{"id":295,"featured":0,"modified":"2026-04-22 09:53:33","latitude":48.124165764628465,"longitude":11.56081035733223,"title":"Das Tröpferlbad","subtitle":"Sozialgeschichte und Subkultur","fullsize":"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/35bde810bf1e6285fd6459efb839aa01.jpg","address":"Thalkirchner Straße 98–100, 80337 München","zoom":17,"creator":["Eva Blüml"],"description":"<p>Der neoklassizistische Klinkerbau an der Thalkirchner Straße wurde zwischen 1912 und 1913 von den Architekten Adolf Schwiening und Richard Schachner in der zweiten Bauphase des Vieh- und Schlachthofgeländes errichtet. Im Tiefparterre und im Zwischengeschoß befanden sich die Badeeinrichtungen. Die Brausebäder waren zur Thalkirchner Straße ausgerichtet, ihnen gegenüber befanden sich die Wannenbäder.</p> <p>Besonders Menschen aus der Arbeiterschicht lebten im 19. Jahrhundert häufig in Wohnungen ohne eigene Bade- oder Duschmöglichkeiten. Um die körperliche Hygiene zu verbessern und der Ausbreitung von Krankheiten entgegenzuwirken, wurden öffentliche Duschanlagen eingerichtet. Das erste „Probe-Douchebad“ wurde 1887 in der Mondscheingasse in Wien eröffnet.</p> <p>Die Nutzung der Brausebäder war einfach organisiert: Gegen ein geringes Entgelt erhielt man für einen begrenzten Zeitraum Zugang zu nach Geschlecht getrennten Bade- und Duschbereichen, oft inklusive Handtuch und Umkleidefach. Die Ausstattung war funktional, das Wasser in der Regel lauwarm, und der Wasserdruck reichte nicht immer aus, um einen kräftigen Wasserstrahl zu erzeugen – so tröpfelte es oft nur aus der Brause.</p> <p>Mit dem steigenden Wohnkomfort – insbesondere dem zunehmenden Einbau von Badezimmern in Privatwohnungen – nahm der Bedarf an öffentlichen Brausebädern ab. Ab den 1950er Jahren begann der langsame Rückgang dieser Einrichtungen; viele, wie das Tröpferlbad in der Thalkirchner Straße, wurden geschlossen, umgebaut oder ganz aufgegeben.</p> <p>Heute existieren nur noch wenige traditionelle Brausebäder. So ist das Brausen- und Wannenbad im <a href=\"https://municharttogo.zikg.eu/items/show/167\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Müller’schen Volksbad</a> heute noch in Betrieb. Die ursprüngliche Bedeutung der „Tröpferlbäder“ als wichtige Einrichtungen der städtischen Gesundheitsinfrastruktur ist jedoch weitgehend Geschichte.</p> <p>Das Gebäude an der Thalkirchner Straße beherbergt seit 1983 den „Jugendtreff Tröpferlbad“ und das „Kafe Marat“ und fungiert damit als Treffpunkt für Jugendliche und junge Erwachsene sowie als Zentrum linker Subkultur in München. Wegen erheblicher Baumängel besteht Sanierungsbedarf am Gebäude; die beiden Einrichtungen suchen nach neuen Standorten. Im Sanierungskonzept ist vorgesehen, mindestens einen der originalen Waschräume im Sinne des Denkmalschutzes zu erhalten, um die frühere Nutzung des Hauses zu dokumentieren.</p>","sponsor":null,"accessinfo":"Der Jugendtreff ist für Jugendliche und junge Erwachsene bis 26 Jahre.","lede":"Als städtisches Brausen- und Wannenbad, wie es über dem ehemaligen Eingang noch heute steht, bot das sogenannte „Tröpferlbad“ der Münchner Bevölkerung, die kein eigenes Badezimmer besaß, die Möglichkeit, sich zu duschen oder zu baden.","website":"<a href=\"https://www.troepferlbad.info/\">Jugendtreff Tröpferlbad: Treffpunkt für Jugendliche in München Isarvorstadt</a>","related_resources":["Patrik Stäbler: Marode Bausubstanz. Tröpferlbad und „Kafe Marat“ müssen umziehen, in: <a href=\"https://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-troepferlbad-kafe-marat-umziehen-marode-lux.fCrpE5kTeUrK7p3ccGUyP\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Süddeutsche Zeitung, 19. Januar 2025</a>.","Franka Bindernagel und Alina Strmljan: Die Geschichte des Tröpferlbades. Körperhygiene für alle, in: <a href=\"https://magazin.wienmuseum.at/die-geschichte-des-troepferlbades\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wien Museum Magazin, 9. Januar 2022</a>.","Martha Schnitzenbaumer und Nina Welte: <a href=\"https://collab.dvb.bayern/spaces/TUMneuesviehhofviertel2020/pages/77437296/Geschichte#Geschichte-3.3.1AufbauundArchitektur\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Neues Viehhofviertel München, Subkultur als Motor für ein urbanes Stadtquartier?</a> TU München, 2020.","Lea Kramer: <a href=\"https://www.abendzeitung-muenchen.de/muenchen/az-serie-von-der-strasse-thalkirchner-strasse-immer-mehr-kiez-art-452056\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AZ-Serie Von der Straße: Thalkirchner Straße: Immer mehr Kiez, in: Abendzeitung,</a> August 2018.","München Wiki: <a href=\"https://www.muenchenwiki.de/wiki/Thalkirchner_Stra%C3%9Fe_104\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Thalkirchner Straße 104</a>.","<i>SWM: <a href=\"https://www.swm.de/baeder/muellersches-volksbad\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Müllersches Volksbad</a>.</i>","<a href=\"https://www.youtube.com/watch?v=tOW-eK15cTk\">Zur Freiheit Folge 05 komplett: \"Frühling im Winter\"</a> ab 19:41"],"factoids":[],"files":{"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/35bde810bf1e6285fd6459efb839aa01.jpg":{"id":2423,"mime-type":"image/jpeg","title":"Das Tröpferlbad an der Thalkirchner Straße, 2025","description":"Hinter den schmalen Fenstern im Zwischengeschoß befanden sich die Duschbäder. | Eva Blüml","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/35bde810bf1e6285fd6459efb839aa01.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/aab0ffc235898e9641a5d88f6106621d.jpg":{"id":2424,"mime-type":"image/jpeg","title":"Das Städtische Brausen- und Wannenbad in den 1950er Jahren.","description":"Im linken Gebäudeteil befand sich im 2. Stock eine Hausmeisterwohnung. | Stadtarchiv München, STB-8499","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/aab0ffc235898e9641a5d88f6106621d.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/3f9890c9a2bc234ca3998a981c1cdce1.jpg":{"id":2425,"mime-type":"image/jpeg","title":"Innenansicht, Vorraum der Badekabinen, um 1920.","description":"Hinweistafel &quot;Wannen Bad 1/2 Stunde Badezeit. Wer diese Badezeit überschreitet, hat wiederholt Zahlung zu leisten.“ Die Nutzung der Brausebäder war einfach organisiert: Gegen ein geringes Entgelt erhielt man für einen begrenzten Zeitraum Zugang zu nach Geschlecht getrennten Duschbereichen, oft inklusive Handtuch und Umkleidefach. | Stadtarchiv München, FS-HB-VI-0447","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/3f9890c9a2bc234ca3998a981c1cdce1.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/67ced5d407f827e26de27c9f6484afc5.jpg":{"id":2426,"mime-type":"image/jpeg","title":"Detail der erhaltenen Fliesen eines Badebereichs, 2025.","description":"An wenigen Stellen sind in den Räumen des heutigen Jugendtreffs noch Teile der gefliesten Trennwände der Baderäume erhalten. | Eva Blüml","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/67ced5d407f827e26de27c9f6484afc5.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/b9f195cd4c1640d00461cd347c0fd183.jpg":{"id":2427,"mime-type":"image/jpeg","title":"Treppenhaus zum Jugendtreff, 2025.","description":"Im Treppenhaus ist der ursprüngliche Fliesenspiegel unter der Übermalung noch zu erkennen. | Eva Blüml","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/b9f195cd4c1640d00461cd347c0fd183.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/8322c6ddb93a4a79baed5156c4d3c90c.jpg":{"id":2428,"mime-type":"image/jpeg","title":"Eingang rechts, Detail, 2025.","description":"Der Zugang zum Brausen- und Wannenbad erfolgte nach Geschlechtern getrennt. Ein Männerkopf über der rechten Tür markiert den Eingang zur Badeanstalt, der für Männer vorgesehen war. | Eva Blüml","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/8322c6ddb93a4a79baed5156c4d3c90c.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/f2b9cdeb8079f6f6ff9d91dcadfae59d.jpg":{"id":2429,"mime-type":"image/jpeg","title":"Eingang links, Detail, 2025.","description":"Den Eingang für Frauen schmückt ein Frauenkopf. | Eva Blüml","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/f2b9cdeb8079f6f6ff9d91dcadfae59d.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/786810d2ec7850b395fe8ece18c35f2f.jpg":{"id":2430,"mime-type":"image/jpeg","title":"Das „Tröpferlbad“, circa 1920.","description":"In München gab es noch einige andere Brausen- und Wannenbäder, wie das in der Kirchenstraße 9 in Haidhausen oder das Brausebad am Bavariaring.  | Stadtarchiv München, FS-HB-VI-0445","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/786810d2ec7850b395fe8ece18c35f2f.jpg"}}}