{"id":322,"featured":1,"modified":"2026-04-07 11:09:47","latitude":48.1377312,"longitude":11.568387,"title":"Die Herzogspitalkirche Mater Dolorosa","subtitle":"Spätbarockes Gnadenbild in postmodernem Betonbau","fullsize":"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/7de77f3b8bfce7feb6a9d74ad46a0896.jpg","address":"Herzogspitalstraße 8, 80331 München-Altstadt\r\n","zoom":17,"creator":["Katharina Roßmy"],"description":"Das Spital, das der Straße und auch der Kirche ihre Namen gegeben hat, wurde von 1552 bis 1570 unter dem Wittelsbacher Herzog Albrecht V. von Bayern (1528–1579) erbaut. Es sollte schwerkranken Hofbediensteten zur Verfügung stehen, die in anderen Einrichtungen nicht aufgenommen wurden. Unter Herzog Wilhelm V. dem Frommen (1548–1626) wurde es erweitert und 1626 von Kurfürst Max I. dem Großen (1573–1651) mit einer Apotheke und einem „chirurgischen Apparat“ ausgestattet sowie durch das südlich gelegene Josephspital ergänzt. Im Zuge der Säkularisation wurde das Herzogspital 1800 aufgehoben. Herzog Albrecht V. ließ seinem Spital 1555 auch eine Kirche errichten, die 1572 geweiht wurde. Für das Patrozinium wählte man die Heilige Elisabeth als Patronin der Kranken, Armen und Hilfsbedürftigen. Der Baumeister dieser ersten Kirche war Heinrich Schöttl (+1576). Die Spitalkirche war ihrer Funktion entsprechend eher schlicht gehalten. Schöttl entwarf hierfür einen rechteckigen Zweckbau mit Tonnengewölbe und polygonalem Chorschluss - der früheste, wenn auch bescheidene, kirchliche Renaissancebau Münchens (mit einigen gotischen Zügen)! Gut hundert Jahre nach der Weihe erfolgte 1676 die Barockisierung des Kirchenraumes, bei der namhafte Künstler an der Ausstattung mitwirkten. In den Jahren 1727/28 ergänzte Johann Baptist Gunetzrhainer (1692–1763) den Kirchenbau mit einem Turm im Stil des Rokoko. Der Kirchenbau von 1555 wurde im Zweiten Weltkrieg (1939–1945) zunächst im April 1944 beschädigt und nach ersten Wiederaufbau-Versuchen der Ordensschwestern im November desselben Jahres bis auf den Turm vollständig zerstört. Die Schwestern zogen daraufhin mit dem von Ihnen angebeteten Allerheiligsten zu Fuß nach Schönbrunn bei Dachau. Das wundertätige Gnadenbild und einige Schwestern fanden Zuflucht in der Maria-Theresia-Klinik von Prof. Max Lebsche (1886–1957) am Bavariaring. Nach dem Krieg richtete man zunächst eine Notkapelle im Herzogspital ein und begann dann mit einem Kirchenneubau unter Einbeziehung des historischen Turmes. Die moderne Herzogspitalkirche „Mater dolorosa“ befindet sich am Standort der ehemaligen Kirche „St. Elisabeth“, reicht aber nicht mehr bis an die Straßenseite. Die Grundsteinlegung für die Kirche und einem dazugehörigem Mädchenwohnheim erfolgte am 12.12.1954 durch Weihbischof Johannes Neuhäusler (1888–1973). Die Architekten waren Alexander Freiherr von Branca (1919–2011) und Herbert Groethuysen (1921–2020). Die Einweihung erfolgte am 04.12.1955 durch Joseph Kardinal Wendel (1901–1960). Der Neubau ist nicht mehr der Heiligen Elisabeth, sondern der Mater dolorosa (15.9.), der schmerzhaften Muttergottes geweiht. Die moderne Herzogspitalkirche präsentiert sich als nach Südwesten ausgerichteter, einfacher Backsteinbau mit integriertem Rokokoturm. Im Inneren öffnet sich ein auffällig dunkel gehaltener Kirchenraum auf rechteckigem Grundriss mit Hauptschiff und Seitenkapelle. Auf eine barocke Lichtführung wurde bewusst zugunsten einer meditativen Lichtstimmung verzichtet. Die betonte Schlichtheit des Raumes ist zum einen sicherlich den begrenzten finanziellen Mitteln nach dem Zweiten Weltkrieg geschuldet, lenkt den Fokus aber auch bewusst auf die zentralen Motive des eucharistischen Herrn in Form des Doppelseitigen Anbetungsfenster und des Gnadenbildes der schmerzhaften Muttergottes. Auch für die Nachkriegskirche wurden namhafte Künstler zur Gestaltung beauftragt. Herbert Altmann schuf das Engelgitter und das Hauptportal, Blasius Gerg (1927–2007) gestaltete die Betonelemente im Kirchenraum (Chorschranke und Windfang), Karl Knappe (1884–1970) schuf das bunte Glasfenster zwischen Kirchenraum und Nonnenchor, die neue liturgische Ausstattung ist von Fritz König (1924–2017) und von Prof. Heinrich Kirchner (1902–1984) stammt das Tabernakel auf dem Seitenaltar.","sponsor":null,"accessinfo":"Frei zugänglich","lede":"In der Herzogspitalstraße verbirgt sich, eingerückt hinter die Fassadenfront der Wohnhäuser, ein postmoderner Kirchenbau mit einer altehrwürdigen Geschichte.","website":null,"related_resources":["Michael Hartig: Anbetungs- und Wallfahrtskirche am Herzogspital in München, München 1935.","Bild und Gleichnis, Ausst.-Kat. München/Zürich 1958.","Michael Hartig und Hugo Schnell: München, München 1960, S. 57.","Torsten Gebhard: Die Herzogspital-Muttergottes in München, in: Bernhard Rupprecht (Schriftleitung), Heinz Jürgen Sauermost (Red.): Zwischen Donau und Alpen, o.O. 1972, S. 100–108.","Klaus Gallas: München. Von der welfischen Gründung Heinrichs des Löwen bis zur Gegenwart. Kunst, Kultur, Geschichte, Köln 1979, S. 116, 266.","Hans Ramisch und Peter Steiner (Hg.): Katholische Kirchen in München, München 1984, S. 80.","Josef Biller und Hans-Peter Rasp: München. Kunst- und Kultur-Lexikon, München 1994, S. 138–139.","Birgit-Verena Karnapp: Kirchen. München und Umgebung nach 1945, München/Berlin 1996, S. 58.","Albert Walter: Herzogspitalkirche München. Kirche und Kloster der Ewigen Anbetung (Chronik/Kirchenführer unter Mithilfe der Schwestern und Priester), München o.J. [vor 2000].","Susanne Fischer: Rundgang 6: Glasgemälde und Tor, Herzogspitalstraße 7–9, in: Landeshauptstadt München, Referat für Stadtplanung und Bauordnung (Hg.): Kunst am Bau der 1950er und 60er Jahre. Ein Spaziergang durch die Altstadt, München o.J., S. 9."],"factoids":[],"files":{"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/7de77f3b8bfce7feb6a9d74ad46a0896.jpg":{"id":2605,"mime-type":"image/jpeg","title":"Stich „Das Churfürstliche St. Elisabeth oder Herzogs- und St. Josephs Spital in München.“","description":"Das 1626 bis 1632 erbaute Josephspital wurde unter anderen vom Giovanni Viscardi vergrößert. Es verfügte wie das Herzogspital über eine Spitalskirche. Im 19. Jh. erfuhr diese noch eine völlige Neugestaltung im Stil der Renaissance, wurde nach der Kriegszerstörung 1945 aber abgerissen. | Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek, ZI-0842-03-026794","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/7de77f3b8bfce7feb6a9d74ad46a0896.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/c82f3d2624f9987f682b1fce4a19668b.jpg":{"id":2604,"mime-type":"image/jpeg","title":"Barocker Hochaltar mit modernem Dreifaltigskeitsrelief (20. Jh.)\r\nFoto Maria Diedenhofen, München","description":"Eines der wenigen erhaltenen Ausstattungsstücke aus der Vorkriegskirche ist die Anbetungsmonstranz (1934/35) von J. Seitz. (Hier an zentraler Stelle des Hochaltars von einem Strahlenkranz umgeben). In ihr wird das Allerheiligste, eine Hostie in der nach katholischem Glauben Jesus Christus wahrhaft gegenwärtig ist, zur ewigen Anbetung ausgesetzt (das heißt präsentiert). | Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek, ZI-0842-03-005493","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/c82f3d2624f9987f682b1fce4a19668b.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/758838bdae1d495475103ee358172973.jpg":{"id":2608,"mime-type":"image/jpeg","title":"Andreas Wolff, Altarblatt","description":"Der Hochaltar zeigt zwischen zwei Doppelsäulenpaaren ein Altarblatt von Andreas Wolff (1652–1716). Es zeigt die Heilige Elisabeth, Patronin der Vorkriegskirche mit einem Modell der Kirche. Das Auszugsgemälde ist von zwei Engelsfiguren von Andreas Faistenberger (getauft 1646; † 1735) flankiert. | Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek, ZI-0842-03-Th159550","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/758838bdae1d495475103ee358172973.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/ede7e5542273631c3bd9d0d734614e29.jpg":{"id":2607,"mime-type":"image/jpeg","title":"Turm der Herzogspitalkirche","description":"Der Kirchenturm wurde 1727 von Johann Baptist Gunetzrhainer (1692–1763) errichtet. Die reich gegliederten Turmgeschosse werden von einer kupfernen Haube abgeschlossen. Auf dieser prangt ein vergoldetes Schlusskreuz mit dem Servitenwappen. Dieses setzt sich zusammen aus den Initialen des Ordenskürzels: SM für Servi Mariae, einer Krone und sieben Lilienblüten, welche die sieben Väter des Ordens symbolisieren. | Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek, ZI-0842-03-193053","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/ede7e5542273631c3bd9d0d734614e29.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/b5ce4cb69ff5002654765b765381c519.jpg":{"id":2606,"mime-type":"image/jpeg","title":"Reitz, G. 1946, Zerstörter Turm der Herzogspitalkirche","description":"Die Kirche wurde bei der Bombardierung der Münchener Innenstadt 1944 zunächst beschädigt und schließlich bis auf den Turm vollständig zerstört. | Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek, ZI-0842-03-144102","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/b5ce4cb69ff5002654765b765381c519.jpg"}}}