{"id":179,"featured":0,"modified":"2024-10-15 15:04:20","latitude":48.1324705,"longitude":11.5431917,"title":"Das Schwabinger Schattenspiel-Theater auf der Theresienhöhe","subtitle":"Schattenspiele im Vergnügungspark – einfach Vergnügen","fullsize":"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/85ecf9078007441c74b5d31b0504b3fd.jpg","address":"Theresienhöhe 4a, 80339 München","zoom":15,"creator":["Petra Kraus"],"description":"<p>Das Schattentheater war ein viel beachtetes poetisches Phänomen der Theaterwelt seiner Zeit. Neben Rolf von Hoerschelmann fallen Figurenschneiderinnen wie Dora Polster oder Doris Wimmer auf, die seit der Premiere des Schwabinger Hauses im Jahr 1907 die Ästhetik der träumerischen Inszenierungen bestimmt hatten. In der Wintersaison gab es die von Gründer Alexander von Bernus erwünschten künstlerischen Interpretationen am Schwabinger Standort im sogenannten Rezitationsstil. Dieser lehnte laut Presse an den Stil des Stefan-George-Kreises an. Hoerschelmann schrieb, manches Stück sei „sehr hübsch, graziös und unanständig!“.</p>\r\n<p>Der Ortswechsel in den Ausstellungspark schuf für die freie Vereinigung einen neuen Rahmen, wenn auch unter derselben Leitung: Sowohl die Einbettung in das vielfältige Unterhaltungsangebot auf der Theresienhöhe als auch die inhaltliche Programmänderung führten zu einem unerwartet hohen Publikumszulauf gegenüber dem Schwabinger Standort. Nun dominierte das Kasperlspiel im Scherenschnitt, nach Graf Pocci, für Kinder wie auch für Erwachsene.</p>\r\n<p>In einer Reihe mit <em>Paul Brann’s Marionetten-Theater Münchner Künstler</em>, dem Kinematographen-Theater von Wilhelm Sensburg, einer Rodelbahn, einer mechanischen Rennbahn und Tennisplätzen gelegen, ging es in diesem Areal zur Südseite des Bavariaparks um ein niederschwelligeres Angebot im Gegensatz zu den Ausstellungshallen der Gewerbeschau im Nordteil des Ausstellungsparks. Mit dem neuen Programm steigerten sich die Auslastungszahlen der Schwabinger Schattenspiele in der Spielzeit 1908 vom 16. Mai bis zum 18. Oktober auf erstaunliche 434 Aufführungen an 116 Tagen. Das bedeutete, dass bis zu vier Vorstellungen täglich gespielt wurden.</p>\r\n<p>Die neue Spielstätte bot Platz für rund 120 Zuschauer, die in einem 14 Meter langen Zuschauerraum auf eine Leinwand mit einer Größe von nur einem auf zwei Metern blickten, um den beweglichen, im Detail fragil geschnittenen, zweidimensionalen Schattenrissen zu folgen. Die Betreiber setzten sich sogar gegen feuerpolizeiliche Auflagen durch, so dass eine Petroleumbeleuchtung zur Durchführung des Schattenspiels eingesetzt werden durfte. Begründet wurde dies mit ihrer künstlerischen Notwendigkeit. Wer hier agierte, bleibt ungewiss: Sprecherinnen und Sprecher sowie die Figurenspielenden sind bis heute kaum zu identifizieren. Sie verschwanden hinter der Attraktion der Schattenwand.</p>\r\n<p>Da Alexander von Bernus bereits im Jahr 1910 sein Schattentheater nach Heidelberg verlagerte, war dieser Theaterform in München eine verhältnismäßig kurze Blüte beschert.</p>","sponsor":null,"accessinfo":"der ehemalige Ort liegt am Beginn der Südostseite des Bavariaparks, Zugang vom Oda-Schaefer-Weg","lede":"Das Gebäude des Schwabinger Schattenspiel-Theaters auf der Theresienhöhe&nbsp;4a wurde von dem städtischen Architekten Fritz Klee entworfen und wie alle Bauten des Vergnügungsparks auf der Südseite des Bavariaparks für die Ausstellung „München 1908<em>“</em> situiert. Der schlichte, weiße Bau orientierte sich im Grundriss am Schwabinger Vorbild der Schattenspiele in der Ainmillerstraße 32. Die Besuchenden erkannten das Gebäude an seinem markanten Schriftzug, der Narrenmaske als Signet über dem Eingang sowie an einem umlaufenden Silhouettenfries des Figurenschneiders Rolf von Hoerschelmann. Unterhalb der Traufhöhe angebracht, sprang die Parade der Schattenfiguren unmittelbar ins Auge und verwies auf die spezifische Nutzung des Theaterbaus. Ein gesprengtes Mansardwalmdach mit einer blauer Oberfläche und niedrigem Turmaufsatz betonte die Mittelachse. Die Besucherströme wurden in ein großes, ornamental eingefasstes Rundportal gelenkt.","website":null,"related_resources":["Alexander von Bernus, Sieben Schwabinger Schattenspiele: Der Dichter, Don Juan, Wegewart, St. Anton, Wolfdietrich und die Rauhe Els, Thors Hammer, Rothkäppchen, Pater Brey, München 1907.","Alexander von Bernus, Sieben Schattenspiele mit 14 Schattenbildern, München 1910.","Franz Anselm Schmitt: Alexander von Bernus: Dichter und Alchymist. Leben und Werk in Dokumenten, Nürnberg 1971.","George Jacob: Geschichte des Schattentheaters im Morgen- und Abendland, Hannover 1925, S. 196–215.","Karlhans Kluncker: Die Schwabinger Schattenspiele, in: Literatur und Theater im Wilhelminischen Zeitalter, hg. von Hans-Peter Bayerdörfer, Karl Otto Conrady und Helmut Schanze, Tübingen 1978, S. 326–345.","Gabriele Weishäupl und Florian Dering: Vom Ausstellungspark zum internationalen Messeplatz – München 1904 bis 1984, München 1984.","Benno Constantin Heisel: Schwabinger Schattenspiele, unveröffentlichte Diplomarbeit, München 2013.","Hans Brandenburg: München leuchtete. Jugenderinnerungen, München 1953, S. 174–175."],"factoids":[],"files":{"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/85ecf9078007441c74b5d31b0504b3fd.jpg":{"id":1726,"mime-type":"image/jpeg","title":"Die Schwabinger Schattenspiele, 1908","description":"Zu sehen sind die Schwabinger Schattenspiele links unten im Bild, neben der Teestube und Paul Branns Marionettentheater. Collage des Münchner Stadtmuseums unter Verwendung einer Fotografie des Stadtarchivs München (<a href=\"http://stadtarchiv.muenchen.de/scopeQuery/detail.aspx?ID=399091\">FS-AB-STB-040-02</a>) und des Friesmotivs, entworfen von Rolf von Hoerschelmann, das unter dem Dach um das Gebäude läuft. | Münchner Stadtmuseum","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/85ecf9078007441c74b5d31b0504b3fd.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/8244e02c2178479d7782894ef20247aa.jpg":{"id":1729,"mime-type":"image/jpeg","title":"Amtliche Ausstellungs-Postkarte der Schwabinger Schattenspiele für die Ausstellung &quot;München 1908&quot;","description":"Sammlung Martin Laiblin<br />\r\n","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/8244e02c2178479d7782894ef20247aa.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/3f45ba7445931148bbb1acd2e50b3106.jpg":{"id":1678,"mime-type":"image/jpeg","title":"Fassadenentwurf und Rückansicht der Schwabinger Schattenspiele von Fritz Klee und Otto Geißer","description":"Stadtarchiv München, LBK-09775-9-005","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/3f45ba7445931148bbb1acd2e50b3106.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/663af98b1096df5f7b291619fa3ee0ab.jpg":{"id":1679,"mime-type":"image/jpeg","title":"Grundriss und Sitzplan der Schwabinger Schattenspiele im Ausstellungspark, 1908","description":"Stadtarchiv München, LBK-09775-9-001","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/663af98b1096df5f7b291619fa3ee0ab.jpg"}}}