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    <title type="html"><![CDATA[Die Stimmrechtsdemo am 24. September 1912: Eine Kutschfahrt für das Frauenwahlrecht]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Seit 1902 existierte der „Deutsche Verein für Frauenstimmrecht“, in Hamburg gegründet von den Frauenrechtlerinnen Anita Augspurg (1857–1943) und Lida Gustava Heymann (1869–1943). Zehn Jahre später organisierten sie für den „Bayerischen Stimmrechtsverein“ einen Kongress in München. Die Veranstaltung begann mit einer Kutschfahrt durch die Straßen der Stadt. Vorbild waren die Kampagnen der englischen Suffragetten ab etwa 1900. Tausende Frauen setzten sich in England regelmäßig mit großen Demonstrationen und Streiks für ein Frauenwahlrecht ein. Augspurg und Heymann hatten 1908 in London selbst an einer Kundgebung teilgenommen. Solch eine Demonstration wollten sie ein Jahr später im Deutschen Reich organisieren, in Berlin erhielten sie dafür aber keine Genehmigung.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/3a58d319e37aa26eead217b7f658ddbe.jpg" alt="Die Teilnehmerinnen versammeln sich vor Antritt der Wagenfahrt beim Großwirt. " /><br/><p>Aber in München war es möglich. Am Morgen des 24. September 1912 trafen sich die Kongressteilnehmerinnen vor dem Großwirt in Schwabing.
„...  zwölf von Rappen oder Schimmeln gezogene, mit Laubgirlanden, Fahnen und Plakaten geschmückte Wagen fuhren durch die Hauptstraßen, den einen zur Freude, den anderen zum Ärger und Spott. Viele Frauen, die keine Versammlungen besuchten, und Münchner Männer, die ihre Politik am Biertische trieben, erfuhren an dem Tage zum ersten Mal, daß Frauen aus ganz Deutschland das Stimmrecht forderten.“ So erzählt Lida Gustava Heymann in ihren Erinnerungen.
Die Wagen waren in den Farben der Suffragetten (weiß, grün und violett) geschmückt. Die Route führte vom Feilitzschplatz zum Siegestor und durch den Englischen Garten zum Chinesischen Turm.
Das „Berliner Tageblatt“ berichtete zwei Tage später über die „... wirkungsvolle Demonstration für das Frauenstimmrecht. ... Die Münchener Bevölkerung, die in ihrer angenehm zurückhaltenden Art jeden tun und treiben läßt, was er will, erhob keinen Protest. Man begegnete vielen neugierigen Blicken, so manch alter ‚Bierphilister‘ erstarrte wie Lots Frau fast zur Salzsäule. Die meisten Männer lächelten teils spöttisch, teils belustigt, einige auch freundlich. Einige alte Herren, unter ihnen ein bayerischer Reichsrat, und eine Gruppe Studenten begrüßten den Zug mit höflicher Anerkennung. ... Dazwischen gab es auch einige spöttische Zurufe wie: ‚Das sind solche, die keinen Mann gekriegt haben!‘ In manchem Frauenantlitz sah man ein stilles Leuchten aufgehen, und als an einer Wegkreuzung gehalten werden mußte, trat eine Frau des Arbeiterstandes an unseren Wagen heran und sagte: ‚Wie schön ist es, daß die reichsten Damen jetzt auch für uns arbeiten wollen!‘, worauf ihr erwidert wurde, daß die Frauenstimmrechtlerinnen alles arbeitende Frauen seien, die eben für ihre weniger gut gestellten Schwestern eintreten wollten.“
Zum Abschluss gab es ein Frühstück im Chinesischen Turm mit bayerischen Genüssen, wie Radi, Weißwürste und Kraut. Der eigentliche Kongress fand anschließend in den Prinzensälen des <a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/304" target="_blank" rel="noopener">Café Luitpold</a> statt.
Es dauerte noch bis zur Revolution 1918/1919, bis ihre Forderungen umgesetzt wurden: In der Nacht des 8. November 1918 verkündete Kurt Eisner für Bayern das allgemeine aktive und passive Stimmrecht – erstmals galt es für alle Frauen und Männer.
Anita Augspurg, geboren in Verden/Aller, kam 1886 nach München und betrieb mit ihrer Freundin Sophia Goudstikker das äußerst erfolgreiche <a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/26" target="_blank" rel="noopener">Fotoatelier Elvira</a>. Nach der Gründung des „Vereins für Fraueninteressen“ 1899 studierte sie Jura in Zürich und wurde die erste promovierte Juristin Deutschlands. Sie setzte sich von da an mit ihrer Lebensgefährtin Lida Gustava Heymann für Frauenrechte ein. Ab 1915, nach dem 1. Internationalen Frauenfriedenskongress in Den Haag, galt ihr Engagement der Friedensbewegung. Beide Frauen mussten 1933 Deutschland verlassen und starben im Exil in Zürich. Dort liegt auch ihr Grab.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/307">Für mehr (einschließlich 4 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2026-02-18T15:53:43+01:00</published>
    <updated>2026-02-25T16:05:46+01:00</updated>
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      <name>Adelheid Schmidt-Thomé</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Der Odeonsplatz als Protestort: Demonstrationen gegen die AIDS-Politik der bayerischen Staatsregierung im Jahr 1987]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Der Odeonsplatz ist ein Erinnerungsort für den umstrittenen Umgang der bayerischen Staatsregierung mit HIV/AIDS in den 1980er Jahren. Um gegen den sogenannten <em>Maßnahmenkatalog zur Verhütung und Bekämpfung der Immunschwäche AIDS</em> zu protestieren, fanden 1987 mehrere Demonstrationen auch in der Landeshauptstadt München statt. Die Proteste auf dem Odeonsplatz vom 4. April und vom 24. Oktober 1987 sind fotografisch gut dokumentiert.
 </em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/7e3a3f616653945e2df2b0551b2c641b.jpg" alt="Demonstration gegen den Maßnahmenkatalog zur Verhütung und Bekämpfung der Immunschwäche AIDS am 4. April 1987 auf dem Odeonsplatz" /><br/><p>Das <a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/297" target="_blank" rel="noopener">AIDS-Memorial von Wolfgang Tillmans</a> weist den Sendlinger-Tor-Platz als einen Ort queeren Gedenkens aus, an dem auch heute weiterhin regelmäßig Protestaktionen stattfinden. Doch auch der Odeonsplatz darf als Erinnerungsort der politischen und gesellschaftlichen Kontroverse um den Umgang mit HIV/AIDS in Bayern gelten. Zwei frühe Protestaktionen aus dem Jahr 1987 markieren den damaligen Konflikt besonders deutlich: Am 4. April 1987 zog ein von zahlreichen Initiativen organisierter Demonstrationszug medienwirksam durch München und über den Odeonsplatz, um Gesicht zu zeigen und um mit Bannern und Parolen gegen den bayerischen Politkurs zu protestieren. Am 24. Oktober 1987 folgte eine weitere Kundgebung auf dem Odeonsplatz. In beiden Fällen wurde der Platz zum öffentlichen Forum für die Frage, welche Mittel ein Staat in einer Gesundheitskrise legitim einsetzen darf.
Hintergrund war der sogenannte <em>Maßnahmenkatalog zur Verhütung und Bekämpfung der Immunschwäche AIDS</em>, den die bayerische Staatsregierung am 25. Februar 1987 beschloss und im Frühjahr durch ministerielle Vorgaben präzisierte. Die Bekanntmachung vom 19. Mai 1987 band den Umgang mit AIDS ausdrücklich an seuchen-, ausländer- und polizeirechtliche Instrumente. So konnten die Gesundheitsämter unter bestimmten Voraussetzungen Vorladungen und Blutentnahmen anordnen und diese notfalls zwangsweise durchsetzen. Dieser Ansatz stand quer zu Präventionsstrategien, die stärker auf Aufklärung, freiwillige Beratung und den Schutz vor Ausgrenzung setzten.
Wie die Fotos des Aufzugs am Odeonsplatz zeigen, richtete sich die protestierende Menschenmenge mittels Transparenten weniger gegen „AIDS-Maßnahmen“ an sich als vielmehr gegen die ordnungspolitische Logik der bayerischen Regierung, für die etwa der damals amtierende Staatsekretär Peter Gauweiler exemplarisch einstand. Die Demonstrierenden nutzen diesen zentralen und in Bezug auf Paraden und politische Aufmärsche unterschiedlichster Couleur sehr geschichtsträchtigen Ort in der Altstadt Münchens als politische Bühne, um der Öffentlichkeit aufzuzeigen, dass effektive Seuchenpolitik nicht nur eine Frage administrativer Durchsetzungskraft ist, sondern auch von Vertrauen und gesellschaftlicher Solidarität abhängt. Krisenpolitik, die auf Sicherheitsversprechen zielt, führt aber, wenn sie auf Zwang und Verdacht anstatt auf Kommunikation und Kooperation setzt, immer zu Stigmatisierung und bedroht so den gesellschaftlichen Zusammenhalt.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/298">Für mehr (einschließlich 3 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2026-02-05T11:32:25+01:00</published>
    <updated>2026-02-18T15:42:42+01:00</updated>
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      <name>Henry Kaap</name>
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