{"id":116,"featured":0,"modified":"2024-04-18 12:44:18","latitude":48.13975345,"longitude":11.57800864461915,"title":"Die Nonnen vom Max-Joseph-Platz","subtitle":"Klöster, Kirchen und Grüfte der Franziskanerbrüder, der Püttrich- und Ridlerschwestern","fullsize":"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/6f86791e3f6aded4df9d237037357a70.jpg","address":"Max-Joseph-Platz, 80539 München ","zoom":17,"creator":["Elke Bujok"],"description":"<p>Schon unter Kaiser Ludwig dem Bayer (1281/1282–1347, reg. 1314/1328–1347) erlangte das Männerkloster große wissenschaftliche und politische Bedeutung innerhalb Europas. Der sicherlich berühmteste Bruder war William von Ockham (um 1288–1347), der hier 1330 mit seinen beiden Mitstreitern Bonagratia von Bergamo (um 1265–1340) und Michael von Cesena (um 1270–1342) Schutz vor der kirchlichen Verfolgung fand. Er wurde vor dem Altar im Chor der Kirche bestattet, der ungefähr unter der südwestlichen Ecke des Nationaltheaters – der Bayerischen Staatsoper – lag.</p>\r\n<p>Das Franziskanerkloster mit Kirche und umgebendem Friedhof nahm den ganzen Max-Joseph-Platz ein und erstreckte sich weit in den Bereich des heutigen Nationaltheaters sowie die Maximilianstraße hinein. Das Ridlerkloster befand sich unter dem westlichen Teil des Königsbaus der Residenz, der erst ab 1826 errichtet wurde. Auf der gegenüberliegenden Seite befand sich an der nördlichen Ecke der heutigen Residenz- und Perusastraße das Püttrichkloster.</p>\r\n<p>Die Frauen lebten zunächst als Seelschwestern und widmeten sich der täglichen Krankenpflege, Sterbebegleitung und den Toteng<span>ebeten. Sie konnten in freier Gemeinschaft ein weitgehend eigenständiges Leben </span>ohne Gelübde und Habit führen, waren jedoch <span>der geistlichen Obhut der Franziskaner </span>unterstellt. <span>Mit verschiedenen Reformen erhielten die Schwestern im Lauf der Zeit strengere Ordnungen. So wurden 1483/84 die drei Gelübde der Armut, Keuschheit und des Gehorsams eingeführt, 1621 die ewige Klausur. Ab diesem Zeitpunkt lebten die Schwestern ausschließlich innerhalb ihrer Klostermauern und verschwanden gänzlich aus dem Münchner Stadtbild.</span></p>\r\n<p>Trotz dieser Einschränkungen konnten die Schwestern innerhalb des ihnen vorgegebenen, engen Rahmens ein selbständiges Leben führen. Sie verwalteten ihre Angelegenheiten eigenverantwortlich, übten leitende Ämter, wie das einer Oberin, aus, konnten sich künstlerisch entfalten und waren in der Bibliothek, im Archiv und in der Schreibstube tätig. Ihr Bildungsniveau war vergleichsweise hoch. In aller Regel stammten die Schwestern aus adeligen und vermögenden Familien und waren bei ihrem Eintritt ins Kloster zwischen 17 und 21 Jahre alt. Die wohl berühmteste Bewohnerin im Püttrichkloster war Herzogin Kunigunde (1465–1520), die Tochter Kaiser Friedrichs III. (1415–1493, reg. 1440/1452–1493) und Schwester Kaiser Maximilians I. (1459–1519, reg. 1486/1508–1519). Sie war dem Kloster schon seit langem eng verbunden und begab sich 1508 nach dem Tod ihres Gemahls, Herzog Albrecht IV. von Bayern (1447–1508, reg. 1465–1508), dorthin. Mit den Schwestern führte sie ein einfaches und vorbildliches geistliches Leben. Bestattet wurde sie in der Fürstengruft Unserer Lieben Frau, jedoch im Ordenshabit, worum sie bereits zu Lebzeiten ihres Gemahls gebeten hatte.</p>\r\nBei einer Ausgrabung anlässlich von Erdarbeiten zur Erweiterung der Tiefgarage unter dem Max-Joseph-Platz wurde 1982 die Gruft der Frauenklöster gefunden, die 1714 unter der Franziskanerkirche errichtet worden war. <span>Die Gräber waren mit Beigaben wie Papierblumen, Michaelsmedaillen, Christusfiguren, Rosenkränzen und Figürchen ausgestattet.</span>","sponsor":null,"accessinfo":"nicht erhalten","lede":"Längst vergessen – keine Spur im Münchner Stadtbild erinnert noch an das einst berühmte Franziskanerviertel an der Stelle des heutigen Max-Joseph-Platzes in unmittelbarer Nähe des Hofes: das Kloster der Brüder mit den beiden zugehörigen Frauenklöstern der Püttrich- und Ridlerschwestern. Die Klöster bestanden seit dem 13. und 14. Jahrhundert und wurden 1802 im Rahmen der Säkularisation abgerissen.","website":null,"related_resources":["<a href=\"http://www.archaeologie-muenchen.de/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.archaeologie-muenchen.de </a>","Tilman Mittelstraß, Elke Bujok: München – Max-Joseph-Platz. Klöster und barockzeitliche Gruft der Franziskanerinnen, vrs. Herbst 2023 (Abhandlungen und Bestandskataloge der Archäologischen Staatssammlung, digital 4).","<p><a href=\"http://www.archaeologie-muenchen.de/fileadmin/Archaeologische_Staatssammlung/Archaeologie_Muenchen/Downloads/Obb_Archiv_Bd146_Auszug_Bujok_reduced-150-mid.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Elke Bujok: Gegen den Willen des Vaters Nonne – Maria Teresia Antonia von Perusa im Münchner Püttrichkloster, in: Oberbayerisches Archiv 146 (2022), S. 35–55.</a></p>","<a href=\"http://www.archaeologie-muenchen.de/fileadmin/Archaeologische_Staatssammlung/Archaeologie_Muenchen/Downloads/Mitteilungsblatt_146_klein.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Elke Bujok: Die Nonnen vom Max-Joseph-Platz (Mitteilungen der Freunde der Bayerischen Vor- und Frühgeschichte 146, 5. Oktober 2020).</a>","<a href=\"http://www.archaeologie-muenchen.de/fileadmin/Archaeologische_Staatssammlung/Archaeologie_Muenchen/Downloads/Lustgarten_TEXT.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"></a>","Sabine John: „... mit Behutsambkeit vnd Reverentz zu tractieren“. Die Katakombenheiligen im Münchner Pütrichkloster – Arbeit und Frömmigkeit, in: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde 46 (1995), S. 1‒34.","Wilhelm Kücker: Das alte Franziskanerkloster in München. Baugeschichte und Rekonstruktion, in: Oberbayerisches Archiv 86 (1963), S. 5–158.","Max[imilian] Jos[eph] Hufnagel: Franziskanerinnenkloster der Pütrichschwestern z. hl. Christophorus in München, in: Bavaria Franciscana Antiqua 3 (1957), S. 273–308.","Max[imilian] Jos[eph] Hufnagel, Franziskanerinnenkloster der Ridlerschwestern zu St. Johannes auf der Stiege in München, in: Bavaria Franciscana Antiqua 3 (1957), S. 309–349.","P. Johannes Gatz: Franziskanerkloster München St. Antonius am heutigen Max Josephplatz, in: Bavaria Franciscana Antiqua 3 (1957), S. 17–118.","<p><a href=\"https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb10006222?page=,1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bittrich, Voll Deß Himmlischen Manna, Und Süssen Morgen-Thau. Das ist: Historischer Discurs […], München 1721.</a></p>","<p><a href=\"https://belser-1gbv-1de-1s849yrqx4def.emedia1.bsb-muenchen.de/religion/77247-1.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[Fortunatus Hueber]: Lob- Danck- und Ehren-reiche Gedächtnuß / Von dem Geist- und Löblichen Jungfrau-Closter deß III. Ordens S. Francisci. [...] Auff der Stiegen (deren Ridler genamset) zu München in Bayrn [...], München 1695.</a></p>"],"factoids":["Funde aus den Nonnengräbern vom Max-Joseph-Platz sind seit April 2024 in der Dauerausstellung der <a href=\"https://www.archaeologie-muenchen.de/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Archäologischen Staatssammlung</a> zu sehen."],"files":{"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/6f86791e3f6aded4df9d237037357a70.jpg":{"id":1170,"mime-type":"image/jpeg","title":"Die Ausgrabung am Max-Joseph-Platz, 1982","description":"Die Fotografie zeigt die Nonnengruft unter dem Max-Joseph-Platz und der Maximilianstraße, rechts das Törring-Palais, links das Nationaltheater (Bayerische Staatsoper). | Andreas Huber","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/6f86791e3f6aded4df9d237037357a70.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/df880b65a23be0fa29b301cff3fc7366.jpg":{"id":1171,"mime-type":"image/jpeg","title":"Michael Wening, Franziskanerkloster in München, 1701","description":"Der Kupferstich zeigt die Ansicht von Westen mit Kirche und umgebendem Friedhof, im Vordergrund die heutige Residenzstraße. 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Jahrhundert","description":"Die Blüten und Rosetten aus Metalldraht und Seidenpapier als Verzierung des Armkranzes und der Kleidung hatten die Schwestern vermutlich selbst hergestellt.  | Archäologische Staatssammlung. | Stefanie Friedrich","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/bbc79c4e22eaa10bf280f844b5f3f95e.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/ed5eacea7121493f1a68ca7f1ba959d8.jpg":{"id":1175,"mime-type":"image/jpeg","title":"Grabbeigaben, erste Hälfte 18. Jahrhundert","description":"Der Erzengel Michael gilt als der Begleiter verstorbener Seelen ins Jenseits. In der Todesstunde und im Tod hielten die Klosterschwestern ein Medaillon der St. Michaels-Bruderschaft von Berg am Laim in den Händen. | Archäologische Staatssammlung. | Stefanie Friedrich","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/ed5eacea7121493f1a68ca7f1ba959d8.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/f80fdcef20d397849a5dae67b9a90197.jpg":{"id":1176,"mime-type":"image/jpeg","title":"Grabbeigaben, erste Hälfte 18. Jahrhundert","description":"Archäologische Staatssammlung. | Stefanie Friedrich","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/f80fdcef20d397849a5dae67b9a90197.jpg"}}}