{"id":59,"featured":0,"modified":"2023-08-01 10:06:57","latitude":48.14575016418763,"longitude":11.578643918023772,"title":"Das Herzog-Max-Palais","subtitle":"Ein Abriss zugunsten der „Hauptstadt der Deutschen Kunst“","fullsize":"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/832d24c6f52a038445ff9eac8c858c09.jpg","address":"Ludwigstr. 13, 80539 München","zoom":17,"creator":["Thomas Müller"],"description":"<p>Was wäre das für ein Pilgerort für Sisi-Fans aus aller Welt: Im Herzog-Max-Palais in der Ludwigstraße 13 erblickte die Tochter von Herzog Maximilian in Bayern (1808–1888) und seiner Frau Ludovica (1808–1892), einer Schwester von König Ludwig I., an Heiligabend 1837 das Licht der Welt. Sisi, eigentlich Elisabeth Amalie Eugenie von Wittelsbach, Herzogin in Bayern (1837–1898), die spätere Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn, wuchs hier in einem schlossähnlichen Palast auf, der an Größe und klassizistischem Prunk in München nur von der Residenz übertroffen wurde. Doch heute ist das Palais längst Geschichte – abgerissen 1937/38.</p>\n<p>Adolf Hitler war für die geplanten Aufmärsche zum „Haus der Deutschen Kunst“ die damals viel zu schmale Von-der-Tann-Straße ein Dorn im Auge, weshalb er das Palais abreißen ließ. Der damalige Eigentümer des Palastbaus, Herzog Ludwig Wilhelm in Bayern (1884–1968), wurde unter Druck gesetzt, das Kaufangebot der Reichsbank zu akzeptieren und in nur drei Wochen das Palais leerzuräumen. Am 14. Juni 1937 verkaufte er – kurz vor seiner Flucht in die USA.</p>\n<p>Noch im selben Jahr ließ der spätere Wiederaufbau-Architekt Hans Döllgast (Alte Pinakothek, St. Bonifaz, Residenz, Würzburger Dom) die herrlichen Innenräume dokumentieren, um zumindest das Andenken dieser verlorenen Pracht zu bewahren. Und Fritz Gablonsky von der Obersten Baubehörde überreichte Hitler sogar persönlich seine schriftlichen Bedenken (nebst Fotos) gegen den Abriss des prachtvollen Palais – vergeblich. Ende März 1938 war der Abriss vollendet. Was damit verloren war, waren die repräsentativsten Raumfluchten des Klassizismus Leo von Klenzes in München. So etwa der Große Speisesaal mit Kassettendecke und einem 44 Meter langen Relieffries von Ludwig von Schwanthaler, der noch prunkvollere, zweistöckige Ballsaal, der Empfangssalon mit seinen monumentalen Fresken, der Stuckmarmor, das prächtige Parkett, die vielen Malereien und kunstvoll geschnitzten Decken und Türen in allen Räumen. Auch ein zeltartiger Theatersaal, eine Hauskapelle, Wirtschaftsgebäude sowie Stallungen wurden in nur wenigen Monaten zerstört.</p>\n<p>Dennoch hat sich ein wenig vom alten Palais erhalten. Das Meiste davon befindet sich im 1938 begonnenen Reichsbankgebäude an gleicher Stelle, das nach dem Krieg von der Landeszentralbank Bayern und dem Architekten Prof. Carl Sattler bis 1951 vollendet wurde. Das wertvollste Relikt hängt dort in der gewölbten Eingangshalle des Bankgebäudes – das Bacchus-Relief von Ludwig von Schwanthaler, das fast komplett erhalten ist – oder auch die von Klenze konzipierten und vor dem Abriss ausgebauten Intarsien-Parkettböden, die im Großen Sitzungssaal, in Vorstandsräumen, mehreren Diensträumen, im Präsidentenzimmer oder im kleinen Sitzungssaal Verwendung gefunden haben und so erhalten geblieben sind. Auch die vier monumentalen Fresken von Robert Langer haben den Abbruch des Palais überlebt. Vor dem Abriss bewahrt hatte sie der zuständige Baudirektor der Reichsbank Heinrich Wolff, der jedes der Monumentalfresken (2,5 mal 5 Meter) – einschließlich Mörtelschicht wog so ein Fresko etwa 10 Zentner – ausbauen ließ. Eingebaut wurden sie ausgerechnet in den Sitzungssaal im „Haus des Deutschen Rechts“ in der Ludwigstraße, das 1939 eingeweiht wurde. Dort gerieten sie dann allerdings erst in Vergessenheit, wurden teils übermalt und erst 1992/93 restauriert.</p>\n<p>Immerhin, auch der Kaulbach-Zyklus aus dem Ballsaal ist erhalten – in der Musikalienabteilung der Staatsbibliothek – ansonsten nichts. Heute erinnern nur noch eine unauffällige Bronze- und eine nichtssagende Infotafel an Sisi und an das vormalige Pracht-Palais. Nein, wahrlich kein guter Ort für Sisi-Fans aus aller Welt.</p>","sponsor":null,"accessinfo":"Nicht erhalten","lede":null,"website":null,"related_resources":["Landeszentralbank in Bayern (Hg.): Vom Herzog-Max-Palais zur Landeszentralbank. Geschichte des Hauses Ludwigstraße 1, München 1990.","Heinrich Habel, Johannes Hallinger und Timm Weski (Hg.): Landeshauptstadt München Mitte. Die Bezirke Altstadt und Lehel, Maxvorstadt sowie der Englische Garten: Ensembles, Baudenkmäler, archäologische Denkmäler, Bd. 2,1,2: 1, Oberbayern, Kreisfreie Städte, Drittelband 2, München 2009, S. 502–504.","„Die Fresken im Seminargebäude Ludwigstr. 28, I. Stock“, 2003, Skript von Prof. Dr. Knut Borchardt (1969 bis 1991 Ordinarius für Wirtschaftsgeschichte und VWL an der LMU München).","Richard Bauer: Maxvorstadt, München 2013 (Zeitreise ins alte München), S. 103–108.","Konstantin Köppelmann und Dietlind Pedarnig: Münchner Palais, München 2016, S. 654–687.","Werner Ebnet: Die Ludwigstraße. Münchens königliche Prachtstraße, München 2018, S. 68–77.","<a href=\"https://www.abendzeitung-muenchen.de/muenchen/historische-fotos-aus-muenchen-prunk-im-herzog-max-palais-art-787715\">Thomas Müller: Historische Fotos aus München. Prunk im Herzog-Max-Palais, in: Abendzeitung München, 25.01.2022.</a>"],"factoids":[],"files":{"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/832d24c6f52a038445ff9eac8c858c09.jpg":{"id":628,"mime-type":"image/jpeg","title":"Das Herzog-Max-Palais, um 1900","description":"Der schlossartige Palast wurde 1828 bis 1831 nach Entwürfen Leo von Klenzes errichtet. Er bestand aus einem dreigeschossigen Hauptgebäude und zwei rückwärtigen Seitenflügeln. | Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek, ZI-0962-02-00-411730","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/832d24c6f52a038445ff9eac8c858c09.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/6aab3468f8f7ccb0906c5c684a1bd6e0.jpg":{"id":617,"mime-type":"image/jpeg","title":"Enfilade der sieben Räume auf der Ostseite, 1937","description":"Der Blick aus dem Pompejischen Eckzimmer zeigt Malereien, Schnitzereien und Stuck im klassizistischen Stil. | Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek, ZI-0962-02-00-Th212080 | Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/6aab3468f8f7ccb0906c5c684a1bd6e0.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/49bd0c1591f46136e0098b918287d2d1.jpg":{"id":618,"mime-type":"image/jpeg","title":"Robert Langer, Fresko im Empfangssalon, 1937","description":"Im Empfangssalon waren insgesamt vier Fresken des Künstlers vorhanden, die noch heute erhalten sind. | Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek, ZI-0962-02-00-Th212047 | Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/49bd0c1591f46136e0098b918287d2d1.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/bf603ec1de00f3db52f7aa98c8ca8f93.jpg":{"id":619,"mime-type":"image/jpeg","title":"Das Badezimmer der Herzogin, 1937","description":"Beinahe sakral mutet das Badezimmer der Herzogin an. 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Münchens königliche Prachtstraße, München 2018, S. 69.","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/1b1d505dc62f398615ae8032e8779159.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/361f6a6322224ddafb5779b5e73b88aa.jpg":{"id":625,"mime-type":"image/jpeg","title":"Vorraum eines Besprechungszimmers im Bundesbankgebäude, um 2018","description":"Der Boden ist ausgestattet mit dem Originalparkett des Herzog-Max-Palais nach Entwürfen von Leo von Klenze. Links verweist eine Büste der Kaiserin Elisabeth von Österreich und Königin von Ungarn (genannt Sisi) auf die Geschichte des Ortes. | Werner Ebnet: Die Ludwigstraße. Münchens königliche Prachtstraße, München 2018, S. 74.","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/361f6a6322224ddafb5779b5e73b88aa.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/b53d31e3dec580899918a1af88c62200.jpg":{"id":626,"mime-type":"image/jpeg","title":"Tafeln am Bundesbankgebäude, 2014–2016","description":"Zwei unscheinbare Tafeln informieren heute über die Geschichte des Gebäudes. | Konstantin Köppelmann und Dietlind Pedarnig: Münchner Palais, München 2016, S. 654.","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/b53d31e3dec580899918a1af88c62200.jpg"}}}