{"id":313,"featured":0,"modified":"2026-03-03 10:36:54","latitude":48.133109,"longitude":11.5831521,"title":"Die Zweibrückenstraße 10","subtitle":"Wohnhaus zweier Kämpfer für schwule Gleichberechtigung","fullsize":"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/d0de8fa0564aae588a30ebfef94d02d2.jpg","address":"Zweibrückenstraße 10, 80331 München","zoom":17,"creator":["Albert Knoll"],"description":"<p>Hinter der neobarocken Putzfassade dieses typischen Miets- und Geschäftshauses aus dem Jahr 1893 lebten zu unterschiedlichen Zeiten gleich zwei prägende Persönlichkeiten der Münchner Schwulenbewegung: August Fleischmann und Gustl Angstmann.</p>\r\n<p>August Fleischmann (1859–1931) war ein früher Vorkämpfer für die Rechte der Homosexuellen, die er als „das dritte Geschlecht“ bezeichnete. Er stammte aus Baden und ließ sich 1888 in München nieder. Fleischmann wurde 1899 wegen des sexuellen Kontakts zu einem anderen Mann inhaftiert. Er verhielt sich nach seiner Entlassung – im Gegensatz zu vielen anderen Verurteilten – nicht still, sondern klärte in zahlreichen Schriften über die Gefahren der Erpressung auf Grundlage des § 175 (Kriminalisierung von Homosexualität zwischen Männern) auf. Im Juli 1902 erschien das erste Exemplar seiner Zeitschrift <em>Der Seelenforscher</em>, die er in seiner Wohnung in der Zweibrückenstraße 10 herstellte. Als dem Einzelkämpfer in den folgenden Jahren kein Erfolg vergönnt war, gab er sein bürgerrechtliches Engagement auf, verließ München und starb in der Nähe von Mannheim.</p>\r\n<p>Gustl Angstmann (1947–1998) engagierte sich seit 1971 maßgeblich in der zweiten Münchner Schwulenbewegung. Der Therapeut und politisch aktive Schriftsteller kämpfte in der <em>Homosexuellen Alternative München</em> für die Entkriminalisierung schwuler Beziehungen, für eine tolerante Gesellschaft und für Respekt innerhalb der schwulen Szene. Mit dem autobiografischen Roman <em>Ein ganz normaler Mann</em> stieß er 1982 in die bayerische Literaturszene vor. Angstmann wohnte in den 1980er und 90er Jahren in demselben Haus wie 80 Jahre zuvor sein Vornamens-Vetter Fleischmann. Er starb an den Folgen von AIDS.</p>","sponsor":null,"accessinfo":"Nur von außen zu besuchen","lede":"<p>In diesem Haus in der Zweibrückenstraße 10 wohnte um 1902 der Homosexuellenaktivist August Fleischmann. Seit 1981 wohnte in demselben Haus auch Gustl Angstmann, eine prominente Figur der Münchner Schwulenbewegung der 1970er- bis 1990er-Jahre. Dank dem Mut Einzelner wie Fleischmann und Angstmann erzielte die LGBTIQ+-Bewegung entscheidende Fortschritte, um in einer nicht immer freundlich gesinnten Gesellschaft akzeptiert zu werden. Die Isarvorstadt ist seit über 100 Jahren bevorzugtes Wohngebiet von Mitgliedern der LGBTIQ+-Gemeinschaft.</p>","website":null,"related_resources":["Wolfgang Scheel: Raus aus dem Ghetto! Die Homosexuelle Aktionsgruppe HAG/HAM in München von 1971 bis 1980, München 2021.","Albert Knoll: „Gott sei dank, dass ich so bin!“. August Fleischmann. Ein Vorkämpfer der Münchner Homosexuellenbewegung, München 2007."],"factoids":["<p>„Leider bekennen sich die Herren meistens erst dann zum ‚Dritten Geschlecht‘ wenn sie in irgend eine Geschichte verwickelt sind“ (August Fleischmann, Der Freundling, 1902, S. 7)</p>"],"files":{"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/d0de8fa0564aae588a30ebfef94d02d2.jpg":{"id":2554,"mime-type":"image/jpeg","title":"Straßenansicht des Gebäudes in der Zweibrückenstraße 10, 2007","description":"In diesem Haus in der Zweibrückenstraße 10 wohnte um 1902 der Homosexuellenaktivist August Fleischmann. Seit 1981 wohnte in demselben Haus auch Gustl Angstmann, eine prominente Figur der Münchner Schwulenbewegung der 1970er- bis 1990er-Jahre. | Albert Knoll (2007)","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/d0de8fa0564aae588a30ebfef94d02d2.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/8c4201efdd9b7178abc0e7d4efc5b6f3.jpg":{"id":2555,"mime-type":"image/jpeg","title":"August Fleischmann, 1902","description":"<p>Das einzig bekannte Foto von August Fleischmann stammt aus seiner Publikation <em>Die Überbevölkerungsfrage und das Dritte Geschlecht</em>, veröffentlicht in München 1902.</p> | August Fleischmann, „Die Überbevölkerungsfrage und das Dritte Geschlecht“ (1902)","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/8c4201efdd9b7178abc0e7d4efc5b6f3.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/60d106f0ef8fef786bd3d7c08e435c71.jpg":{"id":2556,"mime-type":"image/jpeg","title":"Zeitschrift &quot;Der Seelenforscher&quot;, 1902","description":"<p><em>Der Seelenforscher</em> war die erste in München erscheinende Homosexuellenzeitschrift. August Fleischmann plante ein langfristiges Periodikum, musste die Produktion jedoch nach 13 Ausgaben im Herbst 1904 einstellen. Die Verurteilung zu einer hohen Geldstrafe aufgrund einer Kontaktanzeige ruinierte ihn.</p> | August Fleischmann, „Der Seelenforscher“ (1902)","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/60d106f0ef8fef786bd3d7c08e435c71.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/b02a9c636f65550496cf1e8b0a9aaa64.jpg":{"id":2557,"mime-type":"image/jpeg","title":"Titelseite der Veröffentlichung &quot;Der Freundling&quot; von August Fleischmann, 1902","description":"<p>In <em>Der Freundling – Neueste Enthüllungen über das Dritte Geschlecht</em> griff August Fleischmann die Theorien des Sexualforschers Magnus Hirschfeld über das Wesen der Homosexuellen auf. Mit dem Begriff „Freundling“ suchte Fleischmann nach einer positiven Selbstbezeichnung für schwule Männer.</p> | August Fleischmann, „Der Freundling“ (1902)","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/b02a9c636f65550496cf1e8b0a9aaa64.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/9e48920e61cb47f2d8643e3fe32392f6.jpg":{"id":2558,"mime-type":"image/jpeg","title":"Gustl Angstmann, 1986","description":"<p>Gustl Angstmann (1947–1998) engagierte sich seit 1971 maßgeblich in der zweiten Münchner Schwulenbewegung. Der Therapeut und politisch aktive Schriftsteller kämpfte in der <em>Homosexuellen Aktionsgruppe München</em> für die Entkriminalisierung schwuler Beziehungen, für eine tolerante Gesellschaft und für Respekt innerhalb der schwulen Szene.</p> | Michael Lucan (1986)","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/9e48920e61cb47f2d8643e3fe32392f6.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/33658135fa6c51ac8f8816fe01bf8e37.jpg":{"id":2559,"mime-type":"image/jpeg","title":"Auszug aus der Kolumne &quot;Der Grantler&quot; von Gustl Angstmann, 1987","description":"<p>Der Grantler war eine Kolumne von Gustl Angstmann in der monatlich erscheinenden Münchner Schwulenzeitschrift <em>Südwind</em> (1987–1996), in der er gesellschaftspolitische Missstände aufgriff und sie im bayerischen Dialekt kommentierte. Die Kommentare endeten immer mit der verbreiteten Floskel „Ma soggd ja nix, ma redd ja bloos!“.</p> | Forum Queeres Archiv München / Südwind 2 (1987)","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/33658135fa6c51ac8f8816fe01bf8e37.jpg"}}}