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    <title type="html"><![CDATA[Das „Schachterleis“: Eislaufspaß im Lehel]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Als der Architekt und Maschinenbauer Felix Unsöld 1891 nach München kam, brachte er die Idee vom ganzjährig kühlen Bier – und bald auch vom Eislaufen im Winter – mit. In seiner Kunsteisfabrik an der Galeriestraße entstand 1892 Deutschlands erste künstliche Eisbahn. Wo einst Musik vom Grammophon erklang und Kufen über das „Schachterleis“ glitten, steht heute ein Hotel, das die Geschichte des Ortes lebendig hält.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/e2443dc690361d0960d040c75e312d86.jpg" alt="Unsölds künstliche Eisbahn in der Galeriestraße 24 in München, 1911 " /><br/><p>Johann Felix Unsöld (1852–1931) stammte aus einer Kemptener Brauereifamilie. 1891 zog er mit der Geschäftsidee, Stangeneis und Eisblöcke zur Kühlung von Bier herzustellen und so auch im Sommer kühles Bier trinken zu können, nach München. Ein passendes Grundstück für sein Vorhaben fand er bald darauf in der damaligen Galeriestraße 24, das auch die Wasserrechte für den angrenzenden Stadtmühlbach umfasste.
Um die Produktion seiner Fabrik auch im Winter auszulasten, richtete Unsöld 1892 im Hinterhof seiner Kunsteisfabrik die erste künstliche Eisbahn in Deutschland ein. Der verschachtelte Glasbau zwischen den Häusern – überdacht und ungefähr 40 Meter lang und 15 Meter breit – verdankt seinen Namen „Schachterleis“ der Bauweise der nachträglich angelegten Eisbahn.
Dort wurden Schlittschuhe verliehen und auch Eislaufkurse angeboten. Für musikalische Begleitung gab es ein Grammophon, an Donnerstagen, Sonntagen und Feiertagen nachmittags sogar ein Orchester, das live spielte.
Vom 25. Bis 27. Januar 1913 fand auf Unsöld’s Eisbahn die vierte Europameisterschaft im Eishockey statt, an der vier Teams aus Österreich, Böhmen, Deutschland und Belgien teilnahmen. Der Vizepräsident des Österreichischen Eishockey-Verbands schrieb dazu im Illustrierten (Österreichischen) Sportblatt vom 1. Februar 1913: „Münchens Kunsteisbahn kann wohl einer geringen Menge von [Schlachten]bummlern genügen, aber zur Austragung sportlicher Wettkämpfe oder Konkurrenzen ist sie nicht geeignet.“
Das Dach der Eisbahn wurde im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört. Dennoch blieb sie als Freiluftanlage bis 1949 bestehen. Aber die Eisbahn bekam Konkurrenz: Nachdem 1933 das Prinzregentenstadion aufgemacht hatte, gingen die Münchner lieber dorthin. 1960 wurde Unsöld’s Eisbahn geschlossen.
Die technische Entwicklung in dieser Zeit machte auch den Handel mit Stangeneis überflüssig – elektrische Kühlschränke übernahmen die Kühlung im Alltag. Gleichzeitig verschwanden immer mehr Münchner Wasserläufe unter Beton und Asphalt, um dem in den Nachkriegsjahren stetig wachsenden Verkehr Raum zu geben. So sah sich Unsöld gezwungen, seine Wasserrechte an die Stadt abzutreten und den Betrieb seiner Eisfabrik 1961 endgültig einzustellen. 
Seit 1970 steht an dieser Stelle ein Hotel, Unsölds Nachfahren hatten so im Vorfeld der Olympischen Spiele von 1972 ein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell geschaffen, das sich über die folgenden 50 Jahre bewähren sollte.
Unsölds Urenkelinnen, Sonja Unsöld und Susanna Lechner, haben das „Unsöld’s Factory Hotel“ zwischen 2019 und 2020 saniert und umgestaltet. Inspiriert von der Geschichte des Ortes orientiert sich die Innenarchitektur des Hotels mit Farben und Formen an der Vergangenheit.
So ist nun in der Bar ein historisches Foto eines der Unsöld’schen Eislieferwagen zu sehen und im Frühstücksraum erinnert ein wandfüllendes Foto an die Eislaufbahn. Auch der Straßenname erinnert seit 1970 and den Kunsteisfabrikanten Felix Unsöld.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/278">Für mehr (einschließlich 4 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-10-15T11:02:48+02:00</published>
    <updated>2026-01-20T11:25:20+01:00</updated>
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      <name>Betina Pflaum&amp;#32;&amp;amp;&amp;#32;Eva Blüml</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Das Kaufhaus Heinrich Uhlfelder: Ein Kaufhaus von Münchnern für Münchner ]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>„Der Uhlfelder“ war ein echtes Münchner Kaufhaus, das es mit den großen Konkurrenten Tietz und Oberpollinger aufnehmen konnte. 1931 überraschte es seine Kundschaft mit den ersten elektrischen Rolltreppen in der Isarmetropole.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/a74e6e2500214b04dcdfb27f734dfca0.jpg" alt="Rosental mit Kaufhaus Heinrich Uhlfelder, vor 1938." /><br/><p>Nach Hermann Tietz am Bahnhofplatz war das Kaufhaus Heinrich Uhlfelder im Rosental in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts das zweitgrößte Warenhaus Münchens. Im Gegensatz zu seinem Konkurrenten, der seine Stammkundschaft hauptsächlich in der Mittel- und Oberschicht besaß, richtete sich das Kaufhaus Heinrich Uhlfelder vorrangig an die einkommensschwächeren Schichten aus dem Kleinbürgertum.
Das Kaufhaus ging zurück auf das 1878 von Heinrich Uhlfelder (1853–1928) gegründete Haushalts- und Galanteriewarengeschäft im Rosental 9. Wie viele andere Kaufhausgründungen der Zeit verbuchte es rasch großen wirtschaftlichen Erfolg, so dass bald nicht nur das Sortiment, sondern auch die Verkaufsräume erweitert wurden. Im Jahr 1930 waren darin eintausend Angestellte beschäftigt. Aufsehen erregte der Einbau der ersten elektrischen Rolltreppen Münchens im Jahr 1931, die in die drei Verkaufsetagen hinaufführten.
Für sein soziales Engagement erhielt Heinrich Uhlfelder 1924 den Titel eines Kommerzienrats. Im Jahr seines Todes 1928 übernahm sein Sohn Max (1884–1958) die Geschäftsleitung.
Mit der Machtergreifung Hitlers 1933 verschlechterte sich die Situation der jüdischen Unternehmerfamilie und ihres Kaufhauses rapide. Immer wieder wurde es zum Ziel antisemitischer Übergriffe. Früh schon bemühte sich Max Uhlfelder um einen Verkauf, erreichte im Sommer 1938 gar den Abschluss eines Vorvertrages mit Vertretern der Hertie GmbH, die 1933 aus der Arisierung des Warenhauskonzerns Hermann Tietz hervorgegangen war. Die für die Genehmigung eines solchen Verkaufs zuständige Industrie- und Handelskammer (IHK) wie auch das Reichwirtschaftsministerium und das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft verweigerten jedoch ihre Zustimmung. Stattdessen wollten sie ein Exempel statuieren und eine vollständige Liquidation des Kaufhauses erreichen. Dem kamen die Ereignisse in der Reichspogromnacht 9./10. November 1938 zuvor. Das Kaufhaus Heinrich Uhlfelder, zu dem Zeitpunkt das einzige noch komplett in jüdischem Besitz befindliche große Warenhaus in der Münchner Innenstadt, wurde geplündert, die Inneneinrichtung – auch die Rolltreppen – nahezu vollständig zerstört und das Gebäude in Brand gesteckt. Ab Dezember 1938 wurde der noch vorhandene Warenbestand sowie das restliche Inventar an verschiedene Einzelhandelsbetriebe veräußert, der erzielte Verkaufserlös, der weit unter dem tatsächlichen Wert lag, von der Oberfinanzdirektion einbehalten. Der von den Behörden betriebene Verkauf der Immobilien zog sich allerdings noch einige Jahre hin, bis die Löwenbräu AG 1943 das Anwesen erwarb.
Max Uhlfelder wurde wie viele andere jüdische Unternehmer unmittelbar nach der Pogromnacht verhaftet und zunächst in Dachau inhaftiert, Anfang 1939 nach der schriftlichen Zusicherung, aus Deutschland zu emigrieren, wieder entlassen. Im Sommer 1939 gelang ihm mit seiner Familie die Ausreise nach Indien, 1947 in die USA. Der von ihm ab 1948 unternommene Versuch, das verlorene Münchner Geschäft wie auch das Vermögen und die Immobilien zurückzuerhalten, zog sich mit mehr als 89 Einzelverfahren bis 1971 hin. Nach seinem Tod 1958 setzten seine Nachfahren die Anstrengungen um die Restituierung fort.
Bereits 1954 hatte Max Uhlfelder die zu dem Zeitpunkt bereits zurückerhaltenen Grundstücke im Rosental – außer dem einstigen Stammgebäude mit der Hausnummer 9 – zum Vorzugspreis an die Stadt München verkauft, die dort bis 1997 zunächst eine Stadtteilbibliothek und schließlich den Erweiterungsbaus des Stadtmuseums errichtete.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/228">Für mehr (einschließlich 4 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-04-16T15:34:04+02:00</published>
    <updated>2025-05-19T10:50:22+02:00</updated>
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      <name>Heidi Rehn</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Das Kaufhaus Oberpollinger: Zwei Handelskoggen auf dem Dach verweisen bis heute auf die Verbindung in den Norden]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Das Grundstück des jahrhundertealten Traditionsgast- und Brauhauses Oberpollinger war für die Hamburger Kaufhausdynastie M. J. Emden Söhne Anfang des 20. Jahrhunderts der ideale Standort für eine Münchner Niederlassung. Zwar ging es schon bald in den Besitz der Karstadt AG über, behielt aber bis heute seinen alten Namen und ist inzwischen eines der letzten großen Warenhäuser der Stadt.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/b49626f107bfc4aabec677b6a02c961a.jpg" alt="Neuhauser Straße, 1905" /><br/><p>Am 15. Februar 1905 und damit zehn Tage vor dem nur wenige hundert Meter entfernten Warenhaus Hermann Tietz am Bahnhofplatz eröffnete das Kaufhaus Oberpollinger in der Neuhauser Straße gleich hinter dem Karlstor. Beim namensgebenden Oberpollinger handelte es sich um einen Gasthof mit Brauerei aus dem späten Mittelalter, der zuletzt als Hotel betrieben und Ende 1902 versteigert wurde. Wie bei ihren anderen Filialen entschied sich die jüdische Hamburger Kaufhausfamilie M. J. Emden Söhne, den alten Hausnamen zu behalten, was eine lokale Verwurzelung suggerieren sollte.
Wie auch bei Hermann Tietz am Bahnhofplatz bestand der Magistrat darauf, dass sich der neu errichtete Warenhausbau der Münchner Umgebung und hier vor allem der benachbarten Bürgersaalkirche anpasste. Auch hier wurde das Büro von Heilmann & Littmann mit der Planung beauftragt. Sie realisierten ein Gebäude mit drei prägnanten Giebeln zur Neuhauser Straße. Auf dem mittleren Giebel ist eine weibliche Figur zu sehen. Große Schaufensterfronten sowie diverse kleinteilige Schmuckplastiken an der Hauptfront zur Neuhauser Straße zierten das Gebäude. Im Innern war es schlicht gehalten. Hauptaugenmerk kam dem quadratisch angelegten Lichthof zu, der vornehmlich der Präsentation von Waren bei Sonderverkaufsaktionen diente.
M. J. Emden Söhne wurde bald von Max Emden (1874–1940) allein betrieben. Er beteiligte sich unter anderem auch am KadeWe in Berlin und führte seine Kaufhäuser ähnlich innovativ wie sein Konkurrent Hermann Tietz. Aufsehenerregende Werbemaßnahmen garantierten den Erfolg. So erschien ab 1907 über mehrere Jahre „Oberpollingers Illustriertes Modeblatt und Frauenzeitschrift“, das die seit etwa 1900 üblichen Versandkataloge um redaktionellen Inhalt erweiterte und kostenlos an die Kundschaft abgegeben wurde. Ab 1928 folgte das hauseigene „Magazin für Mode, Heim und Welt“, das allerdings 10 Pfennige kostete.
Mitte der 1920er Jahre verkaufte Max Emden seine Warenhäuser an den ebenfalls jüdischen Kaufhausunternehmer Rudolph Karstadt (1856–1944), der seine Firma seit 1920 als Aktiengesellschaft betrieb. Emden zog sich als Privatier an den Lago Maggiore zurück, wo er auf seiner Privatinsel eine bedeutende Kunstsammlung aufbaute.
Die Wirtschaftskrise nach 1929 ging auch an den Karstadt-Warenhäusern nicht spurlos vorbei, ebenso machten ihnen die zunehmenden Anfeindungen gegen jüdische Warenhäuser zu schaffen. Gewaltige Umsatzeinbrüche waren die Folge. 1932 zog sich Rudolph Karstadt als Hauptaktionär zurück. Im Sommer 1933 knüpften die Banken die Auszahlung eines zum Weiterbetrieb der Warenhäuser dringend benötigten Kredits an das Ausscheiden jüdischer Geschäftsführer, Aktionäre und Angestellter. Zwei leitende Mitarbeiter, die auch Mitglieder der NSDAP waren, sorgten dafür, dass die Forderungen umgesetzt wurden. Somit ist die Karstadt AG, die allerdings ihren Namen behielt, wie auch Hermann Tietz, aus dem nach der Arisierung durch die Nationalsozialisten Hertie wurde, eines der ersten großen, arisierten jüdischen Unternehmen in Deutschland. Im Rahmen der sogenannten Wiedergutmachungen wurden nach dem Krieg Ausgleichszahlungen an die ursprünglichen Besitzer und deren Erben geleistet, en détail aufgearbeitet ist die Geschichte allerdings noch nicht.
Anfang 1945 wurde das Kaufhaus Oberpollinger bei einem Bombenangriff schwer getroffen. Es brannte nahezu vollständig aus. Die letzten Warenbestände und Einrichtungsgegenstände wurden geplündert. Nach Kriegsende eröffnete der Verkauf zunächst nur in den Kellerräumen, ab 1947 im Erdgeschoss. Bis 1949 dehnte sich die Verkaufsfläche nach und nach über die weiteren Etagen aus. 1954 erfolgte die feierliche Wiedereröffnung des Gesamtgebäudes unter dem Slogan „Außen im vertrauten Kleid – innen nach der neuen Zeit“. 2006 wurde auf dem angrenzenden Gelände ein Anbau eröffnet, der die Verkaufsfläche maßgeblich erweiterte. Vor dem Eingang des Anbaus erinnert ein massiver Granitblock daran, dass sich hier einst die frühere Hauptsynagoge befand.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/226">Für mehr (einschließlich 8 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-04-11T17:31:08+02:00</published>
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      <name>Heidi Rehn</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Das Warenhaus Hermann Tietz am Bahnhofplatz: Ein hypermoderner Konsumtempel des frühen 20. Jahrhunderts]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Der 1905 am Bahnhofplatz eröffnete Bau war seinerzeit eines der größten und modernsten Warenhäuser Europas, Hermann Tietz eines der fortschrittlichsten und erfolgreichsten Warenhausunternehmen. Unter den Nationalsozialisten wurde das jüdische Unternehmen bereits im Sommer 1933 als eines der ersten arisiert, die Unternehmensgeschichte über Jahrzehnte verdrängt.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/2a44206c1de7eecec98bfb07c8ed310d.jpg" alt="Ansicht des Warenhauses Hermann Tietz vom Bahnhofplatz aus, 1910" /><br/><p>Am 25. Februar 1905, zehn Tage nach dem Kaufhaus Oberpollinger in der nahegelegenen Neuhauser Straße, eröffnete das neu errichtete Warenhaus Hermann Tietz am Münchner Bahnhofplatz. Beide Bauten wurden vom Münchner Unternehmen Heilmann & Littmann realisiert, das zuvor unter anderem das Prinzregententheater und den Rohbau des Schauspielhauses in der Maximilianstraße verantwortet hatte. Die Inszenierung von Waren wie auf einer Bühne war ein Erfolgskonzept des jüdischen Warenhausgründers Hermann Tietz – die Wahl von Heilmann & Littmann als Bauunternehmen daher nur konsequent.
Hermann Tietz (1837–1907), ursprünglich aus Birnbaum in der Provinz Posen, gründete 1882 in Gera mit seinem adoptierten Neffen Oscar (1858–1923) die Firma Hermann Tietz zunächst als Textilwarengeschäft. Nach fast zwei Jahrzehnten in den USA führte Tietz revolutionäre Geschäftspraktiken im Deutschen Kaiserreich ein: feste Preise auf Pappschildchen, Abschaffung des Feilschens, Barzahlung – jedoch ohne Kaufzwang. Die Kundschaft konnte sich erstmals unverbindlich über das Angebot informieren, was in deutschen Geschäften bis dahin unüblich war.
Mit Unterstützung seines Onkels eröffnete Oscar 1889 am Karlsplatz/Stachus im „Imperialhaus“, Schützenstraße 1a, sein erstes Münchner Geschäft als „Kleinpreisladen“ nach Hermanns Konzept. Zugleich ließ sich die Familie an der Isar nieder. Der enorme Erfolg des neuartigen Kaufhauses führte rasch zur Expansion. Bis 1900 folgten Filialen in mehreren deutschen Städten, darunter ein sechsstöckiges Warenhaus in Berlin, wohin die Familie 1899 von München übersiedelte.
Nach nur zwölf Monaten Bauzeit eröffnete Ende Februar 1905 das Warenhaus Hermann Tietz am Münchner Bahnhofplatz. Der Neubau folgte im Inneren den innovativen Marketingideen von Tietz, während die architektonische Außengestaltung mit Giebeln, Gauben und Türmen auf Magistratsvorgabe einen „spezifisch Münchener Ton“ traf. Genehmigt wurden vier Verkaufsetagen, ein Dachgeschoss für Lager und Büros sowie ein Keller mit Heizkessel, Dampfmaschine und einer Dieselmotoranlage, die den Bau vom städtischen Stromnetz unabhängig machte. Eine Besonderheit war der ellipsenförmige Lichthof, der sich durch alle Etagen zog und von einer Glas-Eisenkonstruktion überspannt wurde. Hier wurden Preisaktionen sowie wechselnde Sonderwarenangebote prominent präsentiert.
Mit seinen außergewöhnlichen Verkaufs- und Werbestrategien wurde Hermann Tietz zum Pionier des Warenhausbetriebs in Deutschland. Zugleich war er aber auch als Arbeitgeber sozial engagiert: Er förderte die Aus- und Weiterbildung seines Personals, bot eine Pensionskasse und Hinterbliebenenversorgung an und führte als erstes Einzelhandelsunternehmen die Sonntagsruhe ein. 1903 gründete Oscar Tietz den Verband Deutscher Waren- und Kaufhäuser (VDWK) und initiierte 1919 die Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels (HDE). Nach seinem Tod 1923 übernahmen die Söhne Georg und Martin sowie Hugo Zwillenberg (1885–1966), Ehemann von Tochter Regine Elise, die Geschäftsleitung.
Die Wirtschaftskrise ab 1929 traf auch Hermann Tietz folgenreich, und das, kurz nachdem das Unternehmen durch die Übernahme des Konkurrenten A. Jandorf &. Co. ohnehin finanziell stark belastet war. Die nationalsozialistische Boykottpolitik gegen die großen – überwiegend jüdischen – Warenhauskonzerne, spitzte die Situation zusätzlich dramatisch zu. Als das Unternehmen im Frühjahr 1933 einen weiteren Kredit benötigte, zwangen die Gläubigerbanken die jüdische Geschäftsleitung zum Rückzug. Im Sommer 1933 wurde der bisherige Angestellte Georg Karg (1888–1972) mit der Führung der neu gegründeten Hertie GmbH betraut. Die endgültige Verdrängung der Eigentümerfamilie Tietz zog sich noch einige Jahre hin, ebenso der Ausschluss sämtlicher jüdischer Mitarbeiter. Da die Banken das Firmenvermögen zu niedrig bewerteten, gelang Karg schrittweise bis 1940 die komplette Übernahme des Stammkapitals. Nach dem Ende des Nazi-Regimes und des Zweiten Weltkrieges kam es 1949 zu einem Vergleich zwischen ihm und den Tietz-Erben, später kaufte er die an die Familie rückübertragenen Anteile wieder auf und führte das Unternehmen allein weiter. Vielen galt er als „geschäftliches Genie“, woran sein Sohn Hans-Georg Karg, der 1972 die Unternehmensleitung übernahm, nicht anknüpfen konnte. Erst vor wenigen Jahren wurde die Firmengeschichte und die Rolle Georg Kargs während und nach der NS-Zeit aufgearbeitet.
Das Gebäude am Münchner Bahnhofplatz wurde kurz vor Kriegsende schwer beschädigt, bald aber konnte im Kellergeschoss der Verkauf schon wieder aufgenommen werden. Es folgten ein vereinfachter Wiederaufbau und 1971 ein langgestreckter Anbau entlang der Schützenstraße bis zum Stachus.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/221">Für mehr (einschließlich 5 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-04-01T13:08:38+02:00</published>
    <updated>2025-05-19T10:51:05+02:00</updated>
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      <name>Heidi Rehn</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Der Stemmerhof: Ein historischer Bauernhof mitten in Sendling]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Der Stemmerhof ist ein kleiner Dorfplatz mitten in Sendling, doch hinter der Fassade des Bauernhofs verbirgt sich eine fast tausendjährige Geschichte.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/21646cd20cc834ba15fd99c457ece9d4.jpg" alt="Landwirt Georg Stemmer (1911–1991) vor seinem Hof, um 1970" /><br/><p>Der Stemmerhof wurde erstmals 1381 urkundlich erwähnt, als ihn der herzogliche Gouverneur und Oberrichter von Oberbayern, Georg von Pienzenau, dem Heilig-Geist-Spital schenkte. Vermutlich stand an dieser Stelle aber schon seit circa 1000 nach Christus eine Hofstelle, die sich jedoch in Größe und Aufbau deutlich vom heutigen Stemmerhof unterschied. Das Heilig-Geist-Spital verpachtete den Hof dann über 500 Jahre lang an unterschiedliche Bauernfamilien, bis er 1638 im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde. Nach dem Wiederaufbau des Hofes durch Veith Hochmayr entsprach dieser durch seinen hufeisenförmigen Aufbau bereits weitgehend seiner heutigen Gestalt. Nachdem der Hof von mehreren Tierseuchen heimgesucht wurde, Brandschäden erlitten und einige Missernten zu verzeichnen hatte, wurde er von den Nachkommen Veith Hochmayrs 1799 schließlich an Georg Stemmer verkauft, welcher ihn bis 1827 zu einem der größten Höfe Sendlings ausbaute. 1864 wurde schließlich auch das Eigentum vom Heilig-Geist-Spital rechtlich auf die Familie Stemmer übertragen, welche den Hof bis heute besitzt. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Stallteil des Gehöfts zerstört und danach neu aufgebaut. Bis 1992 wurde der Hof mit 46 Kühen noch aktiv landwirtschaftlich genutzt.
Seit 2001 findet man im Stemmerhof neben einem urigen Restaurant mit typisch österreichischer Küche einen Biomarkt, den Sendlinger Bergfischer, welcher frischen Fisch und Meeresfrüchte anbietet, einen italienischen Feinkostladen, eine Eisdiele, einen Foodtruck, eine Goldschmiede und ein Hoftheater mit abwechslungsreichem Programm. Es gibt dort zudem einen Tierarzt und es werden Workshops angeboten. Der Stemmerhof kann also durchaus als ein kleiner Hofplatz mitten in Sendling gesehen werden, welcher nicht nur nachhaltige Einkaufsmöglichkeiten, sondern auch eine kulinarische Auswahl an Restaurants bietet. Zudem befindet sich auf der von der Straße abgewandten Seite des Hofes die Stemmerwiese, einen Teil der ehemaligen Weideflächen des Hofes. Die Wiese sollte 1980 für Wohnraum weichen, dies wurde jedoch durch eine Bürgerinitiative verhindert. Sie ist nun ein beliebter Treffpunkt mitten in Sendling und bietet Raum für Natur in der Großstadt München.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/161">Für mehr (einschließlich 5 images) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2024-06-11T11:52:30+02:00</published>
    <updated>2024-10-24T10:07:37+02:00</updated>
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      <name>Franz Parau</name>
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