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    <title type="html"><![CDATA[Der &quot;Orpheus&quot;: Eine der wenigen großen Männerfiguren von Martin Mayer]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Ein nackter Männerkörper in einer Wohnsiedlung? Da scheiden sich die Geister!</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/ea424d274d8d4dfd521d2d99b7cde549.jpg" alt="Martin Mayer: &quot;Orpheus&quot;, fotografiert im Jahr 2023 " /><br/><p>Der Dichter und Sänger Orpheus, bekannt aus der griechischen Mythologie, bekommt von Apollon, dem Gott der Musik, eine Lyra geschenkt. Damit begleitet Orpheus seinen Gesang und betört den Höllenhund Kerberos, als er in die Unterwelt hinabsteigt, um seine an einem Schlangenbiss gestorbene Frau Eurydike zurückzuholen. Hades gewährt ihm die Bitte unter der Auflage, Orpheus müsse vorangehen und dürfe sich nicht umdrehen. Das hält Orpheus nicht durch und Eurydike verschwindet deshalb endgültig im Totenreich. Martin Mayer zeigt Orpheus mit der Lyra, und Bernhard Borst lässt die 2,20 Meter große Bronzefigur 1962 gegenüber dem "<a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/348" target="_blank" title="Sitzenden Keiler" rel="noopener">Sitzenden Keiler</a>" des Bildhauers an der Ecke Löfftzstraße / Bernhard-Borst-Straße in der <a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/45" target="_blank" rel="noopener">Borstei</a> aufstellen. Aber nach Bernhard Borsts Tod im Januar 1963 wird das Kunstwerk in die versteckte südöstliche Ecke der Borstei verschoben. Hatten Bewohnerinnen oder Bewohner Anstoß am nackten Männerkörper genommen? Martin Mayer (1931–2022) wurde als Sohn pfälzischer Eltern in Berlin geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er im Alter von 15 Jahren nach München und studierte bis 1954 beim Bildhauer Theodor Georgii, zunächst als Privatschüler, dann an der <a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/50">Akademie der Bildenden Künste</a>. Als Theodor Georgii 1952 den von seinem Lehrer und Schwiegervater Adolf von Hildebrand gestalteten, im Krieg beschädigten <a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/135" target="_blank" rel="noopener">Wittelsbacher Brunnen</a> restauriert, vertraut er Martin Mayer einige der Bildhauer-Arbeiten an. Der nimmt 1953 als jüngster Bildhauer an der Großen Kunstausstellung im Haus der Kunst teil. 1957 richtet er sein erstes Atelier in München ein. Theodor Georgii stirbt 1963 und hinterlässt Martin Mayer nicht nur sein vom Schwiegervater übernommenes Atelier im <a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/72" target="_blank" rel="noopener">Hildebrandhaus</a> in Bogenhausen, sondern auch Adolf von Hildebrands Bildhauer-Werkzeuge. Im Jahr darauf zieht der Künstler in eine Wohnung in der <a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/45" target="_blank" rel="noopener">Borstei</a>, und als das Hildebrandhaus abgerissen werden soll, verlegt Martin Mayer 1968 auch sein Atelier dorthin.</p><p>Der Kunsthistoriker Heinz Spielmann beschreibt, wie sich die von Martin Mayer mit kräftigen Strichen begonnenen Skizzen im Arbeitsprozess vom Detail lösen. Abstrahierung hält der Bildhauer für essenziell. Dabei denkt er nicht an abstrakte Kunst, sondern an die Subtraktion des Unwesentlichen. "Kunst […] ist erklärte Natur, Abstraktion, in der Zufälligkeiten zugunsten des Wesentlichen abgezogen sind, Zusammenhänge sichtbar werden", schreibt Martin Mayer 1991 in einem Brief an Dietrich Heyde (Heyde, S. 7f.), und dieser zitiert Theodor Georgiis Leitsatz: "Man sollte bemüht sein, der Natur so nahe wie möglich zu kommen, indem man sich vom Naturalismus mehr und mehr entfernt." (Heyde, S. 14). "Per naturam ad artem, per artem ad naturam" steht auf der Kugel der "<a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/354" target="_blank" rel="noopener">Olympia Triumphans</a>". Damit beschreibt Martin Mayer sein künstlerisches Selbstverständnis. Jede seiner etwa dreißig großen Bronzefiguren im öffentlichen Raum wirkt "geradezu gewaltig einfach" (Heyde, S. 29).</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/350">Für mehr (einschließlich 4 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2026-07-28T11:31:05+02:00</published>
    <updated>2026-08-26T14:28:14+02:00</updated>
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      <name>Dieter Wunderlich</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Die Büste von Bernhard Borst: Martin Mayers Büste von Bernhard Borst]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Mit der nach ihm benannten <a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/45" target="_blank" rel="noopener">Borstei</a> hat Bernhard Borst eine außergewöhnliche Siedlung gebaut.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/8eeeee1ecefce1ef3b660fb00f40d08c.jpg" alt="Martin Mayer: Büste von Bernhard Borst in der Borstei, fotografiert im Jahr 2023" /><br/><p>Bernhard Borst (1883–1963) wurde in Offenburg geboren, kam aber im Alter von fünf Jahren nach München. Nach einer Maurerlehre besuchte er 1899 bis 1903 die Baugewerkschule München. 1908 machte sich Bernhard Borst als Architekt und Bauunternehmer selbstständig. Ende 1922 erwarb er eine Schafweide in Moosach und wollte dort Wohnungen bauen. Weil Bernhard Borst mit dem Ergebnis eines Architektenwettbewerbs unzufrieden war, erarbeitete er selbst einen Entwurf und fing zu bauen an. 1926 beschloss er, das gesamte Areal in eine Wohnsiedlung zu verwandeln. Als er 1927 die Genehmigung bekam und aufgrund einer neuen Verordnung einen Architekten einbeziehen musste, der Mitglied im Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) war, begann er mit Oswald Bieber (1874–1955) zusammenzuarbeiten. Bernhard Borst wollte keine Mietskasernen errichten. "Ich erkannte viele, viele Nachteile der Einfamilienhäuser, wusste aber auch um die Trostlosigkeit der Mietskasernen in der Stadt, und so suchte ich die Wohnfrage mit meiner Borstei zu lösen, das Schöne der Einfamilienhäuser mit dem Praktischen einer Etagenwohnung zu verbinden. Dabei stimmte ich alles auf die Entlastung der Hausfrau und die Gesundheit der Menschen ab." (Huse, S. 212f.). Für Parkettböden, Türen und Treppen verwendete Bernhard Borst slowenische Eiche. Der Komfort war außergewöhnlich: Zentralheizung, Warmwasser, Bäder mit Bidet. In einer Großküche bestellte Gerichte wurden mit Elektrokarren ausgeliefert. Eine Großwäscherei stand ebenfalls zur Verfügung, und es gab von Anfang an Einkaufsmöglichkeiten. Statt die Wohnungen in der 1928 nach ihm benannten Siedlung mit Balkonen auszustatten, legte Bernhard Borst vom Gartenarchitekten Alwin Seifert (1890–1972) entworfene Gärten zwischen den Häusern an, und die schmückte er im Lauf der Zeit mit Dutzenden von Statuen und Brunnen ‒ ohne durch eine Kunst-am-Bau-Verordnung dazu gezwungen zu sein. 1962 schuf Martin Mayer eine Bronzebüste von Bernhard Borst, die im Rosengarten der Borstei zu finden ist. Der Bauunternehmer und der Bildhauer hatten sich 1959 über einen Musiker des Bayerischen Staatsorchesters kennengelernt. Drei Kunstwerke von Martin Mayer sind in der Borstei zu finden: die Büste von Bernhard Borst, der "<a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/348" target="_blank" rel="noopener">Sitzende Keiler</a>" und "<a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/350" target="_blank" rel="noopener">Orpheus</a>". Martin Mayer (1931–2022) wurde als Sohn pfälzischer Eltern in Berlin geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er im Alter von 15 Jahren nach München und studierte bis 1954 beim Bildhauer Theodor Georgii, zunächst als Privatschüler, dann an der <a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/50" target="_blank" rel="noopener">Akademie der Bildenden Künste</a>. 1953 nahm Martin Mayer als jüngster Bildhauer an der Großen Kunstausstellung im Haus der Kunst teil, und 1957 richtete er sein erstes Atelier in München ein.</p><p>Theodor Georgii, der Schwiegersohn des Bildhauers Adolf von Hildebrand, starb 1963 und hinterließ Martin Mayer nicht nur sein Atelier im <a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/72" target="_blank" rel="noopener">Hildebrandhaus</a> in Bogenhausen, sondern auch die vom Schwiegervater übernommenen Bildhauer-Werkzeuge. Im Jahr darauf zog Martin Mayer in eine Wohnung in der <a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/45" target="_blank" rel="noopener">Borstei</a>, und als das Hildebrandhaus abgerissen werden sollte, verlegte der Bildhauer 1968 auch sein Atelier in die Borstei.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/349">Für mehr (einschließlich 2 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2026-07-28T10:21:07+02:00</published>
    <updated>2026-08-18T13:09:49+02:00</updated>
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      <name>Dieter Wunderlich</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Der &quot;Sitzende Keiler&quot;: Bronzeplastik von Martin Mayer in der Borstei]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Alle kennen den <a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/359" target="_blank" rel="noopener">Keiler vor dem Jagd- und Fischereimuseum</a>, aber das Original ist in der Borstei zu finden</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/b26b254404268ddd9fbb8c49dc3989f8.jpg" alt="Martin Mayer: &quot;Sitzender Keiler&quot;, fotografiert im Jahr 2024" /><br/><p>1959 lernen sich Martin Mayer und Bernhard Borst kennen. Weil sich der Gründer der <a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/45" target="_blank" rel="noopener">Borstei</a> für seine ungewöhnliche Siedlung in Moosach eine Bronze-Nachbildung der von Pietro Tacca um 1620 modellierten Figur "Porcellino" auf dem Mercato Nuovo in Florenz wünscht, schickt er den Bildhauer zweimal nach Italien. Tacca kopierte eine antike Marmorfigur in Bronze, aber Martin Mayer befreit sich 1960 von den Beschränkungen des Steinbildhauers: Um die Körperspannung deutlich zu erhöhen, dreht er den Kopf des "Sitzenden Keilers" und streckt einen bei Tacca angezogenen Hinterlauf. Das überzeugte auch den Auftraggeber Bernhard Borst.</p><p>Martin Mayer (1931–2022) wurde als Sohn pfälzischer Eltern in Berlin geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er im Alter von 15 Jahren nach München und studierte bis 1954 beim Bildhauer Theodor Georgii, zunächst als Privatschüler, dann an der <a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/50">Akademie der Bildenden Künste</a>. Als Theodor Georgii 1952 den von seinem Lehrer und Schwiegervater Adolf von Hildebrand gestalteten, im Krieg beschädigten <a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/135" target="_blank" rel="noopener">Wittelsbacher Brunnen</a> restauriert, vertraut er Martin Mayer einige der Bildhauer-Arbeiten an. Der nimmt 1953 als jüngster Bildhauer an der Großen Kunstausstellung im Haus der Kunst teil. 1957 richtet er sein erstes Atelier in München ein. Theodor Georgii stirbt 1963 und hinterlässt Martin Mayer nicht nur sein vom Schwiegervater übernommenes Atelier im <a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/72" target="_blank" rel="noopener">Hildebrandhaus</a> in Bogenhausen, sondern auch Adolf von Hildebrands Bildhauer-Werkzeuge. Im Jahr darauf zieht der Künstler in eine Wohnung in der Borstei, und als das Hildebrandhaus abgerissen werden soll, verlegt Martin Mayer 1968 auch sein Atelier dorthin.</p><p>Der Kunsthistoriker Heinz Spielmann beschreibt, wie sich die von Martin Mayer mit kräftigen Strichen begonnenen Skizzen im Arbeitsprozess vom Detail lösen. Abstrahierung hält der Bildhauer für essenziell. Dabei denkt er nicht an abstrakte Kunst, sondern an die Subtraktion des Unwesentlichen. "Kunst […] ist erklärte Natur, Abstraktion, in der Zufälligkeiten zugunsten des Wesentlichen abgezogen sind, Zusammenhänge sichtbar werden", schreibt Martin Mayer 1991 in einem Brief an Dietrich Heyde (Heyde, S. 7f.), und dieser zitiert Theodor Georgiis Leitsatz: "Man sollte bemüht sein, der Natur so nahe wie möglich zu kommen, indem man sich vom Naturalismus mehr und mehr entfernt." (Heyde, S. 14). "Per naturam ad artem, per artem ad naturam" steht auf der Kugel der "<a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/354" target="_blank" rel="noopener">Olympia Triumphans</a>". Damit beschreibt Martin Mayer sein künstlerisches Selbstverständnis. Jede seiner etwa dreißig großen Bronzefiguren im öffentlichen Raum wirkt "geradezu gewaltig einfach" (Heyde, S. 29).</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/348">Für mehr (einschließlich 8 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2026-07-28T09:23:50+02:00</published>
    <updated>2026-08-18T13:11:12+02:00</updated>
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      <name>Dieter Wunderlich</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Der Münchner Westfriedhof: Ein Meisterwerk Hans Grässels]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Im Münchner Stadtteil Moosach gelegen, ist der Westfriedhof dort nicht nur Stätte der Stille und Besinnung auf das Leben und dessen Endlichkeit, sondern auch Ort der Natur und ihrer Vielfalt.</em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/86c248e4b262f1e793ab501626f09813.jpg" alt="Der Westfriedhof, 1908" /><br/><p>Zu den Planungen des späteren Münchner Stadtbaudirektors Hans Grässel (1860–1939) für die Neuordnung der Münchner Friedhofssituation gehörte auch ein Friedhof im Westen der Stadt. Das dafür benötigte Gelände im Süden der Gemeinde Moosach wurde eigens nach München eingemeindet. Die Friedhofsbauten entstanden zwischen 1897 und 1902 nach Entwürfen von Grässel. Nach dem Nord- und dem Ostfriedhof war es der dritte Friedhof der Landeshauptstadt, der von ihm erbaut wurde. Im Zentrum der baulichen Anordnung steht eine runde überkuppelte Aussegnungshalle, die nach dem frühchristlichen Vorbild von Santa Costanza in Rom gestaltet ist und als Grässels wohl vollendetstes Werk angesehen wird. In bewusster Asymmetrie sind westlich davon die Leichenhalle in basilikaler Bauweise mit einem Campanile und östlich Verwaltungsgebäude angefügt. Als Besonderheit wurde nach italienischem Vorbild eine Krypta mit 219 Begräbniszellen als einzige unterirdische Begräbnisstätte in München angelegt. Im Norden des Baukomplexes entstand eine Terrassenanlage, die in ihrer Nordostecke mit einer Ölberggruppe versehen wurde. Der von Grässel geplante Friedhofsteil besteht, ebenso wie spätere Friedhofserweiterungen nach Westen, weitgehend aus rechteckig angelegten Gräberfeldern. Die Erweiterungen im Südwesten und Norden der Anlage sind dagegen unregelmäßiger geformt. Im neuen Teil des Friedhofs stellte man 1927 eine in Tirol erworbene hölzerne Kalvarienberggruppe aus dem 17. und 18. Jahrhundert auf. Für die im Dienst zu Tode gekommenen Angehörigen der bayerischen Polizei wurde 1931 ebenfalls im neuen Friedhofsteil ein Denkmal in der Form einer überlebensgroßen Rolandsfigur nach einem Entwurf von Emil Epple (1877–1948) errichtet. Bei einem Luftangriff während des Zweiten Weltkriegs kam 1944 die Leichenhalle zu Schaden. Sie wurde 1951 äußerlich weitgehend in der früheren Form und im Innern mit einem erhöhten Platzangebot wieder aufgebaut. 1960 trug die Stadt München der vermehrten Nachfrage von Urnenbestattungen im Westfriedhof Rechnung, indem sie im Südwesten des Friedshofsgeländes eine neue Urnenhalle nach einem Entwurf von Eugen Jacoby (1920–1963), dem Leiter des Münchner Grabmalamtes, errichten ließ. Auf dem Urnenfeld im Westen gestaltete die in München wirkende Bildhauerin Karolin Bräg 2007 einen Steinkreis aus Granit, der das Abschiednehmen thematisiert. 2015 wurde die Urnenanlage „Mosaikgärten“ mit inzwischen über 2000 Bestattungsplätzen eröffnet. Sie besteht aus handwerklich gestalteten Natursteinen und Steinstelen mit den Namen der Bestatteten sowie zwei Urnenwänden mit Glasmosaiken, welche der Anlage ihren Namen geben. Der Westfriedhof umfasst nach mehreren Erweiterungen heute eine Fläche von 49,72 Hektar mit rund 41.700 Grabplätzen und ist somit nach dem Waldfriedhof der zweitgrößte Friedhof der Landeshauptstadt. Dieser Friedhof ist unter anderem der letzte Ruheort für 21 Gesellen des kath. Gesellenvereins St. Josef (heute Kolpingsfamilie), die am 6. Mai 1919 während ihrer wöchentlichen Versammlung in der Augustenstraße von Mitgliedern des Freikorps Epp verhaftet und zum Prinz-Georg-Palais am Karolinenplatz geführt worden waren, weil man sie fälschlicherweise für Spartakisten (also Revolutionsanhänger) hielt. In Wahrheit waren sie regierungstreue Anhänger der Bayerischen Volkspartei. Dort wurden die 26 Verhafteten schwer misshandelt und 21 von ihnen schließlich ermordet. Fünf Gesellen überlebten die Tat, weil man sie für tot hielt. Die Gedächtnisrede bei der Beerdigung hielt der später im Widerstand gegen die NS-Diktatur tätige Jesuitenpater Rupert Mayr (1876–1945), der 1986 von Papst Johannes Paul II. (1920–2005/1978–2005) im Münchner Olympiastadion seliggesprochen wurde. Auch zahlreiche Prominente aus Politik und Kultur sind hier bestattet, wie Kaiserin Soraya von Persien (1932–2001), die Maler Franz von Lenbach (1836–1904) und Paul Weber (1823–1916), der ehemalige bayerische Ministerpräsident Hanns Seidel (1901–1961), die Sängerin „Alexandra“ – Doris Nefedov - (1942–1969), der Widerstandskämpfer Walter Klingenbeck (1924–1943) oder der Erbauer der gegenüber dem Westfriedhof gelegenen und nach ihm benannten Wohnanlage Bernhard Borst (1883–1963).</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/202">Für mehr (einschließlich 4 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2025-01-16T13:25:22+01:00</published>
    <updated>2026-08-06T13:36:57+02:00</updated>
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      <name>Christian Freundorfer&amp;#32;&amp;amp;&amp;#32;Manfred Heimers</name>
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    <title type="html"><![CDATA[Die Borstei: Ein Dorf in der Stadt]]></title>
    <summary type="html"><![CDATA[<p><strong><em>Die denkmalgeschützte Wohnsiedlung „Borstei“ im Nordwesten Münchens zwischen Dachauer Straße und Landshuter Allee gelegen, bildet, nach außen hin durch die Randbebauung abgeschottet, eine Welt für sich, in der es sich sogar autark leben ließe. </em></strong></p><img src="https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/09a0429be22bd892dc1c021c25c7e048.jpg" alt="Luftbild der Borstei, 2018" /><br/><p>Allen Behauptungen zum Trotz handelt es sich bei der „Borstei“ weder um eine Genossenschaft noch um eine Arbeitersiedlung, sondern um Privateigentum. Die Bewohner:innen entstammten bereits zur Erbauungszeit vor allem der bürgerlichen Mittelschicht. </p><p>1922 wurde dem Bauunternehmer Bernhard Borst (1883–1963) der Lagerplatz in der Thalkirchner Straße gekündigt. Er kaufte daraufhin 1923 das Areal neben dem damaligen Gaswerk an der Dachauer Straße und plante neben dreigeschossigen Wohnhäusern, Büros und Werkstätten, ein Sägewerk und eine Kiesgrube, modifizierte jedoch den Bebauungsplan immer wieder, vor allem nachdem die Kündigung für seinen Lagerplatz zurückgenommen wurde. Auf einer Fläche von knapp 70.000 m² entstanden in den nächsten fünf Jahren 77 Häuser mit 772 Wohnungen. Borst, der nach einer Maurerlehre an der Baugewerkschule studiert hatte und ab 1911 als selbstständiger Architekt auftrat, musste allerdings 1927 aufgrund eines neuen Gesetzes einen Diplomarchitekten hinzuziehen. Oswald Bieber (1876–1955) sind die unterschiedlichen Gestaltungen der Fassaden und anderer Details wie verschieden gestaltete Treppenhäuser, Eingangs- und Wohnungstüren zu verdanken. </p><p>Die nach außen hin wirkende Geschlossenheit der Borstei wird durch die Randbebauung erzeugt, die nicht die Unregelmäßigkeit der Straßenzüge im Inneren erwarten lässt. Hinzu kommen die zahlreichen großzügigen Gärten und Höfe, die nicht nur unregelmäßig angelegt sind, sondern auch durch den Kelleraushub Niveauunterschiede aufweisen. Die Gestaltung der Gärten, 1929/30 von Alwin Seifert (1890–1972) begonnen, zog sich bis in die 1950er Jahre hin. Sie nehmen zusammen mit den Straßen einen Großteil der Gesamtfläche ein, denn die Bebauung umfasst lediglich knapp 20.000 m². </p><p>Die für damalige Verhältnisse luxuriös ausgestatteten Wohnungen mit Badezimmer und fließendem Wasser sowie Eichenparkett sind verhältnismäßig groß und werden über ein zentrales Heizkraftwerk mit Wärme versorgt, ein Novum im damaligen Deutschland. In der Nähe der Heizungsanlage befindet sich die Wäscherei, die früher obligatorisch benutzt werden musste. Von den Geschäften in der sogenannten Ladenstraße, eigentlich Franz-Marc-Straße, garantieren etliche eine Grundversorgung, außerdem gibt es ein kleines Lokal und ein Café sowie einen Kindergarten und mehrere Arztpraxen. </p><p>Nach Vollendung der Siedlung, bei der Borst bestrebt war, die Vorteile von Mietwohnungen mit ihren Dienstleistungen mit dem Luxus gestalteter Gartenanlagen zu verbinden, beschäftigte er sich mit der Verschönerung dieser Gartenanlagen, indem er Künstler beauftragte Skulpturen zu schaffen. Andere wie eine Kopie des <i>David</i> von Donatello oder des <i>Zentauren</i> aus der Villa Hadriana (heute in den Kapitolinischen Museen in Rom) kaufte er im Antiquitätenhandel oder er ließ Münchner Bildhauer nach seinen Entwürfen arbeiten wie beim <i>Neptunbrunnen</i> oder dem <i>Parisurteil</i>.</p><p>Die inzwischen hohen Bäume, das Grün der Hecken und Büsche, die Blumenpracht und die plätschernden Brunnen lassen die Borstei nicht nur an heißen Sommertagen zu einem Refugium werden, das mit den vielen Grünflächen heutigen Wunschvorstellungen von modernem Städtebau entspricht.</p><p><em><strong><a href="https://municharttogo.zikg.eu/items/show/45">Für mehr (einschließlich 16 Bilder) sehen Sie den Originalartikel</a></strong></em></p>]]></summary>
    <published>2022-09-26T09:21:29+02:00</published>
    <updated>2026-07-30T12:49:12+02:00</updated>
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      <name>Susanna Partsch</name>
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