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    <title type="html"><![CDATA[Das Künstlerhaus: Schnittstelle von Künstlern und Gesellschaft]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Das Münchner Künstlerhaus ist am Lenbachplatz nicht nur zentral gelegen, sondern war tatsächlich ein zentraler Knotenpunkt der "Kunststadt München". In den Jahrzehnten zwischen der Einweihung im Jahr 1900 bis zum Zweiten Weltkrieg wurden hier teils pompöse Feste gefeiert. 1944 brannte das Künstlerhaus vollkommen aus. Seit seinem Wiederaufbau 1961 bringen Veranstaltungen und Ausstellungen dem Münchner Publikum die Kunst nahe.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/529db73ec874b6af1df0004fcbb737fa.jpg" alt="Gesamtansicht, um 1900" /><br/><p>Das Künstlerhaus befindet sich am Lenbachplatz. So zentral, wie es heute gelegen ist, so bedeutsam war es früher für die Entwicklung und das Selbstverständnis der Künstlerschaft in der "Kunststadt München". Denn "das Haus soll allen Künstlern Münchens ein Sammelplatz sein, ein Mittelpunkt für Frohsinn, Rat und erste Tat", wie in der Gründungsurkunde festgehalten wurde.
Bis zur Gründung des Künstlerhauses war es ein langer Weg. Erste Pläne gab es schon in den 1850er Jahren, aber erst die 1873 gegründete Künstlergesellschaft "Allotria" konnte das Vorhaben umsetzen. Diese hatte sich von der "Münchener Künstlergenossenschaft" abgespaltet. Maßgeblich daran beteiligt waren Lorenz Gedon, August Kaulbach, Franz von Stuck, die Künstlerklasse von Wilhelm Diez sowie die jüngeren Schüler von Carl Theodor von Piloty, der in den Jahren 1869 bis 1879 das monumentale Gemälde "Monachia" für das Münchner Rathaus geschaffen hatte. Eine entscheidende Rolle für die Realisierung des Künstlerhauses spielte ein weiterer "Künstlerfürst", Franz von Lenbach, von 1883 bis zu seinem Tod 1904.
Die größten Hindernisse stellten ein geeignetes Grundstück sowie die Finanzierung dar. Nach langem Suchen konnte endlich das Gelände am Lenbachplatz günstig von Stadt und Königshaus erworben werden. Der Entwurf zum Gebäude im Stil der Neo-Renaissance stammt von Gabriel von Seidl. Den Grundstein legte am 3. Juli 1893 der Prinzregent Luitpold höchstpersönlich.
Die Einweihungsfeier am 29. März 1900 war ein pompöses Fest, dem viele weitere folgten. Mit seinen Veranstaltungen wurde das Künstlerhaus ein Sammelpunkt und Ort der Begegnung für Künstler und zahlreiche Mitglieder der Münchner Gesellschaft. In diesem kulturellen Zentrum der Stadt wurden kunstgeschichtliche, archäologische, ethnologische sowie geographische Vorträge gehalten. Es gab regelmäßig Liederabende, Kammerkonzerte, Aufführungen von Oratorien und Operettenabende. Auch Dichterlesungen, Tanzvorstellungen und Singspiele durften nicht fehlen. Ab Ende der 1920er Jahre kamen die Münchner hier auch zu Filmabenden zusammen.
Das repräsentative, maßgeblich von Franz von Lenbach eingerichtete Haus bot mit seinem kostbaren Mobiliar, den Gemälden und Wandtäfelungen stets einen eindrucksvollen Rahmen. Auch wenn die Münchner davon erst überzeugt werden mussten, wie dieser Ausspruch verdeutlicht:</p><p>"Der Franz, der Rudolf und der Gabi</p><p>San doch net gar so miserabi.</p><p>Daß sich das Haus verwenden läßt,</p><p>Zeigt sich bei jedem Künstlerfest!"</p><p>(gemeint sind Franz v. Lenbach, Rudolf Seitz und Gabriel v. Seidl; zitiert nach Kennedy 2006, S. 8).
Doch nach Ende des Ersten Weltkriegs ging es mit dem Künstlerhaus bergab: Förderer und Fördermittel von Staat und Königshaus gingen verloren. 1938 erzwangen die Nationalsozialisten die Übereignung des Gebäudes an ihre nationalsozialistische Künstlervereinigung. Im Zweiten Weltkrieg brannte es 1944 völlig aus.
15 Jahre lang stand das Künstlerhaus nach vormaligem Glanz nun als Ruine da. Aber der Künstlerhausverein konnte mit Unterstützung von Bürgern, Presse und dem Exportklub den Wiederaufbau ermöglichen und das Künstlerhaus am 1. Oktober 1961 neu eröffnen. Heute ist das Künstlerhaus Baudenkmal, Eventlocation, Ort für Lithographiekurse und viele Arten von Veranstaltungen; es wird genutzt und öffnet wieder – wie es über dem Eingang steht – "Nobis et Amicis" (Uns und unseren Freuden) seine Tore.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/57">Für mehr (einschließlich 6 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2022-11-28T22:18:55+01:00</published>
    <updated>2023-07-10T13:04:21+02:00</updated>
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      <name>Isabella Limmer</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Kil’s Colosseum: Das pralle Leben und der Feuertod]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Münchens größtes Varietétheater war Schauplatz rauschender Feste, aber auch einer schrecklichen Brandkatastrophe.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/4c7c3f450cb26c892ce097a670289792.jpg" alt="„Kil’s Colosseum“, Postkarte von 1897" /><br/><p>Die Kombination einer stets offenen Bierzapfsäule mit einem bunten Unterhaltungsprogramm ist bekanntermaßen ein Erfolgskonzept – nicht nur, aber besonders in München. Dies hatte auch der Bauunternehmer Franz Kil erkannt, als er 1873 in der Isarvorstadt sein legendäres „Colosseum“ (auch: „Kolosseum“) eröffnete. Das Glockenbachviertel sah damals noch völlig anders aus als heute: Es war vielmehr florierendes Gewerbegebiet denn Wohnviertel, mit dort ansässigen Traditionsunternehmen, die es teils heute noch gibt (etwa „Rodenstock“ und „Roeckl“). Bis zum Neubau der Hans-Sachs-Straße im Jahr 1896 befand sich in unmittelbarer Nähe zum „Colosseum“ außerdem eine Schwimm- und Badeanstalt – auch Naherholungsmöglichkeiten für die Großstädter waren also gegeben. Für Kils Etablissement war der Standort somit ideal: Varieté- und Artistikdarbietungen, Konzerte und Tanzveranstaltungen, mehrere Bierhallen, ein großer Biergarten und eine eigene Brauerei machten es rasch zu einem kulinarisch-kulturellen (und leicht verruchten) Hotspot vor den Toren der Stadt.</p><p>Zur Faschingszeit des Jahres 1881 ereignete sich hier jedoch eine Brandkatastrophe, die als „Eskimotragödie“ in die Annalen der Stadt einging: Am 18. Februar veranstaltete die Kunstakademie ein aufwendig gestaltetes Künstlerfest unter dem Motto „Eine Kneipreise um die Welt“. Über den gesamten Festsaal verteilten sich von den einzelnen Bildhauer- und Malerklassen inszenierte Länder-Stationen. Vor der Bühne erhob sich außerdem die riesige Attrappe eines Schiffs namens „Katerina“, das die Besucher der Veranstaltung imaginär durch die ganze Welt befördern sollte.</p><p>Das Unglück ereignete sich kurz vor Mitternacht an der Station „Eskimo-Höhle“ der Bildhauerklasse von Professor Max von Widnmann: Meterhohe Eisberge aus Gips und Felsblöcke aus Pappmaché simulierten hier ein arktisches Ambiente, die Studenten trugen zottelige, fatalerweise aus leicht brennbarem Werg und Watte gefertigte Inuitkostüme (bzw. was man damals eben für eine typische Tracht hielt). Das Kostüm eines Studenten entzündete sich an einer Kerze und binnen Sekunden standen er und mehrere Kommilitonen, die ihm zu Hilfe eilen wollten, in Flammen. Prominente Augenzeugen wie der Maler Lovis Corinth und der Schriftsteller Ludwig Ganghofer schilderten die schrecklichen Szenen später eindrücklich. Insgesamt neun Studenten verloren ihr Leben, sieben davon wurden am 22. Februar unter großer öffentlicher Anteilnahme in einem Gemeinschaftsgrab auf dem nahegelegenen Südfriedhof beigesetzt. Rund 15.000 Menschen begleiteten den Trauerzug, direkt hinter den Särgen schritt kein Geringerer als Prinz Luitpold von Bayern. Bis heute blieb das Unglück München und der Kunstakademie im Gedächtnis: Am Aschermittwoch 2015 erinnerte der Künstler und Absolvent der Münchner Akademie Stefan Lenhart mit seiner performativen Reinszenierung „Die Eskimo Tragödie (memento mori)“ an die Verstorbenen.</p><p>Dem Erfolg des „Colosseums“ tat das Desaster allerdings keinen Abbruch. Seinen Ruf als Münchner Kultinstitution konnte es sich noch gut dreißig Jahre lang bewahren, bevor das Programm nach dem Ersten Weltkrieg immer weniger bunt und stattdessen zunehmend profaner wurde. Nach einem Umbau der Innenräume im Jahr 1927 folgten nochmals einige Glanzzeit-Jahre, an denen die regelmäßigen Auftritte des Komikerduos Karl Valentin und Lisl Karlstadt deutlichen Anteil hatten. Der Zweite Weltkrieg markierte aber schließlich den endgültigen Niedergang: Durch einen Bombentreffer im Jahr 1944 schwer zerstört, entstand aus den Trümmern des „Colosseums“ wieder ein Tanzlokal, das jedoch nicht an alte Erfolge anknüpfen konnte. Im Jahr 1958 schlossen sich die Pforten schließlich für immer und der Komplettabriss des Gebäudes folgte drei Jahre später. Heute steht der kurz darauf errichtete Betonbaukomplex – eingefasst von Ickstatt-, Jahn-, Kolosseums- und Hans-Sachs-Straße – geradezu sinnbildlich für die brachialen Urbanisierungsmaßnahmen der 1960er Jahre im Glockenbachviertel. An das schillernde Treiben von einst erinnern nur noch der Name der „Kolosseumsstraße“ und ein einsamer Zeitzeuge an der Ecke Ickstatt-/Hans-Sachs-Straße: ein großer Kastanienbaum, der seinerzeit den Besuchern des Biergartens Schatten spendete.   </p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/47">Für mehr (einschließlich 15 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2022-09-26T14:13:21+02:00</published>
    <updated>2026-03-30T13:01:06+02:00</updated>
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      <name>Hanna Lehner</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Die Ažbe-Schule: – auch abseits etablierter Institutionen erblüht neue Kunst]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Von 1891–1905 unterhielt der Maler Anton Ažbe in München eine renommierte Mal- und Zeichenschule. Innovative Lehrmethoden und Internationalität zeichneten die Schule aus.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/a167a7c8859c424c7b79adb15c25cd13.jpg" alt="Anton Ažbe in seinem Atelier, um 1903" /><br/><p>Auf Drängen einiger Kommilitonen, denen der Rahmen der Münchner Akademie der Bildenden Künste zu eng war, richtete der slowenische Maler Anton Ažbe (1862–1905) – der selbst Schüler an der Akademie gewesen war – 1891 ein kleines Atelier ein, das von Student:innen zusätzlich zum Unterricht an der Akademie besucht werden konnte. Das Atelier erfuhr so großen Zulauf, dass die Räumlichkeiten bald zu klein wurden und Ažbe ein größeres Atelier in der Türkenstraße bezog. Doch auch dieses war bald zu klein, sodass er schließlich ein Haus in der Georgenstraße 16 anmietete und dort eine Privatschule einrichtete. Eine Schule eigens für Damen wurde in der Amalienstraße 57 eröffnet. Später wurden die beiden Standorte zu einem Atelier für Anfänger und einem für Fortgeschrittene, in denen Studierende beiderlei Geschlechts – anders als an der Akademie – arbeiten konnten. </p><p>Ažbe, der als verständnisvoller und hervorragender Pädagoge galt, zog junge Künstler:innen aus der ganzen Welt, insbesondere aus Osteuropa an. Zu seinen Schüler:innen zählten Maler wie Wassily Kandinsky und Alexej von Jawlensky, die sich 1897 in der Ažbe-Schule kennengelernt hatten. Weitere Persönlichkeiten, die bei Ažbe malten, waren etwa Igor Grabar, Josip Račić, Dmitry Kardowsky und Franziska zu Reventlow. Manche der Ažbe-Schüler:innen kamen ohne künstlerische Vorbildung, andere hatten ein Studium im Ausland hinter sich oder studierten parallel an der Akademie. Die Akademie empfahl Ažbes Schule nicht nur, sondern beglaubigte seine Diplome sogar mit ihrem Siegel. Selbst bereits etablierte Künstler:innen kamen in die Schule, um dort nach Modellen zu arbeiten. Bei seinen Schüler:innen herrschte die Überzeugung, <em>„eine einzige Korrektur von Ažbe wäre mehr wert als ein Jahr an der Akademie.“</em> (Ulf Seidl: Feine Brüder, in: Wiener Tagblatt, 04.10.1930). </p><p>Ažbe wandte in seiner Schule Methoden an, die fortschrittlicher waren als jene der Akademie und der meisten anderen Privatschulen. Außerdem war er interessiert daran, den neuen Strömungen in der Kunst Raum zu geben. Die jungen Künstler:innen sollten sich in seiner Schule frei entfalten dürfen und in ihren Neigungen und der Entdeckung ihrer Talente unterstützt werden. </p><p>Über dem Eingang der Schule stand der Leitspruch <em>„Nur fest!“</em> – eine Aufforderung, schwungvoll, mutig und entschlossen zu arbeiten. Ažbes pädagogische Lehre baute auf zwei Prinzipien auf: dem „Kugelprinzip“ und der „Farbkristallisation“. Mit dem Kugelprinzip wollte er seinen Schüler:innen vermitteln, dass sich alle Dinge auf die Kugel zurückführen oder von ihr ableiten lassen und dass sie alles zeichnen könnten, wenn sie den ideal runden Gegenstand – die Kugel – beherrschten. Außerdem ermutigte Ažbe seine Schüler:innen, dem Prinzip der Farbkristallisation zu folgen, nach dem Farben ohne vorheriges Mischen direkt auf die Leinwand aufgetragen werden. </p><p>Von Ažbe selbst gibt es kaum schriftliche Ausarbeitungen seiner Theorien, lediglich einige Aussagen seiner Schüler:innen geben Auskunft über die Abläufe und Methoden in der Schule. Kandinsky zitierte Ažbe mit einem Ausspruch, der charakteristisch für seine Lehre und moderne Auffassung ist: <em>„Sie müssen die Anatomie kennen, aber vor der Staffelei müssen Sie sie vergessen.“</em> (Wassily Kandinsky: Betrachtungen über die abstrakte Kunst, in: Max Bill [Hg.]: Essays über Kunst und Künstler, Bern 1963, S. 150). </p><p>Auch nach seinem Tod im Jahr 1905 wurde das Atelier unter dem Namen „Ažbe-Schule“ noch bis 1913 weitergeführt. Die innovativen Ideen Ažbes sollten für die Kunst der nächsten Jahre nicht ohne Folgen bleiben. Im Geist von Ažbes Schule wurden Künstlervereinigungen wie der „Blaue Reiter“ gegründet. Auch auf russische Malschulen des beginnenden 20. Jahrhunderts übte die Ažbe-Schule einen großen Einfluss aus, da einige von Ažbes Schülern dort Lehrer wurden und seine Methoden vermittelten.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/41">Für mehr (einschließlich 8 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2022-09-16T09:13:47+02:00</published>
    <updated>2023-10-16T21:04:36+02:00</updated>
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      <name>Judith Becki</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Das „Wiener Café Stefanie“: Sehen und gesehen werden – ein Treffpunkt der Kunstszene Münchens um 1900]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Um 1900 galt das Café Stefanie in der Maxvorstadt als beliebter Treffpunkt der Bohemiens, besonders der Literat:innen und Kunstschaffenden Münchens.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/48d14dfd314d561e032ed9b562e385fd.jpg" alt="Außenansicht des Café Stefanie, um 1905–1910" /><br/><p>„<em>Irgendwo im Haus und im Himmel mußte ein Elektrizitätswerk sein. Die Gäste, angeschlossen an den Starkstrom, zuckten unter elektrischen Schlägen gestikulierend nach links und nach rechts und vor und von den Polsterbänken hoch, fielen ermattet zurück und schnellten mitten im Satz wieder hoch, die Augen aufgerissen im Kampf der Meinung über Kunst.</em>“ (Frank 1963, S. 11).</p><p>Leonhard Frank beschrieb mit diesen Worten das pulsierende Innere des „Wiener Café Stefanie“. Das legendäre Kaffeehaus wurde 1895 in dem Eckhaus an der Amalienstraße / Theresienstraße eröffnet und galt als beliebter Treffpunkt der Literat:innen, Kunstschaffenden und Studierenden. Als eines der wenigen Cafés Münchens durfte es sogar bis 3 Uhr nachts geöffnet haben. Auch wenn das Gebäude bei einem Fliegerangriff am 6./7. September 1943 gänzlich zerstört wurde, bleiben die Erzählungen, Zeichnungen und Karikaturen als bleibende Erinnerungen des Cafés im Gedächtnis der Stadt verankert. Das Mobiliar glich einem von vielen Cafés im Wiener-Kaffeehaus-Stil – Spiegelwand und Holzvertäfelungen, runde Marmortische, geschwungene Thonet-Stühle und ein Billardtisch –, doch besonders die (Stamm)Gäste galten als spezifisches Charakteristikum des Café Stefanie und trugen zu seiner Beliebtheit bei. Hier fühlte sich vor allem die sogenannte Schwabinger Bohème heimisch, Personen mit einer bestimmten freigeistigen Mentalität, einem unkonventionellen Lebensstil und einer exzessiven Lebensweise. Man frequentierte regelmäßig die zahlreichen Kneipen, Kleinkunstbühnen und Cafés – allen voran das Café Stefanie – in der Maxvorstadt. Viele Künstler:innen nutzten das „Café Größenwahn“, wie das Kaffeehaus im Volksmund genannt wurde, als Wohn- und Arbeitszimmer. Es war Knotenpunkt einer exzeptionellen Infrastruktur des künstlerischen Lebens: die Akademie, die Ateliers und die Museen waren ebenso nah wie Verlage, Fotograf:innen, Kunstvereine, Kunsthandlungen oder satirische Zeitschriften wie „Simplicissimus“ oder „Jugend“.</p><p>Einige Gäste im „Café Größenwahn“ waren beispielsweise die Zeichner und Karikaturisten Henry Bing, Hanns Bolz und Ernst Stern sowie die Maler:innen Lovis Corinth, Franz Marc, Paul Klee, Alfred Kubin, Marianne von Werefkin, die Schriftsteller:innen Leonhard Frank, Else Lasker-Schüler, Klabund, Heinrich Mann, Erich Mühsam, die Diseuse Marya Delvard, und die Personifikation des Bohèmelebens schlechthin – Franziska Gräfin zu Reventlow (1871–1918). Viele der Gäste kamen bei einer Melange und einem Glas Wasser im Café zum ersten Mal miteinander in Kontakt, ganze Gruppierungen und (Künstler)kreise entstanden hier. Beispielsweise traf sich die Kabarettgruppe der „Elf Scharfrichter“ im „Wiener Café Stefanie“ und auch die Mitglieder des Blauen Reiters verweilten dort.</p><p>Man hat im „Café Größenwahn“ leidenschaftlich philosophiert und debattiert, über Kunst und Literatur diskutiert sowie Schach gespielt und gezeichnet und zugleich bleibende Erinnerungen an das „Wiener Café Stefanie“ geschaffen.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/32">Für mehr (einschließlich 16 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2022-07-29T11:27:17+02:00</published>
    <updated>2025-05-19T10:44:24+02:00</updated>
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      <name>Hannah Rathschlag</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Das Café Luitpold: Kaffeepalast und Künstlertreff<br />
<br />
]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/c4a3fdc9f17f511b6f50ec74a16a0b64.jpg" alt="&quot;Gruß aus München&quot;, 1900" /><br/><p>Was in Wien das Café Sacher ist, war vor dem Zweiten Weltkrieg das Café Luitpold in München. Die prachtvollen Kaffeehäuser der k. u. k. Monarchie wie das Wiener Café Central waren auch das Vorbild, nach dem der Münchner Architekt Otto Lasne (1854–1935) das Luitpold gestaltete. Er nutzte dabei den Innenhof eines neuen Gebäudekomplexes, den er durch den Umbau von sieben Häusern zwischen Brienner Straße und Salvatorplatz 1886–1888 geschaffen hatte.</p><p>Am 1. Januar 1888 eröffnete mit Genehmigung des namensgebenden Prinzregenten das Café und Restaurant als Palast im Stil des Historismus mit prachtvollen Sälen mit dem Dekor von Neorenaissance, -barock und -rokoko, das angeblich Platz für 1200 Gäste bot. Wand- und Deckengemälde, schwarzer Marmor, Gold, Skulpturen und Brunnen beeindruckten die Besucher, ebenso wie die elektrische Beleuchtung aller Säle. Neben Palmengarten und Tanzsaal war der Billardsaal mit 14 Tischen eine besondere Attraktion, es war damals der größte im Deutschen Reich. Angehörige des Königshauses verkehrten im Luitpold ebenso wie Künstler und Schriftsteller. Die mit dem künstlerischen Niveau unzufriedenen Mitglieder der Münchener Künstlergenossenschaft gründeten hier unter der Leitung von Hugo Bürgel die sog. „Luitpold-Gruppe“, um an der VII. Internationalen Kunstausstellung 1897 im Münchner Glaspalast mit eigenen Räumen, Jury und Hängekommission teilzunehmen. Die sich als Elite verstehende Künstlervereinigung, die jedoch kein künstlerisches Programm aufgestellt hatte, war trotz zweier Spaltungen bis ins 20. Jahrhundert auf vielen Ausstellungen im In- und Ausland präsent.</p><p>Am 18. Oktober 1899 wurde in den Festsälen des Café Luitpold der Erste Bayerische Frauentag eröffnet, auf dem über die Ideale der Frauenbewegung und den Zweck des Mädchengymnasiums gesprochen wurde. </p><p>Prominente Gäste aus der Welt der Bildenden Kunst und Literatur waren Wassily Kandinsky, Thomas Mann, Stefan George, Frank Wedekind, Henrik Ibsen, Christian Morgenstern, Ludwig Thoma und Ludwig Ganghofer. </p><p>Im Luitpoldblock, wie der Gebäudekomplex nach dem Café benannt wurde, befand sich auch die Kunsthandlung Hans Goltz, in der 1912 die „Zweite Ausstellung der Redaktion Der Blaue Reiter“ stattfand, in der 300 Arbeiten auf Papier u. a. von Kandinsky und Paul Klee gezeigt wurden.</p><p>Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Luitpold zum Konzertcafé: Richard Strauss, Johann Strauß d. J., Paul Lincke, Georges Boulanger (Gheorghe Pantazi) und viele andere bekannte Musiker gastierten hier und begeisterten das Publikum. Am 24. Mai 1930 führte das Luitpold das erste Straßencafé in München ein: Unter Sonnenschirmen und Palmen wehte nun ein Hauch von Riviera durch die Brienner Straße. </p><p>Im Zweiten Weltkrieg trafen Bomben das Gebäude so schwer, dass ein Wiederaufbau der alten Pracht unmöglich erschien. So wurde das Luitpold 1948 in stark vereinfachter Form als bürgerliches Restaurant wiedereröffnet, allerdings war diesem kein Erfolg beschieden und so wurde es 1960 geschlossen. 1962 konnte dann nach tiefgreifender Modernisierung und unter neuer Leitung die Wiedereröffnung gefeiert werden. Ein berühmter Gast war auch Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Loriot, der dem Luitpold eine mehrseitige Hommage widmete: Er schrieb 1963 ins Gästebuch: „Ich glaube, ich wohne hier“. </p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/15">Für mehr (einschließlich 10 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2022-03-15T13:34:32+01:00</published>
    <updated>2025-05-19T10:45:15+02:00</updated>
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      <name>Esther P. Wipfler</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Das Café Fink: – die ehemalige „Malerkneipe“ an der Frauenkirche<br />
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]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Heute kaum noch bekannt, war das einstige Café Fink in der Löwengrube Nr. 1 in den 1830er Jahren ein beliebter Treffpunkt der Künstlerschaft des Münchner Kunstvereins. Hier wurde in ungezwungener Atmosphäre Bier getrunken, geraucht, gesungen und debattiert.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/74d581e8e6cea3f341adc3ee33bbf572.jpg" alt="„Kunstnere i Fincks Kaffehus i München (Künstler in Finks Kaffeehaus in München)“" /><br/><p>Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelten sich die Münchner Kaffeehäuser zu Begegnungsstätten von Künstlern und Intellektuellen.
„<em>Eines der interessantesten </em>[Kaffeehäuser]<em> ist das Fink’sche, die sogenannte Malerkneipe, vor dem Carlsthore. Hier versammeln sich die jungen Maler, und oft schon sind Genrebilder mit dem Beifall der Kunstwelt beehrt worden, deren Originale in diesem unansehnlichen Winkel zusammengedrängt sitzen. […]</em>.“ So beschrieb der deutsche Publizist August Lewald (1792–1871) in seinem 1835 erschienenen „Panorama von München“ (Bd. 2, S. 186f.) Josef Anton Finks Kaffeehaus.
Im Kreuzviertel, in unmittelbarer Nähe der Frauenkirche gelegen, war das Café Fink eines der Stammlokale der Künstler des Münchner Kunstvereins, der sich 1823 in Konkurrenz zur „Königlichen Akademie der Bildenden Künste“ gegründet hatte.
Laut der „Qualifikations-Tabelle der Kaffee-Häuser der königl. Haupt- und Residenzstadt München“ von 1835 (<a href="http://stadtarchiv.muenchen.de/scopeQuery/detail.aspx?ID=308791">Stadtarchiv München, GEW-0119</a>) verfügte das vielbesuchte Kaffeehaus über „<em>zwei tapezirte und elegant meublirte Zimmer</em>“, Bedienung und Bewirtung seien von bester Qualität und der „<em>Ton sehr anständig</em>“. Das Publikum setze sich aus „<em>Künstlern, Individuen vom jüng. Beamtenstand</em> [und] <em>einigen Studenten</em>“ zusammen.
Ab 1830 etablierte sich im Café Fink um den Hamburger Maler Christian Morgenstern (1805–1867) ein beliebter Künstlerstammtisch, der nicht nur von Münchner, sondern besonders auch von norddeutschen und dänischen Künstlern frequentiert wurde.
Gäste und Interieur des Kaffeehauses wurden von den Künstlern in Skizzen und Gemälden festgehalten. Eines der eingangs erwähnten Genrebilder, das auf der Ausstellung im Kunstverein München 1832 große Aufmerksamkeit erregt hatte und später vom dänischen Bildhauer Bertel Thorvaldsen erworben wurde, war ein Gemälde des jungen dänischen Malers Wilhelm Ferdinand Bendz (1804–1832). Dessen Kaffeehausszene zeigt die Künstlerrunde um einen großen Tisch versammelt, unter ihnen Christian Morgenstern, Wilhelm von Kaulbach und Bendz selbst.
Über die Anfänge des Cafés ist kaum etwas bekannt. Das Eckhaus in der Löwengrube war Teil des sogenannten ehemaligen Augustiner Mietstockes. Bis zu seiner Aufhebung 1803 hatte das Augustinerkloster den ganzen Block zwischen Neuhauser-, Ettstraße, Löwengrube und Augustinerstraße eingenommen und zur Bestreitung seines Unterhalts zwischen 1724 und 1727 Einzelwohnhäuser erbaut, die an Privatleute vermietet wurden. Nach der Säkularisation wurden die Häuser, darunter auch das Eckhaus, verkauft. Wohl spätestens Ende der 1820er Jahre beheimatete es das Kaffeehaus von Josef Anton Fink, der das Gebäude 1837 schließlich auch ersteigerte. Das einst bei Künstlern aller Art beliebte „Café Fink“ gibt es längst nicht mehr. Nach Finks Tod wechselte es zunächst innerhalb der Familie den Besitzer. Im Stadtführer „Acht Tage in München […]“ wird es zu jener Zeit als „g<em>eschmackvoll restaurirt</em>“ beschrieben (7. Aufl., München 1857, S. 21). Um 1860 übernahm der Cafetier Karl Riederer (1819–1884) die Lokalität, die daraufhin unter seinem Namen firmierte. Angeregt durch die Kontakte mit den zahlreichen Künstlern gab er jedoch seine Tätigkeit auf und versuchte sich selbst als Bildhauer. Er schuf dabei insbesondere Nippsachen, Salonplastiken und Reiterstatuetten.
Im Jahr 1868 erwarb der vorher in Paris tätige Cafétier Adolf Baumann das Kaffeehaus und führte es fortan unter dem Namen „Café Baumann“. Später übernahmen dessen Frau bzw. Tochter die Führung, bevor es 1923 endgültig seine Tore schloss. Ab 1925 war die Deutsche Reichspost hier untergebracht. Heute befindet sich in einem Neubau an der Stelle der früheren „Malerkneipe“ ein Teil der Polizeiverwaltung und des Polizeipräsidiums.
</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/10">Für mehr (einschließlich 9 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2021-12-14T15:06:19+01:00</published>
    <updated>2025-05-19T10:44:47+02:00</updated>
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      <name>Krista Profanter</name>
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