{"id":357,"featured":0,"modified":"2026-08-12 14:24:04","latitude":48.139127,"longitude":11.602807,"title":"Die &quot;Susanna&quot;","subtitle":"Susanna im (Prinzregenten)bad","fullsize":"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/32effd76946e1e6c53cbff567ec50ee9.jpg","address":"Prinzregentenbad, Prinzregentenstraße 80, 81675 München","all_locations":[],"zoom":18,"creator":["Dieter Wunderlich"],"description":"<p>1963 modelliert Martin Mayer zwei Kleinplastiken mit dem Titel \"<a href=\"https://municharttogo.zikg.eu/items/show/351\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sich Ausziehende</a>\". 1982 greift er das Thema erneut auf, diesmal mit der gut zwei Meter großen Bronzefigur \"Susanna\". Das über den Kopf hochgezogene Hemd bildet nun – anders als bei früheren Darstellungen – einen Gegensatz zum nackten Körper.</p> <p>Mit dem erst im Nachhinein gewählten Titel spielt Martin Mayer auf eine biblische Geschichte an: Zwei Richter, die sich im Park versteckt haben, bedrängen Susanna, als diese ein Bad nehmen möchte. Nachdem sie von der standhaften Frau zurückgewiesen wurden, behaupten die Männer, sie hätten Susanna beim Ehebruch beobachtet – und die Beschuldigte soll deshalb hingerichtet werden. Aber Daniel überführt die Richter der Lüge, und so werden sie statt Susanna getötet.</p> <p>\"Susanna\" ist 1983 bei der Großen Kunstausstellung im Haus der Kunst zu sehen und wird dann in der Sportanlage an der Lauensteinstraße in Ramersdorf aufgestellt. Nachdem die Bronzefigur 2022 einer Großbaustelle weichen musste, bringen die Stadtwerke sie Ende 2024 ins Prinzregentenbad, wo \"Susanna\" im folgenden Frühjahr auf der Liegewiese enthüllt wird.</p> <p>Martin Mayer (1931–2022) wurde als Sohn pfälzischer Eltern in Berlin geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er im Alter von 15 Jahren nach München und studierte bis 1954 beim Bildhauer Theodor Georgii, zunächst als Privatschüler, dann an der <a href=\"https://municharttogo.zikg.eu/items/show/50\">Akademie der Bildenden Künste</a>. Als Theodor Georgii 1952 den von seinem Lehrer und Schwiegervater Adolf von Hildebrand gestalteten, im Krieg beschädigten <a href=\"https://municharttogo.zikg.eu/items/show/135\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wittelsbacher Brunnen</a> restauriert, vertraut er Martin Mayer einige der Bildhauer-Arbeiten an. Der nimmt 1953 als jüngster Bildhauer an der Großen Kunstausstellung im Haus der Kunst teil. 1957 richtet er sein erstes Atelier in München ein.</p> <p>Der Kunsthistoriker Werner Haftmann hebt hervor, dass sich Martin Mayer seine Natürlichkeit bewahrt habe. Und Gerhard Marcks schreibt seinem Kollegen 1967: \"[…] Kaum zu glauben, dass Sie in Berlin geboren sind: nicht nur Ihre Themen sind echte unschuldsvolle Münchner Hexen – Ihre ganze Auffassung atmet die Isarluft auch im Geistigen.\" (Roethel, S. 161).</p> <p>Weibliche Figuren sind das zentrale Thema der Kunst von Martin Mayer. Dabei strebt er nicht vollkommene Schönheit an, wie griechische Künstler in der Antike, sondern bevorzugt vitale pyknische Körper, \"atmendes Volumen\" (Heinz Spielmann), gern auch mit breiten Hüften, die an Gebärfähigkeit denken lassen. Eckiges findet man bei Martin Mayers Frauenfiguren nicht, weder bei Körperformen noch bei Bewegungen.</p> <p>\"Keine dieser Frauen posiert, erst recht nicht als Modell, das einem Schönheitskanon zu entsprechen versucht\", kommentiert der Kunsthistoriker Heinz Spielmann (S. 8). Es gibt keine \"kalkulierte Statuarik\". Die Frauen scheinen sich selbst zu genügen; sie bewegen sich eigenständig, lebensbejahend, unbefangen, \"selbstvergessen jenseits aller Scham und Scheu\" (a. a. O.), niemals lasziv oder obszön.</p> <p>Bei den Frauenfiguren kommt es dem Künstler nicht auf anatomische Studien an. Wichtiger als Gesicht und Individualität sind ihm Volumen und Bewegung. Werner Haftmann vergleicht den Bildhauer mit einem Töpfer, der Formen schwellen lässt, statt sie aus einem Steinblock heraus zu meißeln.</p> <p>Der Kunsthistoriker Heinz Spielmann beschreibt, wie sich die von Martin Mayer mit kräftigen Strichen begonnenen Skizzen im Arbeitsprozess vom Detail lösen. Abstrahierung hält der Bildhauer für essenziell. Dabei denkt er nicht an abstrakte Kunst, sondern an die Subtraktion des Unwesentlichen. \"Kunst […] ist erklärte Natur, Abstraktion, in der Zufälligkeiten zugunsten des Wesentlichen abgezogen sind, Zusammenhänge sichtbar werden\", schreibt Martin Mayer 1991 in einem Brief an Dietrich Heyde (Heyde, S. 7f.), und dieser zitiert Theodor Georgiis Leitsatz: \"Man sollte bemüht sein, der Natur so nahe wie möglich zu kommen, indem man sich vom Naturalismus mehr und mehr entfernt.\" (Heyde, S. 14). \"Per naturam ad artem, per artem ad naturam\" steht auf der Kugel der \"<a href=\"https://municharttogo.zikg.eu/items/show/354\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Olympia Triumphans</a>\". Damit beschreibt Martin Mayer sein künstlerisches Selbstverständnis. Jede seiner etwa dreißig großen Bronzefiguren im öffentlichen Raum wirkt \"geradezu gewaltig einfach\" (Heyde, S. 29).</p>","sponsor":null,"accessinfo":"für Besucherinnen und Besucher des Freibads zugänglich","lede":"Der Titel der Bronzefigur, die 1983 auf der Großen Kunstausstellung im Haus der Kunst zu sehen war, spielt auf die biblische Geschichte eines sexuellen Übergriffs mächtiger Männer in der Bibel an","website":"","related_resources":["Martin Mayer, Bildhauer und Grafiker: <a href=\"https://martinmayer.art/\">https://martinmayer.art</a>","Martin Mayer Gesellschaft e.V.: <a href=\"https://martinmayer.org/\">https://martinmayer.org</a>","Dietrich Heyde: Briefgespräche mit dem Bildhauer Martin Mayer, Handewitt 2019.","Heinz Spielmann: Einführung zu Martin Mayer: Frauen. Bronzen ‒ Zeichnungen ‒ Fotografien, Heidelberg 2002.","Werner Haftmann: Der Bildhauer Martin Mayer, München 1988.","Hans Konrad Roethel: Einführung zu Martin Mayer: Bronzeplastiken und Zeichnungen, München 1972."],"factoids":["Auf der Seite <a href=\"https://bei-uns-in-muenchen.de/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bei uns in München</a> gibt es weitere Orte zu entdecken und Anregungen für Besichtigungen."],"files":{"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/32effd76946e1e6c53cbff567ec50ee9.jpg":{"id":2784,"mime-type":"image/jpeg","title":"Martin Mayer: &quot;Susanna&quot;, 2025","description":"Die Statue an ihrem neuen Platz im Prinzregentenbad | <span class=\"file-source\"><a href=\"https://bei-uns-in-muenchen.de/martin-mayer\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bei uns in München - Martin Mayer</a></span> | Dieter Wunderlich","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/32effd76946e1e6c53cbff567ec50ee9.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/cd9bae49349c8887add2666a1543a887.jpg":{"id":2785,"mime-type":"image/jpeg","title":"Martin Mayer: &quot;Susanna&quot;, 2025","description":"Mit dem erst im Nachhinein gewählten Titel spielt Martin Mayer auf eine biblische Geschichte an: Zwei Richter, die sich im Park versteckt haben, bedrängen Susanna, als diese ein Bad nehmen möchte.  | <span class=\"file-source\"><a href=\"https://bei-uns-in-muenchen.de/martin-mayer\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bei uns in München - Martin Mayer</a></span> | Dieter Wunderlich","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/cd9bae49349c8887add2666a1543a887.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/8fbfa1b4ab33e0fbc2d79f2e68450a5b.jpg":{"id":2852,"mime-type":"image/jpeg","title":"Martin Mayer: &quot;Susanna&quot;, 1983","description":"&quot;Susanna&quot; ist 1983 bei der Großen Kunstausstellung im Haus der Kunst zu sehen und wird dann in der Sportanlage an der Lauensteinstraße in Ramersdorf aufgestellt.  | <a href=\"https://martinmayer.org/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Martin Mayer Archiv</a>","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/8fbfa1b4ab33e0fbc2d79f2e68450a5b.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/4ded8a5ac2165e4b94df68ce16d8f170.jpg":{"id":2790,"mime-type":"image/png","title":"Die &quot;Susanna&quot; in Vorder- und Rückansicht auf der Terrasse des Haus der Kunst, 1983","description":"Nachdem die Bronzefigur 2022 einer Großbaustelle weichen musste, bringen die Stadtwerke sie Ende 2024 ins Prinzregentenbad. | Aus: Martin Mayer: Eherne Weiblichkeit in München, München 2007, S. 30 | Martin Mayer","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/4ded8a5ac2165e4b94df68ce16d8f170.jpg"}}}