{"id":289,"featured":0,"modified":"2026-02-19 08:37:48","latitude":48.13837567403475,"longitude":11.57425013538215,"title":"Das Haus des Reichen Almosens","subtitle":"Ihr Kinderlein kommet – zur Ridler-Spende an der Frauenkirche","fullsize":"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/04df90722d25ed18f64b3f390fd1e05b.jpg","address":"Frauenplatz 10, 80331 München (Standort am Frauenplatz, Blick auf Schmalseite des Hauses), 48.13837567403475, 11.57425013538215","zoom":17,"creator":["Frieder Leipold/ARCHIATER"],"description":"<p>Unmittelbar neben der Frauenkirche wurden in diesem Haus jeden Samstagabend Lebensmittel an Bedürftige verteilt. Die Grundlage dafür bildete eine Stiftung, die Martin Ridler im Jahr 1449 ins Leben gerufen hatte. Sie war für sechs unverschuldet verarmte Bürger mit Kindern bestimmt. Menschen, die bereits anderweitige Almosen erhielten oder auf der Straße bettelten, waren von der Unterstützung ausgeschlossen.</p>\r\n<p>Die Hilfe bestand ursprünglich aus einem großen Laib Roggenbrot und drei Pfund Rindfleisch – während der Fastenzeit wurden anstelle des Fleisches Erbsen ausgegeben. Anfangs erfolgte die Verteilung am Wurzer-Tor im Nordosten der Stadt, das aufgrund dieser Tätigkeit bald den Namen „Kosttor“ erhielt – der heutige Straßenname <em>Am Kosttor</em> erinnert noch daran.</p>\r\n<p>Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Almosen durch weitere Zustiftungen erweitert. 1487 wurde die Verteilung an den Standort am Frauenplatz verlegt. Kurz vor der Aufhebung der Stiftung im Jahr 1806 versorgte sie schließlich 238 Bedürftige.</p>\r\n<p>An der Hauswand erinnerte einst ein Gemälde an die Lebensmittelausgabe, und auch heute noch verweist eine Steintafel am Neubau auf den Stifter Martin Ridler. Die Inschrift lautet:</p>\r\n<p>„Hie geit man das Almusen, prot und flaisch all<br />sambstag durch gotes wilen hausarm elenden.<br />Des Martein Ridler ein Anfang ist. Das zu<br />deglich gemehret ist durch anndere Leit. 1449“</p>","sponsor":null,"accessinfo":"","lede":"Einmal pro Woche wurde an diesem Haus neben der Frauenkirche an in Not geratene Familien mit Kindern ein Lebensmittel-Almosen verteilt. Noch heute erinnert eine Steintafel an Martin Ridler, den Initiator dieser Stiftung.","website":null,"related_resources":["<a href=\"https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb10374764?page=242,243\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lorenz Hübner: Beschreibung der kurbaierischen Haupt= und Residenzstadt München und ihrer Umgebungen, verbunden mit ihrer Geschichte, Erste Abtheilung. Topographie, München 1803, S. 191, 220, 553.</a>","<a href=\"https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb10372528?page=18,19\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ernst von Destouches: Urkundliche Beiträge zur Geschichte Münchens, 2. Folge, München 1871, S. 17–25.</a>","Elfi Zuber (Hg.): Das Kreuzviertel (= Bürger schreiben für Bürger, Schriftenreihe des Instituts Bavaricum München, Band 2), München 1987 [Reprint 2008], S. 44, 115, 118.","<a href=\"https://sketchfab.com/3d-models/frauenkirche-1388f3dbf5654ae38a81096cfa415949\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">3D-Scan des Sandtner-Modells im Bayerischen Nationalmuseum</a>"],"factoids":["<span>Diese MunichArtToGo-Station wurde im Rahmen des </span><a href=\"https://archiater.hypotheses.org/the-project\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ERC Projektes ARCHIATER</a><span> (Grant Agreement ID: 101097906) erarbeitet. Ziel dieser Forschungsinitiative ist die Erforschung der visuellen Kultur vormoderner Hospitäler in Europa.</span>"],"files":{"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/04df90722d25ed18f64b3f390fd1e05b.jpg":{"id":2396,"mime-type":"image/jpeg","title":"Reiches Almosen, Sandtner, um 1570","description":"Bereits auf dem Stadtmodell um 1570 ist das Haus des Reichen Almosen zu sehen. Die Ausgabe der Lebensmittel erfolgte vermutlich zur Sporerstraße hin, weil das übrige Gebäude zum Friedhof der Frauenkirche gerichtet war. | Gustav Steinlein, Die Baukunst Alt-Münchens. Eine städtebauliche Studie über die Münchener Bauweise von der Gründung der Stadt bis Ende des 16. Jahrhunderts, Bayerischer Heimatschutz, ca. 1920, Tafel VIII, Abb. 66.","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/04df90722d25ed18f64b3f390fd1e05b.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/7cbe5d22619b754603c9a54bbf2dac95.jpg":{"id":2397,"mime-type":"image/jpeg","title":"Reiches Almosen, Volckmer, 1613","description":"Der Stadtplan, den Tobias Volckmer 1613 zeichnete, beruhte zumindest teilweise ebenfalls auf dem Sandtner-Modell als Vorlage. Oben rechts ist das Areal des Heilig-Geist-Spitals zu sehen, dass ursprünglich außerhalb der Stadtmauer vor dem Talburgtor lag. | Tobias Volkmer d. J, Monachivm Bavariae, 1613, München, <a href=\"https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb00077947\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bayerische Staatsbibliothek, Signatur Mapp. XI,441 b</a>","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/7cbe5d22619b754603c9a54bbf2dac95.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/47f4dc78ea340f9097377ba6432fffcc.jpg":{"id":2398,"mime-type":"image/jpeg","title":"Reiches Almosen, Paur, 1705","description":"1705 hat sich die Bebauung rund um die Frauenkirche gewandelt. Die kleinteiligen Architekturen zur Weinstraße hin sind größeren, geschlossenen Gebäuden gewichen. Das Haus des Reichen Almosens scheint dagegen seine alte Form behalten zu haben. | Mattias Paur, Churfürstl. Haubt und Residenz Statt München, 1705, Stadtarchiv München, Inv. Nr. PS-C-2978-1","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/47f4dc78ea340f9097377ba6432fffcc.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/d6da84a27f1c087a89e6ddbc8856067b.jpg":{"id":2399,"mime-type":"image/jpeg","title":"Frauenplatz 10, Zechbauer, 1905","description":"Nach der Aufhebung der Almosen-Stiftung beherbergte das Anwesen seit 1810 Brillenmacher und „Optikerseherleute“ der Familie Buchner/Brantl, die später sogar königliche Hofoptiker wurden. Daran erinnert eine Tafel links an der Schmalseite des Hauses. | Zechbauer, Frauenplatz 10, 1905, Stadtarchiv München, FS-HB-XX-F-46","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/d6da84a27f1c087a89e6ddbc8856067b.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/2b1557a77da476a11b3fea083953dd98.jpg":{"id":2541,"mime-type":"image/jpeg","title":"Reiches Almosen, Sandtner, 1570","description":"Auf dem Sandtner-Modell nimmt sich das Haus des Reichen Almosens sehr bescheiden und klein aus. Doch seine geringe Größe darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es um 1800 die stolze Anzahl von 238 Bedürftigen speiste. | <a href=\"https://www.bayerisches-nationalmuseum.de/sammlung/highlights/00140705\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Jakob Sandtner, Modell der Stadt München, um 1570, Bayerisches Nationalmuseum, Inv. Nr. Modell 1</a>, © Sybe Wartena/BNM","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/2b1557a77da476a11b3fea083953dd98.jpg"}}}