{"id":94,"featured":0,"modified":"2023-06-26 15:02:26","latitude":48.143473651144554,"longitude":11.585013270378113,"title":"Das Ausstellungsgebäude der „Münchner Secession“ an der Prinzregentenstraße","subtitle":"– provisorisch, kurzlebig und unbekannt","fullsize":"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/ce5ff0b2a3d8c736d7f1275914ee2b11.jpg","address":"Prinzregentenstraße 2, 80538 München","zoom":16,"creator":["Valérie Meßner"],"description":"<p>Nach dem immensen Erfolg der drei internationalen Ausstellungen im Glaspalast (1869, 1879 und 1883) wuchs das Interesse der internationalen Künstlerschaft an einer Ausstellungsbeteiligung in München stark an. Dies hatte zur Folge, dass einheimische Künstler eine Benachteiligung gegenüber internationalen Vertretern in Gestalt von Verdiensteinbußen befürchteten.</p>\n<p>An Franz von Lenbach, Leiter der „Münchner Künstlergenossenschaft“ (MKG), wurde daher die Bitte herangetragen, heimische Künstler zu bevorzugen und internationale Akteure auszuschließen. Lenbach reagierte mit einer Ausstellungspolitik, die dem Rechnung trug, indem sie den heimischen Historismus förderte und neuere Kunstrichtungen begrenzte. Einige Mitglieder der Münchner Künstlerschaft wollten jedoch die Internationalität der Veranstaltung unbedingt erhalten und lehnten die geplante „konservative“ Ausstellungspolitik der MKG ab; in ihrer Sicht trugen auswärtige Künstler entscheidend zum Niveau der progressiven Kunststadt München bei.</p>\n<p>Die Differenzen in künstlerischen und kulturpolitischen Fragen führten dazu, dass einige Künstler die MKG verliessen und sich im Frühjahr 1892 als „Münchner Secession“ zusammenschlossen. Bekannte Mitglieder sind Franz von Stuck, Max Liebermann, Max Slevogt, Bruno Pilghein, Wilhelm Trübner und Lovis Corinth.</p>\n<p>Nach der offiziellen Abspaltung wandten sich die Secessionisten an das Kultusministerium, um eine Genehmigung für eine von der MKG unabhängige Präsentation im Glaspalast zu erhalten. Diese Bitte wurde nach nur vier Tagen vom Kultusminister mit dem Kommentar abgelehnt, dass man eine Abspaltung nicht gutheiße und im Interesse der Münchner Kunst auf eine schnelle Versöhnung hoffe.</p>\n<p>Diese Ablehnung motivierte die Secessionisten, bereits am 1. April 1893 mit dem Bau eines eigenen Ausstellungsgebäudes zu beginnen. Baurat Franz Brandl (1833–1896) stellte dafür ein kostenloses Grundstück an der Prinzregentenstraße Ecke Pilotystraße – heute etwa Prinzregentenstraße 2, die direkte Eckverbindung der beiden Straßen existiert jedoch nicht mehr – zur Verfügung und genehmigte den Secessionisten, sich dort für fünf Jahre niederzulassen. Das provisorische Ausstellungsgebäude wurde zum größten Teil vom Publizisten Georg Hirth (1841–1916) finanziert, welcher die Secessionisten seit der Gründung mit seinen journalistischen Beiträgen sowie auch mit finanziellen Mitteln unterstützt hatte. Der namhafte Architekt und Professor der Technischen Hochschule Paul Pfann (1860–1919) errichtete gemeinsam mit der Baufirma „Heilmann &amp; Littmann“ eine beeindruckende Galerie für die Secession. Am 15. Juli 1893 wurde die erste Ausstellung der „Münchner Secession“ mit ungefähr 880 Werken eröffnet. Im Vergleich zu den rund 2800 Werken, welche im Glaspalst gezeigt wurden, wird das gewünschte „elitäre“ Verhältnis von Quantität und Qualität ersichtlich. Mit diesem Kontrastprogramm wurde das Provisorium an der Prinzregentenstraße zum kleinen Zentrum, zu einem Gegenpol zu den großen Ausstellungen im Glaspalast.</p>\n<p>In fünf erfolgreichen Jahren mit eigenem Ausstellungsbetrieb war die „Münchner Secession“ zweifelsfrei zu einer bedeutenden Vereinigung in München geworden. Trotzdem wurde das Gebäude an der Prinzregentenstraße nach den vereinbarten fünf Jahren abgerissen. Heute sind nur noch wenige Spuren der Innen- sowie Außenansicht des monumentalen Ausstellungsbaus nachzuweisen, der sich einst gegenüber dem heutigen Haus der Kunst befand.</p>","sponsor":null,"accessinfo":"","lede":"1893 eröffnete die Künstlergruppe der „Münchner Secession“ ein monumentales provisorisches Ausstellungsgebäude an der Prinzregentenstraße und bildete damit ein kleines Gegenzentrum zu den populären Kunstausstellungen im Münchner Glaspalast.","website":null,"related_resources":["Karl M. Lipp (Hg.): Die Münchner Secession und ihre Galerie, Ausst.-Kat. München, München 1975.","Horst Ludwig: Kunst, Geld und Politik um 1900 in München. Formen und Ziele der Kunstfinanzierung und Kunstpolitik während der Prinzregentenära (1886-1912), Berlin 1986.","Norbert Götz und Clementine Schack-Simitzis: Die Prinzregentenzeit, München 1988.","Rita Hummel: Die Anfänge der Münchner Secession, München 1989.","Markus Harzenetter: Zur Münchner Secession. Genese Ursachen und Zielsetzungen dieser intentionell neuartigen Münchner Künstlervereinigung, München 1992.","Bettina Best: Secession und Secessionen. Idee und Organisation einer Kunstbewegung um die Jahrhundertwende, München 2000.","Eva Mendgen (Hg.): Franz von Stuck. Die Kunst der Verführung, Ausst.-Kat. München, München 2002.","Jochen Meister: Münchener Secession. Geschichte und Gegenwart, München 2007.","<a href=\"http://digital.bib-bvb.de/collections/ZIKG/#/collection/DTL-1962\">Digitalisate der Kataloge der Münchner Künstlervereinigungen Secession (Zentralinstitut für Kunstgeschichte).</a>"],"factoids":[],"files":{"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/ce5ff0b2a3d8c736d7f1275914ee2b11.jpg":{"id":1005,"mime-type":"image/jpeg","title":"Paul Pfann, Das Ausstellungsgebäude des Vereins Bildender Künstler (Secession), 1894","description":"Druck auf Papier, 27,9 x 38,6 cm – Das Ausstellungsgebäude entfaltete schnell eine große Wirkungsmacht und wurde zu einem zentralen Akteur im Münchner Kunstbetrieb. Ohne diesen eigenen Ausstellungsort und die dadurch entstandene räumliche Distanz zum etablierten Kunstbetrieb der MKG hätte die Gruppe wohl kaum so schnell zu einer Erfolgsgeschichte werden können. | <a href=\"https://doi.org/10.25645/bphb-nsr1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Architekturmuseum der TU Berlin, Inv. Nr. B 1265,052</a>","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/ce5ff0b2a3d8c736d7f1275914ee2b11.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/0856e6603e243ddfe4a18276be028c6d.jpg":{"id":999,"mime-type":"image/jpeg","title":"Franz von Stuck, Plakat für die Ausstellung der Secession München, 1915","description":"Farblithographie, 68,7 x 31,5 cm – 1915 entwirft Secessionskünstler Franz von Stuck ein Plakat, welches das linke Profil eines Athenekopfes in einem Oktogon zeigt. Stucks Motiv der Pallas Athene, welche die griechische Göttin der Künste und der Weisheit verkörpert, wurde daraufhin zum Emblem der „Münchner Secession“. | <a href=\"https://www.villastuck.de/sammlung-online/detail/plakatfuerdieausstellungdersezessionmuenchen1915-40000200\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Museum Villa Stuck</a>","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/0856e6603e243ddfe4a18276be028c6d.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/59800f1063e3dfab1731b90fa02d1922.jpg":{"id":1000,"mime-type":"image/jpeg","title":"Offizieller Katalog der Internationalen Kunst-Ausstellung des Vereins\r\nbildender Künstler Münchens (A.V.) „Secession“, 1893","description":"Das Plakatmotiv der Secessionisten, die griechische Göttin, verweist auf das Beziehungsgeflecht der neuen Künstlergruppe zu traditionellen Institutionen der Münchner Kunststad, welche ebenso als „Isar-Athen“ bezeichnet wird. Ebenso könnte das Oktogen um dem Kopf der Athena auf dem Plakat auf den ehemals achteckigen Grundriss des Gebäudes in der Prinzregentenstraße verweisen. | <a href=\"https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bvb:255-dtl-0000000606#0004\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Exemplar Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Bibliothek, Kat.Ausst. München Secession 1893 R</a>","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/59800f1063e3dfab1731b90fa02d1922.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/e7a7b458f4fc3f8429a12b95c1e1afc2.jpg":{"id":1001,"mime-type":"image/jpeg","title":"Paul Pfann, Ausstellungsgebäude des Vereins Bildender Künstler (Secession), Grundriss und Längsschnitt, 1894","description":"Druck auf Papier, 38,8 x 28,2 cm – Ein Student notierte am Eröffnungstag des Gebäudes: „Das leicht und luftig konstruierte, kalkweiß gestrichene Gebäude hatte den unschätzbaren Vorzug, das in allen Räumen die Belichtung ideal war. Die Eröffnung vollzog sich, dem revolutionären Charakter der Gruppe entsprechend, ohne alles offizielle Gepränge, was für die damalige Zeit alleine schon ein Verstoß gegen das Herkommen war… Und man hatte trotz der sehr bescheidenen Aufmachung das bestimmte Gefühl, am Beginn einer neuen Zeit zu stehen.“ (Zitiert nach Ludwig, 1986). | <a href=\"https://doi.org/10.25645/y6s5-mbjn\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Architekturmuseum der TU Berlin, Inv. Nr. B 1265,051</a>","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/e7a7b458f4fc3f8429a12b95c1e1afc2.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/03c5963723303760beb26b32157783f9.jpg":{"id":1004,"mime-type":"image/jpeg","title":"Heinrich Nisle, Das Ausstellungsgebäude der „Münchner Secession“ an der Prinzregentenstraße, 1893","description":"Xylografie, 16,5 x 23 cm – Nach dem Abriss des Secessionsgebäudes in der Prinzregentenstraße besaß die Gruppe bereits eine solch hohe Stellung, dass ihnen das Kunstaustellungsgebäude am Königsplatz als Ausstellungort angeboten wurde. | Stadtarchiv München, GS-A-0597","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/03c5963723303760beb26b32157783f9.jpg"}}}