{"id":101,"featured":0,"modified":"2024-05-29 18:07:41","latitude":48.1444371,"longitude":11.5772121,"title":"Das Café Gisela","subtitle":"Gründungsort des FC Bayern München","fullsize":"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/404bf113bcefc33688b1b817536ea31f.jpg","address":"Kardinal-Döpfner-Straße 4, 80333 München","zoom":16,"creator":["FC Bayern Museum"],"description":"<p>Ihren Ursprung nahm die Geschichte in der rund 750 Meter entfernten Gaststätte „Bäckerhöfl“, wo an jenem Faschingsdienstag eine folgenschwere Versammlung stattfand. Die Vorstandschaft des MTV München und die Fußballer des Vereins hatten Redebedarf, denn es gab einen großen Interessenskonflikt. Schon im Vorfeld hatten einige Männer ihre Unzufriedenheit über das mangelnde Interesse der Turner an den Zielen und Plänen ihrer Fußball-Abteilung in einem „Drohbrief“ zum Ausdruck gebracht. Weil die Turner im Männerturnverein (MTV) von 1879 den kickenden Kollegen die Selbstständigkeit verweigerten, kam es bei der Zusammenkunft dann zum Aufstand. „Lasst sie doch gehen, sie kommen ja doch wieder“, schallte es aus dem „Bäckerhöfl“, als die elf anwesenden der austrittswilligen Fußballer den Raum verließen. Das jedoch taten sie nicht. Vielmehr gingen sie ein paar Straßen weiter ins „Gisela“. Um 23.15 Uhr war der Beschluss endgültig und die verlagerte Gründungssitzung beendet: Der FC Bayern München, heute deutscher Fußball-Rekordmeister, war geboren.</p>\r\n<p>Die Gründungsurkunde des Münchner Fußballclubs „Bayern“ ist auf dem Gedenkstein verewigt und als Replikat im FC Bayern Museum in der Allianz Arena ausgestellt. Sie zeigt 17 Unterschriften, unter anderem jene des ersten Präsidenten Franz John, dem das „Café Gisela“ bestens bekannt war. Nur der heutige Oskar-von-Miller-Ring trennte die Lokalität von der Amalienstraße, in der John sowohl wohnte (damals Hausnummer 12) als auch seinen Unterhalt verdiente (damals Hausnummer 9). Drei Minuten zu laufen hatte er vom Geschäft des „Herzoglich Bayerischen Hofphotographen Friedrich Müller“, wo er einer renommierten Stelle für Fotografie nachging.</p>\r\n<p>München war damals eine Kunstmetropole – und der FC Bayern der ersten Stunde somit auch eine Art Künstlerverein. Aus Bremen, Dortmund, Leipzig und Pankow waren die „Ur-Bayern“ nach München gekommen, um ihre Ausbildung in einem fortschrittlichen, freiheitlichen Klima zu absolvieren. Besonders die Akademie der Bildenden Künste und die Kunstgewerbeschule als führende Ausbildungsstätten ihrer Art trugen den Ruf der Stadt als kulturelles Zentrum in die Welt hinaus.</p>\r\n<p>Im Künstlerviertel rund um Schwabing und die Maxvorstadt verkehrten die Gründungsmitglieder miteinander und merkten schnell, dass sie ähnlich tickten. Neben dem hohen Interesse an der Kunst einte die Maler und Bildhauer Paul Francke, Wilhelm Focke, Benno Elkan sowie Otto Naegele auch ihre Liebe zum Fußball. Elkans renommiertestes bildhauerisches Lebenswerk, die Menora (Siebenarmiger Leuchter), wurde 1956 gar vor der Knesset, dem israelischen Parlament in Jerusalem, aufgestellt.</p>\r\n<p>Auch einen ersten „Merchandise“-Artikel gab es zu dieser Zeit: Eine von Paul Francke, dem ersten Kapitän, gezeichnete Postkarte wurde unter den Mitgliedern weitergegeben. Torhüter Otto Naegele war als gebürtiger Münchner nicht nur einer der Fußballpioniere der Stadt, sondern entwickelte sich auch zu einem anerkannten Werbegrafiker. Die von ihm geschaffenen Plakate sind stark vom Münchner Jugendstil geprägt und werden heute noch als Reproduktionen verkauft – unter anderem auf Handy-Hüllen.</p>\r\n<p>Am Tisch im „Café Gisela“ saß auch Wilhelm Focke, ein Universalgenie. Der gebürtige Bremer war Fußballer, Kunstmaler, Bildhauer, Flugpionier und Bootsbauer zugleich. Kein Wunder also, dass er sich von Franz John für den neuen, fortschrittlichen Klub begeistern ließ. Denn John war der Mann, ohne den es den FC Bayern nicht geben würde. Der damals 27-Jährige wurde zum Namensgeber, zum ersten Vorsitzenden und machte den neuen Klub mit seiner Energie schnell zur führenden Kraft in München.</p>","sponsor":null,"accessinfo":"Nicht erhalten","lede":"Der Gedenkstein ist auffällig, das Vereinswappen nicht zu übersehen – aber die Geschichte dahinter ist nicht jedem bekannt, der heute die Jägerstraße/Ecke Kardinal-Döpfner-Straße passiert. Sie ereignete sich am 27. Februar 1900, zu einer Zeit, in der an dieser Stelle der Maxvorstadt noch das „Café Gisela“ beheimatet war, und erzählt die Gründung des FC Bayern München.","website":null,"related_resources":["FC-Bayern-Fanclub Möckenlohe: Festschrift für 25 Jahre FC-Bayern-München, München 1925.","Dietrich Schulze-Marmeling: „Der FC Bayern, seine Juden und die Nazis: Aufstieg und Zerschlagung einer liberalen Fußballkultur“, Göttingen 2017, S. 20–35.","<a href=\"https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/FC_Bayern_M%C3%BCnchen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Daniel Baumann: FC Bayern München, in: Historisches Lexikon Bayerns.</a>"],"factoids":["Wer mehr über die Gründungs- und Erfolgsgeschichte des FC Bayern München erfahren möchte, hat in knapp zehn Kilometern Entfernung vom Ursprungsort die Möglichkeit dazu: Das <a href=\"https://fcbayern.com/museum/de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">FC Bayern Museum</a> ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet."],"files":{"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/404bf113bcefc33688b1b817536ea31f.jpg":{"id":1046,"mime-type":"image/jpeg","title":"Das Restaurant Gisela, 1900","description":"Die Postkarte vermittelt einen Eindruck von den Räumlichkeiten des Café Gisela, in dem am 27. Februar 1900 die Gründungssitzung des FC Bayern stattfand. | Stadtarchiv München, FS-PK-STB-03019 - 03022","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/404bf113bcefc33688b1b817536ea31f.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/19c393cde2eee0e1325a919a87296ecb.jpg":{"id":1047,"mime-type":"image/jpeg","title":"Das Haus Fürstenstraße 2, Ansicht von Norden, 1910","description":"Das Gebäude in der Fürstenstraße 2 (heute Kardinal-Döpfner-Straße), in dem sich das Café Gisela befunden hatte, existiert heute nicht mehr. Vor Ort erinnert aber ein Gedenkstein an diesen historischen Ort | Stadtarchiv München, FS-PK-STB-13168","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/19c393cde2eee0e1325a919a87296ecb.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/ba3ee0cc175da2e08cdce91416da7165.jpg":{"id":1048,"mime-type":"image/jpeg","title":"Die Fürstenstraße 2 von Süden, Aufnahme vom 14. April 1920","description":"Stadtarchiv München, FS-NL-PETT2-1587","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/ba3ee0cc175da2e08cdce91416da7165.jpg"},"https://municharttogo.zikg.eu/files/fullsize/351ab443343e8d92082208ecca4a6942.jpg":{"id":1049,"mime-type":"image/jpeg","title":"Die Gründungsurkunde des FC Bayern, 1900","description":"Diese Namensliste kann heute als Gründungsurkunde des FC Bayern angesehen werden, auch wenn von den 17 Unterzeichnern vom Januar am 27. Februar 1900 nur elf im Restaurant Gisela anwesend waren, wie das Protokoll der Gründungsversammlung ausweist. Die Formulierung „Absichtserklärung“ wurde an diesem Abend oben auf dem Zettel sichtbar durchgestrichen und in „Beitrittserklärung“ ausgebessert. | FC Bayern Museum","thumbnail":"https://municharttogo.zikg.eu/files/square_thumbnails/351ab443343e8d92082208ecca4a6942.jpg"}}}