{"id":56,"featured":0,"modified":"2023-10-16 22:01:36","latitude":48.153665135749605,"longitude":11.570173501283648,"title":"Der Alte Nördliche Friedhof","subtitle":"Ein Friedhof als Nachbarschaftsoase","fullsize":"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/4d8a19c9aad2720b0d0ff2d2df410aeb.jpg","address":"Arcisstraße 45, 80799 München; zugänglich von Zieblandstraße, Tengstraße, Adalbertstraße und Arcisstraße","zoom":16,"creator":["Annalena Brandt"],"description":"<p>Als sich Anfang des 19. Jahrhunderts der heutige Alte Südfriedhof langsam füllte, wurde am Nordwestrand der Maxvorstadt der (heute Alte) Nördliche Friedhof als neuer städtischer bikonfessioneller „Leichenacker“ geplant. Obwohl die Bevölkerung „Sanitäre Nachtheile“ für Luft und Grundwasser befürchtete, wurde der Friedhof schließlich ab 1866 von Arnold von Zenetti (1824–1891) mit Aussegnungshalle und Arkaden im neuromanischen Stil auf einer Fläche von 4,47 Hektar angelegt. Insgesamt 16 Felder boten Platz für 7.272 Gräber und 30 Grüfte in den Arkaden. Drei (früher vier) Brunnen an den Umfassungsmauern zeigen Marmorreliefs mit Auferstehungsmotiven.</p>\n<p>Am 5. Oktober 1868 wurde der Friedhof morgens durch den katholischen Erzbischof, nachmittags durch den evangelischen Dekan und abends mit einem ersten Begräbnis eingeweiht. In Benutzung war er allerdings nur 71 Jahre: In einer Geheimaktion im Juli 1939 wurde der Bestattungsbetrieb über Nacht eingestellt, mit der Absicht, Luisen- und Isabellastraße durch eine Prachtstraße zu verbinden. Das plötzliche und überraschende Ende des Friedhofs führte zu vielen erregten Einsprüchen von Familienmitgliedern, die bei ihren Ehepartnern, Kindern oder Eltern in ihren Familiengrablegen beerdigt werden wollten, immerhin hatten einige Gräber bis in die 1990er Jahre Nutzungsrechte. Mehrere Grabstätten, z.B. Oldenbourg (M-re-49/51), Montgelas (M-li-67/69) und Thieme (Ark. 6), wurden daraufhin umgebettet. Bis 1943 fanden durch ein „Entgegenkommen der Stadt“ noch Beisetzungen in Familiengräbern statt.</p>\n<p>Im Zweiten Weltkrieg beschädigten Bombentreffer die Aussegnungshalle und die Arkaden schwer, der Friedhof verfiel zur Weidestätte für Tiere. Hans Döllgast (1891–1974, auch bekannt für die Rekonstruktion der Alten Pinakothek) setzte ab 1955 die linke Arkadenhalle instand, der Friedhofsbetrieb wurde aber nicht wiederaufgenommen. Nach erneuten, jedoch wieder nicht erfolgreichen Bestrebungen, Luisen- und Isabellastraße zu verbinden, errichtete man 1960 auf dem Areal der ehemaligen Aussegnungshalle einen Spielplatz. Seit 1989 ist der Friedhof nach dem bayerischen Naturschutzgesetz als Landschaftsbestandteil geschützt. Die Kirche St. Joseph ist später entstanden und unabhängig vom Friedhof.</p>\n<p>Während insgesamt ca. 62.000 Menschen dort beerdigt wurden, sind heute nur noch etwa 700 Gräber erkennbar. Ein bewegendes Denkmal markiert das Grab von Michael Wagmüller (1839–1881, 9-15-4/5). Ein Friedensengel (hier als Todesengel) hält die Gedenktafel mit den Namen der Verstorbenen in der linken Hand und bildet damit gleichzeitig einem soeben entschlafenen Kleinkind eine Nische, die es bewahrt, von dem mit Sphingen verzierten Sarkophag herunterzufallen. In der rechten Hand hält der Engel einen Palmwedel als Symbol des ewigen Lebens (also des Sieges über den Tod). Dieses Monument schuf Wagmüller für seine beiden im Kindesalter verstorbenen Töchter. Er wurde dafür auf der Pariser Weltausstellung 1878 mit dem Kreuz der Ehrenlegion ausgezeichnet.</p>\n<p>An der linken Mauer (M-li-99, zur Zieblandstraße) befindet sich das Grabmal des Dichters Hermann von Lingg (1820–1905). Ein Relief des Bildhauers Georg Schwessinger (1874–1914) zeigt die Sage des Sängers Orpheus, der seine geliebte Eurydike aus dem Totenreich zurückholen darf – und an seiner eigenen Neugier scheitert.</p>\n<p>Die Ruhestätte der Familien Lodter und Schneider, 1896 von Heinrich Waderé (1865–1950) geschaffen, zeigt gleich mehrere der damals beliebten Motive der Sepulkralikonografie: eine Trauernde (Memoria) beugt sich über ein Buch (Buch des Lebens). Im Hintergrund sind die Pyramiden von Gizeh und eine Sphinx (Antikenverehrung) im Relief zu erkennen.</p>\n<p>Weitere interessante Gräber: Ludwig von der Tann-Rathsamhausen (Ark. 3), Lucille Grahn-Yahn (Ark. 5), Gottfried von Neureuther (M-li-10/11), Georg von Krauss (M-li-44/45), Karl Max Bauernfeind (M-re-150/152), Elizabeth Banfield (M-re, 58/59), Wilhelm von Diez (15-1-33), Carl August Lebschée (14-10-33).</p>","sponsor":null,"accessinfo":"Öffnungszeiten: November bis Februar: 8 bis 17 Uhr / März: 8 bis 18 Uhr / April bis August: 8 bis 20 Uhr / September bis Oktober: 8 bis 19 Uhr. Die Tore stehen meistens offen. Nicht bei/nach Sturm oder schwerem Schneefall.","lede":"Der Alte Nördliche Friedhof wurde gegen Widerstände aus der Bevölkerung 1868 eröffnet und bereits 71 Jahre später wieder geschlossen. Heute ist der nach dem Vorbild eines Campo Santo errichtete „Leichenacker“ als grüne Lunge der belebten Maxvorstadt beliebt. Es lassen sich zahlreiche Vogelarten und Eichhörnchen beobachten, er lädt zum Spazierengehen, zum Joggen oder zum Verweilen auf den Bänken ein. Der sogenannte Alte Nordfriedhof ist nicht zu verwechseln mit dem Nordfriedhof an der Ungererstraße, der 1884 errichtet wurde.","website":"<a href=\"https://stadt.muenchen.de/service/info/alter-noerdlicher-friedhof/10309498/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Informationen zum Alten Nördlichen Friedhof auf muenchen.de</a>","related_resources":["Elfi Zuber: Der Alte Nördliche Friedhof: ein Kapitel Münchner Kulturgeschichte, München 1983.","Isolde Ohlbaum und Axel Winterstein: Gewesen, nicht vergessen. Der Alte Nördliche Friedhof in München, München 2012.","Referat für Gesundheit und Umwelt. Städtische Friedhöfe München (Hg.): 150 Jahre Alter Nördlicher Friedhof (1868–2018), München 2018.","<a href=\"https://stadt.muenchen.de/dam/jcr:73123c59-c9be-4e75-ac8b-0cbe14fa9065/Friedhofsplan%20Alter%20Nordfriedhof.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Plan des Alten Nördlichen Friedhofs</a>"],"factoids":[],"files":{"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/4d8a19c9aad2720b0d0ff2d2df410aeb.jpg":{"id":535,"mime-type":"image/jpeg","title":"Grabskulptur von Waderé","description":"Das Grabmal der beiden verwandten Familien Lodter und Schneider (M-Li-78) schuf Hermann Waderé 1896. Sehr ähnliche klassizistische Frauenfiguren lassen sich auf weiteren von ihm gestalteten Gräbern auf anderen Friedhöfen entdecken. | Annalena Brandt","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/4d8a19c9aad2720b0d0ff2d2df410aeb.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/ec1e4250e2744bbc4fd9595d7dcc0f4a.jpg":{"id":536,"mime-type":"image/jpeg","title":"Aussegnungshalle von Zenetti, 1914","description":"Historische Aufnahme der von Arnold von Zenetti entworfenen Aussegnungshalle, heute befindet sich hier ein Kinderspielplatz. | <a href=\"https://stadtarchiv.muenchen.de/scopeQuery/detail.aspx?ID=443228\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Stadtarchiv München, FS-NL-PETT2-1275</a> | Georg Pettendorfer am 14. April 1914","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/ec1e4250e2744bbc4fd9595d7dcc0f4a.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/cacb98b8e826f1735009addf1723455d.jpg":{"id":537,"mime-type":"image/jpeg","title":"Die von Döllgast rekonstruierte südliche Arkadenhalle, 1973","description":"Der Architekt Hans Döllgast sicherte und teilrekonstruierte 1955 die südliche Arkadenhalle von Arnold von Zenetti. Er ergänzte das noch stehende Gebäude mit sichtbaren Bruchkanten. In der Arkadenhalle findet sich u. a. das Familiengrab Maffei. | Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek, ZI-0953-05-00-Th243021 | Margrit Behrens","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/cacb98b8e826f1735009addf1723455d.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/9af392b480ed84bd859138842081e8e2.jpg":{"id":538,"mime-type":"image/jpeg","title":"Der Lazarus-Brunnen","description":"Der Brunnen mit dem Relief der „Auferweckung des Lazarus“ (Joh. 11,1–44) ist der einzige erhaltene Brunnen an der südlichen Mauer (zur Zieblandstraße). 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Die Aufnahme zeigt den Zustand vor der umfangreichen Restaurierung aller Brunnenreliefs 2014. | Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek, ZI-0953-05-00-Th243006 | Margrit Behrens","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/16d105731740643844708fca2770ed79.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/1661d766fb6e3849756182b4b3a5de82.jpg":{"id":541,"mime-type":"image/jpeg","title":"Familiengrab Wagmüller","description":"Das Monument für die Familie Wagmüller (9-15-4/5) zeigt wie viele weitere Gräber auf dem Friedhof einen Friedensengel. Einige Jahre markierte es auf dem Waldfriedhof das Grab des Sohnes Manuel Wagmüller, bevor es 1960 auf den Alten Nordfriedhof zurückkam. | Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek, ZI-0953-05-00-Th243023 | Margrit Behrens","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/1661d766fb6e3849756182b4b3a5de82.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/e70c8fa604896edffb75bb84a96409a8.jpg":{"id":542,"mime-type":"image/jpeg","title":"Grabmal Hermann von Lingg","description":"Der Dichterarzt Hermann Lingg (M-li-99) schrieb das für die Dichtergruppe „Die Krokodile“ namensgebende Gedicht „Das Krokodil von Singapur“ (1854):<br />\r\n„Im heil’gen Teich zu Singapur / Da liegt ein altes Krokodil / Von äußerst grämlicher Natur / Und kaut an einem Lotusstiel. / Es ist ganz alt und völlig blind, / Und wenn es einmal friert des Nachts, / So weint es wie ein kleines Kind, / Doch wenn ein schöner Tag ist, lacht’s.“ | Annalena Brandt","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/e70c8fa604896edffb75bb84a96409a8.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/16841b847fa6c72ab0b54d361370f43a.jpg":{"id":543,"mime-type":"image/jpeg","title":"Familiengrab Moser (Feld 7, o. N.)","description":"Ein beliebtes Grabmotiv ist der Seelenführer Hermes, der die Verstorbene ins Totenreich geleitet. In anderer Form ist er auch auf dem Lingg’schen Grabstein (M-li-99; vgl. die vorherige Abbildung) zu sehen, wo ein Seelenführer Orpheus zurück an die Oberwelt begleitet. | Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek, ZI-0953-05-00-Th243013 | Margrit Behrens","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/16841b847fa6c72ab0b54d361370f43a.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/405a4a310c4c6e5c2385ec1f93427885.jpg":{"id":544,"mime-type":"image/jpeg","title":"„Renaissance“-Grabmal","description":"Der Chemiker Michael Joseph Roßbach (1842–1894) wurde für sein Grabmal (12-5-1) wie ein Renaissance-Porträt in Professorentalar und mit umlaufender Namensbeschriftung in Stein gemeißelt. 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Das erklärt, wieso es ihn in mehrfacher Ausführung gibt, u. a. auch auf dem Münchner Ostfriedhof. | Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek, ZI-0953-05-00-Th242999 | Margrit Behrens","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/267cae2cba9d051214d8afaa0a39ce32.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/96b4686ba4c21a22669def4f0967c9e9.jpg":{"id":547,"mime-type":"image/jpeg","title":"Winter auf dem Friedhof","description":"Bei Schnee liegt der Friedhof wie verwunschen da, die Jogger werden durch Langläufer ersetzt und aus den Gräber erstehen Schneemänner. | <a href=\"https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Munich_Alter_Nordfriedhof#/media/File:Alter_N%C3%B6rdlicher_Friedhof_GO57.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Wikimedia Commons</a> | Gras-Ober","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/96b4686ba4c21a22669def4f0967c9e9.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/e04d290d75f948d78f58b72b7feca788.jpg":{"id":768,"mime-type":"image/jpeg","title":"Das ursprüngliche Eingangstor, um 1870","description":"Das alte Eingangstor befand sich an der Arcisstraße. Die Statuen der Barmherzigkeit und Gerechtigkeit aus Kehlheimer Sandstein wurden von Hermann Oehlmann (1834–1878), die beiden Engel von Johann Bapist Weitzer (1829–1898) und zwei der Reliefs (Ecce Homo und Mater dolorosa) von Anselm Sickinger (1807–1873) geschaffen. | <a href=\"https://stadtarchiv.muenchen.de/scopeQuery/detail.aspx?ID=452758\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Stadtarchiv München, FS-STB-6728</a>","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/e04d290d75f948d78f58b72b7feca788.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/f780cfaa59605ad0a4c115d6aad09f71.jpg":{"id":769,"mime-type":"image/jpeg","title":"Das ehemalige eiserne Kreuz, um 1900","description":"Das heute nicht mehr existierende Kreuz aus Kelheimer Marmor in der Mitte des Nordfriedhofs wurde 1870 von Johann von Halbig (1814–1882) gestaltet. Es zeigte im Sockel einige Stationen des Kreuzwegs von Hermann Oehlmann (1834–1878), hier zu sehen die Grablegung. Halbig fertigte auch zwei Statuen der Personifikationen Glaube und Hoffnung, die an der Arkadenhalle angebracht waren. | <a href=\"https://stadtarchiv.muenchen.de/scopeQuery/detail.aspx?ID=685452\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Stadtarchiv München, FS-STB-6729</a>","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/f780cfaa59605ad0a4c115d6aad09f71.jpg"}}}