David Heinemann die Galerie. Hermann (1857–1920) und Theobald (1860–1929) leiteten die Münchener Geschäfte, der älteste Bruder Theodor (1855–1933) stand bis 1914 der New Yorker Dependance vor. Nach dem Tod Theobalds 1929 führte seine Witwe Franziska Heinemann (1882–1940) gemeinsam mit ihrem Sohn Fritz (1905–1983) die Geschäfte. Bereits im Januar 1938 war letzterer aus dem elterlichen Kunsthandel ausgeschieden und im Mai desselben Jahres in die Schweiz emigriert. Seine Mutter Franziska reiste im Februar 1939 in die USA aus, wo sie im November 1940 verstarb. 1938 hatte das nationalsozialistische Regime der „jüdischen“ Galerie ein Ende gesetzt. Sie hatte länger als die meisten der als „jüdisch“ diskriminierten Kunsthandlungen Handel betreiben können, da sie wertvolle Devisen erwirtschaftete. Das Geschäft vieler dieser Galerien war seit 1933 zunehmend beeinträchtigt und erschwert worden; die Eigentümer wurden sukzessive verdrängt, ihr Besitz verfolgungsbedingt entzogen. Die Reichspogromnacht im November 1938 bedeutete schließlich auch das Aus für Heinemann – sie wurde „arisiert“. Die Geschäfte übernahm der langjährige Mitarbeiter Friedrich Heinrich Zinckgraf (1878–1954). Mit der Umbenennung in „Galerie am Lenbachplatz“ im Jahre 1941 war dann auch ihr Name aus dem Stadtbild Münchens verschwunden. Nach dem Krieg konnte Zinckgraf unverändert am Lenbachplatz weiter Handel betreiben. Am 8. Oktober 1954 – nach seinem Tod – wurde schließlich alles versteigert, sowohl die Handelsware als auch das Inventar. Es war das endgültige Ende einer der bedeutendsten Galerien Münchens. Das Gebäude blieb bestehen, doch kein Hinweis erinnert heute mehr an seine Geschichte.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/49">Für mehr (einschließlich 12 Bilder&#32;&amp;&#32;1 Audiodatei) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2022-10-19T12:21:22+02:00</published>
    <updated>2026-08-05T12:36:02+02:00</updated>
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      <name>Birgit Jooss</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Die Kunsthandlung Julius Böhler: Drehscheibe des internationalen Kunsthandels]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Fast über hundert Jahre wurden im Palais Böhler in der Brienner Straße Kunstwerke ausgestellt, verkauft und versteigert. Besucher:innen bewunderten hier Kunstschätze aus aller Welt, Händler:innen feilschten um Preise, Expert:innen rangen um Echtheitsfragen, Museumsleute hielten Ausschau nach Ergänzungen für ihre Sammlungen. Damit war das Palais Böhler ein Zentrum des einst weltberühmten Münchner Kunstmarktes.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/90dab6ef2180c660e834b457ac052dcc.jpg" alt="Wohn- und Geschäftshaus Julius Böhler, ca. 1916/1923" /><br/><p>Nach mehr als zwanzig Jahren waren die in der Sophienstraße 6, direkt gegenüber des Eingang des für die "Kunststadt" so bedeutsamen Glaspalastes gelegenen Räumlichkeiten des Hofantiquars Julius Böhler (1860–1934) zu klein geworden. 1903 erwarb Böhler deshalb ein Anwesen in der damaligen Brienner Straße 12 und beauftragte Gabriel von Seidl (1848–1913), ein repräsentatives Wohn- und Geschäftshaus zu errichten. Die bildnerische Ausschmückung der Fassade verantwortete der Münchner Bildhauer und spätere Akademieprofessor Julius Seidler (1867–1936). 1904 war das wie ein oberitalienischer Palazzo gestaltete Gebäude fertiggestellt. Im Erdgeschoss fanden mehrere Verkaufs- und Ausstellungsräume und ein großer Oberlichtsaal Platz. Der erste Stock war für die umfangreiche Privatsammlung vorgesehen; in den beiden oberen Etagen befand sich je eine geräumige Wohnung für die Familie Böhler.</p><p>Mit dem neuen Standort war Böhler in bester Gesellschaft anderer großer Kunsthandelshäuser, wie L. Bernheimer oder der Galerie Heinemann – Konkurrenz belebte auch schon damals das Geschäft. Mit dem Umzug in die Brienner Straße begann die Blütezeit der Kunsthandlung Böhler. Julius’ ältester Sohn Julius Wilhelm Böhler (1883–1966) trat 1906 als Teilhaber in das Geschäft ein; sein jüngerer Bruder Otto Alfons Böhler (1887–1950) folgte vier Jahre später. Von der Brienner Straße aus forcierten die Brüder die internationale Expansion; Otto Alfons gründete 1910 zusammen mit dem Kunsthändler Fritz Steinmeyer (1880–1959) die Kunsthandlung Böhler und Steinmeyer in New York, Julius Wilhelm initiierte 1919 zusammen mit Fritz Steinmeyer die Gründung der Kunsthandel AG in Luzern.</p><p>In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg zählte die Kunsthandlung Julius Böhler zu den ersten Kunsthandelshäusern in Deutschland. Im Palais Böhler gingen internationale Museumsleute ein und aus, die mithilfe der Böhlers ihre Sammlungen erweiterten und verfeinerten; ebenso Sammler:innen, die ihre Häuser und Wohnungen mit repräsentativen Möbeln, bedeutenden Gemälden oder Plastiken, wertvollen Gobelins, glänzendem Porzellan- oder Silbergeschirr oder exotisch anmutenden Kunstobjekten aus aller Welt ausstatteten.</p><p>Nach dem Einbruch in Folge der Weltwirtschaftskrise erholten sich Umsatz und Gewinn in den 1930er Jahren, auch weil das seit 1928 von Julius Harry Böhler (1907–1979) geleitete Unternehmen – anders als die zahlreichen als „jüdisch“ diskriminierten Kunsthandlungen, die ab 1934 sukzessive verdrängt, enteignet und liquidiert wurden – von der antisemitisch motivierten Umstrukturierung des Kunstmarktes profitierte. Mit vier Auktionen, die Böhler zwischen 1936 und 1938 im großen Oberlichtsaal veranstaltete, weitete die Kunsthandlung zusätzlich ihr Geschäftsfeld aus. </p><p>Trotz der heftigen alliierten Luftangriffe auf die in unmittelbarer Nähe gelegenen Bauten der NSDAP rund um den Karolinen- und Königsplatz wurde das Gebäude nur leicht beschädigt, sodass das Geschäft in der Brienner Straße 12 auch nach Kriegsende fortgeführt werden konnte. 1956 übernahm Julius Gustav Böhler (1929–2010), der Urenkel des Firmengründers, die Kunsthandlung. Unter der Leitung von Florian Eitle-Böhler, seinem Neffen, zog das Unternehmen an den Starnberger See; nach hundert Jahren wurde damit der Stammsitz in der Brienner Straße aufgegeben. Das umfangreiche Archiv der Kunsthandlung ging 1995 an das Bayerische Wirtschaftsarchiv; seitdem stehen der Forschung dort die Lagerbücher und 35 laufende Meter Korrespondenz zur Verfügung. Rund 20 Jahre später verkaufte Eitle-Böhler dem Zentralinstitut für Kunstgeschichte die ca. 30.000 Objektkarteikarten, über 8.000 Fotomappen und die knapp 4.000 Karten umfassende Kund:innenkartei.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/46">Für mehr (einschließlich 11 Bilder&#32;&amp;&#32;1 Audiodatei) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2022-09-26T11:14:38+02:00</published>
    <updated>2026-08-05T12:32:55+02:00</updated>
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      <name>Theresa Sepp</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Das Antiquariat Jacques Rosenthal: Ein „Global Player“ des Buchhandels in der Münchner Maxvorstadt]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/f6eef5fc22d2b4b7137a8b497306bdf1.jpg" alt="Das Wohn- und Geschäftshaus des Antiquariats Jacques Rosenthal, 1915 " /><br/><p>Das imposante Haus in der Brienner Straße 26 (früher 47) wurde 1911 im Auftrag des Münchner Antiquars Jacques Rosenthal (1854–1937) errichtet. Mit diesem Neubau etablierte er sein 1895 gegründetes Antiquariat gezielt im neuen Zentrum des Münchner Kunsthandels. Die Brienner Straße hatte sich in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts zur führenden „Kunst- und Antiquariatsmeile“ entwickelt. Hier waren zahlreiche prominente Kunsthandlungen zu finden, wie die Galerie Caspari, die Kunsthandlung von Siegfried Lämmle, die Kunsthandlung von Julius Böhler, die Galerie Norbert Fischmann, die Ludwigsgalerie sowie die Kunsthandlung der Gebrüder Jordan & Co. Besonders durch seinen umfangreichen Bestand an mittelalterlichen Handschriften und frühen Drucken hatte sich Jacques Rosenthal unter Bücherliebhabern und Kunstsammlern weltweite Bekanntheit erworben. Stolz trug er die Titel eines Preußischen und eines Bayerischen Hoflieferanten. Sein Sohn, der promovierte Kunsthistoriker Dr. Erwin Rosenthal (1889–1981), erweiterte 1920 den geschäftlichen Radius mit der Gründung des Antiquariats L’Art Ancien in Lugano (ab 1929 in Zürich) und einer Kunstgalerie in Berlin (1920–1925). Die nationalsozialistische Machtübernahme und die Umsetzung der antisemitischen Rassenpolitik traf die Familie Rosenthal schwer. So fiel die langgeplante Eröffnung einer hochkarätigen Ausstellung mittelalterlicher Handschriften des britischen Sammlers Chester Beatty am 1. April 1933 mit dem von den Nazis ausgerufenen „Tag des Judenboykotts“ zusammen. Der Enkel von Jacques Rosenthal, Albrecht Rosenthal, erinnerte sich, dass die Eingangstür des Geschäfts an der Brienner Straße durch SA-Wachen versperrt worden war und die Fensterläden geschlossen werden mussten. Die Besucher gelangten nur auf Schleichwegen durch den Hintereingang in die Ausstellungsräume. Kaum zwei Jahre später im März 1935 sah sich Jacques Rosenthal letztlich genötigt, sein „stolzes“ Haus zu verkaufen. Der von ihm geplante Verkauf an die Witwen- und Waisenkasse wurde jedoch durch das Einschreiten der „Deutschen Arbeitsfront“ verhindert. Die DAF beanspruchte das Anwesen für sich und setzte sich im Juli 1935 als Käuferin durch. In unmittelbarer Nähe zum Parteizentrum der NSDAP am Königsplatz war die Immobilie besonders bei den NS-Institutionen sehr begehrt. Das Antiquariat Rosenthal zog in wesentlich bescheidenere Räumlichkeiten in der Konradstraße 16. Fast zeitgleich wurde dem Sohn Dr. Erwin Rosenthal im August 1935 die Mitgliedschaft in der Reichskulturkammer verwehrt. Zudem wurde er aufgefordert, das Antiquariat innerhalb von vier Wochen zu schließen. Erwin Rosenthal protestierte gegen die Maßnahme und wies darauf hin, dass ein Verkauf seines Lagerbestandes von knapp 500.000 Büchern und 4.000 Drucken nicht nur den geschäftlichen Ruin für seine Firma bedeuten würde, sondern die Liquidation des Lagerbestandes auch einen Preisverfall auf dem deutschen Kunstmarkt zur Folge hätte. Auch wenn die Frist für die sofortige Liquidation vorerst ausgesetzt wurde, änderte dies nichts an der Sorge um die geschäftliche Existenz. Im Dezember 1935 zog er die Konsequenz und verkaufte das Antiquariat an den Mitarbeiter Hans Koch. Bereits im März 1936 emigrierte Erwin Rosenthal mit seiner Frau und den Kindern nach Florenz. Seine Eltern Jacques und Emma Rosenthal (1857–1941) zogen in das Hotel Regina am Maximiliansplatz, wo der Antiquar am 5. Oktober 1937 verstarb. Seiner Frau Emma Rosenthal gelang im Dezember 1939, nachdem unter größten Schwierigkeiten die hohen Summen für die „Reichsfluchtsteuer“ und die „Judenvermögensabgabe“ beglichen werden konnten, die Flucht in die Schweiz. Sie verstarb am 24. Juni 1941 in Küssnacht bei Zürich. Kurz zuvor hatten Erwin Rosenthal und seine Frau Margherita Visa für die USA erhalten. Im Jahr 1958 sollte das Paar nach Europa zurückkehren. Sie verbrachten die Jahre bis zu ihrem Tod in Lugano. Die Antiquarsdynastie Rosenthal lebte weiter: Die Söhne Bernhard, Felix und Albrecht Rosenthal führten die Geschäfte in London, Zürich und Berkeley fort.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/44">Für mehr (einschließlich 9 Bilder&#32;&amp;&#32;1 Audiodatei) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2022-09-23T14:42:49+02:00</published>
    <updated>2026-08-05T12:16:27+02:00</updated>
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      <name>Franziska Eschenbach</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Das Kunsthaus Brakl : Ein Operettenstar wird Galerist]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Eine der schönsten Kunstgalerien Deutschlands befand sich von 1913 bis 1930 am Beethovenplatz.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/1df1e5240e3d7641d6187339837d1415.jpg" alt="Brakls Kunsthaus, 1920" /><br/><p>Am 26. Mai 1913 eröffnete das Kunsthaus Brakl. Inhaber war der österreich-ungarische Kunsthändler und vormalige Opernsänger Franz Josef Brakl (1854–1935). Im Jahr 1877 war er vom Intendanten der bayerischen Hoftheater Karl von Perfall (1824–1907) an der Komischen Oper in Wien entdeckt und nach München eingeladen worden. In der Folge feierte Brakl 22 Jahre lang große Erfolge als erster Tenor des Gärtnerplatztheaters und besetzte 1898 für kurze Zeit den Direktorenposten. Doch bereits nach einem Jahr verließ er das Theater. Gemeinsam mit dem berühmten Münchner Schauspieler Konrad Dreher (1859–1944) leitete er weiterhin das 1892 gegründete und bis heute bestehende Schlierseer Bauerntheater, welches auf großen Tourneen im In- und Ausland auftrat. </p><p>Eine zunächst private Leidenschaft Brakls war das Sammeln von Kunst. Am 8. Februar 1878 – dem Tag seines ersten Auftrittes im Gärtnerplatztheater – kaufte Brakl sich wohl bei einem Zigarrenhändler ein erstes „<i>kleines Bildchen</i>“ (Selbstbiographie Franz Josef Brakl in: W[ilhelm] Zilz (Hg.): Geistiges und künstlerisches München in Selbstbiographien, München 1913, S. 35). Dieser Kauf bildete seiner eigenen Legende nach den Anfang einer Kunstsammlung, welche um 1905 aus „<i>hunderten Bronzen und Gemälden</i>“ (Ebd.) bestanden habe. Gemeinsam mit Heinrich Thannhauser (1859–1935) eröffnete er 1905 eine „Moderne Kunsthandlung“. Sie befand sich bis 1913 im Wohnhaus von Brakl in der Goethestraße 64, welches er sich 1896/97 nach Plänen des Münchner Stararchitekten Emanuel von Seidl (1856–1919) hatte erbauen lassen. Im Jahr 1909 schied Thannhauser aus dem Unternehmen aus und eröffnete seine eigene „Moderne Galerie“ im Arco-Palais. </p><p>Brakls Interesse galt in erster Linie der Münchner Künstlerschaft aus dem Kreis der Secession. Besonders angetan hatten es ihm die Arbeiten der Künstlervereinigung „Scholle“, welche gleichgesinnte Illustratoren der Zeitschrift „Jugend“ 1899 gegründet hatten. Zahlreiche Werke der „Scholle“-Mitglieder schmückten die 1910 vollendete Privatvilla Brakls in der Lessingstraße, welche er sich wiederum von Seidl hatte entwerfen lassen. Drei Jahre später schließlich öffnete Brakls Kunsthaus seine Pforten: Das Galeriegebäude – ein eindrucksvoller Jugendstilbau in moderner, reduzierter Formensprache – war erneut ein Entwurf von Seidl. Über eine Loggia war die Galerie direkt mit Brakls Villa verbunden. Sowohl die Architektur als auch die Innenraumgestaltung fanden in der zeitgenössischen Kritik großen Anklang und erinnerten in ihrer Intimität an ein Privatmuseum. Brakls Kunsthaus bestand bis 1930, doch bereits in den 1920er Jahren war es ruhig um die Galerie geworden. Die wirtschaftlichen Krisen dieser Jahre hatten auch Brakl zugesetzt. Verarmt verkaufte er sein gesamtes Anwesen 1930. Kurz darauf wurden die Räume des Kunsthauses durch Theodor Fischer (1862–1938) zu einer medizinischen Fachbibliothek umgebaut, welche bis heute besteht. Brakl behielt das Wohnrecht in seiner Villa bis zu seinem Tod im Jahr 1935. Das in die Fenstergitter eingearbeitete Signet „FJB“ verrät noch heute den ehemaligen Eigentümer dieses malerischen Münchner Baudenkmals.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/40">Für mehr (einschließlich 12 Bilder&#32;&amp;&#32;1 Audiodatei) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2022-09-15T09:25:24+02:00</published>
    <updated>2026-08-05T12:12:15+02:00</updated>
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      <name>Shammua Maria Mohr</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Die „Moderne Galerie“ Thannhauser: Schaufenster der internationalen Moderne in München]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Die „Moderne Galerie“ von Heinrich Thannhauser war eine der ersten Galerien in München, die ausschließlich moderne Kunst ausstellte. Thannhauser gab auch jungen und unbekannten Künstlern eine Chance, indem er ihnen zu Ausstellungen verhalf und sich für den Verkauf ihrer Werke an Museen einsetzte.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/5e57d00682a1bac03f3429d611337c1b.jpg" alt="Das Arco-Palais in der Theatinerstraße 7, 1912" /><br/><p>Im November 1909 eröffnete Heinrich Thannhauser (1859–1934) die „Moderne Galerie“ im Arco-Palais in der Theatinerstraße 7. Das innovative Verkaufskonzept sah vor, dass die Kunstwerke wie in der Wohnung eines Kunstfreundes präsentiert wurden. Die intime Atmosphäre der Galerie beeindruckte auch die Künstler:innen – so bezeichnete Kandinsky sie als die „vielleicht schönsten Ausstellungsräume Münchens“ (zitiert nach Bilsky 2008, S. 13). Während im dritten Obergeschoss des Gebäudes neun Galerieräume modellhaft wie Wohnbereiche eingerichtet waren, lag der größte Raum – ein Oberlichtsaal – im Erdgeschoss des Hauses. Nicht nur Architektur und Ausstattung überzeugten die Münchner Gesellschaft, sondern auch die außergewöhnlichen und aufsehenerregenden Ausstellungen, die von den italienischen Futuristen über Picasso bis zur ersten Ausstellung des Blauen Reiter reichten. Durch diese bahnbrechenden Schauen etablierte Heinrich Thannhauser die internationale Moderne in München. Neben den ausgestellten Werken zogen auch die Werbestrategien des Mäzens viele Besucher:innen an: Er erkannte, dass die breite Masse von „Sensations-Ausstellungen“ angelockt wurde. So zeigte etwa das Plakat der Max Oppenheimer-Ausstellung den Künstler nackt und mit offener Wunde, was die Polizei als „abstoßende Selbstverstümmelung“ kategorisierte und daher verbot. Diese Kontroverse bescherte der Galerie Thannhauser große Aufmerksamkeit und trug erheblich zum Ruf Münchens als "Kunststadt" bei. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs beeinträchtigte vor allem die Ausstellungen vieler internationaler Künstler; auch Ankäufe bei französischen Kunsthändlern entfielen nun. Doch das Familienunternehmen überstand diese Krise: Neben seinem Sohn Justin nahm Heinrich Thannhauser auch seinen Neffen Siegfried Rosengart in das Unternehmen auf. Nach dem Krieg übernahm die jüngere Generation immer mehr die Geschäfte in der Galerie. 1928 verließ die Galerie Thannhauser München, um sich in der Kunstmetropole Berlin niederzulassen.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/33">Für mehr (einschließlich 12 Bilder&#32;&amp;&#32;1 Audiodatei) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2022-08-02T10:45:15+02:00</published>
    <updated>2026-08-05T11:51:40+02:00</updated>
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      <name>Konstanze Schnelzer</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Das Kunst- und Einrichtungshaus L. Bernheimer  : „Unerhörte Kühnheit“ am Lenbachplatz: „eine neue Ära im Münchener Geschäftshausbau“* ]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Der imposante Bau am Lenbachplatz 3 (früher Maximiliansplatz) barg für fast ein Jahrhundert Werk und Wirken des Unternehmens L. Bernheimer. In dem 1890 und 1910 fertiggestellten Wohn- und Geschäftshaus von Friedrich von Thiersch und Martin Dülfer präsentierte sich die Firma als Kunsthandlung und Einrichtungshaus des gehobenen Bürgertums in modernem Ausstellungsgebäude. Mit der stilistischen Abgrenzung der beiden Geschäftsetagen von den darüberliegenden Wohngeschossen wurde es zum „Münchner Prototyp“ (Habel / Hallinger / Weski 2009, S. 458). Der Gebäudekomplex enthielt einst eine eigene Möbelschreinerei, Architekturbüros, ein Fotoatelier, eine Schneiderei und eine Buchdruckereiwerkstatt.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/d770c15c22c209f8ac4bc97bf903e7fd.jpg" alt="Kauf- und Wohnhaus L. Bernheimer, 1890–1893" /><br/><p>Ursprünglich hatte Lehmann Bernheimer (1841–1918) am 10. Mai 1864 an der Ecke Promenadestraße und Salvatorstraße ein Stoffwarengeschäft eröffnet, das bereits nach einigen Jahren in die Kaufingerstraße 16 umsiedelte. Hier wurden nun auch „orientalische“ Teppiche und Ostasiatika angeboten. Die Geschäftsräume sollen gefüllt gewesen sein mit fernöstlichen Schätzen, die sogar als Modelle für die Münchener Künstlerschaft gedient haben sollen. Der Firmengründer ist in den 1880er Jahren zum königlich bayerischen Hoflieferanten und zum ersten königlichen Kommerzienrat ernannt worden. </p><p>Von 1887 bis 1890 ließ Lehmann Bernheimer am Lenbachplatz 3 (früher Maximiliansplatz, an der Stelle des alten ‚Englischen Café‘) ein imposantes Wohn- und Geschäftshaus nach Plänen von Friedrich von Thiersch (1852–1921) und Martin Dülfer (1859–1942) errichten. Das sogenannte Bernheimer-Palais mit Stilelementen der Neorenaissance und des Neobarocks deckte eine Fläche von etwa 1.500 Quadratmetern ab und verlieh München vorbildhaften Großstadtcharakter. Zwischen 1908 bis 1910 folgte wiederum von Friedrich von Thiersch ein Erweiterungsbau, der die Grundstücke Ottostraße 13 bis 15 und Lenbachplatz 3 miteinander verband. Die Neubauten wurden feierlich unter Anwesenheit des Prinzregenten Luitpold eingeweiht. Der Geschäftskomplex beinhaltete eine Möbelschreinerei, Architekturbüros, ein Fotoatelier, eine Schneiderei sowie eine Buchdruckereiwerkstatt, sodass die Firma bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs 115 Mitarbeiter:innen beschäftigte. Das Konzept traf den Zeitgeschmack, indem Kunstwerke und Kulturgüter mit neuangefertigten Einrichtungsgegenständen kombiniert und mit umfassenden handwerklichen Dienstleistungen angeboten wurden. Besonders berühmt waren L. Bernheimers „Musterzimmer“. Mittels einziehbarer Stoffbahnen konnten außerdem verschiedene Raumsituationen individuell angepasst werden und im Gobelinsaal sowie im italienischen Skulpturenhof Objekte in beeindruckendem Ambiente präsentiert werden. Das Deutsche Museum, in dessen Verein Bernheimers sich engagierten, legte besonderen Wert auf deren Expertise. Zu L. Bernheimers prominenten Kunden zählten ferner Mitglieder des Bayerischen und Preußischen Königshauses. Münchner Kunsthändler:innen erwarben hier Ausstattungsstücke für das eigene Geschäft, die Privatwohnung oder ließen Reparaturen und Restaurierungen in den Werkstätten ausführen. 1918 hatten Lehmann Bernheimers Söhne Max (1870–1933), Ernst (1875–1956) und Otto Bernheimer (1877–1960) die Firmenleitung übernommen. Letzterer wurde zum mexikanischen Konsul ernannt.</p><p>1933 setzte die Verfolgung und wirtschaftliche Verdrängung der vom NS-Regime als jüdisch bezeichneten Familie ein. Das Geschäft wurde mit Vertrag vom 16. November 1939 durch die Kameradschaft der Künstler e. V. „arisiert“, als deren Präsident der Gauleiter von München und Oberbayern, Adolf Wagner fungierte, und unter dem Namen „Münchner Kunsthandels-Gesellschaft“ fortgeführt. Nach der Rückerstattung des Unternehmens 1948 widmete sich Otto Bernheimer erneut dem Münchner Geschäft und engagierte sich besonders für den lokalen Kunsthandel. Nach dessen Tod 1960 übernahm zunächst sein Sohn Ludwig Bernheimer die Geschäftsführung, gefolgt von Bruno Taussig und Kurt Behrens. Ab 1977 führte Konrad Otto Bernheimer, Otto Bernheimers Enkel, das Geschäft, bis schließlich im Jahr 1987 die Firma L. Bernheimer aufgelöst wurde. </p><p>* Alexander Heilmeyer: Zum Erweiterungsbau des Geschäftshauses Bernheimer in München, in: Kunst- und Handwerk 61 (1910), Heft 1, S. 1–7, hier S. 1.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/22">Für mehr (einschließlich 14 Bilder&#32;&amp;&#32;1 Audiodatei) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2022-04-04T10:40:22+02:00</published>
    <updated>2026-08-05T11:09:52+02:00</updated>
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      <name>Melida Steinke</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Die Galerie Hugo Helbing: Auktionshaus, Kunstgalerie und Verlag von Weltgeltung 1885–1937  ]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Von 1900 bis 1938 war in München eines der bedeutendsten Auktionshäuser des Kaiserreichs und der Weimarer Republik, die Galerie Hugo Helbing, ansässig.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/ea2f72847409fa3c75a15d79f6fa4b3d.jpg" alt="Galerie Hugo Helbing, 1901" /><br/><p>Von 1900 bis 1938 residierte die Galerie Hugo Helbing im Eckhaus Liebigstraße 21 / Wagmüllerstraße 15. Hugo Helbing (1863–1938) eröffnete 1885 seine erste Kunsthandlung in der Residenzstraße 12. Ab 1887 veranstaltete er Auktionen in stetig steigender Anzahl in München, aber auch in anderen deutschen Städten. 1893 versteigerte Helbing mehrere Nachlässe in Basel und damit erstmals im Ausland. Im Jahr 1900 zog die Galerie Helbing in das von Gabriel von Seidl (1848–1913) errichtete Eckhaus in der Liebigstraße 21. Im Jahr darauf ließ Helbing auf dem angrenzenden Grundstück in der Wagmüllerstraße 15 ein weiteres Gebäude mit einem repräsentativen Oberlichtsaal für die Auktionen errichten. Trotz eines Zusammenbruchs des Auslandsgeschäfts brachte der Erste Weltkrieg kaum wirtschaftliche Einbußen auf dem Kunstmarkt. 1917 eröffnete Helbing eine Zweigniederlassung in Berlin, 1919 expandierte er nach Frankfurt am Main. Im Rahmen der Auktionen, bei denen neben Gemälden, Grafik und Skulpturen auch prächtige Gobelins, wertvolles Porzellan, Schmuck oder seltene Musikinstrumente unter den Hammer kamen, ersteigerte nicht nur die Münchner Bourgeoisie die Ausstattung ihrer repräsentativen Stadtwohnungen; auch namhafte Sammler*innen und internationale Museen sowie Kunsthandlungen lieferten sich Bietergefechte um die besten Objekte. Aufgrund der hochwertigen Objekte, der Spitzenpreise, die sie erzielten und des illustren Kund*innenkreises erregten die Versteigerungen bei Helbing auch international große Aufmerksamkeit. Die im Juli 1933 in Angriff genommene „Gleichschaltung“ des deutschen Kunst- und Antiquitätenhandels setzte dem ein Ende. Das am 16. Oktober 1934 verabschiedete „Gesetz über das Versteigerergewerbe“ machte es als jüdisch geltenden Personen fortan unmöglich, Versteigerungen abzuhalten. Sowohl Hugo Helbing als auch die drei weiteren Teilhaber des Unternehmens, Helbings Sohn Fritz (1888–1943) sowie Theodor Neustätter (1880–1936) und Ernst Spiegel (1878–1953), waren von dieser antisemitischen Verfolgungsmaßnahme betroffen. Unter der Leitung des als „arisch“ geltenden Prokuristen Adolf Alt (1866–1947), der seit 1911 für Helbing tätig war, konnten zwischen 1935 und 1937 nur mehr vereinzelt Auktionen bei Helbing abgehalten werden. Hugo Helbing wurde in der Pogromnacht 1938 verhaftet, brutal niedergeschlagen und erlag am 30. November 1938 im Alter von 75 Jahren seinen schweren Verletzungen. Theodor Neustätter war bereits 1936 verstorben. Fritz Helbing wurde im März 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Allein Ernst Spiegel überlebte die Shoa, er konnte 1936 in die USA fliehen. Der Kunsthändler Jakob Scheidwimmer erwarb im Juli 1941 die Geschäftsräume und darin noch vorhandene Lagerbestände und führte den Galeriebetrieb als „Galerie an der Wagmüllerstr. Jakob Scheidwimmer, vormals Hugo Helbing“ fort. Da er allerdings weiterhin keine Auktionen abhalten durfte, war das ehemals international bekannte Auktionshaus Hugo Helbing endgültig Geschichte.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/13">Für mehr (einschließlich 15 Bilder&#32;&amp;&#32;1 Audiodatei) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2022-02-08T11:54:11+01:00</published>
    <updated>2026-08-05T10:53:51+02:00</updated>
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      <name>Theresa Sepp</name>
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